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	<title>Aus Liebe zur Freiheit &#187; Feminismus</title>
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	<description>Notizen zur Arbeit der sexuellen Differenz - von Antje Schrupp</description>
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		<title>Aus Liebe zur Freiheit &#187; Feminismus</title>
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		<title>Weibliche Gelehrte im Islam</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Jan 2012 20:16:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Hadith]]></category>
		<category><![CDATA[Mohammad Akram Nadwi]]></category>
		<category><![CDATA[Muhaddithat]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier hat jemand ein sehr fleißiges Buch über weibliche Gelehrte im Islam geschrieben, das ich mit einiger Faszination gelesen habe. Mohammad Akram Nadwi hat mit großer Akribie in den Quellen aufgespürt, welche Frauen wo, wie und wann sich an der Überlieferung von Hadithen beteiligt haben, also von Erzählungen und Berichten aus dem Leben des Propheten [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=4525&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2012/01/almuhaddithat1.gif"><img class="alignleft size-full wp-image-4535" title="almuhaddithat" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2012/01/almuhaddithat1.gif?w=500" alt=""   /></a>Hier hat jemand ein sehr fleißiges Buch über weibliche Gelehrte im Islam geschrieben, das ich mit einiger Faszination gelesen habe. <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Mohammad_Akram_Nadwi" target="_blank">Mohammad Akram Nadwi</a> hat mit großer Akribie in den Quellen aufgespürt, welche Frauen wo, wie und wann sich an der Überlieferung von Hadithen beteiligt haben, also von Erzählungen und Berichten aus dem Leben des Propheten Mohammed, die für Muslime und Musliminnen nach dem Koran die zweitwichtigsten Quellen dafür sind, um herauszufinden, was Menschen tun sollen, was erlaubt und verboten ist. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/824ba9c5095b4154aca98eaf4e17cebe" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Für alle, die den Islam für eine bloße Männerreligion halten, ist das schonmal lehrreich, weil allein die Fülle an Material diese Behauptung obsolet macht. So stammt die zweitgrößte Anzahl an Hadithen, nämlich über 2000, von Aisha, einer der Ehefrauen Mohammeds. Dass Frauen nach islamischer Praxis und weitem Konsens nicht nur lernen, sondern auch lehren können (und zwar auch Männer), wird ebenso klar.</p>
<p>Überhaupt hat es vor allem in den ersten zwei Jahrhunderten viele Frauen gegeben, die Hadithe erzählten und weiter erzählten, während ihre Anzahl in den Jahrhunderten danach stark zurück gegangen ist, was Nadwi damit erklärt, dass dann die Tradierung mehr mit Reisen verbunden war, woran weniger Frauen beteiligt waren (einige aber doch). Die Feministin denkt dabei natürlich auch unweigerlich an jenen allgemeinen Trend in sozialen Bewegungen, dass fast immer die Beteiligung von Frauen in den Anfangszeiten sehr viel höher ist als in den darauf folgenden Phasen der Institutionalisierung und Konsolidierung.</p>
<p>Abgesehen davon, dass dieses Buch natürlich ein großer Fundus für alle möglichen Arten von historischer Islamforschung ist, fand ich vor allem das Vorwort spannend. Darin schreibt Nadwi nämlich von seiner Befürchtung, seine Forschung könne auf westlich-emanzipatorisch-feministische Weise verstanden werden, was er nicht möchte und worin er eine Vereinnahmung der von ihm untersuchten Frauen sehen würde:</p>
<blockquote><p>These were not feminists, neither consciously nor unconsciously. They were above all else, like the men scholars, <em>believers</em>, and they got and exercised the same authority by virtue of reasoning with the same methods from the same sources as the men&#8230;&#8220; (S. XIV)</p></blockquote>
<p>Den westlichen Feminismus, vor dessen Karren er sich nicht spannen lassen möchte, reduziert er allerdings auf den Gleichstellungsfeminismus, also auf die Forderung, Frauen müssten dasselbe tun können wie Männer. Nadwi schreibt:</p>
<blockquote><p>The sheer number of examples from different periods and regions will establish that the answer to some of the &#8216;If men can, why can&#8217;t women?&#8217; questions is &#8216;Men can and women can too&#8217;. That ist correct, and yet it is not right. It is not right because the approach embedded in the question &#8216;if men can, why can&#8217;t women?&#8217; is, from the Islamic perspective of the <em>muhaddithat </em>(also der Hadith-Gelehrten), misleading in itself. (S. XV)</p></blockquote>
<p>Die Irreführung, die in der Frage des Vergleichs der Frauen mit den Männern liegt, läuft seiner Ansicht nach auf drei Punkte heraus:</p>
<p>Erstens enthält sie die Unterstellung, dass die Sphäre der Frauen geringer zu bewerten sei als die der Männer. Er weist er darauf hin, dass von den über 8000 weiblichen Gelehrten, die er zusammengetragen hat, nicht eine die &#8222;häusliche&#8220; Sphäre geringer bewertet hätte oder die weiblichen Pflichten darin für unerheblich erklärt hätte. Auch hätte keine je geäußert, dass es weniger erstrebenswert oder minderwertiger sei, eine Frau zu sein als ein Mann, und gleichzeitig hätte keine von ihnen je bestritten, dass Frauen bei entsprechenden Gelegenheiten und Fähigkeiten trotzdem auch Pflichten gegenüber der Gesellschaft und außerhalb der Familie hätten.</p>
<p>Zweitens, so Nadwi, würde die Fragestellung &#8216;If men can, why can&#8217;t women?&#8217; das Handeln überbetonen und das Sein vernachlässigen &#8211; so als würde also der Wert eines Menschen davon abhängen, was sie oder er tut: &#8222;Undue emphasis on agency (being able to <em>do</em>) as a measure of dignity and liberty is an error.&#8220;</p>
<p>Drittens schließlich kritisiert Nadwi, dass diese Fragestellung die Vorannahme enthalte, dass Geschlechterdifferenzen notwendigerweise zu Ungerechtigkeiten führen müssen und dass deshalb Maßnahmen ergriffen werden müssen, um diese Differenzen durch rechtliche oder soziale Maßnahmen oder auch via &#8222;biological engineering&#8220; abzuschaffen.</p>
<p>Diese Punkte sind, wie ich finde, ziemlich spannend, denn sie alle treffen in der Tat einen wunden Punkt des Gleichheits-Feminismus, oder anders gesagt: Ich unterschreibe alle drei auf der Stelle.</p>
<p>Aber.</p>
<p>Im argumentativen Kontext des westlich-christlichen Kulturkreises habe ich die Möglichkeit, die männliche Selbstbehauptung, wonach das autonome, handelnde, normgebende Subjekt das Maß der Dinge ist, zu kontern mit dem Hinweis auf eine &#8211; anders gelagerte, sich anders äußernde <em>weibliche</em> <em>Subjektivität</em>. Dem, was ich (mit anderen) das weibliche <a href="http://www.antjeschrupp.de/begehren" target="_blank">Begehren</a> nenne. Der Weg dazu ist, zu entlarven, dass vieles von dem, was in dieser Kultur an männlicher Vorherrschaft und Dominanz herausgebildet wurde, eine Folge davon ist, dass die weibliche Subjektivität missachtet wurde, oder einfacher gesagt: Dass die Männer den Anspruch erhoben haben, zu definieren, was Frausein bedeutet und das in institutionelle Rahmen (Gesetze, Sitten, Normgebilde) zu gießen.</p>
<p>Ich kann also zum Beispiel sagen: Ihr Männer behauptet, Frauen seien soundso und hätten dieses und jenes zu tun und zu unterlassen, ich aber, eine Frau, behaupte dass es anders ist und eröffne darüber einen politischen Konflikt &#8211; voilà: die Frauenbewegung.</p>
<p>Im islamischen Kontext, soweit ich das verstanden habe (zumindest würde das wohl Mohammad Akram Nadwi so sehen), ist das kein Argument, weil die menschliche Subjektivität keine normgebende Rolle bei den Verhandlungen über gesellschaftliche Regeln und das, was erlaubt und verboten ist, spielt, sondern allein der Koran und &#8211; ergänzend &#8211; eben die Hadithe oder andere Quellen. Oder anders gesagt: Bei der Entscheidung darüber, was erlaubt ist oder nicht, spielt das persönliche Begehren keine Rolle, weder das der Männer noch das der Frauen, sondern allein der Wille Gottes, und zwar nicht als etwas letztlich Unverfügbares (wie in weiten Teilen des Christentums), sondern <em>genau so, wie er im Koran festgelegt und im beispielhaften Leben Mohammeds bekräftigt ist.</em></p>
<p>Das heißt, die Subjektivität der Beteiligten, das persönliche Begehren, ist kein Argument, weder auf Seiten der Männer noch auf der der Frauen. Das war es vor allem, was mich an dem Buch so fasziniert hat: Die Diskussionen und Bemühungen drehen sich nicht darum, durch Nachdenken, Verhandlungen und Diskussionen zu einer Übereinkunft über gesellschaftliche Regeln und Normen zu kommen &#8211; das Setting, das ich als westliche Differenzfeministin unweigerlich vor meinem geistigen Auge habe, wenn ich patriarchale Phänome ausgehend von meiner Subjektivität &#8211; der einer Frau &#8211; kritisiere und bekämpfe, was mir aber nur deshalb möglich ist, weil die Kategorie der Subjektivität als solche <em>auch bei meinem männlichen Gegenüber</em> eine akzeptierte Kategorie ist (wenn auch nicht die weibliche).</p>
<p>Sondern die Diskussionen und Bemühungen der weiblichen Gelehrten im Islam, von denen in diesem Buch die Rede ist, drehen sich darum, möglichst genau wiederzugeben und zu tradieren, was der Prophet Mohammed gesagt und getan hat. Der Prophet Mohammed, der, wohlgemerkt, ja nur ein Mensch ist, ein Mann, und kein Gott!</p>
<p>Und das ist der Punkt, an dem ich etwas nicht verstehe: Wie laufen feministische Intervention gegen patriarchale Muster und Phänomene in einem weltanschaulichen Kontext, der sich verbindlich auf feste, phänomenologisch greifbare Äußerungen des göttlichen Willens bezieht wie eben den Koran oder das, was der Prophet (und Mann) Mohammed gesagt und getan hat? Wie kann feministische Intervention möglich sein, die sich (zu Recht) nicht auf formale &#8222;Gleichheit&#8220; beziehen soll, wenn man nicht die Instanz der weiblichen  Subjektivität zur Verfügung hat?</p>
<p>Vielleicht hat ja demnächst mal die eine oder andere Muslimin Lust, mit mir darüber zu diskutieren.</p>
<p><em>Mohammad Akram Nadwi: al-Muhaddithat: the women scholars in Islam. Interface Publications, Oxford, London 2007.</em></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/antjeschrupp.wordpress.com/4525/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/antjeschrupp.wordpress.com/4525/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/antjeschrupp.wordpress.com/4525/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/antjeschrupp.wordpress.com/4525/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/antjeschrupp.wordpress.com/4525/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/antjeschrupp.wordpress.com/4525/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/antjeschrupp.wordpress.com/4525/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/antjeschrupp.wordpress.com/4525/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/antjeschrupp.wordpress.com/4525/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/antjeschrupp.wordpress.com/4525/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/antjeschrupp.wordpress.com/4525/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/antjeschrupp.wordpress.com/4525/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/antjeschrupp.wordpress.com/4525/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/antjeschrupp.wordpress.com/4525/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=4525&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Generisches Maskulinum, generisches Femininum</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Dec 2011 10:05:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Anatol Stefanowitsch]]></category>
		<category><![CDATA[generisches Maskulinum]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Über einen Hinweis im Blog von Bisexualität.org kam ich auf einen interessanten Blogpost von Anatol Stefanowitsch auf Scilogs über neuere Ergebnisse empirischer Studien zum Thema Geschlecht und Sprache. Insbesondere die Behauptung, weibliche Formen zu benutzen sei nicht notwendig, weil die männliche Form im Deutschen beide Geschlechter meinen würde, also in Wahrheit geschlechtsneutral sei (im Fachjargon: [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=4482&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4483" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/12/generischesmaskulinum.jpg"><br />
<img class="size-full wp-image-4483" title="generischesMaskulinum" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/12/generischesmaskulinum.jpg?w=500&#038;h=226" alt="" width="500" height="226" /></a><p class="wp-caption-text">BU: Die Lüge, dass das generische Maskulinum beide Geschlechter meinen würde. Meist muss man Texte bis ganz zum Ende lesen, um sie zu entlarven</p></div>
<p>Über einen Hinweis im Blog von <a href="http://www.bisexualitaet.org/leseempfehlungen-zwangsouting-diversity-gewalt-sprache-22122011.html" target="_blank">Bisexualität.org</a> kam ich auf einen interessanten Blogpost von Anatol Stefanowitsch auf <a href="http://www.scilogs.de/" target="_blank">Scilogs</a> über neuere Ergebnisse empirischer Studien zum Thema Geschlecht und Sprache. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/86df6d964bbc43739e38a48e647c815f" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Insbesondere die Behauptung, weibliche Formen zu benutzen sei nicht notwendig, weil die männliche Form im Deutschen beide Geschlechter meinen würde, also in Wahrheit geschlechtsneutral sei (im Fachjargon: generisches Maskulinum) wurde in diesen Studien klar widerlegt. Ebenso widerlegt wurde der immer wieder vorgebrachte Einwand gegen weibliche Endungen, wonach diese angeblich die Verständlichkeit von Texten beeinträchtigen.</p>
<p>Die vorgestellten Studien zeigen, dass beides nicht stimmt: Wird das generische Maskulinum benutzt, also zum Beispiel von „den Sozialarbeitern“ gesprochen, stellen sich die meisten Menschen auch unweigerlich Männer vor und keine Frauen. Andererseits hatten die Probandinnen und Probanden keine Verständlichkeitsprobleme mit Texten in inklusiver Sprache. Stefanowitsch resümiert das alles gut, wenn er schreibt:</p>
<blockquote><p>Mit anderen Worten: Geschlechtergerechte Sprache hat keinen negativen Einfluss auf die Verständlichkeit und Lesbarkeit von Texten. Wohl aber hat sie einen Einfluss auf die Einbildung männlicher Leser.</p></blockquote>
<p>Es lohnt sich unbedingt, <a href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachstruktur/2011-12-14/frauen-natuerlich-ausgenommen" target="_blank">den Blogpost</a> in Gänze durchzulesen. Ebensfalls interessant ist ein <a href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachstruktur/2011-11-30/sprache-diskriminiert" target="_blank">älterer Blogpost</a> von Stefanowitsch, in dem er sich allgemeiner mit diskriminierender Sprache  beschäftigt.</p>
<p>Widersprechen möchte ich ihm jedoch an dem Punkt, wo er in Frage stellt, ob die geschlechtliche Unterscheidung von Personen in der Sprache überhaupt sinnvoll ist:</p>
<blockquote><p>Es gibt sicher einige wenige Situationen, in denen es eine Rolle spielt, ob jemand ein Mann oder eine Frau ist (für viele Menschen spielt das bei der Partnerwahl eine Rolle und für Versicherungen ist es aufgrund der unterschiedlichen Lebenserwartung interessant). Aber objektiv betrachtet sind diese Situationen insgesamt recht selten. Es ist unsere Sprache, die uns einredet, es handle sich um einen wichtigen, alles durchdringenden Unterschied, und es ist unsere Sprache, die uns dazu zwingt, diesen Unterschied stets und ständig zu erwähnen, auch dort, wo er absolut nichts zur Sache tut.</p></blockquote>
<p>Das sehe ich anders. Die Geschlechterdifferenz durchzieht unsere Kultur auf eine ganz grundlegende Weise, wie wir seit de Beauvoirs Analyse in „Das andere Geschlecht“ wissen. Mir fällt kein einziges Thema ein, in dem sie keine Rolle spielt, von der Politik über Stadtplanung bis zur Mathematik. Es ist also kein Defekt der Sprache, dass sie mit dem Bezeichnen von Geschlechtern so einen Murks macht, sondern dieser sprachliche Murks bildet nur den realen Murks ab, mit dem wir es an diesem Punkt zu tun haben. Das Problem lässt sich daher auch nicht auf einer sprachlichen Ebene allein lösen. Die Sprache zu verändern, ist lediglich EIN wichtiger Punkt, an dem man dabei ansetzen kann. Aber nicht als Lösung, sondern um uns für die Realität zu sensibilisieren. Ich habe neulich schonmal darüber <a href="http://antjeschrupp.com/2011/09/05/inklusive-sprache-jetzt-auch-automatisiert/" target="_blank">gebloggt</a>, warum es zum Beispiel nichts hilft, einfach schematisch die männlichen Personenbezeichnungen mit weiblichen zu ergänzen.</p>
<p>Aber ich finde auch ein anderes Vorgehen interessant, das zum Beispiel die Bundesgeschäftsführerin der Piraten, Marina Weisband, in einem <a href="http://www.youtube.com/watch?v=PvmuFDKH0Nw" target="_blank">Vortrag</a> anwendet: Nämlich die strikt männliche Form zu benutzen, sie aber mit weiblichen Bildern zu konterkarieren – also von „dem Politiker“ zu sprechen und dabei Folien von einer Frau zu zeigen. Auf diese Weise erzwingt sie die gedankliche Anstrengung, die empirisch notwendig ist, um sich unter einem Maskulinum eine Frau vorzustellen. Frauen haben diese Stilmöglichkeit generell, denn sie können ja ihre eigene körperliche Erscheinung ins Spiel bringen, wenn sie sich selbst als „Mathematiker“ präsentieren. Alle SEHEN dann ja, dass da eine Frau steht, trotz männlicher Bezeichnung. Männer haben diese Möglichkeit allerdings nicht &#8211; es sei denn, sie sprächen von sich in einer weiblichen Form, also im generischen Femininum. Ich habe aber noch nie gesehen, dass einer das getan hat.</p>
<p>Jedenfalls denke ich, es ist eine Illusion, das Dilemma unserer Kultur, wonach das Männliche die Norm, das Weibliche aber die Abweichung darstellt, mit einer pauschalen sprachlichen Strategie lösen zu können. Was wir brauchen, das ist mehr Einfallsreichtum und vor allem Kreativität in konkreten Kontexten. Was in der einen Situation eine gute Strategie ist, kann in einer anderen Situation möglicherweise nicht funktionieren.</p>
<p>Denn dass Frauen „mitgemeint“ sein sollten, ist ja nur das eine. Ein viel schwerwiegenderes Problem ist meiner Ansicht nach in der Tat, dass es kein „generisches Femininum“ gibt, das heißt, dass Frauen beziehungsweise weibliche Bezeichnungen niemals für das Allgemeine stehen können. Das führt dazu, dass bestimmte Sachverhalte gar nicht ausgedrückt werden können, zum Beispiel ist es unmöglich, eine Frau aus einer gemischten Gruppe herauszuheben. So stellte die taz neulich <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&amp;dig=2011/12/24/a0020&amp;cHash=54135d93e7" target="_blank">„Die einzige Plattenladenbesitzerin“</a> Deutschlands vor – gemeint war ganz offensichtlich die einzige <em>weibliche</em> Plattenladenbesitzerin. Hier ist das generische Maskulinum keine Lösung, denn &#8222;Der einzige Plattenladenbesitzer&#8220; hätte eine ganz andere inhaltliche Bedeutung &#8211; diese Formulierung bezeichnet einen Mann, der sich aus einer gemischten Gruppe hervorhebt.</p>
<p>Wie aber drücken wir es aus, wenn eine Frau besonders ist im Bezug auf eine gemischte Gruppe? Oder wenn ein Mann besonders ist, aber nur im Bezug auf andere Männer? Bisher geht das, rein sprachlich, überhaupt nicht.</p>
<p>Doch die Welt ändert sich. Die Notwendigkeit auch das generische Femininum denken zu können, wird immer wichtiger werden, wenn Frauen zunehmend öffentliche Positionen einnehmen. Der Sprache wird etwas dazu einfallen, ich bin mir ganz sicher.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/antjeschrupp.wordpress.com/4482/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/antjeschrupp.wordpress.com/4482/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/antjeschrupp.wordpress.com/4482/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/antjeschrupp.wordpress.com/4482/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/antjeschrupp.wordpress.com/4482/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/antjeschrupp.wordpress.com/4482/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/antjeschrupp.wordpress.com/4482/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/antjeschrupp.wordpress.com/4482/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/antjeschrupp.wordpress.com/4482/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/antjeschrupp.wordpress.com/4482/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/antjeschrupp.wordpress.com/4482/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/antjeschrupp.wordpress.com/4482/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/antjeschrupp.wordpress.com/4482/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/antjeschrupp.wordpress.com/4482/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=4482&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Wozu meine Verlegerin gut ist</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Oct 2011 07:56:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der neue Coup von Amazon, dass Autorinnen dort direkt ihre Bücher herausbringen können (ohne über Verlage zu gehen), war eigentlich absehbar. Neu ist das Modell ja  nicht, interessant eigentlich nur durch die Marktgröße von Amazon, das natürlich in einer anderen Liga spielt als Books on Demand. Aber auch schon vor dem Internet gab es Verlage, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=4291&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der neue <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,792364,00.html" target="_blank">Coup von Amazon</a>, dass Autorinnen dort direkt ihre Bücher herausbringen können (ohne über Verlage zu gehen), war eigentlich absehbar. Neu ist das Modell ja  nicht, interessant eigentlich nur durch die Marktgröße von Amazon, das natürlich in einer anderen Liga spielt als Books on Demand. Aber auch schon vor dem Internet gab es Verlage, die jedes beliebige Buch herausgebracht haben, solange der Autor oder die Autorin nur genug Geld mitbrachte. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9bc68f213b614705a019a31bbb630b34" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Worum es jetzt bei der Amazon-Sache geht, ist daher nicht wirklich ein neues Verfahren &#8211; Autorinnen kommen ohne Umweg über eine Verlegerin auf den Markt &#8211; sondern um das <em>Prestige</em> dieses Vorgehens. Wer bisher Bücher bei Books on Demand herausbrachte oder in einem dieser einschlägig bekannten &#8222;Wir-drucken-alles&#8220;-Verlage, hatte in Wahrnehmung der meisten kein richtiges Buch geschieben. Richtiger Autor war nur, wer in einem richtigen Verlag ein Buch hatte. Und je richtiger desto besser, Suhrkamp oder Ullstein ist besser, als Frauenoffensive oder Orlanda.</p>
<p>Es ging also im Verlagswesen schon lange nicht mehr um die Tätigkeiten, die ursprünglich mal der Grund für die Entstehung von Verlagen waren: Druck und Vertrieb von Papier. Weil das ungeheuer teuer und aufwändig war und spezialisiertes Know-How brauchte, konnten das einzelne Autoren nicht leisten und waren also auf Verlage angewiesen. Die Verlage kontrollierten den Zugang von Texten zum Markt: Sie entschieden, was gedruckt wurde und was nicht, nach politischen, nach subjektiven oder nach ökonomischen Kriterien, je nachdem.</p>
<p>Dies alles, diese ganze ursprüngliche Entstehungsbedingung des Verlagswesens ist bereits seit Erfindung des Internet abgeschafft, überflüssig. Wäre nur das die Aufgabe eines Verlags, wären Verlage schon längst ausgestorben.</p>
<p>Allerdings hatte sich zwischenzeitlich ein zweites Geschäftsfeld etabliert, nämlich die Verteilung von Status. Wer in einem &#8222;guten&#8220; Verlag veröffentlicht, bekommt &#8211; unabhängig von der Qualität des Buches &#8211; automatisch Aufmerksamkeit. Die großen Buchhandlungen haben ihre festen Regale, in denen da immer alles Neue von diesem und jenem Verlag steht, ganz unabhängig von der Qualität des Buches. Dasselbe gilt weitgehend für die Verteilung von Rezensionen in etablierten Medien.</p>
<p>Auf das alles könnte ich gut verzichten. Aber Verlage haben noch eine andere, positive Funktion: Sie bieten eine gewisse &#8222;Vorsortierung&#8220;. Ich zum Beispiel veröffentliche in etablierten Frauenbuchverlagen (bei <a href="http://www.ulrike-helmer-verlag.de" target="_blank">Ulrike Helmer</a> und bei <a href="http://www.christel-goettert-verlag.de/" target="_blank">Christel Göttert</a>), und das hat den Vorteil, dass meine Bücher direkt ein interessiertes Publikum erreichen und gezielt auf dieses zugeschnitten vermarktet werden. Durch die verschiedenen Spezialisierungen und weltanschaulichen Ausrichtungen von Verlagen, sind sie Wegweiser für bestimmte Standards, und diese Funktion ist gut. Ob man denselben Nutzen nicht heute in Zeiten des Internet auch anders haben könnte, ist natürlich fraglich.</p>
<p>Der Hauptgrund, warum ich auf eine Verlegerin nicht verzichten will, ist aber der Austausch, die inhaltliche Debatte, und natürlich das Lektorat. Ein Buch zu schreiben ist oft eine einsame Angelegenheit. Durch die Diskussion mit meinen Verlegerinnen, durch das Hin und Her im Prozess des Lektorates, sind alle meine Bücher bisher wesentlich besser geworden. Auch haben die Verlegerinnen einen ganz anderen Blick auf ein mögliches Marketing, auf griffige Titel (<a href="http://www.antjeschrupp.de/methusalems-muetter" target="_blank">&#8222;Methusalems Mütter&#8220;</a> war zum Beispiel Ulrike Helmers Idee, nicht meine), sie kennen die Marktlage, sie können &#8222;Benchmarking&#8220; betreiben, also beurteilen, was momentan gefragt ist und was eher nicht.</p>
<p>Diese Kooperation zwischen Autorin und Verlegerin, diese Verbindung zwischen subjektivem, persönlichen Denken und Schaffen, und seiner Vermittlung nach draußen hin, in die Welt mit ihrem  Zeitgeist, ihrem Mainstream, ihren Moden und so weiter ist für mich das Herzstück heutiger Verlagsarbeit. Dass da eine ist, die mich darauf hinweist, wenn Sätze und Gedanken unverständlich sind, die darauf besteht, dass potenzielle Leserinnen und Leser das verstehen, die kritisch nachfragt, ob das, was ich da geschrieben habe, überhaupt stimmt oder richtig ist. Und so weiter.</p>
<p>Und ich glaube tatsächlich, dass es der Qualität vieler Bücher abträglich wäre, wenn es diese Kooperation nicht mehr gäbe. Möglicherweise sterben Verlage aus, weil Druck und Vertrieb von Büchern tatsächlich besser von Amazon abgewickelt werden können. Und möglicherweise sterben sie jetzt noch schneller aus, weil Amazon das Selbstverlegen von Büchern quasi gesellschaftsfähig macht und das Geschäftsmodell &#8222;Wir verleihen Autoren Status&#8220; damit zusammenbricht.</p>
<p>Aber ich hätte dann eine Idee für ein neues Geschäftsfeld: Verlage könnten DienstleisterInnen werden für Autoren und Autorinnen, die sich der Begrenztheit ihrer eigenen Fähigkeiten und Sichtweisen bewusst sind und ihre längeren Texte gerne einem professionellen &#8222;Realitätscheck&#8220; unterziehen möchten, bevor sie sie in die breite Öffentlichkeit entlassen. Vielleicht wäre das Geschäftsmodell dann umgekehrt wie heute: Nicht die Autorin bekommt einen bestimmten Betrag pro verkauftem Buch von der Verlegerin bezahlt, sondern andersrum.</p>
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Danke für die Spende!</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Wikipedia ohne Matriarchatsforschung?</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2011/10/13/wikipedia-ohne-matriarchatsforschung/</link>
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		<pubDate>Thu, 13 Oct 2011 21:03:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Matriarchatsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Wikipedia]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei Wikipedia wird gerade darüber diskutiert, ob der Artikel zum Stichwort &#8222;Matriarchatsforschung&#8220; gelöscht werden soll. Kritisiert wird, der Artikel sei zu einseitig auf die Theorien von Heide Göttner-Abendroth ausgerichtet. Ich habe die ganze Löschdiskussion gerade einmal durchgezappt und fand das argumentative Hin und Her ziemlich ermüdend. Wikipedia ist einfach auch nicht mein Ding. Weshalb ich [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=4210&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei Wikipedia wird <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%B6schkandidaten/12._Oktober_2011#Matriarchatsforschung" target="_blank">gerade darüber diskutiert</a>, ob der Artikel zum Stichwort &#8222;Matriarchatsforschung&#8220; gelöscht werden soll. Kritisiert wird, der Artikel sei zu einseitig auf die Theorien von Heide Göttner-Abendroth ausgerichtet. Ich habe die ganze Löschdiskussion gerade einmal durchgezappt und fand das argumentative Hin und Her ziemlich ermüdend. Wikipedia ist einfach auch nicht mein Ding. Weshalb ich mich selber an der Debatte auch nicht beteiligen will. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/f4221cb0a6534ae89f727423e5342d77" width="1" height="1" alt=""></p>
<p>Nun finde ich aber die Vorstellung, dass der Artikel gelöscht wird, trotzdem erschreckend. Dass das Projekt Wikipedia sowieso eine ziemlich männerlastige Angelegenheit ist, ist ja schon häufiger mal aufgefallen. Speziell zu feministischen Themen gibt es ohnehin wenig gute Artikel. Einige Frauen, die sich daran mal beteiligt haben, beklagen, dass ihre Beiträge immer wieder schnell von Maskulinisten überarbeitet, sprich verhunzt werden.</p>
<p>Deshalb denke ich, man sollte froh sein, wenn es überhaupt zu solchen Themen Einträge gibt und eher dafür werben, dass sie verbessert werden, anstatt ernsthaft in Erwägung zu ziehen, sie einfach wegzulöschen. Und auch wenn der derzeitige Artikel Matriarchatsforschung etwas Schlagseite haben sollte, so enthält er trotzdem sachliche Informationen, Links und Lesetipps. Jedenfalls wäre es für Wikipedia oberpeinlich, wenn es zu dem Stichwort einfach gar nichts geben würde.</p>
<p>Daher möchte ich hier kurz mal die Aufmerksamkeit in diese Richtung lenken, in der Hoffnung, dass sich welche finden, die sich in die Diskussion einmischen. Vielleicht gibt es ja ein paar Wikipedist_innen unter euch <img src='http://s0.wp.com/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Diejenigen, die keine große Ahnung von Matriarchatsforschung haben, könnten zum Beispiel dahingehend wirken, dass es besser ist, einen nicht ganz perfekten Artikel zu dem Thema zu haben als gar keinen. Gerade angesichts der Tatsache, dass Wikipedia in Punkto Frauen gravierend unterbelichtet ist. Und diejenigen, die sich in dem Feld auskennen, könnten inhaltlich drüber gehen und versuchen, den Eintrag etwas umfassender zu gestalten.</p>
<p>Thanks vor your attention.</p>
<p>Zu dem Thema &#8222;Matriarchatsbewegung im Shitstorm&#8220; hatte ich <a href="http://antjeschrupp.com/2011/05/17/die-radikal-feministische-matriarchatsbewegung-im-shitstorm/" target="_blank">kürzlich schonmal gebloggt</a>.</p>
<p><a href="http://flattr.com/thing/415357/Wikipedia-ohne-Matriarchatsforschung" target="_blank"><br />
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Danke für die SPende</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/antjeschrupp.wordpress.com/4210/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/antjeschrupp.wordpress.com/4210/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/antjeschrupp.wordpress.com/4210/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/antjeschrupp.wordpress.com/4210/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/antjeschrupp.wordpress.com/4210/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/antjeschrupp.wordpress.com/4210/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/antjeschrupp.wordpress.com/4210/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/antjeschrupp.wordpress.com/4210/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/antjeschrupp.wordpress.com/4210/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/antjeschrupp.wordpress.com/4210/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/antjeschrupp.wordpress.com/4210/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/antjeschrupp.wordpress.com/4210/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/antjeschrupp.wordpress.com/4210/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/antjeschrupp.wordpress.com/4210/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=4210&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>&#8222;Zerstört die Werke der Weiblichkeit!&#8220; (nicht)</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2011/07/09/zerstort-die-werke-der-weiblichkeit-nicht/</link>
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		<pubDate>Sat, 09 Jul 2011 11:58:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterdifferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Apokryphen]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Evangelien]]></category>
		<category><![CDATA[Gnosis]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Maria Magdalena]]></category>
		<category><![CDATA[Urkirche]]></category>

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		<description><![CDATA[Für Maria Magdalena interessiere ich mich schon länger. Jetzt hat Silke Petersen ein wahrhaft fantastisches Buch über sie geschrieben, das keine Fragen offen lässt (außer denen, die sich heute nicht mehr beantworten lassen, was natürlich viele sind). Sehr detailliert, aber trotzdem gut lesbar und auch für theologisch Unbewanderte verständlich, stellt sie die verschiedenen Texte vor, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=3826&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3827" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/07/maria-magdalena.jpg"><img class="size-full wp-image-3827 " title="Maria Magdalena" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/07/maria-magdalena.jpg?w=500" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">Maria Magdalena belehrt die Apostel. Englische Buchmalerei aus dem 12. Jahrhundert, heute in der Dombibliothek in Hildesheim.</p></div>
<p>Für Maria Magdalena interessiere ich mich <a href="http://antjeschrupp.com/2009/11/07/der-mythos-von-maria-magdalena/" target="_blank">schon länger</a>. Jetzt hat Silke Petersen ein wahrhaft fantastisches Buch über sie geschrieben, das keine Fragen offen lässt (außer denen, die sich heute nicht mehr beantworten lassen, was natürlich viele sind).<img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/08cd81e9615444c4911e0f3fb0561213" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Sehr detailliert, aber trotzdem gut lesbar und auch für theologisch Unbewanderte verständlich, stellt sie die verschiedenen Texte vor, in denen Maria Magdalena vorkommt – angefangen bei den Evangelien und anderen antiken Texten, über mittelalterliche und neuzeitliche Magdalenen-Legenden bis hin zu heutigen Filmen und Büchern, etwa „Der letzten Versuchung“ oder Dan Browns Sakrileg-Spekuliererei. Ganz wundervoll erklärt sie, was man aus alten Texten ableiten kann und was nicht – liefert also wie nebenbei eine Einführung in die historische Methodenlehre, was auch für diejenigen interessant sein dürfte, die sich nicht speziell für das Christentum interessieren.</p>
<p>Als Politikwissenschaftlerin, die sich für die weibliche Differenz interessiert, fand ich vor allem eine Debatte interessant, die im 2. und 3. Jahrhundert geführt wurde. Denn sie hat teilweise verblüffende Parallelen zu heute. In diesem Zeitraum wurde eine ganze Reihe von Schriften und „Evangelien“ verfasst, in denen Maria Magdalena eine deutlich größere Rolle spielt als in den vier Evangelien, die ins Neue Testament aufgenommen worden sind. Sie führt zum Beispiel lange Dialoge mit Jesus, sie ist es, die seine Lehren am besten versteht (besser als Petrus zum Beispiel, zu dem es eine gewisse Konkurrenz gibt), sie ist die Jüngerin, die Jesus mehr liebte als die anderen Jünger, und diejenige, die nach Jesu Tod seine desillusionierte Anhänger_innenschaft zusammenhält und zum Weitermachen ermuntert.</p>
<p>Auch wenn in diesen Texten vielleicht noch die ein oder andere historische Erinnerung durchscheinen könnte, so lässt sich aus ihnen nicht herauslesen, was zur Zeit Jesu „wirklich geschah“. Vielmehr spiegeln sie eine Debatte wieder, die zu ihrer Entstehungszeit, also hundert bis zweihundert Jahre nach den historischen Ereignissen, geführt wurde. Es ging damals offenbar wesentlich um die Frage, welche Rolle Frauen in den Gemeinden spielen und ob sie Ämter inne haben und lehren dürfen. Was ja ebenfalls ein höchst interessantes Thema ist.</p>
<p>Die Verfasser und Verfasserinnen dieser antiken Texte vertraten die Meinung, dass Frauen Ämter in der Kirche innehaben können und sollen – ganz offensichtlich in Auseinandersetzung mit anderen Strömungen, die da anderer Ansicht waren. Dabei beriefen sie sich naheliegenderwiese auf Maria Magdalena, die ja (auch nach den Bibel-Evangelien) von Jesus den Auftrag zur Verkündigung bekommen hatte.</p>
<p>Interessant ist aber nun, mit welchen Argumenten sie diese „frauenfreundliche“ Ansicht vertraten. Als Hauptwidersacher wird meistens Petrus dargestellt (der ja dann auch nicht zufällig der oberste „Fels“ der römisch-katholischen Kirche wurde). Im Thomasevangelium heißt es zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>Simon Petrus sagte zu ihnen: Maria soll von uns weggehen, denn die Frauen sind des Lebens nicht würdig. Jesus sagte: Siehe, ich werde sie führen, auf dass ich sie männlich mache, damit auch sie ein lebendiger, euch gleichender, männlicher Geist wird. Denn: Jede Frau, wenn sie sich männlich macht, wird in das Reich der Himmel eingehen. (S. 156)</p></blockquote>
<p>Ein Schelm, wem dabei die Logik der modernen Gleichstellungspolitik einfällt. Interessanterweise ist diese „Vermännlichung“, die von Frauen gefordert wird, schon damals synonym mit einer Argumentationsfigur, indem die „Minderwertigkeit“ der Frauen durch eine Vermischung bzw. Aufhebung der Geschlechtsrollen quasi ausgeglichen wird. Origines von Alexandrien etwa (gest. 254) schreibt:</p>
<blockquote><p>Denn es gibt bei Gott keine Unterscheidung des Geschlechts, sondern durch die Unterschiedlichkeit des Geistes wird jemand entweder als ein Mann oder als eine Frau bezeichnet. Wie viele Frauen gibt es nicht, die bei Gott zu den starken Männern gezählt werden, und wie viele Männer müssen nicht den schwachen und trägen Frauen zugeordnet werden? (S. 163)</p></blockquote>
<p>Ich (eine Frau) weiß bei solchen Texten nicht, ob ich lachen oder heulen soll: Ein Konzept der Aufwertung von Frauen, das gleichzeitig auf der systematischen Abwertung von Weiblichkeit beruht. In einer anderen Schrift aus dieser Zeit, die „Dialog des Erlösers“ heißt, macht Jesus genau diese Unterscheidung explizit: „Was aus der Wahrheit ist, stirbt nicht; was aus der Frau ist, stirbt.“ (S. 110) und es wird ausgeführt: „Zerstört die Werke der Weiblichkeit“. Dass der angeblich geschlechtslose Mensch in Wahrheit ein männlicher Mensch ist, wird schließlich besonders deutlich in einer Formulierung von Clemens von Alexandrien:</p>
<blockquote><p>Denn an und für sich sind die Seelen selbst in gleicher Weise Seelen und keines von beidem, weder männlich noch weiblich, da sie weder heiraten noch sich heiraten lassen. Möglicherweise wird so auch die Frau verwandelt zum Mann, indem sie in gleicher Weise das Weibliche ablegt und männlich und vollkommen wird. (S. 175)</p></blockquote>
<p>Das „weder männlich noch weiblich“ im ersten Teil des Zitats – also die Aufhebung der Geschlechterdifferenz – interpretiert Clemens im zweiten Teil als „Verwandlung“ der Frau, die das Weibliche ablegt und männlich wird. Diese Formulierung „weder männlich noch weiblich“ scheint im Übrigen fast eine Art frühchristlicher Formel gewesen zu sein, jedenfalls kommt sie auch in der Bibel, nämlich im Galaterbrief des Paulus vor (Gal 3,28):</p>
<blockquote><p>Da sind nicht mehr Juden noch Griechen, nicht mehr Sklaven noch Freie, nicht mehr männlich noch weiblich; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.</p></blockquote>
<p>Die Stelle ist unter Theologinnen natürlich heiß diskutiert, den meisten Frauen gefällt sie gut, weil es so aussieht, als würden hier Nationalismus, Rassismus und Sexismus gleichzeitig kritisiert. Bei mir gehen bei der genannten Stelle immer alle Alarmglocken an, weil ich finde, dass diese drei Kategorien nicht vergleichbar sind. Man kann nämlich Grenzen zwischen Völkern auflösen (dann sind da nicht mehr Franzosen und Deutsche, sondern nur noch Europäer), und man kann nicht nur, sondern muss sogar ganz unbedingt die Sklaverei abschaffen (und zwar nicht nur innerhalb der christlichen Gemeinde, sondern generell), aber: Man sollte nicht die Frauen abschaffen. Meine ich jedenfalls.</p>
<p>Als ich neulich wieder einmal in einer Veranstaltung über diese Stelle lamentierte, wies mich eine Theologin, die das mitbekam, darauf hin, dass man das auch anders übersetzen könne (und sogar muss, meinte sie). Denn im Originaltext stehe an dieser Stelle:</p>
<blockquote><p>Da sind nicht mehr Juden noch Griechen, nicht mehr Sklaven noch Freie, nicht mehr männlich <em>und</em> weiblich…</p></blockquote>
<p>Beim dritten Differenzpaar, dem der Geschlechter, stehe also nicht ein „weder… noch“, sondern ein „und“. Sie interpretierte das so, dass nicht die Geschlechter an sich abgeschafft würden (analog zu den Grenzen zwischen Nationen und sozialen Ständen), sondern lediglich die heteronormative Kombination „männlich und weiblich“. Also nicht die Männer und die Frauen, sondern ihre symbolische Zueinanderordnung als Paar, das genau aus diesen zweien und nichts anderem besteht. Meine Angst vor einer Abschaffung der Weiblichkeit bzw. einer Zwangsvermännlichung der Frauen sei also unbegründet; abgeschafft würde lediglich das symbolisch zwangsweise aufeinander bezogene Mann-Frau-Paar.</p>
<p>Eine interessante These finde ich, der ich uneingeschränkt applaudiere. Ob sie für diesen alten Bibeltext zutrifft, weiß ich nicht (mein Griechisch ist auch zu eingerostet, um die Übersetzung zu prüfen), und wenn, dann haben zumindest Clemens und auch die Verfasser und Verfasserinnen der Maria-Magdalena-Texte aus dem 2. und 3. Jahrhundert das falsch verstanden.</p>
<p>Aber das ist vielleicht auch egal. Wichtig ist ja nicht, was zu diesem Thema in der Bibel steht, sondern was wir heute dazu denken.</p>
<p><em><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/07/petersen-maria-aus-magdala.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-3833" title="Petersen Maria aus Magdala" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/07/petersen-maria-aus-magdala.jpg?w=151&#038;h=240" alt="" width="151" height="240" /></a>Silke Petersen: Maria aus Magdala. Die Jüngerin, die Jesus liebte. EVA Leipzig, 2011, 18,80 Euro.</em></p>
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			<media:title type="html">Maria Magdalena</media:title>
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			<media:title type="html">Petersen Maria aus Magdala</media:title>
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		<title>Hallo Feminismus, du Nervensäge!</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Jul 2011 22:14:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feminismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor sechs Monaten begann ich ein Experiment: Angenervt von der Art und Weise, wie über das Thema „Feminismus“ diskutiert wird, beschloss ich, das Wort ein halbes Jahr lang nicht zu verwenden. Es hat nicht geklappt. Immer wieder ist es mir zwischen die anderen Wörter gerutscht. Keine Ahnung, wieso, sinnvoll finde ich es nämlich immer noch [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=3818&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/07/unbenannt-1-kopie.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3819" title="Unbenannt-1 Kopie" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/07/unbenannt-1-kopie.jpg?w=500&#038;h=291" alt="" width="500" height="291" /></a></p>
<p>Vor sechs Monaten begann ich ein <a href="http://antjeschrupp.com/2010/11/10/%E2%80%9Efeminismus%E2%80%9C-ade-warum-ich-in-nachster-zeit-das-f-wort-meiden-werde/" target="_blank">Experiment</a>: Angenervt von der Art und Weise, wie über das Thema „Feminismus“ diskutiert wird, beschloss ich, das Wort ein halbes Jahr lang nicht zu verwenden.</p>
<p>Es hat nicht geklappt. Immer wieder ist es mir zwischen die anderen Wörter gerutscht. Keine Ahnung, wieso, sinnvoll finde ich es nämlich immer noch nicht. Ich hatte mir auch vorgenommen, nach diesem Zeitraum Bilanz zu ziehen. Seit dieses halbe Jahr um ist, sitzt also dieser kleine Quängelgeist wieder auf meiner Schulter: Feminismus, hallo, du Nervensäge!</p>
<p>Ein Grund, warum ich nicht auf das Wort verzichten konnte, war (glaube ich) mein Wunsch, deutlich zu machen, wie wichtig das Handeln von Frauen für die Politik war und ist – in früheren Zeiten war und heute ist. Und dass man ohne eine Analyse und eine Praxis der Geschlechterdifferenz nichts, rein gar nichts Sinnvolles zu dieser Welt sagen kann. Und weil ich meine Zugehörigkeit zu all jenen deutlich machen will, denen die weibliche Freiheit am Herzen liegt, auch wenn sie ganz andere Positionen vertreten wie ich, etwa die Quote oder die Geschlechtergleichheit.</p>
<p>In all diesen Situationen habe ich „Feminismus“ gesagt, aber es ist dafür einfach ein doofes Wort. Weil es die falsche Vorstellung nahe legt, es handele sich dabei um eine inhaltlich bestimmbare Weltanschauung und Theorie. Um eine „Partei“, so wie sie sich im Bereich des Politischen überall breit gemacht haben, um Leute irgendwo hin sortieren zu können, um die Komplexität einer Begegnung mit einer echten Person zu reduzieren. Politik funktioniert aber nicht über Schubladen, im Gegenteil, wo Menschen und ihre Ideen und Verhandlungen in konkreten Situationen unter der Perspektive solcher Schubladen betrachtet werden, endet Politik.</p>
<p>Keine Ahnung, was man da tun kann. Es ist mir nicht gelungen, dieses Anliegen wirklich befriedigend anders auszudrücken, als mit dem F-Wort. Now what?</p>
<p>Bis mir etwas einfällt, lasse ich das Wort jetzt einfach mal links liegen. Soll es doch machen, was es will.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/antjeschrupp.wordpress.com/3818/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/antjeschrupp.wordpress.com/3818/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/antjeschrupp.wordpress.com/3818/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/antjeschrupp.wordpress.com/3818/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/antjeschrupp.wordpress.com/3818/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/antjeschrupp.wordpress.com/3818/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/antjeschrupp.wordpress.com/3818/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/antjeschrupp.wordpress.com/3818/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/antjeschrupp.wordpress.com/3818/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/antjeschrupp.wordpress.com/3818/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/antjeschrupp.wordpress.com/3818/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/antjeschrupp.wordpress.com/3818/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/antjeschrupp.wordpress.com/3818/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/antjeschrupp.wordpress.com/3818/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=3818&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">katharinalll</media:title>
		</media:content>

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			<media:title type="html">Unbenannt-1 Kopie</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Rape is always about power and domination; it is sexualized violence.</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2011/05/23/rape-is-always-about-power-and-domination-it-is-sexualized-violence/</link>
		<comments>http://antjeschrupp.com/2011/05/23/rape-is-always-about-power-and-domination-it-is-sexualized-violence/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 23 May 2011 13:20:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Strauss-Kahn]]></category>
		<category><![CDATA[Vergewaltigung]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Zusammenhang mit der Strauss-Kahn Affäre und der Berichterstattung dazu habe ich mich doch sehr gehörig darüber gewundert, dass unsere Qualitätsmedien von taz bis Spiegel auch heute noch allen Ernstes der Meinung sind, dass Vergewaltigung und Sex irgendwie dasselbe sind. Oder doch zumindest so eng verwandt, dass man in Überschriften das eine durchaus mal für [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=3691&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Zusammenhang mit der Strauss-Kahn Affäre und der Berichterstattung dazu habe ich mich doch sehr gehörig darüber gewundert, dass unsere Qualitätsmedien von <em>taz</em> bis <em>Spiegel</em> auch heute noch allen Ernstes der Meinung sind, dass Vergewaltigung und Sex irgendwie dasselbe sind. Oder doch zumindest so eng verwandt, dass man in Überschriften das eine durchaus mal für das andere verwenden kann. <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/e78aead3fd5044f88ff61eb054d64f20" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Ich will mich in den nächsten Tagen drüben im <a href="http://liebe.antjeschrupp.de/" target="_blank">Liebe- Blog</a> einmal genauer mit dem Zusammenhang von Sexualität und Gewalt beschäftigten. Aber es wird noch etwas dauern, bis ich dazu komme. Einstweilen dokumentiere ich hier eine soeben veröffentlichte Stellungnahme von Feministinnen aus verschiedenen Ländern, die noch einmal das Selbstverständliche klarstellen: Dass es bei Vergewaltigung NICHT um sexuelle Lust geht, sondern um die Lust an Macht und an Dominanz.</p>
<p><strong>Feminists Demand Let Justice Be Done</strong></p>
<p>Rape and sexual harassment of women are pervasive at all strata of society and in all corners of the globe. Women will never be fully free and able to enjoy equality with men until this ends. As feminists, we see the arrest of former International Monetary Fund director Dominique Strauss-Kahn on sexual assault charges as an opportunity to increase public awareness and as a wake-up call to renew action against sexual violence, not only in the US where his arrest occurred and in France, where media and many public figures are portraying him as the victim, but around the world.</p>
<p>We join French feminists in saying that just as Strauss-Kahn is innocent until proven guilty, his accuser must also be respected and believed to be credible unless proven false. We commend her employer, Sofitel, and the action of the NYC Police for taking her complaint seriously. We call for feminists around the world to join with her union (New York Hotel and Motel Trades Council Local 6) in collecting funds for legal and daily expenses, as her work is now curbed and life circumstances vastly altered. Funds and support are urgently needed to counter a common dynamic in these cases—the pressure to settle out of court for a fee. Contributions can be sent to Judson Memorial Church (attention Women&#8217;s Fund) 55 Washington Square South, New York, NY 10012-1018. The rich and powerful must not be allowed to buy the silence of victims; this crime must have its day in court.</p>
<p>We also share French feminist indignation at the deliberate and opportunistic confusion of seduction and sexual violence, from Strauss-Kahn&#8217;s declaration that he &#8222;loves women,&#8220; to the journalists and politicians who rally behind this &#8222;Great Seducer.&#8220; It is outrageous that the allegation of attempted rape during the course of a housekeeper&#8217;s work day raises issues about this woman&#8217;s life story and sexual history. And portraying powerful Strauss-Kahn as &#8222;too civilized&#8220; to commit a violent crime plays upon colonial and racist stereotypes vis-à-vis an African immigrant woman.</p>
<p>We adamantly oppose all harassment, sexual violence and rape, and we know that when there is a large discrepancy between the power, the wealth and racial hierarchy of the parties involved, justice is even harder to come by. All rapists and harassers believe they are entitled, and often when they are part of the power elite they assume that influence will outweigh the legal protection and freedom from coercion all women should enjoy. Feminists around the world demand that justice be done.<br />
Women of all countries, unite!</p>
<p><strong>This statement was initiated by the following feminists:</strong><br />
Bettina Aptheker, CA, U.S. &#8211; Lori Askeland, OH, U.S. &#8211; Eleanor J. Bader, NY, U.S. &#8211; Rosalyn Baxandall, NY, U.S. &#8211; Halina Bendkowski, Berlin, Germany &#8211; Saliha Boussédra, Toulouse, France &#8211; Eileen Boris, CA, U.S. &#8211; Ariel Dougherty, NM, U.S. &#8211; Roxanne Dunbar-Ortiz, CA, U.S. &#8211; Judith Ezekiel, Toulouse, France &#8211; Francisca de Haan, Amsterdam, the Netherlands &#8211; Myrna Hill, CA, U.S. &#8211; Merle Hoffman, NY, U.S. &#8211; Barrie Karp, NY, U.S. &#8211; Bea Kreloff, NY, U.S. &#8211; Tobe Levin von Gleichen, Frankfurt, Germany &#8211; Ilana Lowy, Paris France &#8211; Fran Luck, NY, U.S. &#8211; Claire G. Moses, VA, U.S. &#8211; Marge Piercy, MA, U.S. &#8211; Fanette Pollack, NY, U.S. &#8211; Marilyn Porter, Newfoundland, Canada &#8211; Deborah Rosenfelt, MD, US &#8211; Kathryn Scarbrough, NJ, U.S. &#8211; Donna Schaper, NY, U.S. &#8211; Lise Vogel, NY, U.S. &#8211; Suzanna Walters, IN, U.S. &#8211; Naomi Weisstein, NY, U.S. &#8211; Barbara Winslow, NY, U.S. &#8211; Laura X, CA, U.S. -</p>
<p><strong>Also signed by:<br />
<span class="Apple-style-span" style="font-weight:normal;">Carol Hanisch, NY, U.S. &#8211; </span></strong>Jane Barry, PA, U.S. &#8211; Nancy Krieger, MA, U.S. &#8211; Vicki Nichols, VA, U.S. &#8211; Mary Carlson, CA, U.S. &#8211; Shailja Patel, Nairobi, Kenya &#8211; Elaine Shinbrot, NJ, U.S. &#8211; Barbara Rylko-Bauer, MI, U.S. &#8211; Amanda Frisken, NY, U.S. &#8211; Dabney Evans, GA, U.S. &#8211; Trude Bennett, NC, U.S. &#8211; Amy Kessleman , NY, U.S. &#8211; Therese McGinn, NY, U.S. &#8211; Carolina Neiva Viancello, Brussels, Belgium &#8211; Comfort Momoh, London, UK &#8211; Naana Otoo-Otortoy, London, UK &#8211; Abebah Tekleab, Stockholm, Sweden &#8211; Khady Koita, Tervuren, Belgium &#8211; Ambara Hashi Nur, Aarhus, Denmark &#8211; Etenesh Hadis, Vienna, Austria &#8211; Batulo Essek, Helsinki, Finland &#8211; Julie Kakiese, Brussels, Belgium &#8211; Fana Habteab, Uppsala, Sweden &#8211; Maretta Short, NJ, USA &#8211; Martha Vicinus, MA, USA &#8211; Rosalind Petchesky, NY, U.S. &#8211; Lauri Andress, TX, U.S &#8211; Susan Reverby, MA, U.S. &#8211; Leslie Dubbin, CA, U.S. &#8211; Ellen Ross, NY, U.S. &#8211; Temma Kaplan, NY, U.S. &#8211; Troy Shinbrot, NJ, U.S. &#8211; Roberta Salper, MA, U.S. &#8211; Stephanie Gilmore, DE, U.S. &#8211; Susan Brownmiller, NY, U.S. &#8211; Laura Anker, NY, U.S. &#8211; Kathleen Slaon, CT, U.S. &#8211; Chris Coombe, MI, US &#8211; Abby Lippman, Quebec, Canada &#8211; Linda Stein, NY, U.S. &#8211; Rosemary Szegda, NJ, U.S. &#8211; Estelle Regolsky, MA, U.S. &#8211; Brigitte Bramie, Paris France &#8211; Guylène Deasy, NC, U.S. &#8211; Monique Dental, Paris, France &#8211; Alice Ngyone Endamne, CA, U.S. &#8211; Jules Falquet, Paris, France &#8211; Suzy Rojtman, Paris, France &#8211; Maya Surduts, Paris, France &#8211; Anne-Marie Viossat, Paris, France &#8211; Rebecca Whisnant, OH, US &#8211; Bronwyn Winter, Sydney Australia &#8211; Estelle B. Freedman, CA, U.S. &#8211; Anne-Emanuelle Birn, Ontario, Canada &#8211; Juliet Ash, London, England &#8211; Barbara Garson, NY, U.S. &#8211; Laura Flanders, NY, U.S. &#8211; Marilyn Zivian, CA, U.S. &#8211; Nísia Trindade Lima, Rio de Janeiro, Brasil &#8211; Heather Booth, Washington, DC, U.S. &#8211; Eve Ensler, Paris, France &#8211; Leila J. Rupp, CA, U.S. &#8211; Kathryn Kish Sklar, NY, U.S. &#8211; Joan Ditzion, MA, U.S. &#8211; Sonia Fuentes, FL, U.S. &#8211; Chandra L. Ford, CA, U.S. &#8211; Aida Hurtado, CA, U.S. &#8211; Alison Williams, NJ, U.S. &#8211; Elizabeth Pleck, IL, U.S. &#8211; Shelley Fisher Fishkin CA, U.S. &#8211; Leslie J. Reagan, IL, U.S. &#8211; Leisa D. Meyer, VA, U.S. &#8211; Katha Pollitt, NY, U.S. &#8211; Yanar Mohammed, Baghdad, Iraq &#8211; Sonia Jaffe Robbins, NY, U.S. &#8211; Alia Shinbrough, NJ, U.S. &#8211; JoAnn Jaffe, Saskatchewan, CA. &#8211; Dee Appleby, SC, U.S. &#8211; William Scarbrough III, SC, U.S.</p>
<p><a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E09EFE44C7DDB4CF4934725AC3E72C237~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">hier noch eine gute Analyse von Nils Minkmar in der FAZ zum Thema</a></p>
<p><a href="http://flattr.com/thing/285290/Rape-is-always-about-power-and-domination-it-is-sexualized-violence-" target="_blank"><br />
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Danke für die Spende!</p>
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		<item>
		<title>Die &#8222;radikal-feministische Matriarchatsbewegung&#8220; im Shitstorm</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2011/05/17/die-radikal-feministische-matriarchatsbewegung-im-shitstorm/</link>
		<comments>http://antjeschrupp.com/2011/05/17/die-radikal-feministische-matriarchatsbewegung-im-shitstorm/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 17 May 2011 10:55:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Göttner-Abendroth]]></category>
		<category><![CDATA[Matriarchatsforschung]]></category>

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		<description><![CDATA[Oh je, die „radikal-feministische Matriarchatsbewegung“ hat sich am vergangenen Wochenende zu einem Kongress in St. Gallen getroffen – und die Schweizer Medien liefen zu Panik auf. „Vorträge und spirituelle Rituale“ hielten „die siebzigjährige“ Heide Göttner-Abendroth und „ihre radikal-feministische Bewegung“ ab, und das Ganze wurde von der Stadt St. Gallen auch noch mit der unglaublichen Summe [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=3677&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3679" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/05/imgp0665.jpg"><img class="size-full wp-image-3679" title="IMGP0665" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/05/imgp0665.jpg?w=500&#038;h=375" alt="" width="500" height="375" /></a><p class="wp-caption-text">Beim Matriarchats-Kongress in St. Gallen. Foto: Ina Praetorius</p></div>
<p>Oh je, die „radikal-feministische Matriarchatsbewegung“ hat sich am vergangenen Wochenende zu einem <a href="http://kongress-matriarchatspolitik.ch/" target="_blank">Kongress</a> in St. Gallen getroffen – und die Schweizer Medien liefen zu Panik auf. „Vorträge und spirituelle Rituale“ hielten „die siebzigjährige“ Heide Göttner-Abendroth und „ihre radikal-feministische Bewegung“ ab, und das Ganze wurde von der Stadt St. Gallen auch noch mit der unglaublichen Summe von 5000 Franken unterstützt. <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/600b3ec024a14c6583f9bdd454ae5941" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Aufgedeckt hat diesen Skandal die <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/steuergelder_zum_wohl_des_matriarchats_1.10505689.html" target="_blank">NZZ</a>, und ihr Kronzeuge waren der evangelische „Sekten-Experte“ Georg Otto Schmid, für den die „Feministinnengruppe“ eine fundamentalistisch-religiöse Bewegung ist, und Martina Schäfer vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund, die behauptete, Göttner-Abendroth würde „die Priesterinnen propagieren und Menschenopfer glorifizieren“. Selten so einen Quatsch gelesen!</p>
<p>Über den Umgang der Medien mit dem „Matriarchatsflügel“ der Frauenbewegung wollte ich eigentlich vor zwei Jahren schon mal was schreiben. Damals gab es nämlich einen ähnlichen <a href="http://www.bzw-weiterdenken.de/2008/06/internationaler-muttergipfel-2008-ein-uberblick/" target="_blank">Kongress</a> in Karlsruhe, eine große Sache, 450 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, aber in den Medien kam das nicht vor. Wahrscheinlich deshalb nicht, weil sich damals kein Sektenbeauftrager gefunden hat, den man als Zeugen anrufen konnte. Und so viel Mühe, sich selber in das Thema einzuarbeiten, macht sich natürlich kein vernünftiger Journalist.</p>
<p>Ich will aber gar nicht über die Medien lamentieren, von denen ich mir im Bezug auf das Verständnis für feministische Diskurse ohnehin nicht viel erwarte. Sondern ich möchte darauf hinweisen, dass sich hier eine Spaltung innerhalb der politischen Bewegung der Frauen zeigt, die bis heute schädliche Nebenwirkungen hat. Die Spaltung reicht bereits in die 1970er Jahre zurück, als sich „politische“ und „spirituelle“ Frauen voneinander entfernten (oder erst gar nicht zusammen kamen).</p>
<p>Die Konflikte waren durchaus ernst zu nehmen, und ich selbst würde mich inhaltlich eher auf der „politischen“ Seite verorten. Aber im Lauf der Jahrzehnte ging die Spaltung darüber hinaus. Die inhaltlichen Differenzen wurden sozusagen überlagert und erweitert von Differenzen der politischen Praxis, die man, vielleicht etwas verkürzt, aber doch einordnen könnte in eine „realpolitische“ und eine – tatsächlich – „radikal-fundamentalistische“ Strategie.</p>
<p>Die „politischen“ Feministinnen haben sich inzwischen weitgehend in die bestehenden gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen integriert. Aus autonomen Frauenzentren wurden staatlich finanzierte Beratungs- und Hilfseinrichtungen, aus der Kritik an männlich-politischen Strukturen wurden bei den Verwaltungen angestellte Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, und radikale Ideen finden sich höchstens noch an den Universitäten, wo ihre Radikalität in wissenschaftlichem Jargon untergeht und über kleine akademische Kreise hinaus kaum Alltagswirkung hat. Der öffentliche Diskurs über Frauen und Männer ist heillos in blau und rosa verkitscht oder beschränkt sich auf Karriere- und Sexyness-Tipps und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.</p>
<p>Und das ist der Grund, warum ich den Gestus, die Alltags-Radikalität und das Selbstbewusstsein bewundere, mit der die „Matriarchats-Feministinnen“ im konkreten Handeln und Leben deutlich machen, dass sie das Patriarchat nicht verbessern oder gendergerecht reformieren wollen, sondern seine grundsätzlichen Strukturen hinterfragen. Und zwar nicht in nur in der Theorie, sondern im konkreten Versuch, Alternativen zu denken und zu leben. Auch wenn ich viele ihrer Schlussfolgerungen nicht teile, so halte ich ihre Entschlossenheit, sich nicht anzupassen und nicht vereinnahmen zu lassen, für beispielhaft.</p>
<p>Ganz abgesehen davon, dass viele ihrer Forschungen und Erkenntnisse zur Geschichte der Entstehung des Patriarchats wichtig und klug sind. Ohne die Arbeiten von Frauen wie Heide Göttner-Abendroth oder Gerda Weiler und vielen anderen wären wir heute nicht da, wo wir sind – auch die Emanzipations- und Gender-Feministinnen nicht.</p>
<p>Ina Praetorius, die beim Kongress in St. Gallen ein kritisches <a href="http://www.inapraetorius.ch/d/der-besondere-text.php" target="_blank">Referat</a> gehalten hat, kommentierte den anschließenden medialen Shitstorm mit den Worten: „Das Hauptproblem an dieser Kampagne gegen den Matriarchatskongress ist nicht, dass die Veranstalterinnen keine Kritik verdient hätten, sondern dass sich auf absehbare Zeit wieder keinE GeschichtslehrerIn trauen wird, das Wort „Matriarchat“ und angrenzende Begriffe auch nur vorsichtig-hypothetisch in den (Klassen-)Raum zu stellen.“</p>
<p>Genau so ist es. Die Matriarchatsforschung ist aber ein wichtiger und wesentlicher Teil der feministischen Ideengeschichte. Sie sollte zu unserem kulturellen Repertoire gehören und entsprechend gewürdigt werden.</p>
<p><a href="http://ingejahn.blogspot.com/2011/05/der-3-internationale.html" target="_blank">Hier noch ein Blogpost von Inge Jahn, die bei dem Kongress war</a></p>
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<p>Danke für die Spende!</p>
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		<title>Re:publica meets Feminism</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2011/04/18/republica-meets-feminism/</link>
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		<pubDate>Mon, 18 Apr 2011 13:36:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Differenzphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
		<category><![CDATA[Re:publica]]></category>

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		<description><![CDATA[Da ich dieses Jahr schon wieder nicht auf der Republica war – eigentlich aus denselben Gründen wie letztes Jahr – aber mich doch darüber gefreut habe, dass im Vergleich zu früher recht viele Frauen dort waren, habe ich das ein oder andere im Livestream angeschaut und war auch gespannt auf die Berichte hinterher. Hier, was [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=3583&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3588" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/04/fotolia_349908_m_klein.jpg"><img class="size-full wp-image-3588" title="Fotolia_349908_M_klein" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/04/fotolia_349908_m_klein.jpg?w=500&#038;h=382" alt="" width="500" height="382" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Thomas Berg - Fotolia.com</p></div>
<p>Da ich dieses Jahr schon wieder nicht auf der Republica war – eigentlich aus <a href="http://antjeschrupp.com/2010/04/13/ich-bin-dann-mal-woanders/" target="_blank">denselben Gründen</a> wie letztes Jahr – aber mich doch darüber gefreut habe, dass im Vergleich zu früher recht viele Frauen dort waren, habe ich das ein oder andere im Livestream angeschaut und war auch gespannt auf die Berichte hinterher. Hier, was mir aufgefallen ist. <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/9b3f8d4311a14aa9ba366fedbac27d6b" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p><strong>1. Dreißig Prozent Frauen sind gefühlte Gleichberechtigung</strong></p>
<p>Diese alte Faustregel scheint sich auch hier zu bewahrheiten. Wurde letztes Jahr noch über den niedrigen Frauenanteil auf den Panels diskutiert, so scheint in diesem Jahr nach allgemeiner Einschätzung zahlenmäßig alles Paletti gewesen zu sein. Manch einer <a href="http://www.elcario.de/republica-2011-das-war-nichts-rp11/1847/" target="_blank">schrieb</a> gar, dass „gefühlt jede zweite Session“ was mit diesem Frauenzeugs zu tun hatte.</p>
<p>Dieses Auseinanderdriften von faktischer und gefühlter Frauenpräsenz ist typisch für eine Gesellschaft, die zwar Gleichberechtigung befürwortet, aber doch symbolisch männlich bleibt. Denn dreißig Prozent heißt: Der Frauenteil ist nicht mehr gar so arg niedrig, dass ganz offensichtlich irgendwas im Argen liegt. Und dann kann man es damit ja bewenden lassen.</p>
<p>Ich finde allerdings, man sollte sich hier nicht nur von Gefühlen leiten lassen, sondern objektiv bleiben und sich an die Zahlen halten. Dreißig Prozent sind zwar nicht nichts, sie mögen sogar eine gefühlte Übermacht sein, mathematisch sind sie aber nicht mal ein Drittel.</p>
<p><strong>2. Frauen sind okay, aber bitte nicht über Feminismus reden</strong></p>
<p>Auch über die reinen Zahlen hinaus, ob real oder gefühlt, wurde Unbehagen geäußert. Zwar nicht gegen die Anwesenheit von Frauen an sich, aber gegen das, was sie redeten. Zu viel Feminismus. Mich hat das zunächst erstaunt, denn mir war positiv aufgefallen, dass die meisten der von Frauen initiierten Panels sich gerade <em>nicht</em> explizit mit Feminismus beschäftigten, sondern allgemeine Themen aufgriffen – den Umgang mit Trollen, die Repräsentanz marginalisierter Gesellschaftsgruppen, das Flittern…</p>
<p>Aber es ist natürlich klar, wieso dieser Eindruck entstand, von Feminismus geradezu umzingelt zu sein: Auf diesen Podien saßen Frauen und auch einige Männer, die in diese „allgemeinen“ Themen eine feministische Sicht einbrachten. Die also die Geschlechterdifferenz als Analysekategorie ins Spiel brachten – und das machte dann in der Wahrnehmung vieler die gesamte Veranstaltung zu einem „Feminismusdings“. (Hier eine <a href="http://diegoerelebt.wordpress.com/2011/04/16/cyberfeminismus-republica/" target="_blank">schöne Analyse</a> von Dörte Giebel)</p>
<p>Ich nenne das die „Simone de Beauvoir-Falle“. Denn Beauvoir war die erste, die dieses Schicksal ereilte. Von einer anerkannten Philosophin und maßgeblichen Vertreterin des Existenzialismus mutierte sie in der öffentlichen Wahrnehmung zu einer „Frauen-Frau“, als sie <em>Das andere Geschlecht</em> herausbrachte. Indem sie sich der Analyse der Geschlechterverhältnisse zuwandte, hatte sie ihren Status als <em>allgemeingültige</em> Denkerin verspielt. Und das, obwohl sie sich selbst nicht einmal als Feministin verstand (zu dem Zeitpunkt, der Frauenbewegung schloss sie sich erst später an).</p>
<p>Dieser Mechanismus bringt Frauen in ein ernstes Dilemma und ist meiner Ansicht nach einer der Hauptgründe dafür, warum sich viele nicht mit der Frauenbewegung und dem Feminismus identifizieren möchten. Denn wenn sie in ihren Fachgebieten einflussreich sein möchten, ist es faktisch kontraproduktiv, das Frausein zum Thema zu machen. Helga Hansen bringt das Dilemma in einem <a href="http://hanhaiwen.wordpress.com/2011/04/18/nochmal-zur-vielfaeltigkeit-der-rp11/" target="_blank">Rückblick zur Republica</a> auf den Punkt, wenn sie fragt: „Muss ich in Zukunft verschweigen, dass ich Feministin bin, damit mich auch ZDFneo ernst nimmt, oder vielleicht gleich als Mann auftreten, damit meine Themen endlich als hart angesehen werden?“</p>
<p>Ja, genau das ist der Vorschlag, den die „gleichberechtigte“ Welt den Frauen macht. Wobei, wohlbemerkt, dieses „als Mann auftreten“ nicht etwa bedeutet, dass dabei Geschlechtergrenzen und Stereotype überwunden werden. Denn wie sollte man etwas überwinden, das man gar nicht thematisieren darf, sondern als nebensächlich betrachten muss?</p>
<p>Frausein als solches ist kein Problem. Das Frausein zu <em>thematisieren</em> ist das Problem. Dass Simone de Beauvoir eine Frau war, wusste jeder, auch schon lange bevor sie „Das andere Geschlecht“ schrieb. Dass sie eine Frau war, gefährdete ihre Position als „echter Philosoph“ nicht. Aber dass sie ein Buch über das Frausein schrieb, in Kombination mit der Tatsache, dass sie selbst eine Frau (also quasi eine „Betroffene“) war – das war es, was sie als allgemeine Philosophin disqualifizierte.</p>
<p>Der Knackpunkt ist also damals wie heute nicht die Frage: Wie kommen Frauen irgendwo rein? Sondern: Wie können Frauen die Geschlechterdifferenz thematisieren, ohne dass sie deswegen den Status von etwas „Besonderem“ bekommen und in der Konsequenz dann nicht mehr auf das gehört wird, was sie zu sagen haben? (Bei einer Tagung zum Thema „Sichtbar und einflussreich, ohne sich anzupassen haben wir das vor einiger Zeit schon einmal diskutiert. Hier ein <a href="http://www.bzw-weiterdenken.de/2010/01/noch-einmal-sichtbar-und-einflussreich-ohne-sich-anzupassen/" target="_blank">Protokoll</a>).</p>
<p>Etwas hat sich immerhin seit den Zeiten von Beauvoir geändert: Es gibt heute auch Männer, und nicht mal wenige, die die Geschlechterdifferenz kritisch thematisieren und denen dabei die Freiheit der Frauen am Herzen liegt. Damals hingegen war es zwar Jean-Paul Sartre, der die Idee hatte, man müsse mal die Geschlechterdifferenz aus einer existenzialistischen Perspektive heraus analysieren. Aber diese Idee kam ihm nur, um das Projekt Beauvoir vorzuschlagen. Wieso hat er das Buch eigentlich nicht selbst geschrieben? Und: Wäre sein Status als &#8222;Philosoph&#8220; dadurch ebenfalls gefährdet gewesen?</p>
<p>Ich würde mich gerne mal mit feministischen Männern darüber austauschen, ob sie auch die Erfahrung machen, „partikularisiert“ zu werden, sobald sie in nicht-feministischen Kontexten Geschlechterverhältnisse zum Thema machen. Oder ob die Tatsache, dass sie ein Mann sind, sie vor dieser Falle schützt. Vielleicht ergibt sich ja mal die Gelegenheit.</p>
<p><strong>3. Differenzen unter Frauen</strong></p>
<p>Die symbolische Unordnung einer Welt, in der das Männliche weiter die Norm bleibt und das „Sprechen für die Allgemeinheit“ an die Bedingung geknüpft ist, dass expliziter Feminismus tabu bleibt, hat eine bedenkliche Nebenwirkung: Es erschwert eine fruchtbare Diskussion von Frauen untereinander. Denn das ganze Setting bringt Frauen, die das Geschlechterverhältnis dennoch thematisieren, in eine gewisse Verteidigungshaltung. Angesichts all der unqualifizierten Angriffe ist die Versuchung groß, zusammenzurücken, sich gegenseitig zu loben, zu unterstützen, zu feiern.</p>
<p>Das ist natürlich auch wichtig. Aber jede Theorie, jede politische Bewegung, jede Initiative, die Neues in die Welt bringen will, braucht auch ein echtes, kritisches Feedback. Denn wie soll ich mich weiterentwickeln, wie soll ich Fehler entdecken, wie soll ich auf neue Ideen kommen, wenn niemand mich kritisiert? Wenn niemand mir sagt, was ich besser machen kann, wenn mich niemand darauf hinweist, wenn mir etwas nicht gelungen ist? Das ist die schwierigste Aufgabe, die aus meiner Sicht nun ansteht: Eine konfliktreiche, aber gerade deshalb fruchtbare Diskussion unter Frauen und feministischen Männern hinzukriegen.</p>
<p>Am Anfang dieser Diskussion steht eine Entscheidung, die jede persönlich treffen muss: Wem höre ich zu, mit wem rede ich, mit wem setze ich mich auseinander? Und mit wem nicht? Das ist die berühmte „Politik der Beziehungen“, die die Frauenbewegung erfunden hat. Und zwar mit der Erkenntnis, dass es nichts bringt, dieses „Mit wem rede ich? Mit wem setze ich mich in eine Beziehung?“ davon abhängig zu machen, mit wem ich inhaltlich übereinstimme und mit wem nicht (wie es in der „Parteipolitik“ üblich ist).</p>
<p>Die Frage ist, ob man die Auseinandersetzung mit dieser bestimmten Person für interessant und spannend hält. Ob ich ihr oder ihm Autorität zuspreche – zum Beispiel die Autorität, mein Handeln kritisch zu beurteilen. Die Philosophin Andrea Günter hat das einmal so beschrieben: Autorität hat für mich eine, mit deren Ansichten ich <em>nicht</em> übereinstimme, bei der ich aber doch nicht umhin kann, mich mit ihr auseinanderzusetzen.</p>
<p>Bloße Solidarität unter Frauen bringt nicht weiter, auch nicht angesichts einer weitgehend ignoranten Umgebung. Es sind unsere Differenzen, die uns weiterbringen, an denen entlang wir neue Erkenntnisse gewinnen, mehr Sicherheit im Handeln und den Mut zu Visionen, die über das Immergleiche hinausgehen.</p>
<p>Auch im Zusammenhang mit Republica-Rückblicken sind ja erste Differenzen unter Frauen schon aufgekommen. Ich finde, genau das ist ein ganz hervorragender Ausgangspunkt für weitere feministische Netzpolitik.</p>
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		<title>Der Feminismus ist schuld? Aber ja doch, gern geschehen!</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 14:39:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Dass der Feminismus an allem Möglichen Schuld ist, an der Verlotterung der Sitten, der Verwahrlosung der Kinder, der sozialen Kälte, dem Verschwinden der Weiblichkeit, dem Ende der Liebe, schlechten Arbeitsbedingungen, der Ermordung unschuldiger Kinder und wahrscheinlich auch am schlechten Wetter, das wissen wir schon lange. Wann immer mal wieder so ein Vorwurf vorgetragen wird – [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=3546&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3551" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/04/feminismus2.jpg"><img class="size-full wp-image-3551" title="Feminismus2" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/04/feminismus2.jpg?w=500&#038;h=414" alt="" width="500" height="414" /></a><p class="wp-caption-text">Kein Grund für Rechtfertigungen: Die Welt muss sich wohl ein bisschen verändern.</p></div>
<p>Dass der Feminismus an allem Möglichen Schuld ist, an der Verlotterung der Sitten, der Verwahrlosung der Kinder, der sozialen Kälte, dem Verschwinden der Weiblichkeit, dem Ende der Liebe, schlechten Arbeitsbedingungen, der Ermordung unschuldiger Kinder und wahrscheinlich auch am schlechten Wetter, das wissen wir schon lange.</p>
<p>Wann immer mal wieder so ein Vorwurf vorgetragen wird – aktuell zum Beispiel vom britischen Wissenschaftsminister <a href="http://www.guardian.co.uk/politics/2011/apr/01/david-willetts-feminism-lack-of-jobs" target="_blank">David Willetts</a>, der dem Feminismus zuschreibt, Schuld an der Chancenlosigkeit männlicher Arbeiter zu sein – wird von feministischer Seite Protest laut. Nein, nicht der Feminismus sei schuld, sondern der Kapitalismus, die Männer, die Kirche, die Machthaber und die Schlechtigkeit der Welt generell. (Ähnlich argumentierten auch manche in den Kommentaren zu meinem Blogpost: <a href="http://antjeschrupp.com/2011/03/29/gleich-und-gleich-ergibt-arm-und-reich-so-ein-mist/" target="_blank">Gleich und Gleich ergibt Arm und Reich</a>)</p>
<p>Ich habe in letzter Zeit den starken Impuls, diese defensive Haltung aufzugeben und stattdessen offensiv zu entgegnen: Ja, so ist es! Der Feminismus ist an all dem Schuld, und was ist das für ein Glück! Denn die verklärte gute alte Zeit hatte eine große Schattenseite, nämlich die Verleugnung weiblicher Freiheit. Damit ist jetzt aber Schluss. Frauen haben aufgehört, in erster Linie nützlich für die Allgemeinheit zu sein, und angefangen, ihre eigenen Visionen, Ideen und Ziele zu verfolgen. Alle Probleme, die sich daraus eventuell ergeben, müssen heute also auf einer neuen Grundlage gelöst werden. Besser, wir fangen möglichst schnell damit an.</p>
<p>Hinter der defensiven Haltung, die bestreitet, dass der Feminismus irgendwelche problematischen oder zumindest klärungsbedürftigen Nebeneffekte hat, steckt, so glaube ich, eine falsche Vorstellung. Und zwar die, dass sich die Frauen einfach so als Gleiche in die Welt der Männer integrieren ließen und ansonsten alles beim Alten bleiben könnte. Ziemlich oft wird so über die Emanzipation der Frauen gesprochen: Als wären wir damals bei der Erfindung von Gleichheit und Demokratie quasi „vergessen“ worden, und jetzt, wo das aufgefallen ist, werden wir eben gleichgestellt und damit hat es sich. So als wäre die Freiheit der Frauen bloß eine kleine Fußnote der Geschichte, die das Große und Ganze nicht weiter betrifft.</p>
<p>Tatsächlich glauben ja viele Männer und auch viele jüngere Frauen, das Ganze gehe sie eigentlich nichts an. Den Feministinnen wird ein bisschen applaudiert, klar, es war ja richtig, dafür zu sorgen, dass die offensichtlich undemokratische Diskriminierung von Frauen abgeschafft wird. Aber jetzt ist dann auch mal gut. Schnee von gestern, das alles.</p>
<p>Dabei wird schlicht übersehen, dass die Frauenbewegung eine sehr erfolgreiche soziale und politische Bewegung war, vielleicht die erfolgreichste überhaupt, die die westliche Welt je erlebt hat. Wo sonst ist denn gesellschaftlich so viel umgewälzt worden wie beim Verhältnis der Geschlechter? Noch vor wenigen Jahrzehnten war es ein Skandal, dass eine Frau im Bundestag Hosen trug. Noch vor einer Generation war die Erwerbstätigkeit von Frauen alles andere als selbstverständlich. Noch vor zwei Generationen war die Mädchenbildung in einem katastrophalen Zustand und glaubten die meisten Frauen selbst, sie wären auf Grund ihres Geschlechtes von Natur aus weniger wert als Männer.</p>
<p>Ein Hauptgrund dafür, warum die Frauenbewegung nicht als relevante politische Bewegung wahrgenommen wird, liegt wahrscheinlich darin, dass sie sich nicht der üblichen Formen politischer Instrumentarien bedient hat. Keine Parteien, keine Statuten, keine Ämter und nur ganz wenig Institutionalisierung. Die politische Praxis der Frauen war und ist eine andere: Persönliche Bewusstseinsarbeit, eine Politik der Beziehungen zu anderen Frauen, daraus resultierende andere Verhaltensweisen. Politik im Alltag, in erster Person, im Konkreten.</p>
<p>Das alles war zwar ziemlich effektiv, gilt aber im allgemeinen Bewusstsein gar nicht als Politik. Wer keinen Präsidenten gestürzt hat, wird nicht ernst genommen, nicht einmal wahrgenommen. Es ist kein Zufall, dass der Männer-Mainstream das Thema erst bemerkt hat, als Angela Merkel Kanzlerin wurde. Und dass es erst eine Quotendebatte brauchte, um die Frauenfrage talkshowkompatibel zu machen. Ups, so geht jetzt plötzlich ein Raunen durch die erregte Öffentlichkeit, die Frauen sind ja nicht einfach nur da, sie wollen ja sogar Sachen verändern!</p>
<p>Das Missverständnis, die Frauenbewegung betreffe nur die Frauen selbst und nicht die Welt insgesamt, wurde historisch gesehen allerdings zuweilen auch von Feministinnen bedient. Keine Sorge, argumentierten sie zum Beispiel vor hundert Jahren, ihr könnt uns ruhig das Wahlrecht geben, wir werden weiter kochen, waschen, putzen und Kinder erziehen.</p>
<p>Einerseits war es vielleicht strategisches Argumentieren. Die Frauenrechtsbewegung wäre schließlich kaum erfolgreich gewesen, wenn sie von Anfang an gesagt hätte: Ja, wenn ihr uns das Wahlrecht gebt und wenn wir erstmal gleichberechtigt sind, dann werden wir dafür sorgen, dass ihr Männer einen Teil der Hausarbeit übernehmen müsst, dass ihr euch um eure Kinder kümmern müsst, dass ihr eure Geschäfte nicht mehr nach Dienstschluss im Puff verhandeln dürft, dass ihr euch andere Kommunikationsstile angewöhnen müsst und noch tausend andere Sachen mehr. Vielleicht war es klug, zu beschwichtigen und zu sagen: Nein, macht euch mal keine Sorgen, auch wenn wir gleiche Rechte haben, sind wir brav und es wird sich für euch dadurch erstmal kaum etwas verändern.</p>
<p>Vielleicht war es damals aber auch tatsächlich unvorstellbar, wie weitreichende Veränderungen in allen Lebensbereichen es nach sich ziehen würde, wenn Frauen den alten „Geschlechtervertrag“ (so ein Ausdruck von Carol Pateman) aufkündigen würden. Immerhin hatte die Gesellschaft samt männlicher Philosophie, Religion und Wissenschaft, jahrhundertelang ganz selbstverständlich geglaubt, dass Frau sein und frei sein sich gegenseitig ausschließt. Von einzelnen exorbitanten Ausnahmefrauen vielleicht mal abgesehen, die dafür dann zu Männern ehrenhalber ernannt wurden.</p>
<p>Wie krass verankert dieser Irrglaube war, begegnete mir kürzlich in einem historischen Rückblick auf die Einführung der Frauenordination in der evangelischen Kirche. Als die hessen-nassauische Kirchensynode im April 1959 über eine entsprechende Gesetzesänderung diskutierte, sagte ein Synodaler, der die Zulassung von Frauen zum Pfarramt unterstützte: „Was ist denn zu fürchten? Wieviel gibt es denn? Vielleicht fünf oder acht oder neun, die werden doch nicht das ganze Kirchengebiet überschwemmen.“</p>
<p>So schief kann man liegen! Heute beträgt der Anteil der Frauen in der evangelischen Pfarrerschaft über dreißig Prozent, Tendenz weiter steigend. Manche Herren befürchten längst eine „Feminisierung der Kirche“ – wie schrecklich! Welch ein Ansehensverlust! Da lohnt es sich ja gar nicht mehr, Herr Pfarrer zu werden, wenn das letztlich nichts Besseres mehr ist als eine über Gott redende Krankenschwester! (In der Tat habe ich auch den Begriff „Krankenschwesterisierung“ schon gehört).</p>
<p>Über diese Debatte empören sich logischerweise viele Theologinnen und wenden zum Beispiel ein, dass die katholische Kirche ja ansehensmäßig auch nicht besser da steht, obwohl sie doch dieses feministischen Zeitgeistgedöns nicht mitmacht. Oder sie betonen, dass Frauen genauso amtsmäßig hoheitsvoll Pfarrer sein können, wie man es sonst nur Männern zutraut.</p>
<p>Ich sage: Bullshit. Selbstverständlich bringt die Beteiligung von Frauen am Pfarramt eine „Feminisierung“ der Kirche mit. Und dasselbe gilt – hoffentlich! – auch für alle anderen ehemals den Männern vorbehaltenen Vereine und Institutionen, zu denen sie inzwischen „zugelassen“ sind. <em>Natürlich</em> kann nicht alles beim Alten bleiben, wenn Frauen frei sind, wenn sie mitmischen, wenn sie etwas zu sagen haben. Und natürlich geraten dabei auch ein paar Dinge durcheinander, tun sich neue Probleme auf. Es wird höchste Zeit, dass wir die gemeinsam angehen – freie Frauen und freie Männer mit ihren jeweiligen Wünschen, Absichten, Ideen und Visionen. Aber bitteschön <em>ohne</em> jede Debatte darüber, wie sich Frauen am besten für die Allgemeinheit nützlich machen sollen.</p>
<p>Ja, ich bekenne es: Der Feminismus ist schuld daran, dass alle Männer und auch Männer in Machtfunktionen sich dieser Debatte jetzt langsam mal stellen müssen. Gern geschehen.</p>
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