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	<title>Aus Liebe zur Freiheit &#187; Girls and Boys</title>
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	<description>Notizen zur Arbeit der sexuellen Differenz - von Antje Schrupp</description>
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		<title>Aus Liebe zur Freiheit &#187; Girls and Boys</title>
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		<title>Breaking! Das Rätsel Frau ist gelöst!</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Jan 2012 22:09:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Girls and Boys]]></category>
		<category><![CDATA[Stephen Hawking]]></category>

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		<description><![CDATA[So etwas Gentlemaneskes wie das kokette Eingeständnis von Stephen Hawking neulich gab es ja lange nicht mehr in Sachen Geschlechterdifferenz zu lesen: Frauen seien ihm ein komplettes Rätsel, bekannte er im Interview zu seinem 70. Geburtstag. Ich nehme an, dass er bei dieser Gelegenheit noch mehr gesagt hat, aber die meisten Medien haben diese eine [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=4577&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So etwas Gentlemaneskes wie das kokette Eingeständnis von Stephen Hawking neulich gab es ja lange nicht mehr in Sachen Geschlechterdifferenz zu lesen: Frauen seien ihm ein komplettes Rätsel, bekannte er im Interview zu seinem 70. Geburtstag. Ich nehme an, dass er bei dieser Gelegenheit noch mehr gesagt hat, aber die meisten Medien haben diese eine Antwort zum Aufmacher gemacht. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/5590747588404209bb98693cb9ea1987" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Bekanntlich ist aber die männliche Vorstellung, Frauen seien ein komplettes Rätsel, kein ganz taufrisches Klischee. Jahrhundertelang war das Mainstream. Der Neuigkeitswert liegt vielmehr darin, dass jemand das <em>heute</em> noch sagt (oder, wie die Mahner gegen die political correctness vermutlich sagen würden), sich heute noch (oder wieder) <em>traut</em>, so was zu sagen.</p>
<p>Das derzeitige Mantra lautet ja eher, dass Frauen im Prinzip ganz genauso sind wie Männer, bloß mit Lippenstift. Was gibt es da schon zu verstehen. Auch in diesem Blog erscheinen immer mal wieder Kommentare, in denen Männern mir erklären, wie Frauen sind und was sie tun (meistens in Widerspruch zu dem, was ich gebloggt habe, denn ich gehe ja nur von mir persönlich aus und bin, da selbst eine Frau und noch dazu <em>Feministin</em>, nicht in der Lage, das zu beurteilen).</p>
<p>Warum ich diesen kalten Kaffee noch einmal aufrühre, ist eine Idee, die ich beim Lesen des Hawking-&#8220;Geständnisses&#8220; hatte. Nämlich die, dass genau hier die Lösung für ein ganz anderes Mysterium liegen könnte: Das Mysterium nämlich, warum auf so vielen Veranstaltungen lauter Männer reden und kaum eine Frau. Das ist ja völlig unerklärlich, weil doch niemand etwas gegen die Beteiligung von Frauen hätte. Und weil Frauen erwiesenermaßen weder blöder noch uninteressierter noch sonstwas sind.</p>
<p>Meine Idee nun ist folgende: Diese beiden scheinbar so diametral entgegengesetzten Vorstellungen, die unter Männern über Frauen kursieren &#8211; &#8222;sie sind ein unerklärliches Mysterium&#8220; versus &#8222;sie sind ganz genauso wie wir&#8220; &#8211; sind nur die zwei Seiten derselben Medaille. Sie führen nämlich beide zu dem Schluss, dass es eigentlich keinen Grund gibt, mit Frauen zu reden. Denn welchen Sinn soll es haben, Frauen zuzuhören, wenn man schon von vornherein weiß, dass man sie nicht verstehen wird, weil sie ja so mysteriös sind? Oder welchen Sinn soll es haben, Frauen zuzuhören, wenn sie doch eh nichts anderes sagen werden als Männer auch?</p>
<p>Dabei wäre es doch eigentlich so einfach. Frauen sind nämlich keine Wesen vom anderen Stern. Man kann mit ihnen reden, echt jetzt. Und nicht nur, weil sich das heute nunmal so gehört für den toleranten Mann, sondern weil man dabei tatsächlich zuweilen Sachen erfährt, auf die man selber nicht gekommen wäre.</p>
<p>Aber natürlich nur, wenn&#8217;s einen auch interessiert.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/antjeschrupp.wordpress.com/4577/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/antjeschrupp.wordpress.com/4577/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/antjeschrupp.wordpress.com/4577/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/antjeschrupp.wordpress.com/4577/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/antjeschrupp.wordpress.com/4577/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/antjeschrupp.wordpress.com/4577/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/antjeschrupp.wordpress.com/4577/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/antjeschrupp.wordpress.com/4577/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/antjeschrupp.wordpress.com/4577/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/antjeschrupp.wordpress.com/4577/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/antjeschrupp.wordpress.com/4577/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/antjeschrupp.wordpress.com/4577/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/antjeschrupp.wordpress.com/4577/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/antjeschrupp.wordpress.com/4577/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=4577&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">katharinalll</media:title>
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		<title>Die Männer und das Patriarchat</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Nov 2011 13:48:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Girls and Boys]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Patriarchat]]></category>
		<category><![CDATA[Riccardo Fanciullacci]]></category>

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		<description><![CDATA[In einer der letzten Ausgaben von „Via Dogana“, der Zeitschrift des Mailänder Frauenbuchladens (Juni 2011), gibt es einen Artikel von Riccardo Fanciullacci, der sich unter dem Titel „Das Patriarchat ist zu Ende. Und wir?“ mit der Frage beschäftigt, mit welchen Themen und Herausforderungen es Männer heute zu tun haben. Mir scheinen seine Überlegungen interessant, und [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=4416&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4418" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/11/unbenannt-1-kopie.jpg"><img class="size-full wp-image-4418" title="Unbenannt-1 Kopie" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/11/unbenannt-1-kopie.jpg?w=500&#038;h=282" alt="" width="500" height="282" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Robert Kneschke - Fotolia.com</p></div>
<p>In einer der letzten Ausgaben von <a href="http://www.libreriadelledonne.it/Via%20Dogana/viadogana%20home.htm" target="_blank">„Via Dogana“</a>, der Zeitschrift des Mailänder Frauenbuchladens (Juni 2011), gibt es einen Artikel von Riccardo Fanciullacci, der sich unter dem Titel „Das Patriarchat ist zu Ende. Und wir?“ mit der Frage beschäftigt, mit welchen Themen und Herausforderungen es Männer heute zu tun haben. Mir scheinen seine Überlegungen interessant, und vielleicht sind sie das ja auch für den ein oder anderen Mann im deutschen Kontext. Wobei er aus der Position eines Mannes schreibt, der vom Feminismus viel gelernt hat, der die Freiheit von Frauen als Chance und nicht als Bedrohung sieht und an konstruktiver Zusammenarbeit mit Frauen interessiert ist – alle anderen brauchen hier bitte auch gar nicht erst weiterlesen. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/50e6a44f707a43d5baa65755f997ad7d" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Fanciullacci unterrichtet Philosophie an der Universität von Verona und daher bezieht er sich zunächst auf eine These, die vom italienischen Differenzfeminismus angestoßen wurde, aber hier in Deutschland nicht so bekannt ist, weshalb ich sie vorab kurz rekapituliere. Der Gedanke, dass das Patriarchat möglicherweise schon zu Ende ist, stammt von Luisa Muraro, die ihn 1996 in einem Artikel namens „Freudensprünge“ formuliert hat (in deutscher Übersetzung abgedruckt in: <a href="http://www.antjeschrupp.de/sammelbaende" target="_blank">Diotima: Die Welt zur Welt bringen</a>, ich habe darüber 1998 ein <a href="http://www.antjeschrupp.de/interview-luisa-muraro" target="_blank">Interview</a> mit ihr geführt) und der dann auch Grundlage einer Flugschrift des Mailänder Frauenbuchladens wurde, dem so genannten <a href="http://www.christel-goettert-verlag.de/php/buecher_2.php?id=9" target="_blank">„roten Sottosopra“</a> mit dem Titel „Es ist passiert – nicht aus Zufall“.</p>
<p>Gemeint ist offensichtlich nicht, dass mit dem Ende des Patriarchats das Paradies auf Erden angebrochen sei, sondern dass die Aufgabe, vor der freiheitsliebende Frauen stehen, nicht länger die bloße Kritik an patriarchalen Zuständen ist, sondern dass „die konstruktive Arbeit an einer erneuerten symbolischen Ordnung wichtiger wird als die Kritik an der vergehenden Zweiteilung“ – so formuliert es Ina Praetorius in ihrem <a href="http://www.antjeschrupp.de/rez-praetorius-immer-wieder-anfang" target="_blank">neuen Buch</a>, die dafür im deutschsprachigen Raum auch den Begriff des „postpatriarchalen Denkens“ geprägt hat.</p>
<p>Mir hat damals der Gedanke, dass der Kampf gegen das Patriarchat längst nicht mehr der Anknüpfungspunkt für feministisches Handeln sein sollte, sofort eingeleuchtet, aber es war schwer, das in Deutschland zu vermitteln (was ich eine Zeitlang <a href="http://www.antjeschrupp.de/patriarchat-und-frauenbewegung" target="_blank">versucht</a> habe). Aber der Widerstand gegen diesen Gedanken war groß und die Diskussionen meist unfruchtbar, zu fest verankert war im Feminismus die Idee, dass „das Patriarchat“ noch immer in voller Blüte stünde.</p>
<p>Inzwischen meine ich, dass – auch wenn die Formulierung vom „Ende des Patriarchats“ im deutschen Feminismus noch immer oft zu Stirnrunzeln führt – die konkreten Entwicklungen diese Diagnose bestätigt haben. Denn so unterschiedlich die Aktionsweisen und Denkansätze von politisch aktiven Frauen auch sind, so offensichtlich ist es doch, dass sie alle der Arbeit an einer postpatriachalen Gesellschaft faktisch den Vorrang vor dem Kampf gegen klassische „Männerherrschaft“ geben:</p>
<p>Zum Beispiel, wenn Feministinnen keine Lust mehr haben, Männern weiterhin zu erklären, worum es eigentlich geht, sondern sie darauf verweisen, dass das längst überall nachgelesen werden kann. Oder wenn Frauen sich von der Politik der Separation verabschieden und den starken Wunsch haben, die Gestaltung der Welt gemeinsam mit Männern in Angriff zu nehmen. Oder wenn sie keine Lust mehr haben, sich an gläsernen Decken in Institutionen abzuarbeiten, sondern die Angelegenheit jetzt endlich mal mit Hilfe einer fixen Quote hinter sich bringen wollen. Oder wenn ein „sexpositiver“ Zugang zu Pornografie verlangt wird, weil sich das Thema nun wirklich nicht in der Kritik an gewaltförmigen Sexdarstellungen erschöpft. Oder wenn Politikerinnen von Angela Merkel bis Marina Weisband ganz selbstverständlich mit vollster Autorität agieren, ohne aus ihrem Frausein ein Geheimnis oder ein großes Bohei zu machen.</p>
<p>Ich bin bekanntlich nicht mit allem davon einverstanden, und teilweise sind die Anliegen dieser Frauen auch miteinander unvereinbar, aber das Gemeinsame daran ist, dass die Kritik an Männerherrschaft nicht mehr im Zentrum ihrer Interessen steht, sondern dass sie darüber hinaus wollen. Dass für sie die weibliche Freiheit nichts mehr ist, was gerechtfertigt und erklärt werden muss, sondern der selbstverständliche und nicht zur Diskussion stehende Ausgangspunkt.</p>
<p>Das heißt natürlich nicht, dass es nicht noch Relikte von patriarchalen Mustern gibt, die sehr gefährlich und problematisch sein können. Aber der Umgang mit ihnen ist – von Seiten der Frauen – von einem inhaltlichen Herzensanliegen zu einem pragmatischen In-die-Schranken-Weisen geworden, ob nun Merkel die Patriarchen in ihrer Partei auf Eis legt oder ob feministische Blogs entsprechende Kommentare einfach bei hatr.org abliefern. Die Überreste des Patriarchats sind heute nicht mehr Gegenstand ernsthafter feministischer Analyse, sondern ein Ärgernis wie schlechtes Wetter, mit dem man zwar rechnen und gegen das man etwas unternehmen muss, wobei aber die eigentlichen Aufgaben längst ganz andere sind.</p>
<p>Die These von Riccardo Fanciullacci ist nun, dass Frauen sich diese pragmatische Abwendung vom „Patriarchat“ als Kategorie leisten können, weil für sie das Thema tatsächlich in dem Moment inhaltlich erledigt ist, in dem sie patriarchalen Denkmustern die Glaubwürdigkeit entziehen. Männer hingegen nicht. Männer könnten nicht bloß pragmatisch mit den Ausläufern des Patriarchats umgehen, weil sie in ihrem eigenen Mannsein davon betroffen sind. Freie, also postpatriarchale Männer, so seine These, können sie nur werden, wenn sie „die Aufarbeitung der dunkelsten und tiefgreifenden Wurzeln der patriarchalen symbolischen Ordnung wieder aufnehmen. Die kritische Arbeit am männlichen Symbolischen könnte für uns Männer der direkteste Weg sein, um uns weiterzubringen und die Formen zu verändern, die unseren inneren Weg und unser Begehren prägen.“</p>
<p>Er hat dabei natürlich den Berlusconismus vor Augen, der ein extremes Beispiel für ein „Neopatriarchat“ ist, das politische Verantwortungslosigkeit direkt mit Männlichkeit verknüpft – Berlusconi ist ja nicht einfach nur ein schlechter Politiker gewesen, sondern er hat sein Handeln konsequent mit einer bestimmten Performanz von Männlichkeit verbunden. Auch in Deutschland gibt es Beispiele für eine solche Vermischung von gesellschaftsschädlichem Verhalten mit Männlichkeit, zum Beispiel in Teilen der Männerbewegung oder im organisierten Antifeminismus, aber auch in bestimmten Toppositionen der Wirtschaft oder in bestimmten Bereichen der Populärkultur. Deshalb, so Fanciullacci, sei es für Männer heute notwendig, das Wort „Patriarchat“ weiter zu verwenden, als Analysekriterium, um sich „von einer Erbschaft zu lösen, die ohne eine genaue symbolische Vermittlungsarbeit nicht verschwinden wird.“</p>
<p>Der Weg, den er dafür vorschlägt ist, eine Art und Weise zu finden, sich „auf nicht patriarchale Weise zu einer Frau in Beziehung zu setzen.“ Dafür gebe es keine bestimmte Methode und keine festen Regeln, und vor allem dürfe man nicht allgemein „die Frauen“ dabei im Blick haben. Sondern es gehe darum, sich in der konkreten Beziehung zu einer bestimmten Frau ihrer „jeweils einzigartigen Weise, Frau zu sein“ auszusetzen, und zwar „mit ein bisschen Liebe“. Dafür sei es notwendig, „Vertrauen zu haben in ihre Fähigkeit, uns zu sagen, wenn die Art und Weise, mit der wir ihr begegnen, nicht in Ordnung ist“.</p>
<p>Aber das sei nicht alles. Ein Hauptproblem des patriarchalen Erbes sei es, dass „Männer die außerordentliche Fähigkeit haben, jede Frau in die Position der Mutter zu bringen, und sei sie auch zwanzig Jahre jünger: Um diese Dynamik abzuschalten ist es notwendig, darauf vorbereitet zu sein, indem man sich bemüht, das Knäuel zwischen der jeweils besonderen Form des eigenen Begehrens und dem, was von historisch bedingten symbolischen Ordnungen herrührt, zu entwirren“.</p>
<p>Zum Schluss schlägt Fanciullacci drei Ziele vor, um die es aus seiner Sicht bei der „Transfomation des männlichen Selbst“ geht, und die ich hier zum Schluss wörtlich zitiere:</p>
<blockquote><p>Erstens: Zu lernen, vor einer Frau zu stehen und ihre Erfolge, ihre Bewegungsfreiheit und die Interessen, die sie irgendwo hin führen, wahrzunehmen, ohne die leiseste Sehnsucht aufkommen zu lassen nach dem alten Bild der Frau als Spiegel, die dem Mann seine eigene Figur in doppelter Größe zurückwirft.</p>
<p>Zweitens: Zu lernen, ihr unsere Bedürftigkeit zu zeigen, ohne gleichzeitig von ihr zu verlangen, unsere Mutter zu sein; oder auch: Die eigene Mutter zu lieben, ohne von jeder anderen Frau die Liebe einer Mutter zu erwarten.</p>
<p>Drittens: Zu lernen, ihr eine hingebungsvolle und ernst gemeinte erotische Kreativität anzubieten, die nicht die Liebe kleinmacht und an ihrer Stelle den immer wieder selben sexuellen Phantasien Raum gibt.</p></blockquote>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/antjeschrupp.wordpress.com/4416/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/antjeschrupp.wordpress.com/4416/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/antjeschrupp.wordpress.com/4416/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/antjeschrupp.wordpress.com/4416/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/antjeschrupp.wordpress.com/4416/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/antjeschrupp.wordpress.com/4416/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/antjeschrupp.wordpress.com/4416/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/antjeschrupp.wordpress.com/4416/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/antjeschrupp.wordpress.com/4416/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/antjeschrupp.wordpress.com/4416/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/antjeschrupp.wordpress.com/4416/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/antjeschrupp.wordpress.com/4416/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/antjeschrupp.wordpress.com/4416/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/antjeschrupp.wordpress.com/4416/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=4416&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Politische Praxis: Regeln ausdenken, ausprobieren, evaluieren</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Sep 2011 17:18:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Girls and Boys]]></category>
		<category><![CDATA[Parteipolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Nachdem ich vorgestern über Parteien und Frauen gebloggt hatte – und in den Kommentaren viel über die Piraten diskutiert wurde – war ich gestern Nachmittag bei einem Arbeitstreffen mit politischen Freundinnen. Wir sprachen auch über die Unterscheidung von Macht und Politik, die ich sehr wichtig finde (ich übersetze zusammen mit Dorothee Markert gerade ein Buch [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=4124&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem ich vorgestern über <a href="http://antjeschrupp.com/2011/09/19/die-etablierten-parteien-die-piraten-und-die-frauen/" target="_blank">Parteien und Frauen</a> gebloggt hatte – und in den Kommentaren viel über die Piraten diskutiert wurde – war ich gestern Nachmittag bei einem Arbeitstreffen mit politischen Freundinnen. Wir sprachen auch über die Unterscheidung von Macht und Politik, die ich sehr wichtig finde (ich übersetze zusammen mit Dorothee Markert gerade ein <a href="http://www.bzw-weiterdenken.de/2011/07/politik-und-macht-sind-nicht-dasselbe/" target="_blank">Buch</a> zu dem Thema), die anderen aber standen meinen Thesen skeptisch gegenüber. Sie verwiesen auf die Erfolge, die es in vielen Institutionen, auch bei den etablierten Parteien, durch eine gezielte feministische Machtpolitik gegeben habe. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/4a1b11f05a3744d49d1092f428e97cf7" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Eine erzählte zum Beispiel von den guten Erfahrungen, die sie bei den Jusos mit quotierten RednerInnenlisten gemacht hat: Männer und Frauen reden immer abwechselnd, und sobald sich zu einem Thema keine Frau mehr meldet, wird darüber auch nicht weiter diskutiert (ich habe nicht gefragt, ob das andersrum auch für Männer gilt).</p>
<p>Das Verfahren besticht durch seine Einfachheit und seine Vorteile. Bekanntlich ist es ja ein wesentlicher Punkt, der vielen Frauen an der derzeitigen parteipolitischen Kultur nicht gefällt, dass viel über Sachen geredet wird, die die Frauen nicht so wichtig finden, und sie beklagen sich häufig, dass Männer durch lange und redundante Wortbeiträge Sitzungen in die Länge ziehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Parteisitzungen (oder auch die anderer Organisationen), bei denen so verfahren wird, für Frauen attraktiver sind.</p>
<p>Aber natürlich liegen auch die Nachteile auf der Hand. Zum Beispiel ist es ja auch möglich, dass zu einem Thema Männer mehr zu sagen haben als Frauen. Außerdem spitzt ein solches Verfahren die Differenzen zwischen Menschen auf die eine prinzipielle Differenz zwischen Frauen und Männern zu, womit diese Kategorie in gewisser Weise zementiert wird, während andere Unterschiede (Herkunft, Alter, soziale Position) nicht berücksichtigt werden.</p>
<p>Gibt es eine Möglichkeit, aus diesem Dilemma rauszukommen?</p>
<p>Mir fiel auf dem Nachhauseweg ein <a href="http://www.bzw-weiterdenken.de/2007/03/ein-philosophischer-und-politischer-streit-uber-das-verstandnis-von-praxis/" target="_blank">Text von Chiara Zamboni</a> über politische Praxis ein. Darin schreibt sie: „Eine Praxis ist ein Prozess, der in Gang gesetzt wird, um erfinderisch auf einen bestimmten Kontext zu reagieren und damit dafür zu sorgen, dass er sich verändert. Ihre Auswirkungen sind weder planbar noch vorhersehbar, aber sie können während des Prozesses selbst wahrgenommen und eingeschätzt werden.“</p>
<p>Als Beispiel führt sie eine Praxis der Philosophinnengemeinschaft Diotima an. Eine ihrer Schwierigkeiten war anfangs, dass beim Diskutieren sehr häufig Bezug genommen wurde auf das, was andere („berühmte“) Philosophen gesagt hatten – wie es ja in akademischen Kontexten häufig der Fall ist. Statt also selbst zu sprechen und die eigenen Ideen zu formulieren, wurden die in universitärer Weise immer gleich in Beziehung zu einer vorgegebenen Tradition gesetzt. Das machte die Diskussionen langweilig und unfrei. Daher gaben sie sich eine Regel: Nicht mehr zitieren. Niemals und niemanden.</p>
<p>Diese einfache,  kleine Regel erwies sich im Lauf der Jahre als überaus fruchtbar. Die Denkerinnen lösten sich im Lauf der Zeit von der ständigen Bezugnahme auf die überlieferte symbolische Ordnung und wurden sich selbst (und sich gegenseitig) der Maßstab ihrer Diskussionen. Das in der gegenwärtigen Debatte gesprochene Wort wurde wichtiger als der Bezug auf vorausgegangene und kanonische Texte.</p>
<p>Nachdem das passiert war, wurde die Regel wieder aufgegeben, weil sie nicht mehr nötig war. Die neue Praxis hatte dazu geführt, dass sich die Diskussionskultur auf eine Weise verändert hatte, dass die Bezugnahme auf „berühmte“ Philosophen keine Gefahr mehr für das eigenständige Denken und Sprechen der beteiligten Frauen darstellte.</p>
<p>Ich denke, dass dieser Prozess das eigentliche Wichtige dabei ist, wenn sich Organisationen, die mit einer bestimmten Situation unzufrieden sind, Regeln geben. Der Prozess, dass durch die Regeln eine neue Kultur entsteht, wodurch die Regel als solche dann überflüssig wird.</p>
<p>So wäre das eine Herangehensweise, um das oben angesprochene Dilemma zu lösen. Formale Regeln, die sich eine Partei, eine Organistion gibt, die zum Beispiel unzufrieden damit ist, dass Frauen sich nicht in gleichem Maße beteiligen wie Männer – Quoten, abwechselnde RednerInnenlisten etc. – sind nicht zu verstehen als endgültige Lösungen, sondern als der Versuch, eine neue Praxis auszuprobieren.</p>
<p>Die Frage wäre also nicht, ob Quoten oder abwechselnde RednerInnenlisten per se gut oder schlecht, sinnvoll oder sinnlos sind, sondern ob sie in dem bestimmten Kontext hilfreich sind, die Realität in eine bestimmte, gewünschte Richtung zu bewegen. Tun sie das nicht, so besteht die Aufgabe darin, andere Regeln, andere Vereinbarungen zu erfinden. Damit zu experimentieren.</p>
<p>Und noch etwas ist wichtig: Es ist nicht möglich, schon vor der Vereinbarung, eine neue Praxis auszuprobieren, zweifelsfrei vorherzusagen, wie sie sich auswirken wird. Es ist immer ein Experiment, ein Anfang, und man muss beobachten und reflektieren, wie sich das entwickelt.</p>
<p>Regeln als experimentellen Weg für eine politische Praxis zu sehen (und nicht als Patentlösungen) wäre meiner Meinung nach ein Ausweg aus der falschen Alternative, die derzeit zum Beispiel im Zusammenhang mit der niedrigen Attraktivität der Piratenpartei für viele Frauen geführt wird: Frauenquoten einführen oder Nichtstun? Das ist genau nicht die Frage. Jede Organisation muss die für sich und ihren Kontext geeigneten Vereinbarungen und Experimente erfinden (wobei ich aber durchaus der Meinung bin, dass die Piraten sich ruhig für die Erfahrungen, die andere Parteien mit ihren Regeln machen, interessieren könnten).</p>
<p>Wenn bestimmte Kulturen eingeschliffen sind, dann ist Nichtstun jedenfalls keine Option. Das zeigt mir das Beispiel von Diotima, wo es ja noch nicht einmal feministisch geschulten Philosophinnen gelungen ist, sich von der Verhaftung in der traditionellen akademischen Zitiererei zu lösen, ohne sich eine klare, einfache Regel zu geben. Regeln sind natürlich immer eine Einschränkung der situationsbezogenen Freiheit, aber ohne Regeln – oder besser: klare, experimentelle Vereinbarungen zum gemeinsamen Vorgehen – ändern sich eingefahrene Strukturen nun einmal nicht. Weil sie uns allen in Fleisch und Blut und Kopf drinstecken.</p>
<p>Allerdings ist es – und das ist ein Problem, das ich bei den quotierten Parteien beobachte – eben auch nicht damit getan, fixe Regeln wie Quoten oder abwechselnde RednerInnenlisten einzuführen. Das ist nur der Anfang. Genauso wichtig ist, zu beobachten, wie sie funktionieren, ob sie die erwünschte Wirkung haben oder nicht, sie gegebenfalls auch wieder aufzugeben – zum Beispiel dann, wenn sie unerwünschte Folgen haben, wenn sie wirkungslos sind, oder auch (was natürlich das Beste wäre), wenn sie nicht mehr gebraucht werden.</p>
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		<title>Die etablierten Parteien, die Piraten, und die Frauen</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2011/09/19/die-etablierten-parteien-die-piraten-und-die-frauen/</link>
		<comments>http://antjeschrupp.com/2011/09/19/die-etablierten-parteien-die-piraten-und-die-frauen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 19 Sep 2011 14:26:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Girls and Boys]]></category>
		<category><![CDATA[Parteipolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Berlinwahl]]></category>
		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Quoten]]></category>

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		<description><![CDATA[Oder: Warum es mir nicht gefällt, wenn feministische Argumente im Wahlkampf instrumentalisiert werden. Gestern habe ich nicht viel Fernsehen geschaut, aber ein bisschen, wegen den Wahlen in Berlin, und mit etwas Amüsemeng habe ich es aufgenommen, dass wer auch immer sich zu den Piraten geäußert hat, auf den mickerigen Frauenanteil dort hingewiesen hat. Die Moderatorin [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=4110&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Oder: Warum es mir nicht gefällt, wenn feministische Argumente im Wahlkampf instrumentalisiert werden.</strong></p>
<p>Gestern habe ich nicht viel Fernsehen geschaut, aber ein bisschen, wegen den Wahlen in Berlin, und mit etwas Amüsemeng habe ich es aufgenommen, dass wer auch immer sich zu den Piraten geäußert hat, auf den mickerigen Frauenanteil dort hingewiesen hat. Die Moderatorin im ZDF, die Claudia Roth, die Renate Künast, und wer auch immer. Und natürlich ist das auch ein Hauptmanko dieser neuen Partei. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/79356b172e0b4241870b9d8b9569f61b" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Seit zwei Jahren wird das Thema jetzt diskutiert (wie die Zeit vergeht, mein seinerzeitiger Blogpost zur Frage <a href="http://antjeschrupp.com/2009/09/03/kann-eine-feministin-piraten-wahlen/" target="_blank">&#8222;Kann eine Feministin Piraten wählen&#8220;</a> ist tatsächlich schon so lange her &#8211; shocking!) Und leider muss man sagen: Ist nicht so viel passiert. Und immer noch rauschen Tweets dazu durch die Timelines, die die trübe &#8222;Eine Frau und vierzehn Männer-Bilanz&#8220; schönreden mit &#8222;15 Piraten und 0 Geschlechter&#8220;, haha.</p>
<p>Allerdings bin ich nun nicht gerade in feministische Jubelsprünge ausgebrochen darüber, dass das Thema &#8222;Die Piraten haben so wenige Frauen&#8220; jetzt in aller Munde ist. Denn ich bin doch eher skeptisch, ob es in den anderen Parteien wirklich so grundsätzlich besser aussieht. Die Grünen zum Beispiel haben ja auch nur deshalb so viele Frauen in ihren Reihen, weil sie eine Quote haben. Und offenbar brauchen sie die Quote auch nach 30 Jahren immer noch, weil ohne solchen äußeren Druck offenbar auch hier die Parteistrukturen und die Art und Weise, wie hier Politik gemacht wird, für Frauen schlicht weniger attraktiv sind als für Männer. Jedenfalls habe ich schon mit vielen grünen Frauen gesprochen, die gesagt haben: Hätten wir die Quote nicht, wären auch unsere Gremien ratzfatz wieder männerdominiert.</p>
<p>In diesem wesentlichen Punkt sind also alle Parteien mehr oder weniger so ähnlich wie die Piraten: Lässt man den Dingen ihren freien Lauf, bleiben die Männer dort eher unter sich. Sicher: Quotenregelungen zwingen Parteien immerhin dazu, sich mit diesem Defizit auseinander zu setzen. Es bleibt auf der Tagesordnung, zum Beispiel, wenn es wieder einmal schwer fällt, genügend willige Kandidatinnen zu finden. Und im Vergleich dazu ist die unter Piraten (wenn auch nicht mehr bei allen) so beliebte Parole, Geschlechter seien doch sowas von vorgestern, natürlich ein Witz.</p>
<p>Aber das sollte jetzt eben nicht dazu führen, dass die politische Debatte über die tendenzielle Unvereinbarkeit zwischen dem, was viele Frauen sich unter Politik vorstellen, und dem, was die derzeitigen Parteistrukturen und -kulturen so zu bieten haben, sich darauf beschränkt, dass die quotierten Parteien sich in die Brust werfen und behaupten, sie hätten ein Problem gelöst, das die Piraten noch nicht mal erkennen. Wobei ich übrigens glaube, dass auch eine ganze Reihe von Männern ein ähnliches Unbehagen haben.</p>
<p>Also: Wenn wir halbwegs paritätische Quotenparteien und unquotierte Männerparteien miteinander vergleichen, dann vergleichen wir meiner Ansicht nach zwei schlechte Lösungen. Und es ist nicht besonders ergiebig, sich hier lange damit aufzuhalten, dass die einen noch ein bisschen schlechter sind als die anderen.</p>
<p>Das Ziel muss meiner Ansicht nach sein, politische Formen zu finden, in denen Frauen und Männer ganz selbstverständlich miteinander arbeiten, und ganz selbstverständlich heißt für mich: Ohne dass es dafür fixe Quotenregelungen braucht. Denn das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten schlichtweg bewiesen: Die bloße Anwesenheit von fünfzig Prozent Frauen reicht auch nicht aus, um die dafür notwendigen Veränderungen in der politischen Landschaft herbeizuführen.</p>
<p>Update:</p>
<p>Weil grade schon lauter Fragen dazu zurück kamen, was denn eine Alternative zur Quote wäre, hier ein paar aus der Hüfte geschossene kurze Ideen:</p>
<p>* Sich selber mal vor allem erstmal ernsthaft fragen, ob man sich denn WIRKLICH dafür interessiert, warum die eigene Partei (Organisation) für Frauen unattraktiver ist als für Männer oder ob man sich mit dem Thema nur beschäftigt, weil man das heutzutage eben so macht.</p>
<p>* Aktiv das Gespräch mit partei-/ oder organisationskritischen Frauen führen: Sie fragen, was sie stört, was sie sich wünschen usw.</p>
<p>* Gezielt kritische und distanzierte Frauen fragen, ob sie an der einen oder anderen Stelle mitarbeiten wollen. Also bei der Suche nach geeigneten Kandidatinnen für irgendwelche Posten nicht danach gehen, wie &#8222;gut&#8220; sie in die vorhandene Kultur passen, sondern auch danach, ob sie Veränderungsvorschläge und Einwände haben.</p>
<p>* Den Dialog zwischen Frauen und Männern üben und bewusst führen (evtl. kann man dabei etwas lernen vom interkulturellen Dialog zwischen Menschen verschiedener Herkünfte usw.)</p>
<p>* Es befürworten und sich darüber freuen, wenn sich Frauen in eigenen Gruppen zusammenschließen, denn die Ergebnisse, die sie da erarbeiten, können gute Hinweise enthalten.</p>
<p>* Untersuchen, warum es in anderen politischen Organisationen (bestimmte Attac-Gruppen, Umweltverbände etc) einen höheren Frauenanteil gibt. Schauen, was machen die anders oder die Frauen dort befragen, warum sie sich da engagieren.</p>
<p>Weitere Vorschläge dürft Ihr gerne in die Kommentare schreiben.</p>
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		<title>Von Brüsten und Bärten</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Aug 2011 21:34:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschlechterdifferenz]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Im alten Ägypten gab es bekanntlich nicht nur Pharaonen, sondern auch Pharaoninnen (allerdings nicht viele, drei oder so), und als Zeichen ihrer Königswürde trugen sie einen Bart. Dass Geschlechtsmerkmale losgelöst vom biologischen Geschlecht getragen werden, ist also ein schon sehr altes Phänomen. Dass Frauen sich vermännlichen müssen, um &#160;Macht repräsentieren zu können, leider auch. Und [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=3937&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3938" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/08/rimg0371.jpg"><img class="size-full wp-image-3938" title="Exif_JPEG_PICTURE" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/08/rimg0371.jpg?w=500&#038;h=333" alt="" width="500" height="333" /></a><p class="wp-caption-text">Hatschepsut, Königin mit Bart.</p></div>
<p>Im alten Ägypten gab es bekanntlich nicht nur Pharaonen, sondern auch Pharaoninnen (allerdings nicht viele, drei oder so), und als Zeichen ihrer Königswürde trugen sie einen Bart. Dass Geschlechtsmerkmale losgelöst vom biologischen Geschlecht getragen werden, ist also ein schon sehr altes Phänomen. Dass Frauen sich vermännlichen müssen, um &nbsp;Macht repräsentieren zu können, leider auch. Und ein bis heute ungelöstes Problem. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/300c176d7d3f4c208cfa44bcf17ea006" width="1" height="1" alt=""></p>
<p>Seit ich die Statuen von Königinnen mit Bart kürzlich bewundert habe, überlegte ich, wie es wohl wäre, wenn weibliche Geschlechtsmerkmale symbolische Zeichen für Einfluss wären. Man stelle sich vor: Ein Staatspräsident, der sich Brüste umschnallen muss, um würdevoll an der Spitze einer Gesellschaft zu stehen. Leider kennen wir Männer, die sich Brüste vorbinden, bisher nur aus Komödien: Männer mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen sind albern.</p>
<p>Morgen ist &#8211; so erfuhr ich grade auf dem Heimweg &#8211; #boobsday bei Twitter. Soweit ich verstanden habe, werden da Frauen ihre Brüste in den Avatar rücken. Die Tweets unter dem Hashtag zu lesen, ist aufschlussreich. Wer mitmacht, ist offensichtlich albern, wer nicht mitmacht, ist Spielverderberin.</p>
<p>Hat eigentlich schon mal jemand ernsthaft über die politische und symbolische Bedeutung von in der Öffentlichkeit gezeigten Brüsten nachgedacht? Ich habe so eine Ahnung, dass das ein interessantes Thema sein könnte.</p>
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		<item>
		<title>Warum werden so wenige Männer Lehrer?</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2011/07/11/warum-werden-so-wenige-manner-lehrer/</link>
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		<pubDate>Mon, 11 Jul 2011 17:10:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Girls and Boys]]></category>
		<category><![CDATA[Lehramt]]></category>
		<category><![CDATA[Pädagogik]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute kam mir eine Meldung auf den Schreibtisch, wonach unter denen, die kürzlich in Hessen ihr zweites Staatsexamen Lehramt abgelegt haben, nur 30 Prozent Männer waren. Beim Lehramt an Grundschulen waren es sogar nur acht Prozent. Auf den ersten Blick sind die Zahlen nicht sehr überraschend, aber irgendwie doch. Denn immerhin haben wir seit einigen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=3848&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute kam mir eine <a href="http://www.statistik-hessen.de/Presse/Presse2.jsp?Thema=12&amp;LfdNr=137&amp;Auswahl=Pressemeldung%20vom%2008.07.2011" target="_blank">Meldung</a> auf den Schreibtisch, wonach unter denen, die kürzlich in Hessen ihr zweites Staatsexamen Lehramt abgelegt haben, nur 30 Prozent Männer waren. Beim Lehramt an Grundschulen waren es sogar nur acht Prozent. Auf den ersten Blick sind die Zahlen nicht sehr überraschend, aber irgendwie doch. Denn immerhin haben wir seit einigen Jahrzehnten nun schon eine Diskussion darüber, dass mehr Männer in die Kindererziehung involviert sein sollten, aber es scheint ja in der Praxis nicht wirklich zu funktionieren. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/6f056068bec4478c87588d84ca7840a3" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/07/lehrerlaempel-color-f.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-3850" title="LehrerLaempel-color-F" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/07/lehrerlaempel-color-f.jpg?w=500" alt=""   /></a></p>
<p>Fast scheint es mir schon so zu sein, dass das Gegenteil zu beobachten ist: Immerhin war Gymnasiallehrer bis vor einiger Zeit noch ein Männerberuf &#8211; man denke nur an den legendären Lehrer Lämpel von Wilhelm Busch. Aber auch in den Gymnasien und Realschulen werden es offenbar immer mehr Frauen, die unterrichten. Und in den niedrigeren Jahrgangsstufen bewegt sich nicht viel.</p>
<p><em>Update: Soeben habe ich vom Statistikamt die genauen Zahlen bekommen und konnte nun die Entwicklung über die letzten dreißig Jahre nachverfolgen. Demnach ist der Männeranteil am Lehramt-Staatsexamen seit 1980 deutlich geschrumpft: Von 45 Prozent auf 30 Prozent. Den größten Rückgang gab es bei den Gymnasien, wo 1980 die Männer <em>mit 57 Prozent </em>noch in der Überzahl waren . Heute kommen sie nur noch auf 37 Prozent. Bei Grundschulen über den gesamten Zeitraum bei rund 10 Prozent stabil gewesen. Interessant in dem Zusammenhang ist, dass dieser Männer-Rückgang im Lehramt nicht geradlinig verlaufen ist. Zwar ist die Entwicklung kontinuierlich, den Haupt-Abfall hat es aber bereits in dem Jahrzehnt zwischen 1980 und 1990 gegeben! Das heißt, es gibt Anlass zu der Hoffnung, dass es sich wenigstens ungefähr auf dem jetzigen Level einpendelt.</em></p>
<p>Die gängigen Erklärungsversuche finde ich nicht wirklich überzeugend &#8211; auch wenn sie natürlich einen gewissen Anteil haben. Zum Beispiel die Sache mit dem Geld: Sicher kann man in anderen Berufen mehr verdienen, aber so grottenschlecht ist die Bezahlung im Lehramt nun auch wieder nicht (übrigens nicht einmal bei den Erzieherinnen). Außerdem gibt es durchaus auch Bereiche, in denen schlecht bezahlt wird, und die doch viele Männer attraktiv finden, derzeit zum Beispiel der ganze Kreativ- und Medienbereich. Oder Köche &#8211; die verdienen deutlich schlechter als Grundschullehrer. Auch dass die gesellschaftliche Wertschätzung nicht hoch ist, glaube ich nicht &#8211; immerhin wird überall und jederzeit betont, wie wichtig Bildung ist. Und dass der Job anstrengend ist &#8211; das stimmt sicherlich. Andererseits gibt es durchaus auch viele andere anstrengende Berufe, die Männer durchaus ergreifen.</p>
<p>Mir fällt schon seit einiger Zeit etwas auf, worin sich vielleicht ein interessantes Gender-Gap unserer Zeit bemerkbar macht: Bei fast jeder Veranstaltung, wo überwiegend oder ausschließlich Frauen versammelt sind, sind Bildungspolitik und die Sorge um die Zukunftsperspektiven ein Thema. Es wird so oft angesprochen, dass es mir fast schon etwas zu viel wird. Und immer bedauern die Frauen, dass es zu wenige Männer in diesen Bereichen gibt, weil sie glauben, dass das den Kindern schaden könnte und dass Kinder (vor allem Jungen) mehr männliche Bezugspersonen brauchen.</p>
<p>Ich mache mir eigentlich diesbezüglich nicht so viele Sorgen, weil ich finde, dass Lehrerinnen im Allgemeinen ihren Job ganz gut machen und dass es auch kein Verlust ist, dass der alte &#8222;patriarchale&#8220; Lehrertyp Marke Zucht und Ordnung aus den Schulen weitgehend verschwunden ist (ich habe noch einige von der Sorte kennen gelernt). Und ich denke auch nicht, dass Jungen heute an den Schulen per se benachteiligt werden, wie ja eine weit verbreitete These ist &#8211; dazu habe ich <a href="http://antjeschrupp.com/2010/03/26/warum-jungen-in-der-schule-benachteiligt-sind-und-was-dagegen-hilft/" target="_blank">schon einmal</a> was gebloggt.</p>
<p>Allerdings ist die Frage nach den Ursachen für den geringen Männeranteil in pädagogischen Berufen durchaus interessant. Ich glaube, dass auf Seiten der Männer einfach der Wunsch danach, mit Kindern zu arbeiten und der nachfolgenden Generation etwas mitzugeben, geringer ausgeprägt ist als bei Frauen. Und ich glaube, dass NICHT einfach nur geschlechtsspezifische Rollenklischees in der eigenen Erziehung (also der der jungen Erwachsenen, die heute einen Beruf wählen) die Ursache dafür ist.</p>
<p>Ich glaube, es spielt auch eine gewisse Unsicherheit auf männlicher Seite eine Rolle, auf welche Weise diese Weitergabe von Wissen, Erfahrung, Orientierung von den Älteren an die Jüngeren vonstatten gehen soll. Denn dafür gibt es auf Seiten der Männer keine guten Vorbilder mehr &#8211; nachdem eben das patriarchale &#8222;belehrende&#8220; und autoritäre männliche Generationsgefüge von der Geschichte überholt ist. Die Frauen haben dieses Problem nicht, weil sie in ihrem Verhältnis zu den Jüngeren mit dieser Geschichte nicht belastet sind, oder jedenfalls nicht in gleicher Weise.</p>
<p>Jedenfalls bemerke ich ein sehr großes Begehren auf Seiten der Frauen, sich mit Bildungsfragen, Schule, Pädagogik zu beschäftigen, und ich glaube, nicht nur weil sie das für eine &#8222;Frauensache&#8220; halten &#8211; wie gesagt, im Bezug auf Realschule und Gymnasien ist es historisch gar keine Frauensache. Sondern weil sie dieses Thema und diese Arbeit für unglaublich wichtig halten und in der Arbeit mit Kindern etwas sehr Sinnvolles sehen und daher entsprechende Berufe ergreifen.</p>
<p>Die offene Frage ist halt: Warum finden Männer diese Arbeit nicht so wichtig und interessant? Warum wollen nicht mehr Männer Lehrer werden?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Update: Jürgen Amendt hat versucht, im Neuen Deutschland <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/204749.frauendomaene-lehrerberuf.html" target="_blank">eine Antwort</a> auf diese Frage zu finden.</p>
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		<title>Der Konditor und die Fachverkäuferin</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Jun 2011 09:51:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Girls and Boys]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
		<category><![CDATA[Design]]></category>
		<category><![CDATA[Köln International School of Design]]></category>
		<category><![CDATA[Klischees]]></category>
		<category><![CDATA[Konditorenbund]]></category>
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		<description><![CDATA[Man kann ja über den Sinn und Unsinn von Blogcharts vieles sagen, aber auch bei den Unsinnigsten gibt es manchmal Fundstücke. Über @annnalist&#160;erfuhr ich gestern von einer skurrilen Veranstaltung namens &#8222;Frauen Blog-WM 2011&#8243;, an der sich lauter Blogs beteiligen, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Aber sonntags morgens im Bett bei Regen hat [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=3792&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man kann ja über den Sinn und Unsinn von Blogcharts vieles sagen, aber auch bei den Unsinnigsten gibt es manchmal Fundstücke. Über <a href="http://www.twitter.com/annnalist" target="_blank">@annnalist</a>&nbsp;erfuhr ich gestern von einer skurrilen Veranstaltung namens <a href="http://www.blogprojekt.de/frauen-blog-wm-2011/" target="_blank">&#8222;Frauen Blog-WM 2011&#8243;</a>, an der sich lauter Blogs beteiligen, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Aber sonntags morgens im Bett bei Regen hat man ja Zeit für sowas, und so blätterte ich mich mal durch, und wurde auch schon im zweiten Blog fündig mit ganz prächtigem Material für hier. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/147f566a007f4c2a94b8f8d5c526c11c" width="1" height="1" alt=""></p>
<p>In ihrem Blog <a href="http://liebig-braunholz.de/blog/" target="_blank">&#8222;Narrare&#8220;</a> stellt die Journalistin Silke Liebig-Braunholz ein Video vor, mit dem der Deutsche Konditorenbund für seine Ausbildungsberufe Konditor (sic!) und Fachverkäuferin (sic!) wirbt. Produziert wurde das laut Liebig-Braunholz von Studenten (und Studentinnen? Ich fürchte, ja!) der &#8222;Köln International School of Design&#8220; in einem dreiwöchigen Projekt. Herausgekommen ist eine unglaubliche Ansammlung von Geschlechterklischees inklusive halbnackter Frauen, die aus Kisten steigen.</p>
<p>Es ist zum Haare raufen, und man möchte diesen angehenden Möchtegern-Designer_innen zurufen: Schaltet Ihr auch manchmal euer Gehirn ein, bevor ihr war produziert? Nur ein bisschen? Und was sind das für Dozenten oder Dozentinnen, die das durchgehen lassen?</p>
<p>Meine Meinung: Note 6, setzen. (Und hoffentlich erwägt niemand hier eine Lehre als Fachverkäuferin im Konditorenhandwerk. Mädels: Da verdient man nix. Und außerdem ist man in diesem Beruf offensichtlich von lauter Dösduddeln umgeben!)</p>
<span style="text-align:center; display: block;"><a href="http://antjeschrupp.com/2011/06/19/der-konditor-und-die-fachverkauferin/"><img src="http://img.youtube.com/vi/sSwk7176eDg/2.jpg" alt="" /></a></span>
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		<title>Mann am Steuer</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2011/06/07/mann-am-steuer/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Jun 2011 18:35:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Girls and Boys]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Auto]]></category>
		<category><![CDATA[Autofahren]]></category>
		<category><![CDATA[Männliches Imaginäres]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute im Fitnessstudio – da muss man ja manchmal hingehen, um was von der Welt mitzubekommen – lief der neue Werbespot von Skoda. Ich hatte keinen Ton, und die tollen Autos mit den glücklichen Familien drin wären wahrscheinlich einfach so an mir vorbei gerauscht, wenn nicht der Claim am Ende als Text gekommen wäre: „Jede [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=3730&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3734" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/06/fotolia_31455432_s.jpg"><img class="size-full wp-image-3734" title="Fotolia_31455432_S" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/06/fotolia_31455432_s.jpg?w=500&#038;h=295" alt="" width="500" height="295" /></a><p class="wp-caption-text">© diego cervo - Fotolia.com</p></div>
<p>Heute im Fitnessstudio – da muss man ja manchmal hingehen, um was von der Welt mitzubekommen – lief der neue Werbespot von Skoda. Ich hatte keinen Ton, und die tollen Autos mit den glücklichen Familien drin wären wahrscheinlich einfach so an mir vorbei gerauscht, wenn nicht der Claim am Ende als Text gekommen wäre: „Jede Familie ist anders“. <img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c0fa795d6de14adcb46576dfe967a151" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Das war nämlich recht skurril, denn faktisch waren alle dargestellten Familien lächerlich gleich. Ein Mann, eine Frau, zwei Kinder, jung, weiß, mittelständisch wohlhabend, wirklich krampfhaft absurdes Klischee. In allen Autos kackte dann das kleinste Kind in die Hose, die Männer hielten sich angeekelt die Nase zu, und die Frauen hatten natürlich vergessen, die Windeln mitzunehmen.</p>
<p>Ich will mich gar darüber aufregen, dass hier wieder mal das große Mann-Frau-Paar inszeniert wird <a href="http://buchliebe.wordpress.com/2011/06/06/homosexualitat-heterosexualitat-%E2%80%93-alles-dasselbe/" target="_blank">(das hab ich gestern schon gemacht)</a>, und auch nicht darüber, wie selbstverständlich die Frauen für die Beseitigung der Scheiße zuständig sind.</p>
<p>Worüber ich die folgende halbe Stunde Crosstrainer nachdachte, war vielmehr die Tatsache, dass in allen Autos der Mann am Steuer saß und die Frau daneben. Die Langlebigkeit dieser Aufteilung auch nach mehreren Jahrzehnten Gleichstellungs- und Emanzipationsbemühen ist mir schon lange ein Rätsel (ich fahre nämlich gerne Auto, sehr zur Freude gewisser Beifahrer übrigens). Gibt es irgendwo eine Studie, die erforscht hat, in wie vielen gemischtgeschlechtlich besetzten Automobilen die Männer hinter dem Lenkrad sitzen und die Frauen daneben? Ich tippe auf so 90 Prozent.</p>
<p>Mein Rant hier richtet sich nicht gegen Skoda oder andere Autofirmen, die in ihrer Werbung ja nur klischeehaft zuspitzen, was tatsächlich Realität ist. Ich richte mich an die Frauen, die ihren Männern standardisierterweise das Lenkrad überlassen. Hey, Frauen: Hört damit auf! Das kann so nicht weitergehen! Ihr richtet damit die Welt zugrunde!</p>
<p>Das meine ich nur halb spaßig. Denn das ist tatsächlich ein grundlegendes Dilemma unserer post-gleichgestellten Gesellschaften: Dass die große Mehrheit von Frauen in eine ungebrochene Selbstinszenierung des männlichen Imaginären einwilligt. Das Autolenkrad ist dafür nur ein Beispiel. (Ein anderes ist, dass die meisten Frauen nach der Heirat den <a href="http://antjeschrupp.com/2010/05/11/im-namen-des-mannes/" target="_blank">Namen des Mannes</a> annehmen, oder doch spätestens für die gemeinsamen Kinder).</p>
<p>Was genau ist mein Problem? Mein Problem ist, dass die Sitzverteilung im Auto und die Namensverteilung in der Familie nicht einfach privates Arrangement sind, sondern Ausdruck einer symbolischen Ordnung:</p>
<p>In dieser Ordnung konstituiert sich Männlichkeit wesentlich über den Zugang zu Macht und Kontrolle. Historisch ist das eindeutig – einflussreiche Positionen sind von ihrem Ursprung her als männliche Positionen konstituiert, Frauen waren davon explizit ausgeschlossen und werden bis heute nur notgedrungen „zugelassen“, vorausgesetzt, sie akzeptieren die Spielregeln. Diese symbolische „Männlichkeit“ von öffentlichen, einflussreichen Positionen erschwert nicht nur den Zugang von Frauen dazu, sondern – und das ist der wichtigere Punkt – sie verunmöglicht es auch, dass öffentlicher Einfluss sachgemäß und zum Wohle aller ausgeübt wird.</p>
<p>Am Beispiel „Mann am Steuer“ lässt sich das gut nachvollziehen: Männer machen viel mehr schwere Unfälle. Denn sie fahren nicht einfach Auto, um von hier nach dort zu kommen, wie es vernünftige Menschen tun würden, sondern sie fahren auch Auto, um zu zeigen, wer den längeren, größeren, schnelleren hat. Natürlich nicht <em>alle </em>Männer. Aber eben doch viele – immer noch. Immer dann, wenn Männer politischen (oder wirtschaftlichen) Einfluss mit einer Bestätigung ihrer Männlichkeit verknüpfen, wird es gefährlich. Denn es werden falsche Entscheidungen getroffen und falsche Weichen gestellt.</p>
<p>Mich interessiert aber nicht, was die Männer machen, sondern was die Frauen machen: Sie lassen das zu. Natürlich haben sie dafür gute Argumente. Wenn er doch unbedingt fahren will, soll er doch. Wieso soll ich mich auf langwierige Diskussionen einlassen, es ist doch ganz bequem auf dem Beifahrersitz. Es genügt mir, zu wissen: Wenn ich fahren wollte, dann könnte ich.</p>
<p>Alles richtig. Es hat sich ja auch schon einiges verbessert. Wenn der Mann betrunken ist, lässt er heute die Frau nach Hause fahren. Oder wenn die Strecke so weit ist, dass man es beim besten Willen nicht alleine schaffen kann. Oder wenn die Frau unbedingt fahren will und das deutlich sagt – normalerweise tut er ihr dann den Gefallen. Wir sind ja schließlich nicht in Saudi-Arabien, wo Frauen das Autofahren verboten ist. Das meine ich gar nicht sarkastisch, es ist wirklich eine Verbesserung, wenn man sich vor Augen führt, dass es vor ein paar Jahrzehnten eben noch anders war.</p>
<p>Außerdem sind die Zeiten vorbei, als die Frauenbewegung aus der Frage, wer am Steuer sitzt, eine Prinzipienfrage gemacht hat. Auf dem Fahrersitz zu bestehen, nur um des Prinzips willen, wirkt verknöchert und emanzenhaft, wer will das schon?</p>
<p>Kaum eine, und zu Recht. Es kann ja in der Tat nicht darum gehen, in den Wettkampf mit den Männern um den längsten, stärksten und schnellsten einzusteigen. Ich verstehe sehr gut, wenn Frauen darauf keine Lust haben – weder im Auto, noch auf der Karriereleiter. Ich habe darauf auch keine Lust.</p>
<p>Aber es ist eben auch keine Alternative, sich mit der theoretischen Möglichkeit, ans Steuer kommen zu können, wenn man denn nur wollte, zufrieden zu geben. Denn auf diese Weise wird die Verknüpfung von einflussreicher Position und Männlichkeit immer weiter wiederholt und befestigt. Und das schadet nicht den Frauen, es schadet der Welt!</p>
<p>Die italienische Philosophin Annarosa Buttarelli schreibt in einem Text, den ich gerade übersetze, dass wir heute eine zweite Revolution der Frauen brauchen. Sie fordert die Frauen zu einer „Übernahme von Verantwortung gegenüber unserer Differenz und gegenüber der Welt, die wir lieben“ auf.</p>
<p>Mit dieser Differenz ist nicht eine angeblich natürliche Überlegenheit oder Andersheit der Frauen gemeint, sondern eben jene Position, in der wir uns historisch befinden, die Männer aber nicht: Wir sind diejenigen, deren Geschlecht frei ist von imaginären Überladungen, die die Machtinstitutionen unserer Gesellschaft enthalten. Und deshalb haben wir ungleich bessere Möglichkeiten, diese Institutionen und Ordnungen zu verändern, was angesichts des Zustandes der Welt dringend nötig ist.</p>
<p>Am banalen Beispiel Auto: Weiblichkeit ist nicht symbolisch mit Autofahren verknüpft, wir bekräftigen damit nicht unsere Identität, daher können wir uns darauf beschränken, einfach nur gut Auto zu fahren. Oder auch nicht, weil der Zug eh ökologischer und bequemer ist. Wir laufen nicht Gefahr, uns kastriert vorzukommen, wenn man uns das Auto wegnimmt, oder wenn das Auto, in dem wir grade sitzen, eine lahme Krücke ist.</p>
<p>Natürlich gibt es auch Männer, die sich inzwischen von dieser imaginären Aufladung befreit haben, das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass diese imaginäre Aufladung trotz dieser dissidenten Männer immer noch besteht und die symbolische Ordnung prägt. Sodass Männer, die sich nicht bewusst davon befreien und andere Verknüpfungen eingehen, einfach zu leicht in die Versuchung geraten, sich wie Macker zu verhalten. Zu glauben, sie seien nur ganze Kerle, wenn sie am Steuer sitzen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.</p>
<p>Klar, wir – die Frauen und die bewusst reflektierenden Männer – wissen, dass das Quatsch ist, lächerlich, eine symbolische Unordnung. Aber diese Unordnung ist eben dennoch real. Und sie wird immer und immer wieder festgezurrt, zum Beispiel jedes Mal, wenn eine Frau es zulässt, dass der Mann sich wie selbstverständlich ans Steuer setzt, weil er, ohne darüber auch nur nachzudenken, der Überzeugung ist, das sei der natürliche angestammte Platz für Wesen seines Geschlechtes.</p>
<p>Deshalb, liebe Frauen: Schaut da nicht länger einfach nur zu. Willigt nicht laufend in diese Selbstinszenierung von symbolischer Männlichkeit ein.</p>
<p>Und wenn es nur ist, damit uns in Zukunft solche Werbespots erspart bleiben.</p>
<p><em>Update: Am Samstag vor Pfingsten haben wir auf der Autobahn (zwischen Camberg und Montabaur auf der A3) mal gezählt: Unter den Autos, wo vorne ein Mann und eine Frau saßen, war 48 Mal der Mann, 5 Mal die Frau am Steuer.</em></p>
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		<title>Lohnunterschiede: Herkunft wichtiger als Geschlecht</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2011/04/29/lohnunterschiede-in-deutschland/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Apr 2011 08:38:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Girls and Boys]]></category>

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		<description><![CDATA[Meine „Zehn Thesen zum Equal Pay Day“ im März hatte ich mit folgender These begonnen: 1. Das eigentlich schlimme „Pay-Gap“, über das wir reden müssten, ist nicht das zwischen Frauen und Männern, sondern das zwischen Armen und Reichen. Deshalb ist es falsch, sich hier rein auf den Gender-Aspekt zu beziehen. Bei einer Veranstaltung des Frankfurter [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=3620&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3621" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/04/fotolia_4133992_m.jpg"><img class="size-full wp-image-3621" title="Fotolia_4133992_M" src="http://antjeschrupp.files.wordpress.com/2011/04/fotolia_4133992_m.jpg?w=500&#038;h=222" alt="" width="500" height="222" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Pegra - Fotolia.com</p></div>
<p>Meine <a href="http://antjeschrupp.com/2011/03/22/die-manner-und-das-geld-zehn-thesen-zum-equal-pay-day/" target="_blank">„Zehn Thesen zum Equal Pay Day“</a> im März hatte ich mit folgender These begonnen: <img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/eb0610c8fdfe4da0af0302dd05083628" alt="" width="1" height="1" /></p>
<blockquote><p>1. Das eigentlich schlimme „Pay-Gap“, über das wir reden müssten, ist nicht das zwischen Frauen und Männern, sondern das zwischen Armen und Reichen. Deshalb ist es falsch, sich hier rein auf den Gender-Aspekt zu beziehen.</p></blockquote>
<p>Bei einer Veranstaltung des Frankfurter Frauenreferats zum Equal Pay Day haben wir darüber diskutiert. Während für die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in Deutschland immer die Zahl von 23 Prozent kursiert, werden kaum Zahlen für andere „Pay Gaps“ genannt. Bettina Eichhorn, die Referentin für Bildung und Arbeit im Frankfurter Frauenreferat, hatte aber die gute Idee, bei der Bundesagentur für Arbeit entsprechende Zahlen anzufordern im Vergleich von Menschen mit deutscher und anderer Staatsangehörigkeit.</p>
<p>In diesen Vergleichstabellen wird der „Median“ angegeben. Das ist der mittlere Wert, der die „obere“ Hälfte der Beschäftigten von der „unteren“ Hälfte trennt. Diese Zahlen müssten daher so verstanden werden: Diejenigen Frauen, die zahlenmäßig genau in der Mitte aller Frauen liegen (bei denen es also genauso viele Frauen gibt, die weniger verdienen, wie Frauen, die mehr verdienen als sie) bekommen 22 Prozent weniger Bruttolohn als die entsprechenden Männer.</p>
<p>Über die „Durchschnittslöhne“ sagt diese Zahl nichts aus. Allerdings gibt sie durchaus ein Verhältnis an, vor allem im Vergleich von Bevölkerungsgruppen zueinander. Die folgenden Zahlen beziehen auf Vollerwerbs-Arbeitsplätze und auch nur auf Frankfurt. Aber sie sind doch wohl ein interessanter Vergleichswert. Hier sind also nun die Zahlen:</p>
<p>1. Deutsche Männer:    4234 Euro<br />
2. Alle Männer:            3980 Euro<br />
3. Alle Deutschen:        3758 Euro<br />
4. Mittelwert aller:       3587 Euro<br />
5. Deutsche Frauen:     3200 Euro<br />
6. Alle Frauen:              3103 Euro<br />
7. Ausl. Männer:           2642 Euro<br />
8. Alle Ausl.:                 2542 Euro<br />
9. Ausl. Frauen:            2407 Euro</p>
<p>Die „Pay Gaps“ berechnen sich nun folgendermaßen: Wenn man die Differenz der Mediane von „allen Männern“ (3980) und „allen Frauen“ (3103) bildet, kommt man auf 877 Euro. Dies sind 22 Prozent vom „Männerlohn“, das heißt, die Median-Frau verdient 22 Prozent weniger als der Median-Mann.</p>
<p>Man könnte es natürlich auch andersrum rechnen und den „Frauenlohn“ zum Maßstab nehmen. Dann käme man zu der Aussage, dass die Median-Männer 28 Prozent mehr verdienen als die Median-Frauen. Aber ich halte mich im Folgenden mal an die Konvention, nehme also als Maßstab den jeweils höheren Verdienst. Auch so ist der Befund aufschlussreich.</p>
<p>Denn es kommt heraus, dass der Lohnunterschied zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen sehr viel höher ist als der zwischen Männern und Frauen: Die „Median-Menschen“ anderer Staatsangehörigkeit verdienen 32 Prozent weniger als die deutschen Median-Menschen, nämlich nur 2542 Euro im Vergleich zu 3758 Euro.</p>
<p>Noch größer ist der Unterschied zwischen deutschen und nicht-deutschen Männern, nämlich knapp 38 Prozent. Interessant: Auch der Unterschied zwischen deutschen und nicht-deutschen Frauen ist noch größer als der allseits diskutierte Gender-Pay-Gap, nämlich knapp 25 Prozent. Das heißt, für die Ungleichheit beim Einkommen spielt die Herkunft eine weitaus größere Rolle als das Geschlecht, allerdings ist die Ungleichheit unter Männern noch einmal sehr viel größer als die Ungleichheit unter Frauen.</p>
<p>Ebenfalls interessant ist es, wenn man das Gender-Pay-Gap mit der Herkunft kombiniert. Der Lohnunterschied zwischen deutschen Median-Männern und -Frauen beträgt gut 24 Prozent, der zwischen nicht-deutschen Median-Männern und -Frauen nicht einmal 9 Prozent! Das heißt, innerhalb der nicht-deutschen Bevölkerung ist die Geschlechtergleichheit im Bezug auf das Einkommen sehr viel besser als innerhalb der deutschen Bevölkerung.</p>
<p>Ganz krass wird es natürlich, wenn man deutsche Männer mit nicht-deutschen Frauen vergleicht: Hier beträgt die Differenz der Mediane über 43 Prozent. Vergleicht man hingegen deutsche Frauen mit ausländischen Männern, kommt man „nur“ auf gut 17 Prozent.</p>
<p>Fazit: Im Bezug auf ungleich verteilte Einkommen spielt die Herkunft eine deutlich größere Rolle als das Geschlecht. Sowohl das Geschlecht als auch die ausländische Herkunft haben jedoch einen klar „egalisierenden“ Effekt: So sind die Unterschiede zwischen Frauen verschiedener Herkunft sehr viel kleiner als zwischen Männern verschiedener Herkunft, und die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei der nicht-deutschen Bevölkerung sehr viel geringer als bei der deutschen Bevölkerung.</p>
<p>Ich meine, das ist ein guter Diskussionsstoff für weitere Equal-Pay-Tage!</p>
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		<title>Männer und Frauen: Streiten ist schwer</title>
		<link>http://antjeschrupp.com/2011/01/08/manner-und-frauen-streiten-ist-schwer/</link>
		<comments>http://antjeschrupp.com/2011/01/08/manner-und-frauen-streiten-ist-schwer/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 08 Jan 2011 11:44:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Antje Schrupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Girls and Boys]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Lohre]]></category>
		<category><![CDATA[Streiten]]></category>

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		<description><![CDATA[Vorgestern in der taz schrieb Männer-Kolumnist Matthias Lohre (dessen Artikel ich eigentlich immer ganz gerne lese) eine vermutlich wahre Begebenheit auf, die mich erschreckt hat. Es ging um einen Freund, der mit seiner Freundin zusammen in eine gemeinsame Wohnung ziehen will. Die Freundin hat vor, die Wände im Wohnzimmer mit Schwammtechnik pfirsichfarben zu streichen, was [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=antjeschrupp.com&amp;blog=6476496&amp;post=3005&amp;subd=antjeschrupp&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.taz.de/1/debatte/kolumnen/artikel/1/taxi-driver/">Vorgestern in der taz</a> schrieb Männer-Kolumnist Matthias Lohre (dessen Artikel ich eigentlich immer ganz gerne lese) eine vermutlich wahre Begebenheit auf, die mich erschreckt hat. Es ging um einen Freund, der mit seiner Freundin zusammen in eine gemeinsame Wohnung ziehen will. Die Freundin hat vor, die Wände im Wohnzimmer mit Schwammtechnik pfirsichfarben zu streichen, was er schrecklich findet, und er wusste nicht, wie er es ihr sagen soll. Weil, so Lohre, &#8222;Wir jüngeren Männer sind auf Kompromisse mit Frauen gedrillt&#8220;.<img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/177184ef1f9e4117a20c3250d433f0af" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Spontan hat mich der Artikel geärgert. Was für Klischees. Schwammtechnik! (Ist auch bei Frauen eigentlich schon seit zehn Jahren mindestens out). Und dann der leidende Ton des Opfers. Sie werden also &#8222;auf Kompromisse gedrillt&#8220;, die armen Männer &#8211; machen sie sich vielleicht mal ein paar Gedanken darüber, worauf wir Frauen alles gedrillt werden? Und außerdem: Kommt das nicht alles daher, dass ihresgleichen die Frauen über Jahrtausende brutal unterdrückt haben?</p>
<p>Nachdem jedoch mein beleidigter Feministinnenfuror etwas abgeklungen war, habe ich verstanden, dass hinter Lohres Beobachtung ein reales Problem steht: Es ist nicht gut um die Streitkultur zwischen Frauen und Männern bestellt.</p>
<p>Ich kann mir durchaus die Situation vorstellen, denn ich kenne das auch: Frauen, die abschätzig über Männer reden, nach dem Motto: Die haben doch eh keine Ahnung. Speziell bei Themen, die zu traditionell weiblichen Aufgaben gezählt werden (Wohnungseinrichtung!).  Übrigens sind es die eher konventionell lebenden Frauen, diejenigen, die nichts mit der Frauenbewegung am Hut haben, die so auf Männer schauen. Sie haben wahrscheinlich zuviel Boulevardkram à la &#8222;Männer können nicht zuhören&#8220; gelesen und leben das jetzt im Gestus der Emanzipation aus. (<a href="http://www.antjeschrupp.de/emanzipation.htm" target="_blank">Emanzipation und Feminismus sind nämlich nicht dasselbe</a>)</p>
<p>Es könnte aber auch sein, dass die Freundin von Lohres Freund zu denen gehört, die alles auf die Beziehungsebene ziehen. Vielleicht traut er sich nicht, zu sagen, dass es nur über seine Leiche pfirsichfarbene Schwammtechnik-Tapeten im Wohnzimmer geben wird (was ich zum Beispiel definitiv tun würde), weil er befürchtet, dass es nicht bei der Auseinandersetzung zu diesem Thema bliebe, sondern sämtliche Konflikte der vergangenen hundert Jahre wieder mit auf den Tisch kämen. Sowas kommt ja in Beziehungen nicht selten vor, und tatsächlich geht das öfter von Frauen als von Männern aus. Ich habe manchmal den Eindruck, diese &#8211; tatsächlich problematische &#8211; Haltung deutet auch darauf hin, dass Frauen sich mehr offen ausgetragene Konflikte mit Männern wünschen. So versuchen sie quasi verzweifelt, gleich alles auf&#8217;s Tapet zu bringen, wenn sich denn überhaupt mal eine Gelegenheit ergibt. Was natürlich der Sache nicht dienlich ist.</p>
<p>Mich hat das Thema vielleicht auch deshalb beschäftigt, weil es gerade in den letzten Tagen einen Konflikt gegeben hat zwischen einer meiner politischen Denkfreundinnen und einem Vertreter der Grundeinkommensbewegung. Sie war ihn recht harsch dafür angegangen, einen Kongress mitzuorganisieren, wo wieder einmal fast nur Männer eingeladen waren und die von Frauen erarbeiteten Aspekte des Themas wie so oft unter den Tisch fielen. Und sie hatte sich bei diesem Streit besonders geärgert, als er sie mit den Worten zu beruhigen versuchte: &#8222;Ich will mich nicht mit Ihnen streiten.&#8220; Sie wollte sich nämlich streiten.</p>
<p>Die Unlust vieler Männer, mit Frauen zu streiten, ist nicht nur ein Phänomen in privaten Beziehungen oder ein psychologisches Problem, sondern es ist ein <em>politisches </em>Problem. Die Beziehungen zwischen den Geschlechtern sind heute nicht mehr so sehr dadurch belastet, dass die Männer antifeministisch eingestellt wären, sondern dass viele von ihnen <em>desinteressiert </em>sind an dem, was Frauen vorzubringen haben.</p>
<p>Jedenfalls höre ich diese Klage oft, und zwar nicht nur von den konventionellen Frauen. Eine andere politisch engagierte Freundin zum Beispiel hat mir mal einen Aufsatz zum Gegenlesen gegeben mit der Bitte um Feedback. Ich fragte sie, was denn ihr Mann, der sich mit dem Thema, um das es ging, ebenfalls gut auskennt, dazu meinen würde. Ihre Antwort war, dass er für sie bei sowas keine große Hilfe sei, weil er pauschal immer alles gut finde, was sie schreibt. Diese Art des &#8222;alles gut Findens&#8220; ist auch eine Form des Desinteresses, und ich sehe hier durchaus eine Parallele zu der Schwammtechnikgeschichte.</p>
<p>Deshalb kam ich letztendlich zu dem Schluss, dass die Kolumne von Matthias Lohre zwar irgendwie ärgerlich, aber doch auch wertvoll ist: Sie hilft mir nämlich zu verstehen, woher das Unbehagen von Männern an Konflikten mit Frauen möglicherweise kommt.</p>
<p>Ich möchte dieses Unbehagen verstehen und ernst nehmen. Denn ansonsten besteht die Gefahr, dass es endet, wie im Beispiel, das Lohre erzählt: Auf dem Rückweg vom Baumarkt landet er mit seinem Freund in einem Taxi, und der Taxifahrer ist ein Macker-Patriarch alter Schule. Auf die Frage &#8222;Was würden Sie tun, wenn Sie keine Lust auf Schwammtechnik im Wohnzimmer haben?&#8220; entgegnet er: &#8222;Dann würde ich sagen: Schätzken, verbesser doch erst mal deine Schwammtechnik in der Küche.&#8220; Also mit der alten, sexistischen Art und Weise, in der Frauen und ihre Anliegen früher von Männern nicht ernst genommen wurden.</p>
<p>Natürlich ist der &#8222;neue&#8220; und eigentlich gutwillige Mann, der nicht weiß, wie er mit seiner Freundin den Schwammtechnik-Konflikt austragen soll, von diesem Machogetue fasziniert. Es ist deshalb sehr wichtig, dass wir uns etwas Besseres einfallen lassen.</p>
<p>Denn vermutlich hängt alles viel weniger davon ab, ob Männer und Frauen sich gegenseitig verstehen, als vielmehr davon, dass sie endlich ernsthaft lernen, sich zu streiten.</p>
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