Vor sechs Monaten begann ich ein Experiment: Angenervt von der Art und Weise, wie über das Thema „Feminismus“ diskutiert wird, beschloss ich, das Wort ein halbes Jahr lang nicht zu verwenden.
Es hat nicht geklappt. Immer wieder ist es mir zwischen die anderen Wörter gerutscht. Keine Ahnung, wieso, sinnvoll finde ich es nämlich immer noch nicht. Ich hatte mir auch vorgenommen, nach diesem Zeitraum Bilanz zu ziehen. Seit dieses halbe Jahr um ist, sitzt also dieser kleine Quängelgeist wieder auf meiner Schulter: Feminismus, hallo, du Nervensäge!
Ein Grund, warum ich nicht auf das Wort verzichten konnte, war (glaube ich) mein Wunsch, deutlich zu machen, wie wichtig das Handeln von Frauen für die Politik war und ist – in früheren Zeiten war und heute ist. Und dass man ohne eine Analyse und eine Praxis der Geschlechterdifferenz nichts, rein gar nichts Sinnvolles zu dieser Welt sagen kann. Und weil ich meine Zugehörigkeit zu all jenen deutlich machen will, denen die weibliche Freiheit am Herzen liegt, auch wenn sie ganz andere Positionen vertreten wie ich, etwa die Quote oder die Geschlechtergleichheit.
In all diesen Situationen habe ich „Feminismus“ gesagt, aber es ist dafür einfach ein doofes Wort. Weil es die falsche Vorstellung nahe legt, es handele sich dabei um eine inhaltlich bestimmbare Weltanschauung und Theorie. Um eine „Partei“, so wie sie sich im Bereich des Politischen überall breit gemacht haben, um Leute irgendwo hin sortieren zu können, um die Komplexität einer Begegnung mit einer echten Person zu reduzieren. Politik funktioniert aber nicht über Schubladen, im Gegenteil, wo Menschen und ihre Ideen und Verhandlungen in konkreten Situationen unter der Perspektive solcher Schubladen betrachtet werden, endet Politik.
Keine Ahnung, was man da tun kann. Es ist mir nicht gelungen, dieses Anliegen wirklich befriedigend anders auszudrücken, als mit dem F-Wort. Now what?
Bis mir etwas einfällt, lasse ich das Wort jetzt einfach mal links liegen. Soll es doch machen, was es will.


Was meinst du?