Debatten vorm Facebook-Grab gerettet, Teil 7

Lindt wirbt mit Geschlechterklischees – Das ist soweit nichts Neues, aber das eigentlich Interessante an der Geschichte ist der Gedankengang dahinter: „Sara Thallner, verantwortlich für die Kommunikation von Lindt, erklärt gegenüber ze.tt, dass die Auswahl „geschlechtsstereotypisch unglücklich“ gewesen sei. Sie sagt, dass der Schokoladenhersteller die Verantwortung für die T-Shirt-Designs nicht abschieben wolle. Das Konzept stamme natürlich von ihnen, sei aber keinesfalls bewusst diskriminierend oder sexistisch gemeint. Dass die neuen Kinder-T-Shirts als geschlechtsstereotyp ausgelegt werden könnten, versteht Thallner. „Dies ist allerdings in keinster Weise sexistisch motiviert, denn Lindt & Sprüngli möchte unter keinen Umständen diskriminierende Botschaften auf den Fanartikeln verbreiten. Die Bezeichnung Mädchen oder Junge dient beim jeweiligen T-Shirt, um die unterschiedlichen Schnitte beziehungsweise Passformen kenntlich zu machen.“ (Link zum Artikel) – Ich versuche noch, diese Galaxien zu erforschen. Seid Ihr immer noch der Meinung, das Wort „dumm“ sollte nicht gebraucht werden, um eine bestimmte Art von – ja was – Gedankenlosigkeit? Scheißegalität? Krasse Verantwortungslosigkeit? zu beschreiben? Ich finde diese Art von Leuten schwieriger

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Jetzt ist die Gelegenheit: § 219a abschaffen!

  Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung hat eine schöne Anleitung geschrieben, wie man sich konkret daran beteiligen kann, dass der § 219 abgeschafft wird. Zur Erinnerung: Das ist der Paragraph, nach dem derzeit auf Betreiben von Rechtspopulisten und Evangelikalen Ärzt_innen angezeigt werden, weil sie auf ihrer Internetseite über Schwangerschaftsabbrüche informieren. Hier steht, was du machen kannst Hier ist noch ein interessantes Feature zu dem Ganzen im Deutschlandfunk

100 Jahre Frauenwahlrecht. Ist daran was spannend?

Das Feminismus-Hit-Thema in diesem Jahr ist 100 Jahre Frauenwahlrecht. Sagt mal: Was interessiert euch da dran? Interessiert euch überhaupt was da dran? Was sind dabei spannende offene Fragen? Ansonsten hier noch ein Link: Ich habe dem Blog Mama Notes ein Interview zu Feminismus gegeben. Vielleicht interessiert es euch. Ist auch eine ganze Reihe, d.h. mit vielen Interviews…

Debatten vorm Facebook-Grab gerettet, Teil 5

Nur ein Viertel aller getrennt lebenden Väter zahlt vollständigen Unterhalt: Ein Artikel zu diesem Thema führte zu heftigen Debatten. Die FAZ hat geschrieben, dass die Hälfte aller Väter gar keinen Unterhalt zahlt, ein Viertel zahlt nur teilweise. Aber:  Ein System, das nur in einem Viertel der Fälle funktioniert, ist grundlegend falsch. Wir sollten Vaterschaft deshalb neu definieren, nämlich von Genen und sonem biologistischen Quatsch trennen und an die faktische Sorge (arbeitsmäßig und/oder finanziell) koppeln. Wer nicht zahlt und nicht versorgt verliert den rechtlichen Status des Vaters, fertig. (Gälte im analogen umgekehrten Fall natürlich auch für Mütter). Apropos Umgangsrecht des Kindes: Diese Frage kam nämlich auch auf – dass man dem Vater das Umgangsrecht auch bei Nichtkümmern und Nichtzahlen nicht nehmen könne, weil der Umgang nicht sein Recht wäre, sondern das des Kindes. Aber: Gibt es denn gegen Väter, die ihre Kinder nicht regelmäßig sehen und besuchen, irgendwelche Sanktionen? Wird dieses Kindesrecht irgendwie durchgesetzt? Außerdem hat Jan schön mein Anliegen beim Thema

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Debatten vorm Facebook-Grab gerettet, Teil 4.

Im neuen Bundestag sind weniger Frauen als im vorigen, nämlich nur noch 30 Prozent, so wenige wie seit 1994 nicht mehr. Das Interessante am Frauenanteil im Bundestag ist aber nicht, dass er kleiner geworden ist, sondern wie sehr es zwischen links und rechts auseinander driftet. Es ist ja nicht so, dass alle Parteien Zweidrittel Männer und Eindrittel Frauen haben. Sondern Grüne und Linke sind deutlich über 50 Prozent Frauen. Das bedeutet auch was. Und es zeigt, dass wichtige Differenzlinien nicht unbedingt zwischen AfD und allen anderen verlaufen. Sondern in Punkto Frauenmangel sind AfD, CDU, CSU und FDP ein gemeinsames Lager. Apropos Gedicht an der Alice Salomon Hochschule. Die Frage ist nicht, ob es richtig oder falsch ist, es wegzumachen. Sondern ob man es da hängen haben WILL oder nicht. Wenn die Uni sich entscheidet, es weg zu machen, bedeutet das nicht, dass alle anderen, die so ein Gedicht hängen haben, es auch weg machen müssen. Es gibt kein Gesetz, das

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Freiheit retten

„Aus Liebe zur Freiheit“, so heißt mein Blog, und auf den ersten Blick könnte man meinen, das sei eine banale Bezeichnung für ein feministisches Projekt. Denn um was soll es Frauen denn sonst gehen, als um ihre Freiheit? Allerdings ist das nicht so. Der Begriff der Freiheit, er ist lange diskreditiert. Die neoliberale Ideologie hat den Begriff der Freiheit gleichgesetzt mit Verantwortungslosigkeit, sozialer Kälte und ökonomischem wie gesellschaftlichem Egoismus. Aus der Sicht mancher ist er damit unbrauchbar geworden. Auch die universalistische Einführung des Freiheitsbegriffs auf ein westlich-säkular-bürgerliches Modell von Freiheit hat dem Begriff geschadet. Speziell im Feminismus, aber letztlich in linken Befreiungsbewegungen generell stellt sich zudem die Frage, inwiefern Freiheit und Gleichheit miteinander Hand in Hand gehen, oder ob sie sich gegenseitig ausschließen. Ein weiteres Problem besteht schließlich darin, dass heute unklar ist, was Freiheit überhaupt bedeutet. Geht es um bloße Wahlfreiheit? Geht es um Konsumfreiheit? Geht es um die Freiheit, zu gleichen Bedingungen im bestehenden System mit machen zu

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Debatten vor dem Facebook-Grab gerettet, Teil 3

Politische Debatte ist nicht Propaganda: Gestern habe ich auf Facebook ein bisschen darüber gerantet, wie unfruchtbar die Debatte ist, die sich derzeit zwischen Alice Schwarzer/Emma (man muss sich registrieren, um das lesen zu könne) und Judith Butler/Sabine Hark abspielt. Das gab dann recht angeregte Diskussionen. Was ist das, was Weiblichkeit ausmacht? Kritisch geäußert habe ich mich auch zu einem Text von Lann Hornscheidt in der Süddeutschen, wo Lann erklärt, warum Lann  sich nicht als Frau identifiziert, nämlich „weil ich mich nicht mit dem, was Weiblichkeit ausmacht, identifizieren kann.“ Finde ich ganz ganz problematisch, denn was soll das denn sein? Ich kann diese Begründung nicht akzeptieren, ich finde sie essenzialistisch. Es gibt nichts, was Weiblichkeit ausmacht, das wissen wir dem Feminismus sei Dank doch längst. Wir (Frauen) sind es, die Weiblichkeit ausmachen, sonst nichts. Reproduktionstechnik, aktueller Stand: Last not least empfehle ich einen Text von Kirsten Achtelik, der den derzeitigen Stand von Reproduktionstechnologien zusammenfasst, die neuesen Gerichtsurteile sowie die Positionen der maßgeblichen Akteure darstellt. Kritisch sehe ich die

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Feminismus-Comic: Jetzt auch auf Englisch!

Den Feminismus-Comic, den Patu und ich vor zwei Jahren beim Unrast-Verlag herausgebracht haben, gibt es jetzt auch auf Englisch, übersetzt von Sophie Lewis! This graphic novel is one of the best guides to world history I’ve seen… —schreibt ein Rezensent, und auch die Verlagsankündigung ist ziemlich knorke: The history of feminism? The right to vote, Susan B. Anthony, Gloria Steinem, white pantsuits? Oh, but there’s so much more. And we need to know about it, especially now. In pithy text and pithier comics, A Brief History of Feminism engages us, educates us, makes us laugh, and makes us angry. It begins with antiquity and the early days of Judeo-Christianity. (Mary Magdalene questions the maleness of Jesus’s inner circle: “People will end up getting the notion you don’t want women to be priests.” Jesus: “Really, Mary, do you always have to be so negative?”) It continues through the Middle Ages, the Early Modern period, and the Enlightenment (“Liberty, equality, fraternity!” “But fraternity means brotherhood!”).

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