Für einen guten Zweck: Antje trägt Armband

Für alles gibt es ein erstes Mal, und nach elf Jahren wird es wirklich auch mal Zeit, dass dieser Blog seinen ersten Werbepost bekommt!

armband_klein

Was ich auf dem Foto hier in die Kamera halte, das ist ein Charity Armband vom @UN „Women Nationales Komitee Deutschland e.V.“ Ich habe es umsonst zugeschickt bekommen, und es ist wirklich ziemlich hübsch.

Wer live überprüfen will, dass ich es tatsächlich auch trage, kann heute Abend in Geesthacht zu der Frauentags-Feier der Stadt kommen, wo ich was über Feminismus sagen werde. Vorausgesetzt, ich habe das Armband nicht vorher im Zug liegen lassen oder so.

Was mir leider mit Schmuck öfter mal passiert. Deshalb kommt bei mir wenn überhaupt nur Modeschmuck in die Tüte, nix Echtes und Teures. Dieses Armand hier kostet zum Beispiel 39 Euro und Ihr könnt es unter diesem Link kaufen.

(„Toni Garrn trägt es, Nicole Kidman trägt es, Gisele Bündchen trägt es, Martina Navratilova trägt es!“ – wer um Himmels Willen ist Toni Garrn????)

Das Geld geht teilweise an die Kunsthandwerkerinnen in Kenia, die es hergestellt haben, und teilweise in Projekte der UNO gegen Gewalt gegen Frauen. Hier ein paar Beispiele.

Eigentlich eine schöne Sache, nicht wahr? Share and recommend: #Planet5050 #GenderEquality #IWD2017“

Die aufregende Kritik am Geschlechterblödsinn

Gestern Abend ging beim Zeit-Blog 10 nach 8 ein Kommentar von mir zu Gendermarketing online (Anlass war die Verleihung des Goldenen Zaunpfahls, eines Negativpreises für geschlecherbescheuertes Marketing, das zu Recht an den Klettverlag ging für seine getrennten Lesebücher für Jungen und Mädchen). Wie ich auch schon hier im Blog bemerkt habe, gehen die Klickzahlen und Kommentare bei diesem Thema durch die Decke. Das Überraschungsei und die Frauenbratwurst sind hier im Blog mit großem Abstand die meist geklickten Blogposts – zehnmal so viele Zugriffe wie normale Artikel. Irgendwie meine ich, dass da noch was anderes dahinter stecken muss. Warum können sich Leute über Kritik an Gendermarketing so aufregen? Aber lest selbst…

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Außerdem habe ich für den Blog Last Interview ein paar Fragen beantwortet. Zu ganz was anderem.

 

Feministisches Netzwerk zum Mitmachen

Hallo, hierauf wollte ich euch noch kurz hinweisen, weil ich bei der Vorbereitung mit beteiligt war und das Ganze dementsprechend gut finde 🙂

femnetz

Inspiriert von den riesigen Protesten des #czarnyprotest in Polen bis zum Women’s March on Washington in den USA und nach Vorbild von We can’t keep quiet in der Schweiz haben wir uns spontan zusammengeschlossen, um uns mit den globalen feministischen Aktionen und Streikbewegungen rund um den 8. März zu solidarisieren. Als Feministisches Netzwerk wollen wir eine Plattform schaffen und die zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen in ganz Deutschland zum Internationalen Frauenkampftag (Zeitraum 4.-12. März) sichtbar machen, dafür mobilisieren, neue Mitstreiter*innen gewinnen, uns untereinander nachhaltig vernetzen und uns mit den weltweiten feministischen Aktionen und Bewegungen solidarisieren.

Ausgehend von den Leitprinzipien der Women’s Marches haben wir auf die Situation in Deutschland übertragene Leitgedanken formuliert, die den inhaltlichen Rahmen bilden, den gemeinsamen Konsens.

Ich finde diese Sichtbarkeit jetzt gerade wichtig, weil ich glaube, dass die Frauenbewegung im Begriff ist, zur Plattform für soziale Bewegungen und einen Widerstand gegen Rechtsruck und Nationalismus, soziale Ungerechtigkeit und zunehmenden Reichen-Egoismus zu sein. Ohne Feminismus gibt es keine Demokratie, keine Linke, keine Proteste mehr. Deshalb sind auch Männer aufgefordert, sich hier anzuschließen.

Alles Weitere hier.

 

 

Debatten vor dem Facebook-Grab gerettet, Teil 2

Gerade gab es auf der Facebookseite von Michael Seemann ein kleines Geplänkel zum Thema Meinungsfreiheit, an dem ich mich beteiligt habe, und da fiel mir auf, dass ich in dieser neuen Rubrik hier ja nicht nur Diskussionen auf meiner eigenen Facebookseite, sondern auch auf denen von anderen verlinken und damit für die Zukunft googlebar machen kann. Also: Hier, Meinungsfreiheit!

Außerdem hatte ich über die aktuelle Ausstellung „Geschlechterkampf“ im Städel gerantet, ich fand sie doof.

Das Städel hat netterweise geantwortet, das findet Ihr hier.

Weiterhin diskutierten wir über den Unterschied zuwischen einem Bedingungslosen Grundeinkommen und repressionsfreiem Hartz IV: Gibt es da einen Unterschied? (Spoiler: Ich behaupte, es ist dasselbe, jedenfalls rechnerisch, der Unterschied ist rein symbolisch, das allerdings ist ein gravierender Unterschied: Grundeinkommen erkennt Bedürftigkeit als prinzipielle Bedingung des Menschseins an, Hartz IV, wie repressionsfrei auch immer, beharrt darauf, dass „normalerweise“ Leute „für sich selbst sorgen“ sollen.

Und: Trumps erste Woche – sie machte mich atemlos.

Postkoloniale Politikwissenschaft oder: Was ich im Studium nicht gelernt habe.

Als ich in den späten 1980ern, frühen 1990ern Politikwissenschaft studierte, war darin von „Postkolonialismus“ noch keine Spur zu finden. Deshalb habe ich mich über einen neuen Sammelband gefreut, der die verschiedenen Auswirkungen und Einwirkungen von „Postkolonialismus“ auf das Fach umreißt.

Bei Sammelbänden ist es immer schwierig, Rezensionen zu schreiben, weil die einzelnen Beiträge natürlich sehr unterschiedlich sind. Daher notiere ich hier nur einige Stichpunkte, in denen ich festhalte, was für mich neu und überlegenswert war.

postkolDie mehrfachen Verweise auf die Haitianische Revolution von 1790 und die damals formulierte Verfassung, die die neben der amerikanischen und französischen die dritte Erklärung in diesen Jahren war, die versucht hat, universale Menschenrechte zu formulieren. Nur im Unterschied zu diesen beiden anderen unter Einbeziehung der Freiheit von ehemals Versklavten. Es ist tatsächlich der Hammer: Im Politikstudium habe ich von der Haitianischen Revolution NICHTS erfahren, während die amerikanische und französische natürlich rauf und runter genudelt wurden.

Etwas klarer geworden ist mir das antagonistische Verhältnis zwischen Postcolonial und After-Shoah-Studies, also letztlich die Frage nach der Singularität des Holocaust und wie sie sich zu den Völkermorden und Versklavungen der Kolonialgewalt verhält. Lässt sich da die Rede vom Holocaust als „Zivilisationsbruch“ noch aufrecht erhalten? Oder muss man nicht vielmehr sagen, dass der Holocaust diesen westlichen Weg der Versklavung und Vernichtung als „anderer“ markierter Menschengruppen, der eben schon lange vorher begann und dem westlichen Freiheitsdenken inhärent ist, lediglich auf die Spitze getrieben hat?

Interessant fand ich die Neuinterpretation von Frantz Fanon, der mir im Studium als Theoretiker der Gewalt natürlich begegnet ist, aber ich habe nie realisiert, dass er aus einer Schwarzen Perspektive schreibt. Ich meine, ich wusste zwar irgendwie, welche Hautfarbe er hat, aber ich gab dem keine Bedeutung.

Hiflreich auch die Überlegungen zur Frage, wie postkoloniale Theorie helfen kann, den gegenwärtigen „Islamdiskurs“ zu verstehen und vielleicht in fruchtbarere Dimensionen zu geleiten: Dies übrigens auch ein Beispiel für die Fähigkeit zur Selbstkritik, denn hier wird die Frage gestellt, inwiefern eine berechtigte postkoloniale Kritik an der Stereotypisierung „des Islam“ andererseits nicht auch als Legitimation patriarchaler Gewalt herhalten kann, wenn sie diese nicht gleichzeitig anprangert.

Ich könnte hier jetzt noch lange weitermachen, es gibt interessante Einzelstudien, zum Beispiel eine postkoloniale Analyse der Aufarbeitung des NSU-Komplexes, Studien zu Indien, Afghanistan, Bolivien, Ruanda, Ghana, und so weiter.

Sehr aufgefallen ist mir in allen Beiträgen die enge Verbindung zwischen feministischer und postkolonialer Analyse, die ja auch auf der Hand liegt, weil es beides Mal darum geht, die Sich-zur-Norm-Setzung des weißen Mannes zu durchbrechen und sich zwischen Egalität und Abgrenzung eine eigene Subjektperspektive zu erobern. Es ist deshalb auch kein Wunder, dass die postkoloniale Politikwissenschaft weiblich dominiert ist: Unter den Beitragenden des Sammelbandes sind 14 Frauen (davon 6 of Color) und 6 Männer (davon 4 of Color) – jedenfalls nach einer schnellen auf den Namen basierten Recherche, im Einzelfall kann ich mich bei der Einschätzung irren, sicher aber nicht im generellen Verhältnis. Diese Verbindung hätte ich mir noch ein bisschen expliziter herausgearbeitet gewünscht.

Ansonsten ist das Ganze natürlich ein akademisches Buch, nichts, was man so nebenbei mal vorm Einschlafen liest, aber wirklich empfehlenswert, wenn man sich mal einen Einstieg in dieses Thema verschaffen möchte. Für Politikwissenschaftler_innen, die sich mit Postkolonialismus nicht besonders gut auskennen, ist es aus meiner Sicht ein Muss.

Aram Ziai (Hg): Postkoloniale Politikwissenschaft. Theoretische und empirische Zugänge. Transcript, Bielefeld 2016, 401 Seiten, 29,99 Euro.

 

Einige Thesen zu Care und Grundeinkommen

Am 21. Februar fahre ich nach Dortmund um dort in einem „Salon der Querdenkerinnen“ ein paar Thesen zu Care und Grundeinkommen zur Diskussion zu stellen. Hier sind die Thesen, falls Ihr mitdiskutieren wollt. Das geht entweder in den Kommentaren oder, natürlich, direkt vor Ort: 18.30 Uhr im Rheinoldium, Schwanenwall 34. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr, zwischendrin gibt es noch Häppchen und musikalische Begleitung der Flötistin Wiebke Voigt.

Und hier sind nun also die Thesen:

Das Bedingungslose Grundeinkommen ist kein Recht, sondern die (symbolische und faktische) Anerkennung der Tatsache, dass alle Menschen Bedürftige und Abhängige sind. Wir alle „leben von Sozialhilfe“, niemand kann für sich selbst sorgen.

Die gegenwärtigen politischen und ökonomischen Krisen lassen sich nicht dadurch lösen, dass hier und da einige Stellschrauben gedreht werden. Notwendig ist ein symbolischer Paradigmenwechsel.

Die Trennung von Arbeit und Einkommen ist bereits Realität. Ein Grundeinkommen würde dieser Realität Rechnung tragen und notwendige Ressourcen an Engagement und Kreativität freisetzen.

Das Bedingungslose Grundeinkommen löst die gegenwärtige Krise allerdings nicht per se, es ist höchstens ein Teil der Lösung. Wenn es jedoch auf der Grundlage einer falschen symbolischen Ordnung eingeführt wird, ist es eher ein Teil des Problems.

Die gegenwärtige Wirtschaftslogik ist allerdings keine Alternative. Sie ist schon jetzt nicht mehr in der Lage, für die Bedürfnisse der Menschen angemessen zu sorgen.

Es gibt eine Diskrepanz zwischen Wirtschaftstheorie und Realität. Die gängigen Wirtschaftstheorien sind falsch, weil sie die Hälfte der Realität – die unbezahlte Arbeit – systematisch ausblenden.

„Care“-Arbeit steht nicht am Rand der Wirtschaft, sondern gehört in ihr Zentrum. Das gilt allerdings auch für die Debatten über ein Grundeinkommen.

Das Problem der gegenwärtigen Care-Krise kann ohne Analyse der Geschlechterdifferenz und ohne die Expertise von Frauen nicht verstanden und behoben werden. Ökonomie ist nicht „geschlechtsneutral“.

Care ist weniger eine bestimmte Art von Tätigkeit als vielmehr eine Haltung, mit der Menschen tätig werden (oder nicht). Sie bedeutet Aufmerksamkeit für das Notwendige und für die Qualität von Beziehungen.

Die konkreten Ausführungsbedingungen (etwa genaue Form der Finanzierung) eines Grundeinkommens sind zweitrangig. Worauf es zunächst ankommt ist, ein neues Menschenbild zu etablieren – und dass das Grundeinkommen wirklich allen Menschen die Existenz sichert und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht.

Discuss!