Besondere Umstände – Episode 4

Gestern früh haben Benni und ich wieder gepodcastet und dabei geredet über:

- Die Vorteile des Internetausdruckens und die Gelassenheit, Dinge verloren gehen zu lassen

- Das generische Femininum und die InWoche (5:00)

- Den Bundesparteitag der Piratinnen. Über Parteien generell und ihre Dynamiken, den Zwang zur Vereinheitlichung von Positionen, Legalismus und Trolle und ob daran etwas “typisch männlich” ist. (10:00)

- Facebook! Benni ist rausAntje findet das doof, was wiederum Benni doof findet usw. (35:00)

Interessant fand ich neben dem Facebook-Thema (bei dem wir nicht zu Ende kamen – so schlimm fand ich den Cliffhanger noch nie – denn wir beschränken uns ja immer auf exakt eine Stunde, weil so viel Zeit haben wir ja alle nicht :) unser Gespräch über Politik und Parteien.

Ausführlich haben wir nämlich versucht, dem Phänomen auf die Spur zu kommen, dass manche Leute (mehr Männer als Frauen, finde ich) es offenbar genießen, sich und ihre eigenen Wünsche und Ansichten via formaler Verfahrensweise (Geschäftsordnungsantrag!) anderen Menschen aufzuzwingen.

Aber hört einfach selbst: Hier der Link zum Podcast

12 Gedanken zu “Besondere Umstände – Episode 4

  1. Hallo Antje,

    ich will hier nicht lang und breit meine Einschätzung der Piraten wiedergeben. Wenn die sich mit der Form von Politik beschäftigen find ich es interessant. Aber sobald es zu Inhalten kommt wird es irgendwie unheimlich. Weil ich überhaupt nicht einschätzen kann, was die eigentlich für eine Politik wollen, und da wo ich es ahne macht es mir Angst.

    Eine Aussage von Dir fand ich in diesem Zusammenhang falsch (und irgendwie bestürzend, aber das ist Alltag…): Das es auf die Euro-Krise keine Antworten gäbe. Hört sich für mich wie eine General-Kapitulation vor sozialen Fragen und wirtschaftlichen Verteilungskämpfen an. “Es lässt sich ja eh nicht ändern.”

    Komplexe Sachverhalte sind vielleicht komplex, aber nicht mysteriös oder grundsätzlich unverständlich. Auf komplexe Sachverhalte entsprechende komplexe Analysen zu liefern ist Aufgabe der Wissenschaft. Aus diesen komplexen Analysen praktikable Politik-Konzepte zu entwickeln und diese mit einfachen Worten zur Diskussion zu stellen wäre Aufgabe der Politik, die hier kläglich versagt (inkl Piraten, die einzige Partei, die Antworten auf die Euro-Krise hätte wäre die LINKE, aber die wird in den Medien totgeschwiegen).

    Mögliche sinnvolle Antworten auf die Euro-Krise wären eine EU-weite Vereinheitlichung der Steuersätze, höhe Spitzensteuersätze, ein Vermögensteuer und eine zeitweilige Abgabe auf hohe Vermögen.

    Wenn Dich das Thema interessiert (Analysen und Antworten) kann ich Dir die Vorträge von Prof Bontrup empfehlen, die es auf youtube gibt. Die dauern entsprechend (zB 1 h Vortag + 90 min Fragen & Antworten), aber ganz einfach ist das Thema halt nicht. ;=)

    So long. Reineke

  2. Merci!
    Ich wuerde mich uebrigens sehr ueber einen Blogeintrag zum Thema “Vereinheitlichung von Positionen, Legalismus und Trolle und ob daran etwas “typisch männlich” ist” freuen :)

    lg

  3. @Charlotte – Vielleicht komme ich mal dazu, aber dieses Jahr sicher nicht mehr :))

    @Reineke – Ja, das hab ich etwas missverständlich ausgedrückt, natürlich gibt es irgendwie “Lösungen”, die sind aber auf jeden Fall komplex und bestehen niemals aus einem großen Wurf. Ich glaube nicht, dass die LINKE “Lösungen” in einem pauschalen Sinn hat, vielleicht hat sie Ansätze, die in eine richtige Richtung weisen. Jedenfalls misstraue ich allen, die angesichts genau dieser Komplexitität behaupten, “die Lösung” zu wissen, zumal im Bereich des Politischen jeder Vorschlag, den man sich möglicherweise ausdenkt, ja auch umgesetzt werden muss. Also zur Lösung gehört immer auch eine realistische Aussicht zu ihrer Umsetzung dazu.

  4. Lösungen in einem “pauschalen Sinne”, oder “die Euro-Krise betreffend”? Realistisch im Sinne einer real möglichen Politik, oder einer Duchsetzungsfähigkeit gegendie sehr mächtige Interessen, die derzeit die Politik bestimmen?

    Aber wie gesagt, komplexere Analysen, als ich hier bieten kann, gibt es, inkl politischer Ansätze, die bestehenden wirtschaftspolitischen Probleme zu lösen, oder zumindest diese anzugehen. Das Komplett-Paket “Wie schaffen wir die perfekte Gesellschaft in drei einfachen Schritten” muss wohl bis Pflaumenpfingsten warten, da hast Du Recht. ;=)

  5. Geht wohl um den Antrag:

    http://wiki.piratenpartei.de/AG_Inklusion/Grundsatzantrag

    Schon Blabla, aber nicht wirklich lang :-). Der umstrittene Satz ist dann wohl:

    “Inklusion als Selbstverständnis wird über die Grenzen ausstrahlen. Globale Inklusion bedeutet Raum zu schaffen für Menschen jeglicher Herkunft mit dem Ziel, ihre gesellschaftlichen Eigenheiten und Mentalitäten, Sprache und nationalen Identitäten zu bewahren und zu pflegen. Statt Vereinheitlichung und Equalisierung unserer kulturellen Vielfalt soll eine weltoffene Gesellschaft befürwortet werden.”

  6. “Komplexe Sachverhalte sind vielleicht komplex, aber nicht mysteriös oder grundsätzlich unverständlich. Auf komplexe Sachverhalte entsprechende komplexe Analysen zu liefern ist Aufgabe der Wissenschaft.”

    Oh, es gibt viele Systeme, in denen das “Teile und herrsche” nicht funktioniert – Wissenschaft setzt immer voraus, dass man über die Dinge erstmal sprechen kann, und um sprechen zu können, braucht es Begriffe, für die es erstens eine Meßvorschrift gibt ( die natürlich auch unscharf sein kann ), zweitens, dass die durch diese Begriffe bestimmten Eigenschaften des Gesamtsystems sich in irgendeiner Weise in kausale oder auch probabilistische Wirkzusammenhänge einfügen.

    Unglücklicherweise sind auch manche der Meinung, dass Wirtschaft so ein System ist – dass ausser Trivialaussagen über zeitlich und lokal begrenztes Verhalten keinerlei sinnvolle Voraussagen getroffen werden können, ein Denken, das übrigens ganz wesentlich davon lebt, dass in heutige Marktpreise Zukunftserwartungen einfliessen und damit alle Informationen, die eine Vorhersage ermöglichen, eben schon verarbeitet sind, und damit jede Vorhersage letztendlich ad absurdum geführt wird. Alternativ kann man sich auch Mandelbrots Untersuchungen zu z.B. Aktienkursen anschauen.

    Jedenfalls – der Glaube, dass alle Sachverhalte reduktionistisch behandelt werden können, hat sich nicht erfüllt.

  7. “Jedenfalls – der Glaube, dass alle Sachverhalte reduktionistisch behandelt werden können, hat sich nicht erfüllt.”

    Was allerdings meistens nicht so schlimm ist – normalerweise meidet der Mensch den Aufenthalt in solchen Systemen, da sie doch arg lebensfeindlich sind bzw. in der Regel eben keinerlei Ordnung zulassen.

  8. Jedenfalls misstraue ich allen, die angesichts genau dieser Komplexitität behaupten, “die Lösung” zu wissen

    Dafür verweist du aber ziemlich oft auf das Grundeinkommen…

  9. @irene – ja, aber ich halte das Grundeinkommen auch für einen Schritt in die richtige Richtung, aber ganz bestimmt nicht für DIE Lösung, das sage ich auch immer, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

  10. Achtung, ursprünglich ging es nicht um “lösungen” sondern um “Antworten” (auf Fragen, die bspw die Euro-Krise aufwirft). Keine (Patent-) “Lösungen” zu haben ist völlig okay, bzw das Gegenteil (“Ich hab die Lösung (TM)!”) zu Recht verdächtig. Keine “Antworten” zu haben zeugt schlicht von Sprachlosigkeit; darum ging es mir bei meinen Hinweis! Danke. ;=)

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