Geschlecht und Fundamentalismus

Alle fundamentalistischen Weltanschauungen vertreten sehr rigide Vorstellungen davon, was eine „gute“ Frau zu machen und vor allem zu lassen hat. So sehr sich die evangelikal-charismatischen Kirchen Lateinamerikas, die „Hardliner“ im Vatikan, die streng-jüdische Orthodoxie, islamistische Bewegungen oder auch der Rechtsradikalismus und der politische Fundamentalismus US-amerikanischer Prägung voneinander unterscheiden, sie alle teilen nicht nur eine gewisse Schlichtheit in ihrer Weltanschauung und geben viel zu einfache Antworten auf komplizierte Fragen, sondern sie vertreten auch vor allem klare Ansichten über die angeblich natur- und ordnungsgemäßen Rollen der Geschlechter. Angesichts dieser frappanten Ähnlichkeit von Ideologien, die ansonsten vorgeben, einander spinnefeind zu sein, ist es verwunderlich, dass dieser Aspekt in den Massen von Fundamentalismus-Analysen, die seit einiger Zeit angestellt werden, normalerweise gar nicht oder nur am Rande behandelt wird. Dieser Sammelband schließt diese Lücke. (Rezension lesen) Elisabeth Rohr, Ulrike Wagner-Rau, Mechtild M. Jansen: Die halbierte Emanzipation? Fundamentalismus und Geschlecht. Ulrike Helmer Verlag, Königstein 2007, 221 S., 19,90 Euro.