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	<title>Aus Liebe zur Freiheit &#187; Arbeit und Geld</title>
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	<description>Notizen zur Arbeit der sexuellen Differenz</description>
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		<title>Aus Liebe zur Freiheit &#187; Arbeit und Geld</title>
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		<title>Ein paar Gedankensplitter zum Thema Beruf und Vereinbarkeit</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Nov 2011 16:07:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinbarkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute war ich bei der Jahrestagung zum 25. Jubiläum des Deutschen Ingenieurinnenbundes in Höchst in Odenwald und habe einen Vortrag gehalten zum Thema &#8220;Konkurrenz ist unlogisch&#8221;. Leider habe ich vergessen, mitzuschneiden, &#8230; <a href="http://antjeschrupp.com/2011/11/26/ein-paar-gedankensplitter-zum-thema-beruf-und-vereinbarkeit/" class="read-more">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&#038;blog=6476496&#038;post=4457&#038;subd=antjeschrupp&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute war ich bei der Jahrestagung zum 25. Jubiläum des <a href="http://www.dibev.de" target="_blank">Deutschen Ingenieurinnenbundes</a> in Höchst in Odenwald und habe einen Vortrag gehalten zum Thema &#8220;Konkurrenz ist unlogisch&#8221;. Leider habe ich vergessen, mitzuschneiden, sodass der Vortrag nicht im <a href="http://antjeschrupp.podspot.de/" target="_blank">Podcast</a> kommen wird, aber das <a href="http://www.antjeschrupp.de/konkurrenz-ist-unlogisch" target="_blank">Manuskript</a> könnt Ihr immerhin nachlesen, auch wenn ich beim Reden dann immer nochmal andere Sachen sage, als im Manuskript stehen <img src='http://s0.wp.com/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' />  <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/1d75e4d609e94beb8d9e86aead75b044" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Anschließend war ich dann noch beim Vortrag von Gisela Notz, die unter dem Titel &#8220;Yes, she can!?&#8221; über die geschlechtsspezifischen Auswirkungen globalisierter Märkte und Arbeitsverhältnisse gesprochen hat. Daraus ergab sich eine interessante Diskussion unter den anwesenden Ingenieurinnen, aus der ich einige neue Ideen und Argumentationslinien mitgenommen habe, die ich hier kurz verblogge, um sie nicht zu vergessen.</p>
<p>Überrascht (im positiven Sinne, denn ich sehe das auch so) hat mich eine mehrfach vorgebrachte Skepsis gegen die allzu enge Verknüpfung des Themas &#8220;Frauen in technischen Berufen&#8221; &#8211; und man kann das meiner Meinung nach auf alle ehemals männerdominierten Bereiche verallgemeinern &#8211; mit dem Thema &#8220;Vereinbarkeit von Beruf und Familie&#8221;. Eine ganze Reihe von Rednerinnen erkannten in dem Mantra &#8220;Die geringe Beteiligung bzw. die Probleme von Frauen in Männerdomänen ist vor allem eine Folge der Vereinbarkeitsproblematik&#8221; ein Scheinargument.</p>
<p>Eine Frau wies zum Beispiel darauf hin, dass in Frankreich, wo ja außerfamiliäre Kinderbetreuung und damit auch Berufstätigkeit von Müttern normaler ist als in Deutschland, der Anteil von Frauen in technischen Berufen trotzdem genauso niedrig ist. Ein starker Beleg dafür, dass die Vereinbarkeitsprobleme nicht die hauptsächliche Ursache sind. (Übrigens auch nicht nur die fehlende Ausbildung, denn, wie Gisela Notz sagte, sind unter den ausgebildeten Ingenieurinnen in Deutschland ungefähr 20 Prozent Frauen, unter denen mit versicherungspflichtigem Arbeitsvertrag nur 11 Prozent).</p>
<p>Eine andere wies darauf hin, dass das Vereinbarkeitsargument neuerdings auch häufig von Arbeitgebern angeführt wird, um den niedrigen Frauenanteil in ihrem Unternehmen zu rechtfertigen, nach dem Motto: &#8220;Der Staat soll erst mal Kinderbetreuungsmöglichkeiten schaffen, dann kommen die Frauen schon von ganz alleine zu uns.&#8221; Eine elegante Möglichkeit, die Verantwortung von sich zu weisen, und ein weiteres Beispiel dafür, wie geschickt bestimmte Leute darin sind, feministische Argumente für sich zu vereinnahmen.</p>
<p>Als ich das eben einem Freund erzählte, macht er mich noch auf einen anderen Aspekt aufmerksam: Dass nämlich diese Verknüpfung von &#8220;Frauenmangel&#8221; und &#8220;Vereinbarkeitsproblem&#8221; bei gutwilligen Arbeitgebern leicht zu Enttäuschungen führen kann. Wenn die etwa, um weibliche Fachkräfte zu bekommen, Kinderbetreuungsmöglichkeiten schaffen &#8211; und das dann womöglich gar nicht den gewünschten Erfolg bringt. Weil die Ursachen für die fehlenden Bewerbungen qualifizierter Frauen zumindest teilweise noch ganz woanders liegen. Wenn es jemand gibt mit Erlebnissen, Erfahrungen, Wissen zu diesem Punkt, bitte in die Kommentare schreiben.</p>
<p>Eine weitere Teilnehmerin erzählte von einem großen Technikunternehmen, das vor einigen Jahren Schwierigkeiten hatte, qualifizierte Ingenieur_innen zu finden. Schließlich kamen sie auf die Idee, Teilzeitstellen auszuschreiben &#8211; die es offenbar im Ingenieursbereich fast gar nicht gibt &#8211; und wurden daraufhin überschwemmt von Bewerbungen, die genau auf diese Möglichkeit der Teilzeitarbeit verwiesen, und zwar Bewerbungen von Frauen UND Männern. Für mich heißt das: Das Gejammere über Fachkräftemangel braucht man eigentlich nur dann ernst zu nehmen, wenn die Unternehmen selbstverständlich Teilzeitstellen anbieten, auf allen Qualifikationsniveaus.</p>
<p>Mehrere Teilnehmerinnen wendeten sich schließlich auch gegen das Argument, dass qualifizierte Arbeitnehmerinnen auf keinen Fall eine Weile aus dem Beruf aussteigen dürfen, wenn sie den Anschluss nicht verlieren wollen. Denn die wichtigste Qualifikation, die man heute im Berufsleben brauche, sei die Fähigkeit, Neues zu lernen. Auch wenn man ein Projekt wechselt, müsse man sich immer wieder in neue Gegebenheiten einarbeiten. Meist seien es ganz andere Gründe, weshalb Arbeitgeber Leute mit einer &#8220;Biografischen Pause&#8221; nicht in Betracht ziehen.</p>
<p>Das scheint mir auch recht plausibel. Ich halte es für wahrscheinlich, dass Arbeitgeber es einfach nicht gerne sehen, wenn Menschen sich eine &#8220;Auszeit&#8221; nehmen &#8211; sei es nun wegen Kindern oder aus irgend einem anderen Grund &#8211; und zwar deshalb, weil das beweist, dass die betreffenden Arbeitnehmer_innen sich nicht mit Haut und Haaren ihrem Beruf hingeben, sondern auch noch andere Interessen und Prioritäten haben. Sie sind daher auch nicht so leicht lenkbar, nicht so abhängig, funktionieren nicht so gut. Nicht, weil ihnen inhaltliches Wissen fehlt &#8211; das kann man sich nämlich wieder aneignen &#8211; sondern weil sie eine gewisse innere Unabhängigkeit von ihrem Beruf haben.</p>
<p>In diese Richtung müsste man weiterdenken. Und immer schön aufpassen, dass die eigenen feministischen Argumente nicht neoliberal vereinnahmt werden, also dazu beitragen, die totale Auslieferung der Menschen an die Erfordernisse des Arbeitsmarktes immer weiter voranzutreiben. Und diesen Prozess dann auch noch mit dem Gütesiegel der Emanzipation zu versehen.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/antjeschrupp.wordpress.com/4457/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/antjeschrupp.wordpress.com/4457/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/antjeschrupp.wordpress.com/4457/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/antjeschrupp.wordpress.com/4457/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/antjeschrupp.wordpress.com/4457/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/antjeschrupp.wordpress.com/4457/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/antjeschrupp.wordpress.com/4457/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/antjeschrupp.wordpress.com/4457/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/antjeschrupp.wordpress.com/4457/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/antjeschrupp.wordpress.com/4457/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/antjeschrupp.wordpress.com/4457/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/antjeschrupp.wordpress.com/4457/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/antjeschrupp.wordpress.com/4457/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/antjeschrupp.wordpress.com/4457/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&#038;blog=6476496&#038;post=4457&#038;subd=antjeschrupp&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Was unterwegs verloren gegangen ist</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 16:09:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Historisches]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Zeit lese ich das Buch &#8220;Wir wollten die Welt verändern&#8221;, in dem Aktivistinnen der Dortmunder Frauenbewegung der 1970er Jahre ihre Erinnerungen an diese Zeit zusammengetragen haben. Es ist sehr &#8230; <a href="http://antjeschrupp.com/2011/08/11/was-unterwegs-verloren-gegangen-ist/" class="read-more">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&#038;blog=6476496&#038;post=3950&#038;subd=antjeschrupp&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/08/welt_veraendern_gr.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-3955" title="welt_veraendern_gr" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/08/welt_veraendern_gr.jpg?w=547" alt=""   /></a>Zur Zeit lese ich das Buch &#8220;Wir wollten die Welt verändern&#8221;, in dem Aktivistinnen der Dortmunder Frauenbewegung der 1970er Jahre ihre Erinnerungen an diese Zeit zusammengetragen haben. Es ist sehr interessant zu lesen, vor allem wenn man die damaligen Quellentexte und Anliegen vergleicht mit dem, was sich seither verändert hat &#8211; und was nicht.</p>
<p>So zitiert Gisela Trappe in ihrem Beitrag einen Text der Frauen-Aktion Dortmund aus dem Jahr 1976, der die Aktionen zur Abschaffung des § 218 in einen größeren Zusammenhang stellt. Darin wird zum einen deutlich, dass es den Frauen damals nicht darum ging, die generelle &#8220;Straffreiheit&#8221; für Abtreibungen zu erreichen, sondern sie bestanden darauf, dass die ethische Problematik ungewollter Schwangerschaften nichts ist, was der <a href="http://antjeschrupp.com/2011/07/15/einige-gedanken-zum-prinzip-der-rechtsstaatlichkeit/" target="_blank">Rechtsstaat</a> regulieren sollte, sondern dass die Entscheidungen auf einer anderen Ebene und vor allem von den betroffenen Frauen selbst abzuwägen sind. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/06d1f5dd32824d5fb1af494194534274" width="1" height="1" alt=""></p>
<p>Außerdem wird klar, dass diese Aktionen eng verknüpft waren mit weiter reichenden Vorstellungen für eine Neuorganisation von Erwerbs- und Hausarbeit. In den Worten von damals liest sich das so:</p>
<blockquote><p>Wir wollen Teilzeitarbeit und Babyjahr für Männer und Frauen. Aber was nützen uns Babyjahr und Halbtagsarbeit für den Mann, solange die Frau erheblich weniger Lohn bekommt und der Mann deshalb schon aus finanziellen Gründen ganztags arbeiten muss. Wir brauchen daher Gleichstellung der Frau in Ausbildung und Beruf und gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Wir wollen Kinder. Sie sollen unter den bestmöglichen Umständen aufwachsen können. Dazu gehören gute Kinderkrippen, Kindergärten, Ganztagsschulen und gerade auch kinderfreundliche Wohnungen für wenig Geld. (S. 45)</p></blockquote>
<p>Interessant an dieser Aufzählung ist, was davon inzwischen &#8211; 35 Jahre später &#8211; verwirklicht ist, und was ganz in Vergessenheit geraten ist. Ganz oben auf die politische Agenda gerückt sind inzwischen die Forderungen nach &#8220;gleichem Lohn für gleiche Arbeit&#8221; und die nach Kinderkrippen, Kindergärten und Ganztagsschulen. Sicher, beides ist noch nicht verwirklicht, aber dass es wünschenswert und notwendig ist, wird von kaum noch jemandem in Frage gestellt.</p>
<p>Ganz in Vergessenheit geraten sind hingegen die Sache mit der Halbtagsarbeit und die mit den kinderfreundlichen Wohnungen für wenig Geld. Es ist ja doch sehr bemerkenswert, dass die Dortmunder Frauen damals keineswegs einfach gleichen Lohn für Frauen und Zugang zur Erwerbsarbeit gefordert haben, sondern dass sie das in den Kontext einer Neuorganisation von Familien- und Erwerbsarbeit stellten, die <em>beide</em> Seiten unter Frauen und Männern gleichmäßiger verteilen wollten: Jede erwachsene Person, so ihre Vorstellung, sollte halbtags erwerbsarbeiten und halbtags sonstwas tun, zum Beispiel sich um Kinder kümmern. Eine aus damaliger Sicht durchaus vernünftige und logische Forderung, denn schließlich ging ja alle Welt zu Zeiten der Hausfrauenehe selbstverständlich davon aus, dass ein Einkommen für zwei Erwachsene plus Kinder reicht. Ökonomisch wäre das also ein Nullsummenspiel gewesen.</p>
<p>Und an dieser Stelle erst kommt die Forderung nach &#8220;gleichem Lohn für gleiche Arbeit&#8221; ins Spiel, denn bei ungleichen Löhnen geht die Rechnung nicht auf, weil das Halbtagseinkommen der Frau den Ausfall des halben Männereinkommens nicht ausgleichen kann. Herausgekommen bei all dem ist jedoch, dass man heute für normal hält, dass beide Eltern Vollzeit erwerbstätig sind &#8211; was ich ja <a href="http://antjeschrupp.com/2011/08/03/vater-recht-abschaffen-kindererziehung-steuerfinanzieren/" target="_blank">kürzlich erst</a> anhand eines entsprechenden BGH-Urteils kritisiert habe.&nbsp;Die feministische Forderung nach ökonomischer Anerkennung und Aufwertung von Familienarbeit ist in ihr Gegenteil verkehrt worden, nämlich dazu, dass man Familienarbeit für nicht existent erklärt, zum Privatvergnügen, das die Gesellschaft nichts angeht.</p>
<p>Damit eng zusammen hängt natürlich die soziale Spaltung der Gesellschaft in Reich und Arm, die in den letzten 35 Jahren ja keineswegs ab-, sondern zugenommen hat. In den unteren Lohngruppen reicht ein Einkommen (oder zwei halbe) auch mit gleichem Lohn für Frauen nicht mehr aus, weil die Männer in diesen Berufsgruppen heute weniger verdienen als damals. Die Angleichung hat hier, wenn überhaupt, nach unten stattgefunden. Und in den höheren Einkommensgruppen stellt sich die Frage nicht, weil sie es sich leisten können, Familienarbeit &#8220;outzusourcen&#8221;, an schlecht bezahlte Migrantinnen in der Regel. Eine Dynamik, die noch dadurch erschwert wird, dass Reich und Reich<a href="http://antjeschrupp.com/2011/03/29/gleich-und-gleich-ergibt-arm-und-reich-so-ein-mist/" target="_blank"> untereinander heiratet</a>, ebenso wie Arm und Arm.</p>
<p>Und Forderungen nach &#8220;kinderfreundlichen Wohnungen für wenig Geld&#8221; hab ich schon gar nicht mehr gehört. Schließlich leben wir doch in einer freien Marktwirtschaft, nicht wahr?</p>
<p><em>Hanne Hieber (Hg): Wir wollten die Welt verändern. Dortmunder Feministinnen erinnern sich. Ingrid Lessing Verlag, Dortmund 2011.</em></p>
<p><a href="http://flattr.com/thing/371724/Was-unterwegs-verloren-gegangen-ist" target="_blank"><br />
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Danke für die Spende!</p>
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		<title>Zwölf Punkte für das gute Leben</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2011/07/06/zwolf-punkte-fur-das-gute-leben/</link>
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		<pubDate>Wed, 06 Jul 2011 10:01:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Gutes Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Weite Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Belgische Frauenliga]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute bekam ich eine Einladung der Belgischen Frauenliga, die im Oktober einen Studientag zum Thema Elternschaft plant. Leider werde ich daran nicht teilnehmen können, aber diese Vereinigung scheint mir sehr &#8230; <a href="http://antjeschrupp.com/2011/07/06/zwolf-punkte-fur-das-gute-leben/" class="read-more">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&#038;blog=6476496&#038;post=3810&#038;subd=antjeschrupp&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute bekam ich eine Einladung der <a href="http://www.frauenliga.be/" target="_blank">Belgischen Frauenliga</a>, die im Oktober einen Studientag zum Thema Elternschaft plant. Leider werde ich daran nicht teilnehmen können, aber diese Vereinigung scheint mir sehr interessant zu sein &#8211; und ich muss zugeben, dass ich sie bisher nicht kannte. Trotz Europa und allem ist die Frauenbewegung doch leider viel weniger international, als das wünschenswert wäre.</p>
<p>Die Liga besteht bereits seit 1931 und versteht sich als feministische Bewegung mit traditioneller Verankerung in der ArbeiterInnenbewegung &#8211; und genau dieser breite Fokus ist es, den ich sehr gut finde, und der mir in der deutschen Diskussion über die &#8220;Gleichstellung der Geschlechter&#8221; manchmal etwas zu kurz kommt.</p>
<p>Im Mai 2010 haben rund 300 Frauen bei einem Kongress der Liga &#8220;Zwölf Bedingungen für eine gleichberechtigte, solidarische und gerechte Gesellschaft&#8221; erarbeitet. Vorausgegangen war dem ein zweijähriger Diskussionsprozess. Mir gefallen diese Punkte sehr gut &#8211; auch wenn ich natürlich bei dem ein oder anderen Detail etwas anders formulieren würde &#8211; und vielleicht könnten sie ja auch eine Inspiration für entsprechende Diskussionen in Deutschland sein. Sie verbinden jedenfalls genau die Aspekte, die auch mir im Zusammenhang mit feministischen Impulsen wichtig sind: Die Verbindung von weiblicher Freiheit, Verantwortung für Hilfsbedürftige und den Fokus auf ein gutes Leben für alle.</p>
<p>Da ich mir vorstellen kann, dass diese Initiative aus Belgien nicht nur mir bisher unbekannt war, sondern in Deutschland generell nicht groß registriert wurde, stelle ich die Punkte auch hier einmal vor und zur Diskussion:</p>
<blockquote><p><strong>In einer gleichberechtigten, solidarischen und gerechten Gesellschaft</strong></p>
<p>1. befinden sich würdige Erwerbstätigkeit und Privatleben im Gleichgewicht.</p>
<p>2. ist die lebenslange finanzielle Unabhängigkeit aller Frauen garantiert.</p>
<p>3. wird Konsum allen zugänglich gemacht und erfolgt auf der Basis von Nachhaltigkeit und fairem Handel.</p>
<p>4. ist die Pflege hilfsbedürftiger Menschen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.</p>
<p>5. werden Pflege- und Betreuungsberufe gesellschaftlich anerkannt und wertgeschätzt.</p>
<p>6. verfügen Frauen über ausreichend Zeit, über die sie frei entscheiden können.</p>
<p>7. existieren keine sexistischen, stereotypen Frauenbilder, die Frauen unter Druck setzen.</p>
<p>8. ist Mutterschaft weder verpflichtend noch Anlass zur Diskriminierung.</p>
<p>9. werden Gewalt und Unrecht gegen Frauen als Ausdruck des patriarchalischen Gesellschaftssystems erkannt und als solche bekämpft.</p>
<p>10. werden in Politik und Verwaltungswesen die Interessen und Bedürfnisse von Frauen berücksichtigt.</p>
<p>11. wird die Initiative der Frauen selbst zum Motor für gesellschaftliche Veränderung.</p>
<p>12. schaffen Frauen Solidarität untereinander.</p></blockquote>
<p>In dem Papier werden diese Punkte anschließend im Einzelnen ausgeführt und in weiteren Unterpunkten konkretisiert. Es steht als<a href="http://www.viefeminine.be/IMG/pdf/12_Bedingungen-3.pdf" target="_blank"> pdf-Dokument</a> auf der Homepage der Liga. Dort gibt es sämtliche Texte auch auf Französisch.</p>
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		<item>
		<title>Lohnunterschiede: Herkunft wichtiger als Geschlecht</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2011/04/29/lohnunterschiede-in-deutschland/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Apr 2011 08:38:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Girls and Boys]]></category>

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		<description><![CDATA[Meine „Zehn Thesen zum Equal Pay Day“ im März hatte ich mit folgender These begonnen: 1. Das eigentlich schlimme „Pay-Gap“, über das wir reden müssten, ist nicht das zwischen Frauen &#8230; <a href="http://antjeschrupp.com/2011/04/29/lohnunterschiede-in-deutschland/" class="read-more">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&#038;blog=6476496&#038;post=3620&#038;subd=antjeschrupp&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3621" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/04/fotolia_4133992_m.jpg"><img class="size-full wp-image-3621" title="Fotolia_4133992_M" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/04/fotolia_4133992_m.jpg?w=547" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Pegra - Fotolia.com</p></div>
<p>Meine <a href="http://antjeschrupp.com/2011/03/22/die-manner-und-das-geld-zehn-thesen-zum-equal-pay-day/" target="_blank">„Zehn Thesen zum Equal Pay Day“</a> im März hatte ich mit folgender These begonnen: <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/eb0610c8fdfe4da0af0302dd05083628" alt="" width="1" height="1" /></p>
<blockquote><p>1. Das eigentlich schlimme „Pay-Gap“, über das wir reden müssten, ist nicht das zwischen Frauen und Männern, sondern das zwischen Armen und Reichen. Deshalb ist es falsch, sich hier rein auf den Gender-Aspekt zu beziehen.</p></blockquote>
<p>Bei einer Veranstaltung des Frankfurter Frauenreferats zum Equal Pay Day haben wir darüber diskutiert. Während für die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in Deutschland immer die Zahl von 23 Prozent kursiert, werden kaum Zahlen für andere „Pay Gaps“ genannt. Bettina Eichhorn, die Referentin für Bildung und Arbeit im Frankfurter Frauenreferat, hatte aber die gute Idee, bei der Bundesagentur für Arbeit entsprechende Zahlen anzufordern im Vergleich von Menschen mit deutscher und anderer Staatsangehörigkeit.</p>
<p>In diesen Vergleichstabellen wird der „Median“ angegeben. Das ist der mittlere Wert, der die „obere“ Hälfte der Beschäftigten von der „unteren“ Hälfte trennt. Diese Zahlen müssten daher so verstanden werden: Diejenigen Frauen, die zahlenmäßig genau in der Mitte aller Frauen liegen (bei denen es also genauso viele Frauen gibt, die weniger verdienen, wie Frauen, die mehr verdienen als sie) bekommen 22 Prozent weniger Bruttolohn als die entsprechenden Männer.</p>
<p>Über die „Durchschnittslöhne“ sagt diese Zahl nichts aus. Allerdings gibt sie durchaus ein Verhältnis an, vor allem im Vergleich von Bevölkerungsgruppen zueinander. Die folgenden Zahlen beziehen auf Vollerwerbs-Arbeitsplätze und auch nur auf Frankfurt. Aber sie sind doch wohl ein interessanter Vergleichswert. Hier sind also nun die Zahlen:</p>
<p>1. Deutsche Männer:    4234 Euro<br />
2. Alle Männer:            3980 Euro<br />
3. Alle Deutschen:        3758 Euro<br />
4. Mittelwert aller:       3587 Euro<br />
5. Deutsche Frauen:     3200 Euro<br />
6. Alle Frauen:              3103 Euro<br />
7. Ausl. Männer:           2642 Euro<br />
8. Alle Ausl.:                 2542 Euro<br />
9. Ausl. Frauen:            2407 Euro</p>
<p>Die „Pay Gaps“ berechnen sich nun folgendermaßen: Wenn man die Differenz der Mediane von „allen Männern“ (3980) und „allen Frauen“ (3103) bildet, kommt man auf 877 Euro. Dies sind 22 Prozent vom „Männerlohn“, das heißt, die Median-Frau verdient 22 Prozent weniger als der Median-Mann.</p>
<p>Man könnte es natürlich auch andersrum rechnen und den „Frauenlohn“ zum Maßstab nehmen. Dann käme man zu der Aussage, dass die Median-Männer 28 Prozent mehr verdienen als die Median-Frauen. Aber ich halte mich im Folgenden mal an die Konvention, nehme also als Maßstab den jeweils höheren Verdienst. Auch so ist der Befund aufschlussreich.</p>
<p>Denn es kommt heraus, dass der Lohnunterschied zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen sehr viel höher ist als der zwischen Männern und Frauen: Die „Median-Menschen“ anderer Staatsangehörigkeit verdienen 32 Prozent weniger als die deutschen Median-Menschen, nämlich nur 2542 Euro im Vergleich zu 3758 Euro.</p>
<p>Noch größer ist der Unterschied zwischen deutschen und nicht-deutschen Männern, nämlich knapp 38 Prozent. Interessant: Auch der Unterschied zwischen deutschen und nicht-deutschen Frauen ist noch größer als der allseits diskutierte Gender-Pay-Gap, nämlich knapp 25 Prozent. Das heißt, für die Ungleichheit beim Einkommen spielt die Herkunft eine weitaus größere Rolle als das Geschlecht, allerdings ist die Ungleichheit unter Männern noch einmal sehr viel größer als die Ungleichheit unter Frauen.</p>
<p>Ebenfalls interessant ist es, wenn man das Gender-Pay-Gap mit der Herkunft kombiniert. Der Lohnunterschied zwischen deutschen Median-Männern und -Frauen beträgt gut 24 Prozent, der zwischen nicht-deutschen Median-Männern und -Frauen nicht einmal 9 Prozent! Das heißt, innerhalb der nicht-deutschen Bevölkerung ist die Geschlechtergleichheit im Bezug auf das Einkommen sehr viel besser als innerhalb der deutschen Bevölkerung.</p>
<p>Ganz krass wird es natürlich, wenn man deutsche Männer mit nicht-deutschen Frauen vergleicht: Hier beträgt die Differenz der Mediane über 43 Prozent. Vergleicht man hingegen deutsche Frauen mit ausländischen Männern, kommt man „nur“ auf gut 17 Prozent.</p>
<p>Fazit: Im Bezug auf ungleich verteilte Einkommen spielt die Herkunft eine deutlich größere Rolle als das Geschlecht. Sowohl das Geschlecht als auch die ausländische Herkunft haben jedoch einen klar „egalisierenden“ Effekt: So sind die Unterschiede zwischen Frauen verschiedener Herkunft sehr viel kleiner als zwischen Männern verschiedener Herkunft, und die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei der nicht-deutschen Bevölkerung sehr viel geringer als bei der deutschen Bevölkerung.</p>
<p>Ich meine, das ist ein guter Diskussionsstoff für weitere Equal-Pay-Tage!</p>
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		<title>Andere arbeiten immer. Ich arbeite nie.</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 10:14:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Gutes Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Echtzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Verfügbarkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Es wird viel darüber geredet, wie mobiles Internet und die jederzeitige Erreichbarkeit der Menschen über Smartphones sich auf das Leben auswirkt. Oft ist dabei von Befürchtungen die Rede, viele fühlen &#8230; <a href="http://antjeschrupp.com/2011/03/31/andere-arbeiten-immer-ich-arbeite-nie/" class="read-more">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&#038;blog=6476496&#038;post=3534&#038;subd=antjeschrupp&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es wird viel darüber geredet, wie mobiles Internet und die jederzeitige Erreichbarkeit der Menschen über Smartphones sich auf das Leben auswirkt. Oft ist dabei von Befürchtungen die Rede, viele fühlen sich gestresst dadurch, dass sich starre Grenzen zwischen „Arbeitszeit“ und „Freizeit“ auflösen. Man müsse heutzutage jederzeit verfügbar sein, wird geklagt. <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/28b3f939b28c4a078fdba2b11e576f07" width="1" height="1" alt=""></p>
<p>Ich denke, das liegt daran, dass wir das, was sich da verändert, noch nicht richtig nutzen. Dass die alten Konzepte von „Arbeit“, die im Industriezeitalter entstanden sind, noch immer in unseren Köpfen herumkreisen. Ich denke, dass es möglich ist, die neuen Möglichkeiten so zu nutzen, dass daraus eine Befreiung von alten, überflüssigen Zwängen wird. Einfach deshalb, weil es bei mir so ist.</p>
<p>Eben zum Beispiel hatte ich eine Stunde Aufenthalt in Braunschweig, weil ich den Anschlusszug verpasst habe. Früher hätte ich mich darüber sehr geärgert: eine Stunde geklaute Lebenszeit, in der ich herumstehe und zum Nichtstun verdammt bin. Meine Termine und Vorhaben für den Nachmittag wären gefährdet gewesen, es wäre in Stress ausgeartet. So setzte ich mich ins Café, klappte das Notebook auf und redigierte ein paar Texte für die Zeitung, bei der ich arbeite. Ich machte genau dasselbe, wie ich ansonsten nachher im Büro gemacht hätte, nur eben wann anders und wo anders.</p>
<p>Oder neulich, als ich am Sonntagmorgen aus unerfindlichen Gründen um sieben Uhr glockenhellwach war. In der Wohnung Stille, es war klar, in den nächsten zwei Stunden würde ich keine Frühstücksgesellschaft haben. Also kochte ich mir einen Kaffee, machte es mir im Bett gemütlich und widmete mich den Mails, die in den vergangenen Tagen zu kurz gekommen waren. Als dann am Montag herrlichster Sonnenschein war, fuhr ich den Computer nach der ersten Stunde Neuigkeiten-Checken gleich wieder runter, setzte mich aufs Fahrrad und fuhr in der Gegend herum. Unerreichbar für alle.</p>
<p>Sicher ist meine Arbeitssituation ein wenig besonders, weil ich – auch in meiner „festangestellten“ Seite – hauptsächlich projektbezogen arbeite. Also Dinge tue, die relativ zeit- und ortsunabhängig sind und keine anderen Arbeitsmittel benötigen als eben einen Computer mit Internetzugang. Aber der Anteil dieser Tätigkeiten am Gesamtarbeitsvolumen steigt, und würden die technischen Möglichkeiten des mobilen Internets konsequent angewandt, könnte er wahrscheinlich noch viel größer sein, als er derzeit ist. Viele fragen sich aber: Ist das wünschenswert?</p>
<p>Ich sage: definitiv. Allerdings ist es dafür notwendig, sich von dem alten Konzept von „Arbeit“ zu verabschieden. Dieses Konzept sah eine klare Menge dessen vor, was ein Mensch zu tun hatte. Vierzig Stunden. Nine to five. In diesem Büro, in dieser Lagerhalle. Soundsoviel Menge Arbeitskraft für soundsoviel Geld, und das unabhängig von den Notwendigkeiten, dem Sinn, den persönlichen Befindlichkeiten.</p>
<p>Überhaupt die Befindlichkeiten. In der alten Logik gab es nicht nur eine klare Grenze zwischen „Arbeit“ und „Freizeit“, sondern in deren Gefolge auch eine klare Grenze zwischen „Gesund“ und „Krank“ – entscheidend dafür war der Stempel vom Arzt.</p>
<p>Bei mir gibt es zwischen diesen beiden Zuständen aber jede Menge dazwischen. Es gibt Tage, da fühle ich mich stark wie ein Ochse und schaffe ein ganzes Wochenpensum weg. An anderen Tagen bin ich lustlos und duddele unproduktiv vor mich hin, aber natürlich würde kein Arzt mich dafür krankschreiben. Manchmal bin ich auch „richtig“ krank, etwa mit einer Grippe, aber deshalb noch keineswegs unfähig, irgendetwas zu tun. Ein paar Mails lesen kann ich durchaus, oder telefonisch Dinge delegieren und Termine verlegen. Oder dieses Buch lesen, zu dem ich vor lauter Arbeitswut in den Wochen zuvor nicht gekommen war.</p>
<p>Mir kommt ein Vergleich für meine Art zu „arbeiten“ in den Kopf: die klassische Hausfrau. Auch die konnte sich nicht krank schreiben lassen – oder nur in Extremfällen. Auch die hatte keine geregelten Arbeitszeiten, sondern war rund um die Uhr im Einsatz und erreichbar, vor allem, wenn auch Kinder zu ihrem Haushalt gehörten. Auch ihre Arbeit hörte niemals auf, war niemals erledigt, irgendetwas gab es immer zu tun. Wie hat sie das eigentlich gemacht?</p>
<p>Vielleicht kommen wir weiter, wenn wir den Begriff der „Arbeit“ durch den des „Tätigseins“ ersetzen. Anstatt von der „Arbeit“ auszugehen, die mir von anderen (dem „Arbeitgeber“) aufgetragen wird und die zu verrichten ich mich verpflichtet habe, gehe ich von mir und meinen Möglichkeiten aus, etwas zu tun. Ich tue das, was ich kann und will, und dann sehen wir ja, wie viel „Getanes“ dabei herauskommt.</p>
<p>Dies ist die einzige Haltung, so meine ich, die uns in der Flut der möglichen Dinge, die nach uns schreien, nicht untergehen lässt. Ich kann nicht alles lesen, ich kann nicht alles tun, was wünschenswert ist, ich kann nicht die ganze Welt retten. Aber ich kann meinen Kräften entsprechend in dieser Welt tätig sein.</p>
<p>Das bedeutet nicht einfach nur Spaß und Lust und Laune. Ein wichtiger, eigentlich der entscheidende Faktor ist dabei natürlich die Notwendigkeit. Wenn meine Nachbarin sich das Bein bricht und ins Krankenhaus gebracht werden muss, und ich bin die einzige, die da ist, muss ich das machen, egal ob ich grade müde oder in ein spannendes Buch vertieft bin. Wenn ich jemandem etwas versprochen habe (zum Beispiel, dann und dann einen Vortrag zu halten oder ein Manuskript abzugeben), dann muss ich das einhalten.</p>
<p>So jedenfalls verstehe ich meine Aufträge, auch als festangestellte Redakteurin: Nicht als Verpflichtung, zu der mich ein „Arbeitgeber“ zwingt, sondern als Versprechen, das ich anderen Leuten gegeben habe und das ich mich daher auch einzuhalten bemühe. Nicht mehr Aufträge annehmen als ich realistischerweise abarbeiten kann, bedeutet auch einen sorgsamen Umgang damit: Man darf nicht Sachen versprechen, die man nicht halten kann.</p>
<p>Es gibt also zwei Kriterien für mein Tätigsein: Die Notwendigkeiten der Welt (etwas muss getan werden) sowie das Versprechen, das ich gegeben habe (jemand verlässt sich auf mich). Beides ist aber nichts Neues. Das ist schon immer Maßstab des menschlichen Tätigseins gewesen, nicht nur lange vor der Erfindung des mobilen Internet, sondern auch schon lange vor dem Industriezeitalter. Das moderne Verständnis von „Arbeit“ hat diese natürlichen Grundlagen von menschlichem Tätigsein eher behindert und durch starre Verträge, Zeitregimes und so weiter ersetzt. Sodass Menschen auch Sinnloses taten, weil irgendwer ihnen die entsprechende Anweisung gab, und dass Menschen Versprechen nicht eingelöst haben, weil irgendeine gesetzliche Regelung es ihnen ermöglichte, sich zu drücken.</p>
<p>Vorschlag: Die Grenze, der wir unsere Aufmerksamkeit widmen sollten, ist nicht die zwischen „Arbeit“ und „Freizeit“, sondern die zwischen „Tätigsein in der Welt“ und „Zurückgezogenheit von der Welt“. Die Welt ist immer da und wartet auf mein Mitwirken, sowohl die analoge als auch die, zu der mir das Internet Zugang gewährt. Aber ich bin nicht ständig aktiv. Ich bin nicht immer öffentlich präsent, ich ziehe mich manchmal zurück, schalte ab, bin im Privaten. Weil das Wetter schön ist, weil ich schlapp bin, weil eine alte Freundin zu Besuch kommt, weil ich mit einem Kind spiele oder weil ich bloß grade keine Lust habe und auch nichts Dringendes anliegt. Dann ist die Welt natürlich trotzdem da, und ich verpasse für eine Weile, was da geschieht. So what. Die Welt dreht sich auch ohne mich, zum Glück.</p>
<p>Die Voraussetzung dafür, dass das klappt, ist eine neue Vorstellung von „Echtzeit“. Alles Wesentliche passiert im Hier und Jetzt. Ich mag es deshalb nicht, wenn man mir Nachrichten und Aufträge „hinterlässt“. Ich bin in der Gegenwart präsent, und es belastet mich, wenn sich Unerledigtes anhäuft. Überflüssiges Unerledigtes.</p>
<p>Das Unerledigte ist nämlich selber ein Phänomen der alten industriellen Arbeitsstrukturen: Um fünf Uhr fiel der Hammer, und weitere eingehende Anliegen hatten bis zum nächsten Morgen um Neun zu warten. Sie sammelten sich an, das schöne Bild vom Berg gestapelter Akten. Mein persönlicher Horrorapparat für diese Art der Anhäufung von Unerledigtem ist der Anrufbeantworter. Eine ebenbürtige Nachfolgerin ist natürlich längst die E-Mail. Beides – E-Mails und Nachrichten auf dem Anrufbeantworter – haben bei mir ziemlich schlechte Karten, denn sie stehlen mir Freiheit. Ich widme mich ihnen nur, wenn sie wirklich ganz dringlich sind, oder wenn ich Sonntagsmorgens mal zu früh aufwache. Ansonsten behandle ich sie wie Echtzeit-Kontakte: Entweder ich bearbeite sie sofort, also dann, wenn ich sie zum ersten Mal lese oder höre, oder sie rutschen immer weiter nach hinten und geraten in Vergessenheit.</p>
<p>Die Hausfrau früher hatte ja auch keine E-Mail und keinen Anrufbeantworter. Sie war da oder nicht, und wer etwas von ihr wollte und sie nicht persönlich antraf, musste eben später wiederkommen. Und so könnten wir das auch heute wieder handhaben: Wer potenziell rund um die Uhr präsent ist, kann nicht auch noch jede Menge Unerledigtes in der Pipeline haben – denn das ist es, was den Stress erzeugt.</p>
<p>Auf diese Weise – mit einer langen Liste von Unerledigtem – mag ich nicht mehr leben. Ich will so nicht arbeiten. Ich will übrigens gar nicht arbeiten. Ich will tätig sein, hier und jetzt, eintauchen in die Welt um mich herum oder in meinen Timelines, in den Strom der Neuigkeiten und Menschen, die Gespräche und Ideen. Ich möchte meine gegebenen Versprechen einlösen oder mich den Notwendigkeiten zuwenden, die auf mein Aktivwerden warten, aber nicht irgendwelche Verträge erfüllen. Ich möchte etwas beitragen zu dieser Welt, und nicht Aufgaben abarbeiten.</p>
<p>Früher nannte man genau das mal „Leben“.</p>
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		<title>Gleich und Gleich ergibt Arm und Reich. So ein Mist.</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Mar 2011 17:06:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Geld]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Ende der Alleinverdiener-Ehe führt zu mehr materieller Ungleichheit. Ich habe über dieses Problem vor Jahren mal in einem Aufsatz von Nancy Fraser gelesen und erwähne es seither bei jeder sich &#8230; <a href="http://antjeschrupp.com/2011/03/29/gleich-und-gleich-ergibt-arm-und-reich-so-ein-mist/" class="read-more">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&#038;blog=6476496&#038;post=3525&#038;subd=antjeschrupp&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Ende der Alleinverdiener-Ehe führt zu mehr materieller Ungleichheit. Ich habe über dieses Problem vor Jahren mal in einem Aufsatz von Nancy Fraser gelesen und erwähne es seither bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Jetzt ist es auch statistisch belegt und führt hoffentlich zu weiterführenden Diskussionen. <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/d4b2e38c67fe4c699dc0a5d8a99e6cba" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Nach einer <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,753775,00.html" target="_blank">neuen Studie</a> ist nämlich eine der Hauptursachen für die wachsende Kluft von Arm und Reich, dass sich die Unterschiede im Familieneinkommen nahezu verdoppeln, wenn nicht mehr nur der Mann, sondern auch die Frau voll erwerbstätig ist. Denn Paare finden sich tendenziell nach sozialer Schicht zusammen &#8211; Gutverdiener heiraten Gutverdienerinnen, Schlechtverdienerinnen heiraten Schlechtverdiener. Für das Familieneinkommen ist das logischerweise ein sehr großer Unterschied im Vergleich zur alten &#8220;Hausfrauenehe&#8221;. Das ist eines der vielen Beispiele dafür, dass bloße Emanzipation, die Gleichstellung der Frauen mit den Männern, keine gute Idee ist, wenn ansonsten alles beim Alten bleibt.</p>
<p>Meiner Ansicht nach haben wir es hier nicht nur mit einem Geldverteilungsproblem zu tun. Gestern Abend nahm ich in Düsseldorf an einer Podiumsdiskussion zum Frauentags-Jubiläum teil. Eine der Mitdiskutantinnen war Tina Müller, eine Topmanagerin bei Henkel. Natürlich ging es auch wieder um die Frage nach Frauen in Führungspositionen. Müller steuerte eine Beobachtung bei, die ich in dem Zusammenhang interessant finde: Sie hält es für fraglich, ob die Forderung nach mehr Männern in Haus- und Fürsorgearbeit wirklich dazu beitragen würde, dass mehr Frauen in Top-Positionen kämen. Denn ihrer Beobachtung nach wollen beruflich erfolgreiche Frauen keine &#8220;Hausmänner&#8221; haben, sondern Partner, die ebenfalls auf irgend eine Weise &#8220;Karriere&#8221; machen.</p>
<p>Man könnte das jetzt natürlich einfach mit stereotypen Rollenmustern erklären, aber ich glaube, das ist nicht alles. Man braucht nämlich nicht die Sozialisation (von der Biologie ganz zu schweigen), um die Wünsche und Motivationen zu erklären, die Frauen angeben, wenn sie Führungspositionen anstreben: Dass es ihnen vor allem darum geht, einflussreich zu sein, etwas Sinnvolles zu tun, oder dass sie einfach Spaß an ihrem Beruf haben. Worum es ihnen  hingegen so gut wie gar nicht geht, das ist inhaltsleerer Status &#8211; der berühmte dicke Dienstwagen, der privilegierte Clubzugang, der Orden an der Brust. Ich wüsste nicht, was daran erklärungsbedürftig ist, es ist ja doch einfach vernünftig. Genau anders herum wird ein Schuh draus: Der alte Statusbegriff ist erklärungsbedürftig &#8211; und ich finde die These nicht steil, das er etwas mit der patriarchalen Vorstellung von &#8220;Höherwertigem&#8221; und &#8220;Niedrigem&#8221; zu tun hat.</p>
<p>Die Freiheit der Frauen hat damit Schluss gemacht. In einer Welt, die aus freien, wenn auch unterschiedlichen Menschen besteht, ist Statusdenken eigentlich antiquiert. Allerdings haben sich die gesellschaftlichen Institutionen noch nicht entsprechend verändert. Immer noch ist Status eine der wesentlichen &#8220;Belohnungen&#8221;, die man für das Erreichen einer Führungsposition bekommt (neben mehr Geld und mehr Einfluss). Das ist meiner Ansicht nach auch ein wesentlicher Grund, warum Frauen nicht so super-enthusiastisch Führungspositionen anstreben und sich sehr genau überlegen, ob sie das wollen und welchen Preis sie bereit sind, dafür zu zahlen. Nicht, weil sie so schüchtern wären, sondern weil es für sie eben weniger zu &#8220;gewinnen&#8221; gibt als für Männer (alten Schlags). Die &#8220;Belohnungen&#8221; entsprechen nur teilweise dem, was Frauen (und auch immer mehr &#8220;postpatriarchale&#8221; Männer) tatsächlich als Belohnung ansehen.</p>
<p>Ich denke, auch das Verhalten in der Wahl des Partners spielt hier hinein. In der alten Ordnung gehörte zur &#8220;männlichen Statusbildung&#8221; nämlich durchaus auch das &#8220;Heiraten nach unten&#8221; (Chefarzt und Krankenschwester usw.) Die nicht-erwerbstätige Ehefrau war ein Statussymbol, mit dem der Mann zeigen konnte, dass er so viel verdiente, dass seine Frau es &#8220;nicht nötig hatte&#8221;, selbst Geld zu verdienen. Diese Fassade wurde teilweise sogar dann aufrecht erhalten, wenn das reale Einkommen gar nicht so hoch war: Im Zuge der Verbürgerlichung der Arbeiterbewegung war der Kampf für das Statussymbol &#8220;Hausfrau&#8221; ein wesentlicher Bestandteil.</p>
<p>Frauen hingegen &#8211; und vermutlich auch immer mehr vernünftige Männer &#8211; mögen diese Art von Überlegenheit innerhalb ihrer Beziehungen nicht. Sie wollen mit ihrer Partner_innen-Wahl nicht irgend einen Status festigen, sondern sie wählen nach Vorlieben. Sie schätzen Partner und Partnerinnen mit ähnlichen Interessen, mit ähnlichem Bildungsstand &#8211; und damit eben, so wie unsere Gesellschaft organisiert ist, zwangsläufig leider auch mit ähnlichem Einkommen.</p>
<p>Darin liegt durchaus etwas Tragisches: Der egalitäre Impuls, der von Frauen ausgeht, wenn sie Beziehungen &#8220;auf Augenhöhe&#8221; und ohne Hierarchie bevorzugen, führt im Rahmen der gegebenen Strukturen faktisch zu mehr Ungleichheit und Ungerechtigkeit. Weil sie dann eben den alten sozialen Ausgleich (reicher Mann heiratet arme Frau) nicht mehr bedienen. Oder anders herum: Männer mit wenig eigenem Erwerbseinkommen haben viel schlechtere Chancen, sich &#8220;reich&#8221; zu heiraten, als (früher) Frauen ohne eigenes Erwerbseinkommen.</p>
<p>Ich habe keine Lösung für das Problem, aber ich finde, wir sollten darüber offen diskutieren. Klar ist: Gleichstellungspolitik muss Hand in Hand gehen mit einer größeren sozialpolitischen Perspektive. Wenn das &#8220;Individuum&#8221; als soziale Grundeinheit an die Stelle der &#8220;Familie&#8221; treten soll (und das sollte es meiner Ansicht nach definitiv!) &#8211; dann ist das im Hinblick auf ein &#8220;gutes Leben für alle&#8221; nur ein Fortschritt, wenn wir gleichzeitig andere Wege finden, die materielle Ungleichheit zu verringern.</p>
<p>Update: <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,761289,00.html" target="_blank">Hier noch Ergebnisse einer aktuellen OECD-Studie zu dem Thema</a></p>
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		<title>Die Männer und das liebe Geld. Zehn Thesen zum Equal Pay Day</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2011/03/22/die-manner-und-das-geld-zehn-thesen-zum-equal-pay-day/</link>
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		<pubDate>Tue, 22 Mar 2011 16:34:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Berufswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Equal Pay Day]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Freitag ist wieder Equal Pay Day – also dieser große Aktionstag, bei dem wir uns kollektiv darüber ärgern, dass Frauen bis jetzt arbeiten mussten, um das Geld zu verdienen, &#8230; <a href="http://antjeschrupp.com/2011/03/22/die-manner-und-das-geld-zehn-thesen-zum-equal-pay-day/" class="read-more">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&#038;blog=6476496&#038;post=3487&#038;subd=antjeschrupp&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3489" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/03/rote-tasche.jpg"><img class="size-full wp-image-3489" title="Rote Tasche" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/03/rote-tasche.jpg?w=547" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">Holt raus eure roten Taschen. Es ist wieder Equal Pay Day.</p></div>
<p>Am Freitag ist wieder Equal Pay Day – also dieser große Aktionstag, bei dem wir uns kollektiv darüber ärgern, dass Frauen bis jetzt arbeiten mussten, um das Geld zu verdienen, das Männer schon am 31. Dezember in der Tasche hatten. <a href="http://www.pressemeldung-hessen.de/frankfurt-am-main-mit-roter-tasche-flagge-zeigen-28672" target="_blank">Ich mache auch mit</a>. Obwohl mir dieser Tag und wie er begangen wird, durchaus ein paar Bauchschmerzen bereitet. And here is why: <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/251fa3635daa4e698a7f0dd795a73f05" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>1. Das eigentlich schlimme „Pay-Gap“, über das wir reden müssten, ist nicht das zwischen Frauen und Männern, sondern das zwischen Armen und Reichen. Deshalb ist es falsch, sich hier rein auf den Gender-Aspekt zu beziehen.</p>
<p>2. Das „Gender Pay-Gap“ ist nicht die Krankheit selbst, sondern nur ein Symptom für ein tiefer liegendes gesellschaftliches Problem. Und deshalb kann es nicht darum gehen, das Symptom zu kurieren, sondern wir müssen die Krankheit – die krasse materielle Ungleichheit zwischen Menschen – angehen. Wenn nämlich bei den Reichen und bei den Armen irgendwann das Geschlechterverhältnis hübsch ordentlich fifty-fifty beträgt, aber die Schere insgesamt genauso groß bleibt wie bisher oder sogar noch größer wird, dann wüsste ich nicht, was damit gewonnen wäre.</p>
<p>3. Es ist wenig sinnvoll, im Bezug auf Einkommen „die Männer“ und „die Frauen“ zu vergleichen. Statistik ist natürlich per se wenig aussagekräftig im Hinblick auf das reale Leben, aber in diesem Zusammenhang ist es ganz besonders wenig sinnvoll, weil sich nicht viele Frauen und Männer konkret in dieser Durchschnittssituation befinden: Besonders groß ist der Unterschied nämlich in den unteren Einkommensgruppen und bei den sehr viel Verdienenden, im „Mittelfeld“, also bei den Angestellten, und in bestimmten Berufen ist er nicht sehr groß.</p>
<p>4. Es wird immer sehr viel darüber geredet, dass Frauen weniger verdienen als Männer, aber für meinen Geschmack wird zu wenig darüber geredet, dass (manche) Männer schlicht zu viel verdienen. Zu Recht sind doch immer mal wieder die Managergehälter in der Debatte. Warum ist eigentlich noch nie jemand auf die Idee gekommen, die Managerinnen, die sich für dieselbe Arbeit auch mit weniger Geld zufrieden geben, als Vorbilder anzuführen?</p>
<p>5. Alle Studien <a href="http://www.rp-online.de/beruf/bildung/Frauen-im-Beruf-zuverlaessiger-als-Maenner_aid_973228.html" target="_blank">(zuletzt wieder hier)</a> zeigen, dass Frauen bei der Frage, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen, weniger auf Geld und Status achten als Männer, und dafür mehr auf den Sinn und die Beziehungen. Und dann wird so getan, als wäre das ein Problem. Ich wüsste nicht, wieso. Eher ist es ein Problem (und zwar nicht nur eines im Bezug auf das Geschlechterverhältnis), dass es immer noch zu viele Männer gibt, denen es vor allem um Geld und Status geht und zu wenig um den Sinn und die Notwendigkeit ihrer Arbeit. Darüber sollten wir sprechen und darüber, welche Männlichkeitsbilder dahinter stecken und ob wir die noch wollen. Auch viele Männer wollen die ja zum Glück nicht mehr.</p>
<p>6. Das ist im Übrigen mein Vorschlag dafür, wie wir mehr Frauen in hohe Führungspositionen und Aufsichtsräte bringen können: Einfach dort deutlich weniger bezahlen. Dann werden nämlich all diejenigen, die solche Posten hauptsächlich wegen dem Geld und dem Status reizvoll finden, von selber wegbleiben. Und das wäre ganz sicher für die Qualität dieser Gremien von Vorteil. Der Frauenanteil würde sich dann wahrscheinlich ganz von allein erhöhen.</p>
<p>7. Es wird immer sehr viel darüber geredet, dass Frauen die falschen Berufe wählen. Aber wer soll denn eigentlich die Arbeit der Krankenschwestern, Altenpflegerinnen, Erzieherinnen machen? Wir sollten doch als Gesellschaft froh sein, wenn es genug Frauen gibt, die in diesen Berufen arbeiten wollen (und wenn Männer sich daran ein Beispiel nehmen möchten, nur  zu!). Nötig wäre eine gesellschaftliche Diskussion darüber, wie wertvoll und wichtig diese Berufe sind – und in der Konsequenz dann auch, wie sie besser bezahlt werden können.</p>
<p>8. Es ist richtig, Frauen dazu anzuregen, mehr über Geld zu reden und nachzudenken und ihre historisch ansozialisierte Abneigung gegen Gelddinge kritisch zu hinterfragen. Aber nicht mit dem Ziel, dass sie die nach „männlichen“ Maßstäben „normale“ Sicht auf das Geld übernehmen, sondern mit dem Ziel, dass sie ihre eigenen Vorstellungen davon entwickeln und in die Welt bringen.</p>
<p>9. Deshalb sollte endlich mal Schluss sein mit der Idee, die Männer und das, was sie tun, sei der Maßstab, an dem Frauen sich orientieren sollen, und wenn nicht, sind sie selbst an ihrer Benachteiligung schuld. Das, was Männer tun, und in diesem Zusammenhang eben ihre tendenzielle Überschätzung des Geldes, ist ja genauso historisch ansozialisiert und ganz und gar nicht „normal“. Und darüber hinaus ist es allzu oft auch noch schädlich für die Allgemeinheit. Finanzkrise und so.</p>
<p>10. Deshalb mache ich den Vorschlag, den Equal Pay Day in Zukunft im Oktober zu begehen: An dem Tag nämlich, an dem Männer bereits aufhören können zu arbeiten, während normale Leute (kleiner Scherz) noch bis Dezember weiter arbeiten.</p>
<p><em>Update: Bei <a href="http://disciplineandanarchy.wordpress.com/2011/03/28/those-pesky-xy-the-gender-pay-gap/" target="_blank">Discipline and Anarchy</a> ist dieser Text ins Englische übersetzt worden, many thanks! (gegen Ende des Blogposts)</em></p>
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		<title>&#8220;Sie hatte nur den Herrn gewechselt&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Mar 2011 16:52:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Clara Zetkin]]></category>
		<category><![CDATA[Frauentag]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Clara Zetkin: Rede auf dem Internationalen Arbeiterkongress zu Paris, 19.7.1889. &#8220;Die Frage der Frauenemanzipation, das heißt in letzter Instanz die Frage der Frauenarbeit, ist eine wirtschaftliche. Die Sozialisten müssen wissen, &#8230; <a href="http://antjeschrupp.com/2011/03/08/sie-hatte-nur-den-herrn-gewechselt/" class="read-more">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&#038;blog=6476496&#038;post=3414&#038;subd=antjeschrupp&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://maedchenmannschaft.net/wer-war-die-erfinderin-des-frauentages-clara-zetkin/" target="_blank">Clara Zetkin</a>: Rede auf dem Internationalen Arbeiterkongress zu Paris, 19.7.1889.</strong></p>
<p>&#8220;Die Frage der Frauenemanzipation, das heißt in letzter Instanz die Frage der Frauenarbeit, ist eine wirtschaftliche. Die Sozialisten müssen wissen, dass bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklung die Frauenarbeit eine Notwendigkeit ist; dass die natürliche Tendenz der Frauenarbeit entweder darauf hinausgeht, dass die Arbeitszeit, welche jedes Individuum der Gesellschaft widmen muss, vermindert wird oder dass die Reichtümer der Gesellschaft wachsen; dass es nicht die Frauenarbeit an sich ist, welche durch Konkurrenz mit den männlichen Arbeitskräften die Löhne herabdrückt, sondern die Ausbeutung der Frauenarbeit durch den Kapitalisten, der sich dieselbe aneignet. <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/7484229acae148eeb9bd925857e459f8" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Ehemals hatte der Verdienst des Mannes unter gleichzeitiger produktiver Tätigkeit der Frau im Hause ausgereicht, um die Existenz der Familie zu sichern; jetzt reicht er kaum hin, um den unverheirateten Arbeiter durchzubringen. Die in der Industrie tätige Frau, die unmöglicherweise ausschließlich in der Familie sein kann als ein bloßes wirtschaftliches Anhängsel des Mannes – sie lernte als ökonomische Kraft, die vom Mann unabhängig ist, sich selbst zu genügen.</p>
<p>Gleichwohl kommt diese wirtschaftliche Unabhängigkeit allerdings im Augenblick nicht der Frau selbst zugute, sondern dem Kapitalisten. Kraft seines Monopols der Produktionsmittel bemächtigte sich der Kapitalist des neuen ökonomischen Faktors und ließ ihn zu seinem ausschließlichen Vorteil in Tätigkeit treten. Die von ihrer ökonomischen Abhängigkeit dem Mann gegenüber befreite Frau ward der ökonomischen Herrschaft des Kapitalisten unterworfen; aus einer Sklavin des Mannes ward sie die des Arbeitgebers: Sie hatte nur den Herrn gewechselt.</p>
<p>Immerhin gewann sie bei diesem Wechsel; sie ist nicht länger mehr dem Mann gegenüber wirtschaftlich minderwertig und ihm untergeordnet, sondern seinesgleichen. Der Kapitalist aber begnügt sich nicht damit, die Frau selbst auszubeuten, er macht sich dieselbe außerdem noch dadurch nutzbar, dass er die männlichen Arbeiter mit ihrer Hilfe noch gründlicher ausbeutet. Das kapitalistische System allein ist die Ursache, dass die Frauenarbeit die ihrer natürlichen Tendenz gerade entgegengesetzten Resultate hat; dass sie zu einer längeren Dauer des Arbeitstages führt, anstatt eine wesentliche Verkürzung zu bewirken; dass sie nicht gleichbedeutend ist mit einer Vermehrung der Reichtümer der Gesellschaft, das heißt mit einem größeren Wohlstand jedes einzelnen Mitgliedes der Gesellschaft, sondern nur mit einer Erhöhung des Profites einer Handvoll Kapitalisten und zugleich mit einer immer größeren Massenverarmung.</p>
<p>Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage ist so, dass weder der Kapitalist noch der Mann auf die Frauenarbeit verzichten können. Der Kapitalist muss sie aufrechterhalten, um konkurrenzfähig zu bleiben, und der Mann muss auf sie rechnen, wenn er eine Familie gründen will.</p>
<p>Wir erwarten unsere volle Emanzipation weder von der Zulassung der Frau zu dem, was man freie Gewerbe nennt und von einem dem männlichen gleichen Unterricht – obgleich die Forderung dieser beiden Rechte nur natürlich und gerecht ist – noch von der Gewährung politischer Rechte. Die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein.&#8221;</p>
<p><em>(Aus einer Rede von Clara Zetkin auf dem internationalen Arbeiterkongress zu Paris, am 19.7.1889 Zit. nach Florence Hervé, Hrsg: Dort kämpfen, wo das Leben ist, Dietz-Verlag, Berlin 2007, S. 39ff)</em></p>
<p><a href="http://flattr.com/thing/143961/Rede-von-Clara-Zetkin" target="_blank"><br />
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		<title>Ich schreibe nicht für euch!</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2011/01/16/ich-schreibe-nicht-fur-euch/</link>
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		<pubDate>Sun, 16 Jan 2011 10:06:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit ich blogge ist eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt werden, woher ich denn die Zeit dafür nehme. Das finde ich interessant, weil ich subjektiv nämlich gar nicht den &#8230; <a href="http://antjeschrupp.com/2011/01/16/ich-schreibe-nicht-fur-euch/" class="read-more">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&#038;blog=6476496&#038;post=3043&#038;subd=antjeschrupp&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3044" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/01/fotolia_14238157_s_klein.jpg"><img class="size-full wp-image-3044" title="Fotolia_14238157_S_klein" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/01/fotolia_14238157_s_klein.jpg?w=547" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">© Foto-Ruhrgebiet - Fotolia.com</p></div>
<p>Seit ich blogge ist eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt werden, woher ich denn die Zeit dafür nehme. Das finde ich interessant, weil ich subjektiv nämlich gar nicht den Eindruck habe, dass ich fürs Bloggen allzu viel Zeit aufwende. Objektiv, also wenn ich mir das Ergebnis anschaue (mehrere Posts pro Woche), kann ich es aber natürlich nicht leugnen: Ja, ich wende viel Zeit dafür auf.<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/89c9e79b32464ef2b19444063b4eff0c" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Als ordentliche Jungfrau, die ich bin, führe ich immer Buch über meine Aktivitäten und kann daher bilanzieren, dass ich seit Mai 2010 (vorher habe ich das Bloggen nicht ernst genug genommen, um ihm einen ordentlichen Platz in meinem Zeitmanagement zuzuweisen) bis Ende des Jahres gut 100 Stunden reine Zeit mit Bloggen verbracht habe. Also mit dem Schreiben und Posten als solchem, das Nachdenken und im Kopf hin- und herwälzen von Ideen und Thesen ist da noch nicht mit eingerechnet. Auch nicht das Lesen und Recherchieren und mit Leuten Diskutieren, ohne das man ja nicht auf Ideen kommt. (Leider habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, auch meine Gedanken nach verschiedenen Projekten auseinanderzudividieren, die gehen einfach durcheinander.)</p>
<p>Aufs Jahr hochgerechnet wären das jedenfalls immerhin so um die vier volle Arbeitswochen, ein ganzer Monat. Und das betrifft sogar nur meinen privaten Blog, nicht die Beiträge, die ich für andere Foren, wie zum Beispiel <a href="http://www.bzw-weiterdenken.de" target="_blank">Beziehungsweise Weiterdenken</a>, schreibe, ebenfalls unbezahlt.</p>
<p>Woher nehme ich eigentlich diese Zeit? Habe ich denn nichts anderes zu tun? Und warum habe ich den subjektiven Eindruck, dass sie mir gar nicht fehlt, die Zeit?</p>
<p>Es kommt nicht nur daher, dass mir das Bloggen mehr Spaß macht als zum Beispiel Rechnungen schreiben oder gebuchte Artikel über Themen, die mich nur so am Rande interessieren – also daher, dass die Zeit dabei schneller verfliegt, während sie sich bei anderen Tätigkeiten in die Länge zieht.</p>
<p>Ich glaube, der Grund ist ein anderer. Und zwar der, dass mein Bloggen sich nicht in erster Linie an ein Publikum richtet (wobei ich mich über Publikum natürlich gleichwohl freue), sondern klammheimlich zu meinem persönlichen Gedanken-Festhalt-Medium geworden ist. Klammheimlich, weil das von mir nicht beabsichtigt war, anfangs dachte ich, wow, hier kann ich publizieren, missionieren, so was in der Art. Aber inzwischen wird mir immer klarer, dass ich all diese Sachen hier gar nicht in erster Linie für euch schreibe, sondern für mich: Damit ich nicht vergesse, was ich mal gedacht habe und was mir wichtig ist.</p>
<p>Vor dem Bloggen hatte ich für sowas ja auch allerhand Tools. Karteikästen, vollgeschriebene Notizzettel, Exzerpte, bei denen mir es aber nie gelungen ist, sie später, also wenn es dann drauf ankam, wiederzufinden. Auch nicht, als man sie nicht mehr auf Papier, sondern im Computer hatte. Ich habe noch allerhand Ordner, analoge wie digitale, die voll sind mit solchen Sammlungen: Protokolle von Tagungen, Vortragsmitschriften, Gesprächsnotizen, Literaturlisten und so weiter. Alles in der Versenkung. Lauter wahrscheinlich wichtige Gedanken und Informationen, die aber nie zu einem richtigen Text geworden sind. Und die mir, schwach, wie mein Gedächtnis nun mal ist, größtenteils verloren gegangen sind. Die Zeit und Muße, mir diese Notizen alle mal wieder durchzulesen, finde ich nämlich nie.</p>
<p>Seit ich blogge, ist dieser Berg von ungehobenen Schätzen nicht mehr viel weiter gewachsen. Jetzt steht das nämlich alles im Internet. Da schreibe ich es rein, wenn mir eine Idee kommt. Wenn ich bei einer Veranstaltung was höre, das mir wichtig erscheint. Wenn ich ein Buch gelesen habe, das mich anregt. Wenn ich Zeitung lese und mich über was freue. Oder ärgere.</p>
<p>Natürlich muss ich den jeweiligen Gedanken dafür etwas polieren. Muss die Quelle verlinken, muss sehen, dass es halbwegs verständlich ist. Und nicht allzu extravagant und überspitzt. Man will sich ja nun auch nicht blamieren.</p>
<p>Aber dann – kann ich den Gedanken beruhigt auch wieder vergessen. Ich könnte ihn ja jederzeit wieder googeln. Was hab ich damals über <a href="http://antjeschrupp.com/2010/09/19/diskriminierung-aufzucht-und-hege/" target="_blank">Diskriminierung</a> geschrieben? Wie war nochmal der Unterschied zwischen <a href="http://antjeschrupp.com/2011/01/06/biologie-und-biologismus/" target="_blank">Biologie und Biologismus</a>? Was verstehe ich eigentlich unter <a href="http://antjeschrupp.com/2010/09/28/die-vielfalt-weiblicher-lebensentwurfe/" target="_blank">diesem F-Ding</a>? Warum nochmal hat mir das neue Buch von <a href="http://antjeschrupp.com/2010/09/28/die-vielfalt-weiblicher-lebensentwurfe/" target="_blank">Elisabeth Badinter</a> nicht gefallen?</p>
<p>Und das erspart mir ungeheuer viel Arbeit, denn wenn ich in irgendeinem späteren Zusammenhang einen früheren Gedanken von mir wieder aufrufen will, finde ich ihn nicht nur sofort, er ist auch schon mehr oder weniger schön ausformuliert und kann quasi mit copy and paste in das aktuelle Projekt importiert werde. Oder wenn mich jemand fragt, was ich von diesem oder jenem halte, muss ich keine langen E-Mails mehr schreiben. Ich schicke einfach den Link. Ziemlich zeitsparend, das.</p>
<p>Mich hat immer die Begründung fasziniert, mit der Hannah Arendt in dem berühmten <a href="http://www.youtube.com/watch?v=coAVzw4IPf8" target="_blank">Fernsehinterview</a> auf die Frage von Günter Gaus antwortete, ob sie denn nicht an der Wirkung ihrer Schriften interessiert sei: Sie sagte, dass sie nicht wirken wolle, sondern verstehen. Und dass sie, wenn sie ein perfektes Gedächtnis hätte, wahrscheinlich keine einzige Zeile schreiben würde. Sie schreibe, um nicht zu vergessen, was sie einmal gedacht habe.</p>
<p>Ich finde auch, dass das der beste Grund dafür ist, sich der Mühe des Schreibens zu unterziehen. Einen Gedanken nicht nur im Kopf zu haben, sondern ihn zu verschriftlichen, zwingt nämlich dazu, ihn ordentlich zu denken. Ihn aus dem Bereich des Fühlens und Empfindens und Ahnens zu holen und ihn quasi „festzunageln“. Zumindest vorläufig.</p>
<p>Indem ich blogge, bringe ich mich ganz einfach dazu, das auch zu tun. Und das ist das Neue. Früher brachte ich diese Disziplin nämlich nur auf, wenn mich irgendjemand dafür bezahlte oder zumindest die Veröffentlichung übernahm. Und das war natürlich nur der Fall, wenn dieser Gedanke bereits von öffentlicher Relevanz war, wenn er auch andere interessierte und nicht nur mich selbst. Und zwar solche andere, die eine Position im Mediengeschäft hatten, also Redaktionen, Verlage und dergleichen. Um mich nicht zu blamieren, mussten das große, fertige, dauerhaft fixierbare Gedanken sein. Kein halbfertiges Zeugs, das sich am Ende vielleicht widerlegen ließe. Themen, die nicht sofort irgendwelche Abnehmer fanden, wurden von mir auch nicht tiefergehend verfolgt. Da hatte ich nämlich keine Zeit für.</p>
<p>Jetzt können es auch Gedankenfetzen, vorläufige Zwischenthesen, spontane Einfälle sein, die ordentlich ausformuliert werden. Sachen, die kein Medienthema sind, die vielleicht außer mir nur noch vier andere Leute auf der Welt interessant finden (zur Zeit!). Da ich ihnen im Blog immerhin eine minimale Struktur geben muss, kann ich sie nicht ganz im Ungefähren lassen. Und dann werde ich auch noch mit Kommentardiskussionen beschenkt! Andere Leute weisen mich auf Unausgegorenes hin, spiegeln mir das öffentliche Interesse an diesem Thema zurück, fügen Wissen und Informationen hinzu, die mir bisher nicht bekannt waren.</p>
<p>Das Lustige daran ist, dass sich das auch noch manchmal „verkauft“. Leute bezahlen Geld, um einen Text oder einen Vortrag von mir zu kriegen zu einem Thema, von dem sie im Blog gelesen haben. (Diesen Part habe ich in einem <a href="http://antjeschrupp.com/2009/07/01/thema-urheberrecht-wofur-werden-autor_innen-eigentlich-bezahlt/" target="_blank">früheren Post</a> schon mal beschrieben). Das Ergebnis ist, dass ich weniger Zeit aufwende für Themen, von denen andere Leute finden, dass sie wichtig sind, und mehr Zeit für Themen, von denen ich selber finde, dass sie wichtig sind. Und trotzdem weiter meine Miete bezahlen kann.</p>
<p>Natürlich gibt es auch Ideen, die so unausgegoren sind, dass sie noch nicht mal in einen Blog geschrieben werden können. Für die gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder sie treiben mich noch eine Weile um und sind dann irgendwann ausgegoren genug, um der öffentlichen Debatte ausgesetzt zu werden. Oder ich vergesse sie im Laufe der Zeit, aber ich nehme an, dann waren sie auch nicht wirklich wichtig.</p>
<p>Lange Rede, kurzer Sinn: Der Grund dafür, warum ich das Bloggen nicht als zeitliche Belastung empfinde, ist einfach der, dass es keine verlorene Zeit ist. Keine <em>zusätzliche</em> Zeit. Bloggen ist keine PR-Aktion, nichts, was ich in erster Linie für ein imaginiertes Publikum betreibe, mit einem &#8220;Auftraggeber&#8221; im Kopf sozusagen, sondern zu allererst für mich selbst. So wie das Lesen, das Diskutieren mit anderen, das Dinge Erleben.</p>
<p>Und wenn andere das interessant finden, wenn sie es mit ihrem eigenen Leben und ihren eigenen Ideen verknüpfen, dann ist das letztlich ein Nebeneffekt. Wenn auch natürlich ein sehr, sehr schöner.</p>
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		<title>Das Mamma-Dilemma</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2010/11/26/das-mamma-dilemma/</link>
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		<pubDate>Fri, 26 Nov 2010 08:33:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Mamas und Papas]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich sitze im Zug und lese die Frankfurter Rundschau, die hier irgendjemand hat liegen lassen. Darin ist mal wieder eine Geschichte über die doppelt- und dreifach gestressten Frauen und ihre &#8230; <a href="http://antjeschrupp.com/2010/11/26/das-mamma-dilemma/" class="read-more">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&#038;blog=6476496&#038;post=2889&#038;subd=antjeschrupp&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2892" class="wp-caption aligncenter" style="width: 462px"><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2010/11/fotolia_4633222_xs.jpg"><img class="size-full wp-image-2892" title="Fotolia_4633222_XS" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2010/11/fotolia_4633222_xs.jpg?w=547" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">© Kzenon - Fotolia.com</p></div>
<p>Ich sitze im Zug und lese die Frankfurter Rundschau, die hier irgendjemand hat liegen lassen. Darin ist mal wieder eine Geschichte über die doppelt- und dreifach gestressten Frauen und ihre schwierigen Versuche, alle Ansprüche und Beruf und Kinder und so weiter unter einen Hut zu bringen.<img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/ef7966f1827d4a3c936b191c240fca3c" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Eigentlich wollte ich den Artikel gar nicht lesen, weil zu dem Thema irgendwie schon alles gesagt und alles bekannt ist, und mir nicht einleuchtet, warum man noch eine dreiundzwölfste Studie dazu machen muss (wahrscheinlich, damit die Zeitungen einen Anlass haben, das alles noch einmal aufzuschreiben). Die jetzige Studie hat Ines Imdahl vom Rheingold-Institut erstellt, und sie ging der originellen Frage nach: „Warum kriegen die Deutschen keine Kinder mehr?“</p>
<p>Wie auch immer, an einem Satz in dem Artikel blieb ich hängen, und zwar diesem: „Bei der Arbeit treten die Mütter Imdahl zufolge oft nicht offensiv auf, geben etwa einen ‚Termin’ vor, wenn sie um vier zum Kindergartenfest müssen.“</p>
<p>Tags zuvor hatte mir eine Bekannte erzählt, dass sie als Kind mit einer Pfarrerstochter befreundet war und oft in das große Pfarrhaus zum Spielen ging. Doch immer nach dem Mittagessen musste für zwei Stunden strikte Ruhe sein: Der Pfarrer zog sich nämlich zum Mittagsschläfchen zurück. Verantwortlich für die Einhaltung der Ruhezeit war seine Frau, die die Kinder entsprechend im Zaum hielt.</p>
<p>Das fiel mir wieder ein, als ich mir diese berufstätigen Mütter aus der Studie vorstellte, die sich auf der Arbeit nicht zu sagen trauen, dass sie in den Kindergarten müssen und deshalb so tun, als hätten sie einen wichtigen Businesstermin. Machen sie nicht im Prinzip dasselbe wie früher die Ehefrauen? Sie „verstecken“ die Kinder, damit der „Vater“ (heute die „Businesspeople“) in Ruhe ihre überaus wichtigen Sachen machen können, ohne mit den nebensächlichen Niederungen des Alltagslebens konfrontiert zu werden.</p>
<p>Eigentlich ist die Verdrängung heute sogar noch größer: Der Patriarch alter Schule <em>wusste </em>ja zumindest noch, dass es Kinder gibt und dass sie Lärm und Arbeit machen. Deswegen war er ja so vehement gegen die Gleichberechtigung der Frauen, denn er befürchtete, dass ihm dann niemand mehr den Kinderlärm vom Leibe halten würde (von der Kinderscheiße ganz zu schweigen).</p>
<p>Die Angst war unbegründet, wie sich gezeigt hat. Heute sind die Frauen zwar emanzipiert, aber die Aufgabe, die Kinder zu verstecken, haben sie offensichtlich immer noch. Und nicht nur verstecken, sie dürfen noch nicht einmal davon erzählen. Wir leben quasi in Zeiten der heimlichen, konspirativen Kinderaufzucht. Mutter sein darfst du schon. Aber du darfst dir das nicht anmerken lassen.</p>
<p>Das Kuddelmuddel ist außerdem komplexer geworden. Die Geschlechterrollen sind nicht mehr klar verteilt, sondern nur noch statistisch: Im Einzelfall kann der Patriarch, der bei seiner Arbeit nicht durch Kinderkram gestört werden will, auch eine Frau sein. Und die Mutter, die mit Argusaugen darüber wacht, dass die Kinder bloß ja niemandem lästig fallen, schon gar nicht dem Betriebsablauf, die kann heute auch ein „neuer“ Vater sein. Väter, die sich um ihre Kinder kümmern anstatt sie sich vom Leib halten zu lassen, haben ja mit genau denselben Hürden zu kämpfen wie Mütter.</p>
<p>Und dann gibt es natürlich auch noch die platten Gegenmodelle, die versuchen, diesen Trend zu bekämpfen, indem sie ins andere Extrem fallen und Heim-und-Herd-Idyllen heraufbeschwören. Frauen, die ihr Muttersein so exzessiv nach außen kehren, dass sie damit bloß der Gegenseite noch mehr Futter geben.</p>
<p>Kurz und gut: Es gibt keine „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Und das liegt <em>nicht</em> an zu wenig Kinderkrippen oder Teilzeitstellen oder Umverteilung der Familienarbeit – auch wenn gar nichts dagegen spricht, dass wir all das haben.</p>
<p>Aber die Ursache des Problems ist nicht, dass es Kinder gibt, die Arbeit machen und Aufmerksamkeit brauchen. Sondern dass es für diesen Lebensbereich keinen Platz im „normalen“ Berufsalltag gibt. Der durchschnittliche Arbeitsplatz ist immer noch so konzipiert, als wären wir alle kleine Patriarchen, die zuhause eine Ehefrau haben, die dafür sorgt, dass die Kinder nicht stören und keine Arbeit machen. Und für diesen Job haben ja auch viele jemanden, nur dass es heute nicht mehr die Ehefrau ist, sondern immer öfter ein Au Pair aus der Ukraine.</p>
<p>Ich stelle mir grade vor, wie es wäre, wenn Andrea Nahles demnächst Fraktionssitzungen leitet und dabei ihr Baby auf dem Schoß sitzen hat. Oder wenn in meinem Büro am Ende des Flurs eine Krabbelecke wäre, damit Eltern immer die Möglichkeit haben, ihre Kinder mitzubringen. Zur Jobqualifikation eines Sachbearbeiters würde es ganz selbstverständlich gehören, dass er auch mal ein Stündchen mit den Kindern seiner Chefin spielt, wenn die in ein wichtiges Kundengespräch muss. Andersrum wäre das natürlich auch so. Und der Journalist würde sich zu Interviews auf dem Spielplatz verabreden, weil er dabei seine Kinder im Auge behalten kann.</p>
<p>Gestern twitterte <a href="http://http://twitter.com/kilaulena/status/7787759632646144" target="_blank"></a><a href="http://twitter.com/kilaulena/status/7787759632646144">@kilaulena</a>: „I love my job. Solving interesting problems, from my bed, with my sick kid sleeping next to me.“</p>
<p>Feine Sache, in der Tat.</p>
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		<title>Hallo, Karriereforscher_innen: Wir müssen reden!</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Oct 2010 07:52:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Führungspositionen]]></category>
		<category><![CDATA[Karriere]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160; &#160; Über den Blog der Mädchenmannschaft bin ich auf eine Studie aufmerksam geworden, die – zum gefühlt achthundertsten Mal – untersucht, warum Frauen nicht in gleichem Maße wie Männer &#8230; <a href="http://antjeschrupp.com/2010/10/15/hallo-karriereforscher_innen-wir-mussen-reden/" class="read-more">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&#038;blog=6476496&#038;post=2636&#038;subd=antjeschrupp&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<div id="attachment_2650" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2010/10/fotolia_18523267_s_klein.jpg"><img class="size-full wp-image-2650" title="Fotolia_18523267_S_klein" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2010/10/fotolia_18523267_s_klein.jpg?w=547" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">© Kurhan - Fotolia.com</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Über den Blog der <a href="http://maedchenmannschaft.net/noch-keine-chancengleichheit-in-den-fuehrungsetagen/" target="_blank">Mädchenmannschaft</a> bin ich auf eine Studie aufmerksam geworden, die – zum gefühlt achthundertsten Mal – untersucht, warum Frauen nicht in gleichem Maße wie Männer in „Führungspositionen“ vertreten sind. Darüber berichtet hat das Hamburger Abendblatt &#8211; und über den Bericht beziehungsweise über die Art und Weise, wie darüber berichtet wird, muss ich jetzt mal meckern. (Über solche und ähnliche Sachen rege ich mich öfter auf, das Hamburger Abendblatt ist kein Einzelfall, aber es kriegt’s jetzt nun mal ab).<img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/8b17718c0e85469387ae08358405d434" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Los geht es mit der Information, dass „immer mehr Studentinnen“ aus den Hochschulen auf den Arbeitsmarkt „strömen“ – oh jemine, das klingt schon mal bedrohlich. Und:</p>
<blockquote><p>Man kann Frauen noch nicht einmal vorwerfen, dass sie sich in den Geistes- und Kulturwissenschaften verschanzen.</p></blockquote>
<p>Schade eigentlich, das wäre doch eine so praktische Erklärung gewesen, die verschanzten Frauen, die man da einfach nicht rauskriegt aus ihren Frauenenklaven. Nein, aber jetzt studieren die auch Wirtschaft und Jura und all die wirklich wichtigen Fächer – Technik allerdings immer noch nicht, weil da drin haben sich ja die Männer verschanzt, haha.</p>
<p>Immerhin, sie sind also nicht selbst an ihrer Benachteiligung schuld, die Frauen (man soll wohl dankbar sein für diesen Freispruch), allerdings lässt uns die ungeklärte Schuldfrage auch ein wenig ratlos zurück, denn schließlich geht es darum, zu erfahren:</p>
<blockquote><p>Wo bleiben Frauen, wenn es um die echten Jobs in Führungsetagen geht?</p></blockquote>
<p>– Ups, offensichtlich treiben sie sich in den <em>unechten</em> herum! Aber die zählen nicht, es sind die <em>echten </em>Jobs, um die es geht, also her mit den Gründen:</p>
<blockquote><p>Befragt, was sie als Managerinnen am Aufstieg hindert, nennen immer noch 24 Prozent Vorurteile gegenüber Frauen. Das lässt alle anderen Hindernisse weit hinter sich: 16 Prozent der Frauen nannten an zweiter Stelle Probleme mit Vorgesetzten und erst auf Platz drei Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Karriere.</p></blockquote>
<p>Ach, echt? Wer hätte das gedacht: Das Vereinbarkeitsproblem, von dem doch immer so ein Tamtam gemacht wird, ist offenbar gar nicht der Hauptgrund, weshalb Frauen nicht dieselben Karrieren machen wie Männer (wie viele es genau sind, die darüber klagen, erfahren wir leider nicht, denn die Studie selbst ist hinter einem bezahlpflichtigen Link versteckt).</p>
<p>Aber das andere ist ja auch interessant: Nur ein knappes Viertel klagt über Vorurteile beim Karriereaufstieg. Klar, das ist nicht wenig und erklärt manches. Aber es ist eben auch nicht gar so viel, und daher erklärt es das meiste nicht: Schlappe 50 Prozent der Gründe für die weibliche Führungspositionenabstinenz bleiben im Dunkeln. Die Frau, ein Mysterium. Oder doch nicht?</p>
<blockquote><p>Nicht immer sind es äußere Faktoren, die Frauen vom Aufstieg abhalten. Bei vielen funkt auch das Selbstbild oder das Lebensmodell dazwischen: Hatten zu Beginn ihres Berufslebens immerhin 42 Prozent der Männer ganz selbstverständlich daran gedacht, auch mal eine Führungsposition zu übernehmen, waren es bei den Frauen nur 24 Prozent.</p></blockquote>
<p>Aha, da kehrt die Schuldfrage also doch durch die Hintertür zurück. Das Selbstbild und das Lebensmodell der Frauen „funkt dazwischen“, das böse. Wie kommen diese Frauen auch dazu, sich einfach Lebensmodelle auszusuchen, bei denen nicht die Führungsposition ein selbstverständlicher Bestandteil ist? Will nicht jeder normale Mensch schon im Kindergarten Vorgesetzter werden? Und es kommt noch schlimmer:</p>
<blockquote><p>Rückblickend auf fünf Studien resümiert Professorin Sonja Bischoff: Das von Frauen am häufigsten genannte Karrierehindernis sind seit 1986 die Vorurteile gegenüber Frauen als Führungskräfte. Gleichzeitig wollen kaum mehr Frauen als in der Vergangenheit weiter aufsteigen.</p></blockquote>
<p>Also wirklich. Da richtet man ihnen Gleichstellungsstellen ein, macht Mentoringprogramme ohne Ende, erfindet Girls Days und was nicht noch alles und dann: wollen diese Frauen heutzutage partout nicht weiter und häufiger aufsteigen als vor 25 Jahren. Aber halt. Das kann’s nicht sein. Denn Frauen <em>wollen </em>ja nicht. Das können die gar nicht, wollen. Was immer Frauen zu wollen <em>meinen</em> hat in Wirklichkeit äußere Ursachen.</p>
<blockquote><p>Vielleicht liegt es daran, dass es zu wenig Vorbilder gibt&#8230;</p></blockquote>
<p>Ja, das wird’s sein. An Frau Merkel gucken wir nämlich absichtlich seit fünf Jahren stur vorbei. Auch sonst sieht man ja praktisch nirgendwo erfolgreiche Frauen. Da hat sich ü-b-e-r-h-a-u-p-t nichts geändert seit 1986. Naja, das ist vielleicht nicht sehr plausibel, aber halt immer noch besser, als der bitteren Wahrheit ins Auge zu blicken, die am Ende des Artikels beiläufig erwähnt wird:</p>
<blockquote><p>… und wenn es sie gibt, sind sie noch nicht einmal rundum glücklich: 49 Prozent der Führungsfrauen sagen, dass sie mit ihrer Arbeitssituation nur teilweise oder gar nicht zufrieden sind.</p></blockquote>
<p>Autsch. Das <em>könnte</em> natürlich eine klitzekleine Erklärung sein. Sollte das Problem am Ende daran liegen, dass Frauen inzwischen nicht zu wenige, sondern zu <em>viele</em> Beispiele für Frauen in Führungspositionen kennen? Nur halt: abschreckende?</p>
<p>Aber nein. Da wollen wir mal lieber gar nicht weiter drüber nachdenken. Am Ende müssten wir noch überlegen, wie man diese Führungs-Arbeitsplätze so ummodeln könnte, dass frau sie einnehmen <em>und</em> zufrieden sein kann.</p>
<p>Und das würde nun wirklich zu weit führen. Die Zufriedenheit von Frauen ist ja wohl kein Argument. Frauen sollen sich nützlich machen, das war schon immer so. Die Wirtschaft braucht sie eben. Und diese teure Uniausbildung, die können sie doch nicht einfach so im Mittelfeld verplempern. Also: Ab in die Führungsetagen. Ob es ihnen da gefällt oder nicht. Und bloß nicht rummeckern.</p>
<p>Denn, nicht vergessen: Sie strömen nur so auf den Arbeitsmarkt, die Frauen. Sie sind also potenziell gefährlich. Da wollen wir sie gar nicht erst auf dumme Gedanken kommen lassen. Nicht, dass sich das ausbreitet. Am Ende fällt den Männern auch noch auf, dass sie in ihren Führungsjobs eigentlich gar nicht so zufrieden sind, wie sie immer dachten. Dass ihnen der ganze Drang zum Führertum bloß ansozialisiert worden ist.</p>
<p>Und dann könnten sie sich verbünden, die unzufriedenen Frauen und die unzufriedenen Männer. Und wo kämen wir da hin?</p>
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		<title>Wer macht die unbeliebten Arbeiten? Zum blinden Fleck des Grundeinkommens</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2010/09/02/wer-macht-die-unbeliebten-arbeiten-zum-blinden-fleck-des-grundeinkommens/</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 14:01:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Fürsorgearbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Grundeinkommen]]></category>
		<category><![CDATA[Hausarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Hausfrauen]]></category>
		<category><![CDATA[Sascha Liebermann]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Grundeinkommen ist eine wunderbare Idee, wie ich finde. Es würde helfen, eine Menge ungelöster Fragen zu beantworten. Hätten wir ein Grundeinkommen, bräuchten wir uns nicht mehr über Hartz IV &#8230; <a href="http://antjeschrupp.com/2010/09/02/wer-macht-die-unbeliebten-arbeiten-zum-blinden-fleck-des-grundeinkommens/" class="read-more">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&#038;blog=6476496&#038;post=2430&#038;subd=antjeschrupp&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Grundeinkommen ist eine wunderbare Idee, wie ich finde. Es würde helfen, eine Menge ungelöster Fragen zu beantworten. Hätten wir ein Grundeinkommen, bräuchten wir uns nicht mehr über Hartz IV zu ärgern, könnten das <a href="http://antjeschrupp.com/2009/07/01/thema-urheberrecht-wofur-werden-autor_innen-eigentlich-bezahlt/" target="_blank">Urheberrecht</a> entsorgen, wären weniger erpressbar im Hinblick auf „Arbeitsplätze abbauen“ und so weiter.<img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/cb4bf12a2efa47559a4039f63c67d0f6" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Dass das Grundeinkommen eine Idee ist, die sich auch sehr gut mit feministischer Wirtschaftsethik verträgt, habe ich zusammen mit politischen Freundinnen bereits 2004 <a href="http://www.gutesleben.org" target="_blank">in einem Text</a> geschrieben.</p>
<p>Allerdings darf man nicht meinen, das Grundeinkommen wäre so eine Art Wunderrezept, das uns ganz automatisch ins Paradies bringt. Insbesondere ein Aspekt ist daran problematisch, und ich finde es inzwischen sehr ärgerlich, wie hartnäckig sich insbesondere männliche Grundeinkommens-Befürworter weigern, das Thema anzugehen: die Frage, wie das mit der Haus- und Fürsorgearbeit geregelt werden soll.</p>
<p>Viele scheinen sich das so vorzustellen, dass Hausarbeit, Kindererziehung, Pflege von Kranken und Alten doch umso besser im Privaten geregelt werden kann, wenn wir erstmal ein Grundeinkommen haben. Denn es sei doch ein Vorteil, wenn diejenigen, die diese Arbeiten bislang gratis und stillschweigend erledigten (mehr Frauen als Männer, früher nannte man sie „Hausfrauen“) dann ihr eigenes Geld hätten.</p>
<p>So gehört habe ich das schon auf diversen Podien, unter anderem auch von Götz Werner (dessen Engagement für das Grundeinkommen ich ansonsten großartig finde). Na toll, denkt die Feministin. Die einen verwirklichen sich selbst mit dem Grundeinkommen, die anderen räumen weiter den Dreck weg. Klasse Idee.</p>
<p>Natürlich kommt dieses „Wir erledigen die Fürsorgearbeiten privat und ohne Bezahlung, weil es gibt ja ein Grundeinkommen“-Argument vorderhand geschlechtsneutral daher (theoretisch können ja auch Männer ihre alten Eltern pflegen). Aber trotzdem ist hier eine gewisse Skepsis angesagt. Würden die Männer denn auch in der Praxis? Genauso selbstverständlich wie die Frauen? Im Schnitt, nicht nur im Einzelfall?</p>
<p>Ein Beispiel, das mich in dieser Hinsicht mal wieder skeptisch macht, flatterte kürzlich durch meine Timeline. Ein <a href="http://www.youtube.com/watch?v=fWRpQRXhlHc" target="_blank">kleines Video</a> von Sascha Liebermann, einem der maßgeblichen Protagonisten des Grundeinkommens in Deutschland. Er wurde nach einem Vortrag von einer Teilnehmerin genau das gefragt: Wer denn die unbeliebten Arbeiten machen würde, wenn wir erstmal ein Grundeinkommen hätten.</p>
<p>Seine Antwort ist aufschlussreich: Als Beispiel wählt er das Kloputzen. Wenn wir nicht wie jetzt Menschen dazu zwingen, weil sie keine andere Möglichkeit haben, an Geld zu kommen, dann hätten wir, so Liebermann, drei Möglichkeiten: Wir können diese Arbeiten besser bezahlen, wir können uns technische Möglichkeiten ausdenken, sodass sie nicht mehr nötig sind, und wir können die Arbeit selber machen.</p>
<p>Das stimmt natürlich. Allerdings hat er eine vierte Möglichkeit vergessen: Die Möglichkeit nämlich, dass diese Arbeit einfach nicht mehr gemacht wird. Beim Kloputzen ist das durchaus eine Option – bleibt das Klo halt dreckig. Wem’s stinkt, der wird sich schon was einfallen lassen. Wer je in einer WG gewohnt hat, weiß, wie zwiespältig ein solches Verfahren ist, und dass es diejenigen bevorzugt, die im Bezug auf Dreck am ignorantesten sind. Aber darauf will ich jetzt gar nicht hinaus.</p>
<p>Mein Punkt ist ein anderer: Das Liebermann-Modell (und viele männliche Grundeinkommens-Befürworter argumentieren ähnlich) baut darauf, dass sich mit dem Grundeinkommen neue Aushandlungsprozesse initiieren lassen, die dann höchstwahrscheinlich auf eine bessere Lösung als heute hinauslaufen. Das glaube ich in der Tat auch. Das Problem an dieser Idee ist nur, dass dieser Plan bei den meisten der klassischen Fürsorgearbeiten nicht funktionieren kann: Wenn Babies gewickelt und gefüttert werden müssen, wenn Alte versorgt werden müssen, dann kann man es nicht drauf ankommen lassen. Dann ist die Möglichkeit, dass es heute eben mal niemand macht, weil grad keiner Lust hat, keine Option, die wir zulassen können. Hier haben wir es nämlich nicht mit Dingen zu tun, sondern mit Menschen, mit Menschen, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind, und zwar jetzt und sofort.</p>
<p>Das Modell „Bezahlen wir mehr“ funktioniert nur für die Reichen unter ihnen. Das Modell „technische Lösungen“ greift hier auch nur zum kleinen Teil, weil es nicht nur um „Arbeit“, sondern auch um Zuwendung geht. Und das Modell „Selber machen“ funktioniert sowieso nicht, weil die Arbeit ja überhaupt nur deshalb anfällt, weil diejenige Person, um die es geht, sie nicht selbst machen kann.</p>
<p>Also: Wer macht diese Arbeiten, wenn wir keine billigen Erzieherinnen, Krankenschwestern, Altenpflegerinnen mehr haben? Oder anders gesagt: Wie stellen wir sicher, dass sie auch dann noch getan werden, und zwar jederzeit und sofort, wenn wir niemanden mehr dazu zwingen können?</p>
<p>Auf diese Frage gibt das Grundeinkommen für sich genommen keine Antwort. Ebenso wenig wie die Marktwirtschaft (die stellt nämlich nur sicher, dass die profitablen Arbeiten getan werden). Deshalb brauchen wir an dieser Stelle eine Kulturdebatte, die die Freiheit, die ein Grundeinkommen bedeuten würde, nicht nur dahingehend interpretiert, dass wir dann alle „selbstbestimmt und autonom“ tun können, wonach uns der Sinn steht. Sondern wir müssen diese Freiheit dahingehend interpretieren, dass sie auch für die Einzelnen die Verpflichtung beinhaltet, das Notwendige zu sehen und sich ganz konkret für die Bedürftigkeit anderer Menschen (und idealerweise dann auch noch für andere Notwendigkeiten, wie das Kloputzen) verantwortlich zu fühlen.</p>
<p>Und genau um so eine Kultur steht es nicht gut. Einen meiner Texte, in dem ich darüber nachdenke, warum Frauen immer noch den Großteil der Haus- und Fürsorgearbeit erledigen, kommentierte ein Mann einmal folgendermaßen: “Frauen ziehen also immer noch den Kürzeren. Sie müssen sich um Kinder, Alte und Haushalt kümmern (die Haustiere hat sie dabei noch vergessen). Wer sagt eigentlich, dass sie müssen? Wer zwingt sie dazu? Das Patriarchat, verkörpert durch den Herrn und Gebieter daheim?” <a href="http://www.bzw-weiterdenken.de/2008/08/uber-das-mussen/" target="_blank">(mehr hier)</a></p>
<p>Ganz offensichtlich hat er ein sehr eingeschränktes Verständnis von “müssen”: Er versteht es als äußeren Zwang. Und er beobachtet diesbezüglich eine geschlechtsspezifische Differenz, womit er meines Erachtens Recht hat: Viele Frauen empfinden häufig Notwendigkeiten, die ihnen Pflichten auferlegen, auch wenn kein äußerer Zwang existiert. Eine Mutter zum Beispiel “muss” sich ja nicht deshalb um ihr Kind kümmern, weil irgendein Dritter sie dazu zwingt oder sie ansonsten Sanktionen zu befürchten hat, sondern weil die innere Logik der Situation dies erforderlich macht.</p>
<p>Genau dies ist der Punkt, an dem wir weiterdenken könnten: Wie kann dieses „Müssen“, das eben nicht aus Zwang, sondern aus dem Sehen von Notwendigkeiten und der Übernahme von Verantwortung resultiert, gesellschaftlich verbreitet werden? Sodass wir sicher sein können, dass es immer genug Leute gibt, die das tun, was getan werden muss – und hoffentlich eben nicht nur Frauen?</p>
<p>Ein Grundeinkommen allein wird das nicht schaffen. Sicher, es wird Ressourcen freisetzen, es wird neue Kulturen entstehen lassen und ein neues Verhältnis zur Arbeit, aber eben nicht von heute auf morgen. Menschen, die auf Hilfe und Fürsorge angewiesen sind, können aber nicht mal eben ein paar Jahre warten, bis sich möglicherweise unsere Kultur irgendwann mal verändert haben wird.</p>
<p>Es hilft nichts: Es gibt einfach viele Leute, die glauben, nur dann etwas tun zu „müssen“, wenn jemand sie dazu zwingt. Und sie stellen für das Projekt Grundeinkommen ein ernstes Problem dar. Das spricht aus meiner Sicht nicht gegen ein Grundeinkommen. Es ist aber ein Thema, das diskutiert werden muss, eine Herausforderung, die nicht unter den Teppich gekehrt werden darf.</p>
<p>Und deshalb ärgert es mich, wenn maßgebliche Vordenker des Grundeinkommens an dieser Stelle ein Dauer-Blackout pflegen. Auffällig oft kommen sie übrigens, statt über Fürsorgearbeit zu sprechen, in solchen Diskussionen auf die wissenschaftliche Lehrtätigkeit zu sprechen – wie auch Sascha Liebermann in dem oben erwähnten Video. Offenbar ist die freie Selbstentfaltung des Denkers alles, was sie sich unter „freiwilliger“ Arbeit vorstellen können. Vor vier Jahren war ich bei einer Podiumsdiskussion in Frankfurt, bei der einer der Mitdiskutanten – ein Uniprofessor, ich habe vergessen, wer – gefragt wurde, ob er denn nicht ein Beispiel wüsste für Menschen, die arbeiten, auch wenn sie es nicht wegen des Geldes müssten. Er dachte ziemlich lange nach und führte dann sich selbst als Beispiel an: Schließlich würde er öfter mal noch abends an der Uni bleiben und viel mehr lesen, als man in acht Stunden schaffen kann.</p>
<p>See the problem? Diesem Mann kam es noch nicht einmal in den Sinn, dass es ein viel offensichtlicheres und überzeugenderes Beispiel für Arbeit ohne Bezahlung gibt: die Hausfrauen (und heute zunehmend auch Hausmänner). Ihre Existenz allein beweist, dass die Grundthese des Grundeinkommens stimmt, wonach Menschen eben nicht in erster Linie wegen des Geldes arbeiten. Nur sind eben die meisten Grundeinkommens-Theoretiker bei diesem Thema auf hartnäckige Weise ignorant.</p>
<p>Das sind dann so Situationen, in denen ich finde, es wäre durchaus angemessen, mal <a href="http://www.youtube.com/watch?v=uKcN6O_4Skw" target="_blank">einen Kübel Scheiße</a> über den Redepulten auszuschütten. Damit man mal riechen und fühlen kann, worum es eigentlich geht.</p>
<p><em>(Eine gekürzte Fassung dieses Blogposts erschien auch in: <a href="http://shop.strato.de/epages/15458842.sf/de_AT/?ObjectPath=/Shops/15458842/Products/%22M%20249%22" target="_blank">Werner Rätz, Hardy Krampertz: Bedingungsloses Grundeinkommen &#8211; woher, wozu, wohin?</a> AG Spak Bücher, 2011)</em></p>
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		<title>Eindrücke aus dem skandinavischen Frauenparadies</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Jul 2010 13:32:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Geld]]></category>
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		<category><![CDATA[Geschlechterdifferenz]]></category>
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		<description><![CDATA[Vorige Woche war ich ein paar Tage in Oslo. Keine Recherchereise, sondern Freundinnenbesuch, aber in Zeiten wie diesen ist es ja, wie ich schon mal geschrieben habe, Bürger_innenpflicht, die eigenen &#8230; <a href="http://antjeschrupp.com/2010/07/29/eindrucke-aus-dem-skandinavischen-frauenparadies/" class="read-more">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&#038;blog=6476496&#038;post=2253&#038;subd=antjeschrupp&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;">
<div id="attachment_2258" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2010/07/bikini1.jpg"><img class="size-full wp-image-2258" title="Bikini" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2010/07/bikini1.jpg?w=547" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">Osloer Geschäfte präsentieren Schaufensterpuppen in normalem Körperformat. Diese dürren Gerippe, die man normalerweise so kennt, gab es dort aber auch.</p></div>
<p>Vorige Woche war ich ein paar Tage in Oslo. Keine Recherchereise, sondern Freundinnenbesuch, aber in Zeiten wie diesen ist es ja, wie ich schon mal geschrieben habe, <a href="http://antjeschrupp.com/2010/01/15/bloggen-als-burger_innenpflicht/" target="_blank">Bürger_innenpflicht</a>, die eigenen Eindrücke von der Welt mit anderen zu teilen.<img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/ff8e6f4e31c649a8a57cf2351e705cef" width="1" height="1" alt=""></p>
<p>Und Norwegen ist für ein feministisches Blog natürlich besonders interessant, weil es eines dieser skandinavischen Länder ist, die in Sachen Gleichberechtigung immer besonders gute Noten bekommen. Deshalb war ich auch neugierig, das mal mit eigenen Augen zu sehen. Wie sind die Verhältnisse in einem Land, wo konservative Minister eine 40-Prozent-Frauenquote für Aufsichtsräte durchsetzen? Wo es schon früh eine Ministerpräsidentin gab? Hier einige Dinge, die mir aufgefallen sind, ergänzt um einige Infos, die ich dazu gelesen habe.</p>
<p>Das erste, was mir merkwürdig vorkam, war die Abwesenheit weiblicher Personenbezeichnungen. Meine Freundin, eine Deutsche, die seit drei Jahren in Oslo lebt, erzählte mir gleich mal, dass sie in dem Kindergarten, wo sie jetzt arbeitet, nicht mehr „Assistent“ ist, sondern „pädagogischer Leiter“. Ähemm, dachte ich, wieso redet sie so komisch, aber bald stellte sich heraus, dass das in Norwegen so üblich ist. Man benutzt nur die männliche Form.</p>
<p>Allerdings scheint das eine Eigentümlichkeit des Norwegischen schlechthin zu sein, da man auch für Dinge weibliche und männliche Formen bedeutungsgleich verwenden kann. Es ist zum Beispiel möglich, „die Straße“ oder „der Straße“ zu sagen, bloß „das Straße“ wäre falsch. Das heißt, es gibt entweder eine geschlechtliche oder eine neutrale Form, und es ist letztlich egal, ob die geschlechtliche Form weiblich oder männlich ist. Wobei offenbar die weibliche Form irgendwie „altmodischer“ klingt. Das sagte man früher so, oder das sagen die Leute aus dem Land. Aber in der kosmopolitisch-modernen Großstadt heißt es „der“ oder „das“, das „die“ wurde mehr oder weniger abgeschafft.</p>
<p>Das bestätigte sich auch am nächsten Tag, als wir die Nationalgalerie besuchten, und da auf einigen Gemälden aus dem 19. Jahrhundert „Malerinnen“ abgebildet waren, so das norwegische Wort, das eins-zu-eins offenbar so ähnlich wie „der Malerin“ übersetzt werden müsste. Eine leibhaftige Malerin, die mit uns dort war, bestand aber darauf, dass sie niemals so genannt werden wollte, das würden nur die Leute vom Land noch sagen, sie sei „Maleren“, also „der Maler“.</p>
<p>Hm, dachte die feministische Linguistin in mir, muss ich noch mal drüber nachdenken. Immerhin war es zu Beginn der Debatte in den 1980er Jahren auch in Deutschland unter Feministinnen umstritten, ob das Dilemma der männlichen Sprache (also die Tatsache, dass die männliche Form im Plural für beide Geschlechter gilt, die weibliche aber nur für reine Frauengruppen) dadurch gelöst werden soll, dass die weibliche Form stark gemacht wird oder ob man die besser ganz abgeschaffen sollte, um die Unterscheidung aus der Welt zu schaffen. In der DDR ging man bekanntlich den zweiten Weg, und es gibt auch durchaus Gründe dafür. Unterm Strich bin ich aber immer noch dafür, die Existenz des Weiblichen auch in der Sprache auszudrücken. Wobei das Deutsche an diesem Punkt mit dem Norwegischen nicht wirklich vergleichbar ist, weil die Unterscheidung weiblich/männlich im Artikel hier eben wichtig ist, also man kann nicht einfach „der Straße“ oder „die Kühlschrank“ sagen und behaupten, das wäre korrektes Deutsch.</p>
<p>Natürlich habe ich auch gleich danach Ausschau gehalten, ob sich diese sprachliche Irrelevanz des Weiblichen und Männlichen irgendwie im Alltagsleben bemerkbar macht, also ob es Zeichen für eine Auflösung der Zweigeschlechtlichkeit gibt. Das war nicht der Fall. Mir ist kein Mensch begegnet, bei dem oder der nicht auf den ersten Blick klar gewesen wäre, ob es ein Mann oder eine Frau ist (Die Malerin, die darauf bestand, „ein Maler“ zu sein, trug Zöpfchen und Rock, zum Beispiel).</p>
<p>Besser als in Deutschland scheint allerdings die Verteilung der Erziehungsarbeit auf Männer und Frauen zu klappen. „Hier streiten sich Eltern sogar vor Gericht darüber, wer Erziehungsurlaub nehmen darf“, informierte mich meine Freundin. Kein Bedarf offenbar für große propagandistische Anstrengungen in dieser Hinsicht. In der Tat hatte ich den Eindruck, dass nahezu alle Kinder, die mir auf der Straße begegneten, in der Begleitung von Männern unterwegs waren. In einem 2007 erschienenen Reiseführer („Gebrauchsanweisung für Norwegen“ von Ebba D. Drolshagen) las ich: „Die Elternzeit für Mütter beträgt acht Monate bei voller Lohnfortzahlung, ein ganzes Jahr bei etwa 80 Prozent, Väter können sechs Wochen „Papa-Urlaub“ nehmen, was knapp drei von vier Vätern tun.“ Meine Freundin meinte, das Gesetz sei inzwischen dahingehend geändert worden, dass Väter oder Mütter die Elternzeit gleichermaßen nehmen können, aber genau wusste sie es nicht (anyone? Dann bitte im Kommentar posten).</p>
<p>Der Anteil von Vätern, die eine Erziehungsauszeit von der Erwerbsarbeit nehmen, ist also eklatant höher als in Deutschland, und das, obwohl die Gesetzgebung die Mütter bevorzugt (oder zumindest bis vor kurzem bevorzugt hat). Ohnehin scheint mir diese Debatte in Norwegen weniger von männerrechtlichen oder väterrechtlichen Tendenzen beeinflusst zu sein als hierzulande, wo es ja leider oft auf eine Konkurrenz der Eltern um Rechte über das Kind hinausläuft. Auch die Begleitmusik, die in Deutschland oft den Einfluss der Mütter schmälern möchte – etwa mit Diskussionen darüber, dass zu viele Frauen im Umfeld Kindern schaden, dass Mütter zuviel glucken oder sonst alles mögliche falsch machen, sodass Männer in der Erziehung irgendwie korrigierend eingreifen müssen – scheint in Norwegen nicht so laut zu spielen. Ich vermute, es ist dort eher gelungen, die stärkere Einbeziehung von Männern in die Betreuung und Erziehung kleiner Kinder zu fördern, ohne dass das latent zu Lasten der Frauen geht oder gar eine antifeministische Schlagseite bekommt.</p>
<p>Ein ganz wichtiger Faktor dabei ist natürlich die individuelle soziale Absicherung. Soweit ich es verstanden habe, sind alle Erwachsenen materiell eigenständig versorgt. Das heißt, aus einer Ehe oder gemeinsamer Elternschaft folgt nicht, dass einzelne Erwachsene für andere Erwachsene finanziell einstehen müssen. Erstens einmal gibt es kaum Arbeitslosigkeit, sondern eher einen Arbeitskräftemangel, was auch der Grund dafür ist, dass der Staat schon immer größere Anstrengungen als in Deutschland unternommen hat, um auch Frauen, die Kinder haben, die Teilnahme am Erwerbsarbeitsleben zu ermöglichen. Und wenn doch mal jemand arbeitslos wird, dann springt der Staat ein und es wird nicht der Ex-Partner/die Ex-Partnerin herangezogen. Das nimmt natürlich viel Konfliktstoff heraus, denn die meisten väter- und männerrechtlichen Argumente in Deutschland speisen sich ja aus der Klage über Unterhaltsverpflichtungen, die die betreffenden Männer als ungerecht empfinden und nicht leisten wollen.</p>
<p>Ein anderer Faktor könnte auch sein, dass es in Norwegen noch Spuren matrilinearer Traditionen gibt. Es ist jedenfalls nicht, wie in Deutschland, allein die väterliche Linie, die den Status eines Menschen prägt. Zum Beispiel sind die Norweger_innen große Fans von Trachten, die sie (schreibt jedenfalls Dolshagen) gerne bei festlichen Gelegenheiten tragen. Und man darf immer nur die Tracht tragen, die aus der Gegend kommt, aus der die Mutter stammt. Außerdem wird sprachlich genau zwischen Großeltern mütterlicherseits und väterlicherseits unterschieden, das heißt, es gibt zwei Worte für „Oma“, je nachdem, ob es sich um die mütterliche oder die väterliche Linie handelt.</p>
<p>Ebba Drolshagen schreibt auch, dass jedes zweite Kind unehelich geboren wird, dass jede zweite Ehe geschieden wird, dass bei Eheschließungen die Frauen fast immer ihren Geburtsnamen behalten und dass auch die Kinder normalerweise den Nachnamen der Mutter tragen (<a href="http://antjeschrupp.com/2010/05/11/im-namen-des-mannes/" target="_blank">anders als hier</a>). Sie können jedoch – wenn ein entsprechender Antrag gestellt wird – den Nachnamen des Vaters bekommen. Das alles sind Zeichen dafür, dass „ordentliches“ Kinderkriegen in Norwegen nicht so eng wie in deutscher Tradition an das Vorhandensein einer heterosexuellen Partnerschaft geknüpft wird. Mir gefällt das gut. Woran das liegt, habe ich nicht rausfinden können. Eine Erklärung, die gerne romantischerweise angeführt wird, waren die alten Wikinger, bei denen die Männer auf Schiffen unterwegs waren und die Frauen zuhause ohnehin alleine den Laden schmissen. Aber das liegt ja nun doch schon ein paar Jährchen zurück.</p>
<p>Wenig verwunderlich ist jedenfalls, dass auch das Gender-Pay-Gap in Norwegen viel geringer ausfällt als in Deutschland: Hier verdienen Frauen im Schnitt nicht 24 Prozent, sondern nur 10 Prozent weniger als Männer. Allerdings heißt das auch: Ein gewisser Unterschied besteht immer noch. 10 Prozent sind zwar im internationalen Vergleich wenig, aber trotzdem nicht nichts. So ganz gelöst ist das Problem der Unvereinbarkeit von kapitalistischer Erwerbsarbeit und der Notwendigkeit von Haus- und Fürsorgearbeit also auch in Norwegen noch nicht.</p>
<p>Dass es wenige antifeministische Einwände gegen eine gleichberechtigte und selbstbewusste Gegenwart von Frauen in der Öffentlichkeit, im Erwerbsleben, in der Politik gibt, liegt ganz sicher auch daran, dass soziale Gleichheit in Norwegen ein positiver Wert an sich ist – und nicht als herablassende Wohltätigkeit der Reichen gegenüber den Armen angesehen wird, wie es in Deutschland der Fall ist und sich momentan sogar wieder verstärkt. Natürlich ist Norwegen ein reiches Land, die Erdölvorkommen polstern den Staatshaushalt, und es muss nicht gespart werden, sondern man kann verteilen.</p>
<p>Aber das ist ja erst seit den 1960er Jahren so, vorher war Norwegen arm, und die positive kulturelle Einstellung zu sozialer Gleichheit ist schon älter als der Geldregen aus dem Erdöl. Manche führen sie auf die pietistische Religiosität zurück, in der es als „ungehörig“ galt, mehr haben zu wollen als andere oder gar sich selbst auf Kosten anderer zu bereichern. Sogar die Königsfamilie muss hier das Kunststück bewerkstelligen, zwar einerseits „königlich“ zu wirken, andererseits aber „ganz normal“ zu bleiben. Wer herausragt, wer mehr hat als andere, muss sich dafür rechtfertigen und wird nicht auch noch dafür gefeiert. Es liegt auf der Hand, dass eine solche Kultur mehr soziale und materielle Gleichheit – auch zwischen den Geschlechtern – hervorbringt.</p>
<p>Unglaublich (aus deutscher Sicht), aber ganz entscheidend wichtig ist dabei auch die Tatsache, dass man in Norwegen die Steuererklärungen aller Leute im Internet nachlesen kann. Transparenz in Punkto Einkommen ist natürlich ein ganz zentraler Faktor, um überhaupt zu wissen, was vor sich geht. So manche Frau würde vielleicht auch in Deutschland viel selbstbewusster in Gehaltsverhandlungen gehen, wenn sie sich vorher im Internet darüber informieren könnte, wie viel denn ihr Kollege genau bekommt.</p>
<p>Doch so gravierend all diese Unterschiede auch sind, so wenig prägend erlebte ich das im ganz normalen Alltag. Auch in Norwegen traf ich Männer, die, sobald die Diskussion etwas politisch wurde, in jenen besserwisserischen und belehrenden Tonfall schalteten, der mich auch hier in Deutschland so oft nervt. Und auch die „Beziehungskisten“-Probleme scheinen, soweit ich Einblick erhalten habe, nicht wesentlich anders zu verlaufen, als wir das hier gewohnt sind. Kultur ist eben mehr als Sozialstaat.</p>
<p>Das alles ist freilich nur ein Sammelsurium von Dingen, die mir in dieser kurzen Reise begegnet sind und durch den Kopf gingen, keine letztgültige feministische Analyse der norwegischen Geschlechterverhältnisse. Aber der Blick von außen ist doch immer eine Quelle für Inspirationen, allein schon deshalb, weil er die Perspektiven weitet.</p>
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