Warum eigentlich nicht Imaminnen?

Wann ist eine Religion (oder Weltanschauung oder Kultur) frauenfeindlich? Meiner Ansicht nach ist ein wesentlicher Baustein die Frage, ob Frauen innerhalb dieser Traditionen Autorität zugesprochen bekommen, und zwar auch von Männern. Immer, wo es formale Strukturen gibt, in denen Autoritäten vorgesehen sind – Klerus, Lehrende, Gurus, also Leute, denen „man zuhört“ – müssen daher Frauen gleichermaßen wie Männer zu finden sein. Und zwar, das ist wichtig: Diese weibliche Autorität muss auch von Männern angenommen werden, das heißt, es muss weibliche Lehrerinnen/Autoritätspersonen nicht nur für andere Frauen geben, sondern auch für Männer. Eine Kultur, in der Männer nicht (systematisch, strukturell implementiert und damit auch gewährleistet) dazu angehalten werden, von Frauen zu lernen, ist bei mir gleich mal unten durch. Allerdings ist das nicht immer so leicht zu beurteilen wie zum Beispiel bei säkularen Staaten oder den christlichen Kirchen (die zusammen entstanden sind und damit auch strukturell ähnliche Organisationsformen haben) – da kann man nämlich einfach in den Statuten oder Gesetzen nachlesen,

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Ist Leihmutterschaft mit dem Grundgesetz vereinbar?

In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten – aber es gibt Bestrebungen, das zu ändern. Wie sieht das eigentlich aus einer verfassungsrechtlichen Perspektive aus? Wäre eine Lockerung mit dem Grundgesetz vereinbar? Dazu führte ich ein aufschlussreiches Interview mit der Verfassungsrechtlerin Laura Klein für das Internetforum „beziehungsweise weiterdenken“

Was ist eine Frau?

JK Rowlings Tweet, in dem sie sich über die Formulierung „menstruierende Personen“ lustig macht, hat wieder einmal zu Diskussionen über die Frage geführt, was denn eigentlich genau eine „Frau“ ist. Es gibt eine recht große Gruppe von Feministinnen, die darauf bestehen, dass nur Menschen mit weiblichen Genitalien/reproduktiven Körpern wirklich Frauen sein können. Auch wenn ich mich schon ab und zu in diese Diskussion eingemischt habe (zum Beispiel hier), so stört mich das Ganze inzwischen doch arg, weil kaum noch Argumente ausgetauscht werden. So wie man es ja auch in Rowlings Tweet sieht – sie bringt keine Argumente dafür, warum sie es albern findet, von menstruierenden Personen zu sprechen, sondern sie setzt auf die billigen Lacher ihrer Anhänger*innen – der gesunde Menschenverstand, höhöhö, weiß doch, was für ein Blödsinn das ist. Auch die Gegenseite argumentiert allerdings nicht immer gerne. Ich selbst werde regelmäßig als „transfeindlich“ kategorisiert, zum Beispiel wenn ich die unkritische Aneignung des Vaterbegriffs durch trans Männer kritisiere. Da zählen

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Warum war Hannah Arendt keine Feministin?

Im Radio RBB gab es vorgestern eine Sendung zu der Frage, warum Hannah Arendt keine Feministin war, hier könnt Ihr die hören. Darin sind auch einige O-Töne von mir, das Transkript des kompletten Interviews gibt es auch, ich stelle es hier in den Blog. In einem Vortrag zu Hannah Arendt sagten Sie, dass Sie überrascht bzw. enttäuscht seien, dass Hannah Arendt keine Feministin war. Warum haben Sie das von Ihr erwartet? Wahrscheinlich dachte ich, dass alle klugen Frauen Feministinnen sein müssten. Wie war Arendts Verhältnis zum Feminismus? Aus den wenigen Äußerungen, die es von ihr überhaupt zu dem Thema gibt, lässt sich schließen, dass sie nicht gerade ein großer Fan der Frauenemanzipationsbewegung war. Zum Beispiel sagt sie in dem berühmten Interview mit Günter Gaus im ZDF, dass sie der Meinung ist, dass es einer Frau nicht steht, wenn sie Befehle erteilt. Das fand ich beim ersten Mal Hören schockierend – wir haben uns ja inzwischen völlig daran gewöhnt, dass Frauen

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Männer sprechen über Feminismus und das ist okay

Per Zufall bin ich jetzt erst auf eine (schon etwas ältere) Folge des Podcasts „Deconstructing Comics“ gestoßen, in der zwei Dudes unsere „Kleine Geschichte des Feminismus“ besprechen, die ja in zwischen u.a. auch auf englisch übersetzt wurde. Hört es euch an, es ist eigentlich sehr lustig (los geht es so ab Minute 5). Am Schluss diskutieren die beiden darüber, dass sie es ein bisschen weird fänden, so als zwei Männer und ohne eine Frau dabei einen Comic über Feminismus zu besprechen. Das wiederum fand ich nun ein merkwürdig, denn genau das ist doch super: Wenn Männer sich mit Feminismus beschäftigen, wenn sie ihre eigene Rolle dabei reflektieren, Neues lernen und so weiter. Es ist dafür überhaupt nicht notwendig, dass Frauen oder Feministinnen dabei sind. Deshalb hier nochmal ausdrücklich: Nein, liebe Männer, es ist überhaupt kein Problem, wenn Ihr euch ohne Beteiligung von Frauen mit feministischen Themen auseinandersetzt. Bitte macht das, macht das sogar oft, lest feministische Bücher was das Zeug

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Ich bin eine ideologische Feministin, und das ist auch gut so

Feminismus ist, wie inzwischen wohl alle mitbekommen haben, im Mainstream angekommen. Manchmal wird das kritisiert, weil der Feminismus damit auch kapitalistisch, angepasst, machtförmig, brav oder was weiß ich geworden sei. Mich hingegen stört das wenig. Alles andere wäre ja auch ein Wunder gewesen, und ich finde, ein radikaler Feminismus, also einer der Geschlechterverhältnisse von der Wurzel her neu und freiheitlich denken will, hat es leichter in einer Umgebung, in der Feminismus prinzipiell für etwas Gutes gehalten wird (zumindest von den Guten), als in einer, wo die Leute Feminismus für eine ganz skurrile Sache halten. Außerdem hat dieses Vordringen feministischer Grundideen in den Mainstream auch bewirkt, dass tatsächlich die Geschlechterdifferenz mehr als früher im Fokus der Aufmerksamkeit steht. Theater, Museen, Universitäten, Bibliotheken, Bildungsstätten, Volkshochschulen und so weiter nehmen Themen in ihr Programm, in denen es um Frauen, weibliche Perspektiven, das Verhältnis der Geschlechter geht. Und das ist super. Allerdings ist es mir nun schon mehrmals begegnet, dass ich bei solchen Veranstaltungen

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Die einen haben einen Uterus, die anderen ein Gehirn

Hier gibt es einen interessanten Artikel des Historikers Philipp Sarasin zum Thema 250 Jahre Sexualität. Wie ich drüben auf piqd schon geschrieben habe, vertritt er die Ansicht, dass „Sexualität“ als Konzept erst vor rund 250 Jahren, nämlich mit Beginn der bürgerlichen Moderne, entstanden ist. Galt vorher der Geschlechtsakt in christlicher Tradition als etwas, von dem sich Menschen möglichst fernhalten sollten, als etwas tierisch-problematisches, das nur zum Zweck der Fortpflanzung in Kauf zu nehmen sei, bekam „die Sexualität“, wie das Phänomen nun genannt wurde, ab dem späten 18. Jahrhundert eine gesellschaftlich-kulturelle Bedeutung zuerkannt. Diese Entwicklung diente allerdings nicht nur zur Befreiung von kirchlichen Zwängen, sondern auch zur Zementierung von Geschlechterstereotypen, insofern Erotik, Lust und Sextrieb als etwas galten, wodurch sich Frauen und Männer wesentlich unterscheiden. Im 20. Jahrhundert dann rückte Sexualität, ausgehend von Freud, noch weiter ins Zentrum des Menschseins vor, bis sie dann schließlich sogar zum Dreh- und Angelpunkt menschlicher Befreiung und Freiheit wurde. Heute widerum könnte das Zeitalter der

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Brace for Impact. Ein kleiner Mutlosigkeits-Rant.

Ich finde nach wie vor die Frage der strukturellen Ineffizienz der repräsentativen Demokratie eines der wichtigsten Themen der Zeit. Ein weiterer Baustein dabei ist das Phänomen der verzögerten Auswirkung von politischen Maßnahmen, die dazu führt, dass in dem Moment, wo die Gesellschaft ein Problem als dringlich erkennt, der Schaden bereits eingetroffen ist und eigentlich nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Klimawandel ist nur ein Beispiel: Hätte man auf das, was in den 1980ern bereits gewusst wurde, rational und vernünftig reagiert, wären die notwendigen Maßnahmen nicht sozial gravierend gewesen. Anderes Beispiel ist der Notstand in der Pflege und im zwischenmenschlichen „Kümmern“ generell. Hätte man irgendwie auf das reagiert, was Feministinnen vor zwanzig, dreißig Jahren zur notwendige Care Revolution gesagt haben, gäbe es heute das Problem nicht. In konkreteren Figuren: die unsägliche Idee der Fallpauschalen, deren katastrophale Auswirkungen heute erst sichtbar werden in Form von nicht mehr wirklich gut gewährleisteter Versorgung im Krankenhaus. Ebenso das Unterschätzen von rassistischem und rechtsnationalem Gedankengut, das

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