Nicht Marxistin und auch nicht Anarchistin gibts jetzt als E-Book

Weil im Vorfeld des 150. Jubiläums der Pariser Kommune im März einige Leute Interesse an meiner Diss hatten, in der es auch viel um die Kommune geht, habe ich sie jetzt nochmal für 5 Euro als E-Book veröffentlicht. Das Buch war nämlich schon lange nicht mehr über den Verlag und inzwischen auch kaum noch antiquarisch zu bekommen. Ihr könnt das E-Book im einschlägigen Online-Buchhandel als E-Pub oder für Kindle kaufen. Titel: „Nicht Marxistin und auch nicht Anarchistin“. Ich schreibe darin über die politischen Ideen von vier Sozialistinnen, die im 19. Jahrhundert aktiv waren und sich unter anderem auch in der Ersten Internationale engagierten: Virginie Barbet, Elisabeth Dmitrieff, André Léo und Victoria Woodhull. Zwei von ihnen – Dmitrieff und Léo – sind gleichzeitig auch Führungsfiguren der Pariser Kommune 1871 gewesen, die ja zu einem erheblichen Teil auch von der Internationale geprägt war. Meine Diss erschien bereits 1999, das heißt, sie ist nicht mehr so ganz taufrisch, aber abgesehen von Victoria Woodhull,

read more Nicht Marxistin und auch nicht Anarchistin gibts jetzt als E-Book

Youtube-Reihe „Antje las ein Buch“

Hier eine kurze Information: Seit einiger Zeit habe ich angefangen, meinen Youtube-Kanal wieder etwas zu bespielen, unter andere mit der Reihe „Antje las ein Buch“, in der ich Bücher vorstelle, die ich gelesen habe. Bisher sind zum Beispiel Videos online über: Hanna Poddig, Leo: Kleine Geschichte der Umweltbewegungen Riane Eisler: Die Verkannten Grundlagen der Ökonomie Ina Praetorius: Im postpatriarchalen Durcheinander Mieko Kawakami: Brüster und Eier Naika Foroutan, Jana Hensel: Die Gesellschaft der anderen Veronika Kracher: Incels Susanne Kaiser: Politische Männlichkeit Jacinta Nandi: Die schlechteste Hausfrau der Welt Carel van Schaik, Kai Michel: die Wahrheit über Eva Das ist jetzt nicht ganz die chronologische Reihenfolge, aber ihr könnt nicht nur am Datum, sondern auch an meiner Frisur sehen, was früher oder später war, denn ich habe mit der Reihe ungefähr angefangen, als ich das letzte Mal bei der Friseurin war, lol. Da nicht alle Youtube abonnieren möchten, werde ich euch in Zukunft hier ungefähr einmal im Monat auf die neuen Buchrezensionen

read more Youtube-Reihe „Antje las ein Buch“

Warum „Eigenverantwortung“ bei einer Pandemie nur bedeutet, die Arschkarte nach unten durchzureichen

Die Inzidenzen sinken, die ersten Lockerungsdiskussionsorgien gehen schon wieder los, aber wenn die Wissenschaftler:innen, die sich mit dem Thema auskennen, Recht behalten (und das haben sie seit Anfang der Corona-Pandemie immer), dann steht uns ein harter Frühling bevor, und ein Wettlauf zwischen Impfstoff und neuen Mutationen, den wir vielleicht verlieren. Das würde bedeuten, das Corona-Schlamassel geht noch bis nächstes Jahr Minimum so weiter. Zur Lage möchte ich zwei Beobachtungen aus den vergangenen Tagen beisteuern, bei denen mir klar geworden ist, warum das Konzept der „Eigenverantwortung“ nur heißt, die Arschkarte nach unten weiterzugeben. Und warum wir nur dann überhaupt eine Chance haben, noch dieses Jahr aus dem Permanent-Lockdown rauszukommen, wenn es endlich klare verbindliche Vorgaben zum Umgang mit dem Virus gibt, für die auch die Menschen in leitenden Positionen Verantwortung übernehmen. Erstes Beispiel im Foyer eines Verwaltungsgebäudes. Es ist später Nachmittag, nicht mehr viel Publikumsverkehr. Pförtner, Hausmeister und Reinigungskräfte insgesamt fünf Personen, stehen eng zusammen und unterhalten sich angeregt, ohne Maske.

read more Warum „Eigenverantwortung“ bei einer Pandemie nur bedeutet, die Arschkarte nach unten durchzureichen

Kleine, interessante Youtube-Erfahrung

Vor einigen Wochen habe ich angefangen, meine Lektüre-Gedanken zu neuen Büchern auf Youtube zu posten – irgendwie ist mir momentan mehr nach Video- als nach Textbeiträgen. Beim Youtuben halte ich es ebenso wie ich es hier schon 2011 über das Bloggen schrieb – ich mache das nicht für euch, sondern für mich. Deshalb verfolge ich die Reichweite normalerweise nicht, aber bei Youtube wird das ja ständig prominent unter jedem Video eingeblendet. Ich fing also im November an mit Jacinta Nandis tollem Buch „Die schlechteste Hausfrau der Welt“ und hatte seither ein bis zwei weitere Videos pro Woche. Da ich meinen Youtube-Kanal bisher faktisch gar nicht bespielt hatte, wunderte ich mich ein bisschen, dass das Video gleich über 300 Aufrufe hatte, aber dache nicht weiter darüber nach. Die folgenden Videos hatten nicht ganz so viel, aber die meisten lagen konstant zwischen um die 200 und 300 Aufrufen. Bis es irgendwann einbrach auf nur noch 80. Beim ersten Video, das so wenig

read more Kleine, interessante Youtube-Erfahrung

Bei Triage gibt es keine moralisch richtige Entscheidung

Angesichts der Tatsache, dass es inzwischen in einigen Krankenhäusern nicht mehr genug Intensivbetten gibt, um alle Menschen, die eines brauchen, zu behandeln, bin ich gestern zufällig auf diesen Text hier gestoßen. Er behandelt die ethische Frage, ob man ein verfügbares Bett eher einem 85-Jährigen oder einer 30-Jährigen Mutter geben soll. Der Autor des Artikels plädiert vehement dafür, dass man hier keine Prioritäten setzen darf, da jedes Leben gleich viel Wert sei (interessant zu lesen auch die verschiedenen Versionen von Triage, also Auswahl, er plädiert, ob es einen Unterschied macht, wann man die Wahl beziehungsweise Entscheidung trifft). Solche ethischen Dilemmata hatten wir im Philosophiestudium immer als Aufgaben, und ich fand sie damals schon gagagaga und habe mich meistens auch geweigert bei diesen Spielchen mitzumachen. Wir hatten einen überzeugten Utilitaristen als Professor, er hätte vermutlich die entgegengesetzte Position des Autors oben vertreten, nämlich die junge Mutter zu retten. Ich finde beides problematisch, denn: Es gibt in solchen Situationen keine richtigen Entscheidungen mehr,

read more Bei Triage gibt es keine moralisch richtige Entscheidung

Luisa Muraro: Die Gegenwart denken

„Pensare il Presente“ (Die Gegenwart denken) war am 21. September das Thema eines „Marathons der Philosohpie“ in Italien, der von der Fondazione De Sanctis in Zusammenarbeit mit dem „Centro per il libro e la lettura“ veranstaltet worden ist. Den Beitrag von Luisa Muraro, Mitgründerin des Mailänder Frauenbuchladens und der Philosophinnengruppe Diotima habe ich mit deutschen Untertiteln versehen. Es geht um die Bedeutung der Frauenbewegung, des Feminismus und was wir erreicht haben.

Was man vom Nikolaus über Sexarbeit lernen kann

Bald ist wieder Nikolaus, und dass die Bräuche, die sich um den früheren Bischof von Myra ranken, was mit Geschenkebringen zu tun haben, wissen wohl auch die meisten. Weniger bekannt ist aber, woher der Brauch kommt. Die Geschichte ist aber interessant – und auch, was man daraus lernen könnte. Die Geschichte geht nämlich so, dass drei arme Frauen und ihr Vater in Geldnöten waren und sie daher überlegten (ob sie selbst das überlegen oder nur ihr Vater ist nicht so klar) gegen Geld mit Männern Sex zu haben, zumindest so lange, bis sie genug Geld für eine Mitgift zusammenhätten, damit sie dann heiraten können. Aber das müssen sie dann doch nicht, weil der Nikolaus ihnen an drei Abenden hintereinander jeder einen großen Goldklumpen durchs Fenster wirft. Die Geschichte kann man auf verschiedene Weise erzählen. Ich erzähle sie gerne so, dass der Nikolaus offenbar besser wusste als viele Anti-Prostitutions-Kämpfer*innen heute, wie man die Ausbeutung von Frauen durch unfreiwillige Sexarbeit abschafft: Man

read more Was man vom Nikolaus über Sexarbeit lernen kann

Warum eigentlich nicht Imaminnen?

Wann ist eine Religion (oder Weltanschauung oder Kultur) frauenfeindlich? Meiner Ansicht nach ist ein wesentlicher Baustein die Frage, ob Frauen innerhalb dieser Traditionen Autorität zugesprochen bekommen, und zwar auch von Männern. Immer, wo es formale Strukturen gibt, in denen Autoritäten vorgesehen sind – Klerus, Lehrende, Gurus, also Leute, denen „man zuhört“ – müssen daher Frauen gleichermaßen wie Männer zu finden sein. Und zwar, das ist wichtig: Diese weibliche Autorität muss auch von Männern angenommen werden, das heißt, es muss weibliche Lehrerinnen/Autoritätspersonen nicht nur für andere Frauen geben, sondern auch für Männer. Eine Kultur, in der Männer nicht (systematisch, strukturell implementiert und damit auch gewährleistet) dazu angehalten werden, von Frauen zu lernen, ist bei mir gleich mal unten durch. Allerdings ist das nicht immer so leicht zu beurteilen wie zum Beispiel bei säkularen Staaten oder den christlichen Kirchen (die zusammen entstanden sind und damit auch strukturell ähnliche Organisationsformen haben) – da kann man nämlich einfach in den Statuten oder Gesetzen nachlesen,

read more Warum eigentlich nicht Imaminnen?

Ist Leihmutterschaft mit dem Grundgesetz vereinbar?

In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten – aber es gibt Bestrebungen, das zu ändern. Wie sieht das eigentlich aus einer verfassungsrechtlichen Perspektive aus? Wäre eine Lockerung mit dem Grundgesetz vereinbar? Dazu führte ich ein aufschlussreiches Interview mit der Verfassungsrechtlerin Laura Klein für das Internetforum „beziehungsweise weiterdenken“