Warum war Hannah Arendt keine Feministin?

Im Radio RBB gab es vorgestern eine Sendung zu der Frage, warum Hannah Arendt keine Feministin war, hier könnt Ihr die hören. Darin sind auch einige O-Töne von mir, das Transkript des kompletten Interviews gibt es auch, ich stelle es hier in den Blog. In einem Vortrag zu Hannah Arendt sagten Sie, dass Sie überrascht bzw. enttäuscht seien, dass Hannah Arendt keine Feministin war. Warum haben Sie das von Ihr erwartet? Wahrscheinlich dachte ich, dass alle klugen Frauen Feministinnen sein müssten. Wie war Arendts Verhältnis zum Feminismus? Aus den wenigen Äußerungen, die es von ihr überhaupt zu dem Thema gibt, lässt sich schließen, dass sie nicht gerade ein großer Fan der Frauenemanzipationsbewegung war. Zum Beispiel sagt sie in dem berühmten Interview mit Günter Gaus im ZDF, dass sie der Meinung ist, dass es einer Frau nicht steht, wenn sie Befehle erteilt. Das fand ich beim ersten Mal Hören schockierend – wir haben uns ja inzwischen völlig daran gewöhnt, dass Frauen

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Männer sprechen über Feminismus und das ist okay

Per Zufall bin ich jetzt erst auf eine (schon etwas ältere) Folge des Podcasts „Deconstructing Comics“ gestoßen, in der zwei Dudes unsere „Kleine Geschichte des Feminismus“ besprechen, die ja in zwischen u.a. auch auf englisch übersetzt wurde. Hört es euch an, es ist eigentlich sehr lustig (los geht es so ab Minute 5). Am Schluss diskutieren die beiden darüber, dass sie es ein bisschen weird fänden, so als zwei Männer und ohne eine Frau dabei einen Comic über Feminismus zu besprechen. Das wiederum fand ich nun ein merkwürdig, denn genau das ist doch super: Wenn Männer sich mit Feminismus beschäftigen, wenn sie ihre eigene Rolle dabei reflektieren, Neues lernen und so weiter. Es ist dafür überhaupt nicht notwendig, dass Frauen oder Feministinnen dabei sind. Deshalb hier nochmal ausdrücklich: Nein, liebe Männer, es ist überhaupt kein Problem, wenn Ihr euch ohne Beteiligung von Frauen mit feministischen Themen auseinandersetzt. Bitte macht das, macht das sogar oft, lest feministische Bücher was das Zeug

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Ich bin eine ideologische Feministin, und das ist auch gut so

Feminismus ist, wie inzwischen wohl alle mitbekommen haben, im Mainstream angekommen. Manchmal wird das kritisiert, weil der Feminismus damit auch kapitalistisch, angepasst, machtförmig, brav oder was weiß ich geworden sei. Mich hingegen stört das wenig. Alles andere wäre ja auch ein Wunder gewesen, und ich finde, ein radikaler Feminismus, also einer der Geschlechterverhältnisse von der Wurzel her neu und freiheitlich denken will, hat es leichter in einer Umgebung, in der Feminismus prinzipiell für etwas Gutes gehalten wird (zumindest von den Guten), als in einer, wo die Leute Feminismus für eine ganz skurrile Sache halten. Außerdem hat dieses Vordringen feministischer Grundideen in den Mainstream auch bewirkt, dass tatsächlich die Geschlechterdifferenz mehr als früher im Fokus der Aufmerksamkeit steht. Theater, Museen, Universitäten, Bibliotheken, Bildungsstätten, Volkshochschulen und so weiter nehmen Themen in ihr Programm, in denen es um Frauen, weibliche Perspektiven, das Verhältnis der Geschlechter geht. Und das ist super. Allerdings ist es mir nun schon mehrmals begegnet, dass ich bei solchen Veranstaltungen

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Die einen haben einen Uterus, die anderen ein Gehirn

Hier gibt es einen interessanten Artikel des Historikers Philipp Sarasin zum Thema 250 Jahre Sexualität. Wie ich drüben auf piqd schon geschrieben habe, vertritt er die Ansicht, dass „Sexualität“ als Konzept erst vor rund 250 Jahren, nämlich mit Beginn der bürgerlichen Moderne, entstanden ist. Galt vorher der Geschlechtsakt in christlicher Tradition als etwas, von dem sich Menschen möglichst fernhalten sollten, als etwas tierisch-problematisches, das nur zum Zweck der Fortpflanzung in Kauf zu nehmen sei, bekam „die Sexualität“, wie das Phänomen nun genannt wurde, ab dem späten 18. Jahrhundert eine gesellschaftlich-kulturelle Bedeutung zuerkannt. Diese Entwicklung diente allerdings nicht nur zur Befreiung von kirchlichen Zwängen, sondern auch zur Zementierung von Geschlechterstereotypen, insofern Erotik, Lust und Sextrieb als etwas galten, wodurch sich Frauen und Männer wesentlich unterscheiden. Im 20. Jahrhundert dann rückte Sexualität, ausgehend von Freud, noch weiter ins Zentrum des Menschseins vor, bis sie dann schließlich sogar zum Dreh- und Angelpunkt menschlicher Befreiung und Freiheit wurde. Heute widerum könnte das Zeitalter der

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Brace for Impact. Ein kleiner Mutlosigkeits-Rant.

Ich finde nach wie vor die Frage der strukturellen Ineffizienz der repräsentativen Demokratie eines der wichtigsten Themen der Zeit. Ein weiterer Baustein dabei ist das Phänomen der verzögerten Auswirkung von politischen Maßnahmen, die dazu führt, dass in dem Moment, wo die Gesellschaft ein Problem als dringlich erkennt, der Schaden bereits eingetroffen ist und eigentlich nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Klimawandel ist nur ein Beispiel: Hätte man auf das, was in den 1980ern bereits gewusst wurde, rational und vernünftig reagiert, wären die notwendigen Maßnahmen nicht sozial gravierend gewesen. Anderes Beispiel ist der Notstand in der Pflege und im zwischenmenschlichen „Kümmern“ generell. Hätte man irgendwie auf das reagiert, was Feministinnen vor zwanzig, dreißig Jahren zur notwendige Care Revolution gesagt haben, gäbe es heute das Problem nicht. In konkreteren Figuren: die unsägliche Idee der Fallpauschalen, deren katastrophale Auswirkungen heute erst sichtbar werden in Form von nicht mehr wirklich gut gewährleisteter Versorgung im Krankenhaus. Ebenso das Unterschätzen von rassistischem und rechtsnationalem Gedankengut, das

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Feminismus auf 100 Seiten

Die Reclam-Reihe 100 Seiten mag ich sehr, ich mag das Konzept, sich einem Thema kurz und knackig zu nähern, gerne auch persönlich, und dabei gleichzeitig viele Hinweise da zu lassen, auf denen man weiterforschen kann. Jetzt ist ein Bändchen zum Feminismus erschienen –  lobenswerter Weise zusätzlich zu dem Bändchen über Emanzipation, das es schon gibt. Nicht viele Leute und schon gar nicht Verlage wissen ja, dass Feminismus und Emanzipation zwei ganz verschiedene Sachen sind! Autorin des Feminismus-Bandes ist Barbara Streidl, die mich vor kurzem erst für den Lila Podcast über das Schwangerwerdenkönnen interviewt hat. Feminismus auf nur hundert Seiten darzustellen ist natürlich der Wahnsinn. Tatsächlich ist die Fülle von Daten, Namen, Fakten manchmal arg dicht, und ich könnte mir vorstellen, dass es für Neueinsteiger*innen in das Thema sogar etwas zu viel ist. (Ich komm sogar auch drin vor :)) Trotzdem liest sich das aber nicht ermüdend, was vor allem am dialogischen Zugang liegt. Barbara erzählt von sich selbst und stellt den Leser*innen

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Lust auf feministisch-politische Sommertage in Österreich?

Wie Ihr vielleicht schon mitbekommen habt, bin ich Mitveranstalterin einer feministisch-politischen Sommertagung in Österreich zum Thema „Über_setzen. Gutes Leben für die ganze Welt“. Vom 16. bis 19. August (mit Möglichkeit eines Verlängerungstages) treffen wir uns im schönen Tagungshaus St. Arbogast (in der Nähe von Feldkirch und nicht weit vom Bodensee). Das Programm wird von den Teilnehmer*innen selbst gestaltet, und die Liste der Workshops ist inzwischen schon lang und fein.  Vor sechs Jahren haben wir schon einmal so eine Konferenz gemacht, am selben Ort, und es bestand der allgemeine Wunsch nach Wiederholung. 2013 war auch das Jahr der Dokumenta in Kassel, deshalb haben wir unsere Veranstaltung „Denkumenta“ genannt. Denn wir wollen eben kein klassisches Konferenzformat haben, sondern eher etwas Fluides, mit genügend Raum für Spontanes, für Begegnungen, für wirklichen Austausch. Ich habe jetzt schon ein paarmal gehört, dass welche glauben, die #Denkumenta wäre nur für Fortgeschrittene oder Eingeweihte, und deshalb zögern, sich anzumelden, weil sie uns* noch nicht kennen oder nicht persönlich kennen.

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Wie die SPD dafür sorgte, dass die Information über Abtreibungen endgültig illegal wurde

Also. Der §219a wird, wenn die jetzigen Pläne durchkommen, schlimmer als vorher, denn Informationen über die Art und Weise eines Abbruchs sind dann offiziell illegal. Vorher waren sie das nur aufgrund richterlicher Rechtsprechung gewesen, während der Gesetzestext selbst uneindeutig war. Aber laut diesem „Kompromiss“ dürfen Ärztinnen nun ausdrücklich nur über die Tatsache informieren, dass sie Abtreibungen vornehmen, aber sie dürfen keine weiteren Informationen darüber geben. Diese dürfen nur über den Umweg staatlich beauftragter Stellen bereitgestellt werden, den Ärztinnen wird lediglich erlaubt, auf diese zu verlinken. Es wurde also tatsächlich Rechtsklarheit geschaffen, leider halt bloß im Sinne der Abtreibungsgegner.  Der Gesetzestext lautet nach Vorschlag: Das Werbeverbot gilt nicht, wenn die Ärtztinnen „auf die Tatsache hinweisen, dass sie Schwangerschaftsabbrüche unter denVoraussetzungen des § 218a … vornehmen, oder auf Informationen einer insofern zuständigen Bundes- oder Landesbehörde … hinweisen“. Was das für die Verfassungsklage bedeutet, die von Kristina Hänel momentan läuft, kann ich noch nicht einschätzen, jedenfalls ist das jetzt dringender als je. Denn

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