Warum Frauen Highheels tragen

Meine Kritik an Highheels, die ich zu 95 Prozent für ein Tool der Frauenunterdrückung halte, hat schon so manche feministische Runde gesprengt, und auch wenn ich natürlich jederzeit für das Recht aller Frauen und Menschen generell eintrete, Highheels oder was auch immer ihnen beliebt zu tragen oder nicht, so bleibe ich doch bei meiner Einschätzung. Es kann mir niemand erzählen, dass sämtlche Top-Anwältinnen in Chicaco (so die schockierende Erkenntnis nach dem Schauen der Serie „The Good Fight“) freiwillig und gerne auf zehn Zentimeter hohen Stelzen herumstöckeln. Also ich frage mich, was um Himmels Willen erfolgreiche, emanzipierte, privilegierte Frauen, die niemand mehr zu etwas zwingen kann, dazu bringt, sowas zu machen. Und, ja, gestern war ich zum ersten Mal in meinem Leben in einer Situation, in der ich gerne ein paar Highheels angehabt hätte. Oder vielleicht auch nicht zum ersten Mal, nur zum ersten Mal, dass es mir aufgefallen ist. Gestern Abend war ich eingeladen, bei einer Diskussionsrunde im Literaturforum Brecht-Haus

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Margarete Susman zum 150.

Nächstes Jahr, am 14. Oktober 2022, ist der 150. Geburtstag der jüdischen Religionsphilosophin Margarete Susman (1872-1966). Wir wollen rechtzeitig auf dieses Jubiläum aufmerksam machen und interessierte Kreise / Personen / Institutionen dazu anregen, etwas zu Susmans 150. Geburtstag zu planen oder, wenn das schon der Fall ist, sich zu vernetzen und so weiter. Ich habe mich in der Vergangenheit schon dreimal mit ihrem Denken beschäftigt: Hier im Blog schrieb ich etwas über Susman und den Anarchismus Im Forum „Beziehungsweise Weiterdenken“ schrieb ich etwas über Susman als Differenzfeministin Und in meinem Youtube-Kanal „Antje las ein Buch“ stellte ich ihren Essay „Das Buch Hiob und das Schicksal des jüdischen Volkes“ vor. — Für mich ist Margarete Susman eine ungeheuer anregende und originelle Denkerin, leider ist sie heute ziemlich unbekannt, obwohl sie zu ihrer Zeit sehr aktiv und auch sogar berühmt war. Dass sie vom Kulturbetrieb vergessen wurde, hat viele Gründe. Einer ist natürlich, dass sie eine Frau war, ein anderer vielleicht, dass

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Lehrstück: So geht Patriarchat

In der WHO wird derzeit offenbar darüber diskutiert, dass Frauen im gebärfähigen Alter sind, keinen Alkohol trinken sollen, und es ist eine entsprechende Kampagne oder so geplant. Ich nehme mal an, diese Idee der WHO wird nicht durchkommen aber es zeigt wie manche Leute dort im Kopf ticken. Der Fall ist aber wirklich interessant, weil man daran sehen kann, wie die patriarchale Geschlechterordnung funktioniert: Aus der ersten Tatsache, dass etwa die Hälfte der Menschen schwanger werden kann, aber die andere Hälfte nicht, und der zweiten Tatsache, dass eine Sache (in dem Fall Alkohol) Menschen, die schwanger sind, anders betrifft, als nicht schwangere Menschen, wird eine Kategorie geschaffen (alle Menschen, die möglicherweise schwanger werden können, also Menschen mit Uterus in gebärfähigem Alter). Und für diese Kategorie werden dann pauschal gesonderte Regeln gemacht, unabhängig davon, ob es die einzelnen Menschen, die in die Kategorie fallen, überhaupt betrifft. Und zwar sogar dann, wenn es die ganz überwältigende Mehrheit der Menschen, die in die

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Ein exzellentes Statement zur Care Economy aus Kanada

Eine Gruppe von kanadischen Wirtschaftswissenschaftler:innen hat ein Care-Economy-Statement veröffentlicht, das in einer komprimierten Form die zentralen Punkte aufführt, um die es beim Umbau zu einer Care-zentrierten Ökonomie gehen sollte. Die Covid-Pandemie habe gezeigt, dass die Vernachlässigung des Care-Sektors gravierende Folgen hat. Daher werden hier Vorschläge für einen Neuansatz gemacht. So sollten sich künftige politische und Budget-Entscheidungen an sechs Prinzipien orientieren: 1. Bezahlte wie unbezahlte Care Arbeit als grundlegende Komponente der Infrastruktur verstehen 2. Sowohl die, die Care benötigen, als auch die, die sie geben in den Blick nehmen und unterstützen 3. Care als qualifizierte Arbeit verstehen und Ausbildung und Arbeitsplätze entsprechend gestalten 4. Die ganze Bandbreite (Gesundheit, Kinderbetreuung, Pflege, Arbeitsbedingungen, usw.) der Politikfelder sehen 5. Öffentliche Investitionen in soziale Infrastruktur6. Feministische, intersektionale, antikoloniale und antirassistische Ansätze Außerdem werden traditionelle Mythen rund um Care-Arbeit widerlegt. Beeindruckend ist die Liste der Erstunterzeichner:innen, die zeigt, wie weit ein solches Verständnis von Wirtschaft als Care in Kanada bereits gesellschaftlich verankert ist.  In Deutschland hingegen gilt

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Neues auf Youtube

Es gibt wieder Neuigkeiten von mir auf Youtube: Zusammen mit den Kolleginnen Anne, Maria aus der Redaktion von bzw-weiterdenken.de sowie wieder Julia Fritzsche als Gast diskutiere ich im jüngsten Videogespräch der Reihe „Aus der Zeit gefallen“ über aktuelle Entwicklungen im Film. Konkret geht’s um die Netflix-Produktionen „I care a lot“ und die Miniserie „Damen-Gambit“. Hier zum Artikel auf bzwHier direkt um Video auf Youtube Auf Einladung der Uni Gießen habe ich mit Studierenden über mein Buch „Schwangerwerdenkönnen“ diskutiert, der Mitschnitt steht ebenfalls online. Hier ist der Link. Und in meiner Reihe „Antje las ein Buch“ stelle ich das neue Buch von Care-Aktivistin Gabriele Winker vor. Es heißt „Solidarische Care-Ökonomie“ und verbindet die Themen Care und Klimakrise. Hier gehts zum Video.

Corona mal wieder: Warum ich die nächsten Monate extra vorsichtig sein werde

Hier mal wieder ein kleiner Update zur Corona-Lage, weil wir momentan in einer schwierigen Phase sind und auch unter denen, die nicht schwurbeln und verharmlosen, zurzeit ein paar Irrtümer kursieren. Es deutet einiges darauf hin, dass es in Deutschland trotz aller Unwägbarkeiten (vor allem bezüglich der Mutationen und der Dauer der Impfungen) weiterhin keine Zero-Covid oder auch No-Covid-Strategie geben wird, sondern so viel wie möglich geöffnet wird, sobald die Intensivstationen wieder etwas mehr Kapazitäten haben. Das heißt, man will mehr Inzidenzen und Neuinfektionen zulassen und sich bei Maßnahmen eher nach schweren Erkrankungen und freien Intensivbetten richten. Zum Beispiel Hessens Ministerpräsident Bouffier, der die Lockerungen ab März begründet mit: „Die Inzidenzwerte sollen an Bedeutung zur Beurteilung der Lage verlieren, weil Altenheime vor allem durch Impfungen besser geschützt und die Kliniken nicht überlastet sind.“ Was sich jedoch viele nicht klar machen, ist, dass das auf deutsch heißt: Wir lassen dann jetzt halt 50-70-Jährige sterben. Denn es stimmt: Wenn die über-80-Jährigen geimpft sind,

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Neue Bücher

Hier ein Update für diejenigen, die nur dem Blog folgen: Es gibt neue Beiträge in der Reihe „Antje las ein Buch“ Mithu M. Sanyal: Identitti (Roman über eine Studentin der Postcolonial Theory, deren verehrte Professorin sich plötzlich als Weiß herausstellt) Lamya Kaddor (Hg): Muslimisch und liberal (Sammelband mit interessanten Beiträgen zum Islam heute) Doris Lessing: Die Memoiren einer Überlebenden (Science Fiction Roman von 1974) Letzteres las ich, weil es das Thema unseres jüngsten Zoom-Gespräches aus der bzw-Redaktion ist. Hier der Text dazu von Anne, die das Buch vorgeschlagen hat Hier der Link direkt zum Video Als Special Gästin mit dabei ist diesmal übrigens die wunderbare Julia Fritzsche, Autorin von „Tiefrot und radikal bunt“.