Besondere Umstände, Episode 26

Heute haben Benni und ich wieder mal gepodcastet. Die Episode 26 von „Besondere Umstände“ geht über Karfreitag, die These „Arbeit ist Sklaverei“, die neuen Filme von Raoul Peck („Der junge Karl Marx“ und „I am not your negro“), Mastodon, Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat sowie die Entstehung des Patriarchats nach Helke Sander. Und: Mit professionellem Aufnahmegerät! (Jetzt müsst Ihr uns sagen, ob es so viel besser ist, dass es sich lohnt, eins zu kaufen, dieses war nämlich geliehen).

http://besondereumstaende.podcaster.de/bu/besondere-umstaende-episode-26/

Für einen guten Zweck: Antje trägt Armband

Für alles gibt es ein erstes Mal, und nach elf Jahren wird es wirklich auch mal Zeit, dass dieser Blog seinen ersten Werbepost bekommt!

armband_klein

Was ich auf dem Foto hier in die Kamera halte, das ist ein Charity Armband vom @UN „Women Nationales Komitee Deutschland e.V.“ Ich habe es umsonst zugeschickt bekommen, und es ist wirklich ziemlich hübsch.

Wer live überprüfen will, dass ich es tatsächlich auch trage, kann heute Abend in Geesthacht zu der Frauentags-Feier der Stadt kommen, wo ich was über Feminismus sagen werde. Vorausgesetzt, ich habe das Armband nicht vorher im Zug liegen lassen oder so.

Was mir leider mit Schmuck öfter mal passiert. Deshalb kommt bei mir wenn überhaupt nur Modeschmuck in die Tüte, nix Echtes und Teures. Dieses Armand hier kostet zum Beispiel 39 Euro und Ihr könnt es unter diesem Link kaufen.

(„Toni Garrn trägt es, Nicole Kidman trägt es, Gisele Bündchen trägt es, Martina Navratilova trägt es!“ – wer um Himmels Willen ist Toni Garrn????)

Das Geld geht teilweise an die Kunsthandwerkerinnen in Kenia, die es hergestellt haben, und teilweise in Projekte der UNO gegen Gewalt gegen Frauen. Hier ein paar Beispiele.

Eigentlich eine schöne Sache, nicht wahr? Share and recommend: #Planet5050 #GenderEquality #IWD2017“

Die aufregende Kritik am Geschlechterblödsinn

Gestern Abend ging beim Zeit-Blog 10 nach 8 ein Kommentar von mir zu Gendermarketing online (Anlass war die Verleihung des Goldenen Zaunpfahls, eines Negativpreises für geschlecherbescheuertes Marketing, das zu Recht an den Klettverlag ging für seine getrennten Lesebücher für Jungen und Mädchen). Wie ich auch schon hier im Blog bemerkt habe, gehen die Klickzahlen und Kommentare bei diesem Thema durch die Decke. Das Überraschungsei und die Frauenbratwurst sind hier im Blog mit großem Abstand die meist geklickten Blogposts – zehnmal so viele Zugriffe wie normale Artikel. Irgendwie meine ich, dass da noch was anderes dahinter stecken muss. Warum können sich Leute über Kritik an Gendermarketing so aufregen? Aber lest selbst…

…..

Außerdem habe ich für den Blog Last Interview ein paar Fragen beantwortet. Zu ganz was anderem.

 

Feministisches Netzwerk zum Mitmachen

Hallo, hierauf wollte ich euch noch kurz hinweisen, weil ich bei der Vorbereitung mit beteiligt war und das Ganze dementsprechend gut finde 🙂

femnetz

Inspiriert von den riesigen Protesten des #czarnyprotest in Polen bis zum Women’s March on Washington in den USA und nach Vorbild von We can’t keep quiet in der Schweiz haben wir uns spontan zusammengeschlossen, um uns mit den globalen feministischen Aktionen und Streikbewegungen rund um den 8. März zu solidarisieren. Als Feministisches Netzwerk wollen wir eine Plattform schaffen und die zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen in ganz Deutschland zum Internationalen Frauenkampftag (Zeitraum 4.-12. März) sichtbar machen, dafür mobilisieren, neue Mitstreiter*innen gewinnen, uns untereinander nachhaltig vernetzen und uns mit den weltweiten feministischen Aktionen und Bewegungen solidarisieren.

Ausgehend von den Leitprinzipien der Women’s Marches haben wir auf die Situation in Deutschland übertragene Leitgedanken formuliert, die den inhaltlichen Rahmen bilden, den gemeinsamen Konsens.

Ich finde diese Sichtbarkeit jetzt gerade wichtig, weil ich glaube, dass die Frauenbewegung im Begriff ist, zur Plattform für soziale Bewegungen und einen Widerstand gegen Rechtsruck und Nationalismus, soziale Ungerechtigkeit und zunehmenden Reichen-Egoismus zu sein. Ohne Feminismus gibt es keine Demokratie, keine Linke, keine Proteste mehr. Deshalb sind auch Männer aufgefordert, sich hier anzuschließen.

Alles Weitere hier.

 

 

Debatten vor dem Facebook-Grab gerettet, Teil 2

Gerade gab es auf der Facebookseite von Michael Seemann ein kleines Geplänkel zum Thema Meinungsfreiheit, an dem ich mich beteiligt habe, und da fiel mir auf, dass ich in dieser neuen Rubrik hier ja nicht nur Diskussionen auf meiner eigenen Facebookseite, sondern auch auf denen von anderen verlinken und damit für die Zukunft googlebar machen kann. Also: Hier, Meinungsfreiheit!

Außerdem hatte ich über die aktuelle Ausstellung „Geschlechterkampf“ im Städel gerantet, ich fand sie doof.

Das Städel hat netterweise geantwortet, das findet Ihr hier.

Weiterhin diskutierten wir über den Unterschied zuwischen einem Bedingungslosen Grundeinkommen und repressionsfreiem Hartz IV: Gibt es da einen Unterschied? (Spoiler: Ich behaupte, es ist dasselbe, jedenfalls rechnerisch, der Unterschied ist rein symbolisch, das allerdings ist ein gravierender Unterschied: Grundeinkommen erkennt Bedürftigkeit als prinzipielle Bedingung des Menschseins an, Hartz IV, wie repressionsfrei auch immer, beharrt darauf, dass „normalerweise“ Leute „für sich selbst sorgen“ sollen.

Und: Trumps erste Woche – sie machte mich atemlos.

Die Bucht des Verrats oder: Wer hat die Portugiesen getötet und warum?


Wir sind momentan in einem Ort in Brasilien, der hat den merkwürdigen Namen Baia da Traiçao, Bucht des Verrats. Laut brasilianischer Internetseiten kommt der Name daher, dass hier im Jahr 1501 Männer der indigenen Bevölkerung der Potiguara vier portugiesische Seefahrer in einen Hinterhalt gelockt und umgebracht haben. 

Unser Pensionswirt (ein Italiener) erzählt uns die Geschichte so: Die Portugiesen hätten zuvor einige Frauen der Potiguara vergewaltigt und der Überfall sei die Vergeltung gewesen. Eine Quelle dafür hat er nicht, offenbar erzählt man sich es hier im Ort so. 

Ich frage mich: Wie kommt die Vergewaltigung in die Geschichte und was soll sie da? Ein Motiv ist ja offensichtlich: Sie soll die Potiguara von dem Verdacht freisprechen, grundlos und bösartig vier Portugiesen umgebracht zu haben. 

Interessant ist, dass diese Erklärung selbst auf einem genuin westlichen Narrativ aufbaut: Einheimische Männer rächen sich an fremden Männern für die Vergewaltigung „ihrer“ Frauen. Nur dass im Vergleich zum Narrativ „Köln-Silvester“ in dem Fall die Europäer die „Fremden“ und die Indigenen die „Einheimischen“ sind. 

Man kann sich diese Geschichte auch ziemlich gut als Hollywoodfilm vorstellen: Feat. die edlen Wilden, die bösen fremden Eroberer, die hilflosen Frauen (heute gern mit einem Spritzer Emanzipiertheit ausgestattet).

Ich googelte dann noch etwas weiter und fand auf der portugiesischen Wikipedia die ursprüngliche Quelle für diese Erzählung, nämlich einen Brief von Americo Vespucio an den portugiesischen König. Der hatte die Bucht auf ihren heutigen Namen getauft (bei den Potiguara heißt sie Akaîutebiró, was „unfruchtbarer Cashewbaum“ bedeutet). Vespucio also schrieb: 

„Wir schickten vier von uns an Land, um mit indianischen Frauen, die uns von einem Hügel aus zuwinkten, zu verhandeln. Inmitten des Gesprächs wurden die Burschen mit Stockhieben von der Seite getötet, gebraten und verspeist.“

Mal abgesehen vom Wahrheitsgehalt des Briefes fällt auf, dass hier zwar Frauen mitspielen, aber nicht in der Rolle von vergewaltigten Opfern, nicht als symbolische Leerstelle, die das Handeln von Männern motiviert. Sondern als aktiv Handelnde: Sie winken, sie verhandeln. Ob sie es auch waren, die die vier Portugiesen getötet haben, oder ob noch jemand anderes, Ungenanntes in der Geschichte mitspielt, lässt die Passivformulierung des Briefes offen.

Passiert sein könnte also Verschiedenes:

Haben die Frauen freundlich gewunken und böse andere (Männer?) dann von der Seite die Portugiesen getötet?

Oder haben die Frauen die Portugiesen absichtlich in einen Hinterhalt gelockt, damit andere sie töten können?

Oder haben die Frauen selber die Portugiesen getötet? (Was erklären würde, warum Vespucio diese merkwürdige Passivkonstruktion wählt, nach europäischen Maßstäben wäre das ja peinlich gewesen, von Frauen besiegt zu werden)

Und wenn: Hatten sie das von Anfang an vor oder hat sich im Lauf des Gesprächs erst ein Konflikt ergeben?

Keine Ahnung. Natürlich ist es auch möglich, dass die Portugiesen tatsächlich die Frauen vergewaltigt haben und deshalb getötet wurden und Vespucio diesen Teil der Geschichte in seinem Brief an dem portugiesischen König verschwiegen hat. 

Wer weiß?