Viva il Kitsch: Jeff Koons, Kunst und Brüste

Jeff Koons: Poodle, 1991 (Made in Heaven) – Farbig gefasstes Holz, 58,4 x 100,3 x 52,1 cm – © Jeff Koons

Ich gehe sehr, sehr selten in Kunstausstellungen, weil mich meistens die Leute und das Ambiente nerven. Dabei mag ich Kunst, aber ich mag keine Museen, keine Vernissagen, keine Kunstbeflissenen. Man darf nix anfassen, man darf nicht lachen – ernsthaft nicht.

(Vor einigen Jahren ging ich mit zwei Bekannten aus Brasilien ins Städel, Kunststudentinnen von einer kleinen Uni im Nordosten. Sie hatten noch nie die Gelegenheit gehabt, die ganzen Berühmtheiten mal im Original zu sehen. Entsprechend fröhlich aus dem Häuschen liefen sie durch die Räume des Städel und waren ganz begeistert und riefen Oooohs und Aaaahs. Solange bis ein Wächter kam und sagte, wir sollten uns doch gefälligst angemessen benehmen. Meiner Meinung nach waren die zwei die einzigen gewesen, die sich angemessen benommen hatten, aber okay.)

Als große Freundin des Kitsches konnte ich jedoch nicht anders, als heute die Jeff Koons-Ausstellung anzuschauen, beide Teile, erst die Skultpuren im Liebieghaus, dann die Bilder in der Schirn, und ich fand beides großartig. Ich mag es laut und bunt und glitzernd. Ich konnte es mir auch nicht verkneifen, einen der Hulks anzufassen, die nämlich aussehen wie aufgeblasene Plastikpuppen, aber aus Stahl sind. Man MUSS das angefasst haben, um es zu glauben. Ebenso wie man die ganzen Bilder und Skulpturen in Echt gesehen haben muss, die Abbildungen in Katalogen und auf Internetseiten sind nicht mal ein Abklatsch, eher eine Irreführung.

Bei all dem haben mich sogar nicht mal die vielen nackten Brüste gestört – über Jeff Koons als Erotomanen und die Ausstellung überhaupt hat übrigens Melusine Barby auf den Gleisbauarbeiten bereits Kluges gebloggt.

Ich finde ja die männliche Faszination für Brüste schon immer eher skurril, und als Jugendliche war mir dieser männliche Blick sehr unangenehm, weil er ja auch auf mich gerichtet war. (Als meine Brüste anfingen zu wachsen, Ende der Siebziger, gab es noch diese Kultur der post-68er-Direktheit, sodass zum Beispiel ein Nachbar, der mich auf der Straße traf, zu mir als Dreizehnjähriger sagen konnte: “Na, dein Busen ist ja schon richtig gut zu sehen”. Und ein älterer Junge an der Schule erlaubte mir den Zutritt zur Clique der Älteren allen Ernstes mit dem Argument, dass meine Brüste ja schon so schön groß seien.)

Sagen wir so, ich habe es überlebt, und im Lauf der Zeit stumpft man da ja auch ab. Allerdings kann ich es mir nicht verkneifen, Männer, die auf Busen starren, für ein bisschen gaga zu halten. Ebenso wie Künstler, die ihre Frauendarstellungen oben oder unten abschneiden, Hauptsache, die Brüste sind mit drauf. Dass es an der Erinnerung an die Nahrung spendende Mutterbrust liegt, kann ich nicht so recht glauben, denn diese Erinnerung habe ich ja nun auch, aber trotzdem gefallen mir an Menschen eher andere Körperteile, Arme oder Oberschenkel zum Beispiel. Wäre ich Künstlerin, würde ich lauter Arme und Beine modellieren.

Von daher werdet Ihr euch jetzt sicher nicht wundern, wenn ich  verrate, dass mir in der ganzen Ausstellung Popeye am besten gefallen hat. Nicht nur wegen der Arme, sondern auch wegen dem Glänzen und der Farben.

Und noch etwas hat mich sehr amüsiert. Nämlich diese kunstbeflissene Dame, die direkt hinter uns die Ausstellung verließ und ihrem Unmut Luft machte: “Nie geht jemand ins Liebieghaus, aber bei diesem Käse kommen die in Massen her”. Ja, so sind wir, banausisch und fröhlich! Und wir lieben, wenn etwas SCHÖN ist!

PS: Dass ich hier nur einen Pudel abbilden kann, liegt an der Pressefotoauswahl.

Verwaistes Interview zum Stand der Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Beim Aufräumen meiner alten Dateien bin ich auf dieses Interview hier gestoßen, das irgendwer im vergangenen November mit mir gemacht hat, das aber offenbar noch nicht erschienen ist und – normalerweise bin ich ja nicht so unorganisiert – inzwischen habe ich vergessen, welche Redaktion das war. Da ich es aber ganz gut finde, stelle ich es jetzt einfach mal hier in den Blog:

Was muss sich ändern, damit die Vereinbarkeit für Frauen wahr werden kann?

Zuerst einmal muss man klarstellen, dass die „Vereinbarkeit“ kein spezielles Frauenproblem ist, sondern ein gesellschaftliches Problem, das alle betrifft. Auch Väter und Menschen, die selber keine Kinder haben. Menschen, die Kinder versorgen und betreuen, dürfen nicht länger als Sonderfall betrachtet werden, sondern es muss ganz normal sein, Kinder zu haben und gleichzeitig alles mögliche andere zu machen. Die derzeitige Form der Erwerbsarbeit ist ja auch nicht nur mit der Kinderbetreuung unvereinbar, sondern ebenso mit anderen Pflege- und Fürsorgearbeiten, aber auch mit ehrenamtlichem oder politischem Engagement oder mit den natürlichen Ruhebedürfnissen vieler Menschen. Es muss alles flexibler werden. Es muss zum Beispiel möglich sein, dass man – aus welchen Gründen auch immer – mal für ein, zwei Jahre aus dem Berufsleben aussteigt oder qualifizierte Teilzeitmöglichkeiten hat. Nicht nur für Mütter oder Väter. Ansonsten sind die Notwendigkeiten im Detail ja längst bekannt: Arbeiten auch von zuhause aus, Führungspositionen in Teilzeit, effektivere und kürzere Sitzungskultur, Kinder müssen auch mal mitgebracht werden können, flächendeckende, qualitativ hochwertige und kostenlose öffentliche Kinderbetreuung ab null Jahren. Vor allem auch mehr Kreativität im Einzelfall, man kann nicht alle Probleme, die sich in dem Zusammenhang stellen, immer generell und für alle gleich regeln.

Gibt es positive Signale aus der Wirtschaft, dass ein Umdenken in den Betrieben stattfindet?

Das ist auch von Fall zu Fall verschieden. Dort, wo qualifizierte Fachkräfte fehlen, gibt es Anstrengungen, weil man es sich nicht leisten kann, junge Mitarbeiterinnen, die Mütter werden, zu verlieren. Im Großen und Ganzen ist es mit dem Umdenken aber noch nicht weit her. Der Vollzeitmitarbeiter mit ständiger Verfügbarkeit, der Bereitschaft zu vielen Überstunden und ständiger Präsenz vor Ort ist noch immer die Norm.

Was tun die erwerbstätigen Väter?

Die erwerbstätigen Väter kann man nicht über einen Kamm scheren. Es gibt inzwischen einige, die darauf drängen, Zeit für ihre Kinder zu haben und sich um Stundenreduzierung bemühen oder Erziehungszeiten nehmen. Das sind aber noch wenige. Andere erhöhen sogar ihre Stunden, wenn ihre Frauen Kinder kriegen, teils aus wirtschaftlichen Gründen, weil die Angst vor Arbeitslosigkeit dann noch größer ist. Im Schnitt ist es immer noch so, dass im Zweifelsfall die Mütter bei ihrer beruflichen Laufbahn Kompromisse machen und nicht die Väter. Ganz schwierig ist es für Menschen mit geringem Einkommen. Die müssen heute, egal ob Frau oder Mann, Vollzeit arbeiten, um über die Runden zu kommen. Sie haben keinen finanziellen Spielraum, um Stunden zu reduzieren, und sie können sich auch keine Putzfrauen oder Babysitter leisten, die sie entlasten.

Sie haben von dem Begriff Erwerbsarbeitsmythos gesprochen, was meinen Sie damit?

Dieser Mythos bedeutet, dass nur, wer erwerbstätig ist, ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft ist. Dabei wird übersehen, dass auch die anderen Arbeiten im Haus- und Fürsorgebereich eine enorme volkswirtschaftliche Bedeutung haben. Bei der Pflege beginnt man das jetzt langsam, zu verstehen. Die gesellschaftliche Wichtigkeit von Arbeiten hängt nicht daran, ob sie bezahlt werden. Manche bezahlte Arbeit dreht sich nur um den Profit und nicht um das Allgemeinwohl.

Was ist mit den Vätern? Beobachten Sie ein Umdenken?

Das Umdenken besteht wohl darin, dass Väter nicht mehr selbstverständlich davon ausgehen, dass die Versorgung der Kinder im Alltag die Aufgabe der Mütter ist. Sie sehen sich heute selbst auch in der Pflicht. Der Wunsch von Frauen, auch mit Kindern erwerbstätig zu sein, gilt auch nicht mehr per se als egoistisch. An der Umsetzung hapert es aber noch gewaltig, aus den oben genannten Gründen. Den Preis bezahlen dann die Frauen. Sie verdienen weniger Geld und sind nach dem geänderten Unterhaltsrecht ja auch durch die Ehe nicht mehr wirtschaftlich abgesichert.

Ist Teilzeitarbeit für alle die Lösung?

Ja, das finde ich schon. Wobei ich auch hier nicht für eine Standardlösung bin. Es wird immer Leute geben, die so sehr in ihrem Beruf aufgehen, dass sie gerne 50 oder 60 Wochenstunden arbeiten, und das ist auch okay. Andererseits wird es immer auch Leute geben, die sich lieber anderweitig engagieren und bereit sind, dafür auf materielles Einkommen zu verzichten. Vielleicht wollen sie nicht nur ein oder zwei, sondern vier oder fünf Kinder haben. Oder sie verschreiben sich ganz einem Ehrenamt, oder sie machen Kunst, mit der sie kaum etwas verdienen. Auch das sollte möglich sein. Deshalb bin ich für ein leistungsunabhängiges Grundeinkommen, das allen Menschen, egal was sie tun, das materielle Lebensminimum sichert. Im Schnitt finde ich aber, das Lohnniveau sollte so sein, dass man mit dreißig Wochenarbeitsstunden gut leben kann, also deutlich mehr als das blanke Existenzminimum hat. Das ist auch gar nicht so abwegig, wenn man bedenkt, dass die alte Hausfrauenehe ja auch darauf basierte, dass vierzig Wochenstunden Erwerbsarbeit genug sind, um den Unterhalt von zwei Erwachsenen sicherzustellen.

Was ist typisch deutsch am Mutterbild hierzulande im Vergleich zu Frankreich oder Skandinavien?

Typisch deutsch im Vergleich zu Frankreich ist ein gewisses Misstrauen gegenüber staatlicher Kinderbetreuung. Das sind zum Teil auch noch Folgen der Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus. Man will das hier eher in der Verantwortung der Familie sehen, während es in Frankreich keine gesellschaftlichen Vorbehalte gegen Kinderkrippen oder Tagesmütter gibt. Ein anderer Unterschied zu Frankreich sind die starken Bemühungen, auch Männer in die Kindererziehung einzubeziehen. In Frankreich ist es noch allgemeine Ansicht, dass dafür die Frauen zuständig sind – und die Männer nicht. Von Skandinavien unterscheidet uns das Verständnis vom Sozialstaat. In Deutschland soll der Sozialstaat nur für „Sonderfälle“ greifen, also dann einspringen, wenn die Einzelnen es selbst nicht geregelt kriegen. In Skandinavien gibt es hingegen ein starkes Bewusstsein dafür, dass staatliche Unterstützung im Zweifelsfall für alle da ist, weshalb man auch bereit ist, höhere Steuern zu zahlen. Daraus ergibt sich natürlich ein viel größerer Handlungsspielraum des Staates, unter anderem eben auch für die öffentliche Kinderbetreuung. Erzieherinnen werden zum Beispiel viel besser bezahlt als hier. Und die Gesellschaften der skandinavischen Länder sind generell egalitärer, weshalb auch weniger Unterschiede zwischen Frauen und Männern – und damit zwischen Müttern und Vätern – gemacht werden.

Liebe Atheist_innen, wir müssen reden

Zum allgegenwärtigen Gesprächsthema Vorhaut-Beschneidungen hätte ich noch ein hübsches Fundstück beizusteuern, das ich am Freitag im Stift Melk gesehen habe: Es ist eines von 16 Altarbildern eines Flügelaltars von Jörg Breu dem Älteren aus dem Jahr 1502 und zeigt die Beschneidung von Jesus. Besonders nett finde ich, wie der kleine Racker mit einem roten Apfel abgelenkt wird.

Ansonsten habe ich mich diesbezüglich ja schon in unserem Podcast „Besondere Umstände“ um Kopf und Kragen geredet. Meine These, dass es nicht funktioniert, per Gesetz etwas festzulegen, das nicht vorher schon von einer sehr großen Mehrheit der Bevölkerung geteilt wird, hat sich inzwischen nochmal bestätigt. Demnächst wird es in Deutschland wahrscheinlich ein Gesetz geben, das Beschneidungen aus religiösen Gründen ausdrücklich erlaubt.

Ich möchte an dieser Stelle noch etwas hinzufügen an die Adresse der Atheist_innen, deren entrüstete Tweets und Kommentare ich im Zuge dieser Debatte mit immer größerer Verwunderung lese. Und zwar wundere ich mich über den Absolutheitsanspruch, ja, die Arroganz, mit der sie ihre Ablehnung der religiösen Beschneidung argumentativ vertreten (beziehungsweise nicht vertreten). Ich kann hier keinerlei Bemühen erkennen, die eigene Sicht der Dinge argumentativ plausibel zu machen – und zwar nicht nur vor denen, die sowieso derselben Ansicht sind, sondern den „Andersgläubigen“ gegenüber.

Wie ich im Podcast schon gesagt habe, teile ich inhaltlich die atheistische Position weitgehend. Ich finde – soweit ich das überhaupt beurteilen kann, aufgrund von Gesprächen, die ich darüber mit Männern geführt habe – auch, dass die Vorhautbeschneidung an kleinen Kindern ohne medizinischen Anlass problematisch ist. Als religiöse Feministin habe ich sogar noch einen weiteren Kritikpunkt vorzubringen, nämlich den, dass mit der Beschneidung immer auch Männlichkeit religiös konstruiert wird, und zwar teilweise auf eine Art und Weise, die ich kritisiere.

Kleiner Exkurs an dieser Stelle: Ich habe mir auch schon überlegt, ob das Bedürfnis nach äußerlich sichtbaren Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft vielleicht ein speziell männliches Bedürfnis sein könnte, denn es ist aus meiner Sicht durchaus erklärungsbedürftig, warum die abrahamitischen Religionen sich für den „Bund mit Gott“ ausgerechnet ein körperliches Zeichen ausgesucht haben, das sich nur an Männerkörpern anbringen lässt und an Frauenkörpern nicht. Noch etwas wilder spekulierend weitergedacht könnte man das sogar in einen Zusammenhang mit der sich verbreitenden Praxis muslimischer Frauen bringen, ein Kopftuch zu tragen. Ist dieser Trend vielleicht gar nicht die Bekräftigung einer Geschlechter-Trennung, wie man oberflächlich vermuten könnte, sondern ganz im Gegenteil ein Hinweis auf eine Veremanzipierung der Musliminnen? Nämlich insofern sich dieses Bedürfnis des „Zeichen Tragens“, der demonstrativen Religionszugehörigkeit, nun auch unter Frauen ausbreitet?

Aber zurück zu meinem Thema, dem atheistischen Diskurs oder vielmehr dessen Verweigerung. Denn die Mehrheit der atheistischen Beiträge war, soweit ich es wahrgenommen habe, von einer krassen Unfähigkeit geprägt, auch nur irgendeinen Weg der Vermittlung der eigenen Ansicht zu suchen. Das Bild, das sie von heutiger Religiosität zeichnen, ist derart holzschnittartig und vereinfachend, dass sich kein religiöser Mensch ernsthaft davon angesprochen fühlen kann. Es gibt praktisch keinen Versuch, auf die Argumente und Bedürfnisse der Gegenseite einzugehen oder die eigenen Ansichten so zu begründen, dass dadurch irgendjemand zum Nachdenken angeregt werden könnte.

Stattdessen wird auf „Wahrheiten“ und „wissenschaftliche Tatsachen“ rekurriert, die angeblich nicht diskutabel sind – woraus sich dann logisch die Forderung aufbaut, diese mit Hilfe des starken Armes des Gesetzes durchzudrücken.

Nun, der Versuch ist gescheitert. Und nicht nur in Deutschland, und nicht nur in Sachen Beschneidung. Gerade las ich in der Zeitung, dass in Großbritannien ein Gesetz geplant ist, das die Rechte von Arbeitnehmer_innen, bei der Arbeit religiöse Symbole zu tragen, ausdrücklich schützt.

Ich glaube, die Atheist_innen leben derzeit ziemlich in einer (Berliner?) Filterbubble, was dazu führt, dass sie die gesellschaftliche Relevanz ihrer Weltanschauung grandios überschätzen. Sie versuchen, einen Machtkampf gegen die „Religiösen“ zu führen und deren Befindlichkeiten aus dem öffentlichen Raum konsequent zu verdrängen, übersehen aber, dass sie bei diesem Machtkampf aller Wahrscheinlichkeit nach unterliegen werden. Denn Recht haben nutzt überhaupt nichts, wenn die anderen – und in diesem Fall sehr viele anderen, nämlich die Mehrheit – die Sache anders sieht. Eine politische Ansicht lässt sich nicht „beweisen“, man muss dafür werben. Es gibt im Bereich des Politischen nicht „wahr“ und „falsch“, sondern nur „mehrheitsfähig“ oder „nicht mehrheitsfähig“.

Und so hat der atheistische Ruf danach, dass der Staat und der Gesetzgeber religiöse Befindlichkeiten in öffentlichen Angelegenheiten nicht mehr berücksichtigen soll, lediglich dazu führt, dass religiöse Befindlichkeiten erst recht sichergestellt und gesetzlich verankert werden. Ende der Debatte.

Da ich keine Angst vor Religionen habe, weil ich weiß, dass religiöse Menschen keine fanatischen Dummköpfe auf dem Stand eines mittelalterlichen Denkens sind, könnte mir diese absehbare Niederlage des atheistischen Kampfes für den Laizismus erstmal egal sein. Aber ich finde es dennoch bedauerlich, weil ich die atheistische Rationalität nämlich eigentlich schätze, ebenso wie die Bereitschaft, angebliche unverrückbare Wahrheiten zu hinterfragen und zu kritisieren. Ich wünsche mir, dass sie einen ernstzunehmenden Anteil am öffentlichen Diskurs hat. Auch weil in der Auseinandersetzung mit den fundamentalistischen Anteilen und Trends innerhalb der Religionen, die freiheitlich gesonnene Menschen wie ich innerhalb ihrer eigenen Glaubensgemeinschaften ja ständig führen (müssen), ein bisschen Rückenstärkung aus dieser Ecke schon ganz gut wäre.

Wirklich schade, dass da wenig Brauchbares kommt.

Besondere Umstände: Episode 1

Heute morgen haben Benni und ich eine neue Episode von unserem Podcast “Besondere Umstände” aufgenommen. Und wir sind damit schon umgezogen, nämlich hierhin: http://besondereumstaende.podcaster.de/

Wir reden diesmal über die Frage, ob Anarchismus und Kommunismus wirklich dasselbe Ziel haben – das war eine Frage aus den Kommentaren. Über den Political Compass und die Frage, ob es Staat ohne Kapitalismus gibt. Und wie das im Kulturuniversum bei Iain Banks wäre, zum Beispiel ob da Beschneidungen erlaubt oder verboten wären und wie wir das finden. Über die Macht, die Eltern über ihre Kinder haben, darüber, ob es universale Rechte geben kann und wo das Paradies sich befindet. Wogegen oder wobei Gesetze helfen und wo nicht. Wir reden über Freiheit und darüber, ob das was Innerliches oder etwas Äußerliches ist und was sie mit Politik oder (Kritischer) Psychologie zu tun hat. Und am Schluss noch kurz über das Glück, aber dann war die Zeit auch schon rum.

Aber keine Angst: Der Wecker des Todes liegt diesmal weiter weg, niemand muss sich erschrecken!