Kleiner Rant gegen MarkTomJack
Wir haben zuhause seit einiger Zeit ein neues Mem. Es heißt „MarkTomJack“. Zusammengesetzt aus den Serienhelden Mark (Flash Forward), Tom (4400) und Jack (Lost).
MarkTomJack (addieren könnte man auch Jim aus The Wire) bezeichnet einen bestimmten, sehr nervigen Typus Mann, der neuerdings offenbar in keiner amerikanischen Fernsehserie fehlen darf. Er ist immer weiß, er ist immer die Hauptfigur und er hat immer einen knackigen, einsilbigen Namen (oder ist es anders zu erklären, dass die einzige männliche Serienfigur, die nicht in dieses Raster passt, einen zweisilbigen hat, nämlich Peter aus Fringe?).
Wäre ich Männerbeauftragter, hätte ich schon längst einen Protest gegen diese eindimensionale, tumbe Darstellung von Männern gestartet. Denn MarkTomJack ist eine echte Plage. Wenn er nur ins Bild kommt, rollen sich schon sämtliche Fußnägel hoch. (Tatsächlich war Jack der Grund, warum ich mich nach den ersten zwei Folgen schon fast entschlossen hatte, Lost nicht mehr weiterzugucken. Nur den gesammelten Überredungskünsten meines sozialen Umfelds ist es zu verdanken, dass ich durchgehalten habe, zum Glück).
MarkTomJack kapiert nie etwas, aber er will ständig alles „fixen“. Er leidet unter der grandiosen Selbstüberschätzung, immer für alles verantwortlich zu sein, und es fällt ihm gar nicht auf, dass er die Dinge in der Regel nur verkompliziert. Er kann es nicht ertragen, dass auch mal jemand anderes ein Problem hat. Deshalb macht er sämtliche Probleme zu seinen eigenen. Wenn zum Beispiel seine Kollegin im Einsatz angeschossen wird, vergeht er an Selbstvorwürfen. Statt anderen beizustehen muss er dauernd selbst getröstet, bedauert, verstanden, gebauchpinselt werden. Er ist einfach so fürchterlich wichtig.
Vor allem Frauen gegenüber ist MarkTomJack einfach nur peinlich. Er leidet unter völlig aus der Luft gegriffenen Eifersuchtsattacken. Er macht ständig alles falsch, auch wenn es gar nichts falsch zu machen gibt, wahrscheinlich deshalb, weil er sonst nicht im Mittelpunkt stehen würden. Sein Verhältnis zu anderen Männern wiederum besteht vor allem aus Konkurrenz um die Position des Leitwolfs. Diese Konkurrenz zelebriert er sogar dann, wenn die anderen Männer an ganz anderen Dingen interessiert sind, was meistens der Fall ist. Das übersteigt aber seinen Horizont. Einzige Ausnahme ist natürlich sein Vater, dem er sich beweisen muss.
MarkTomJack ist für die Handlung eher nebensächlich, denn es gibt genügend andere Protagonisten und Protagonistinnen, die das, was es zu tun gibt, genausogut – oder besser – erledigen können. Die auch viel interessanter sind, weil sie eine Persönlichkeit haben, die diese Bezeichnung verdient, weil sich ihr Gefühlsleben nicht ausschließlich aus Klischees speist, weil sie komplexer Gedankengänge mächtig sind. Weil man bei ihnen nicht immer schon im Voraus weiß, was sie in der nächsten Sekunde tun oder sagen werden.
Im Vergleich mit früheren Serienhelden – Caine, Rockford, Picard, Mulder, you name it – ist der MarkTomJack von heute ein blasser, langweiliger Junge. Nicht, dass es früher die Figur MarkTomJack nicht gegeben hätte. Er trat auch in älteren Serien schon auf, aber nur als Nebenfigur, die eben genau die Aufgabe hatte, die Schlichtheit von MarkTomJack im Vergleich zu den eigentlichen Hauptfiguren zu verdeutlichen. MarkTomJack ist es, der von Caine in die Schranken gewiesen wird, dem Rockford aus seinem selbstveschuldeten Schlamassel hilft, und der Picard oder Mulder dauernd das Leben schwer macht, weil sein Horizont völlig auf das eigene Ego beschränkt ist.
Liebe Drehbuchautoren (oder sind da sogar Drehbuchautorinnen dabei?): Bitte hört auf, eure guten Geschichten mit solchen MarkTomJacks zu verhunzen. Danke.
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Tags:4400, Fringe, Lost, The Wire, TV-Serien
Das Label „linke Kerle“ ist seit längerem in meinem Kopf. Ich glaube, seit ich mal – vor vielen Jahren – an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Utopien“ teilgenommen habe und einer der Mitdiskutanten plötzlich auf den Tisch schlug: Was wir da sagten, das wäre ja alles viel zu unkonkret, man dürfe nicht so nebulös herumreden, sondern wir müssten strategisch denken. Überall sei doch längst Krise, nichts würde mehr funktionieren, und wenn deshalb morgen Gerhard Schröder (ja, so lange ist das schon her:)) alles hinwerfen würde, weil er nicht mehr weiter weiß – ja, dann müssten wir doch konkrete Pläne in der Schublade haben, nach denen wir sofort mit der Revolution anfangen könnten. Es gelang mir damals irgendwie, nicht lauthals loszulachen.
Die letzten Tage habe ich wieder mit so einem Kerl verbracht, und zwar mit Slavoj Žižek, dessen neues Buch „Die bösen Geister des himmlischen Bereichs. Der linke Kampf um das 21. Jahrhundert“ ich tatsächlich ganz durchgelesen habe. Das gelingt mir bei solchen Büchern nicht immer, bei Negri/Hardts „Empire“ zum Beispiel hab ich schon nach dem ersten Viertel das Handtuch geworfen. Žižek kann Hardt und Negri übrigens auch nicht leiden (was er ständig betont). Vielleicht haben wir uns deshalb ganz gut verstanden.
Žižek gibt sich viel Mühe, zerrissen zu werden. Etwa indem er erstaunlich viele gute Aspekte an Kerlen wie Robespierre, Heidegger, Stalin oder Mao findet. Man könnte jetzt jede Menge Zitate aus dem Zusammenhang reißen und massenweise Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber das will ich gar nicht tun. Ich finde seine Argumente im Großen und Ganzen ziemlich klug, wenn man sich denn für Robespierre, Heidegger, Stalin oder Mao interessieren würde, was ich aber nicht tue.
Wofür ich mich aber sehr wohl interessiere, das ist die Frage, wie man aus einer „linken“ oder meinetwegen auch „kommunistischen“ Perspektive heraus die Welt verändern kann. Wobei mir die Begriffe „links“ und „rechts“ , ebenso wie „kommunistisch“, nichts sagen, aber ich denke, vieles von dem, was Žižek meint, wenn er sie verwendet, kann ich durchaus teilen.
Leider hat mich das Buch aber trotzdem in meiner Auffassung bekräftigt, dss von den linken Kerlen keine Revolution zu erwarten ist, und man muss sagen, glücklicherweise.
An einer Stelle zum Beispiel charakterisiert Žižek das, was er das „revolutionäre Subjekt“ nennt. Als Beispiel nimmt er eine Szene aus dem Film „Die üblichen Verdächtigen“. Darin kommt ein Mann nach Hause und findet seine Frau und seine kleine Tochter in der Gewalt einer rivalisierenden Bande vor. Seine Reaktion: Er erschießt selber Frau und Kind und droht dann den „Feinden“, er werde sie gnadenlos verfolgen und sie, ihre Familien, Eltern und Freunde allesamt umbringen. Žižek analysiert diese Szene so:
In einer Situation der erzwungenen Wahl trifft das Subjekt die verrückte, unmögliche Entscheidung, gewissermaßen sich selbst zu schlagen und seine Liebsten zu töten; seine Tat ist keineswegs ein Fall von ohnmächtiger, gegen sich selbst gerichteter Aggressivität, sondern verändert die Koordinaten der Situation, in der das Subjekt steckt. Indem es sich von dem kostbaren Objekt löst, durch dessen Besitz der Feind es in Schach halten konnte, verschafft sich das Subjekt Handlungsspielraum. Der Preis dieser Freiheit ist natürlich entsetzlich. Die einzige Möglichkeit, wie das Subjekt die Schuld ausgleichen kann, sein kostbarstes Objekt (seine kostbarsten Objekte) geopfert zu haben, besteht darin, … auf alle persönlichen Eigenarten zu verzichten und sein gesamtes Leben der Vernichtung derer zu widmen, die es gezwungen haben, die Opfertat zu begehen. Eine solche „unmenschliche“ Position der absoluten Freiheit (in meiner Einsamkeit kann ich tun und lassen, was ich will, niemand hat Gewalt über mich) gepaart mit absoluter Hingabe an eine Aufgabe (der einzige Sinn meines Lebens besteht darin, Rache zu üben) charakterisiert vielleicht am treffendsten das revolutionäre Subjekt. (S. 114f)
Frau und Kind, die „kostbaren Objekte“ des männlichen Subjektes, my ass. Der Mann, der seine „Liebsten“ tötet, fügt nicht etwa anderen etwas zu, sondern sich selbst. Bindungen und Verantwortlichkeiten zu anderen Menschen stehen dem entschlossenen revolutionären Handeln des Mannes im Weg. Zum Glück gibt es solche „Subjekte“ im wirklichen Leben selten, selbst unter männlichen Menschen sind sie krasse Ausnahmen. Zur Rettung der Welt sollten wir daher besser nicht auf sie setzen. Oder anders gesagt: Wenn das Freiheit sein soll, dann gibt es keine Freiheit.
Es gibt übrigens viele Stellen in dem Buch, an denen deutlich wird, dass Žižek die feministische Revolution offenbar komplett verschlafen hat. Ich habe auch eine Ahnung, warum das so ist. Wenn ich seine Argumentation richtig verstanden habe (ich bin mir da nicht sicher, denn er springt ziemlich hin und her), sieht er den Hauptfehler der bisherigen Männer-Revolutionen darin, dass es ihnen im Anschluss an eine Umwälzung nicht gelungen sei, dann auch wirkliche Veränderungen im Alltagsleben umzusetzen. Dies sei im Gegenteil dem Kapitalismus gelungen, weshalb der auch einstweilen „gewonnen“ hätte.
Ich denke, dass genau an dieser Stelle bei Žižek (wie bei anderen linken Kerlen, zum Beispiel dem auf dem Podium, das ich eingangs geschildert habe), eine falsche Reihenfolge in der Analyse dessen liegt, was Revolution bedeutet und wie sie sich abspielt. Ihre Vorstellung ist, dass Revolutionen ein „Ereignis“ erfordern, eine krisenhafte Situation, die alles umwälzt, und dass entschlossen handelnde „revolutionäre Subjekte“ dann in der Lage sind, diese Krisensituation zu nutzen, um etwas Neues (den Kommunismus oder so) einzuführen.
Entsprechend käme es für eine „linke“ Bewegung darauf an, sich auf diesen Moment „vorzubereiten“ (und Pläne in der Schublade zu haben), damit sie diese Zeit der weltgeschichtlichen Öffnung möglichst so nutzen können, dass die eingeführten Veränderungen auf eine bessere Gesellschaft hin später nicht mehr rückgängig gemacht werden können.
Meiner Ansicht nach verhält es sich aber genau anders herum: Durch viele erst einmal unscheinbare Handlungen und Diskussionen verändert sich der Alltag ohnehin laufend, und jede Menge „Revolutionäre“ (und „Revolutionärinnen“) haben daran Anteil. Die müssen dafür gar nicht „kerlig“ sein und auch nicht ihre Frauen und Kinder erschießen. Es reicht, wenn sie neue Lebens- und Wirtschaftsformen ausprobieren, wenn sie Einfluss nehmen auf die öffentliche Meinung, wenn sie überkommene Denkmuster hinterfragen, neue politische Praktiken erfinden und so weiter. Eben das tun, womit wir alle laufend beschäftigt sind.
Wenn dann ein „Ereignis“ eintritt, zeigt sich, wie erfolgreich sie damit waren. Es ist doch immer so, dass die symbolische Ordnung (die Werte, die Sitten, die Gesetze, das, was als „normal“ gilt) dem wirklichen Leben fast überall hinterherhinkt. Um nur mal ein ganz banales Beispiel zu nennen: Das Ehegattensplitting ist heute schon vollkommen unterminiert, niemand will es eigentlich so wirklich mehr haben. Aber das Gesetz existiert noch, als Zombie sozusagen. Ich wette meinen Kopf, dass, wenn wir mal eine „revolutionäre Situation“ haben sollten, das Ehegattensplitting hinterher weg ist.
Zumindest in der Geschichte der Frauen war es immer so. Nehmen wir etwa das allgemeine, geschlechtsunabhängige Wahlrecht. Über Jahrzehnte hinweg haben Frauen (und auch einige, gar nicht mal so wenige Männer) dafür gestritten und argumentiert, in Parlamenten, an Küchentischen und an Marktständen. Als dann Revolution war, wurde es überall quasi auf einen Schlag eingeführt (außer in Frankreich und der Schweiz, die zickten noch ein bisschen rum).
Revolutionäre Ereignisse oder andere Krisen, so wäre jedenfalls meine These, können nur das in die Realität umsetzen (oder eher: ermöglichen, dass es ans Licht kommt), was vorher in alltäglichen Experimenten und Debatten bereits vorbereitet wurde. Nicht mehr. Das jüngste Beispiel dafür ist die so genannte „arabische Revolution“. Die hauptsächlichen Akteure und Akteurinnen dieses „Ereignisses“ waren säkulare, „linke“ Aktivist_innen. Aber sie hatten, wie sich nun herausstellt, keinen nennenswerten Rückhalt in der Alltagskultur. Das, was dort vorbereitet worden war, ist vielmehr eine islamisch geprägte „Kulturrevolution“, wie die Wahl in Ägypten gezeigt hat, wo Muslimbrüder und Salafisten zusammen drei Viertel der Stimmen bekommen haben. Gegen diese Entwicklung im Anschluss an das krisenhafte „Ereignis“ hätte auch kein noch so entschlossen vorgehendes „revolutionäres Subjekt“ etwas unternehmen können.
Wenn wir also die Revolution wollen, dann müssen wir sie VOR dem „Ereignis“ so gut wie möglich vorbereiten, denn wenn das Ereignis erst einmal da ist, ist es zu spät.
Das zu wissen, erleichtert mich übrigens sehr, denn auch bei einer anderen „kerligen“ These Žižeks habe ich Bauchschmerzen. Er macht sich nämlich über jene Linken lustig, die sich vor einer wirklichen Krise fürchten, zum Beispiel vor einem richtigen Zusammenbruch der Finanzmärkte. Er geht zwar nicht mehr so weit wie die Theoretiker_innen der RAF, die eine solche Krise auf Teufel komm raus aktiv provozieren wollten, aber er sagt auch, dass man nicht zu ihrer Vermeidung beitragen sollte, dass man keine Angst haben darf, vieles von dem, was man hat und schätzt, zu verlieren.
Ich habe, ehrlich gesagt, schon Angst davor. Denn es ist einfach Fakt, dass bei solchen Krisen und „Ereignissen“ massenweise Menschen sterben und ebenso massenweise Menschen unvorstellbar leiden müssen. Ob es nun die zusammenbrechenden Finanzmärkte, der nächste Krieg oder die Klimakatastrophe sind – ich muss die nicht haben.
Aber wenn ein solches Ereignis, was wahrscheinlich ist, ganz ohne mein Zutun und ohne, dass ich es verhindern könnte, früher oder später eintritt – dann will ich wenigstens meinen Teil dazu beigetragen haben, dass wir darauf so gut wie möglich vorbereitet sind. Weil das, was dann geschehen wird, nämlich nichts anderes sein wird als das unausweichliche Ergebnis dessen, was wir vorher (also jetzt) tun.
Slavoj Žižek: Die bösen Geister des himmlischen Bereichs. Der linke Kampf um das 21. Jahrhundert. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2011.
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So etwas Gentlemaneskes wie das kokette Eingeständnis von Stephen Hawking neulich gab es ja lange nicht mehr in Sachen Geschlechterdifferenz zu lesen: Frauen seien ihm ein komplettes Rätsel, bekannte er im Interview zu seinem 70. Geburtstag. Ich nehme an, dass er bei dieser Gelegenheit noch mehr gesagt hat, aber die meisten Medien haben diese eine Antwort zum Aufmacher gemacht.
Bekanntlich ist aber die männliche Vorstellung, Frauen seien ein komplettes Rätsel, kein ganz taufrisches Klischee. Jahrhundertelang war das Mainstream. Der Neuigkeitswert liegt vielmehr darin, dass jemand das heute noch sagt (oder, wie die Mahner gegen die political correctness vermutlich sagen würden), sich heute noch (oder wieder) traut, so was zu sagen.
Das derzeitige Mantra lautet ja eher, dass Frauen im Prinzip ganz genauso sind wie Männer, bloß mit Lippenstift. Was gibt es da schon zu verstehen. Auch in diesem Blog erscheinen immer mal wieder Kommentare, in denen Männern mir erklären, wie Frauen sind und was sie tun (meistens in Widerspruch zu dem, was ich gebloggt habe, denn ich gehe ja nur von mir persönlich aus und bin, da selbst eine Frau und noch dazu Feministin, nicht in der Lage, das zu beurteilen).
Warum ich diesen kalten Kaffee noch einmal aufrühre, ist eine Idee, die ich beim Lesen des Hawking-“Geständnisses“ hatte. Nämlich die, dass genau hier die Lösung für ein ganz anderes Mysterium liegen könnte: Das Mysterium nämlich, warum auf so vielen Veranstaltungen lauter Männer reden und kaum eine Frau. Das ist ja völlig unerklärlich, weil doch niemand etwas gegen die Beteiligung von Frauen hätte. Und weil Frauen erwiesenermaßen weder blöder noch uninteressierter noch sonstwas sind.
Meine Idee nun ist folgende: Diese beiden scheinbar so diametral entgegengesetzten Vorstellungen, die unter Männern über Frauen kursieren – „sie sind ein unerklärliches Mysterium“ versus „sie sind ganz genauso wie wir“ – sind nur die zwei Seiten derselben Medaille. Sie führen nämlich beide zu dem Schluss, dass es eigentlich keinen Grund gibt, mit Frauen zu reden. Denn welchen Sinn soll es haben, Frauen zuzuhören, wenn man schon von vornherein weiß, dass man sie nicht verstehen wird, weil sie ja so mysteriös sind? Oder welchen Sinn soll es haben, Frauen zuzuhören, wenn sie doch eh nichts anderes sagen werden als Männer auch?
Dabei wäre es doch eigentlich so einfach. Frauen sind nämlich keine Wesen vom anderen Stern. Man kann mit ihnen reden, echt jetzt. Und nicht nur, weil sich das heute nunmal so gehört für den toleranten Mann, sondern weil man dabei tatsächlich zuweilen Sachen erfährt, auf die man selber nicht gekommen wäre.
Aber natürlich nur, wenn’s einen auch interessiert.
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Weibliche Gelehrte im Islam
Hier hat jemand ein sehr fleißiges Buch über weibliche Gelehrte im Islam geschrieben, das ich mit einiger Faszination gelesen habe. Mohammad Akram Nadwi hat mit großer Akribie in den Quellen aufgespürt, welche Frauen wo, wie und wann sich an der Überlieferung von Hadithen beteiligt haben, also von Erzählungen und Berichten aus dem Leben des Propheten Mohammed, die für Muslime und Musliminnen nach dem Koran die zweitwichtigsten Quellen dafür sind, um herauszufinden, was Menschen tun sollen, was erlaubt und verboten ist.
Für alle, die den Islam für eine bloße Männerreligion halten, ist das schonmal lehrreich, weil allein die Fülle an Material diese Behauptung obsolet macht. So stammt die zweitgrößte Anzahl an Hadithen, nämlich über 2000, von Aisha, einer der Ehefrauen Mohammeds. Dass Frauen nach islamischer Praxis und weitem Konsens nicht nur lernen, sondern auch lehren können (und zwar auch Männer), wird ebenso klar.
Überhaupt hat es vor allem in den ersten zwei Jahrhunderten viele Frauen gegeben, die Hadithe erzählten und weiter erzählten, während ihre Anzahl in den Jahrhunderten danach stark zurück gegangen ist, was Nadwi damit erklärt, dass dann die Tradierung mehr mit Reisen verbunden war, woran weniger Frauen beteiligt waren (einige aber doch). Die Feministin denkt dabei natürlich auch unweigerlich an jenen allgemeinen Trend in sozialen Bewegungen, dass fast immer die Beteiligung von Frauen in den Anfangszeiten sehr viel höher ist als in den darauf folgenden Phasen der Institutionalisierung und Konsolidierung.
Abgesehen davon, dass dieses Buch natürlich ein großer Fundus für alle möglichen Arten von historischer Islamforschung ist, fand ich vor allem das Vorwort spannend. Darin schreibt Nadwi nämlich von seiner Befürchtung, seine Forschung könne auf westlich-emanzipatorisch-feministische Weise verstanden werden, was er nicht möchte und worin er eine Vereinnahmung der von ihm untersuchten Frauen sehen würde:
These were not feminists, neither consciously nor unconsciously. They were above all else, like the men scholars, believers, and they got and exercised the same authority by virtue of reasoning with the same methods from the same sources as the men…“ (S. XIV)
Den westlichen Feminismus, vor dessen Karren er sich nicht spannen lassen möchte, reduziert er allerdings auf den Gleichstellungsfeminismus, also auf die Forderung, Frauen müssten dasselbe tun können wie Männer. Nadwi schreibt:
The sheer number of examples from different periods and regions will establish that the answer to some of the ‘If men can, why can’t women?’ questions is ‘Men can and women can too’. That ist correct, and yet it is not right. It is not right because the approach embedded in the question ‘if men can, why can’t women?’ is, from the Islamic perspective of the muhaddithat (also der Hadith-Gelehrten), misleading in itself. (S. XV)
Die Irreführung, die in der Frage des Vergleichs der Frauen mit den Männern liegt, läuft seiner Ansicht nach auf drei Punkte heraus:
Erstens enthält sie die Unterstellung, dass die Sphäre der Frauen geringer zu bewerten sei als die der Männer. Er weist er darauf hin, dass von den über 8000 weiblichen Gelehrten, die er zusammengetragen hat, nicht eine die „häusliche“ Sphäre geringer bewertet hätte oder die weiblichen Pflichten darin für unerheblich erklärt hätte. Auch hätte keine je geäußert, dass es weniger erstrebenswert oder minderwertiger sei, eine Frau zu sein als ein Mann, und gleichzeitig hätte keine von ihnen je bestritten, dass Frauen bei entsprechenden Gelegenheiten und Fähigkeiten trotzdem auch Pflichten gegenüber der Gesellschaft und außerhalb der Familie hätten.
Zweitens, so Nadwi, würde die Fragestellung ‘If men can, why can’t women?’ das Handeln überbetonen und das Sein vernachlässigen – so als würde also der Wert eines Menschen davon abhängen, was sie oder er tut: „Undue emphasis on agency (being able to do) as a measure of dignity and liberty is an error.“
Drittens schließlich kritisiert Nadwi, dass diese Fragestellung die Vorannahme enthalte, dass Geschlechterdifferenzen notwendigerweise zu Ungerechtigkeiten führen müssen und dass deshalb Maßnahmen ergriffen werden müssen, um diese Differenzen durch rechtliche oder soziale Maßnahmen oder auch via „biological engineering“ abzuschaffen.
Diese Punkte sind, wie ich finde, ziemlich spannend, denn sie alle treffen in der Tat einen wunden Punkt des Gleichheits-Feminismus, oder anders gesagt: Ich unterschreibe alle drei auf der Stelle.
Aber.
Im argumentativen Kontext des westlich-christlichen Kulturkreises habe ich die Möglichkeit, die männliche Selbstbehauptung, wonach das autonome, handelnde, normgebende Subjekt das Maß der Dinge ist, zu kontern mit dem Hinweis auf eine – anders gelagerte, sich anders äußernde weibliche Subjektivität. Dem, was ich (mit anderen) das weibliche Begehren nenne. Der Weg dazu ist, zu entlarven, dass vieles von dem, was in dieser Kultur an männlicher Vorherrschaft und Dominanz herausgebildet wurde, eine Folge davon ist, dass die weibliche Subjektivität missachtet wurde, oder einfacher gesagt: Dass die Männer den Anspruch erhoben haben, zu definieren, was Frausein bedeutet und das in institutionelle Rahmen (Gesetze, Sitten, Normgebilde) zu gießen.
Ich kann also zum Beispiel sagen: Ihr Männer behauptet, Frauen seien soundso und hätten dieses und jenes zu tun und zu unterlassen, ich aber, eine Frau, behaupte dass es anders ist und eröffne darüber einen politischen Konflikt – voilà: die Frauenbewegung.
Im islamischen Kontext, soweit ich das verstanden habe (zumindest würde das wohl Mohammad Akram Nadwi so sehen), ist das kein Argument, weil die menschliche Subjektivität keine normgebende Rolle bei den Verhandlungen über gesellschaftliche Regeln und das, was erlaubt und verboten ist, spielt, sondern allein der Koran und – ergänzend – eben die Hadithe oder andere Quellen. Oder anders gesagt: Bei der Entscheidung darüber, was erlaubt ist oder nicht, spielt das persönliche Begehren keine Rolle, weder das der Männer noch das der Frauen, sondern allein der Wille Gottes, und zwar nicht als etwas letztlich Unverfügbares (wie in weiten Teilen des Christentums), sondern genau so, wie er im Koran festgelegt und im beispielhaften Leben Mohammeds bekräftigt ist.
Das heißt, die Subjektivität der Beteiligten, das persönliche Begehren, ist kein Argument, weder auf Seiten der Männer noch auf der der Frauen. Das war es vor allem, was mich an dem Buch so fasziniert hat: Die Diskussionen und Bemühungen drehen sich nicht darum, durch Nachdenken, Verhandlungen und Diskussionen zu einer Übereinkunft über gesellschaftliche Regeln und Normen zu kommen – das Setting, das ich als westliche Differenzfeministin unweigerlich vor meinem geistigen Auge habe, wenn ich patriarchale Phänome ausgehend von meiner Subjektivität – der einer Frau – kritisiere und bekämpfe, was mir aber nur deshalb möglich ist, weil die Kategorie der Subjektivität als solche auch bei meinem männlichen Gegenüber eine akzeptierte Kategorie ist (wenn auch nicht die weibliche).
Sondern die Diskussionen und Bemühungen der weiblichen Gelehrten im Islam, von denen in diesem Buch die Rede ist, drehen sich darum, möglichst genau wiederzugeben und zu tradieren, was der Prophet Mohammed gesagt und getan hat. Der Prophet Mohammed, der, wohlgemerkt, ja nur ein Mensch ist, ein Mann, und kein Gott!
Und das ist der Punkt, an dem ich etwas nicht verstehe: Wie laufen feministische Intervention gegen patriarchale Muster und Phänomene in einem weltanschaulichen Kontext, der sich verbindlich auf feste, phänomenologisch greifbare Äußerungen des göttlichen Willens bezieht wie eben den Koran oder das, was der Prophet (und Mann) Mohammed gesagt und getan hat? Wie kann feministische Intervention möglich sein, die sich (zu Recht) nicht auf formale „Gleichheit“ beziehen soll, wenn man nicht die Instanz der weiblichen Subjektivität zur Verfügung hat?
Vielleicht hat ja demnächst mal die eine oder andere Muslimin Lust, mit mir darüber zu diskutieren.
Mohammad Akram Nadwi: al-Muhaddithat: the women scholars in Islam. Interface Publications, Oxford, London 2007.
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Momentan scheinen sich alle darüber einig zu sein, dass wir die Modalitäten des Fehlermachens und wie es danach weiter gehen kann im Bereich der Öffentlichkeit neu zu überdenken haben. Es sieht so aus, als müsste es neben dem üblichen Verfahren der Rechtsstaatlichkeit (etwas ist per Gesetz verboten oder erlaubt) noch weitere Kriterien geben, um mit menschlichen Schwächen auch im Bereich von öffentlichen Ämtern umzugehen (in privaten Beziehungen praktizieren wir das meistens sowieso schon).
Aber wie soll das gehen, das Fehlermachen öffentlicher Personen und der anschließende Umgang damit? Vorab möchte ich vor allem betonen, dass ich darin nicht eine moralische Frage sehe oder ein persönliches Vergehen einzelner Personen. Das Problem ist, dass die Strukturen unserer öffentlichen Institutionen mit ihren bürokratisierten Abläufen und ihrem formalen Gerechtigkeitsverständnis so eine Haltung gar nicht vorsehen. Dazu hat Dorothee Markert schon einmal Lesenswertes gebloggt.
Wenn man innerhalb der darin geltenden Machtlogiken bleibt, ist es deshalb vielleicht sogar kontraproduktiv, sich an meine Vorschläge zu halten. Die folgenden Punkte verstehe ich also nicht als Forderungen, sondern eher als eine Beschreibung von Notwendigkeiten, die erfüllt sein müssten, damit eine andere „Fehlerkultur“ entstehen kann.
Ich beschreibe sie hier aus der Perspektive der Person, die einen Fehler gemacht hat. Es gehört aber nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass dazu auch eine Gegenseite gehört, die ein entsprechendes Verhalten honorieren würde, anstatt nachzutreten oder die Fehler der anderen für die eigenen instrumentellen Zwecke auszuschlachten. Also:
Erstens: Man muss den Fehler einsehen, und er muss einer Leid tun – und zwar nicht nur Leid tun in dem Sinn, dass man sich in den Arsch beißen könnte, weil man jetzt dadurch so einen Ärger am Bein hat, sondern Leid tun in dem Sinn, dass man es wirklich bereut, dass man sich in gewisser Weise für das, was man getan hat, schämt. Weil man verstanden hat, dass es falsch war. Man muss auch wissen, dass man sich nicht mehr im Bereich der Rechtsstaatlichkeit befindet (und es also in dem Zusammenhang kein Argument ist, dass man nicht gegen Gesetze verstoßen hat).
Zweitens: Man muss die Kontrolle über das weitere Verfahren aus der Hand geben. Das bedeutet: Um Entschuldigung bitten. Nicht: Sich entschuldigen. Ob eine Ent-Schuldigung stattfindet, das entscheidet nicht man selbst, sondern die anderen. Und zwar – und das ist das Schwierige – nicht nach objektiven, einklagbaren und transparenten Maßstäben wie bei einem Gerichtsverfahren, sondern, tja, mehr oder weniger unvorhersehbar. Man hat keinen Anspruch darauf, dass die eigene Bitte um Entschuldigung angenommen wird. Man kann es nur hoffen.
Drittens: Man muss natürlich auch die richtigen Leute um Entschuldigung bitten. Um es an einem derzeit viel diskutierten Beispiel zu sagen: Wenn ein Bundespräsident unliebsame Berichterstattung mittels Drohungen am Telefon unterbinden will, dann schädigt er damit nicht den betreffenden Chefredakteur, sondern die Zivilgesellschaft, in der Pressefreiheit als hohes Gut gilt. Er müsste also auch diese Zivilgesellschaft um Entschuldigung bitten, die Meinung des Chefredakteurs ist hierbei eher unerheblich.
Viertens: Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man da nicht ungeschoren herauskommt, egal wie es ausgeht. Man wird immer der- oder diejenige mit dem damaligen Fehler sein, auch wenn er verziehen wurde. Entschuldigungen machen das Geschehene nicht rückgängig, sie ermöglichen lediglich einen neuen Anfang – nun eben auf einer neuen Grundlage. Ein Zurück auf Null gibt es im Leben nicht.
Fünftens: Wenn die anderen zu der Auffassung kommen, dass man nicht weitermachen kann, muss man das akzeptieren. Zumindest sollte man sich im Klaren darüber sein, dass dies ein möglicher Ausgang ist. Die Möglichkeit eines Rücktritts zum Beispiel gar nicht in Erwägung zu ziehen (oder das zumindest zu behaupten), ist in so einem Fall entweder ignorant oder gelogen.
Sechstens: Wenn man hingegen die Möglichkeit bekommt, trotz des begangenen Fehlers weitermachen zu können, ist Dankbarkeit angebracht. Dankbarkeit dafür, dass man eine Möglichkeit bekommen hat, die man sich nicht selbst verdient hat. (Man kann sich aber ein bisschen damit trösten, dass es den meisten anderen Leuten genauso geht.)
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Tags:Fehler
Die Diskussionen über meinen letzten Blogpost zum generischen Maskulinum noch im Kopf las ich gestern im Zug die aktuelle Brandeins mit einem Artikel von Peter Lau über „Menschen, Hippies, Lina: Ein Nein ist für alle lehrreicher als ein Ja“, und dabei fiel mir auf, dass man das Thema wirklich über die rein grammatikalisch-sprachliche Ebene hinaus ausweiten muss. Eigentlich habe ich die Kolumnen von Peter Lau immer sehr geschätzt und fand es schade, dass er in letzter Zeit nicht mehr in Brandeins geschrieben hat, aber in diesem Artikel liefert er leider wirklich ein Paradebeispiel für Texte, die angeblich geschlechtsneutrale Thesen verbreiten, dann aber Frauen ausschließen – sprachlich und letztlich auch inhaltlich. Und zwar ganz ohne dabei die Grammatik zu Hilfe zu nehmen.
So würdigt er das „Erbe der Hippies“ an einigen Beispielen und schreibt dann: „All dies haben natürlich nicht einige Langhaarige durchgesetzt, ….“. Die „Langhaarigen“ sind grammatikalisch nun keine männliche Form, aber dennoch eine sprachliche Umschreibung der „Hippies“, die ausschließlich Männer im Fokus hat. Denn bei den Hippies war nur die „Langhaarigkeit“ der Männer eine Besonderheit, Frauen hatten auch vorher schon lange Haare, unabhängig davon ob sie Hippies waren oder nicht. Die Rede von den „Langhaarigen“ schließt Frauen also sprachlich aus, wenn auch nicht grammatikalisch, denn sie evoziert das Bild einer Bewegung, die nur aus Männern bestanden habe.
Dieses „exklusiv männliche“ Schreiben über Bewegungen, die in Wirklichkeit aus Männern und Frauen bestehen, lässt auf eine beschränkte Wahrnehmung der Realität schließen. Peter Lau liefert genau dafür dann sogar noch den Beweis, wenn er etwas später schreibt: „Will ich als Angestellter Tag für Tag Tabellen füllen? Oder lieber auf einer Harley-Davidson mit einer barbusigen Blondine durch die Wüste cruisen?“ Der Angestellte ist nicht nur ein generisches Maskulinum, sondern ein tatsächlicher Mann.
Das ist nicht weiter schlimm, es spricht nichts dagegen, dass Männer Artikel über männliche Perspektiven auf die Welt schreiben, aber das sollten sie dabei reflektieren und nicht den Anschein erwecken (und damit den Anspruch erheben), sie würden geschlechtsneutrale Artikel über angebliche post-gender-frauen-mitmeinende Themen schreiben.
Schön passend dazu übrigens links von dem Artikel die Anzeige zu einem Schweizerischen Marketing-Tag unter dem Titel „Macher, Macht und Märkte“ mit sechs männlichen Speakern. Thema: „Wie neue Geschäftsfelder entstehen und funktionieren. Und wie man sie nutzt.“ Generisches Maskulinum, my ass.
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Tags:Brandeins, generisches Maskulinum, Peter Lau

BU: Die Lüge, dass das generische Maskulinum beide Geschlechter meinen würde. Meist muss man Texte bis ganz zum Ende lesen, um sie zu entlarven
Über einen Hinweis im Blog von Bisexualität.org kam ich auf einen interessanten Blogpost von Anatol Stefanowitsch auf Scilogs über neuere Ergebnisse empirischer Studien zum Thema Geschlecht und Sprache.
Insbesondere die Behauptung, weibliche Formen zu benutzen sei nicht notwendig, weil die männliche Form im Deutschen beide Geschlechter meinen würde, also in Wahrheit geschlechtsneutral sei (im Fachjargon: generisches Maskulinum) wurde in diesen Studien klar widerlegt. Ebenso widerlegt wurde der immer wieder vorgebrachte Einwand gegen weibliche Endungen, wonach diese angeblich die Verständlichkeit von Texten beeinträchtigen.
Die vorgestellten Studien zeigen, dass beides nicht stimmt: Wird das generische Maskulinum benutzt, also zum Beispiel von „den Sozialarbeitern“ gesprochen, stellen sich die meisten Menschen auch unweigerlich Männer vor und keine Frauen. Andererseits hatten die Probandinnen und Probanden keine Verständlichkeitsprobleme mit Texten in inklusiver Sprache. Stefanowitsch resümiert das alles gut, wenn er schreibt:
Mit anderen Worten: Geschlechtergerechte Sprache hat keinen negativen Einfluss auf die Verständlichkeit und Lesbarkeit von Texten. Wohl aber hat sie einen Einfluss auf die Einbildung männlicher Leser.
Es lohnt sich unbedingt, den Blogpost in Gänze durchzulesen. Ebensfalls interessant ist ein älterer Blogpost von Stefanowitsch, in dem er sich allgemeiner mit diskriminierender Sprache beschäftigt.
Widersprechen möchte ich ihm jedoch an dem Punkt, wo er in Frage stellt, ob die geschlechtliche Unterscheidung von Personen in der Sprache überhaupt sinnvoll ist:
Es gibt sicher einige wenige Situationen, in denen es eine Rolle spielt, ob jemand ein Mann oder eine Frau ist (für viele Menschen spielt das bei der Partnerwahl eine Rolle und für Versicherungen ist es aufgrund der unterschiedlichen Lebenserwartung interessant). Aber objektiv betrachtet sind diese Situationen insgesamt recht selten. Es ist unsere Sprache, die uns einredet, es handle sich um einen wichtigen, alles durchdringenden Unterschied, und es ist unsere Sprache, die uns dazu zwingt, diesen Unterschied stets und ständig zu erwähnen, auch dort, wo er absolut nichts zur Sache tut.
Das sehe ich anders. Die Geschlechterdifferenz durchzieht unsere Kultur auf eine ganz grundlegende Weise, wie wir seit de Beauvoirs Analyse in „Das andere Geschlecht“ wissen. Mir fällt kein einziges Thema ein, in dem sie keine Rolle spielt, von der Politik über Stadtplanung bis zur Mathematik. Es ist also kein Defekt der Sprache, dass sie mit dem Bezeichnen von Geschlechtern so einen Murks macht, sondern dieser sprachliche Murks bildet nur den realen Murks ab, mit dem wir es an diesem Punkt zu tun haben. Das Problem lässt sich daher auch nicht auf einer sprachlichen Ebene allein lösen. Die Sprache zu verändern, ist lediglich EIN wichtiger Punkt, an dem man dabei ansetzen kann. Aber nicht als Lösung, sondern um uns für die Realität zu sensibilisieren. Ich habe neulich schonmal darüber gebloggt, warum es zum Beispiel nichts hilft, einfach schematisch die männlichen Personenbezeichnungen mit weiblichen zu ergänzen.
Aber ich finde auch ein anderes Vorgehen interessant, das zum Beispiel die Bundesgeschäftsführerin der Piraten, Marina Weisband, in einem Vortrag anwendet: Nämlich die strikt männliche Form zu benutzen, sie aber mit weiblichen Bildern zu konterkarieren – also von „dem Politiker“ zu sprechen und dabei Folien von einer Frau zu zeigen. Auf diese Weise erzwingt sie die gedankliche Anstrengung, die empirisch notwendig ist, um sich unter einem Maskulinum eine Frau vorzustellen. Frauen haben diese Stilmöglichkeit generell, denn sie können ja ihre eigene körperliche Erscheinung ins Spiel bringen, wenn sie sich selbst als „Mathematiker“ präsentieren. Alle SEHEN dann ja, dass da eine Frau steht, trotz männlicher Bezeichnung. Männer haben diese Möglichkeit allerdings nicht – es sei denn, sie sprächen von sich in einer weiblichen Form, also im generischen Femininum. Ich habe aber noch nie gesehen, dass einer das getan hat.
Jedenfalls denke ich, es ist eine Illusion, das Dilemma unserer Kultur, wonach das Männliche die Norm, das Weibliche aber die Abweichung darstellt, mit einer pauschalen sprachlichen Strategie lösen zu können. Was wir brauchen, das ist mehr Einfallsreichtum und vor allem Kreativität in konkreten Kontexten. Was in der einen Situation eine gute Strategie ist, kann in einer anderen Situation möglicherweise nicht funktionieren.
Denn dass Frauen „mitgemeint“ sein sollten, ist ja nur das eine. Ein viel schwerwiegenderes Problem ist meiner Ansicht nach in der Tat, dass es kein „generisches Femininum“ gibt, das heißt, dass Frauen beziehungsweise weibliche Bezeichnungen niemals für das Allgemeine stehen können. Das führt dazu, dass bestimmte Sachverhalte gar nicht ausgedrückt werden können, zum Beispiel ist es unmöglich, eine Frau aus einer gemischten Gruppe herauszuheben. So stellte die taz neulich „Die einzige Plattenladenbesitzerin“ Deutschlands vor – gemeint war ganz offensichtlich die einzige weibliche Plattenladenbesitzerin. Hier ist das generische Maskulinum keine Lösung, denn „Der einzige Plattenladenbesitzer“ hätte eine ganz andere inhaltliche Bedeutung – diese Formulierung bezeichnet einen Mann, der sich aus einer gemischten Gruppe hervorhebt.
Wie aber drücken wir es aus, wenn eine Frau besonders ist im Bezug auf eine gemischte Gruppe? Oder wenn ein Mann besonders ist, aber nur im Bezug auf andere Männer? Bisher geht das, rein sprachlich, überhaupt nicht.
Doch die Welt ändert sich. Die Notwendigkeit auch das generische Femininum denken zu können, wird immer wichtiger werden, wenn Frauen zunehmend öffentliche Positionen einnehmen. Der Sprache wird etwas dazu einfallen, ich bin mir ganz sicher.
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Tags:Anatol Stefanowitsch, generisches Maskulinum, Sprache
Tod einer Königin
Vergangenen Samstag starb die kapverdianische Sängerin Cesaria Evora. Obwohl ich ihre Musik seit langem mag, hätte mich die Nachricht wahrscheinlich nur so nebenbei berührt, wäre ich nicht zu dieser Zeit selbst in Mindelo gewesen, der kleinen Stadt, in der Cesaria Evora lebte. Stundenlange Hupkonzerte, Evoras Lieder aus allen Lautsprechern, überall Betroffenheit und Trauer und überhaupt die Vorstellung, dass das alles nur ein paarhundert Meter von mir selbst passiert war.
Zwei Tage Staatstrauer wurden ausgerufen. Am Dienstag war die Beerdigung, die gesamte Prominenz des kleinen Landes reiste an, der Sarg mit Nationalflagge wurde im Volkspalast aufgebahrt. Der Staatspräsident hielt eine lange Rede (die ich im Fernsehen verfolgte), militärische Ehren, Gottesdienst mit Bischof, Prozession auf den Straßen.
Das, dachte ich, ist doch ziemlich interessant. Nationale Trauertage und Staatsbegräbnis – für eine Sängerin?
Sicher, Kapverden ist ein kleines Land, es hat weniger Einwohner_innen als Frankfurt. Und vermutlich war Cesaria Evora tatsächlich die einzige Kapverdianerin mit einigermaßen internationaler Bekanntheit. Aber trotzdem. Zwei Tage Staatstrauer und solch ein Begräbnisakt, das ist schon erklärungsbedürftig.
Das Fernsehen feierte Evora als „die größte Botschafterin Kapverden in der Welt.“ Aber Botschafter werden normalerweise auch nicht mit Staatstrauer beerdigt. Der Präsident bemühte in seiner Rede den Begriff der „Heldin“, denn ja, Helden werden schon mit militärischen Ehren zu Grabe getragen. Aber er merkte selber, dass der Begriff auf Cesaria Evora überhaupt nicht passt. Denn was bitte soll an dieser alten Frau heldenhaft sein, die erst mit knapp 50 ihren ersten Plattenvertrag unterschrieben hatte und einfach nur ihre Lieder sang? Deren schlichte, fast schüchterne Art auf den großen Bühnen dieser Welt immer etwas fehl am Platz gewirkt hatte?
Eine bessere Erklärung fand die Straßenreporterin, die, nachdem sie verschiedene Leute ihre Trauer ins Mikrofon hatte sprechen lassen, resümierte: „Sie war unsere Königin.“
Dabei fiel mir der Artikel „Souveräninnen“ von Annarosa Buttarelli ein, den ich gerade für die deutsche Ausgabe des neuen Diotima-Buches „Macht und Politik sind nicht dasselbe“ übersetzt habe. Denn tatsächlich ist Cesaria Evora ein gutes Beispiel dafür, was Buttarelli meint, wenn sie sich mit weiblicher Souveränität, Regentschaft und Königinnentum beschäftigt.
Eine Königin ist nämlich nicht dasselbe wie ein König. Ihre Souveränität hängt zum Beispiel nicht davon ab, dass sie die Einzige ist, sie ist keine Alleinherrscherin, keine Monarchin. Sondern ihre Souveränität zeigt sich in der Entschiedenheit und Eigenwilligkeit ihres Handelns. Eine Königin folgt nicht den Strömungen der Zeit, sondern ihrem eigenen Begehren, und das bringt ihr Respekt und Bewunderung ein, natürlich auch Feinde und Neid. Eine Königin „repräsentiert“ auch nicht ihr Volk, sie repräsentiert nur sich selbst. Aber dadurch, wie sie sie selbst ist, bietet sie Anknüpfungspunkte für andere, gibt ihnen Orientierung, Zuversicht, Inspiration.
Fast alle Königinnen, so zeigt Buttarelli an historischen Beispielen, werden, anders als die meisten Könige, nicht schon mit Krone geboren (außer ganz neuerdings in Schweden). Wenn Frauen institutionelle Macht und Regentschaften zufallen, dann meist zufällig – weil es zum Beispiel keine männlichen Thronfolger gibt oder weil sich Krisen so zuspitzen, dass sich im geregelten Ablauf männlicher Herrschaft Lücken auftun (das war bei Cesaria Evora nicht anders als bei Queen Victoria oder Kanzlerin Merkel).
Buttarelli ist der Ansicht – und ich stimme ihr zu – dass gerade diese Zufälligkeit hilfreich ist, um von der althergebrachten symbolischen Ordnung unabhängig zu werden, also Dinge wirklich zu verändern und positiv zu gestalten anstatt sie bloß zu reproduzieren. Weil diese nämlich in so einer Situation ohnehin schon Risse bekommen hat.
Souveränität, Königinnentum also, bedeutet, dass eine Frau, der – aus welchen Gründen auch immer, ob selbst erarbeitet oder aufgrund günstiger Gelegenheit – Macht und Einfluss zufallen, dies dann konsequent und verantwortungsbewusst und in Freiheit nutzt. Also nicht einfach nur die herkömmliche Nummer abzieht und versucht, möglichst „genauso gut“ zu regieren wie ein Mann, sondern so, wie sie es selbst für richtig hält. Souverän eben.
Eine Königin ist nicht der Mehrheitsmeinung verpflichtet, sie hat keine demokratischen Verpflichtungen. Sie kann zum Beispiel darauf bestehen, während ihrer Konzerte auf der Bühne in aller Ruhe eine Zigarette zu rauchen. Königinnenhafte Souveränität bedeutet aber auch, die mit dem öffentlichen Einfluss einhergehende Verantwortung anzunehmen, also nicht die Macht nicht zur Selbstbeweihräucherung zu missbrauchen, sondern das allgemeine Gute dabei zum Maßstab zu machen.
Cesaria Evora zum Beispiel ist immer barfuß aufgetreten, um trotz allen Weltstar-Glamours eine symbolische Verbindung zu ihrer Herkunft aus armen Verhältnissen zu bewahren. Ich hatte das immer für einen etwas schlichten Marketinggag gehalten. Letzte Woche ist mir klargeworden, dass das arrogant von mir war, weil ich nämlich völlig zu Unrecht davon ausgegangen bin, ich selbst wäre die Adressatin dieser Geste. Nein, die Geste galt den Menschen in Kapverden, denen, die tatsächlich barfuß laufen. Und sie haben sie auch genau so verstanden, wie sie gemeint war.
„Afrikanische Frauen unterschiedlichster Herkunft sind sich darüber bewusst, dass es notwendig ist, Königin zu sein, um eine Frau mit Autorität zu sein“, schreibt Annarosa Buttarelli am Ende ihres Textes. „Ich habe einige afrikanische Schriftstellerinnen gesehen, die durch meine Stadt gingen und auf ihren bunten Kleidern einen Button trugen mit der Aufschrift ‚Ich bin eine Königin‘. Ich besitze einen davon, ich hüte ihn wie meinen Augapfel, und ich würde gerne Tausende davon herstellen, um sie zu verschenken und all den Mut und all die Kraft zu verbreiten, die ich in jenem Gestus erblickt habe.“
Jede Frau kann eine Königin sein, denn keine einzige von uns ist völlig ohne Einfluss. Weibliche Souveränität bedeutet, das, was eine an Einfluss und Macht hat (sei es viel oder wenig), im oben beschriebenen Sinn zu nutzen. Und in diesem Sinn ist es völlig zutreffend, die Staatstrauer für Cesaria Evora als Folge davon zu interpretieren, dass sie eine Königin war.
Ich finde übrigens, es spräche nichts dagegen, wenn sich auch Männer an alldem ein Beispiel nehmen würden. Denn „weiblich“ ist das Königinnentum nicht, weil es ein exklusives Privileg von Frauen wäre, sondern deshalb, weil es vor allem Frauen waren und sind, die es praktizieren. Prinzipiell ist diese politische Haltung aber für alle Menschen zu empfehlen.
Und vielleicht ist das ja auch eine Alternative zu dem unfruchtbaren Gegenüber von „absoluter Monarchie“ und „repräsentativer (populismusanfälliger) Demokratie“, in dem das männliche Verständnis von Politik nun schon seit ein paar Jahrhunderten zappelt.
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Tags:Cesaria Evora, Königin, Königtum, Souveränität

Sind drei Tage lang zusammen im Vatikan eingesperrt: zig Kardinäle und ein Psychoanalytiker. Den spielt Nanni Moretti selber.
Ich gebe zu, ich bin ein großer Fan von Nanni Moretti. Deshalb bin ich auch in „Habemus Papam“ gegangen (in eine Preview, in die Kinos kommt der Film in Deutschland am 8. Dezember). Obwohl die Kritiken schlecht waren. Flache Komödie, schwülstig, nichts Besonderes, hieß es.
Natürlich kann man den Film so sehen. Man kann ihn lesen als eine müde Inszenierung alter Streitereien. Hier die Kirche, da die säkulare Welt. „Sie wissen ja, dass das Konzept der Seele mit dem des Unbewussten nicht zu vereinbaren ist“, belehrt zum Beispiel ein Kardinal den Psychoanalytiker (gespielt von Moretti selber). Dieser „Professor“, wie der Analytiker (jedenfalls in der italienischen Fassung) nur genannt wird, ist in den Vatikan gerufen worden, um den neu gewählten Papst zu therapieren. Denn derjenige, auf den die Wahl unerwartet fiel, behauptet, er könne die Last der Verantwortung nicht tragen. Er weigert sich, auf den Balkon des Petersdoms zu treten und sich den Gläubigen zu zeigen. Stattdessen haut er ab, raus, auf die Straßen Roms.
Genau das ist das Setting des Films: Die Papstwahl ist vollzogen, der weiße Rauch war zu sehen, und das „Habemus Papam“ ist verkündet. Aber die Öffentlichkeit weiß noch nicht, wer es ist. Dass der Papst verschwunden ist, wird geheim gehalten. Und im Vatikan weiß niemand, wie es weitergehen soll. So ein Fall ist im Protokoll nicht vorgesehen.
In den drei Tagen, die die Filmhandlung beschreibt, dürfen die Kardinäle und der Professor den Vatikan nicht verlassen. Das Konklave ist noch nicht beendet, also kein Kontakt zur Außenwelt. Zwei Männer-Kulturen begegnen sich hier, und das ist in vielen kleinen Details wunderschön inszeniert. Zum Beispiel in folgender Szene: Der Professor veranstaltet mit den versammelten Kardinälen ein Volleyballturier, um die Zeit zu vertreiben. Einer der alten Herren fragt, ob man denn nicht stattdessen Völkerball spielen könne. „Völkerball spielt man schon seit fünfzig Jahren nicht mehr!“ entgegnet der entgeisterte Professor. Ein winziger Satz, der gleichzeitig die Weltfremdheit der einen zeigt wie auch die Bedeutungslosigkeit der anderen, die sich allen Ernstes etwas darauf einbilden, dass sie Völkerball durch Volleyball ersetzt haben.
Wer in dem Film nur diese Begegnung zwischen einer alten und einer neuen Variante von „Patriarchat“ erkennt, mag ihn wirklich für belanglos halten. Doch das ist nur der Nebenschauplatz. An dem mir übrigens gut gefallen hat, dass die Welt der Kardinäle ohne Häme gezeigt wird, ohne Besserwisserei, ohne billige Anti-Kirchen-Polemik, ohne allzu viele erwartbare Klischees. Man mag die alten Männer irgendwie, man sieht ihre Menschlichkeit und ihr Bemühen, gut zu sein.
Doch das eigentliche Geschehen spielt sich anderswo ab, vor den Mauern der Kirche. Zwischen dem entflohenen Papst und der wirklichen Welt. Einer Welt, die von Frauen bevölkert ist. Frauen, die sich aufmerksam um den alten Mann kümmern, ohne ihn aber allzu wichtig zu nehmen. Sie wissen ja nicht, dass es der Papst ist, und deshalb können sie den Menschen sehen. Sie fragen ihn ganz normale Dinge: Wo denn seine Familie ist und seine Freunde, ob er schon mal mit jemandem über seine Probleme gesprochen hat, ob er ein Glas Wasser will. Sie leihen ihm ihr Handy. Sie sind nett zu ihm, aber sie brauchen nichts von ihm. Sie haben ihre eigenen Sachen zu tun.
Etwas Angst hatte ich vor dem Schluss des Films. In einer Besprechung hatte ich gelesen, der Papst würde am Ende eine große Rede halten, man verglich sie sogar mit der berühmten Rede am Ende von Chaplins „Der große Diktator“. Ich befürchtete, eine solche Rede würde den ganzen Film ruinieren.
Aber ich hätte eigentlich wissen können, dass Nanni Moretti mich nicht enttäuscht.
Danke für die Spende!
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Tags:Habemus Papam, Nanni Moretti, Papst
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