Konfliktvermeidende Zustimmung: der freundliche Weg, Feminismus nicht ernstzunehmen

„Jede Menge Geschlechter, die aber alle männlich sind“ schrieb eine Bekannte in den Facebook-Thread, in dem ich mich gestern Abend ein bisschen über dieses (lesenswerte) Interview in der ZEIT mit Lann Hornscheidt geärgert habe. Hornscheidt macht Gender-Forschung an der Humboldt-Universität und lehnt für sich die Einordnung als weiblich oder männlich ab und will daher auch nicht mit entsprechenden Pronomen angesprochen werden. Die ZEIT nimmt das zum Anlass für ein ausführliches Interview zum Thema Geschlecht, Konstruktion, Abschaffung der binären Ordnung und so weiter. Geschlecht, so Hornscheidt, sei „eine Erfindung von Sexismus“ und es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis Menschen bei der Geburt kein Geschlecht mehr zugewiesen wird. Interessante, aber sicher auch diskussionswürdige These. Allerdings: Diskutiert wird in dem Interview nicht. Heikle Punkte, zum Beispiel die Frage, was dann mit dem Schwangerwerdenkönnen ist (denn in der Biologie wird „weiblich“ und „männlich“ ja entlang der jeweiligen Funktion bei der Reproduktion definiert), werden nicht angesprochen. Dabei ist dieser Aspekt ja wohl auch im Bezug auf menschliche Geschlechterkonstruktionen nicht ganz unerheblich –

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Warum es nicht „binär“ ist, wenn ich von Frauen und Männern spreche

Immer wenn ich mit jüngeren Feminist_innen diskutiere, dauert es nicht lange, und es kommt die Frage, ob meine Art, über Frauen und Männer zu sprechen, nicht „binär“ wäre. Ich möchte hier einmal aufschreiben, warum ich das nicht finde. Ein „binäres“ Verständnis von Geschlecht geht ja davon aus, dass es genau und nur zwei Geschlechter gibt, männlich und weiblich. In dieser binären Logik ist „Frau“ gleichbedeutend mit „nicht Mann“ und andersrum „Mann“ gleichbedeutend mit „nicht Frau“. Genau dieser Auffassung bin ich nicht. Ich interessiere mich für die Freiheit der Frauen, das ist mein politisches Anliegen: die Freiheit der Frauen zu vergrößern. Dafür ist es logisch wichtig, dass es Frauen gibt, aber nicht, diese binär zu denken, also als Gegenstück zum Mann. Ganz im Gegenteil: Ich unterscheide zwischen „Frauen“ und „Nicht-Frauen“. Die „Nicht-Frauen“ können alle möglichen Geschlechter haben. Es ist mir vollkommen egal, ob es zwei, fünf, oder dreihundert Geschlechter gibt – Hauptsache, es gibt nicht nur eines (denn Eingeschlechtlichkeit ist immer

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