Vortragsthemen

Bücher schreiben und Bloggen ist das Eine. Doch nichts reicht in der Qualität und Intensität an die persönliche Begegnung heran, an den Austausch zwischen Menschen, die sich in Fleisch und Blut begegnen. Der öffentliche Vortrag, die Diskussion, die nicht über Medien vermittelt, sondern einzigartig an einen bestimmten Ort und zu einem bestimmten Zeitpunkt stattfindet, ist durch keine Technik zu ersetzen. Das ist jedenfalls meine Erfahrung, und deshalb freue ich mich immer über Einladungen zu Vorträgen und Podiumsdiskussionen. Hier eine Liste meiner Themen, die aber ständig erweitert wird.

Political Correctness und Meinungsfreiheit
In jeder Kultur gibt es Dinge, die Gegenstand von Debatten sind, und Ansichten, die als indiskutabel und als unsäglich gelten. Wer sich am öffentlichen Diskurs beteiligen möchte, muss diese Grenze zwischen dem Sagbaren und dem Unsagbaren – die gleichzeitig jederzeit heftig umkämpft ist – kennen. Wer darf was wann (nicht) sagen? Und wie steht es um das Spannungsverhältnis zwischen Political Correctness und Meinungsfreiheit?

Care: Sorgen für die Welt als Zentrum der Ökonomie
Unter dem Stichwort “Care” – Sorgen – sind Arbeiten zusammengefasst, die zur Pflege und Erhalt des Lebens notwendig sind, aber nicht unbedingt profitabal im Kapitalismus vermarktet werden können: Pflege von Kranken, Erziehung und Bildung von Kindern, Putzen, Waschen und Aufräumen, die Bereitstellung von gesundem und nahrhaftem Essen und vieles mehr. Wer macht diese Arbeiten und unter welchen Bedingungen? Diese Frage steht im Zentrum einer Ökonomie des guten Lebens. Dabei müssen wirtschaftswissenschaftliche Parameter geradegerückt und alte Spaltungen – etwa zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit oder zwischen Frauen- und Männerarbeit – überwunden werden. Gemeinsam mit anderen feministischen Ökonominnen und Ethikerinnen beschäftige ich mich schon lange mit diesem Thema, derzeit u.a. im Koordinierungskreis des Netzwerkes Care-Revolution.

Stinkt Pink?
Die Pinkifizierung schreitet voran: Vom Barbiehaus in Berlin über Prinzessin Lillifee bis zum eigenen rosa Legoprogramm. Mädchen werden auf “Prinzessin” getrimmt. Doch es gibt Gegenbewegungen, von Initiativen wie “Pink Stinks” über Fat-Acceptance-Blogs bis hin zu ironischer Brechung solcher Stereotypen. Denn bei aller Kritik wäre es falsch, die Pinkifizierung als “Mädchenkram” lächerlich zu machen, zumal das Thema keineswegs nur Mädchen betrifft. Die Pinkifizierung fordert vor allem uns als erwachsene Frauen heraus, unser eigenes “Doing Gender” zu überprüfen. Wie wichtig ist es uns, auf eine bestimmte Weise “Weiblichkeit” darzustellen? Ohnehin gibt es Hoffnung am Horizont, denn längst ist die Farbe Pink auch von feministischen Initiativen angeeignet worden: Pink, so die These des Vortrags, ist das neue Lila – oder könnte es zumindest werden.

Methusalems Mütter – Chancen des demografischen Wandels
Die Veralterung der Gesellschaft schlägt immer wieder hohe Wellen in der öffentlichen Diskussion. Meistens wird diese Veränderung als Problem dargestellt. Ich bin hingegen der Ansicht, dass diese Veränderung eigentlich ein Grund zur Freude ist. Ihre Ursache ist nämlich vor allem die verlängerte Lebenserwartung – und wir wollen uns doch nicht wirklich darüber beschweren, dass Menschen heute mit hoher Wahrscheinlichkeit alt werden. Allerdings macht das auch ein kulturelles Umdenken erforderlich, nämlich den Abschied von einem Menschenbild, dass den gesunden, erwachsenen, eigenverantwortlichen (und tendenziell männlichen) Menschen zur Norm erklärt. Neue Altersbilder würden es ermöglichen, gesellschaftliche Strukturen den veränderten Verhältnissen anzupassen. In meinem Buch “Methusalems Mütter. Chancen des demografischen Wandels” habe ich Fakten und Argumentationslinien zu diesem Thema zusammengetragen – und stelle die Thesen gerne bei einem persönlichen Vortrag zur Diskussion.

Zum Stand der Frauenbewegung
Ist der Feminismus “out”? Hat sich das Thema mit der Emanzipation erledigt? Welche unterschiedlichen Erwartungen und Anliegen haben jüngere und ältere Frauen – und wie können sie sich gegenseitig bereichern? Was ist die “dritte Welle” der Frauenbewegung – und gibt es vielleicht schon eine vierte? Solche und andere Fragen sind Thema meiner Vorträge zum Stand der Frauenbewegung. Sie verändern sich laufend und greifen jeweils aktuelle politische Debatten auf. Denn die Frauenbewegung ist in ständiger Veränderung, und die “Politik der Frauen” sehr viel phantasiereicher und alltagsrelevanter als man glaubt. Sie erschöpft sich nicht in staatlicher “Frauenpolitik” oder Gender-Mainstreaming-Programmen, sondern geht weit über die Gleichstellung der Frauen mit den Männern hinaus.

Grundeinkommen – was daran gut ist und was noch fehlt
Das Bedingungslose Grundeinkommen ist derzeit in aller Munde. Dahinter steht die Idee, dass es sinnvoll wäre, wenn alle Menschen, unabhängig von ihrer “Leistung”, einen Mindestbetrag zum Lebensunterhalt bekommen. Gemeinsam mit politischen Denkfreundinnen habe ich bereits 2004 ein Thesenpapier zum Grundeinkommen verfasst. In meinen Vorträgen dazu stelle ich das Konzept vor, zeige seine Stärken (vor allem im Hinblick auf die Bedürftigkeit, die ein Grundmerkmal des Menschseins ist) – mache aber auch die problematischen Aspekte davon zum Thema. Die sehe ich vor allem in der ungeklärten Frage, wie in Zukunft die Haus- und Fürsorgearbeit geregelt werden könnte. Denn diese Seite der Medaille kommt mir bei vielen männlichen Befürwortern des Grundeinkommens oft zu kurz.
* Hier eine Seite mit Links zu Vorträgen, Artikeln und Podcasts von mir zum Thema.

Feminismus versus Islam?
Zu kaum einem anderen Thema ist die westliche Frauenbewegung so gespalten wie zu ihrer Haltung zum Islam. Die Bandbreite reicht von radikalen Islamkritikerinnen bis zu muslimischen Feministinnen. In meinem Vortrag zeichne ich die verschiedenen Argumentationslinien nach gehe ich auf tagesaktuelle Ereignisse zum Thema ein. Meiner Ansicht nach ist die ganze Frage dabei falsch gestellt: Die Alternative ist nicht, entweder auf einem klaren Bekenntnis zur weiblichen Freiheit zu bestehen, oder aber feministische Grundsätze hinten anzustellen, um auf “multikulturellen Kuschelkurs” zu gehen. Ich bin der Überzeugung, dass weibliches Selbstbewusstsein und Offenheit für das Andere sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern dass diese Offenheit dringend notwendig ist, wenn wir die Errungenschaften der westlichen Frauenbewegung auch Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund vermitteln möchten. Hier der Audiomitschnitt eines Vortrags, den ich im November 2010 dazu an der Frankfurter Uni gehalten habe.

Hannah Arendt, Simone Weil und Co.
Viele großartige Denkerinnen haben Ideen entwickelt, von denen sich auch heute noch viel lernen lässt. Und sie haben die Welt ausgehend von ihrem Frausein gedacht – eine Perspektive, die in der männlichen Philosophie meist zu kurz kommt. In meinen Vorträgen stelle ich das Denken dieser Frauen vor, und zwar nicht als abstrakte Geschichtslektion, sondern indem ich sie in Bezug setze zu heutigen Fragen und zu alltagsrelevanten Themen. Dabei lege ich Wert darauf, ihre Philosophie allgemeinverständlich zu vermitteln, ohne sie aber zu banalisieren. Denn ich bin überzeugt, dass auch schwierige und komplexe Gedankengänge verstehbar sind, wenn es gelingt, sie mit den eigenen, persönlichen Anliegen in eine Beziehung zu setzen. Im Repertoire sind derzeit Hannah Arendt, Simone de Beauvoir, Simone Weil und Luisa Muraro.

Von der Dauerwelle zur Vagina-OP
Kleidermode, Schminken und Modifikationen am eigenen Körper sind Teil jeder menschlichen Kultur. Und sie sind ein wesentliches Mittel des „Doing Gender“, also der Darstellung und Ausgestaltung der eigenen Geschlechtszugehörigkeit, und vor allem der weiblichen. Doch im Unterschied zu früheren Epochen ist heute die Schönheitsindustrie ein zusätzlicher starker Akteur auf diesem Gebiet. Und durch medizintechnischen Fortschritt sind Eingriffe in den eigenen Körper heute in einem ganz anderen Ausmaß möglich als früher. Zudem scheint es nicht mehr nur um öffentliche Performance zu gehen, sondern um „Intimperformance“, wie etwa bei Intimrasur oder Operationen an der Vagina. Andererseits können diese Möglichkeiten auch zur Brechung und Überschreitung von Geschlechtergrenzen genutzt werden, zum Beispiel (aber nicht nur) im Fall von Trans- oder Intersexualität oder in der „Cyborg“-Bewegung. Wie ist diese Entwicklung aus feministischer Perspektive einzuschätzen? Wie sieht das Spannungsfeld zwischen körperlicher Selbstbestimmung und Rollendruck aus? Welche Handlungsoptionen gibt es und welche Möglichkeiten, wo zu intervenieren?

Victoria Woodhull – die erste Frau, die Präsidentin von Amerika werden wollte
Sie war ein Mädchen aus der Unterschicht, die einen ungewöhnlichen Aufstieg schaffte: Victoria Woodhull (1838-1972) war Spiritistin, Zeitungsmacherin, Frauenrechtlerin und Sozialistin. Sie war die erste Frau, die eine Brokerfirma an der Wallstreet gründet. Sie versammelte Teile der Frauenbewegung und der Arbeiterbewegung hinter sich und kandidierte 1872 in einer Aufsehen erregenden Kampagne bei den Präsidentschaftswahlen in de USA – fast 50 Jahre vor Einführung des Frauenwahlrechts. Aber auch in den Reformbewegungen war sie vielen zu radikal, vor allem wegen ihre Eintretens für “freie Liebe”. Lange Zeit war sie in Vergessenheit geraten, erst in den 1990er Jahren wurde sie wiederenteckt. Ich war im Zuge meiner Doktorarbeit über sozialistische Feministinnen auf sie gestoßen und habe 2002 ein Buch über sie geschrieben. Eine faszinierende, inspirierende und Widerspruch provozierende Frau, die es zu entdecken lohnt! Mehr unter www.victoriawoodhull.de

Frauenbilder in den Medien
Die oft sexistische Darstellung von Frauenkörpern in der Werbung und die klischeehaften Frauenbilder in vielen Filmen und Serien ist schon oft beklagt worden. Doch heute stellt sich das nicht mehr so einfach dar, wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Die öffentlichen Frauenbilder sind komplexer geworden, breiter aufgefächert. Und längst werden sie nicht mehr nur von Männern, sondern auch von Frauen selbst produhziert. In diesem Vortrag zeige ich anhand von ständig aktualisierten Beispielen, wie sich die Frauenbilder in den Medien gewandelt haben, welche Aspekte dabei zu berücksichtigen sind, und gehe vor allem der Frage nach, was sich dagegen unternehmen lässt – wenn man es nicht bei den meist ohnehin fruchtlosen Beschwerden beim Presserat bewenden lassen will.

Facebook, Twitter und Co. – ist das Web 2.0 eine Gefahr oder eine Chance?
Das Internet hat sich in den letzten Jahren rasant gewandelt. Jede und jeder kann heute veröffentlichen und die eigene Meinung der ganzen Welt mitteilen. Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twittern bringen neue Formen von Beziehungen hervor, die viele Chancen bieten, aber auch nicht ganz unproblematisch sind. Vor allem Frauen sind oft skeptisch und – wie ich finde, leider – bisher noch eher unterrepräsentiert. Als eine, die schon früh ein Fan des Internet war und seit Jahren aktiv im “Web 2.0″ unterwegs ist, teile ich diese Erfahrungen gerne mit anderen. Dabei stelle ich mich ganz auf die Fragen und Bedürfnisse des Publikums ein. Von einer elementaren Einführung in das Thema bis hin zu einer medientheoretischen Reflektion ist alles möglich. (Hier eine Übersicht über meine Internet-Texte)

Der Gott der Frauen /  Eine Kirche, die wir lieben können? / Weibliche Spiritualität
Religionen sind meistens von ihrer Geschichte her tendenziell frauenfeindlich. Und doch haben Frauen über die Jahrhunderte hinweg über Gott nachgedacht. Sie haben neue Formen von Spiritualität entwickelt und sich innerhalb von Kirchenstrukturen eine Stimme gegeben. Als eine, die sich selbst als “fromm” bezeichnet, liegt mir daran, die Wurzeln weiblicher Theologie sichtbar zu machen. Was ist das Besondere am “Gott der Frauen” (so ein Buchtitel von Luisa Muraro)? Welche Fallstricke gibt es, wenn man sich in religiösen Institutionen bewegt? Wie könnte eine Kirche aussehen, die “wir lieben können”? (Eine Formulierung, die Bärbel Wartenberg-Potter geprägt hat)? Je nach Kontext und Zielgruppe schneide ich meine Vorträge zu diesem Themenbereich immer neu zusammen.
* Eine Kirche, die wir lieben können. Manuskript eines Vortrags im Juni 2010 bei der Initiative “Tempo” zur Institutionalisierung feministischer Theologie
* Weibliche Spiritualität und politische Praxis. Manuskript eines Vortrags im März 2010 in der “Kirche der Stille” in Hamburg-Altona

Weitere Themen
* Neid und Konkurrenz unter Frauen
* Wozu geschlechtergerechte Sprache?
* Gewalt gegen Frauen
* Affidamento: Beziehungen unter Frauen als politische Praxis
* Brauchen wir eine “große Frauen”? Zum Sinn und Unsinn historischer Frauenforschung
* Was ist eigentlich Arbeit?
* Über das Böse
* Über das Müssen
* Was ist weiblich?
* Sprache und Autorität
* Fundamentalismus. Rechtsruck in Kirche und Religion?
* Feministische Sozialistinnen im 19. Jahrhundert
* Frauen in der Geschichte des Anarchismus