Muslime und Schwule: ein konstruierter Gegensatz

Aufsätze über Sexualpolitiken nach dem 11. September.

Als der marokkanische Gelehrte Muhammad as-Saffar in den 1840er Jahren Paris besuchte, stellte er verwundert fest: „Tändeleien, Romanzen und Umwerbungen finden bei den Franzosen nur mit Frauen statt, denn sie tendieren nicht zu Knaben oder jungen Männern. Vielmehr gilt ihnen das als extrem schädlich.“

Homophobie, also die moralische Ablehnung sexueller Beziehungen unter Menschen desselben Geschlechts (vor allem unter Männern) ist – zumindest in der Form, wie wir sie kennen – eine Erscheinung, die wesentlich zur westlich-abendländischen Kultur gehört. Trotzdem ist im Zuge der zunehmenden Islamfeindlichkeit nach den Anschlägen vom 11. September vor allem der Islam in den Ruch der Homophobie gekommen.

Fragen nach der Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Lebensformen waren zum Beispiel im so genannten Integrationsfragebogen vorgesehen. Aus den großen Schwulenverbänden gibt es immer wieder Stimmen, die eine spezielle Schwulenfeindlichkeit in muslimischen Communities und unter Jugendlichen unterstellen. Die Ursachen dafür werden generell im „Islam“ ausgemacht und manchmal auch in den „rückständigen“ Migrationskulturen generell.

Koray Yilmaz-Günay hat in diesem Band nun Texte zusammengestellt – teilweise ältere, teilweise neu geschriebene – die das als Konstruktion, als Klischee entlarven. Kritisiert wird die Tendenz von Teilen der Schwulenbewegung, einerseits unverhohlen rassistisch zu sein, gleichzeitig aber durch die „Zurschaustellung“ von „dunkelhäutig-exotischen“ Liebhabern Weltoffenheit zu demonstrieren. Andere Texte setzen sich mit der Islamfeindlichkeit als „Elitendiskurs“ auseinander – also mit dem Phänomen, dass das Abheben auf die angebliche Homophobie der „Anderen“ Rassismus auch in aufgeklärt intellektuellen Szenen quasi salonfähig wird.

Der Vorwurf einer speziell muslimischen Homophobie nimmt dabei eine ganz ähnliche Rolle ein wie die Behauptung, der Islam sei seinem Wesen nach frauenfeindlich. Vor der Folie des Fremden gibt sich der Mainstream besonders aufgeklärt, doch wie die eingangs geschilderte Begebenheit im Paris des 19. Jahrhunderts zeigt, spricht man hier weniger über den Islam als über sich selbst. Getreu dem Motto: Die größten Kritiker der Elche waren eben früher selber welche. Und sind es außerdem auch heute noch. In den USA, so las ich in einem der Texte mit Entsetzen, gebe es inzwischen den Ausdruck „I’m not gay seat“. Gemeint ist der Sessel, den zwei Jungen zwischen sich frei lassen, wenn sie zusammen ins Kino gehen – wer sich da drauf setzt, ist schwul!

Das Problem ist, dass die rechtliche Emanzipation homosexueller Lebensformen in den westlichen Kulturen bisher nicht wirklich zu einer kritischen Hinterfragung normativer Sexualmoralen geführt hat. Bislang wurden nur die Grenzen des normativ Akzeptierten ein bisschen verschoben. Die westliche Kultur ist noch immer von ihrem Wesen her homophob, und zwar auf eine Weise, die sich nicht mit den in anderen Kulturen natürlich auch vorhandenen problematischen Aspekten von Sexualmoral parallelisieren lassen. Ebenso wie die westliche Kultur auch der weiblichen Freiheit noch immer skeptisch bis feindlich begegnet, trotz (oder vielleicht sogar gerade wegen) der erfolgreich durchgesetzten rechtlichen Gleichstellung von Frauen.

Das Tragische an der ganzen Geschichte ist, dass durch genau solche Diskussionslinien der tatsächliche, alltägliche Kampf für die Freiheit der einzelnen Menschen, für die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensformen, erschwert wird. Wenn junge Muslime immer wieder hören, der Islam sei gegen Homosexualität, der Islam sei gegen Feminismus – dann steigt ja logischerweise die Gefahr, dass sie genau das werden, um ihre muslimische Identität zu behaupten: homophob und frauenverachtend. Wir bringen durch unsere Diskurse das selbst hervor, was wir angeblich kritisieren und bekämpfen.

Eine sinnvolle Auseinandersetzung mit diesen Themen kann nicht vor dem Hintergrund der Frage: „Welche Religion und Kultur ist besser oder schlechter für Frauen und für Homosexuelle“ geführt werden. Sie kann nur geführt werden vor dem Hintergrund der Frage: „Welche Traditionen, Denkfiguren und Alltagspraxen hat die eine und die andere Religion und Kultur, die uns dabei helfen können, gemeinsam in eine freiere und lebenswerte Welt zu gelangen?“

Die Texte in diesem Band, obwohl nicht immer leicht zu lesen, können bei dieser Änderung der Blickrichtung helfen.

Koray Yilmaz-Günay (Hg): Karriere eines konstruierten Gegensatzes: Zehn Jahre „Muslime versus Schwule“. Sexualpolitiken seit dem 11. September. Eigenverlag, Berlin 2011. Man kann das Buch für 5 Euro zzgl. Porto bei http://www.yilmaz-gunay.de/ bestellen.


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30 Gedanken zu „Muslime und Schwule: ein konstruierter Gegensatz

  1. Danke für diesen Beitrag und für den Literaturhinweis. Das ärgert mich seit Jahren: wie die Leute, die noch vor kurzem ekligst homophob daherkamen, mit einem Schlag zu Verteidigern von Schwulenrechten werden, weil sie hier eine Möglichkeit sehen, dem Islam gegens Schienbein zu treten. (Allerdings nur, solange diese Schwulenrechte keinem Volker Beck zu Gute kommen, der steht ja politisch auf der anderen Seite und wird entsprechend gehasst wie eh und je.)

  2. Wenn junge Muslime immer wieder hören, der Islam sei gegen Homosexualität

    Das ist doch völlig richtig, soweit es um den konservativen bis radikalen Islam geht. Und der findet nicht nur in Saudi-Arabien und im Iran statt, sondern wird auch in andere Länder exportiert. Vielleicht auch nach Tunesien und Ägypten.

    Und was Muslime in Europa von ihren Imamen über Homosexualität (oder worüber auch immer) hören, weiß eh kein Mensch, weil das nicht untersucht ist, oder?

  3. @Irene – Es gibt unterschiedliche Ansichten dazu im Islam. Durch die Art und Weise, wie das Thema diskutiert wird, wird aber die konservative Auslegung zur maßgeblichen erklärt. Und genau damit ihr Einfluss verstärkt anstatt bekämpft.

  4. > Durch die Art und Weise, wie das Thema diskutiert wird

    Naja, das ist jetzt sehr pauschal. Du diskutierst das Thema doch auch.

    > Und genau damit ihr Einfluss verstärkt anstatt bekämpft.

    Meinst Du über Trotzreaktionen? Dass sich konservative Muslime vom Westen sagen lassen, was sie über Homosexualität im Islam zu denken haben, liegt ja nicht direkt auf der Hand.

  5. Und für wen gilt Deine These? Für die gebildeten Muslime in Deinem Umfeld, die Du im interreligiösen Dialog und bei Podiumsdiskussionen triffst? Oder für alle?

    Ich fürchte, der Großteil der Bevölkerung, egal ob muslimisch oder nicht, wird in seinem Weltbild in erster Linie vom Privatfernsehen beeinflusst.

  6. Die Feindlichkeit, so wie ich es verstanden habe, richtet sich eigentlich nicht gegen die Mann-männliche Liebe/Freundschaft, sondern gegen die Identität Homosexualität, die als ein westlicher Import gesehen wird. Als ich mal für eine Weile in einer arabischen Kulturinstitution gearbeitet habe, habe ich dort mitbekommen, dass es im arabischen Raum (immer noch) sehr enge Freundschaften (sich berühren, beieinander übernachten ect) sowohl zwischen Männern als auch zwischen Frauen gibt. Und manchmal können diese eben auch die Grenzen zur Sexualität überschreiten, wohl so ähnlich wie die romantischen Freundschaften im Europa des 17 -19 Jh. , und dies alles existiert neben heterosexuellen Arrangements. Problematisch wird es, wenn eben die Ehe, bzw. das Kinderkriegen mit einem gegengeschlechtlichen Partner abgelehnt wird, also die gleichgeschlechtliche Liebe als Identität gelebt wird.

    Was ich noch sehr interessant fand, war dass die Frage nach der westlichen Homosexualität, die mir dort am meisten gestellte war. Oft wurde sie als eine Art Verarmung empfunden und ein Mann meinte einmal zu mir: Schwule wollen immer nur Sex von mir und Heteromänner halten mich schon für schwul, wenn ich mit ihnen nur einen Café trinken gehen will. Dadurch wird die Kultur zerstört, denn wenn es keine Freundschaft und Liebe mehr gibt, gibt es auch keine Kultur.

    Hier ein sehr interessanter Vortrag zu dem Thema Homosexualität (Männer) in den islamischen Ländern (Audio-Datei):

    http://gendercamp.posterous.com/homorientalismus-audio-mitschnitt-0

  7. Antje, mir ist eben nebenbei eingefallen, wie Du Erlösung finden könntest! Die perfekte Synthese aus Deiner Wellness- oder Hippie-Religion (eh wurscht, ob es Gott gibt, Hauptsache, es fühlt sich für die Gläubigen gut an) und dem Islam, der Dich fasziniert, weil er eine vergleichsweise harte Nuss ist und sich so schrecklich ernst nimmt:

    Katholisch werden! Da kannst Du beide Pole in Dir selbst vereinen.

  8. ,,Die Feindlichkeit, so wie ich es verstanden habe, richtet sich eigentlich nicht gegen die Mann-männliche Liebe/Freundschaft, sondern gegen die Identität Homosexualität, die als ein westlicher Import gesehen wird.“Kampf s

    Finde Identitäten schwierig. Las in einer Einführung über die Queer Theory mal, dass die Identitätsbildung als Homosexuelle_r in früheren Jahrzehnten v.a. dazu führte, dass die meisten schwulen und lesbischen Menschen heute wie eine ethnische Minderheit behandelt werden und sich auch wie eine ethnische Minderheit für Bürgerrechte einsetzen. Anstatt das revolutionäre Moment aufdecken zu wollen, dass wir alle sexuell ,,fließend“ sein können. Kann so gut verstehen, wie stark die Ablehnung anderswo vor einer solchen starren Identität sein muss; wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke und daran, was das Wort ,,Lesbe“ in den meisten meiner Klassenkameraden wohl ausgelöst hätte, was es in mir schon auslöste, obwohl ich damals schon auf Mädchen stand … ist nicht angenehm das. Da ich vor kurzem erst über Identitäten geschrieben habe, wollte ich mir die Freiheit rausnehmen und hier was verlinken: http://baumderglueckseligkeit.blogsport.de/2011/10/17/helfen-identitaeten-es-wird-persoenlich/

  9. Als ich mal für eine Weile in einer arabischen Kulturinstitution gearbeitet habe, habe ich dort mitbekommen, dass es im arabischen Raum (immer noch) sehr enge Freundschaften (sich berühren, beieinander übernachten ect) sowohl zwischen Männern als auch zwischen Frauen gibt. Und manchmal können diese eben auch die Grenzen zur Sexualität überschreiten

    Das könnte mit der strengen Geschlechtertrennung zu tun haben.

  10. „Welche Traditionen, Denkfiguren und Alltagspraxen hat die eine und die andere Religion und Kultur, die uns dabei helfen können, gemeinsam in eine freiere und lebenswerte Welt zu gelangen?“ – wie wär’s mit: „Keine“? In der westlichen Welt lebt es sich einigermaßen menschenwürdig, seit beiden Kirchen der Zahn der Gestaltungsmacht über das gesellschaftliche Leben, dem Anspruch, jedem ihre Vorstellungen diktieren zu können, gezogen wurde.

  11. @pekkanikolaus – Naja, ich schrieb ja auch „Religion und Kultur“. Das ist ja immer vermischt. Ich glaube auch nicht, dass man hier die Schuld an Unfreiheit ganz allein der Religion zuschieben kann, denn auch in Kulturen mit „atheistischen“ Weltanschauungen gibt es nicht automatisch Akzeptanz von Homosexualität.

  12. Der Knackpunkt wäre eine Erziehung ohne körperliche und psychische Gewalt!

    Ohne Vaterfürchtigkeit keine Gottesfürchtigkeit, und ohne Gottesfürchtigkeit kein strenger Katholizismus und kein strenger Islam mit der bangen Frage, wie der feindliche Gott all die Verstöße gegen die Gebote strafen wird.

    Ohne Strafe und ohne Höllenfurcht bleibt vielleicht nur noch – Pop!
    http://kompetenzteam.antville.org/stories/2088643/

  13. Ohne Vaterfürchtigkeit keine Gottesfürchtigkeit? na, das sieht die feministische Theologie aber anders. Vaterfürchtigkeit verhindert geradezu die Gottesfürchtigkeit, weil die Väter dauernd mit Gott verwechselt werden (bzw, sich selbst an Gottes Stelle setzen). Wer Vätern widerspruchslos gehorcht, begeht Gotteslästerung (echt jetzt)

  14. weil die Väter dauernd mit Gott verwechselt werden (bzw, sich selbst an Gottes Stelle setzen)

    Ja, daher kommt das Elend. Und man könnte diesen Größenwahn auch Gotteslästerung nennen.

    Aber was bedeutet dann Gottesfürchtigkeit?

    Wer Vätern widerspruchslos gehorcht, begeht Gotteslästerung (echt jetzt)

    „Gehorsam ist die Ursünde“, hat Andreas Altmann gestern gesagt.
    http://www.andreas-altmann.com/lesungen

  15. Pingback: die ennomane » Blog Archive » Links der Woche

  16. Ich wollte ja noch was dazu schreiben:

    Die Feindlichkeit, so wie ich es verstanden habe, richtet sich eigentlich nicht gegen die Mann-männliche Liebe/Freundschaft, sondern gegen die Identität Homosexualität, die als ein westlicher Import gesehen wird.

    Ähnliches habe ich schon öfter von Linken gelesen.

    Was sagt das eigentlich über die Linke und ihr Bild von Schwulen, wenn man so viel Verständnis dafür hat, dass schwul im Orient gleich westlich-dekadent ist?

  17. Es ist mit dieser Untersuchung doch so: Das eine sind die theoretischen Betrachtungen, die Analysen vorhandener Texte und religiöser Schriften, eventuell Gespräche mit Gebildeten.

    Die andere Seite ist das echte Leben. Auf der Straße in Neukölln ist Schwuchtel noch immer eines der schlimmsten Schimpfwörter. Unter männlichen Migranten herrscht nach außen ein geradezu zärtliches Miteinander mit Küssen, Umarmen und sogar Händchenhalten. Aber fragt man auch nur einen von ihnen, wie sie reagieren würden, wenn ihr Sohn schwul würde, hört man sehr oft: „Dann hätte ich keinen Sohn mehr.“ Mir ist ein deutsch-türkischer Jugendlicher bekannt, der sein Coming Out lange herausgezögert hat. Er rechnete mit dem schlimmsten: Verstoßenwerden aus der Familie, evtl. sogar Ehrenmord. Auch bei Mädchen gilt das, vielleicht nicht in diesem Ausmaß, der muss es ja nur mal richtig besorgt werden und dann ist die auch wieder auf Spur. (sorry, aber so ist es.)

    Dabei wird ein Unterschied gemacht, ob der Mann aktiv oder passiv beim Verkehr ist. Der Passive ist die Schwuchtel, der Aktive trotzdem der „Stecher“. Der Passive muss im schlimmsten Fall mit Ehrenmord rechnen, dem Aktiven wird seine Verfehlung vergeben, solange er danach nur noch Frauen hat und Söhne zeugt.

    Homosexualität wird geleugnet. In Tunesien hat mir jemand ernsthaft erklärt, dass es dort keine Schwulen gäbe. Das seien nur Ausländer, die kämen und arabische Männer mit Geld schwul machen. Die Meinung, man könne einen Sohn hetero erziehen, ist weit verbreitet. Ebenso die Idee der Wahl, eine bestimmte Sexualität anzunehmen.

    Sorry, aber die Untersuchung ist im guten Willen entstanden, aber vermutlich nicht nach repräsentativen Umfragen unter Migranten der 1. Generation und ihren Familien. Die These, dass diese meinung unter Migranten herrscht, weil der Westen sie ihnen unterstellt, halte ich für sehr weit hergeholt. Der Westen interessiert hier in anderen Fragen und Meinungsbildungen herzlich wenig, warum also ausgerechnet in dieser Frage?

    Wo die Untersuchung Recht hat ist die Homophobie der westlichen Gesellschaft. „Wir“ sind halt auch nicht besser als „die“. Auch hierzulande werden homosexuelle Kinder verstoßen, wenn auch wahrscheinlich nicht umgebracht. Allerdings finden Homosexuelle hierzulande Communities, in denen sie aufgefangen werden und „ihr“ Leben leben können. Das dürfte im muslimisch geprägten Ausland eher schwierig sein.

  18. Pingback: DKP queer | Muslime versus Schwule? UZ-Interview mit Koray Yılmaz-Günay

  19. Wie ich das sehe gibt es bei Christen und Muslimen extrem homophobe Tendenzen. In Uganda droht Homosexuellen die Todesstrafe im muslimisch geprägten Sansibar wird Homosexualität mit 25 Jahre Gefängnis geahndet.
    Ich weiss nicht wie repräsentativ dieser Blog hier ist
    http://uislamuafrika.blogspot.de/2012/02/ushoga-ni-mtoto-wa-demokrasia.html
    Aber ich interessiere mich für die ostafrikanischen Medien und darin sind sehr oft homophobe Beiträge und Äußerungen zu finden.

    Ich habe mal einen Teil des Blogs übersetzt:

    „Fürwahr wir raten den Muslimen, dass sie damit fortfahren den Schmutz und die Korruption der Homosexualität und weiteres zu bekämpfen, aber dieser Kampf möge sich klar gegen die Demokratie richten, da sie der Anfang allen Übels heutzutage in dieser Welt ist, auch möge er (der Kampf) eine Lösung des Weiterbestehens des Islams hervorbringen.

    Christen , besonders die die wirklich in ihrem Glauben stehen, und wir glauben davon gibt es viele, wir bitten sie inniglichst sie mögen sofort in den Islam kommen.

    Auch wenn sie nicht bereit sind zum Islam überzutreten, sollen sie wenigstens dem System der Demokratie entgegenstehen und sie sollen nicht dulden von diesem Sytem gegen den Islam und Muslime benutzt zu werden , weil es so ist, dass es Christen unter islamischer Herrschaft besser geht als unter der der Demokratie.

    Das System der Demokratie ist keine Bedrohung nur für den Islam sondern auch eine Bedrohung für die Menschlichkeit insgesamt, besonders für den Glauben.
    Auf der einen Seite wird trickreich ‚die Freiheit des Glaubens gepredigt‘ und auf der anderen Seite tut es dem Glauben Gewalt an und den Gläubigen dass sie seiner Verdorbenheit zustimmen.“

    Der Text wurde aus dem Blog Islam4Zanzibar in den Blog UislamuAfrica übernommen.

    Und da die Gesetze zur Verfolgung homosexueller Menschen erst kürzlich auf Zanzibar verschärft wurden, gehe ich davon aus, dass das im Blog geschriebene durchaus repräsentativ sein kann.

    Ich bin keine Islamfeindin , es geht mir nur um meine Rechte als Angehörige einer Minderheit ungestört leben zu können, was ich hier in Deutschland kann aber auch um die Rechte meiner Schwestern und Brüder die in Ländern wie Sansibar verfolgt werden, weil sie homosexuell sind.
    Viele Immigranten sind homophob. Sie sind willkommen in Deutschland, müssen aber etwas dazulernen.

  20. Es ist wie so oft aber nicht nur eine Frage der Bildung. Und natürlich gibt es in der arabischen Welt auch schwule Männer, solche, die versuchen, offen zu leben, was sehr schwer ist und solche, die das nur verdeckt können. Bei der Recherche zu meinem Buch, das lediglich dazu gedacht ist, dem (arabischen und deutschen) Leser ein paar schöne Stunden mit einem schwulen Fantasy Roman zu bereiten, habe ich wieder festgestellt, daß es natürlich jede Menge junger Schwuler gibt. Mit dem marokkanischen Autor Abdellah Taia auch einen offen schwul lebenden Autor, der zum Mißfallen seiner Landsleute auch die konservative Gesellschaft Marokkos und die gesellschaftliche Realität angreift. Allerdings lebt er auch im französischen Exil.
    Homophobie gibt es aber auch bei uns und wenn man die Typen wie Kardinal Meisner und Katharina Reiche gewähren ließe, dann sähe es hier sicher bald wieder ziemlich dunkel aus. Nach Meisners Meinung sind gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften nur Zweckgemeinschaften, sonst nichts. Das ist abwertend und man sollte da ruhig in die gleiche Kerbe hauen. Was ist dann eine heterosexuelle Ehe, wenn sie keine Kinder hervorbringt oder die Kinder erwachsen sind? Nach der Logik dieses schlesischen Zipfelmützen-Ayathollahs müßte es dann zur Scheidung kommen?
    Egal, vor siebzig Jahren ging es uns Schwulen und noch bis in die 60er Jahre hinein ziemlich dreckig, es gab Verfolgung bis hin zum letzten.
    Wenn zwei erwachsene Menschen beschließen, miteinander zu leben und füreinander da zu sein, dann hat da kein Pfaffe jedweder Couleur, sei er jüdischer, muslimischer oder christlicher Provenienz reinzureden und etwas davon zu faseln, daß das Gott nicht gefällt. Das soll Gott den beiden dann selber sagen.
    Ich bekam von jungen Schwulen aus Nordafrika ein Video bei youtube gezeigt, wo im irak Schwule verbrannt wurden Weil sie schwul waren! Sonst nichts. Das hat weniger was mit dem Islam zu tun als mehr mit konservativen Stammesgesellschaften. Selbst konservative Autoren wie Ibn Hazm akzeptieren die Liebe unter Personen gleichen Geschlechts, haben zwar ihre Schwierigkeiten mit dem Sex, aber sie sagen, daß alle Liebe von Gott kommt. Und Abu Nuwas verdankt die arabische Welt die schönsten (schwulen) Liebesgedichte, was auch anerkannt ist.
    Es ist richtig, uns geht es als Schwulen in Deutschland und Europa einigermaßen gut. Mit dummen Sprüchen kann ich leben. Aber in anderen Ländern sieht das anders aus und ich setze mich ebenfalls dafür ein, daß auch im Maghreb ein Mann einen Mann lieben darf. Oder mal ein paar Stunden mit einem Buch träumen kann, um der harten Realität zu entfliehen.

  21. Wenn ich den obigen Text über Migranten lese, dann kommt mir ins Bewusstsein, dass es bei ihnen mit der Homosexualität genauso ist, wie bei uns mit der „Frauenliebe“. Frauen können sehr weit gehen in ihren Umgangsformen, aber ihr Sex wird nicht ernst genommen. Migranten haben diese erweiterten Verhaltens- Gefühlsmässigkeiten, wie bei uns die Frauen. Was dann in den dunklen Räumen mit den Männern geschieht, danach fragt keineR…

    Was im Westen entstanden sei und was nicht, ignoriert doch offensichtlich den regen Kulturaustausch seit Jahrhunderten. Ich empfehle die Arbeit von Magnus Hirschfeld, die er 1911 publiziert hat! (Siehe zuunterst auf meiner Spezialseite http://www.arcados.com/?page_id=933) Schon Bornemann wies auf solches hin!

    Gerade eine Frau sollte den Unterschied zwischen passiver und aktiver Penetration genau kennen und ihn nicht ideologisch vernebeln! Und was für eine passive Frau gilt, gilt erst recht für einen passiven Mann. Das hat mit der Weltgegend überhaupt nichts zu tun.

  22. Pingback: Koray Yılmaz-Günay (Hg.): Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule» | Salih Alexander Wolter

  23. Pingback: Muslime versus Schwule – konstruierter Gegensatz – Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001 | QUEERAMNESTY

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