Klassenkampf und Klimawandel

Nach langer Zeit haben Benni und ich heute pünktlich zum 1. Mai mal wieder gepodcastet. Passend zum Datum ging es um den Klassenkampf (und ob das Konzept heute noch aktuell ist) und passend zur Zeit um den Klimawandel und speziell auch um Klimaleugnung von links. Listen and have fun!

Über öffentliche Ämter und persönlichen Marktwert

Auf meiner Facebook-Pinnwand hat sich anhand dieses Artikels über die Vortragshonorare der Obamas (400.000 US$ Barack, 200.000 Michelle) eine interessante Diskussion über den Marktwert entfaltet, den öffentliche Ämter ihren Inhabern (oder ggfs. auch deren Ehegatt_innen) bringen und ob das gerecht ist. Ich hatte gepostet: Interessante Frage zum Marktwert von Prominenz. Vielleicht müsste man neue Regeln einführen, wonach Inhaber öffentlicher Ämter sich verpflichten, im Anschluss an ihre Amtszeit einen Prozentsatz X von allen künftigen Einnahmen an den Staat abzuführen, z.b. Präsidenten 70%, deren Gattinnen 40%, Senatoren 30% usw.. entsprechend auch für Deutschland. Das wäre doch eine schöne und gerechte Einnahmequelle. Und auf die Nachfrage „warum?“ antwortete ich: Weil nur ein Teil des Honorars für die persönliche Leistung bezahlt wird und der andere Teil für die Prominenz, die man im Schlepptau des Amtes bekommen hat, und der daher nicht der Person zuzurechnen ist, sondern der Gesellschaft, die dieses Amt zur Verfügung stellt, sozusagen Die Reaktionen waren geteilt. Einigte fragten: Warum stellt sich

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Interview über Feminismus und Linkssein

Das Underdog-Fanzine hat mich zum Verhältnis von Feminismus und Linkssein interviewt – Ich kopiere das nochmal hier herein, weil ich das Layout dort irgendwie unleserlich finde.  Antje, du hast mit einer Studie von vier Biographien das Verhältnis von Feminismus und Marxismus untersucht. Welche Rolle spielt das Verhältnis für dich? Ich habe eigentlich das Verhältnis von Feminismus und Sozialismus untersucht, am Beispiel von vier Aktivistinnen, die in der Ersten Internationale (1864-1872)  aktiv waren. Nur eine davon, Elisabeth Dmitrieff, war ausdrücklich Marxistin, zwei andere, André Léo und Virginie Barbet, waren eher Anarchistinnen, und Victoria Woodhull schließlich lässt sich gar keiner solchen Fraktion zuordnen. Generell bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die klassischen Kategorien – wie eben Marxistin oder Anarchistin – für das politische Denken dieser Frauen nicht passen. Die politische Ideengeschichte ist historisch eine sehr männliche Disziplin, bis vor wenigen Jahrzehnten interessierte sie sich nur für die politischen Ideen von Männern. Dann kam der Feminismus auf, und man hat versucht, Frauen in

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Wie funktioniert Wahlkampf 4.0?

Wie laufen Wahlkämpfe heute ab? Ich hatte am Sonntag jedenfalls drei Kommunikationsstränge bei der Landtagswahl: Vorne auf der Leinwand lief abwechselnd HR oder ZDF, im Raum saßen noch vier andere Leute, mit denen ich diskutierte, und im Handy lief Twitter. Und wie erlebt Ihr so Wahlen? Rund um das Thema gibt es vom 3.-14. November eine Diskussionsplattform. Unter dem Motto „Politische Bildung in Zeiten von Digitalisierung und Social Media“ werde ich zusammen mit der Politikberaterin Cecilia Mussini darüber in einem Forum diskutieren, und am 14. November gibt es dann ein Live-Webinar, wir sind vor Ort in Fulda, aber zuschalten kann man sich von überall aus. Vielleicht habt Ihr Lust, dabei zu sein, dann geht es hinter diesem Link direkt zum Forum. Wenn Ihr Vorschläge für Inhalte, Aspekte, Themen usw. habt, freue ich mich über Anregungen in den Kommentaren oder gerne auch per Mail. Mich nervt es ja ehrlich gesagt ein bisschen, dass in letzter Zeit nur noch negativ über Debattenkultur im

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Der Sound der Macht

Wenn der Aufstieg der extremen Rechten in Europa und ihrer parlamentarischen Ableger diskutiert wird, ist meist von den Formen oder den Inhalten ihrer Politik die Rede. Aber das ist immer auch etwas schwierig, und zwar weil es aufgrund des Phänomens der „gefährlichen Nähe“ oft Ähnlichkeiten gibt. Nicht nur haben sie Aktionsformen und Rhetorik linker Bewegungen übernommen, auch inhaltlich lässt sich keineswegs scharf zwischen ihnen und den „akzeptablen“ Parteien und Bewegungen unterscheiden, was man daran sieht, wie leicht große Bereiche ihrer Agenda in den normalen Diskurs überwechseln konnten. Deshalb möchte ich dieses aktuelle Buch von Astrid Séville empfehlen. Ich habe sie im Juni bei einer Podiumsdiskussion der Frauenstudien in München kennengelernt. In ihrer Analyse des Gesamtschlamassels fokussiert sie sich auf das, was sie den „Sound der Macht“ nennt. Damit gemeint sind weniger konkrete Inhalte und Aktionsformen, als vielmehr die Sprache und die Gedankenwelten, in denen sie geäußert werden. Anhand von vier rhetorischen Formeln geht sie den Entwicklungen auf den Grund, die

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Gefährliche Nähe

Politische Positionen werden (etwa in der Skala „Links“ und „Rechts“) meist so definiert, als seien sie je unterschiedlicher, je weiter sie voneinander entfernt sind. Ich schlage eine andere Kategorisierung vor: „Gefährliche Nähe“ (inspired by Diotima).

„Das Hauptproblem besteht natürlich darin, dass erfolgreiche Revolutionen so selten sind“

Gelesen: Den kürzlich erst veröffentlichten Text „Die Freiheit, frei zu sein“ von Hannah Arendt, der wohl um 1966 oder 1967 entstand. Sie schreibt darin über Revolutionen und die Frage, was und wer sie warum macht. Dabei wählt sie auffällig oft – eigentlich dauernd – die Formulierung: „Die Männer der Revolution“. Die Französische Revolution, schreibt Arendt, scheiterte, weil die „Männer der Revolution“ mit der Idee von der Gleichheit aller Menschen sehr viel mehr eingeläutet hatten als nur, wie sie dachten, einen Wandel der Regierungsform. Die Frauen mit ihrem Marsch auf Versaille (le peuple) hätten vielmehr sichtbar gemacht, dass Freiheit nur möglich ist, wenn Menschen auch die Freiheit haben, frei zu sein. Oders anders: Es reicht nicht, keine Furcht (vor denen da oben) zu haben, man braucht auch was zum Essen. Damit hoben die Frauen, le peuple, die Idee der Revolution auf ein neues Level: auf das der sozialen Verhältnisse. Die Französische Revolution ist an der Größe dieser Aufgabe gescheitert, aber die

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Beziehungsweise Revolution – müsst ihr lesen!

Was ist mit der Revolution? Gibt es die noch, oder ist das Projekt abgesagt? Was ist zu beachten, wenn man sich im politischen Engagement nicht von der Idee verabschieden möchte, es könnte auch einmal eine grundsätzliche Umwälzung gesellschaftlicher Verhältnisse geben, die zu mehr Freiheit, mehr Gleichheit, mehr… Ja, die Sache mit der Brüderlichkeit. Die wurde doch sehr vernachlässigt. Tonnen von Büchern sind geschrieben worden, die sich umfassend mit den Fragen der Freiheit oder der Gleichheit oder von beidem in ihrem Wechselverhältnis beschäftigen. Aber keine über die Brüderlichkeit. Die Brüderlichkeit spielt in linker Theorie keine Rolle. Es ist fast lustig, aber eigentlich auch naheliegend, dass ausgerechnet eine Feministin jetzt den Anfang macht, um diese Lücke zu schließen. Schließlich hat sich der Feminismus mit Beziehungen und „Beziehungsweisen“ ausgiebigst beschäftigt, aber das aus naheliegenden Gründen nicht unter der Überschrift „Brüderlichkeit“. Und damit eben auch nicht unter der Überschrift der Revolution. Adamczaks These ist, dass alle drei Aspekte notwendig sind, um Revolutionen gelingen zu

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Reden, bloß wie und mit wem.

Die Frage, mit wem man wann und wo redet und mit wem wann und wo nicht, ist nicht für alle „Rechten“ gleich zu beantworten. Wir müssen verschiedene Arten von „Rechten“ unterscheiden lernen. Und wir müssen Situationen unterscheiden lernen, in denen Reden sich lohnt und in denen es nicht möglich oder sinnvoll ist. Dabei immer mitzudenken ist außerdem die Frage, was man denn dann tut, wenn man nicht redet. Jedenfalls ist das Ganze viel zu wichtig, als es auf die Alternative „Man muss mit ihnen reden“ versus „Man darf mit ihnen nicht reden“ zu reduzieren. Wenn man Positionen und Personen aus dem Diskurs ausschließen will (was ich richtig und wichtig finde), muss man sich mehr Mühe geben, als „Rechte“ zu rufen. Dieses Wort ist viel zu schwammig, und es noch tausendmal zu sagen hilft auch nicht weiter. Mir ist beim Spazierengehen eben noch was eingefallen, wo der Fehler liegt: Dass viele meinen, beim „mit jemandem Reden“ gehe es vor allem um

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