Das neue feministische Männerwählen

Gestern Abend schrieb Frank-Walter Steinmeier von der SPD auf seiner Facebookseite:

Simon Rottloff will für die SPD in den Bundestag. Seine Gegenkandidatin hier in Wiesbaden: Familienministerin Kristina Schröder. Ich finde: Jeder Tag dieser Ministerin im Amt ist ein Schlag ins Gesicht jeder selbstbewussten, modernen Frau. Deshalb Erststimme für Simon Rottloff!

Damit liegt er in einem Trend, den ich im gegenwärtigen Wahlkampfgeblubber sich leider abzeichnen sehe, und zwar die Argumentation, Frauen müssten Männer wählen, weil die kandidierenden Frauen nicht frauenfreundlich genug seien.

Kein Wunder, dass so ein Argument von der SPD kommt, die es seit Jahrzehnten nicht schafft, eine ordentliche Anzahl von Frauen für ihre Spitzenämter zu gewinnen (oder deren Männerbündischkeit noch immer so intakt ist, dass ambitionierte Frauen keine Chance haben, keine Ahnung, was der Grund ist).

Aber das Argument höre ich auch gerne mal bei grünen Wahlkämpfer_innen, die sich selber nur mit einer starren Quote auf einen akzeptablen Frauenanteil retten können, obwohl naja, immerhin. Und ich höre es von Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, wobei es bei denen ja sozusagen zum Jobprofil gehört, alles daraufhin abzuklopfen, „ob es den Frauen nützt“, was ein Grund ist, warum ich dem Gleichstellungsansatz skeptisch gegenüber stehe. Und man hört es natürlich gerne auch von den Medien, aber die haben von weiblicher Freiheit bekanntlich eh keine Ahnung.

Sorry, ich rante, aber ich bin auch wirklich ärgerlich.

Also, hier nochmal zum Mitschreiben: Die Aufgabe von Frauen, die in der Öffentlichkeit agieren, zum Beispiel indem sie politische Ämter übernehmen, ist es nicht, „für Fraueninteressen“ einzustehen.

Ihre Aufgabe ist es, für ihre eigenen Ansichten einzustehen. Sie sind nicht unsere Lakaien, sie sind freie handelnde Subjekte. Und der Kern des Feminismus, wie ich ihn verstehe, ist es doch gerade, dieser Kultur mit ihrer patriarchalen Geschichte auf dem Buckel, langsam beizubringen, dass Frauen in der Tat freie handelnde Subjekte sind.

Das aber genau bedeutet, dass Frauen alle beliebigen Ansichten vertreten können.

ES GIBT KEIN „WIR“ DER FRAUEN.
ES GIBT KEINE „FRAUENINTERESSEN“.

Niemand ist dazu verpflichtet, eine bestimmte Meinung haben zu müssen, bloß, weil sie eine Frau ist. Frauen haben jedes Recht der Welt, für Betreuungsgeld, gegen Quotenregelungen, für Kriege, gegen inklusive Sprache und was auch immer zu sein.

Unser gutes Recht ist es dann, ihnen zu widersprechen, sie nicht zu wählen, sie argumentativ zu widerlegen, sie davon zu überzeugen, dass sie Unrecht haben, und so weiter und so fort. Man nennt das politische Debatte.

Aber wir haben nicht das Recht, ihnen vorzuwerfen, sie würden dabei ihr Geschlecht verraten. Das ist die allerallerälteste Begründung dafür, warum das Patriarchat das öffentliche Handeln von Frauen unterbunden hat: das Argument, freie denkende Frauen würden der Weiblichkeit schaden.

Es schmerzt mich wirklich sehr, dieses Argument jetzt auch noch pseudofeministisch gewendet zu hören.

Update:
Passend dazu auch diese fünf Minuten Video von Alessandra Bocchetti für alle, die Italienisch verstehen.

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52 Gedanken zu „Das neue feministische Männerwählen

  1. Es wird wohl zulässig sein, Wählerinnen darauf hinzuweisen, dass diese Frau ihre Interessen nicht vertritt. Es ist dann sogar eine Aufforderung zum freien Denken, weg von der schlichten Annahme, dass eine Frau immer eher die Interessen der Frauen vertritt

  2. Du meinst da gibt es keinerlei Häufungen? Sicherlich gibt es nicht DAS Interesse aller Frauen, im Sinne eines Essentialismus, aber es kann ja dennoch Interessen geben, die bei Frauen häufiger vorkommen.

    Ansonsten gäbe es auch keinen Sinn für einen Feminismus: Wenn es keinerlei Fraueninteressen gibt, was soll er dann vertreten?

  3. Die Formulierung ein Schlag ins Gesicht jeder selbstbewussten, modernen Frau richtet sich doch eh nur an Frauen, die ein anderes Gesellschaftsbild haben als Schröder?

    (Ich habe eher Probleme mit der Formulierung „Schlag ins Gesicht“, unabhängig vom Thema. Eine Meinung ist noch keine Gewalt.)

  4. @Irene – ja, „Schlag ins Gesicht“ ist eh schon blöd, aber es ist schon perfide, zu behaupten, eine „moderne, emanzipierte“ Frau müsste der Meinung von Steinmeier sein. Ich nehme mal an, Kristina Schröder hält sich selbst auch für eine moderne, emanzipierte Frau.

  5. Ein schöner, nachdenklich(machend)er Text.
    Zumal ich mich selbst (und gern in Bezug auf Frau Schröder) dabei ertappt habe, wie ich ihrer Politik Frauenfeindlichkeit vorwarf, was ja wohl nicht anginge, sie wäre schließlich eine Frau. Dabei dürfte ihre Art Politik eher darauf zurückzuführen sein, dass sie ein – wie mir scheint – recht dummer, eitler Mensch ist. Und ei sind ja in ziemlich gleichem Anteil bei beiden Geschlechtern zu finden.
    Danke also.

  6. Hallo Antje,
    Point taken.

    Die Argumentation von Steinmeier folgt dem Muster „Ich, Frank Walter Steinmeier, weiß was als „Schlag ins Gesicht einer jeden modernen Frau“ gilt.“ – und ich gebe Dir darin recht, dass das tatsächlich anmaßend ist. Und ich finde auch nicht korrekt, dass die Politik von Christina Schröder in Beziehung zu den Positionen von Simon Rottloff gesetzt wird, denn hier wird unzulässigerweise die Arbeit einer Ministerin mit der Arbeit eines Kandidaten für ein Direktmandat verglichen, ohne dass die Positionen des Direktkandidaten erkennbar wären. Daraus folgt durchaus der Schluss, dass, egal was die Position von Simon Rottloff nun auch immer sein mögen, diese Position „besser für die moderne Frau“ seien. Da gebe ich Dir recht: Das ist keine Argumentation, das ist ein sich hinwegsetzen über das Urteilsvermögen, die Willensbildung der Wählerinnen und Wähler.

    Ich finde, Frank-Walter Steinmeier hätte besser argumentiert, dass die familienpolitischen Konzepte von Kristina Schröder wenig gebracht haben und dass im Gegensatz dazu die familienpolitischen Konzepte, die Manuela Schwesig, Malu Dreyer und Hannelore Kraft jüngst ausgearbeitet haben, die besseren sind. Dann wäre man auch in einer Diskussion über politische Inhalte und würde Frau Schröder nicht pauschal mit einem „alles ist besser als die“ aburteilen, beim obendrein F.W .Steinmeier definiert, was „gut“ bedeutet.

    Aber nur um das klar zu haben: Die Positionen der SPD für die Familienpolitik finde ich tatsächlich besser als die von Fr. Schröder.

    Viele Grüße
    Maxim

  7. Ich finde das Problem fängt bei der Einteilung der Menschen in Geschlechter an. Wenn man Menschen als Frauen und Männer wahrnimmt, können einzelne dadurch in bestimmte Rollen gedrängt werden.
    Das mag bei einem Geburtsvorbereitungskurs OK sein, aber gerade in der Politik geht das gar nicht.

  8. Wenn es um Stimmenfang geht, ist den Stimmenfängerinnen und Stimmenfängern so ziemlich jedes Mittel recht. Jetzt also Stimmenfang unter dem Motto ‚SPD-Mann vertritt besser Fraueninteressen als CDU-Frau.
    Die ‚SPD-Frauenversteher‘ werden vermutlich mit ollen Klischees hantieren wenn sie erklären sollen, was
    denn „Fraueninteressen“ sein sollen!
    Sehe es wie Antje:
    ES GIBT KEIN “WIR” DER FRAUEN.
    ES GIBT KEINE “FRAUENINTERESSEN”.

  9. Komisch, dass er das nicht von der Kanzlerin behauptet… die ist ja auch eine Frau.
    Aber Frauen können wohl nur im Bereich Soziales und Familie zu wenig für andere Frauen tun 😉

  10. Doch, Antje: Diese Frauen sind unsere Angestellten – und haben in der Tat für unsere Interessen einzustehen. Kristina Schröders Ansichten zum Leben interessieren mich nur sehr peripher.

  11. @eva – das ist eine interessante Perspektive, Politikerinnen als Angestellte zu betrachten, mit der bin ich ganz und gar nicht einverstanden. Es ist genau das, was Hannah Arendt vorhergesagt hat, dass wir zu einer Arbeitsgesellschaft werden, die für das Politische dieselben Kriterien anwendet wir für die Organisation von ökonomischen Arbeitsabläufen. aber das wäre mal ein anderes Thema.

    In dem Zusammenhang hier würde sich die Frage stellen, wessen Angestellte denn Kristina Schröder genau wäre? meine nicht und die von Herrn Steinmeier wohl auch nicht, da ich nicht annehme, dass er sie gewählt hat.

  12. Ich finde es perfide, einen Begriff als Aufhänger einzuführen und daran dann weitere Anschuldigungen zu knüpfen. Den Begriff „Fraueninteressen“ konnte ich jedenfalls nicht finden auf der Facebookseite (und schon gar nicht im aufgeführten Zitat), auch ein „wir“ ist nicht vorzufinden. Die Interpretation dieser Zeilen in diese Richtung ist schlicht an den Haaren herbeigezogen.

    Andererseits gehen wir bei der Sexismus-Debatte in den entsprechenden Kanälen (Twitter) auch von einem „Männerinteresse“ aus; vielleicht kommt daher die mutwillige Missinterpretation?

    Schröder ist mit ihrer offen fremdenfeindlichen Ideologie ein Schlag ins Gesicht eines jedes Bundesbürgers mit Denkfunktion zwischen den Schultern.

  13. Bundestagsabgeordnete sollen die Interessen der Menschen vertreten, die ihnen ihre Stimme gegeben haben. Sie müssen das aber nicht tun. Es gibt in unserer Demokratie kein imperatives Mandat.

    Somit werden Bundestagsabgeordnete zwar aus unserem Steuergeld bezahlt, aber sie sind selbstverständlich nicht unsere Angestellten oder Auftragnehmer.

    Danke für den Artikel und die bisher wohltuend vom Wahlkampf abgehobene Diskussion.

  14. Aber, aber Antje Schrupp, gleich mehrfach verhedderst du dich hier widersprüchlich schlußfolgernd im eigenen Berg der Worte:

    „Damit liegt er in einem Trend, den ich im gegenwärtigen Wahlkampfgeblubber sich leider abzeichnen sehe, und zwar die Argumentation, Frauen müssten Männer wählen, weil die kandidierenden Frauen nicht frauenfreundlich genug seien.“

    Nun, Diesen Trend gibt es nicht, er ist eine Konstruktion.
    Es sei denn, du kannst das nachweislich verorten.
    Das ist und entspricht auch nicht dem, was der von mir weniger zu beachtende Herr Steinmeier da sagt, denn der verweist eben nicht auf einen von dir angeblich erkannten Trend sondern auf das von ihm deutlich benannte Gegenteil, was du hier entweder nicht wahrnehmen oder (provozierend?) nicht wahrhaben willst: Interessenwahrnehmung und -Vertretung.

    Und dein Verweis
    „@Christian – Mein Punkt war doch gerade, dass es keine “Interessen von Frauen” gibt, weil Frauen eben ganz unterschiedliche Interessen haben.“
    erschließt sich sachlich nicht in Bezug auf Steinmeiers Äußerung, der wohl dein Hin-Verweis eher zugrunde liegt denn daß er unbeachtet blieb.
    Dieses Argument ist so und hier damit gegenstandslos, denn auch „unterschiedliche Fraueninteressen“ sind letztlich – nur FRAUENINTERESSEN, wie von Steinmeier angeführt.

    Und woher zauberst du die Sicht hervor, daß Steinmeier meint, daß „Frauen statt Frauen Männer wählen sollen“?

    Wieso machst DU (gerade du) aus dieser Unterstellung auch noch unnachweislich einen Trend und unterstellst sogar diesen denn auch noch dem Steinmeier, ja: unterstellst?
    Wenn ich ihn lese, redete nicht vom Mann, der gewählt werden sol, sondern vom besseren Interessenverrtreter, das ist doch einfach zu unterscheiden, und BISHER schätzte ich dich so ein, daß genau das das Kriterium von Auswahl zu sein hat, um Feminismus zu entfalten?
    Wo bin ich jetzt hingeraten, hat sich etwas verändert bei dir, oder fühlst du dich einer Frau Schröder nur aus religiöser Zuneigung oder einer reinen Quotenbewertung mehr verpflichte?
    Denn ihre politische Unnützlichkeit hat diese Frau doch in aller Öffentlichkeit ausreichend breit vorgeführt.

    Sollte das dein Motiv sein, ist es denkbar ungeeignet, um der Frau Schröder Unterstützung zukommen zu lassen, denn andere Menschen haben Augen im Kopf und können nicht nur lesen sondern auch denken.
    Und zu Hannah Arendt –
    Die verwies auf alles, was geeignet ist, Totalitarismus zu erzeugen und zu begünstigen, sie in Zusammenhang mit Kristina Schröder zu erwähnen halte ich für, nun sagen wir äußerst unangebracht, untreffend in der Sache.
    Angestellte??
    „In dem Zusammenhang hier würde sich die Frage stellen, wessen Angestellte denn Kristina Schröder genau wäre? meine nicht und die von Herrn Steinmeier wohl auch nicht, da ich nicht annehme, dass er sie gewählt hat“ –
    Seit wann ist es Usus, daß man die „Diener des Staates“, die „Angestellten des Staates“ und damit der GESELLSCHAFT – und somit letztlich als „Angestellte mit Auftrag von uns ALLEN“ einzeln zu wählen hat?
    Diese Bemerkung war wohl ein leichter Fehlgriff.

    So frage ich mich, welches Thema du hier eigentlich kreiren wolltest, was erkennbar ist (eventuell verstehe ich auch etwas nicht), erscheint mißlungen, auch angesichts der anderen Kommentare.

    Einiges war hier wohl überflüssig, anderes miß- oder unverständlich und das Ganze als eher wahldöselierendes “ Das neue feministische Männerwählen“ nicht dem von Antje Schrupp sonst gewohntem genüßlich packenden und zwickendem Tiefgang ähnlich.

    Ich brauche jedenfalls diese neue Konstruktion „Das neue feministische Männerwählen“ nicht, erst recht nicht als Wahlhülfe oder Gemütsauffrischung für Feminismus, mich bewegen mehr: Probleme.

  15. Hallo Antje, das ist ein sehr spannender Ansatz, den du hier vertrittst!
    Mich würde deine Einschätzung interessieren, ob etwa das Betreuungsgeld in deinen Augen frauenfeindlich ist.
    So wie ich es verstehe, ist es wohl geschlechtsneutral formuliert, betrifft aber in der sozialen Wirklichkeit vor allem Frauen und stärkt damit Formen des Zusammenlebens, die Frauen von der sozialen Teilhabe abschneiden. Damit ließe sich sagen, dass Schröder, die das Betreuungsgeld befürwortet, frauenfeindliche Politik betreibt.
    Steinmeiers Kommentar habe ich so verstanden. Seine Formulierung bleibt dabei obszön und dein Hinweis auf den Männerklüngel der SPD entlarvend und richtig.

  16. Liebe Antje, je mehr ich über deinen Beitrag nachdenke, um so faszinierender finde ich ihn. Bitte hilf mir, deine Perspektive zu verstehen.
    Könnte es darauf hinauslaufen, dass ein Satz keine unabhängige Wahrheit besitzt, sondern durch die*den, die*der ihn ausspricht, erst Bedeutung erhält? Damit wäre Steinmeiers Kommentar durch seine Position im machtpolitischen Männerbund SPD diskreditiert.

  17. @dark star – Ich finde „frauenfeindlich“ im Zusammenhang mit dem Betreuungsgeld eine falsche Bewertung, einfach deshalb, weil das Thema, wie Hausarbeit ökonomisch geregelt wird, ein innerhalb der Frauenbewegung sehr kontrovers diskutiertes Thema ist, und man auch aus guten feministischen Gründen dafür sein kann, zum Beispiel hat Dorothee Markert dazu gebloggt: http://dorotheemarkert.wordpress.com/2012/04/26/warum-ich-trotzdem-fur-ein-betreuungsgeld-bin/

    Ich wäre einfach mit so einem Begriff deshalb vorsichtig, weil „frauenfeindlich“ einfach von der Logik her die Frauen schon auf eine Meinung und gemeinsame Interessen festlegt, was ich falsch finde. Ich würde den Begriff nur dann verwenden, wenn man wirklich davon ausgehen kann, dass etwas sich gegen Frauen richtet, zum Beispiel wenn jemand sagen würde „Frauen sind von ihrer Natur her dumm und deshalb müssen wir ihnen das Wahlrecht wieder wegnehmen“. Da wäre der Fall klar, und auch mit großer Phantasie fällt mir keine feministische Position ein, die das unterstützen könnte.

  18. Inhaltlich schon richtig, was natürlich noch lange nicht heißt, dass Kristina Schröder eine wählbare Politikerin ist – Egal für wen.

  19. Ich fand es schon immer seltsam, wie viel Hass Kristina Schröder als Person entgegen schlägt, nicht zuletzt von den Medien. Dass Schröder in vielen Dingen eher konservative Ansichten hat, geschenkt, sie wäre ja sonst wohl nicht bei der CDU. Was Sie persönlich angeht: sie lebt ja wohl ein ziemlich modernes Frauenbild vor. Auch ist ihre Bilanz so schlecht nicht, gerade auch, was den Kitaausbau angeht.
    Zum Betreuungsgeld: man muss immer Kompromisse machen und ist es oft auch klug, Gegner mit Zugeständnissen mitzunehmen. Wenn das Betreuungsgeld hilft, dass viele konservative Menschen den Kitaausbau besser akzeptieren können, ist das nicht schlecht. Die Kosten eines Kitaplatzes liegen viel höher als das Betreuungsgeld, es ist also nicht so, dass das den Kitaplätzen viel Geld wegnimmt.
    Dass der BDI und andere Wirtschaftslobbys gegen das Betreuungsgeld sind, lässt mich sowieso daran zweifeln, dass es nur schlecht ist.

  20. Der Kern deiner Empörung ist der Vorwurf, Steinmeier habe mit seiner Äußerung C. Schröder „als Frau“ vorgeworfen, eine frauenfeindliche Politik gemacht zu haben.

    Ich lese das in seine Äußerung gar nicht erst rein. Sagte er doch:

    „Simon Rottloff will für die SPD in den Bundestag. Seine Gegenkandidatin hier in Wiesbaden: Familienministerin Kristina Schröder. Ich finde: Jeder Tag dieser Ministerin im Amt ist ein Schlag ins Gesicht jeder selbstbewussten, modernen Frau. Deshalb Erststimme für Simon Rottloff!“

    Hätte ein Christian Schröder in den letzten Jahren diesselbe Politik gemacht, hätte er mit demselben Fug und Recht sagen können:

    „Simon Rottloff will für die SPD in den Bundestag. Sein Gegenkandidat hier in Wiesbaden: Familienminister Christian Schröder. Ich finde: Jeder Tag dieses Ministers im Amt ist ein Schlag ins Gesicht jeder selbstbewussten, modernen Frau. Deshalb Erststimme für Simon Rottloff!“

    Das würde dann – als Kritik an der konkret erleben Schröder-Politik ganz genauso passen, bzw. stimmen.

    Du interpretierst in diesen Satz etwas hinein… VIELLEICHT meint er es ja wirklich so, aber aus dem Satz alleine lässt sich das nicht ableiten.

  21. @Claudia – Es geht mir gar nicht so sehr um Kristina Schröder als um mich, die er anspricht: Er meint, zu wissen, was mir als „moderner, emanzipierter Frau“, zu gefallen hat.

  22. Ach so – dann hab ich das wohl falsch interpretiert, als du schriebst:

    „Damit liegt er in einem Trend, den ich im gegenwärtigen Wahlkampfgeblubber sich leider abzeichnen sehe, und zwar die Argumentation, Frauen müssten Männer wählen, weil die kandidierenden Frauen nicht frauenfreundlich genug seien.“

    Das passt m.E. überhaupt nicht auf sein Statement. Und Schröder war in ihrem Ministeramt ja definitiv zuständig für „Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ – sie hat nicht etwa einen X-beliebigen Job, bei dem es in der Tat sexistisch wäre, sie „als Frau“ ganz selbstverständlich auf „Fraueninteressen“ zu verpflichten.

    Aber du kommst ja zum Punkt, der dich aufregt

    „ES GIBT KEIN “WIR” DER FRAUEN.
    ES GIBT KEINE “FRAUENINTERESSEN”

    Doch, es gibt „Fraueninteressen“ genau wie es Kinder- und Männerinteressen, sowie die Interessen von Senioren und solche der Jugend gibt. OHNE dass jeweils alle Frauen, alle Männer, alle Jugendlichen und Senioren dieselben Interessen hätten. Auch bei diesen Gruppen gibts kein „wir“; sondern unterschiedliche Meinungen und Bedürfnisse – aber auch gemeinsame Betroffenheiten durch Gesetze, Tradion und Kultur.

    Minister/innen sind regierende Politiker/innen, deren Aufgabe es ist, die jeweiligen Interessen festzustellen, womöglich auszugleichen, entsprechende Debatten anzustoßen, machbare Lösungen und Kompromisse zu finden und im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Umsetzung voran zu bringen.

    Christina Schröder hat dabei in den Augen vieler im Segment „Frauen“ versagt. Da darf man ihr dann schon einen anderen Kandidaten entgegen stellen und den empfehlen: „weniger wie Schröder, mehr so, wie es die Kritiker/innen gern gehabt hätten“ schwingt da als unausgesprochene Beschreibung des anderen Kandidaten mit…

  23. Steinmeiers Facebook-Posting ist nicht dafür da, allen zu gefallen, und auch nicht, um dich zu bevormunden, was dir gefallen soll. Das Ziel dürfte sein, dass die Wählerschaft der Grünen in Wiesbaden ihre Erststimme dem womöglich wenig bekannten Sozi gibt und nicht für jemand von den Grünen, der eh kein Direktmandat bekommen wird. Und die Grünen greifen bei dem Thema Frauenbild und Betreuungsprämie noch deutlich härter ran: Zumindest in Bayern war auf den Plakaten der Kampfbegriff „Herdprämie“ zu lesen.

    So gesehen ist es gut möglich, dass der Wurm dem grünen Fisch schmeckt.

  24. Es gibt Menscheninteressen, die dann auch Fraueninteressen sind. Zu denen gehört die Abschaffung patriarchaler Strukturen. Jede Frau, die im Bundestag oder sogar in der Regierung sitzt, trägt allein durch ihre Existenz auf vielfältige Weise zu dieser Abschaffung bei, völlig unabhängig von ihren eigenen Ansichten.

    Zum Patriarchat gehört ja die Vorstellung, Frauen hätten in der Politik nichts zu suchen und wenn, dann nur im Bereich „Fraueninteressen“; im Prinzip ist es also sogar besonders wünschenswert, Frauen in politischer Verantwortung zu haben, die mit „Fraueninteressen“ nichts am Hut haben (egal, ob es „Fraueninteressen“ gibt, wo sie liegen und wie einheitlich sie sind).

    Und für Frauen im besonderen gilt natürlich, dass sie in der Politik erst dann gleichberechtigt sind, wenn sie ebenso schlechte Politik machen dürfen, wie die Männer, und dafür ebenso wenig abgestraft werden, wie die Männer.

    Das sind jetzt allerdings nur Thesen.

    Zu Kristina Schröder (um die es ja hier eigentlich nicht geht): Die hat viele für mich problematische Ansichten (etwa im Bereich „Extremismus“); aber ihr Frauenbild halte ich für ihre Partei für überdurchschnittlich modern. Die meisten ihrer „Kritiker“ (wenn man die Hater mal so nennen darf) haben doch keine Ahnung von ihren Ansichten und den politischen Vorhaben, die sie anzustoßen versucht hat. Dass die CDU schlechte „Frauenpolitik“ macht, liegt weniger an Schröder als an der Tatsache, dass die CDU insgesamt ein frauenfeindliches Menschenbild hat und Schröder sich unter anderem deshalb häufig mit ihren Vorstellungen nicht durchsetzen kann. Mir ist eine Kristina Schröder auf jeden Fall lieber als zehn selbsternannter SPD-Frauenversteher.

    Im Übrigen würde ich mir wünschen, dass die Menschen die Verantwortung für die Politik der Regierung Merkel endlich mal dort sehen würden, wo sie hingehört: bei Merkel. Denn die hat ein Gesellschaftsbild (und damit auch Frauenbild), das sie völlig ungeeignet macht, im 21. Jahrhundert ein Land zu regieren (was für den Feminismus eigentlich ein Erfolg ist, denn wie gesagt: erst wenn Frauen ebenso ungeeignet für die Positionen sein dürfen, die sie innehaben, wie ihre männlichen Pendants, ist das Patriarchat an dieser Stelle besiegt).

  25. Mir ist der Satz von Herrn Steinmeier ebenfalls unangenehm aufgefallen. Und ich finde interessant, dass ich die ersten drei Male „Simone“ statt „Simon“ gelesen habe, weil mein Unterbewusstsein wohl automatisch dachte, er will ein aus seiner Sicht besseres Rollenvorbild präsentieren.

    Was wäre aber, wenn eine Frau den Satz geschrieben hätte? Für mich bleibt er dann genauso unangenehm. Und zwar genau aus den in Ihrem Artikel angeführten Gründen. Es wirkt auf mich wie ein ungeschickter und anbiedernder Versuch, vermutete Interessen (oder projizierte Haltungen?) zu instrumentalisieren.

  26. Pingback: Wochenlinks, 20.9.2013 | extramittel

  27. @ClaudiaBerlin Ich denke schon, dass Steinmeier Schröder als Frau gemeint hat. Er sagt es nicht direkt, aber es steckt in den Worten „Ein Schlag ins Gesicht“ mit drin. Diese Formulierung schließt eine besondere Kränkung ein, die über den normalen „Schmerz“ hinaus geht. Eine spezielle Schmach und Abwertung.
    Wenn ein Christian Schröder zu wenig für die Frauen tut, dann wäre es auch schlimm, aber es wäre kein „Schlag ins Gesicht moderner Frauen“. Das würde niemand so formulieren.

  28. @Antje Schrupp schreibt: 19. September 2013 um 11:04
    „@Irene – … Ich nehme mal an, Kristina Schröder hält sich selbst auch für eine moderne, emanzipierte Frau.“
    Dem ist unbedingt als Annahme zu zustimmen, und genau darin liegt die ihr breit verweigerte gesellschaftliche Akzeptanz, sie sieht NUR ihre Sicht als die einer „modernen, emanzipierten Frau.“ und wollte DAS gesetzlich verankern.
    Nehme ich also deine Worte, verehrte Antje Schrupp, daß es „keine Fraueninteressen gibt (nehme mal an, du meinst „an sich“, da das sonst völlig falsch wäre), sondern nur „viele (unterschiedliche) Fraueninteressen“ (worin ich dir auch zustimme, da auch das eine Binsenweisheit ist), dann kannst du und damit jede andere Frau (und jeder andere Mann, z.B. auch ein Steinmeier) dir oder sich doch recht simpel erklären, WARUM eben diese Position der Frau Schröder ungeeignet ist zum Regieren aller, gleich ob im Bund oder im Land,.
    Und es ist vor allem auch wurscht, ob das dann von Man oder Frau artikuliert wird – oder plädierst du dafür, daß Mann nichts mehr zu Frau zu sagen hat und damit Frau nichts mehr zu Mann?
    Wäre wohl eine recht verückte und zerstörende Art, zusammenzuleben, findest du nicht auch?

    Es ist deine eigene Argumentation, die zu dieser Feststellung zur Politik der Frau Schröder führt, von jedem nachlesbar und prüfbar, und so sind deine unentwegten etwas verwundenen Wiederbelebungsversuche für Frau Schröders Politik (nicht für sie als Frau!!) widersprüchlich zu deinen eigenen (vorher plazierten) Argumenten.

    Warum ist das so schwer diskutierbar, wo du sonst so offen für andere Sichten bist – oder hat sich das geändert?

    Wir werden sehen, ob dir dieser Kommentar in dein Argumentationsgebäude paßt, denn das ist nicht nur meine Sicht, wie dir zusammen genommen wohl etliche andere Kommentare gezeigt haben dürften.

    Es geht nicht um den Mann Steinmeier, und nicht darum, daß der einen Mann „statt Frau“ zur Wahl empfiehlt, es geht um die verfehlte und daher gescheiterte unnütze Familienpolitik der Frau Schröder (nicht um die FRAU Schröder) – und in solchen Fällen ist es gleich, ob das Mann oder Frau aufführt, so wurde mir jedenfalls die Sache mit der gesellschaftlich nutzbaren Politik und ihrer Funktion mal erklärt, und dazu stehe ich mit meiner Meinung, die zumindest nicht weniger wert ist, als die ihrige oder die von anderen „passenderen“ bequemeren Kommentaren.
    Wir werden sehen, ob soetwas zu lesen sein wird bei Antje Schrupp …

  29. @Michaela Lusru – lese fast immer mit Interesse Deine Kommentare (allerdings schalte ich bei sehr langen Kommentaren oft ab).
    Mein Eindruck beim jetzigen Thema ist, dass Du Antje *beweisen* willst, dass sie die Steinmeier-Äußerung ganz in ihrem Sinne interpretiert (in welchem Sinne denn sonst?) und Du das als verkürzt bis verfehlt betrachtest.
    Beschreib‘ doch einfach Deine eigene Auffassung zu Steinmeiers Äußerung, weil darüber doch (Denk)Verschiedenheit und Vielfalt sichtbar wird, und dann lässt sich damit, sofern Lust und Wille vorhanden, weiter politisieren. 🙂

  30. Schließe mich den folgenden Aussagen von Antje an:
    „Niemand ist dazu verpflichtet, eine bestimmte Meinung haben zu müssen, bloß, weil sie eine Frau ist. Frauen haben jedes Recht der Welt, für Betreuungsgeld, gegen Quotenregelungen, für Kriege, gegen inklusive Sprache und was auch immer zu sein.
    Unser gutes Recht ist es dann, ihnen zu widersprechen, sie nicht zu wählen, sie argumentativ zu widerlegen, sie davon zu überzeugen, dass sie Unrecht haben, und so weiter und so fort. Man nennt das politische Debatte.
    Aber wir haben nicht das Recht, ihnen vorzuwerfen, sie würden dabei ihr Geschlecht verraten. Das ist die allerallerälteste Begründung dafür, warum das Patriarchat das öffentliche Handeln von Frauen unterbunden hat: das Argument, freie denkende Frauen würden der Weiblichkeit schaden.“

    Steinmeiers Äußerung vom „Schlag ins Gesicht jeder selbstbewussten, modernen Frau“, suggeriert mir auch, dass er weiß wie „Frauen-Emanzipation“ auszusehen hat. Ich interpretiere das als eine ‚alte patriarchale Taktik‘, die mit dazu beigetragen hat und noch weiter dazu beiträgt, dass nicht wenige Frauen und Männer glauben, es gäbe „Fraueninteressen“. Ich gehe so weit zu behaupten, dass diese (unbewußte?) Taktik den sog. Geschlechterkampf schürt und dem guten Leben aller schadet.

  31. Eine Frage zum Kommentar von astefanowitsch:

    Im Übrigen würde ich mir wünschen, dass die Menschen die Verantwortung für die Politik der Regierung Merkel endlich mal dort sehen würden, wo sie hingehört: bei Merkel. Denn die hat ein Gesellschaftsbild (und damit auch Frauenbild), das sie völlig ungeeignet macht, im 21. Jahrhundert ein Land zu regieren

    Wie kann ich wissen, welches Gesellschaftsbild Angelika Merkel hat, wenn sie sich nicht dazu äußert, sondern Ministerinnen wie von der Leyen und Schröder dafür zuständig sind?

    Man könnte zum Teil Rückschlüsse daraus ziehen, mit wem sie sich gern umgibt. Dann könnte man ihr die Haltungen, die von der Leyen vertritt, tendenziell zuschreiben. Wie sie mit Schröder kann, ist mir nicht bekannt.

    Oder ist gemeint, dass Merkel leugnet, manchmal Probleme mit sexistischen Strukturen gehabt zu haben? Das macht man einfach ab einer gewissen Position nicht mehr, dass man sich als Opfer hinstellt. Es könnte leicht als Schwäche ausgelegt werden. (Siehe auch Rösler und die Taz.)

    @ michaela Lusru:

    “@Irene – … Ich nehme mal an, Kristina Schröder hält sich selbst auch für eine moderne, emanzipierte Frau.”

    Habe ich gar nicht geschrieben, ist von wem anders.

  32. Wen meint er mit jeder selbstbewussten, modernen Frau ?
    Ist es die rüstige MiniRentnerin, die ihre Mutter pflegende Tochter, die Romafrau oder die kopftuchtragende Türkin, sind es alte Frauen oder junge Mädchen, ist es die Investmentbankerin oder die polnische Pflegerin, die Frau mit Handicap, die Harz4-Mutter, Germans Next Topmodell ……

    Ich glaube er meint nur junge gebärfähige Frauen und junge Mütter. Sein Poltikinteresse ist die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf um dadurch künftige Kosten für den Sozialetat zu kürzen und den Sozialstaat umzuformen.

    Im Grunde reduziert er damit Frauenpolitik auf Bevölkerungs/Arbeitsmarktpolitik. Und wiedermal ist nur die Gebärmutter und das notwendige Drumrum als Adressat gemeint. Diesmal darf die Gebärmutter selbstbewußt sein (sie soll ihn ja wählen !), aber nur wenn sie den modernen Anforderungen an „moderne“ Frauen entspricht, die da sind : jung, erwerbstätig, nicht krank, nicht behindert, nicht ungebildet, nicht arm und vor allem systemkonform.

    Da bin ich selbstbewußt stolz darauf, dass er mich als Großfamilienmama als ziemlich altmodisch und unmodern ansehen würde.

    Das Problem der heutigen Familienpolitik ist, dass sie nur noch in Hinblick auf arbeitsmarktökonomische/ökonomische/konsumistische Interessen organisiert wird – Bindung und Beziehung steht dieser Organisation entgegen und werden geleugnet bzw. wegrationalisiert.

  33. Vorschlag: Wie wäre es, solchen Mist erst gar nicht aufzurufen und zu lesen. Dann muss man/frau sich auch nicht darüber empören.
    Es ist Wahlkampf und die Damen und Herren der repräsentativen Politik haben nun mal ein eigenes, vom Wahlvolk weitgehende abgekoppeltes Verständnis von der Realität.
    Ich les das nicht mehr – dafür lieber Deinen Blog. Aber halt auch nicht immer 😉

  34. Sein Poltikinteresse ist die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf um dadurch künftige Kosten für den Sozialetat zu kürzen und den Sozialstaat umzuformen.

    Altenpflege im Heim statt bei der Tochter ist doch nicht billiger, sondern teurer.

  35. @irene Ich hatte dies auf die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf bezogen.

    Altenpflege ist noch einmal ein anderes ungelöstesThema. Politiker denken sehr kurzfristig. Du hast aber Recht, die Verlagerung der Altenpflege ins Öffentliche wird sehr teuer.
    Derzeit will man ja chinesische Fachkräfte anheuern. Ich habe keine Ahnung wie dies in der Zukunft politisch gelöst wird, denn derzeit werden über 70% der pflegebedürftigen zuhause von ihren Angehörigen gepflegt.

  36. @Irene (@irene_muc) schreibt: 20. September 2013 um 16:09 –
    Ja, das sollte auch nicht dir zugeordnet werden, da es nur ein Zitat aus Antje Schrupps Antwort AN dich war, sorry, wenn das verrutscht ankam.

    @Clara schreibt: 20. September 2013 um 09:08 –
    Du sagst das mit einem Satz, was ich versuchte zu argumentierend zu erklären, danke, es geht also doch auch kurz:
    „Was wäre aber, wenn eine Frau den Satz geschrieben hätte? Für mich bleibt er dann genauso unangenehm. Und zwar genau aus den in Ihrem Artikel angeführten Gründen. Es wirkt auf mich wie ein ungeschickter und anbiedernder Versuch, vermutete Interessen (oder projizierte Haltungen?) zu instrumentalisieren.“ – ja, genau so.
    Womit ich wohl auch der berechtigten Aufforderung von @ Ute Plass schreibt: 20. September 2013 um 15:50 ausreichend entsprochen haben könnte.

    @Valerie schreibt: 20. September 2013 um 17:13 –
    Liebe Großfamilienmama, deine auf Sicht mit der Ökonomiebegrenzung als Allgemeine Zustandsbeschreibung teile ich nicht, allein deine Anwesenheit hier und dieses blog selbst beweist das Gegenteil und sollte deinen Pessimismus relativieren, obwohl: dem Selbstlauf überlassen darf man nichts.

    @Antje Schrupp schreibt 20. September 2013 um 13:29 –
    Hm, 4), 7) und 8) – da ist wohl (gelegentlich) was dran, immerhin sind es keine anderen Positionen, wobei ich 4 wohl abweisen darf, es sei denn es handelt sich um eine Ansichtssache der Wertung – und das steht dir natürlich zu.
    Nicht jedes deutliche Wort verletzt die Nettikette, und Deutlichkeit (wie: Klarheit der Meinung) geht als inhaltskriterium der Form etwas voraus, etwas zumindest.
    Ich erwarte als Gast nirgendwo die Erörterung der Moderationspraxis. Allerdings erzählt eine solche mindestens ebensoviel über den Moderator, wie sein Text, und beides sollte in jedem Blog einen Platz haben im Sinne von „benannt werden dürfen“, wo das, und sei es nur durch die konkrete Verortung, thematisch stört, wird halt moderiert.
    Manchmal verwundert das, man kann das Wunder lindern – besser: Antje Schrupp konnte das (Ver)Wundern lindern.
    Danke,
    bis auf den Steinmeier mit seinen prahlerischem „Schlag“ ins Gesicht, da hat er sich nun schon mal zu einr „starken“ Bemerkung selbst überwunden, und dann stimmt wieder etwas (!) nicht, und dann noch sogar das, was überhaupt nicht zu seiner zarten sanften Erscheinung paßt …
    (er kann eben auch etwas nicht: „Schlagen“, was nicht unbedingt gegen ihn sprechen muß)

  37. Da fällt mir doch was spät und nicht zu spät ein, was noch raus muß:
    Bitte was kann Mann mehr FÜR Frau tun, als ein Stück seiner selbst der Frau lebenslang zu überlassen?
    Ein solcher (!) Steinmeier sollte doch wohl, daran gemessen, über die hier dazu versuchten „frauenunfreundlichen Überlegungen“ total erhaben sein, wenn nicht ein solcher, wer dann?
    Resüme:
    Ball bitte dazu etwas flacher halten, besonders wenn es dadurch an diesem Beispiel letztlich ins falsche (Eigen)Tor geht.
    Sollen die Frauen ihm Vorwürfe konstruieren, die ihre Niere dem Mann spendiert haben, nur wegen der Chancengleichheiten.
    Oder etwa nicht?

  38. zu dem Schag ins Gesicht „modernen, selbstbewußten Frauen“ fällt mir der alte Macuse ein :

    „Aber dieses System von Herrschaft erschöpft sich nicht darin, nur Gegensätze und echte Konflikte zu übertünchen. Es werden darüber hinaus die Weichen durch Manipulation so gestellt, sodass diese Konflikte gar nicht mehr empfunden werden. Diese Manipulation findet auf allen Gebieten statt und die Massenmedien helfen dabei. „..

    Erstens die Sprache:
    „Ihre Manipulation wird dadurch erreicht, daß man Begriffe, die an sich wertneutral sind, assoziativ mit Wertungen verbindet und zwar mit Wertungen, die systemkonform und systemstabilisierend sind. Das gilt besonders für Begriffe oder Tatbestände, die zur kritischen Einstellung gegenüber dem System herausfordern könnten. Man nötigt dem Menschen fortgesetzt fertige Bilder auf, die sich der Entwicklung von Begriffen und damit dem Denken selbst widersetzen. Dieses Blockieren begrifflicher Entfaltung verhindert die Würdigung der Faktoren über den Fakten, die kritische Untersuchung der Tatsachen auf ihren historischen und gesellschaftlichen Zusammenhang hin und dient damit als Vehikel der Gleichschaltung und Unterordnung. Wörter und Begriffe neigen dann dazu, zusammenzufallen. Der Begriff hat keinen anderen Inhalt mehr als den, den das Wort im öffentlichen und genormten Gebrauch besitzt, und das Wort soll nichts über das öffentliche und genormte Verhalten hinaus bewirken. Das Wort wird damit zum Klischee…..“

    Zweitens die Sexualität :
    “ Im Bestreben, alle Konflikte in dieser Gesellschaft aufzulösen und in das System zu integrieren, wird die Sexualität institutionell entsublimiert. Sublimierung ist Ablenkung, Verzögerung oder gar Verzicht auf Trieberfüllung. Sie bringt Bilder von Zuständen hervor, die mit der bestehenden Realität unvereinbar sind, als Bilder der Kultur aber erträglich, ja nützlich und erhebend sein können. Jetzt wird diese Bilderwelt außer Kraft gesetzt. Ihre kommerzielle Freigabe an Geschäft und Vergnügen ist Entsublimierung. Vermittelter Genuß wird durch unmittelbaren Genuß ersetzt. Aber das ist eine Entsublimierung aus der starken Position der Gesellschaft heraus, einer festgefügten Gesellschaft, die es sich leisten kann, mehr als früher zu gewähren, weil ihre Interessen zu den innersten Trieben ihrer Mitglieder geworden sind und weil die von ihr gewährten Freuden sozialen Zusammenhang und Zufriedenheit fördern. Die Sexualität wird in gesellschaftlich stabilisierenden Formen befreit bzw. liberalisiert. Aber diese Art von Entsublimierung ist repressiv, und vergleicht man sie mit dem sublimierten Geschlechtstrieb, so enthält der mehr Freiheit die gesellschaftlichen Tabus abzulehnen und mehr Weigerung, sie zu beachten. Durch die Umwandlung der Arbeitswelt von der früher vergleichsweise gemütlichen Arbeitswelt in die moderne Industriegesellschaft, hat sich im Triebleben der Menschen manches verändert. „…

    @Michaela Lusru
    Es ist völlig unerheblich was Steinmeier für seine Frau tut, so honorig sein Verhalten sein mag.
    Es ist seine Aussage über sein „angebliche Wissen was moderne (also richtige) Frauen wollen“ zu verfügen und damit still und heimlich normativ ein politisch und ökonomisch genehmes neues Frauenbild festzuzurren.

  39. @Valerie schreibt: 21. September 2013 um 16:00
    „Es ist völlig unerheblich was Steinmeier für seine Frau tut, so honorig sein Verhalten sein mag.
    Es ist seine Aussage“ –
    ja, es ist seine (Steinmeiers) Aussage, seine, und nicht die irgendeines Hampelmanns, umso mehr Grund, darüber NACH zu denken als eventuell nur unterstellende Hypothesenklisches VOR zu denken.

    Noch spielt in zivilisierter und interessierter Welt der Platz (Standpunkt, gesellschaftliche Verortung), auf dem ein „Äußerer“ steht, von dem aus er „äußert“, die gleiche Rolle, wie das WAS er sagt, ist das so schwer zu verstehen? Wenn ja, dann wäre das das Vorrecht der Dogmatie gegenüber der Didaktik.

    Wäre das nicht auch für dich so, würdest du wohl nicht auf die Meinungsäußerung der honorigen Person Marcuses zurückgreifen, um uns auf etwas hin zu weisen
    .
    Das bringt uns gleich konkret weiter zu Marcuse:
    „Das gilt besonders für Begriffe oder Tatbestände, die zur kritischen Einstellung gegenüber dem System herausfordern könnten. “ –
    Damit bezeugt Marcuse, daß er nur ein (1) System kennt, das er hier meint, und zwar abwertend, sprich: „System“ ist “ i pfui“, das dem Menschen (alsouns) GEGENÜBER STEHT; und zwar dem Wesen nach feindlich.
    Eine derartige Position voller Unvermögen zum Verständnis unseres biologischen, physiognomischen, sozialen und politischen Seins, und besonders von „System“, halte ich (bei allem Respect für Marcuse) nicht mehr für beachtenswert, da es das alte patriarchalische Verständnis irgendeiner imaginären scheinbar nicht faßbaren Willkür repräsentiert, eines „Anderen“, des mir nicht verfügbaren, des großen Unbekannten, der mich drückt – ohne zu verstehen zu geben, daß ICH SELBST TEIL DESSEN BIN und SEIN MUSS.
    Was soll denn sein „System“ sein? Ein Außerirdischer, eine böse Märchenfigur oder ein unbekannt bekanntes Konglomerat böser Menschen, die Menschen drangsalieren?
    Er ist selber (nur!) ein (1) System, ein „Ganzes“, ein „organisches“ und deshalb „systemisch“, auf sich bezogen gezwungen, den Anforderungen seines Systems, seiner Ganzheit, nach zukommen, will er nicht seinen eigenen Untergang herbeiführen.
    So gibt es allgemeine Bedingungen für die Entstehung, Erhaltung und Entwicklung – aber auch den Untergang (Implosion, Explosion, Inclusion) von jedem System (jeder Ganzheit, jedem Organ, jedem sich sytemisch selbst erhaltendem Teil), die keines dieser Ganzheiten ungestraft verletzen kann, ohne sich zu gefährden.

    Dies in die Argumentation des Marcuse eingearbeitet, hebt etliche seiner nur abstrakt verstehbaren von der Realität (Alles sind Systeme, Ganzheiten) weit entfernten Positionen auf oder macht sie fragwürdig.

    Es ist eben nicht „das anonyme System“, das etwas macht, deutet oder umdeutet, es sind wir alle als handelnde Menschen, als handelnde (je sich selbst erhaltene) Systeme, die das tun und erst dadurch das Bild dieses ordinierten Systems Gesellschaft erstellen.

    So betrachtet darf man ruhig die Äußerung des SubSystems Steinmeier, „Produkt des Systems Gesellschaft“, sehr wohl aus dieser Sicht betrachten und werten, denn es gibt bekanntlich viele unterschiedliche „Systeme“ (z.B. Frauen), die eine Vorstellung, ein “angebliche Wissen was moderne (also richtige) Frauen wollen” entwickelt haben, und keines davon hat seine als Gesamtschau gepachtet und deren (Be)Deutung anderen oktruierend zu „systematisieren“, zu verordnen, was das Gegenteil von „systemisch“ (sprich organisch) gewachsen ist.
    Bitte eine bereits am Ansatz als positiv orientierte von der eigenen Sicht abweichende Äußerung einer offensichtlich als integer bekannten Person nicht der eigenen „Systematik“, der eigenen Verordnung unterzwingen, sie ist so zu nehmen, wie und aus welcher Position heraus sie gesagt wurde, und nicht wie Dritte meinen, gemeint zu sein.
    Anderenfalls reden wir weiter dem seit langem unfruchtbarem Einsetzen der SpangenSystematik des alten diabolischen patriarchalischen Systembegriffes des Marcuse das Wort und nehmen uns damit jedes tatsächlich nutzbare systemische Werkzeug zur Veränderung eines Systems als Ganzes, des Ganzen, und sollten daher HIER eh nicht unterstellen, daß VON IHM ein „neues feministisches Männerwählen“ gemeint ist – und nur das war hier zu prüfen.

  40. @Lusru
    „– und nur das war hier zu prüfen.“
    Es wurde wohl geprüft.
    Seltsamerweise gleich alles, was hier angerissen wurde …

  41. Pingback: Wählen Frauen anders? | Wirtschaftsamazonen

  42. >Also, hier nochmal zum Mitschreiben: Die Aufgabe von Frauen, die in der Öffentlichkeit agieren, zum Beispiel indem sie politische Ämter übernehmen, ist es nicht, “für Fraueninteressen” einzustehen.Sorry, ich rante, aber ich bin auch wirklich ärgerlich.<

    Tja, dann machen die Unionsfrauen derzeit ja wohl echt alles richtig … wie auch hier von der taz bestätigt wird: http://www.taz.de/Kommentar-Frauen-und-die-Wahl/!124280/

    Was ist "ranten", Antje? Etwa granteln auf hessisch?

  43. @Mezmo – Ranten kommt von dem Englischen „to rant“ und heißt in etwa sich aufregen, sich ereifern, schimpfen. Es hat sich inzwischen auch „eingedeutscht“ verbreitet. Ob das hessische „granteln“ auch daher kommt, ist eine interessante Frage 🙂

  44. Nach der Logik sind aber auch Frauenquoten abzulehnen, denn das Argument dafür ist doch immer die angebliche fehlende Berücksichtigung der Interessen von Frauen.

  45. Klar gibt es Fraueninteressen. Okay, ein Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist hauptsächlich für Frauen im gebärfähigen Alter interessant. Nichtsdestotrotz betrifft es fast jede Frau irgendwann mal.
    Daran hängen auch andere Dinge. Nur Frauen mit Kindern können für unentgeltliche Care-Arbeit ausgebeutet werden. Kinderlose Frauen werden mindestens ein Taschengeld fürs Babysitten verlangen.

    Darum würde ich weder Merkel noch eine andere CDU-Kandidatin wählen. Ist zwar schade, wenn keine frauenfreundlich denkenden Frauen zur Wahl stehen, aber die CDU zu wählen kann ich mir erst nach den Wechseljahren leisten.

    @Björn: Nö. Das Argument für Frauenquoten ist, dass Diskriminierung gegen Frauen schlichtweg unfair ist. Natürlich erleichtert diese Ungerechtigkeit weitere Ungerechtigkeiten, weil Männer über Frauen entscheiden können, aber es ist an sich schon sexistische Kackscheiße, wenn irgendwo nur Männer im Vorstand sitzen.

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