Warum „Jede:r kann ungewollt schwanger werden“ kein gutes Argument ist

Kürzlich sah ich im Internet dieses Plakat von pia („pro familia in action“) mit dem Slogan „150 Jahre Kriminalisierung (von Abtreibung) sind genug, weil… jede:r ungewollt schwanger werden kann.“ Aus zwei Gründen finde ich, dass diese Argumentation überhaupt nicht für den Kampf um reproduktive Selbstbestimmung taugt. Erstens ist die Aussage falsch. Es kann nicht „jede:r“ ungewollt schwanger werden. Menschen ohne Uterus können nicht ungewollt schwanger werden. Menschen nach der Menopause auch nicht. Mir ist schon klar, dass dieser Slogan das #Schwangerwerdenkönnen von der Geschlechterdifferenz trennen möchte, und mit dieser Absicht bin ich auch völlig d’accord. Es ist jedoch problematisch, wenn man die reproduktive Differenz dann vollkommen ignoriert. Denn es ist ja gerade die Krux bei dem Thema, dass eben NICHT alle Menschen schwanger werden können, sondern nur etwa die Hälfte. Nur aus diesem Grund konnten patriarchale Kulturen eine symbolische Ordnung schaffen, in denen Menschen, von denen man vermutet hat, dass sie schwanger werden können, entrechtet, von Machtpositionen ausgeschlossen, der Kontrolle

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Das war das Jubiläum der Pariser Kommune

Hier möchte ich nur schnell die Links sammeln mit Zeugs, das ich dieses Jahr zur Pariser Kommune publiziert habe, damit es nicht verloren geht…. Texte Es gab keine individuellen Rechte für FrauenInterview in der Jungle World mit Kirsten Achtelikhttps://jungle.world/artikel/2021/11/es-gab-keine-individu-ellen-rechte-fuer-frauen „Die Macht ist verflucht“Louise Michel und die Pariser Kommunehttps://www.bzw-weiterdenken.de/2021/02/die-macht-ist-verflucht-ueberlegungen-zum-150-jubilaeum-der-pariser-kommune/ Podcasts 150 Jahre danach: Was bleibt von der KommuneDissens Podcast mit Florian Grams und mirhttps://podcast.dissenspodcast.de/114-pariserkommune 150 Jahre Pariser Kommune Rosalux History Podcasthttps://www.rosalux.de/mediathek/media/element/1468 Videos 150 Jahre Pariser Kommune. Und was war mit den Frauen?https://youtu.be/eRiDQYhaf40 Vortrag Ende Gelände Dresdenhttps://youtu.be/Fkx-nGRiOEY Die Kommunardinnen von Paris RLShttps://youtu.be/b8oTD0QotNk Andre Leo und ihr Umfeldhttps://youtu.be/nXXfFEpGazA Elisabeth Dmitrieff und die Union des Femmeshttps://youtu.be/_QXhoV5kcQA Sonstiges Die Pariser Kommune von 1871. Versuch einer friedlichen Revolution (Radiosendung von Michael Reitz mit O-Tönen von mir) SWR2https://www.swr.de/swr2/wissen/die-pariser-kommune-von-1871-versuch-einer-friedlichen-revolution-swr2-wissen-2021-03-26-102.pdf

Warum Frauen Highheels tragen

Meine Kritik an Highheels, die ich zu 95 Prozent für ein Tool der Frauenunterdrückung halte, hat schon so manche feministische Runde gesprengt, und auch wenn ich natürlich jederzeit für das Recht aller Frauen und Menschen generell eintrete, Highheels oder was auch immer ihnen beliebt zu tragen oder nicht, so bleibe ich doch bei meiner Einschätzung. Es kann mir niemand erzählen, dass sämtlche Top-Anwältinnen in Chicaco (so die schockierende Erkenntnis nach dem Schauen der Serie „The Good Fight“) freiwillig und gerne auf zehn Zentimeter hohen Stelzen herumstöckeln. Also ich frage mich, was um Himmels Willen erfolgreiche, emanzipierte, privilegierte Frauen, die niemand mehr zu etwas zwingen kann, dazu bringt, sowas zu machen. Und, ja, gestern war ich zum ersten Mal in meinem Leben in einer Situation, in der ich gerne ein paar Highheels angehabt hätte. Oder vielleicht auch nicht zum ersten Mal, nur zum ersten Mal, dass es mir aufgefallen ist. Gestern Abend war ich eingeladen, bei einer Diskussionsrunde im Literaturforum Brecht-Haus

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Margarete Susman zum 150.

Nächstes Jahr, am 14. Oktober 2022, ist der 150. Geburtstag der jüdischen Religionsphilosophin Margarete Susman (1872-1966). Wir wollen rechtzeitig auf dieses Jubiläum aufmerksam machen und interessierte Kreise / Personen / Institutionen dazu anregen, etwas zu Susmans 150. Geburtstag zu planen oder, wenn das schon der Fall ist, sich zu vernetzen und so weiter. Ich habe mich in der Vergangenheit schon dreimal mit ihrem Denken beschäftigt: Hier im Blog schrieb ich etwas über Susman und den Anarchismus Im Forum „Beziehungsweise Weiterdenken“ schrieb ich etwas über Susman als Differenzfeministin Und in meinem Youtube-Kanal „Antje las ein Buch“ stellte ich ihren Essay „Das Buch Hiob und das Schicksal des jüdischen Volkes“ vor. — Für mich ist Margarete Susman eine ungeheuer anregende und originelle Denkerin, leider ist sie heute ziemlich unbekannt, obwohl sie zu ihrer Zeit sehr aktiv und auch sogar berühmt war. Dass sie vom Kulturbetrieb vergessen wurde, hat viele Gründe. Einer ist natürlich, dass sie eine Frau war, ein anderer vielleicht, dass

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Lehrstück: So geht Patriarchat

In der WHO wird derzeit offenbar darüber diskutiert, dass Frauen im gebärfähigen Alter sind, keinen Alkohol trinken sollen, und es ist eine entsprechende Kampagne oder so geplant. Ich nehme mal an, diese Idee der WHO wird nicht durchkommen aber es zeigt wie manche Leute dort im Kopf ticken. Der Fall ist aber wirklich interessant, weil man daran sehen kann, wie die patriarchale Geschlechterordnung funktioniert: Aus der ersten Tatsache, dass etwa die Hälfte der Menschen schwanger werden kann, aber die andere Hälfte nicht, und der zweiten Tatsache, dass eine Sache (in dem Fall Alkohol) Menschen, die schwanger sind, anders betrifft, als nicht schwangere Menschen, wird eine Kategorie geschaffen (alle Menschen, die möglicherweise schwanger werden können, also Menschen mit Uterus in gebärfähigem Alter). Und für diese Kategorie werden dann pauschal gesonderte Regeln gemacht, unabhängig davon, ob es die einzelnen Menschen, die in die Kategorie fallen, überhaupt betrifft. Und zwar sogar dann, wenn es die ganz überwältigende Mehrheit der Menschen, die in die

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Ein exzellentes Statement zur Care Economy aus Kanada

Eine Gruppe von kanadischen Wirtschaftswissenschaftler:innen hat ein Care-Economy-Statement veröffentlicht, das in einer komprimierten Form die zentralen Punkte aufführt, um die es beim Umbau zu einer Care-zentrierten Ökonomie gehen sollte. Die Covid-Pandemie habe gezeigt, dass die Vernachlässigung des Care-Sektors gravierende Folgen hat. Daher werden hier Vorschläge für einen Neuansatz gemacht. So sollten sich künftige politische und Budget-Entscheidungen an sechs Prinzipien orientieren: 1. Bezahlte wie unbezahlte Care Arbeit als grundlegende Komponente der Infrastruktur verstehen 2. Sowohl die, die Care benötigen, als auch die, die sie geben in den Blick nehmen und unterstützen 3. Care als qualifizierte Arbeit verstehen und Ausbildung und Arbeitsplätze entsprechend gestalten 4. Die ganze Bandbreite (Gesundheit, Kinderbetreuung, Pflege, Arbeitsbedingungen, usw.) der Politikfelder sehen 5. Öffentliche Investitionen in soziale Infrastruktur6. Feministische, intersektionale, antikoloniale und antirassistische Ansätze Außerdem werden traditionelle Mythen rund um Care-Arbeit widerlegt. Beeindruckend ist die Liste der Erstunterzeichner:innen, die zeigt, wie weit ein solches Verständnis von Wirtschaft als Care in Kanada bereits gesellschaftlich verankert ist.  In Deutschland hingegen gilt

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