Tarantinos Männlichkeit

Ich sag es gleich, ich bin ein Fan von Tarantino, und auch von seinem neuesten Film The Hateful Eight. Ich fand den besser als Django Unchained, dessen klares Gut gegen Böse mir nicht gefallen hat. Tarantino zeigt in The Hateful Eight ein Kammerspiel über die zerstörerische Kraft des zu Ende gehenden Patriarchats. Auf die Idee brachte mich eine Bekannte, die sagte: Genau wie im wirklichen Leben ist die eigentliche Zivilisation, die dem Ganzen zugrunde liegt, im Film weitgehend unsichtbar, wird nur nebenbei erwähnt. Es ist die auf „Care“ gründende Umtriebigkeit des Alltagslebens, die sich in Maggie’s Haberdashery zeigt: ein Ort, wo gekocht, geputzt, geredet und gelacht wird, wo Feuer brennt und Kaffee auf dem Herd steht, wo Frauen und Männer, Schwarze und Weiße, Alte und Junge ihren Platz haben. Ein Ort mit Tischen und Stühlen, mit einem Dach über dem Kopf – und einem imposanten Bett in der Mitte (was für eine großartige Idee!). Maggie und ihr Haberdashery (ein tolles Wort, ich hab’s gegoogelt, es heißt

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Ciswissenschaft und Transpolitik

Diese Woche war ich bei einem Kongress über Transsexualität und hörte zwei Professoren, die (in Bezug auf Beheimatung im bestehenden System) so dermaßen Cis waren, dass es fast schon einer Karikatur ähnelt. Kurzfassung: Die Wissenschaft hat nun festgestellt, dass Transsexualität normal ist. Normal nicht etwa deshalb, weil wir in politischen Auseinandersetzungen eine Kultur hervorgebracht hätten, die sich von den Zumutungen traditioneller Geschlechterkonzepte befreit hat. Nein, normal, weil Transsexualität nun (offenbar) die höchstmöglichen Weihen erhalten hat, die die bestehende symbolische Ordnung zu vergeben hat: Ihre Entstehung ist naturwissenschaftlich herzuleiten, man kann also experimentell-biologisch beweisen, dass es sie gibt. Die Betroffenen „bilden sich das nicht nur ein“. Tadaa! Der erste Professor begann bei den Genen und dem Testosteron, das der Körper bei xy-Menschen im Embryonenstadium ausschüttet und bei xx-Menschen nicht. Dieses Testosteron bewirke eine Maskulinisierung des Embryos, allerdings auf komplexen Wegen und in unterschiedlichen Abschnitten, sodass es durchaus vorkomme, dass zwar der Körper maskulinisiert sei, nicht jedoch das Gehirn. Voilà Transsexualität. Als xx-Mensch und Feministin

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Ein paar Anmerkungen zu den Suffragetten

Gestern Abend hab ich den Film gesehen, und möchte dazu ein paar Anmerkungen machen. Ich finde ihn nicht rundum gelungen, und warum, dazu schreibe ich hier die wichtigsten Punkte auf (die im Prinzip nicht nur diesen Film betreffen, sondern mich in historischen Darstellungen der Frauenbewegung häufiger stören). Der Slogan „Taten statt Worte“ gefällt mir nicht, denn Worte sind auch Taten. Eigentlich ging es ja um die Frage der Militanz, aber genau deren Pro und Contra wird in dem Film meiner Meinung nach nicht wirklich ernstgenommen. Sondern es wird irgendwie darauf gesetzt, dass wir Zuschauerinnen sowieso auch finden, dass „Taten besser sind als Worte“. Das Verhältnis der bürgerlichen Frauenrechtlerinnen zu den Arbeiterinnen wird doch arg idealisiert. Es gab dazu ziemlich viele Konflikte, etwa zu der Frage, warum die bürgerliche Frauenbewegung ihre Aktionen allein auf das Wahlrecht fokussiert, so als würden Klassenunterschiede damit quasi von alleine verschwinden. Dass hier im Film die Arbeiterinnen und Bürgerlichen so völlig smoothly Hand in Hand arbeiteten,

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„Speculum, the Other man. Eight points on the spectres of Cologne“

„Listening to the other – her experience, her story, her needs, her desires, her traumas, her resources – is a necessary condition for repairing the pattern of civilisation, and in a direction opposite to that of the clash of civilisations. In this, the racket of the media machine, wholly programmed not to listen but to shout, is no help to us – rather, it is an obstacle.“ Italienische Feministinnen – darunter einige Freundinnen der Philosophinnengemeinschaft Diotima – haben unter dem Titel „Speculum, the Other man. Eight points on the spectres of Cologne“ eine lange, meiner Meinung nach sehr gute Analyse der Debatten nach den Köln-Ereignissen geschrieben. Verzeiht, dass ich immer noch kein anderes Thema hier habe. Hier ist der Link zum (englischen) Text.