Care-Konferenz am 28./29. März in Hannover

Da ich gerade keine Zeit habe, daraus einen Blogpost zu machen, werfe ich euch den Flyer für die nächste Care-Konferenz in Hannover einfach mal so hier hin. Ich werde ziemlich wahrscheinlich auch dort sein, vielleicht treffen wir uns also!

Einladungsflyer zur nächsten Care-Konferernz am 28./29. März in Hannover

Nochmal: Frauen und Sprache

Nicht nur Maskus und Konservative, auch viele Frauen verwenden das generische Maskulinum  (vertreten also die Auffassung, dass Frauen bei männlichen Personenbezeichnungen “mitgemeint” sind).

Ich kann den Impuls verstehen, finde es aber falsch. Warum schrieb ich hier auf.

Zwei Alternativen zur Triade „Frauen, Lesben, Trans”

Wenn davon die Rede ist, welche Geschlechter eigentlich die Agierenden_zu Adressierenden von Feminismus sind, dann hat sich im Queerfeminismus eine Triade etabliert, nämlich die von „Frauen, Lesben, Trans”. Das ist der Beobachtung geschuldet, dass „Frauen” als politisches Subjekt einerseits zu unspezifisch, andererseits exkludierend sein kann, weil viele sich unter „Frauen” eben nur eine bestimmte „Sorte” von Frauen, nämlich heterosexuelle (Cis)_Frauen vorstellen. Lesben und Trans explizit zu erwähnen, trägt dem Rechnung.

Aber immer wenn ich die die Triade „Frauen, Lesben, Trans” höre, finde ich das unbefriedigend. Es ist nämlich unlogisch. Sind Lesben denn etwa keine Frauen? Sind Transfrauen keine Frauen? Wir würden ja auch nicht „Obst, Kirschen und Waldfrüchte” in einer Aufzählung nennen, da kommen schlichtweg Ebenen und Kategorien durcheinander.

Ich habe überlegt, ob es Alternativen gäbe, und schlage zwei vor, je nachdem, was man sagen will.

Wenn alle Frauen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, sowie alle Transpersonen gemeint sind, dann könnte man doch einfach „Frauen und Transmänner” sagen, oder spricht da was dagegen?

Diese Formulierung wird der Tatsache gerecht, dass Lesben und Transfrauen selbstverständlich Frauen sind, und dass Transmänner ebenfalls als Akteure von Feminismus angesehen werden sollen. Sie hätte außerdem den Charme, dass das explizite Benennen von Transmännern zum Nachdenken darüber herausfordert, dass die erwähnten Frauen eben nicht so Cis-Heteronormativ gemeint sein können. (Eventuell müsste man Intersexuelle Personen hinzufügen, die fehlen aber auch in der oben angesprochenen Triade).

Unter Umständen ist sogar noch ein breiteres Spektrum an Geschlechtern gemeint, wenn man etwa an ein Phänomen wie das der „lesbischen Männer” denkt. Es kann also sein, dass in bestimmten Kontexten noch mehr Menschen angesprochen werden sollten, zum Beispiel Cis-Männer, die sich mit feministischen Themen beschäftigen und traditionelle patriarchale Männlichkeitskonstrukte ablehnen und hinterfragen. In dem Fall könnte man zum Beispiel von „alle Menschen außer Typen” sprechen, oder?

Die hier implizierte Bedeutungszuschreibung zu dem Begriff „Typen” finde ich übrigens eine der hilfreichsten sprachlichen Erfindungen der letzten Jahre. Es ist nämlich beim feministischen Sprechen oft notwendig, zwischen Männern im Allgemeinen und „Typen” zu unterscheiden, also solchen Männern, die der patriarchalen symbolischen Ordnung entweder völlig unkritisch gegenüberstehen oder die sogar auch noch gut finden. Sie sind natürlich nicht als Verbündete des Feminismus anzusehen.

Worte sind keine Waffen

Ich blogge jetzt manchmal auch bei Fisch und Fleisch, einer neuen Meinungsplattform in Österreich. Der Grund: Andere Zielgruppe, kleineres Format als hier (dort stelle ich überwiegend kürzere Texte ein), und außerdem gibt’s Geld dafür :) _

Mein erster Blogpost erschien heute zum Thema “Worte sind keine Waffen”.

Ich habe vor, dort in Zukunft so einmal die Woche was zu schreiben, tendenziell immer freitags, und werde das wegen der Kürze des Formats nicht jedesmal hier bekanntgeben. Wenn es euch interessiert, abonniert mich da oder fischt mich oder wie immer sie es dort nennen…

Männer, die auf Feministinnen starren

Interessant, jetzt diskutieren auch schon Männer in den Feuilletons darüber, wo der Feminismus recht hat und wo er irrt. Offenbar gab es einen Artikel im Freitag dazu, in dem ein Mann dem Feminismus erklärt, was er falsch macht – wir* sind zu nachsichtig mit dem Islam.

Ich habe den nicht gelesen, was ich aber gelesen habe, das ist dieser Artikel, in dem ein anderer Mann als Antwort darauf den Feminismus (jedenfalls ein bisschen) gegen den ersten Mann in Schutz nimmt, indem er die Grenze zwischen dem, worin der Feminismus recht hat, und dem, wo er nicht recht hat, ein bisschen woanders zieht.

(Sorry, ich kann das hier jetzt nicht ohne Sarkasmus, obwohl ich Sarkasmus eigentlich gar nicht mag.)

Ich möchte kurz auf zwei Punkte aufmerksam machen, bei denen mir dieser – räusper – Diskurs symptomatisch zu sein scheint für den gesellschaftlichen Umgang mit dem Phänomen Feminismus.

Erstens: Der Kern des Feminismus ist es ja nicht, eine bestimmte Meinung zum Thema XYZ zu vertreten. Man weiß ja nicht, wie oft man es noch sagen soll, dass es DEN Feminismus nicht gibt, übrigens genauso wenig wie DEN Islam, und vielleicht ist ja diese Erfahrung, dauernd in Schubladen gesteckt zu werden, ein Grund, warum Feministinnen und Muslim_innen manchmal Gemeinsamkeiten zwischen sich entdecken.

However: Das Grundprinzip des Feminismus ist der Gedanke, dass Frauen nicht politische Objekte, sondern Subjekte sind. Das heißt, dass das, was sie sagen und denken, zählt und eine Rolle spielt, und zwar unabhängig davon, ob es im Rahmen einer männlichen symbolischen Ordnung “approved” wird.

Insofern ist es schon ganz für sich genommen drollig (traurig), wenn Männer so offensichtlich wie hier für sich die Rolle des “Wir-erklären-wo-der Feminismus-recht-hat-und-wo-nicht” beanspruchen. Allein dadurch beweisen sie, wie nötig Feminismus nach wie vor ist.

Für alle, die das jetzt wieder missverstehen wollen: Damit sage ich nicht, dass Männer die Ansichten von Feministinnen nicht kritisieren dürfen oder sollen. Genau das Gegenteil ist der Fall, denn man muss eine Meinung erst mal ernst nehmen, wenn man sie kritisieren will. Der Punkt, an dem es schief läuft, ist nicht dort, wo ein Mann eine andere Meinung hat als eine Feministin. Sondern es läuft ab da schief, wo ein Mann einer Feministin erklärt, dass sie keine gute Feministin ist. Warum kann er sich denn nicht einfach ganz normal mit ihr auseinanderzusetzen, zum Beispiel indem er sowas sagt wie: “An Punkt xy bin ich anderer Meinung als du, weil…”?

Zweitens: Damit zusammenhängend gibt es den rhetorischen Trick, den Frauen quasi externe Motivationen für ihre Positionen unterzuschieben, also indirekt zu behaupten, dass sie ihre Positionen nicht einfach als politische Subjekte vertreten (weil sie zum Beispiel durch Nachdenken zu dem Schluss gekommen sind, diese Position vertreten zu wollen). Im oben zitierten Text liest sich das so:

Ja, es ist auch mein Eindruck, dass die Frauenbewegung den Islam weitgehend umfährt. Sei es aus Feigheit oder aus ideologischer Blindheit oder aus einer Mischung aus beidem.

Besonders perfide dabei ist die entweder-oder Unterstellung, die so tut, als würden alle Eventualitäten abgedeckt. Nicht abgedeckt wird jedoch die Möglichkeit, dass eine Feministin schlicht und ergreifend eine andere Auffassung zum Islam hat als der Autor. Einfach nur so, weil sie anderer Meinung ist, und nicht, weil sie feige oder ideologisch blind ist.

Dieser kleine rhetorische Gestus, mit dem Frauen und vor allem Feministinnen abgesprochen wird, ein ernstzunehmendes politisches Subjekt zu sein (denn wer aus Feigheit oder ideologischer Verblendung heraus argumentiert, den muss man nun mal tatsächlich nicht ernst nehmen) stört mich schon lange. Erstmals fiel er mir in den 1980er Jahren Anfang der 1990er Jahre auf, als viel darüber diskutiert wurde, warum Frauen weniger Internet benutzen als Männer. Eine gängige rhetorische Frage war damals: Nutzen die Frauen kein Internet, weil sie diesen Computerkram nicht verstehen, oder weil sie kein Geld haben, um sich einen Computer zu kaufen?

Ihr versteht das Prinzip: Die Möglichkeit, dass Frauen damals kein Internet nutzten, weil sie das so wollten (es war ja schließlich in den Achtzigern noch nicht so besonders viel Nützliches im Internet los) war auf diese Weise schon rein formal gar nicht denkbar.

Es wird ja manchmal hoch und lang und breit diskutiert, wie Männer den Feminismus unterstützen können, wie sie gute “Allies” sein können, und dann wird oft so getan, als sei das ungeheuer kompliziert. Nein, es ist ganz einfach: Hört einfach zu, was Frauen sagen, und nehmt das ernst. Das ist eigentlich schon alles.

Islamfeindlichkeit in Deutschland wissenschaftlich durchleuchtet

Dass sich in Deutschland zunehmend Islamfeindlichkeit breitmacht, dürfte nicht mehr zu übersehen sein – und sie ist im übrigen deutlich ausgeprägter als in anderen europäischen Ländern, selbst wenn es dort, wie etwa in Frankreich, sogar mehr reale soziale Konflikte gibt, die sich “islambezogen” interpretieren ließen. Hier zum Beispiel eine aktuelle Studie darüber, wie sich Muslim_innen immer mehr in Deutschland integrieren, während unter Deutschen die Vorurteile wachsen.

9783837626612_720x720Die Frankfurter Soziologin Naime Cakir hat die Entstehungsgeschichte des “Feindbild Islam” jetzt wissenschaftlich untersucht und nachgezeichnet. Dabei macht sie sich auch über die Terminologie Gedanken. Handelt es sich bei antimuslimischen Ressentiments um “Rassismus”? Diese Frage haben Benni und ich ja auch in unserem letzten Podcast diskutiert. Um Rassismus im klassischen – biologischen – Sinn handelt es sich nicht, auch nicht um “Islamophobie” (denn es ist keine Krankheit, sondern eine politische Position), auch nicht um “Fremdenfeindlichkeit”, denn es geht ja gerade nicht um “Fremde”, sondern um Konflikte innerhalb der deutschen Gesellschaft.

Cakir sieht einen wichtigen Grund für die aktuelle Abwehrhaltung gegenüber allem, was als “muslimisch” markiert wird, darin, dass die Kinder und Enkel der ehemaligen “Gastarbeiter_innen” sich selbst gerade eben nicht mehr als fremd verstehen, sondern als Teil der deutschen Gesellschaft. Dass sie sich nicht mehr mit den angewiesenen Plätzen marginalisierter Niedriglöhner_innen zufrieden geben, sondern Anspruch auf Mitsprache, qualifizierte Berufe und Selbstorganisation erheben. Sie nennt das (unter Rückgriff auf bereits eingeführte soziologische Terminologien) das “Fremde im Eigenen”.

In einem plakativen Bild: Die Putzfrau mit Kopftuch gilt nicht als Problem, die Ärztin oder Lehrerin mit Kopftuch schon. Solange die Muslim_innen in Deutschland an den gesellschaftlichen Rändern blieben, in “unsichtbaren” Berufen und Hinterhofmoscheen, hat sich niemand über “den Islam” Gedanken gemacht, man konnte die Menschen und auch ihre Religion einfach ignorieren. Jetzt, wo sie ihren gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft beanspruchen, wo sie repräsentative Moscheen bauen und sich in der Mitte der Gesellschaft behaupten, nicht mehr.

Zur Terminologie schlägt Cakir vor, von “islambezogenem Ethnizismus” und von “antiislamischem Ethnizismus” zu sprechen. Sie zeichnet nach, wie im deutschen Diskurs die islamische Religion mit ethnisch-kulturellen Zuschreibungen verschmolzen wurde (das ist der “islambezogene Ethnizismus”), was wiederum eine Voraussetzung dafür darstellt, dass man sich von dieser so konstruierte Gruppe auch in feindlicher Absicht abgrenzen kann (das ist der antiislamische Ethnizismus). Nicht alle, die den Islam ethnizistisch und kulturell interpretieren, sind also auch islamfeindlich, aber durch diese Verknüpfung legen sie mit die Grundlage dafür, dass sich Islamfeindlichkeit etablieren kann.

Das Buch ist seinem akademischen Duktus entsprechend etwas mühsam zu lesen, liefert aber viel Hintergrundmaterial und wichtige Analysen für alle, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Naime Cakir: Islamfeindlichkeit. Anatomie eines Feindbildes in Deutschland. Transcript, Bielefeld 2014, 27,99 Euro.

Hier auch ein Interview mit Cakir: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/islamfeindlichkeit