Konfliktvermeidende Zustimmung: der freundliche Weg, Feminismus nicht ernstzunehmen

„Jede Menge Geschlechter, die aber alle männlich sind“ schrieb eine Bekannte in den Facebook-Thread, in dem ich mich gestern Abend ein bisschen über dieses (lesenswerte) Interview in der ZEIT mit Lann Hornscheidt geärgert habe. Hornscheidt macht Gender-Forschung an der Humboldt-Universität und lehnt für sich die Einordnung als weiblich oder männlich ab und will daher auch nicht mit entsprechenden Pronomen angesprochen werden.

Die ZEIT nimmt das zum Anlass für ein ausführliches Interview zum Thema Geschlecht, Konstruktion, Abschaffung der binären Ordnung und so weiter. Geschlecht, so Hornscheidt, sei „eine Erfindung von Sexismus“ und es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis Menschen bei der Geburt kein Geschlecht mehr zugewiesen wird. Interessante, aber sicher auch diskussionswürdige These.

Allerdings: Diskutiert wird in dem Interview nicht. Heikle Punkte, zum Beispiel die Frage, was dann mit dem Schwangerwerdenkönnen ist (denn in der Biologie wird „weiblich“ und „männlich“ ja entlang der jeweiligen Funktion bei der Reproduktion definiert), werden nicht angesprochen. Dabei ist dieser Aspekt ja wohl auch im Bezug auf menschliche Geschlechterkonstruktionen nicht ganz unerheblich – worüber ich kürzlich mit Jutta Pivecka ausführlich diskutiert habe.

In meiner Reihe von Blogposts zu dem Thema hatte ich anfangs darüber geklagt, dass das Thema Schwangerwerdenkönnen in der queerfeministischen Debatte so oft ignoriert wird, hatte aber in letzter Zeit den Eindruck, dass es langsam doch zum Thema wird. Deshalb nehme ich an, dass auch Lann Hornscheidt sich den ein oder anderen Gedanken zu all dem gemacht hat. Warum gab es dazu keine Fragen? Hatten die Interviewer_innen Angst davor, diese Frage zu stellen? Oder ist sie ihnen wirklich nicht eingefallen?

Lann Hornscheidt bietet in dem Gespräch noch mehr diskussionswürdige Thesen: Ist die Geschlechterdifferenz wirklich genauso konstruiert wie die Unterscheidung von „Rassen“, wie Lann behauptet? Ich finde nicht. Ist es wirklich so falsch vom Feminismus, die Kategorie „Frau“ ins Zentrum zu rücken? Ich finde, ein Blick auf die Welt zeigt, dass das ein ziemlich vernünftig gewählter Fokus ist. Und so weiter.

Dass Hornscheidt nicht dazu herausgefordert wird, die Thesen zu begründen und argumentativ zu vermitteln, ist schade, denn auf diese Weise bleiben sie einfach Behauptungen, die wohl kaum jemanden überzeugen werden, der_die nicht ohnehin schon bekehrt ist.

Interviewer_innen haben die Aufgabe, komplizierte Angelegenheiten allgemeinverständlich zu vermitteln und dazu gehört, die Thesen von Wissenschaftler_innen kritisch zu befragen. Denn nur so kann etwas von dem, was in akademischer Forschung passiert, für diejenigen verständlich werden, die nicht so in dem Thema drin sind. Da nicht nachgefragt wurde, sind aber wesentliche Punkte von Hornscheidts Ansatz unerklärt geblieben. Vielleicht hätte Hornscheidt ja zum Beispiel Antworten auf die Frage gehabt, wie Geschlecht und Schwangerwerdenkönnen zusammenhängen? Wir wissen es nicht.

Meiner Ansicht ist das die andere Seite der medialen Unbeholfenheit im Umgang mit radikalen feministischen Ideen, also mit solchen Ideen, die nicht unmittelbar für das Alltagsverständnis einleuchtend sind. Die eine Seite dieser Medaille ist das Lächerlichmachen, das Ausschließen aus dem Sagbaren, das Diffamieren, das Beschimpfen und Bedrohen – und leider hat gerade Lann Hornscheidt die Unbarmherzigkeit und Aggressivität dieses antifeministischen Impetus schon mit voller Wucht zu spüren bekommen.

Aber – das Gegenteil ist genauso falsch.

Hannah Arendt hätte all die interessanten Dinge in dem berühmten ZDF-Interview mit Günter Gaus nicht gesagt, wenn Gaus nicht kritisch und interessiert nachgefragt, ihr nicht auch mal widersprochen hätte. Feminist_innen einfach bloß das Mikrofon hinzuhalten, ohne kritische Nachfragen, selbst zu ganz offensichtlich erklärungsbedürftigen Punkten, ohne also ein eigenständiges Gegenüber zu der Person zu sein, die interviewt wird – das kann es nicht sein. Es sieht zwar erstmal toll aus – sie geben uns ein Forum – aber letzten Endes ist das genauso wenig ein Ernstnehmen radikalfeministischer Ideen, wie wenn man sie diffamiert.

Ina Praetorius hat diesen Mechanismus mal „konfliktvermeidende Zustimmung“ genannt und darin ein Muster erkannt, wie vor allem wohlwollende Männer häufig mit radikalfeministischen Ideen umgehen: Sie lassen sich gar nicht auf Diskussionen ein, sie widersprechen nicht und stellen keine Fragen, sondern nicken nur. Es fühlt sich auf den ersten Blick gut an, so mit Samthandschuhen angefasst zu werden, gerade wenn wir uns sonst so oft in feindlicher Umgebung behaupten müssen.

Aber es hilft uns und unseren Ideen leider auch nicht weiter. Es führt nicht dazu, dass unser Denken aufgegriffen und diskutiert wird, dass unsere Vorschläge in der Welt zirkulieren und Wirksamkeit entfalten. Sondern es ist letztlich eben doch auch ein Mechanismus, der dazu dient, uns aus dem ernsthaften Diskurs auszuschließen – wenn auch ein freundlicherer, weniger schmerzhafter und häufig auch gut gemeinter.

23 Gedanken zu „Konfliktvermeidende Zustimmung: der freundliche Weg, Feminismus nicht ernstzunehmen

  1. Ist es wirklich so falsch vom Feminismus, die Kategorie „Frau“ ins Zentrum zu rücken?

    Das würde fast jede/r verstehen, und dann wäre Feminismus keine elitäre Nummer mehr, die über den kackscheißenen Mainstream erheben kann.

    Außerdem gäbe es dann diverse Erfolge zu feiern, und das macht man ja nicht mehr. Eine Feministin, die Erfolg hat, checkt heute ihre Privilegien und geißelt sich dafür.

  2. Die Definition der Schwangerschaft auf Wikipedia lässt einen ratlos zurück, weil man nicht entscheiden kann, ob und wieviel die Schwangerschaft mit der Frau zu tun hat. Bei der aktuellen Definition der Mutter auf Wikipedia steht im ersten Abschnitt allerdings: Da die moderne Reproduktionsmedizin es möglich macht, Eizellen und Embryonen zu übertragen, kommt es vor, dass an ein- und derselben Schwangerschaft mehrere Frauen beteiligt sind. Und da steht doch glatt die Frage im Raum, ob eine Frau überhaupt schwanger werden kann, denn die Schwangerschaft ist auf jeden Fall etwas anderes als das schwanger sein. Das Wort „schwanger“ hieß nämlich ursprünglich schwerfällig sein und das wäre ja der obigen Definition entsprechend.

  3. Antje, ich meine, dass sich ein erheblicher Teil der feministischen Szene davon verabschiedet hat, sich verständlich zu machen und sich für die Erfahrungen eines breiteren Publikums zu interessieren.

    Ein anekdotisches Beispiel aus einem anderen feministischen Bereich: Ich war vor etlichen Jahren bei einer Podiumsdiskussion mit Maria S. Rerrich im Publikum. Ihr Thema war die Globalisierung der Hausarbeit im Privathaushalt, sie hatte gerade ein Buch dazu veröffentlicht. Danach habe ich sie öfter gegenüber Leuten und Bloggern, die sich mehr als ich für ihre Themen interessierten, als Expertin genannt. Dann lange nichts mehr von ihr gehört.

    Und vor einigen Wochen stieß ich zufällig (womöglich hier im Blog) auf einen Care-Aufruf von ihr, da sollten Frauen irgendwelche Denkmäler von Männern mit Putzeimern schmücken, um darauf hinzuweisen, dass die Gesellschaft angeblich die Care-Arbeit der Frauen ignoriert. Das war während des Erzieherinnen-Streiks von Ver.di! Das war der schlechteste Zeitpunkt überhaupt, um zu behaupten, die Gesellschaft interessiere sich nicht für das Care-Thema.

    Aber egal, der Feminismus lebt auf seinem eigenen Raumschiff und braucht keine andere Realität mehr. Vielleicht wollen Feministinnen, die es sich in einer sehr kleinen Nische eingerichtet haben, ja gar nicht mit der restlichen Gesellschaft kommunizieren. Dann wird auch kein Gaus-Nachfolger gebraucht, der kritische Fragen stellt und dem man intellektuell gewachsen sein muss.

  4. Noch ein ganz anderer Gedanke zum Nicht-Ernst-Nehmen: Die Produktionsbedingungen von Interviews.

    Die beiden Zeit-Interviewerinnen (man kann auf die Namen klicken) schreiben anscheinend sporadisch für die Zeit, sind also freie Mitarbeiter.

    Vor Jahren outete sich mal eine freie Journalistin, dass ihr die „Zeit Online“ damals 80 Euro pro Online-Artikel zahlte. Bei der gedruckten Zeit (aus der das Interview mit Hornscheidt anscheinend stammt) gibt es zwar etwas mehr, aber tagelang zu recherchieren lohnt sich da auch nicht. Dann ist der Artikel halt eher oberflächlich. Oder er wird gleich von unterstützenden Aktivistinnen aus derselben Szene lanciert, die keine kritischen Fragen stellen, um die angeblich gute Sache nicht zu gefährden – kommt mittlerweile auch in bürgerlichen Medien vor und nicht nur bei Freitag.de.

  5. „Feminist_innen einfach bloß das Mikrofon hinzuhalten, ohne kritische Nachfragen, selbst zu ganz offensichtlich erklärungsbedürftigen Punkten, ohne also ein eigenständiges Gegenüber zu der Person zu sein, die interviewt wird – das kann es nicht sein. “

    Ich würde gerne eine Interviewserie mit Feministen zu machen, die kritisch ist. Hättest du Lust? Auch andere Feministinnen könnten sich gerne melden.
    Ich verspreche kritische aber sachliche Fragen.

  6. @Chistian – Ich kann nicht für andere sprechen, aber mit mir kannst du gerne ein Interview machen. Bei „sachlich“ gehen mir allerdings etwas die Alarmlampen an, weil es sehr verbreitet ist, dass Männer ihre eigene Meinung mit „Sachlichkeit“ verwechseln, gerade in der antifeministischen Szene. Sachlichkeit ist für sich genommen schon ein antifeministischer Kampfbegriff geworden. Deshalb schrieb ich von „Interessierten“ Fragen. Also es geht darum, ob du dich wirklich dafür interessierst, meinen Punkt zu verstehen. Dann ja.

  7. @Irene – Aufmerksamkeit für einen Erzieherinnenstreik ist nicht dasselbe wie Bewusstsein für die Care-Thematik. Der Erzieherinnenstreik ist weitehend als „ganz normaler Arbeitskampf“ abgewickelt worden, das hat wenig mit Care-Bewusstsein zu tun. Ich fand die Aktion mit dem schmücken der Denkmäler ganz gut. Es geht ja nicht darum, dass die Gesellschaft Care-Arbeit ignoriert, sondern dass sie nicht als Teil der Ökonomie verstanden wird. Hausfrauen die Schultern tätscheln gabs auch schon in den 1950ern.

  8. Hallo Antje,

    kann es nicht sein, dass gerade viele radikale Feministinnen nicht unbeteiligt sind an der derzeitigen Situation der konfliktvermeidenden Zustimmung? Meine eigene Erfahrung ist, dass ich – selbst als Feministin – häufig von den radikaleren nicht nur nicht ernst genommen wurde, wenn ich Kritik geäußert habe, sondern mir gleich Beleidigungen entgegnet wurden. Aufgrund dessen werden solche Gespräche evtl. direkt von Menschen mit der gleichen Einstellung verfasst, oder es wird eben nicht mehr kritisch nachgefragt, um nicht in einen Konflikt zu geraten.

    Ich finde auch, es gibt traurigerweise wenig feministische Blogs im Netz auf denen man ernsthaft über Meinungen diskutieren kann und auch mal kritisch nachfragen kann ohne gleich beleidigt oder gesperrt zu werden.

  9. Danke für diesen Beitrag! Die Diskursvermeidung wird mE aber nicht nur durch konfliktvermeidende Zustimmung erzeugt, sondern auch von apodiktisch argumentierenden Feminist*innen, von (Mikro-)aggressionen und durch die allgemein verbreitete Schieflage zwischen Rechthabenwollen und Zuhörenkönnen. Darum halte ich es für eine Verkürzung, die konfliktvermeidende Zustimmung nur als Ausschlussmechanismus zu lesen, es ist auch ein Schutz- und ein Abwehrmechanismus. Der kann, muss sich nicht auf die Inhalte beziehen, der ist eben in Bezug auf den Argumentationsstil bezogen. Nach meiner persönlichen Wahrnehmung bekommen gerade diejenigen, die zuhören und verstehen wollen, von den progressiven Vertreter*innen starker feminist. Thesen besonders viel von der (nachvollziehbaren) Wut ab, die sich eigentlich auf jene bezieht, auf die das feminist. Feindbild wirklich passt. Feminist*innen agieren da manchmal wie Pfarrer, die sich beim anwesenden Publikum über das abwesende Publikum beschweren. Kritik trifft auch mal die Falschen.

  10. @Sebastian G. – Es kommt halt auch immer drauf an, wie man nachfragt. Ich persönlich habe vor allem von Männern sehr viel häufiger besserwisserisches Belehren gehört als interessiertes Nachfragen. Und wenn man ständig belehrt und zurecht gewiesen wird, wird man halt manches Mal pampig. Wer wirklich etwas lernen will und an Feminismus interessiert ist, wird sich trotzdem bemühen.

  11. @Miria – Mag sein, aber da, wo ich es in meinem Umfeld beobachte, ist das nicht so. Denn ich zum Beispiel werde ja gerne kritisiert, und ich erlebe das auch. Aber es stimmt natürlich, dass auch unter Feministinnen nicht immer die tollste Diskussionskultur herrscht.

    Aber es ist auch egal für das Thema dieses Blogposts, denn da ging es ja um Journalismus, und Journalist_innen müssen ihren Job der Vermittlung machen, unabhängig davon, ob die Person, die interessante Thesen entwickelt hat, nett und freundlich zu ihnen ist oder nicht. Wenn sie Politiker oder andere Wissenschaftler kritisch befragen, finden die das ja auch nicht immer gut.

  12. Ja, belehrt und zurecht gewiesen werden, das verdient eine starke, bestimmte Antwort, die meinetwegen auch mal übers Ziel hinausschießen oder der es manchmal an Differenzierung fehlen mag. Ich meine etwas, das vielleicht erst in der jüngeren Generation richtig durchkommt, das also vielleicht auch etwas ist, das nicht alle Feminist*innen mitbekommen: ein Zurück-Belehren und Zurück-Zurecht-Weisen, ja ein Sich-Für-andere-Erfahrungshorizonte-als-die-eigenen-kaum-Intererssieren, das in den letzten Jahren nicht unbedingt im öffentlichen Diskurs, sehr wohl aber in privaten Gesprächen zunimmt. Da entsteht bisweilen ein Gesprächsklima, das den Anliegen schadet. Insofern stimme ich auch dem Kommentar von Miria stark zu. Ich habe die Sorge, dass sich eine Radikalisierung der Gesprächskultur schädlich auswirkt. Problematisch finde ich nicht radikale Standpunkte, sondern den Modus, in dem diese diskursiv manchmal vorgestellt, eingeführt und durchgesetzt werden wollen. Zielführend scheint mir so ein Vorgehen nicht. In diesem Kontext erweist sich am Feminismus interessierten, diesem gegenüber nicht nur oberflächlich, sondern tatsächlich interessierten Männern die Konfliktvermeidung durchaus als erstes Notbehelf. Wenn die vielen Konfliktvermeider es schaffen würden, aus dieser zum Teil selbst verschuldeten Rolle herauszukommen, wäre viel geholfen, oder? Da kann wechselseitige Unterstützung nicht schaden. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es hier immer um fehlende Anerkennung seitens der Männer gehen muss. Auch diesbezüglich kann ich mir vorstellen, dass die Herausforderungen jüngerer und älterer Feminist*innen im Umgang mit Andersdenkenden und eben auch anderes Erlebenden sich da unterscheiden.

  13. Lann Hornscheidt arbeitet über Sprache. Dabei geht es gar nicht in erster Linie um Feminismus. Die Frau als Bezugsgrösse ins Zentrum zu stellen, ist eine legitime pragmatische Taktik, die aber auch ihre Begrenzung hat. Gewisse Probleme werden damit nicht adressiert: Hornscheidt verortet sich im Bereich der Intersektionalität und nimmt Diskriminierung als solche ins Visier. Dazu ist noch anderes, Ergänzendes nötig bzw feministische Themen müssen dazu mit anderen verknüpft werden. Was das Thema der Schwangerschaft angeht: wie ich Hornscheidt verstehe, ist ihre Arbeit nicht in erster Linie damit befasst, zu fragen, was eine Frau zur Frau macht, sondern wie genau die Sprache („Zuweisung“) unsere (Selbst-)Wahrnehmung und unser Denken formt. Was würde es dann bedeuten, wenn wir fragen: Kann ein Mann schwanger werden? Kann ein Mensch ein Kind austragen und sich dennoch als Mann begreifen? Die Antwort ist ja. Ein ganz anders ausgerichtetes Thema ist es, wenn wir zB fragen, welche Bedeutung die Schwangerschaft für das Leben und Selbstverständnis von Frauen hat.
    Ich fand das Interview mit Hornscheidt toll, weil es zunächst darauf ausgerichtet war, wirklich zu verstehen. Kritische Nachfragen sollte es geben, aber nicht im Sinne von „Ich finde, Sie sollten von etwas anderem sprechen als davon, wovon Sie gerade sprechen.“

  14. Irene(@irene-muc): “Geld ist eine Währung fürs ernst genommen werden”.
    Ernst genommen von wem und für was?
    Dass die Arbeit von ErzieherInnen stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist, hat weniger damit zu tun, dass deren Tätigkeit von Politik u. Wirtschaft als notwendig und sinnvoll für die Entwicklung von Kindern erachtet wird,(klar, in Sonntagsreden wird davon gerne getönt), sondern mit der zunehmenden Erwerbstätigkeit von Müttern, nach denen der sog. Arbeitsmarkt verlangt(e).
    Erst wenn sorgen, pflegen, behüten, sich kümmern…. wirklich ernst genommen wird, hat’s mit der Armut ein Ende.
    Passend dazu: https://antjeschrupp.com/2016/07/23/warum-ich-nicht-mehr-ueber-care-und-gender-sprechen-will/

  15. Übrigens kann man auch hinterfragen, ob es wirklich keine Unterschiede hinsichtlich der „Rassen“ gibt. Die Medizin ist da anderer Ansicht. Bestimmte Krankheiten sind auch davon abhängig, ob man eher Europäer oder Asiate oder Afrikaner ist – und sie müssen unterschiedlich behandelt werden. So wie auch ganz klassisch der Herzinfarkt bei Männern und Frauen ganz unterschiedliche Symptome haben kann.
    Dass diese Unterschiede kulturell überhöht oder gleichberechtigt sozial gestaltet werden können, sollte heutzutage niemand bestreiten, und es lohnt sich, dafür zu kämpfen.
    Aber das kann man nur, wenn man die Unterschiede kennt und auch akzeptiert. (Wohlgemerkt: die Unterschiede, nicht aber die Benachteiligungen, die sich daraus ergeben könnten, wenn man sie nicht kulturell verantwortet auszugleichen versucht.

    Eigentlich sind wir doch alle unterschiedlich genug, als dass man sich über einen Geschlechter-Kamm scheren lassen sollte.
    Es ist aber niemandem geholfen, wenn die vorhandenen Unterschiede bestritten werden.

  16. @Antje:
    „Aber es ist auch egal für das Thema dieses Blogposts, denn da ging es ja um Journalismus, und Journalist_innen müssen ihren Job der Vermittlung machen, unabhängig davon, ob die Person, die interessante Thesen entwickelt hat, nett und freundlich zu ihnen ist oder nicht.“

    Es ist nicht egal fit da Thema. Denn gerade, weil Journalisten ihren Job machen müssen, ist man vermutlich eher vorsichtig, um bei so empfindlichen Themen einen Abbruch des Interviews zu verhindern.

  17. Lann Hornscheidts sagte u.a. im Zeit-Gespräch:
    „…ich habe ein sehr großes Bedürfnis nach Anwesenheit. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht weil es mich am glücklichsten macht.“
    Ob das dem „Denken in Präsenz“ nahe kommt, worüber die italienischen Diotima-Philosphinnen sprechen?

    Antje, wie wäre es, wenn du ein direktes Gespräch mit
    Lann Hornscheidt führen und in deinem Blog veröffentlichen würdest? 🙂

  18. „Antje, wie wäre es, wenn du ein direktes Gespräch mit
    Lann Hornscheidt führen und in deinem Blog veröffentlichen würdest?:-)“

    Das wäre doch mal was. Quasi als Beispiel dafür, wie man nicht „konfliktvermeidend zustimmt“

  19. [Ein organistisches Bild von Gesellschaft, kein Akteur, aber doch „Ursache“ im Sinne von Struktur und Emergenz.]

    Ein Aspekt der Sache könnte auch sein, dass Konfliktvermeidung zwischen (relativ) sehr unterschiedlichen Positionen in einer ausdifferenzierten Gesellschaft ein (gesamt-)gesellschaftliches Phänomen ist. Ein Phänomen, das die Gesellschaft trotz erheblicher Weltbild-Unterschiede sich reproduzieren lässt. Also funktional ist, in dem es inhaltlich unterschiedliche Gewächse (in und aus) dieser Gesellschaft nicht (zu sehr) aufeinander prallen lässt. Sondern es bei oberflächlichen Kontakten belässt.
    a) Höflicher Austausch von Floskeln und Phrasen, die nicht weh tun.
    b) Wenn Konflikt deutlich wird, dann wird er mit gegenseitigen Stereotypen abgehandelt. Das befriedigt ein “ ‚Wir‘ haben es ja schon immer gewusst, ‚die‘ sind doof, falsch, böse, naiv, etc. und ‚wir‘ sind richtig.“ So können die am „Streit“ beteiligten Gruppen das Ganze als (intellektuell nicht allzu herausfordernde) emotionale Abreaktion abhaken. Und in ihrem jeweiligen Weltbild-Zirkel ungestört (nicht verunsichert oder tiefer als ein ritueller Schlagabtausch herausgefordert) weitermachen. Das ist wohl funktional für (und/oder durch) die Komplexitätsreduktion. Für die stabile, damit psychologisch beruhigende, eigene Weltbild- und Selbstverortung (in und gegenüber den sozialen Kontexten und Ebenen, von konkret bis abstrakt) etc.
    Vielleicht ist das also auch „gut so“, bzw. unvermeidlich.
    Aber ab und zu mal die Unsicherheit wagen, das Diskutieren ohne (oder hinausgehend über) die Vor-Verortung seines Gegenüber und der vorgeschaltete Absicherung seines Weltbildes (etc.) gegen Verunsicherung, kann auch mal sein. Das kostet Energie, Zeit, und vor allem: Sicherheit und Stabilitäts-Gefühl. Ist also ein gefährliches, aber potenziell — zumindest meiner Vermutung nach für manche — auch interessantes Terrain. Terra (eine Welt oder Welten) jenseits der Weltbild-Sicherheit und der festen Ein- und Zuordnung des Gegenüber.

  20. Es wäre toll, wenn tatsächlich mal mehr Interviews auf diese Art geführt werden würden. Artikel wie der in der Zeit haben bei mir bisher immer nur den Eindruck verfestigt, dass es auf die entsprechenden Fragen eben keine Antwort gibt – und dass sich die ganze Diskussion gerade nicht auf wissenschaftlicher Ebene bewegt.

    Vielleicht könnte man ja mal eine Liste mit tatsächlich guten, kritischen, aber neutralen Interviews mit Feministen zusammenstellen? Mir würde jetzt auf Anhieb leider keiner einfallen.

    PS: Weil es in einem Nebensatz erwähnt wurde – sehr guter Artikel zu der „Rassenfrage“ und insbesondere zu der notwendigen Unterscheidung zwischen wissenschaftlichen Ergebnissen und den Schlussfolgerungen, die man daraus zieht: http://theness.com/neurologicablog/index.php/does-race-exist/

  21. Eine Frage, die ich Pr.ecs Hornscheid stellen würde, wäre: „Wenn in Zukunft das Geschlecht von Kindern nicht mehr bei der Geburt bestimmt wird, heißt das, es gibt dann keine Gender mehr, oder gibt es dann mehr als zwei?“ Das ist jetzt ehrliches Interesse, wie ecs sich die Welt der Zukunft vorstellt, keine aggressive „Sachlichkeit“.

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