1. Ich pack es mal hier rein, weil ich auf Twitter gesehen habe, dass du dich gegen genetische Vaterschaft aussprichst. Wie begründest du die Abschaffung des Verursacherprinzips, die mit der Abschaffung genetischer Vaterschaft einhergeht? Das Problem ist doch eigentlich folgendes: Kinder kosten Geld und machen Arbeit. Kinder können auch etwas sehr Tolles sein, aber sie machen eben auch Kosten und Arbeit. Und dafür muss jemand bezahlen.

    Wer also soll das sein? Das müssen doch diejenigen sein, die das Kind wollten. Wenn sich ein Vater und eine Mutter für Vaterschaft entscheiden im Sinne einer sozialen Vaterschaft,sind sie das. War ja ihre Entscheidung.

    Aber was, wenn gar keiner der soziale Vater sein will, weil es halt kein Wunschkind war, sondern ungewollt durch Sex entstanden ist (böse Zungen würden von einem „Unfall“ sprechen)? Nun, dann ist die einzige gerechte Lösung das Verursacherprinzip: Wer die Kosten verursacht hat, muss sie auch bezahlen. Und das sind die Mutter und der biologische Vater. Hier geht es gar nicht um Genetik, sondern um Kausalität. Dieser Unterschied fällt bei dir gerne mal unter den Tisch.

    Was auf gar keinen Fall gerecht wäre, wäre dass sich „die Gesellschaft“ um das Kind kümmern muss. Warum sollten fremde Leute ihr hart verdientes Geld abgeben müssen, um entweder den Lebensentwurf fremder Leute zu finanzieren (bei einem Wunschkind) oder um die Kosten zu decken, die andere verursacht haben. Mir schenkt ja auch niemand Geld dafür, dass ich so lebe wie ich will oder um Kosten zu tragen, die ich verursacht habe.

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  2. @Wilhelm – Ich finde, dass die Gesellschaft insgesamt für Kinder aufkommen muss, weil eben das die Bedeutung von „Gesellschaft“ ist, dass Menschen sich nicht bloß als Individuen verstehen, sondern als Gemeinschaft. Die Frage, wie das Verhältnis von Erwachsenen und Kindern in einer Gesellschaft organisiert wird, ist Gegenstand der Politik, das heißt, es muss diskutiert und entschiedne werden. Tatsächlich ist das Problem dabei, wie hier der Übergang vom körperlichen Zustand des „Zwei in Eins“ während der Schwangerschaft zum gesellschaftlichen Zustand (ein Mensch mehr in der Gesellschaft) organisiert wird. Insofern sind Kinder also gewissermaßen „Privatsache“ (der schwangeren bzw. schwanger gewesenen Person) und „Sache der Allgemeinheit“ (wenn das Kind geboren ist) zugleich. Das Problem ist, dass wir keine kulturellen Denkmuster haben, die das erfassen können, weil die klassische patriarchale Philosophie zwischen den beiden Sphären „privat“ und „allgemein“ eine große Prinzipienmauer eingefügt hat, so als wären das komplett getrennte Entweder-Oder-Sphären.

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  3. Ich denke schon, dass jeder Mensch in aller erster Linie ein Individuum ist. Dafür gibt es auch durchaus objektive Gründe, nämlich die Tatsache, dass jeder nur in seinem eigenen Körper lebt. Wenn ich zum Beispiel etwas esse, wirst du nicht satt und umgekehrt. Folglich ist es objektiv egal für mich, wie es anderen Menschen geht. Dass ich den ganzen Tag geschuftet habe, um das Essen bezahlen zu können, kann anderen freilich auch egal sein. Da Glück und Leid individuell empfunden werden, ist Individualismus die logische Konsequenz. Alle kollektiven Identitäten sind Fiktion.

    Aus diesem Individualismus folgt Egoismus als zentrale Eigenschaft aller Menschen. Das heißt nicht, anderen zu schaden, aber sich zuerst um sich selbst zu kümmern und durch Eigennutz motiviert zu werden. Und wenn ich fremde Kinder versorgen muss, die ich selber nie wollte, dann ist das halt nicht in meinem Interesse. Mit welchem Recht fordern diese fremden Eltern also Geld von mir? Sind die nicht die wirklichen Egoisten, die wollen, dass ich schufte und ihnen dann die Früchte meiner Arbeit schenke? Diese Leute hatten nicht meine Kopfschmerzen, als ich arbeiten war, also warum fordern sie jetzt mein Geld, so dass ich mir weniger leisten kann?

    Die Gesellschaft brauchen wir nur, um möglichst allen individuelle Freiheit ermöglichen zu können. Damit wir uns nicht die Köppe gegenseitig einschlagen und um die gröbsten Ungerechtigkeiten ausgzuleichen, aber mehr auch nicht. Ich habe auch kein Problem damit, dass durch meine Steuergelder öffentliche Schulen für Kinder finanziert werden, aber das hat für mich nichts damit zu tun, dass ich mich mit diesen Kindern in einer angeblichen Gemeinschaft sehe, sondern im Gegenteil, dass ich sie als andere Individuen respektiere, die auch ein Recht auf Bildung haben, um ihre eigenen Wünsche verfolgen zu können, so wie ich auch. Ich bin durchaus kein Anhänger von Ayn Rand. Aber diese Unterstützung möchte ich nur bis zu einer gewissen Grenze leisten, denn der wichtigste Mensch für mich bin immer noch ich selbst (das gilt für alle Menschen, ob sie es zugeben oder nicht)

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  4. @Wilhelm – Das Problem ist halt nur, dass du nur schuften kannst, weil dich jemand als Baby versorgt hat. Wäre deine ARgumentation zutreffend, würden alle Babies sterben und es gäbe gar keine erwachsenen Menschen. Dich auch nicht. Auch bei dem, was du dann später schuftest, benutzt du ständig Dinge, die andere Leute gemacht haben, erfunden haben, bereit gestellt haben. Du kannst überhaupt selbst nur etwas tun, weil du schon vorher ganz ohne Gegenleistung jede Menge bekommen hast, das heißt, du stehst bereits in der Schuld der Gesellschaft bevor du auch nur den ersten eigenen Finger zum Arbeiten gerührt hast.

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  5. hm, das sehe ich anders. Wie gesagt gehe ich davon aus, dass jedes menschiche Handeln egoistisch motiviert ist. Das gilt auch für scheinbar altrusitisches Verhalten. Letztlich ist man ja nur altrusitisch, weil man sich selbst dadurch dann besser fühlt. Und das würde ich auch auf meine eigenen Eltern anwenden. Sie haben mich bekommen, weil sie das wollten, also für sich selbst. Daraus entstehen keine meinerseits. Was andere angeht, die in irgeneiner Form zu meinem Wohlergehen beigetragen haben, sind die auch schon kompensiert. Sie sind ja, wiederum durch meine Eltern, bereits bezahlt worden.
    Das einzige, wo ich dein Argument einigermaßen passend finde sind staatliche Leistungen wie Schule, Infrastruktur, öffentliche Sicherheit etc. pp. Aber was das angeht habe ich ja bereits gesagt, dass ich durchaus bereit bin, in Form von Steuern einen Beitrag zu leisten. Nur sollte das halt nicht zu viel sein. Was unverheiratete Normalverdiener(!) abgeben müssen, ist echt krass…

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  6. (altruistisch meine ich natürlich)

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