Lesenswert: Marge Piercys „Menschen im Krieg“

Eigentlich mag ich keine Kriegsgeschichten. Egal ob Filme oder Bücher, sie sind mir entweder langweilig oder zu pathetisch und sowieso zu männerlastig. Wobei ich auch keinen wirklichen Unterschied zwischen Kriegsgeschichten und Antikriegsgeschichten erkennen kann. Der tausend-Seiten-Wälzer „Menschen im Krieg“ stand deshalb ein paar Jahre ungelesen bei mir im Regal. Ich hatte ihn irgendwann günstig bei Buchticket eingetauscht, und auch nur deshalb, weil er von Marge Piercy ist. Piercy hat Anfang der 1970er Jahre das grandiose Buch „Die Frau am Abgrund der Zeit“ geschrieben, ein Meilenstein in der Abteilung Science Fiction (eins meiner Lieblingsthemen). Danach las ich von ihr „Er, Sie, Es“, ebenfalls ein SciFi, in dem es um die Frage von Beziehungen zwischen menschlichen und künstlichen Lebensformen geht. Und dann schrieb sie auch noch „Sex Wars“, einen Roman, in dem es um die Debatten über freie Liebe geht, die Victoria Woodhull in den USA im 19. Jahrhundert ausgelöst hat. Woodhull ist aber nun eine meiner historischen Lieblingsfrauen, ich habe ihre deutsche Biografie geschrieben, und es

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Über Konflikte und Kriege

Juli Zeh schreibt in ihrem Buch „Die Stille ist ein Geräusch“, in dem sie ihre Erlebnisse während einer Reise durch Bosnien im Jahr 2001 schildert, dass vor allem die Deutschen die Ursache für den Krieg und den Völkermord im ehemaligen Jugoslawien in „ethnischen Konflikten“ sehen würden. Mag sein, tatsächlich habe ich diese Formulierung vom „Aufbrechen ethnischer Konflikte“ aus den damaligen Nachrichtensendungen noch im Ohr. Und offensichtlich hat sich das bei mir auch eingeprägt, jedenfalls zuckte ich spontan innerlich zusammen, als meine Tischnachbarin beim Frühstück sagte, sie käme aus „Belgrad, Serbien“. Ich war tatsächlich überrascht, denn hatte sie mir nicht gerade erst ausführlich die Vorzüge Bosniens geschildert und jede Menge wunderschöne Orten und historische Sehenswürdigkeiten aufgezählt, die ich unbedingt besuchen soll? In irgendeiner Ecke auch meines Gefühlshaushaltes muss sich wohl durchaus die Vorstellung festgesetzt haben, „Bosniaken“ und „Serben“ seien verfeindet. In Bosnien selbst pflegt man, vor allem in Tourismusbroschüren, eher das Bild der seit Jahrhunderten etablierten Multikulti-Idylle, in die von außen

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