Kleine, interessante Youtube-Erfahrung

Vor einigen Wochen habe ich angefangen, meine Lektüre-Gedanken zu neuen Büchern auf Youtube zu posten – irgendwie ist mir momentan mehr nach Video- als nach Textbeiträgen. Beim Youtuben halte ich es ebenso wie ich es hier schon 2011 über das Bloggen schrieb – ich mache das nicht für euch, sondern für mich. Deshalb verfolge ich die Reichweite normalerweise nicht, aber bei Youtube wird das ja ständig prominent unter jedem Video eingeblendet. Ich fing also im November an mit Jacinta Nandis tollem Buch „Die schlechteste Hausfrau der Welt“ und hatte seither ein bis zwei weitere Videos pro Woche. Da ich meinen Youtube-Kanal bisher faktisch gar nicht bespielt hatte, wunderte ich mich ein bisschen, dass das Video gleich über 300 Aufrufe hatte, aber dache nicht weiter darüber nach. Die folgenden Videos hatten nicht ganz so viel, aber die meisten lagen konstant zwischen um die 200 und 300 Aufrufen. Bis es irgendwann einbrach auf nur noch 80. Beim ersten Video, das so wenig

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Bei Triage gibt es keine moralisch richtige Entscheidung

Angesichts der Tatsache, dass es inzwischen in einigen Krankenhäusern nicht mehr genug Intensivbetten gibt, um alle Menschen, die eines brauchen, zu behandeln, bin ich gestern zufällig auf diesen Text hier gestoßen. Er behandelt die ethische Frage, ob man ein verfügbares Bett eher einem 85-Jährigen oder einer 30-Jährigen Mutter geben soll. Der Autor des Artikels plädiert vehement dafür, dass man hier keine Prioritäten setzen darf, da jedes Leben gleich viel Wert sei (interessant zu lesen auch die verschiedenen Versionen von Triage, also Auswahl, er plädiert, ob es einen Unterschied macht, wann man die Wahl beziehungsweise Entscheidung trifft). Solche ethischen Dilemmata hatten wir im Philosophiestudium immer als Aufgaben, und ich fand sie damals schon gagagaga und habe mich meistens auch geweigert bei diesen Spielchen mitzumachen. Wir hatten einen überzeugten Utilitaristen als Professor, er hätte vermutlich die entgegengesetzte Position des Autors oben vertreten, nämlich die junge Mutter zu retten. Ich finde beides problematisch, denn: Es gibt in solchen Situationen keine richtigen Entscheidungen mehr,

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Luisa Muraro: Die Gegenwart denken

„Pensare il Presente“ (Die Gegenwart denken) war am 21. September das Thema eines „Marathons der Philosohpie“ in Italien, der von der Fondazione De Sanctis in Zusammenarbeit mit dem „Centro per il libro e la lettura“ veranstaltet worden ist. Den Beitrag von Luisa Muraro, Mitgründerin des Mailänder Frauenbuchladens und der Philosophinnengruppe Diotima habe ich mit deutschen Untertiteln versehen. Es geht um die Bedeutung der Frauenbewegung, des Feminismus und was wir erreicht haben.

Was man vom Nikolaus über Sexarbeit lernen kann

Bald ist wieder Nikolaus, und dass die Bräuche, die sich um den früheren Bischof von Myra ranken, was mit Geschenkebringen zu tun haben, wissen wohl auch die meisten. Weniger bekannt ist aber, woher der Brauch kommt. Die Geschichte ist aber interessant – und auch, was man daraus lernen könnte. Die Geschichte geht nämlich so, dass drei arme Frauen und ihr Vater in Geldnöten waren und sie daher überlegten (ob sie selbst das überlegen oder nur ihr Vater ist nicht so klar) gegen Geld mit Männern Sex zu haben, zumindest so lange, bis sie genug Geld für eine Mitgift zusammenhätten, damit sie dann heiraten können. Aber das müssen sie dann doch nicht, weil der Nikolaus ihnen an drei Abenden hintereinander jeder einen großen Goldklumpen durchs Fenster wirft. Die Geschichte kann man auf verschiedene Weise erzählen. Ich erzähle sie gerne so, dass der Nikolaus offenbar besser wusste als viele Anti-Prostitutions-Kämpfer*innen heute, wie man die Ausbeutung von Frauen durch unfreiwillige Sexarbeit abschafft: Man

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Warum eigentlich nicht Imaminnen?

Wann ist eine Religion (oder Weltanschauung oder Kultur) frauenfeindlich? Meiner Ansicht nach ist ein wesentlicher Baustein die Frage, ob Frauen innerhalb dieser Traditionen Autorität zugesprochen bekommen, und zwar auch von Männern. Immer, wo es formale Strukturen gibt, in denen Autoritäten vorgesehen sind – Klerus, Lehrende, Gurus, also Leute, denen „man zuhört“ – müssen daher Frauen gleichermaßen wie Männer zu finden sein. Und zwar, das ist wichtig: Diese weibliche Autorität muss auch von Männern angenommen werden, das heißt, es muss weibliche Lehrerinnen/Autoritätspersonen nicht nur für andere Frauen geben, sondern auch für Männer. Eine Kultur, in der Männer nicht (systematisch, strukturell implementiert und damit auch gewährleistet) dazu angehalten werden, von Frauen zu lernen, ist bei mir gleich mal unten durch. Allerdings ist das nicht immer so leicht zu beurteilen wie zum Beispiel bei säkularen Staaten oder den christlichen Kirchen (die zusammen entstanden sind und damit auch strukturell ähnliche Organisationsformen haben) – da kann man nämlich einfach in den Statuten oder Gesetzen nachlesen,

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Ist Leihmutterschaft mit dem Grundgesetz vereinbar?

In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten – aber es gibt Bestrebungen, das zu ändern. Wie sieht das eigentlich aus einer verfassungsrechtlichen Perspektive aus? Wäre eine Lockerung mit dem Grundgesetz vereinbar? Dazu führte ich ein aufschlussreiches Interview mit der Verfassungsrechtlerin Laura Klein für das Internetforum „beziehungsweise weiterdenken“

Was ist eine Frau?

JK Rowlings Tweet, in dem sie sich über die Formulierung „menstruierende Personen“ lustig macht, hat wieder einmal zu Diskussionen über die Frage geführt, was denn eigentlich genau eine „Frau“ ist. Es gibt eine recht große Gruppe von Feministinnen, die darauf bestehen, dass nur Menschen mit weiblichen Genitalien/reproduktiven Körpern wirklich Frauen sein können. Auch wenn ich mich schon ab und zu in diese Diskussion eingemischt habe (zum Beispiel hier), so stört mich das Ganze inzwischen doch arg, weil kaum noch Argumente ausgetauscht werden. So wie man es ja auch in Rowlings Tweet sieht – sie bringt keine Argumente dafür, warum sie es albern findet, von menstruierenden Personen zu sprechen, sondern sie setzt auf die billigen Lacher ihrer Anhänger*innen – der gesunde Menschenverstand, höhöhö, weiß doch, was für ein Blödsinn das ist. Auch die Gegenseite argumentiert allerdings nicht immer gerne. Ich selbst werde regelmäßig als „transfeindlich“ kategorisiert, zum Beispiel wenn ich die unkritische Aneignung des Vaterbegriffs durch trans Männer kritisiere. Da zählen

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Warum war Hannah Arendt keine Feministin?

Im Radio RBB gab es vorgestern eine Sendung zu der Frage, warum Hannah Arendt keine Feministin war, hier könnt Ihr die hören. Darin sind auch einige O-Töne von mir, das Transkript des kompletten Interviews gibt es auch, ich stelle es hier in den Blog. In einem Vortrag zu Hannah Arendt sagten Sie, dass Sie überrascht bzw. enttäuscht seien, dass Hannah Arendt keine Feministin war. Warum haben Sie das von Ihr erwartet? Wahrscheinlich dachte ich, dass alle klugen Frauen Feministinnen sein müssten. Wie war Arendts Verhältnis zum Feminismus? Aus den wenigen Äußerungen, die es von ihr überhaupt zu dem Thema gibt, lässt sich schließen, dass sie nicht gerade ein großer Fan der Frauenemanzipationsbewegung war. Zum Beispiel sagt sie in dem berühmten Interview mit Günter Gaus im ZDF, dass sie der Meinung ist, dass es einer Frau nicht steht, wenn sie Befehle erteilt. Das fand ich beim ersten Mal Hören schockierend – wir haben uns ja inzwischen völlig daran gewöhnt, dass Frauen

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