Tarantinos Männlichkeit

Ich sag es gleich, ich bin ein Fan von Tarantino, und auch von seinem neuesten Film The Hateful Eight. Ich fand den besser als Django Unchained, dessen klares Gut gegen Böse mir nicht gefallen hat.

Ich finde, Tarantino zeigt in The Hateful Eight ein Kammerspiel über die zerstörerische Kraft des zu Ende gehenden Patriarchats. Und genau wie im wirklichen Leben ist die eigentliche Zivilisation, die dem Ganzen zugrunde liegt, im Film weitgehend unsichtbar, wird nur nebenbei erwähnt. Es ist die auf „Care“ gründende Umtriebigkeit des Alltagslebens, die sich in Maggie’s Haberdashery zeigt: ein Ort, wo gekocht, geputzt, geredet und gelacht wird, wo Feuer brennt und Kaffee auf dem Herd steht, wo Frauen und Männer, Schwarze und Weiße, Alte und Junge ihren Platz haben. Ein Ort mit Tischen und Stühlen, mit einem Dach über dem Kopf – und einem imposanten Bett in der Mitte (was für eine großartige Idee!).

Maggie und ihr Haberdashery (ein tolles Wort, ich hab’s gegoogelt, es heißt Kurzwarenladen) verkörpern genau das, was wir in unserem ABC des guten Lebens „Wirtinschaft“ nennen.

Maggie ist (Achtung, jetzt kommen Spoiler!) allerdings bereits tot, als der Film beginnt; die von ihr und ihrem „öffentlichen Haushalt“ verkörperte Zivilisation wird nur kurz in einer Rückblende gezeigt. Die „Hateful Eight“, die letzten Ausläufer eines ausgestorbenen Patriarchats beziehungsweise eher die marodierenden Brüder eines entfesselten Fratriarchats, sind gewaltsam eingedrungen. Wie grandios die filmische Idee, sie immer und immer wieder die Tür zum Haberdashery eintreten zu lassen, um sie dann jedes Mal wieder zu vernageln!

Der Film inszeniert detailreich, wie diese Typen über die von anderen wohnlich gemachte Welt herfallen und wie Parasiten von dem leben, was andere aufgebaut haben. Aufwändig wird zum Beispiel thematisiert, dass sie das Stew, das sie essen, nicht selbst gekocht haben, sondern es noch von Maggie stammt. Sie bringen nur vergifteten Kaffee zustande. Wundervoll auch, wie sie den alten Patriarchen – den General – noch gnädigerweise und zu ihren Bedingungen eine Weile im Lehnstuhl sitzen lassen, aber als es brenzlig wird, ist er der erste, der dran glauben muss. Das Ende des Patriarchats ist banal.

Besonders schön hat mir auch die Szene gefallen, wo der eine Typ von seiner Mutter erzählt, die er über Weihnachten besuchen will. Das ist gelogen, wie sich später herausstellt (und wir auch schon vermutet hatten), aber man spürt doch die hilflose Sehnsucht im Gespräch dieser beiden Männer: Sie wissen, was gut und richtig wäre, aber sie sind schon zu weit davon entfernt, und vermutlich auch zu feige, um es zu tun.

Das alles und noch viel mehr wird in liebevoll komponierten Dialogen wunderbar ausgearbeitet (allerdings weiß ich nicht, wie gut die Übersetzung ist, ich habe den Film auf Englisch gesehen). Erst gegen Ende des Films geht es dann so richtig mit tarantinteskem Splatter los, mir persönlich reichte das auch. Denn auch das ist angemessen: Die männliche Ordnung besteht nicht in erster Linie aus gewaltvollen Taten, sondern aus Worten. Und sie wird hier daher auch vor allem sprechend „dekonstruiert“, und zwar in genau den drei Säulen, auf die das untergehende Patriarchat sich stützte: Militarismus, Justiz und Rassismus. Übrig bleiben nur Kopfgeldjäger und Banditen, also letztlich der Kapitalismus.

Ich muss ehrlich sagen, dass mir sehr gut gefällt, wie Tarantino diese Geschichte inszeniert. Mir gefällt, dass auf der Seite der Zivilisation zwar mehr Frauen als Männer sind, und dass Schwarze Frauen dabei die maßgebliche Rolle spielen, denn so ist es ja auch. Aber es ist auch klar, dass das Angebot, zivilisiert zu leben und ein gemeinsames gutes Leben zu führen, für alle Menschen gilt. Und analog ist richtig, dass auf Seiten des zerstörerischen, parasitären Fratriarchats überwiegend Männer sind, aber eben nicht nur, denn auch Frauen „können genauso Banditen sein wie Männer“. Und wenn sie es, wie Daisy Domergue, richtig anstellen, wenn sie ordentlich einstecken und austeilen können, dann dürfen sie sogar „Führungspositionen übernehmen“.

Am Ende sind alle tot, und das konnte im Film auch gar nicht anders kommen, weil die Grundlagen der Zivilisation ja bereits zerstört waren, bevor die Geschichte überhaupt anfing. Aber wir, wir leben in einer Welt, in der das eine oder andere Haberdashery noch in Betrieb ist und funktioniert. Das ist die gute Nachricht.

PPS: Mir gefiel auch die Idee, einen Film über das Patriarchat zu machen, in dem (fast) die ganze Zeit nur gelabert wird :)

PS: Man ruft mir auf Twitter grade zu, es heiße DIE Haberdashery (die Haberdasherei). Aber irgendwie klingt das…

Ciswissenschaft und Transpolitik

Diese Woche war ich bei einem Kongress über Transsexualität und hörte zwei Professoren, die (in Bezug auf Beheimatung im bestehenden System) so dermaßen Cis waren, dass es fast schon einer Karikatur ähnelt.

Kurzfassung: Die Wissenschaft hat nun festgestellt, dass Transsexualität normal ist. Normal nicht etwa deshalb, weil wir in politischen Auseinandersetzungen eine Kultur hervorgebracht hätten, die sich von den Zumutungen traditioneller Geschlechterkonzepte befreit hat. Nein, normal, weil Transsexualität nun (offenbar) die höchstmöglichen Weihen erhalten hat, die die bestehende symbolische Ordnung zu vergeben hat: Ihre Entstehung ist naturwissenschaftlich herzuleiten, man kann also experimentell-biologisch beweisen, dass es sie gibt. Die Betroffenen „bilden sich das nicht nur ein“. Tadaa!

Der erste Professor begann bei den Genen und dem Testosteron, das der Körper bei xy-Menschen im Embryonenstadium ausschüttet und bei xx-Menschen nicht. Dieses Testosteron bewirke eine Maskulinisierung des Embryos, allerdings auf komplexen Wegen und in unterschiedlichen Abschnitten, sodass es durchaus vorkomme, dass zwar der Körper maskulinisiert sei, nicht jedoch das Gehirn. Voilà Transsexualität.

Als xx-Mensch und Feministin bin ich darauf trainiert, jedes Sich-Zur-Normsetzen von xy-Menschen rigoros aufzudecken. Also fragte ich den Professor, wie denn seine Theorie die Existenz von Transmännern erkläre, da bei ihnen doch – als xx-Personen – im Embryonalstadium kein Testosteron ausgeschüttet worden sei, folglich auch ihr Gehirn, jedenfalls auf dem von ihm beschriebenen Wege, nicht maskulinisiert worden sein könne. Er nicht_antwortete mit dem Hinweis, das sei eben alles sehr komplex. Bullshit. Vielleicht war ihm auch diese kleine Lücke in seiner Theorie bisher noch gar nicht aufgefallen; es kommt ja häufiger vor, dass xy-Männer nur über sich selber und ihresgleichen nachdenken.

Jedenfalls: Die Theorie dieses Professors liefert eine Erklärung höchstens für Transweiblichkeit, nicht aber für Transmännlichkeit. Was ich nun wiederum ganz interessant finde: Sind eventuell Transweiblichkeit und Transmännlichkeit zwei völlig unterschiedliche Phänomene mit unterschiedlichen Ursachen? Für mich als feministische Cisfrau klingt das plausibel. Denn ich erlebe das „Trans“ in beiden Fällen sehr unterschiedlich: In Transfrauen erkenne ich im Allgemeinen „normale“ Frauen (soweit es in Bezug auf Frausein überhaupt sinnvoll ist, von Normalität zu reden). In Transmännern hingegen sehe ich nicht „normale Männer“. Sondern die von ihnen überschrittene Grenze, auf die sich das „Trans“ bezieht, ist eben genau nicht die hin zu den üblichen Männlichkeiten, sondern die hin zu einer anderen Art von Männlichkeit. Auf einer bestimmten Ebene sehe ich deshalb Transmänner, im Unterschied zu Cis-Männern, als „meinesgleichen“. Weshalb mir auch einleuchtet, dass in queerfeministischen Kontexten die Geschlechtergrenze nicht zwischen Frauen und Männern gezogen wird, sondern zwischen „Frauen*Lesben*Trans“ und „Cis-Typen“.

(PS: Analog finde ich übrigens auch, dass Schwulsein und Lesbischsein zwei unterschiedliche Angelegenheiten sind und nicht bloß die männliche oder weibliche Variante von „Homosexualität“).

Aber zurück zum Kongress. Der zweite Professor erläuterte die Unterschiede zwischen Männergehirnen und Frauengehirnen, die bekanntlich dazu führen, dass Frauen harmoniedüdelig und Männer aggressiv sind, und – oh Wunder – die Gehirne von Transfrauen sehen aus wie die von xx-Menschen und die von Transmännern wie die von xy-Menschen. Nun jaaaa. Der Professor wusste offenbar selber, auf welch dünnem Eis er hier wandelte und betonte immer wieder (ohne sich allerdings ein paar Seitenhiebe auf den Feminismus, der die biologischen Grenzen des Geschlechts bekanntlich einfach ignorieren will, verkneifen zu können), dass diese Unterschiede zwischen Männer- und Frauengehirnen letztlich nur winzig klein seien. Andererseits war seine These ja, dass sie das Phänomen der Transsexualität erklären sollen, also können sie so klein dann ja auch wieder nicht sein. Männliche Logik? (scnr).

Ich sehe ja irgendwie ein, dass solche „Adelungsprozesse“ von Seiten des Mainstreams durchaus ambivalent zu sehen sind. Wenn die Wissenschaft plötzlich ganz normal findet, was sie bis gestern noch, mit gleicher Verve, vollkommen unnormal fand, könnte dieses Umdenken konkrete Verbesserungen bei Gesetzen etc. möglich machen. Aber der Jubel sollte doch, finde ich zumindest, nicht allzu ungebrochen sein.

9783837921700In der Pause traf ich zufällig eine Bekannte, und wir lästerten nicht nur ein bisschen über diese merkwürdige Vorstellung der Männer, sie könnten Phänomene verstehen, indem sie die Ursachen davon aufdecken, sondern sie überredete mich auch, das autobiografische Buch „Die transzendierte Frau“ von Jean Lessenich zu kaufen. Weil ich mich darin prompt während der folgenden zwei Vorträge festlas, kann ich nicht sagen, ob der Kongress ebenso merkwürdig weiter ging.

Aber ich empfehle euch das Buch wärmstens (Psychosozial-Verlag, Gießen 2012). Die Autorin erforscht nicht die Ursachen von Transsexualität, um diese dann in den Griff zu bekommen, sondern erzählt von einem komplexen Phänomen, wobei sie genau nach jener Art und Weise vorgeht, die feministische Erkenntnis ausmacht: Von sich selbst ausgehend die Welt verstehen und den Ereignissen eine freie, eigene Bedeutung geben, die Sinn vermittelt. Nebenbei ist das Buch auch historisch sehr interessant, ein Stückchen deutsche Kulturgeschichte seit den 50er Jahren. Frankfurt kommt auch drin vor.

PS: Und falls es doch eine auf Genetik gründende Erklärung für Transmännlichkeit gibt, würde mich die interessieren, diesbezügliche Hinweise gerne in die Kommentare, danke!

Ein paar Anmerkungen zu den Suffragetten

Gestern Abend hab ich den Film gesehen, und möchte dazu ein paar Anmerkungen machen. Ich finde ihn nicht rundum gelungen, und warum, dazu schreibe ich hier die wichtigsten Punkte auf (die im Prinzip nicht nur diesen Film betreffen, sondern mich in historischen Darstellungen der Frauenbewegung häufiger stören).

Der Slogan „Taten statt Worte“ gefällt mir nicht, denn Worte sind auch Taten. Eigentlich ging es ja um die Frage der Militanz, aber genau deren Pro und Contra wird in dem Film meiner Meinung nach nicht wirklich ernstgenommen. Sondern es wird irgendwie darauf gesetzt, dass wir Zuschauerinnen sowieso auch finden, dass „Taten besser sind als Worte“.

Das Verhältnis der bürgerlichen Frauenrechtlerinnen zu den Arbeiterinnen wird doch arg idealisiert. Es gab dazu ziemlich viele Konflikte, etwa zu der Frage, warum die bürgerliche Frauenbewegung ihre Aktionen allein auf das Wahlrecht fokussiert, so als würden Klassenunterschiede damit quasi von alleine verschwinden. Dass hier im Film die Arbeiterinnen und Bürgerlichen so völlig smoothly Hand in Hand arbeiteten, naja. Und als einmal die Privilegien sichtbar wurden (bei der Frage der Entlassung auf Kaution), war natürlich allein der böse Ehemann schuld.

Den Trope „Eine Frau will sich emanzipieren und ihr Ehemann wird dann böse“ kann ich nicht mehr sehen. Dafür kann der Film nun nichts, das ist mein persönlicher Geschmack, aber ich habe es über. Außerdem fand ich es in dem konkreten Fall etwas unglaubwürdig, dass Maud mit ihrem Mann überhaupt nicht über das Thema geredet hat, denn vor ihrer Politisierung schienen sie sich ja ganz gut zu verstehen und er ein netter Kerl zu sein. Wenn sie ihre Meinung ändern kann, warum nicht er auch?

Am Ende schummelt sich der Film aus der Frage raus, ob Militanz denn überhaupt was geholfen hat. Er endet mit dem Trauermarsch und suggeriert, dass der Märtyrerinnentod von Emily Davison sozusagen die Wende in der Stimmrechtsfrage gebracht hätte. Das muss heutzutage dramaturgisch vermutlich so sein, Happy End und so, aber es ist doch Quark. Andere Länder, in denen die Stimmrechtsbewegung nicht militant war, haben das Stimmrecht zur selben Zeit bekommen wie England, teilweise sogar früher. Ich frage: War das Leid, das diese Frauen auf sich nahmen (Selbstmord, Verlieren des Sohnes, gesundheitliche Schäden durch Knast usw.) tatsächlich sinnvoll und notwendig für den Erfolg des Anliegens? Oder wird hier ein (männlicher) Heldenmythos auf die Frauenbewegung übertragen? (Ich frage wirklich, das heißt, ich finde die Antwort nicht eindeutig).

In historischen Darstellungen politischer Bewegungen finde ich auch immer den Gestus des „Wie konnten die damals nur so blöd sein?“ ganz – blöd. Denn auch wenn WIR uns heute nicht vorstellen können, warum um Himmels willen Frauen nicht wählen dürfen sollten, so war das im damaligen Kontext eben für viele sehr plausibel. Es war die vorherrschende symbolische Ordnung. Es waren eben nicht nur Dummköpfe und Bösewichte und Männer und Zurückgebliebene, die sich dem Kampf der Suffragetten entgegen stellten. Politik ist keine Frage von „Die einen wissen schon die Wahrheit und die anderen sind noch zu dumm dafür.“ Der Kampf um das Wahlrecht war nicht einfach eine Machtfrage, er war auch und vor allem eine symbolische Frage, die mit dem Gesamtkomplex der Frauenemanzipation zusammenhing (deren wichtigster Bestandteil im übrigen nicht die Frage des Wahlrechts, sondern des Zugangs zur Erwerbsarbeit war).

Generell ist es für die weibliche Freiheit sehr viel wichtiger, dass Frauen sich gegen die  herrschende symbolische Ordnung stellen, also sich innerlich und im Denken frei machen von dem was „doch alle wissen“, als dass sie heldinnenhaft Steine schmeißen und strategische Machtkämpfe ausfechten (was hin und wieder natürlich sinnvoll sein kann). Beim Unabhängigwerden von der herrschenden symbolischen Ordnung haben freiheitsliebende Frauen – damals wie heute – nicht nur „die Männer“ sondern auch die Mehrheit der anderen Frauen gegen sich.

Woher bekommen Frauen die Stärke und Selbstsicherheit, um sich gegen den Mainstream zu stellen? Was befähigt sie, unabhängig zu denken, und woher nehmen sie dann den Mut, auch entsprechend zu handeln und dafür Konflikte in Kauf zu nehmen? Das wäre eine bis heute aktuelle Frage.

Was sind heute die Ansichten, die der weiblichen Freiheit entgegen stehen, aber so fest in der herrschenden symbolischen Ordnung verankert sind, dass alle Welt, die allermeisten Frauen inklusive, sie völlig normal und alternativlos finden?

PS: Andrea Hanna Hünniger 10 nach 8 findet Suffragetten auch eher meh

“Speculum, the Other man. Eight points on the spectres of Cologne”

“Listening to the other – her experience, her story, her needs, her desires, her traumas, her resources – is a necessary condition for repairing the pattern of civilisation, and in a direction opposite to that of the clash of civilisations. In this, the racket of the media machine, wholly programmed not to listen but to shout, is no help to us – rather, it is an obstacle.”

Italienische Feministinnen – darunter einige Freundinnen der Philosophinnengemeinschaft Diotima – haben unter dem Titel “Speculum, the Other man. Eight points on the spectres of Cologne” eine lange, meiner Meinung nach sehr gute Analyse der Debatten nach den Köln-Ereignissen geschrieben.

Verzeiht, dass ich immer noch kein anderes Thema hier habe.

Hier ist der Link zum (englischen) Text.

#ausnahmslos

Sicher habt Ihr schon mitbekommen: www.ausnahmslos.org.

Benni, Eva und ich haben zu dem Thema auch gepodcastet. (und in Teil 2 auch noch über andere Themen gesprochen).
Susanna hat sich in ihrem Blog ausführlich mit unserem Podcast auseinandergesetzt.

Ich bloggte dann auch nochmal zu der Frage:
Verharmlosen Feministinnen die Taten von Köln?

Außerdem gab es eine ganze Reihe von Interviews, u.a.:
Die “Böse Minute” beim WDR (Frau TV)
Radiointerview bei Mephisto.
FAZ Rhein-Main zusammen mit Nicole von Horst.
Interview mit Radio Corax

 

Die Gewalt von Köln und was zu tun ist

Vermutlich habt ihr schon mitbekommen, dass ich Montag abend  was über die Sache in Köln geschrieben habe – der Text ist ziemlich weit herumgereicht worden, inzwischen über 120.000 Klicks (die Kommentare wollt ihr eher nicht lesen). Am Mittwoch früh ist er etwas aktualisiert auch nochmal auf Stern.de erschienen. Dem Deutschlandfunk habe ich dazu ein Interview gegeben, das noch ein paar Tage in der Mediathek steht. Außerdem sprach ich am Mittwoch morgen noch mit der Freiheitsliebe über den Rassismus in der aktuellen Debatte.

Anfangs freute mich, als mein Text viral ging, und ich dachte, vielleicht kann es ein klein bisschen eine Gegenstimme sein. Heute, nachdem ich gesten so viel dazu gelesen habe, inklusive Kommentare und Mails an mich, glaube ich nicht mehr, dass es was nützt. Das rassistische Narrativ “schwarzer Mann vergewaltigt weiße Frau” ist volle Kanne durchgeschlagen, und das lässt sich erstmal nicht mehr einholen. Ich hoffe, das ist jetzt nicht der Tipping-Point, an dem der unterschwellige Rassismus in Deutschland flächendeckend in offenen, gesellschaftlich legitimierten Rassismus umschlägt. Heute morgen sagte ich am Frühstückstisch: Und am Ende sind wir Feministinnen Schuld, weil wir so erfolgreich dafür gekämpft haben, dass der Kampf gegen sexuelle Gewalt ernstgenommen wird. Aber mir wurde – zu Recht – entgegen gehalten, dass das Quatsch ist, dann wäre es eben irgend ein anderer Anlass gewesen. Außerdem ist das Phänomen nicht neu, die “Frauenfrage” ist schon immer rassistisch vereinnahmt worden. Aber ich bin dennoch heute sehr erschöpft, sehr traurig, sehr angeekelt, sehr ratlos.

Daher an dieser Stelle aus der Masse der Sachen erst mal nur ein paar Links zu anderen lesenswerten Texten zum Thema, die muss man ja leider mit der Lupe suchen (ich habe auch sicher nicht alles mitbekommen, helft in den Kommentaren gerne mit).

Die Prinzessinnenreporter über Journalismus
Enno Park mit Nüchternheit
Teresa Bücker bei Edition F
Hilal Sezgin: Ich bin es leid
Kommentar von Sonja Mikich
Altpapier: Jeder spielt seine Rolle
Anne Wizorek im Interview mit der Frankfurter Rundschau
Kolumne von Sascha Lobo
Ingrid Strobl: Eiertanz
Hannah C. bei der Mädchenmannschaft
Musa Okwonga: Let’s keep sticking up for the women
Stephanie Lohaus und Anne Wizorek über Rape Culture
Hengameh Yaghoobifarah: Willkommen in der Hölle, Ladies
Margarete Stokowski: Des Rudels Kern
Shehadistan: Arabisch und nordafrikanisch aussehende Menschen (TM)

Vielleicht dann in den nächsten Tagen noch mehr.

Über den Zusammenhang von Geschlecht und Biologie

Wenn über den Zusammenhang von Geschlecht und Biologie gesprochen wird, liegt der Fokus meist auf der Frage, was überhaupt „Geschlecht“ sei. Mir drängt sich seit einiger Zeit verstärkt die Frage auf, was überhaupt „Biologie“ in diesem Zusammenhang sein soll. Wovon ist eigentlich die Rede, wenn es um das „biologische Geschlecht“ geht?

Es sind ja drei unterschiedliche Aspekte des Körperlichen, die dabei eine Rolle spielen: die Gene, der Phänotyp (also das äußerliche Erscheinungsbild) und die mögliche Position in Bezug auf die Fortpflanzung, also ob jemand schwanger werden kann oder nicht.

Für die meisten historisch gewachsenen Kulturen der Geschlechterdifferenz ist dieser letzte Aspekt maßgeblich. Dass nicht alle Menschen schwanger werden können, macht es erforderlich, Verfahrensweisen zu entwickeln, wie mit dieser Ungleichheit konkret umgegangen wird: Wer für Menschen sorgt, die aufgrund von Schwangerschaften oder Geburten besondere Bedürfnisse haben, welche Rechte und Pflichten Gebärende gegenüber ihren Kindern haben, welche Rechte und Pflichten Nicht-Gebärende gegenüber Kindern oder Schwangeren haben. Das alles lässt sich auf eine Million unterschiedliche Weisen regeln, aber es kann kein „gleiches Recht für alle“ geben, weil die Körper der Menschen im Hinblick auf die Fortpflanzung eben nicht gleich sind (darüber bloggte ich schon). Praktisch alle kulturellen Geschlechternormen hängen letztlich mit dieser Differenz zusammen, auch wenn ihr Inhalt absurd sein mag oder sich im Lauf der Zeit symbolisch weit von ihrem ursprünglichen Anlass entfernt hat.

Wenn heute über das „biologische Geschlecht“ gesprochen wird (jedenfalls hierzulande), dann spielt aber das (nicht)Schwangerwerden-Können in der Regel kaum noch eine Rolle, stattdessen ist die Genetik zum maßgeblichen Faktor geworden. Die biologische Geschlechterdifferenz wird heute weitgehend auf Genetik reduziert, zum Beispiel als letztgültiges Kriterium bei Geschlechtstests von Sportler_innen. Ich halte die Genetik für einen großen Fetisch unserer Zeit. Man denkt sich dabei den menschlichen Organismus als eine Art Maschine, die nach einem bestimmten Bauplan (dem Genom) sich zwangsläufig entfaltet, also klare Abfolge von Ursache und Wirkung, von Bauplan und Ergebnis. Das klingt schön kontrollierbar („Wir haben das Genom entschlüsselt, das Geheimnis des Lebens geknackt!“). Faktisch ist es allerdings nicht so eindeutig, es gibt etwa nicht nur xx und xy-Menschen, sondern auch xxy. Und historisch spielte die Genetik bei der Entstehung kultureller Geschlechterkonstruktionen keine Rolle, es gibt sie ja erst seit dem 18./19. Jahrhundert. Bis heute ist den einzelnen Menschen schlicht unbekannt, welche Gene sie haben, man braucht medizinische Spezialtechnik, um etwas darüber zu erfahren.

Der im Alltagsleben in Bezug auf die Geschlechterdifferenz wichtigste Faktor ist der Phänotyp, also das äußere körperliche Erscheinungsbild. Menschen werden in der Regel aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes einem Geschlecht zugeordnet, und zwar sowohl bei der Geburt (Penis oder Vagina), als auch im Alltag (Brüste oder Bart). Ganz an den Haaren herbeigezogen ist das nicht, denn es lässt sich tatsächlich anhand des äußeren Erscheinungsbildes einer Person mit recht hoher Wahrscheinlichkeit ablesen, ob sie im Lauf ihres Lebens schwanger werden kann (konnte) oder nicht.

Trotzdem ist der Phänotyp natürlich ein sehr unzuverlässiges Indiz für Geschlecht. Zwischen „Menschen mit Vagina“ und „Menschen mit Penis“ gibt es alle möglichen Zwischenformen der Intersexualität, und auch andere Faktoren wie Größe, Behaarung, Muskelmasse, Brustumfang und dergleichen sind schwammig. Anders als beim (Nicht)-Schwangerwerden-Können gibt es phänotypisch kein Entweder-Oder, sondern sämtliche nur denkbaren Zwischenformen. Eine Verteilung von körperlichen Geschlechtsmarkern auf Männer und Frauen ist wenn überhaupt nur statistisch nachweisbar: Es gibt Korrelationen zwischen Körpergröße und Schwangerwerdenkönnen, aber weder sagen die etwas über den Einzelfall aus noch müssen sie biologische Ursachen haben. Menschen gestalten zudem ihre körperliche „Gender-Performance“ jederzeit aktiv: Sie trainieren sich Muskeln an oder ab, lassen sich die Haare so oder so wachsen, kleiden und bewegen sich auf eine bestimme Weise, lassen ihr Erscheinungsbild operativ verändern und so weiter. Der Phänotyp, also das sichtbare, körperbezogene Erscheinungsbild von Geschlecht, ist komplett von kulturellen Akten durchdrungen.

Das wiederum führt zu einem Paradoxon: Symbolische kulturelle Akte, die ursprünglich einmal den Sinn hatten, eine Differenz zwischen Menschen, die schwanger werden können, und solchen, die es nicht können, zu markieren (geschlechtsspezifische Kleidung, Arten, sich zu bewegen und so weiter) sind, eben weil es rein kulturelle Akte sind, genauso in der Lage, diese Differenz restlos aufzulösen: Auch Männer können Kinder austragen.

Der Phänotyp kommt jedenfalls, was die Verhandlung von Geschlechterdifferenzen betrifft, zunehmend schlecht weg; dem äußeren Anschein soll nicht mehr geglaubt werden. Von naturwissenschaftlicher Seite wird ihm gegenüber die Genetik bevorzugt: Dass eine Sportlerin wie eine Frau „aussieht“ (die Beschaffenheit ihres Körpers, ihre „Gender-Performance“) zählt nicht, wenn nicht die Medizintechnik ihr das Vorhandensein von XX-Genen bescheinigt. Und auch von feministisch-dekonstruktivistischer Seite wird die symbolische Kraft des Phänotyps bestritten: Man soll die Geschlechtszugehörigkeit einer Person nicht aufgrund ihre äußeren Erscheinung „lesen“, sondern sie um Selbstauskunft bitten (Er, Sie, Name?). Beide Sichtweisen stehen politisch auf entgegengesetzten Seiten, gemeinsam ist ihnen aber, dass sie eine innere, unsichtbare Instanz zur Bestimmung der Geschlechtszugehörigkeit aufrufen und diese dem „Offensichtlichen“ überordnen: Was das „wahre“ Geschlecht einer Person betrifft, so sollen wir nicht unseren Augen trauen, sondern tiefer nachforschen, das Augenscheinliche also hinterfragen.

Aber was ist eigentlich so schlimm daran, Geschlecht am Aussehen einer Person abzulesen? Ist das denn wirklich für sich genommen schon die Wurzel des Übels? Oder ist es nur ein Symptom? Ist die Ablehnung des Körpers als signifikantem Bestandteil von „Geschlecht“ nicht eine Untervariante der traditionellen Körperfeindlichkeit der männlichen Philosophietradition? Soll das Geschlecht wirklich nicht mehr sein als eine Kopfsache, sticht Geist hier Körper? Oder sollten wir nicht versuchen, den Dualismus von Körper und Geist auch an dieser Stelle zu überwinden? Etwa indem wir nicht mehr zwischen angeblich naturbelassenem und angeblich verändertem Körper unterscheiden, sondern die Lust an der körperlichen Inszenierung von Geschlecht feiern und fördern? Ruhig auch in mehr als zwei Varianten, aber eben nicht in unendlich vielen, weil unendliche Vielfalt letztlich eben doch wieder die eine Norm bedeutet? Das sind keine rhetorisch gemeinten Fragen, sondern welche, die ich wirklich gerne diskutieren würde. Denn interessanterweise wächst ja gleichzeitig der Trend, die Geschlechterdifferenz optisch zu vereindeutigen, etwa in Bezug auf Kinderkleidung. Vielleicht hängt doch beides zusammen: Je weniger plausibel der Zusammenhang  zwischen Geschlecht und körperlicher Erscheinung ist, umso drastischer wird versucht, diesen Zusammenhang zu verteidigen, leider aber kommt genau dabei nur Klischee heraus, nicht Kreativität.

Die Vorrangstellung der Genetik im Vergleich zum Phänotyp begegnet übrigens nicht nur auf Seiten biologistischer Geschlechterkonzepte, sondern auch auf Seiten derer, die kulturelle Stereotypen hinterfragen und kritisieren. In dem lesenswerten SciFi-Roman „The Best of All Possible Worlds“ von Karen Lord zum Beispiel gibt es eine Episode, bei der ein „Skandal“ in einer rassistischen Gesellschaft aufgedeckt wird. Der Skandal besteht darin, dass die Unterscheidung, nach der dort Menschen zur „höheren“ und zur „niederen“ Gruppe sortiert werden, nicht aufgrund von genetischen, sondern lediglich aufgrund von phänotypischen Varianten vorgenommen wird (was die Herrschenden unter den Teppich kehren wollen). Ich verstehe den Plot nicht: Wäre der Skandal denn weniger groß, wenn Menschen aufgrund ihrer Gene diskriminiert würden als wenn das aufgrund von phänotypischen Variationen geschieht?

Noch problematischer finde ich die Verdrängung des (nicht)-Schwangerwerden-Könnens aus der geschlechterpolitischen Debatte. Der Vorschlag, Geschlecht nicht mehr „binär“ (Frau/Mann), sondern fließend (unendlich viele Geschlechter) zu verstehen, der inzwischen in feministischen Diskursen relativ weit verbreitet ist, hat diesen Ausschluss ja geradezu als Vorbedingung, weil eben das (nicht)_Schwangerwerdenkönnen gar nichts Fließendes an sich hat, sondern faktisch binär ist: Entweder kann man schwanger werden oder nicht, da gibt es kein Mittelding, keinen Übergang, keine Operationsmöglichkeiten (jedenfalls noch nicht, ich habe gehört, es soll inzwischen mit der Transplantation von Gebärmüttern experimentiert werden). Bislang ist die Möglichkeit, schwanger zu werden und zu gebären, nicht verfügbar, nicht herstellbar, nicht einklagbar, kein Menschenrecht.

Wenn Geschlecht als „fließend mit unendlich vielen Variationen“ gedacht wird, muss deshalb die Frage der menschlichen Differenz in Bezug auf die Fortpflanzung hiervon restlos abgekoppelt werden. Das erklärt, warum männliche Schwangerschaften als geschlechterpolitische feministische Revolution gefeiert werden. Philosophisch gesehen mag das eine innere Logik haben und radikal erscheinen. Doch praktisch bringt es uns lediglich wieder zurück auf Los: Wenn Geschlecht und Biologie nichts mehr miteinander zu tun haben sollen, dann ist die Geschlechterdifferenz ja nutzlos, um die Unterschiede zwischen Menschen in Bezug auf die biologische Fortpflanzung zu thematisieren. Gleichzeitig bestehen diese Unterschiede aber weiterhin. Deshalb müssten wir andere Begriffe erfinden, um diesen Unterschied zu benennen, meinetwegen „Tralala“ für Menschen, die schwanger werden können, und „Trololo“ für Menschen, die es nicht können (ich bevorzuge an dieser Stelle Frauen* bzw. Männer* mit Sternchen).

Aktuelle politische Anlässe, die diese Unterscheidung bedeutsam machen, gibt es jedenfalls genug. Biopolitik und Reproduktionstechologien nehmen immer mehr Aufschwung, es geht dabei längst nicht mehr nur um die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Auch die gesetzlichen Regelungen von In-Vitro-Fertilisation betreffen ausschließlich Menschen, die schwanger werden können, denn für andere kommt eine IVF ja nicht in Frage. Und schließlich Leihmutterschaft, ein Riesen-Thema: Leihmütter werden von Menschen nachgefragt, die nicht schwanger werden und gebären können (oder wollen) und sich für diesen biologischen Vorgang den Körper einer anderen Person mieten möchten – eine Dienstleistung, die logischerweise nur eine Person anbieten kann, die schwanger werden kann. Dennoch wird es normal, diese Themen „geschlechtsneutral“ zu besprechen, und dabei wird es manchmal regelrecht absurd. In einem Interview sagt zum Beispiel Caroline Schnurr von der Universität Sankt Gallen zum Thema Leihmutterschaft:

Aus Sicht von Homosexuellen ist das eine logische Forderung: Wenn Fruchtbarkeitsbehandlungen finanziell unterstützt werden, warum dann nicht auch eine Leihmutterschaft? Argumentativ ist es schwer zu rechtfertigen, warum der Staat In-vitro-Fertilisation bezahlt, aber nicht Leihmutterschaft.

Hier wird nicht nur übersehen, dass weibliche Homosexuelle keineswegs auf Leihmutterschaft angewiesen sind, um genetisch eigene Kinder zu haben. Lesbische Paare haben sogar im Vergleich zu heterosexuellen Paaren eine doppelt so große Wahrscheinlichkeit, dass eine von ihnen schwanger werden und gebären kann. Auf die Idee, das Recht auf Leihmutterschaft (und deren Finanzierung) leite sich quasi zwangsläufig vom Recht auf In-vitro-Fertilisation ab, kann man nur kommen, wenn man die Frage, welche Person eigentlich schwanger ist und das Kind gebiert, als vollkommen unerheblich ansieht. Wenn es für völlig egal gilt, ob jemand Medizintechnik in Anspruch nimmt, um selbst schwanger zu werden, oder ob eine andere Person beauftragt werden soll, mit ihrem Körper Schwangerschaft und Geburt zu durchleben. Das ist aber die klassische patriarchale Vorstellung vom weiblichen Körper als „Gefäß“, das dazu dient, die Kinder anderer auszutragen – reine Materie, ohne Geist, ohne Relevanz.

Reproduktionstechnologie und Geschlechterdifferenzen sind jedenfalls eng miteinander verknüpft: Beim Thema Leihmutterschaft geht es um Menschen, die nicht schwanger werden können, also um Männer*, um schwule Paare oder um heterosexuelle Paare, bei denen die Frau* nicht schwanger werden oder nicht gesund gebären kann. Und beim Thema In-Vitro-Fertilisation geht es um Menschen, die sehr wohl schwanger werden können, also um Frauen*, um lesbische Paare, oder um heterosexuelle Paare, bei denen die Frau* schwanger werden kann.

Wir müssen meiner Ansicht nach Wege finden, beim Sprechen über diese Themen Biologie, Kultur und Geschlechterdifferenz in einen Austausch bringen, ohne dass die Biologie entweder determinierende Gewalt zugesprochen bekommt noch aber ignoriert und tabuisiert wird. Die Differenz, die in der möglichen Rolle einer Person bei der biologischen Reproduktion begründet liegt, ist nicht deckungsgleich mit Gender, aber sie ist auch nicht vollkommen davon unabhängig. Anders als Gender ist sie nicht fließend, sondern binär. Und gleichzeitig sind diese Themen aufs engste mit historisch gewachsenen Geschlechterkonstruktionen verknüpft: Abtreibungsverbote sind ein Merkmal patriarchaler Kulturen, in denen Männer in Bezug auf die Körper von Frauen mitbestimmen wollen. Der Zugang zu In-Vitro-Fertilisation ist eng mit heterosexistischen Familiennormen verknüpft. Das Thema Leihmutterschaft ist nicht zu trennen von den prekären Lebensbedingungen der Frauen, die ihren Körper an Personen „vermieten“, die selbst nicht schwanger werden können oder wollen – und damit auch nicht von den globalen Armutsgefällen, die ja ebenfalls alles andere sind als „geschlechtsneutral“.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Dass wir in einer Zeit leben, in der das „korrekte“ Sprechen über diese Fragen eigentlich unmöglich ist, finde ich keineswegs bedauerlich, ich halte es für ein produktives „postpatriarchales Durcheinander“. Es ist gut, dass Geschlechterzuordnungen durcheinander kommen. Ich bin nur dagegen, dass dabei die Biologie als irrelevant abgetan wird, bloß weil sie die Angelegenheit noch komplizierter macht. Es ist halt so kompliziert, wie es ist. Und die Geschlechterdifferenz körperlos und biologiefrei zu denken, ist sinnlos. Es ist nicht die Frage, ob Geschlecht und Körperlichkeit zusammenhängen. Sondern wie.

 

(Hier ein Kommentar zu dem Blogpost)