Republik der Frauen?

Heute bekam ich eine Anfrage von einer italienischen feministischen Zeitung für einen Artikel über die Regierungsbildung unter der Überschrift: „Republik der Frauen“? So hat nämlich dort ein Radiokommentator die neue Regierung bezeichnet.
Diese unterschiedliche Wahrnehmung der „Merkelianischen Veränderungen“ in der deutschen Politik zwischen Ausland und Inland fasziniert mich schon eine Weile, und auch, dass die (zumindest für mich) so offensichtliche „Weiblichkeit“ in der Merkelschen Amtsführung in Deutschland von so wenigen anderen gesehen wird, speziell nicht von Linken und Feministinnen. Und deshalb habe ich mal eine Frage an euch:
Wenn das, was Merkel macht, eurer Ansicht nach keine „weibliche“ Politik ist und man die neue Regierung trotz der starken weiblichen Präsenz in den Ministerien nicht als „Republik der Frauen“ bezeichnen kann – wie müsste eine Politik aussehen, die diese Attribute verdienen würde? Was wäre eine „weibliche“ Veränderung der Parteipolitik und der repräsentativen Demokratie, die ihr als solche gelten lassen würdet?

105 Gedanken zu „Republik der Frauen?

  1. Gegenfrage: Gibt es denn so etwas wie eine weibliche Politik?
    Ich glaube nicht daran, dass Frauen grundsätzlich anders agieren oder regiere als Männer. Ganz einfach, weil ich nicht daran glaube, dass einem Geschlecht automatisch eine Haltung, eine Denkweise oder ein Reaktionsmuster zugeschrieben werden kann.
    Daher möchte ich weder eine „weibliche Regierung“ noch eine „männliche“. Ich möchte eine Regierung und vor allen Dingen eine Gesellschaft in der Menschen aller Geschlechter und Geschlechtsidentitäten gleichberechtigt mitbestimmen können. Wenn es jemals so weit sein sollte, merken wir dies hoffentlich daran, dass wir menschliche Verhaltensweisen nicht mehr in weiblich oder männlich oder sonst irgendwas einteilen. Weil diese Art der Stereotypisierung dann endlich zu dem geworden ist, was sie sein sollte: überflüssig.

  2. Mit Verlaub: Bisserl unscharf, die Fragestellung. Eine „Republik der Frauen“ ist doch wohl etwas anderes als „weibliche Politik“?! Ersteres bezeichnet nach meiner Wahrnemung so etwas wie „Dominanz“ (gaaaanz grob formuliert), Letzteres eher etwas „Wesenstypisches“ weil genetisch Determiniertes / sozial Konstruiertes – und damit einen Sexismus?! Nur so’n unreiner Gedanke…

    Merkels Politik, um mal am Thema zu bleiben, lese ich eher als Perfektionierung des Kohl’schen Politikstils: Abwartendes Taktieren, „Aussitzen“, Fehler scheuendes, opportunistisches Herumeiern. Wenn man aber diese Risikoaversion als weiblichen Politikstil bezeichnen mag, wäre der aktive Helmut Kohl ein Krypto-Feminist gewesen. Nichtzerstörerisches, kommunikatives Handeln hingegen als „weiblich“ zu deuten führte dann wiederum zu Figuren wie Gandhi, Mandela und Martin Luther King. Lauter Männer.

    Ja, ich gebe es zu: Ich halte die Suche nach einem genuin „weiblichen“ Politikstil für verfehlt, weil nicht zielführend. Wichtig ist auf’m Platz – es gibt Männer und Frauen die gute und schlechte Politik machen. DAS wären aus meiner Froschperspektive die Kategorien, in denen es zu argumentieren gälte.

  3. @Hammwanich – ja, ich hoffe doch sehr, dass es so etwas wie „weibliche“ Politik gibt und dass sie eine Alternative zur historischen. „männlichen“ Politik ist. Außerdem glaube ich nicht an den „geschlechtsneutralen“ Menschen, der ist nämlich bei genauerem Hinsehen meist doch ein Mann.

  4. @Papadopoulos – „weiblich“ verstehe ich nicht als genetisch bedingt oder sozial anerzogen, sondern als aktives Handeln im Bewusstsein der Geschlechterdifferenz. Also „weibliche“ Politik wäre zum Beispiel, in einer Runde aus männlichen Politikern zu sagen: Kann ja sein, dass ihr das bisher so gemacht habt, aber ich, eine Frau, mache das jetzt anders (weil das, was für eine reine Männergruppe „normal“ sein mag, für eine Frau eben nicht genauso normal sein muss).

  5. @Antje Schrupp Mir geht es nicht um einen „geschlechtsneutralen“ Menschen, sondern um eine Politik, die in jeder Hinsicht die Vielfalt des Menschen abbildet. Den historisch gewachsenen Dualismus „männlich“ vs. „weiblich“ aufrecht zu erhalten finde ich daher vom Grundansatz schon mal falsch. Ein Mensch mit Familie setzt in seinem Leben und in seiner Politik andere Schwerpunkte als ein Mensch ohne. Selbiges für hetero-/homosexuelle Menschen (mit und ohne Familie), Menschen mit und ohne Migrationshintergrund etc. pp.
    Und um noch mal auf die konkrete Frage einzugehen: Von 16 Ämtern sind 6 Ämter mit Frauen besetzt. Warum sollte man das als eine „Republik der Frauen“ bezeichnen? Weil wir eine Bundeskanzlerin haben? In Dänemark waren vor der Umstrukturierung 10 von 22 Posten mit Frauen besetzt, in Schweden sind es derzeit 6 von 12 und in Norwegen 9 von 19. Alles „Frauen-Republiken“? Bitte nicht falsch verstehen. Ich finde es gut und richtig, ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in einer Demokratie zu haben, aber ich störe mich sehr an der Bezeichung „Republik der Frauen“. Ich finde sie polemisch und sie öffnet allen Feminismus-Kritikern Tür und Tor, weil es ihnen dadurch so leicht gemacht wird politische Entscheidungen nicht auf fachlicher Ebene zu kritisieren.

  6. Ich könnte ja nachvollziehen, wenn du dir eine „andere“ Politik wünschst, aber die alte, etablierte, verkrustete mit „männlich“ gleichzusetzen, wo nur eine Frau es „besser“ – weil „weiblich“ – machen kann, klingt für mich doch nach einer sehr seltsamen Argumentation. Als würden nicht auch „Frauen“ ihren Zirkel pflegen und es sich bequem in einmal etablierten Machtstrukturen einrichten und als könnten nicht auch „Männer“ über den Tellerrand hinausdenken und Dinge anders machen. Denn nichts ist für „Männergruppen“ an sich „normal“ und nur für „Frauen“ nicht…

    „aktives Handeln im Bewusstsein der Geschlechterdifferenz“ auch eine sehr schöne Formulierung, die mir aber so garnichts sagt: Ich kenne Poltik zur Förderung alleinerziehender Elternteile, ich kenne Politik für Menschen, die Angehörige pflegen, Politik für Menschen, die in Pflegeberufen und im sozialen Bereich arbeiten, für Menschen, denen es schwer fällt Karriere und Kinder unter einen Hut zu bringen, all das kenne ich, aber was ist darüber hinaus „weibliche“ Politik oder „aktives Handeln im Bewusstsein der Geschlechterdifferenz“?

  7. Ich bin sehr misstrauisch gegenüber einer angeblich weiblichen Politik – bisher habe ich unter dieser Überschrift immer nur Klischees zu hören bekommen. „Weibliches Einfühlungsvermögen“ zum Beispiel.

    Und die „Republik der Frauen“? Nach meiner Zählung haben wir 1 Kanzlerin, aber dann 5 Ministerinnen gegenüber 9 Ministern. Da wird nur die falsche Wahrnehmung wiedergespiegelt, dass 30% Frauenanteil als ausgewogen gesehen werden und alles darüber als mehrheitlich weiblich.

    Ich freue mich darüber, dass Frauen mittlerweile besser repräsentiert sind (was für Menschen mit Migrationshintergrund oder Behinderungen noch nicht so klappt), aber bis zur Republik der Frauen ist es ein weiter Weg, den ich auch nicht für richtig halte.

  8. Ich finde den merkelschen Politikstil schon weiblich, aber ich finde sie so wenig präsent, dass dann letztlich doch wieder der Seehofer oder son SPD-Mann oder auch nur der Regierungssprecher das Bild bestimmt. Ich finde, man nimmt mehr die Auswirkungen ihres Wirkens wahr und weniger ihren Stil. Und ich mag das, aber mir fehlt eine Prise Thatcher.

    An einer „Republik der Frauen“ fehlen mir die lenkenden Frauen. Also etwa: Präsenz, Repräsentanz und Kommunikation von bzw. durch Frauen. Und ein gewisses Selbstverständnis im Auftreten vielleicht, wo ich grad die Schröder vor dem inneren Auge hab.

    Aber im Berlusconi-Land ist der Maßstab vielleicht auch einfach anders?

  9. @Sonja:
    Ich glaube, da spielt auch die Wahrnehmbarkeit noch eine Rolle, und die sieht wohl eher nicht nach 30% aus. Mit Merkel und von der Leyen sind zwei Frauen in „klassisch“ mit Männern besetzten Positionen, auch wenn es in beiden Fällen international weitere Beispiele gibt. Dazu dann mit Nahles eine weitere Frau in einem der wichtigsten Ministerien. Im Vergleich dazu fallen die Männer im Landwirtschafts-, Entwicklungshilfe- oder Justizministerium kaum auf.

    Außerdem, wenn wir eh gerade bei Prozentzahlen sind: Künftig sind Frauen für ungefähr 62% der Mittel des Bundeshaushalts verantwortlich, und so betrachtet sieht das doch schon ganz anders aus. 🙂

  10. “Eine Republik der Frauen” assoziiert so was wie einen Hort der Abgrenzung und solche Art von Separatismus endet im hinlänglich bekannten Schmoren des eigenen Safts,
    der es nicht möglich macht zu einer neuen lebendigen Ordnung für alle zu finden. Die Entwicklung zum guten Leben für alle wäre damit so wenig möglich wie durch die jetzt noch vorherrschende Ordnung . “Weibliche Politik” ist für mich etwas anderes, wenn unter weiblich verstanden wird, Politik zuallererst für und mit Schutz- und Sorgebedürftigen zu entwickeln. Verweise hier gerne auf http://www.gutesleben.org
    Und natürlich gilt es das Attribut “weiblich” nicht geschlechtsspezifisch, sondern allumfassend als wesentlich zum Menschsein zugehörig zu begreifen. Daher reicht es nicht nur
    auf die jetzt real vorherrschenden Frauen auf der politischen Bühne zu schauen. Es gilt Frauen und Männer in den Blick zu nehmen, und um zu sehen wie weiblich ihre Politik ist, derer wir schließlich alle bedürfen. Anstatt einer Verteidigungsministerin, ( die lediglich wie ihr Vorgänger dazu da ist, die alte Ordnung zu bestätigen), hätte ich mir z.B. ein Amt für Kommunikation und Abrüstung gewünscht. 😀

  11. @Eule:
    Ja, natürlich ist die Wahrnehmbarkeit ein Faktor – bzw. die Wahrnehmung, die generiert wird. Gab es z.B. um Franz Josef Jung im Verteidigungsministerium ein solches Buhei wie um Ursula von der Leyen? Natürlich steht eine Frau in diesem Amt erstmal mehr im Mittelpunkt, wenn sie die erste ist, aber das ist noch keine weibliche Republik. Überhaupt sehe ich abgesehen von ihr und Nahles die Frauen eher nicht in den „wichtigen“ Ämtern, darüber lässt sich aber natürlich streiten.

    Das mit dem Haushalt war mir gar nicht so bewusst, das ist allerdings beeindruckend…

  12. Hm, ich finde die eigentliche Schwierigkeit ist bei Merkel zwischen „weiblich bedingtem“ Verhalten und Merkelscher Persönlichkeit zu unterscheiden. Schließlich hatten die ganzen männlichen Kanzler auch unterschiedliche Stile. Am ehesten würde ich da noch das zurückgenommene Machtbewusstsein nehmen. Niemand zweifelt daran, dass sie sowohl in Deutschland als auch in ihrer Partei den Ton angibt, aber sie muss das nicht ständig betonen oder irgendwie beweisen, insgesamt ist das alles sehr leise. Da ist für mich auch der Kontrast am deutlichsten, weil es bei ihren Kollegen Westerwelle/Rösler, Seehofer und Gabriel immer so ungeheuer laut zugeht. Sieht man meiner Meinung nach auch gut an den Meldungen, da ist es oft „Seehofer hat dies gesagt“ und „Gabriel hat das gesagt“ und bei Merkel ist eher der Psychologe gefragt, und es wird bei allem heruminterpretiert, was sie wohl mit diesem und jenem gemeint haben könnte.
    Das ist übrigens völlig wertfrei, ich finde das wahlweise erholsam und dann wieder nervend.
    „Republik der Frauen“ würde ich nicht sagen, gerade weil es so leise ist und die Lautstärke eher noch von den Männern kommt. Auch wenn innerhalb des Parlaments oder des Kabinetts der Frauenanteil so hoch ist, wird gefühlt der öffentliche Diskurs noch von Männern betrieben/geführt.

  13. Der erste Kommentar trifft exakt das, was mir auch sofort durch den Kopf ging.

    @Antje, Du hast auf den ersten Kommentar das hier geschrieben:
    “ ja, ich hoffe doch sehr, dass es so etwas wie “weibliche” Politik gibt und dass sie eine Alternative zur historischen. “männlichen” Politik ist. Außerdem glaube ich nicht an den “geschlechtsneutralen” Menschen, der ist nämlich bei genauerem Hinsehen meist doch ein Mann.“

    Nur weil etwas nicht mehr eindeutig beschreibbar ist oder nicht mehr mit den herkömmlichen Attributionen vereinbar ist, ist es noch lange nicht neutral 😉
    Die Frage ist, warum man immer alles an „Mann“ oder „Frau“ fest tackern muss, und nicht allgemein schaut, was dieser oder jener Mensch für Fähigkeiten mitbringt, und wie diese für die Gemeinschaft genutzt werden können.
    Einen Begriff wie „weibliche Politik“ kann ich z.B. persönlich irgendwie gar nicht mit Inhalt füllen, da ich nicht sehe, was „weiblich“ in Bezug auf Politik heissen soll.
    Da wir jeden Tag sehen und erleben, wie wenig die Attributionen, die wir immer noch mit „weiblich/männlich“ verknüpfen noch mit der Lebenswelt vieler Menschen zu tun haben, geben diese Begriffe nicht mehr so was richtig konkretes her, finde ich.
    Mich würde es daher wirklich sehr interessieren, wie denn für Dich (Antje) eine „weibliche Politik“ aussehen könnte, da Du betonst, dass Du hoffst, dass es so etwas gibt.
    Kann man vielleicht auch ohne klaren Begriff von Weiblichkeit eine „weibliche Politik“ machen oder sich eine vorstellen?
    Gibt es dafür Beispiele?
    Du schreibst ja immer wieder von den Unterschieden unter Frauen, den „Differenzen“ unter Frauen, aus denen man was machen könnte/sollte – wenn ich Dich richtig verstanden habe.
    Warum spezifisch Frauen und nicht einfach Menschen? Warum trennt man das?

    @Ute Plass:
    “Weibliche Politik” ist für mich etwas anderes, wenn unter weiblich verstanden wird, Politik zuallererst für und mit Schutz- und Sorgebedürftigen zu entwickeln.“
    Es ist eben genau das die Frage – ist das wirklich etwas „weibliches“?
    Oder erscheint es nur so, weil wir es gesellschaftlich so eingetütet haben und dann denken, es sei ein Naturgesetz?
    Oder ist es einfach nur eine der vielen Facetten der menschlichen Eigenschaften?

  14. @Ariane:
    Mir fallen da sofort „laute“ Politikerinnen ein 😉
    Claudia Roth, Renate Künast… die können richtig Krach machen, verbal wie akustisch.
    Das fand ich z.T. auch richtig unangenehm.
    Auch Andrea Nahles hat schon etliche Reden gehalten, wo sie richtig laut geworden ist und mit großer Geste aufgetreten ist.
    Ist halt einfach `ne große Bühne.
    Ich finde persönlich Angela Merkels „Stil“ recht angenehm, weil sie versucht, sachbezogen und rational zu bleiben. Inhaltlich leider oft gar nicht meins. Pech.

  15. @sternenguckerin – weil es „einfach Menschen“ nicht gibt, sondern zum Menschsein gehört Geschlechtlichkeit unabdingbar dazu. Wir leben außerdem in einer Kultur, in der grundlegende Prinzipien von der Geschlechterdifferenz geprägt sind, insofern bestimmte Dinge als weiblich, andere als männlich gelten, was interagiert mit Personen, die als weiblich oder männlich gelesen werden oder sich selbst so oder so oder als beides oder als jenseits verorten.

    Wenn man das Falsche und Einengende und Klischeehafte daran kritisieren und verändern will, dann muss man sich Imho aktiv mit der Geschlechterdifferenz in all ihren Formen beschäftigen (inklusive dem Verwobensein in erster Person, als Mann oder Frau oder sonstiges Geschlecht). Zu sagen: wir tun so als gäbe es diese Unterschiede nicht mehr, verschleiert das Ganze nur und am Ende wir dann rosa und blau um so heftigerinszeniert (wie es zur Zeit ja auch passiert).

  16. @sternenguckerin – das widerspricht sich auch nicht damit, auf die einzelnen Individuen zu schauen. Aber es ist ein Unterschied, ob ein Mann Altenpfleger ist oder ob eine Frau das ist, es ist ein Unterschied, ob ein Mann herumschreit oder eine Frau herumschreit, weil es auf der Ebene des Symbolischen unterschiedlich gelesen wird. Vielleicht sind wir als Gesellschaft irgendwann mal an einem Punkt, wo das keine Rolle mehr spielt, aber in den nächsten 200 Jahren vermutlich nicht nicht :))

  17. @Sternenguckerin – “Es ist eben genau das die Frage – ist das wirklich etwas “weibliches”?”
    Mir ist selber noch nicht ganz klar, warum ich mich an das ‘weiblich’ so anhefte. Vielleicht hat es damit zu tun, dass jetzt so getan wird, als wären Frauen und Männer
    ja alle gleich und solche Unterscheidungen von ‘weiblich’ und ‘männlich’ würden lediglich alte Zöpfe weiterwachsen lassen. Dabei wird übersehen, dass wir alle immer noch
    in einer von ‘männlichen Werten’ vorgegebenen Ordnung leben. Diese mit vermeintlich weiblichen Eigenschaften, (wie sie Frauen traditionell zugeschrieben wurden und noch werden) auszuschmücken ändert daran nichts. Verstehe ‘weiblich’ wie schon gesagt, nicht im Sinne von geschlechtsimmanent, sondern als von Frauen kulturell mit Geformtes. D. h. für mich auch, dass ‘weiblich’ nicht so etwas wie eine ewig feststehende Eigenschaft von Frauen ist, sondern eher etwas Wandelbares, was danach fragt, was genau jetzt in dieser Zeit, in der wir leben notwendig gestaltet und gelebt gehört? Natürlich ist z.B. Fürsorglichkeit keine geschlechtsspezifische Eigenschaft von Frauen, doch sind es vor allem immer noch Frauen, die mehr oder weniger die damit zusammenhängenden Tätigkeiten ausüben.
    Es kommt doch nicht von ungefähr, wenn jetzt eine sog. Care-Revolution vor allem von Frauen eingefordert wird. Das, so finde ich, ist *weibliche Politik*.

  18. Ich sage auch nicht, dass man so tut oder so tun sollte, als gäbe es keine Unterschiede zwischen Geschlechtern. Aber ob diese immer so gravierend und signifikant sind, wie es erscheint oder uns eingeredet wird, das zweifele ich an.
    Ich finde oft viel mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede, wenn ich mich mit den „Differenzen“ beschäftige.
    Und ja, Geschlechtlichkeit gehört (noch) jedenfalls unabdingbar zur Kultur, bzw. hängen wir so vieles daran.
    Das wird aber hinterfragt, und das finde ich sehr spannend.
    Dass Veränderungen in Gesellschaften ihre Zeit brauchen, ziehe ich auch nicht in Zweifel.

    Ich weiss nicht, ob es grundsätzlich ein Unterschied ist, wenn eine Frau herum schreit oder ein Mann.
    Jede/r wird seine/ihre Gründe für das Herumschreien haben, die kann ich nicht immer erkennen und einordnen.
    Herumschreien kann ich mal als angemessen und befreiend empfinden oder auch als einschüchternd und beängstigend. Egal ob eine Frau oder ein Mann herum schreit oder ich selber schreie. Kommt auch mal vor.
    Es ist immer Kontext-abhängig, und jede/r wird andere Emotionen dabei haben.

    Stichwort Altenpflege: Ja, hier *kann* das Geschlecht einen signifikant wichtigen Unterschied machen – muss es aber nicht zwingend, das ist auch wieder von Fall zu Fall einzigartig.
    Wenn eine Frau in der Pflegeeinrichtung wohnt und nicht von einem männlichen Pfleger gewaschen werden will, dann ist es wichtig und kann zum Problem werden.
    Den Fall gibt es auch umgekehrt.
    Manchen ist es aber auch egal, sie sind zufrieden wenn sie gut und liebevoll gepflegt werden – egal von wem.
    Daher würde ich hier eher sagen „es kann in manchen Situationen ein wichtiger Unterschied sein, ob es ein Mann oder eine Frau macht“ – aber es kann genauso gut unwichtig sein.

    Verrätst Du noch Deine Vorstellung von weiblicher Politik?

  19. @Sternenguckerin – mit dem Unterschied meinte ich das eher nicht so, dass die Arbeit unterschiedlich ist, sondern deren symbolische Bedeutung und Bewertung: ein Mann, der herumschreit, bekräftigt seine Männlichkeit, ein Frau aber nicht ihre Weiblichkeit. Das ist zum Beispiel auch ein Grund, warum Prestigepositionen für Männer attraktiver sind als für Frauen – ein Bundeskanzler ist ein besonders toller Mann, eine Bundeskanzlerin aber nicht eine besonders tolle Frau, sondern im Gegenteil läuft sie Gefahr, dass ihre Weiblichkeit in Frage gestellt wird usw..

    „Weibliche“ Politik kann ich nicht definieren, sondern sie zeigt sich ja erst in dem, was Frauen tun, wenn sie Politik machen. Theoretisch ist möglich, dass Frauen, die Politik machen, das ganz genauso machen wie es die Männer schon immer gemacht haben, und dann würde sich weibliche nicht von männlicher Politik unterscheiden. Ich glaube aber, dass das nicht so ist. Aber das kann ich nicht so aus dem Ärmel schütteln, sondern das müsste im Einzelfall untersucht werden, etwa am Beispiel von Merkel. Oder auch, indem wir uns selber fragen, was für uns gute Politik wäre.

  20. Ich würde z.B. eben nicht automatisch davon ausgehen, dass ein herumschreiender Mann durch das Herumschreien seine „Männlichkeit“ bekräftigt – das könnte ich nur so sehen, wenn ich Männlichkeit und die Verstärkung eben jener mit Gebrüll gleichsetze und das so „lese“.
    Dass das ein tradiertes Bild ist, ist mir natürlich bekannt, aber deshalb muss es noch lange nicht „wahr“ sein oder immer zutreffen.
    Genauso ein tradiertes Bild ist es natürlich auch, dass Frauen angeblich eher zurückhaltender oder ruhiger sind und automatisch diesem (auch so gelernt: = positiven) Image schaden, wenn sie laut werden oder mal die Fassung verlieren.
    Logischerweise wird man dann „abweichendes Verhalten“ erstmal am altbekannten Standard (man hat ja noch keinen anderen!) messen und so etwas wie „unweibliches Verhalten“ oder „Schwächung der Weiblichkeit“ damit verbinden.
    Ich hoffe sehr, sehr, sehr, dass es nicht noch 200 Jahre oder länger dauert, bis wir damit aufhören 😉

    Um so wichtiger ist es doch (finde ich jedenfalls), zu zeigen und zu dokumentieren, dass es ganz viel Geschlechter übergreifendes Verhalten (= Gemeinsamkeiten!) gibt, welches nur massiv durch Erziehung und gesellschaftlichen Druck manifestiert wurde und wird.
    Statt immer die Unterschiede und Differenzen zu zementieren, könnte man jede Menge dieser Energie in das Auffinden und Stärken von Gemeinsamkeiten investieren.
    Das muss eben genau nicht Gleichmacherei oder Einheitsbrei bedeuten, wenn man dem Individuum an sich einfach Raum lässt und es nicht in geschlechts-spezifische Schranken sperrt.

    Du schreibst, dass nicht die Arbeit unterschiedlich ist, wenn Männer oder Frauen sie machen, sondern dass es wichtig ist (oder problematisch werden kann), wie sie bewertet wird oder welchen symbolischen Gehalt wir ihr zu messen.
    Das sehe ich ja auch so – nochmal das Beispiel Altenpflege:
    Es ist erstmal unerheblich, wer diese Arbeit macht.
    Wichtig (oder symbolhaft) wird es erst dann, wenn jemand auf die (Geschlechts-) Unterschiede Wert legt und diese wichtiger werden als die Arbeit selbst. Das gibt es. Und dann wäre es schön, wenn es genug Alternativen gäbe.

  21. @Sternenguckerin (hübscher Nick btw)
    Stimmt, es gibt natürlich auch laute, weibliche Politikerinnen 😉 Obwohl ich schon das Gefühl hab, dass Männer mehr unter dem Druck stehen, ihre Machtposition nach außen zu tragen, so eine gewisse Kraftmeierei vielleicht.

    Was mir bei Merkel z.B. auch auffällt, ist, dass gerade vieles, was mit Macht zu tun hat, immer indirekt passiert und über Mittelsmänner. Ist jetzt mit Gauck und dem Sotchi-Nichthingehen auch so gelaufen. Sie hat nur über ihr Büro nebenbei verlauten lassen, dass sie damit nicht glücklich ist, anstatt sich persönlich zu äußern und damit eine direkte Kraftprobe zu suchen. Funktioniert vermutlich genau so gut und Gauck wird (wahrscheinlich) nicht noch einmal so vorpreschen und sie damit unter Zugzwang setzen. Ob das nun so weiblich ist, keine Ahnung, aber auf jeden Fall merkeltypisch vorgegangen 😉

  22. @sternguckerin – Ich glaube nicht, dass die Unterschiede heutzutage immer zementiert und reproduziert werden, eher ist seit ungefähr 30 Jahren mindestens gleich stark die Parole anwesend, dass Frauen doch „eigentlich“ gar nicht anders sind als Männer, und alles, was sie von den Männern de fakto unterscheidet, wäre nur anerzogen. Wir haben bisher nur gedacht, das Weibliche sei etwas dem Männlichen entgegengesetztes oder Komplementäres oder es sei etwas dem Männlichen Gleiches. unabhängige Weiblichkeit (die sich also aus dem Tun der Frauen ergibt und nicht aus ihrem Vergleich mit den Männern) ist in unserer Kultur noch nicht symbolisch präsent und es auch nie gewesen. Aber dass sie das ist, wäre die Voraussetzung dafür, damit wir überhaupt über eine nicht männlich dominierte Welt nachdenken und verhandeln können (das ist nicht meine Idee, sondern kurz gefasst die von Luce Irigaray, die ich aber teile). Solange wir Weiblichkeit nur als Spiegel von Männlichkeit denken, werden Frauen als freie Subjekt immer an der Norm des Männlichen gemessen (so wie es jetzt z.b. Politikerinnen geht, weshalb die einen männlichen Politikstil imitieren – „muss man halt so machen, wenn man erfolg haben will“ – während andere hoffentlich einen eigenen Stil und eigene Maßstäbe entwickeln. Ich bin der Ansicht, dass Merkel das tut.

  23. Ich denke bei dem Begriff „weibliche Politik“ an die Abwesenheit von Vetternwirtschaft/Korruption/Klüngel. Diese Zusammenschlüsse von Männern in sich selbst reproduzierenden Gruppen, die ihre Macht weiter vererben. Davon sind wir trotz verbesserter Frauenquote doch noch sehr weit entfernt. Bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob die Zuordnung zu Männlich-/Weiblichkeit in dem Bezug stimmt. Diese Verbindung würde allerdings erklären, warum wir von Italien aus als weiblich bewertet werden können…

  24. @Antje – „……während andere hoffentlich einen eigenen Stil und eigene Maßstäbe entwickeln. Ich bin der Ansicht, dass Merkel das tut.“
    Hier lese ich gerade in der FR: Bouffier hat System Merkel erfolgreich kopiert
    [http://www.fr-online.de/landtagswahl-in-hessen—hintergrund/leitartikel-zur-schwarz-gruenen-koalition-in-hessen-bouffier-hat-system-merkel-erfolgreich-kopiert,23897238,25649402.html]

    Wen aus dem ‚weiblichen merkelschen Politikstil‘ ein System gemacht wird, dann haben wir’s doch eher mit
    Macht und weniger mit Politik zu tun – oder?

  25. Hups. – soll heissen: „Wenn aus dem……..
    Wollte noch anfügen, dass der Politikstil von Frau Merkel natürlich auch mit Machtausübung zu tun hat,
    ich jedoch nicht erkennen kann, dass sie diesen Politikstil bewusst einsetzt, so wie das Bouffier wohl praktiziert. Frau Merkels Stil ist kein aufgesetzter, sondern ihr zugehörig . Bei Bouffier habe ich eher den Eindruck von Unechtheit, weil er diesen Stil zu Machtzwecken instrumentalisiert.

  26. Ich glaube, dass diese Regierung als Republik der Frauen wahrgenommen wird hängt nicht mit der faktischen Anzahl zusammen, sondern damit, welche Ministerien von Frauen besetzt werden.
    Ich muss zugeben, dass ich mir das neue Kabinett nich gar nicht im einzelnen angesehen habe. Aber in den Nachrichten im Radio wurden nur die Ministerien mit der meisten Aufmerksamkeit erwähnt (also in Italien), und das waren natürlich Merkel als Kanzlerin und dann noch Frau von der Leyen und Frau Nahles. Und wenn es das ist, was hier in Italien von der neuen Regierung wahrgenommen wird, erscheint sie eben schon als „Republik der Frauen“.

    Ich glaube im Übrigen nicht, dass es einen weiblichen und einen männlichen Politikstil gibt, verstehe aber wie du das meinst (ich meine mich an eine andere Diskussion zu dem Thema zu erinnern), finde dafür die Bezeichnungen „weiblich“ „männlich“ unpassend.

  27. In meinem Kopf ist „weibliche Politik“ (diesen Begriff würde ich nicht benutzen) – commoning. Relationale Politik, Ubuntu. Die Erinnerung an Mandela ist da genau richtig. Männliche vs. weibliche Politik ist die Fortsetzung des Dualismus mit anderen Begriffen.

  28. @Silke – aber ist das Problem nicht, dass wir weiblich/männlich immer gleich als Dualismus denken statt – wie ich es vorschlage – als nicht-dualistische Differenz? Das gilt nämlich leider nicht nur für die Geschlechterdifferenz, sondern für alle Unterschiede: wenn man sie als Dualismen versteht, ist es zerstörerisch und festlegend, statt Anlass für fruchtbare Konflikte und Möglichkeit, voneinander zu lernen.

  29. Um in Dualismen denken und handeln zu können muss aber ein klar umrissenes Bild von den sich gegenüberstehenden Begriffen vorhanden sein.
    Wir haben diese dualen Begriffe solange, wie wir Männern und Frauen bestimmte Verhaltensweisen oder Emotionen usw. zuschreiben und daraus dann gesellschaftliche Normen stricken.
    Mir gefällt, dass die Zuschreibungen nicht mehr so trennscharf gemacht werden können.
    Und dass es eben nicht mehr so einfach ist, weiblich oder männlich überhaupt noch glasklar beschreiben zu können.

    In der Politik, also der öffentlichen Bühne der Macht, haben sich (wie in vielen anderen Bereichen auch) Spielregeln etabliert die von Männern gemacht wurden/werden.
    Das ist nicht zu übersehen.
    Solche Muster wid man ja nicht über Nacht los, und da wir alle (auch) durch Nachahmung lernen, finde ich es zunächst mal nicht weiter verwerflich, wenn auch Frauen auf bewährte Muster zurück greifen.
    Ob das automatisch eine Imitation männlichenVerhaltens ist kann ich nicht beurteilen. Um einen eigenen, authentischen Stil zu entwickeln braucht es sicher auch lange, wenn man nicht zufällig ein Supertalent ist. Die Spielregeln gefallen ja vielen Menschen nicht mehr, das betrifft nicht nur die Frauen.
    Es hat doch auch umgekehrt schon erste Effekte gegeben:
    Frauen zeigen deutlich, dass sie zwar mitmischen wollen, aber eben nicht zu den bisher gültigen Bedingungen.
    Auch die ersten Männer springen auf diesen Zug auf und signlisieren, dass auch ihnen die etablierte Struktur nicht gefällt. Sie wollen auch ein flexibleres Modell, sie wollen nicht nur Sonntagspapi sein, sie wollen nicht mehr für den Job alles andere hinten anstellen.
    So, wie es viele Frauen auch formulieren.
    Erstmal sind das nur ganz wenige und die müssen sich aktuell noch viel Mist anhören.
    Aber irgendwann wird es vielleicht normaler und es ist keine Schlagzeile mehr wert wenn Männer ihre Priorität nicht mehr allein auf den Job legen.
    Darin zeigt sich für mich weder, dass es“eigentlich keine Unterschiede“ gibt oder alles im Einheitsbrei versinkt.
    Es zeigt sich einfach dass es Gemeinsamkeiten gibt, die von der alten Ordnung verdeckt und unterdrückt wurden.

    @Antje, Du schreibst, dass eine weibliche Kultur bei uns nicht präsent war und ist.
    Ich bin mir nicht sicher ob ich das verstehe (da ich nicht so genau weiss was mit weiblicher Kultur gemeint ist).
    In der Politik und in den Machtstrukturen, auch rein quantitativ – ja, da sind Frauen noch unterrepräsentiert. Aber es ändert sich ja, nicht nur wir haben eine Frau an der Spitze.
    Ob aber Angela Merkel einen weiblichen Politikstil hat…keine Ahnung.

  30. Um „nicht dualistische Differenz“ praktizieren zu können, halte ich es für wichtig Verhaltensweisen erst gar nicht mit ‘männlich/weiblich’ zu konnotieren.
    Die Frage ist allerdings, wie damit umgehen, wenn trotzdem immer wieder von außen solche Zuschreibungen von männlich/weiblich an einen herangetragen werden?
    Dass Angela Merkel z.B. häufig mit “Mutti” betitelt wird, ist ja nicht Ausdruck von Bewunderung. Hier wird eher durch die Hintertür die Politik von Frau Merkel als “weibliche Politik” denunziert und zum Ausdruck gebracht, dass es nicht um ihre Politik an sich geht, sondern auch um die ‚altbekannte Abwertung von Frau/Weiblichkeit‘.

    Bei der Frage nach vermeintlich männlich/weiblichen Politikstilen gilt es achtzugeben, dass wir die eigentliche Frage dabei nicht aus dem Blick verlieren, die Antje hier mit formulierte: “…indem wir uns selber fragen, was für uns gute Politik wäre?”

  31. @Sternenguckerin – damit, dass weibliche Kultur nichts präsent war, meine ich, dass dass, was Frauen sich wünschten, überlegt haben, praktiziert haben in Punkto gesellschaftliche Regeln und Zusammenleben, bisher kaum analysiert, erforscht, beachtet wurde. Die gesamte Sozial- und Kulturwissenschaft hat sich immer nur mit dem beschäftigt, was Männer sich wünschen, denken, praktizieren. Mit der Emanzipation und der historischen Frauenforschung ist das erst ein ganz kurzem etwas anders geworden, aber eben im Hinblick auf dualistische Verengung: wenn Frauen sich zu Wort melden, was sie heute ja „dürfen“, haha, dann interessiert daran nur, inwiefern es sich mit dem Männlichen deckt oder nicht. So wie ja auch meine Frage nach einer weiblichen Politik sofort verstanden wird als Frage nach „genauso/anders als männliche Politik“. Ich bin der Meinung, wir brauchen weibliche Ideen ohne diesen Maßstab bzw. sollten das erforschen und durchdenken, und hinterher können wir dann ja schauen, ob das nun anders oder genauso wie das der Männer gibt und wo wir also Konflikte eröffnen müssen und wo wir zusammenarbeiten können.
    mein Unbehagen damit, dies ohne Referenz auf die Geschlechterdifferenz zu tun, also so als würde es nur um individuelle Anliegen von Menschen gehen, die mehr oder weniger zufällig auch Frauen sind, kommt erstens daher, dass das meiner Ansicht nacht nicht stimmt (Beispiel, wie Ute sagt, Care-Revolution, die fast ausschließlich von Frauen vorangetrieben und von Männern ignorierst wird, heute), und zweitens, dass ich schon oft beobachtet habe, dass Innovationen und Ideen von frauen von Männern in ihre Theorien und Praktiken einverleibt werden, dabei aber gleichzeitig auch ein bisschen „verdreht“, sodass das wesentliche verloren geht. Um das zu vermeiden, muss Imho die Geschlechterdifferenz auch symbolisch präsent gehalten werden. Dabei geht es mir nicht um „Copyright“, sondern eher um den Erhalt des freiheitlichen Potenzials (ein kleines Beispiel ist, dass die freiheitlichen Forderungen der Frauenbewegung in einer männlichen Systematik auf „Emanzipation und Gleichstellung“ verkürzt wurden, was ja nicht ganz falsch ist, aber das Wesentliche ging eben verloren). Ihr weiß nicht, ob das für euch irgendwie verständlich ist?

  32. @ute Plass – Ich weiß nicht, wenn wir realistisch und konkret über männlich und weiblich reden, dann ist das vielleicht auch ein Weg, den Klischees nicht das Feld zu überlassen?

  33. @Antje – ja klar – sehe ich schon auch so, dass wenn wir „realistisch und konkret über männlich/weiblich reden“, dass dies mit dazu verhilft Klischees als Klischees zu erkennen. Dazu gehört ja, wie du schon oben erwähnst dazu, dass wir das konkrete Tun von Frauen und Männern beschreiben. Darüber wird so mancherlei fruchtbare Differenz in den Blick kommen:-)

  34. Oder noch ein Versuch: Die Männer, die jetzt plötzlich – angeregt vom Beispiel der Frauen – entdecken, dass Arbeit nicht alles ist und Kümmern um Beziehungen sinnvoll etc, könnten ja auch einmal anerkennen, dass sie hier von den Frauen etwas gelernt haben. So wie Frauen andersrum ja keinerlei Problem haben, etwas von Männern zu lernen und das auch so zu formulieren (zum Beispiel klares Verhandeln, delegieren, Forderungen stellen. „Wir müssen von den Männern lernen“ hört man überall, wo drei Frauen zusammenstehen). Diese Grundstruktur, dass Männer nur etwas akzeptieren können, wenn es „ihr eigenes“ ist und sie es als universelle Wahrheit verstehen können, ist charakteristisch für das, was ich als „männliche Politik“ bezeichnen würde, und es wird durch die Behauptung, Frauen würden nichts Originelles in die Politik einbringen, sondern nur Ideen, die geschlechtsunabhängig sind (was bedeutet: die Männer ganz genauso gut hätten haben können), nochmal bekräftigt.

  35. Danke für Deine Erläuterungen, Antje!
    Ob sie mir so wirklich helfen, weiss ich noch nicht, ich habe ganz oft einen „ja – aber – Impuls“ und dem muss ich erstmal ein bisschen nach gehen 😉

  36. „Die Männer, die jetzt plötzlich – angeregt vom Beispiel der Frauen – entdecken, dass Arbeit nicht alles ist und Kümmern um Beziehungen sinnvoll etc..“

    Das halte ich nun allerdings weniger für „männlich“, sondern für „deutsch“ – ich kenne nun viele Leute aus anderen „patriarchalen“ Gesellschaften, in denen Männer aktiv Beziehungsträger und -initiatoren sind.

    In der Generation meiner (deutschen) Eltern war es in der Tat allerdings noch üblich, dass etwa bei Festen die Frauen quatschten und die Männer schwiegen – die Tatsache, dass Frauen die Beziehungspflege machten, war aber ein wichtiger Teil des Beziehungskontraktes zwischen Männern und Frauen, auf dessen Einhaltung die Damen eifersüchtig achteten. Was sollte frau schliesslich mit einem Mann anfangen, der nicht hauptsächlich Geld ranschaffte?

    „Diese Grundstruktur, dass Männer nur etwas akzeptieren können, wenn es “ihr eigenes” ist und sie es als universelle Wahrheit verstehen können“

    Dito – wieso sind eigentlich Frauen so schlecht in der Lage, andere Menschen zu einem buy-in zu veranlassen?
    Dass ich, wenn ich mir von jemand anderem etwas wünsche, ich diesen dazu bringen muss, diesen meinen Wunsch als eigenen Antrieb zu erkennen, gehört doch zum einmaleins – völlig geschlechtsunabhängig.

  37. @Sternenguckerin – gefällt mir sehr, in welcher Art und Weise du kommentierst. Finde ich für mich sehr inspirierend. 🙂
    Dass du dir nicht so recht was unter ‚weiblicher Kultur‘ vorstellen kannst, lässt mich vermuten, dass du nicht der sog. „Hausfrauen-Generation“ zuzurechnen bist, also der Generation von Frauen, für die es selbstverständlich war, dass Mann bezahlter Erwerbsarbeit nachging und Frau die unbezahlte Haus/Familien/Erziehungs/Pflegearbeit tätigte?
    Dadurch, dass Frauen über Jahrhunderte für die Sorgearbeit zuständig waren, hat sich schon so etwas wie ‚weibliche Kultur‘ gebildet. Eine Kultur, die das Wohl der Familie/d. Hausstandes im Blick hat/te, eine Kultur der Vor- und Fürsorge, eine Kultur des Gärtnern, eine Kultur des guten Haus-wirtschaftens usw.
    Nun hat sich das zwar heute alles sehr gewandelt und Frauen werden nicht mehr qua Geschlecht (auch Dank der Frauenbewegung) an Kinder-Küche-Krankenstube verwiesen, doch de facto ist es aber immer noch so, dass der überwiegende Teil der Sorgearbeit von Frauen getätigt wird.
    Ich behaupte mal, dass unser heutiges Wirtschaftssystem, welches ‘diese weibliche Kultur‘ mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung u. Kompetenz’ ausgeschlossen hat, heute ganz anders aussehen würde, wenn es sich daran orientiert hätte . Die viel zitierte und belächelte ‘schwäbische Hausfrau’ hätte sich sicherlich nicht solche eine Art von Finanzindustrie einfallen lassen, deren Abstrusitäten nicht mal mehr ihre Erfinder kapieren. 😀

  38. @Andreas – mich irritieren deine Einlassungen, weil mir nicht klar ist, was du eigentlich damit hier zum Ausdruck bringen willst? Sie hinterlassen bei mir den Eindruck, als würde es dir Schwierigkeiten machen, anzuerkennen, dass Männer auch von Frauen lernen können?
    Warum diese abwertende Sprache wie „Frauen quatschten“ oder „Was sollte frau schliesslich mit einem Mann anfangen, der nicht hauptsächlich Geld ranschaffte?“
    Und mit dem Satz hier kann ich grad gar nix anfangen:“.. wieso sind eigentlich Frauen so schlecht in der Lage, andere Menschen zu einem buy-in zu veranlassen?“

  39. @Ute Plass:
    Oh, vielen Dank! Das hat mich sehr gefreut!
    Als „fortysomething“ bin ich wohl quasi Kind der Frauenbewegung.
    Und ja, ich bin als Freiberuflerin selbst für mein Einkommen zuständig, was manchmal ganz furchtbar anstrengend ist, mich aber meistens sehr froh macht 😉
    Es macht mir aber auch jeden Tag klar, dass nichts selbstverständlich ist und jeden Tag alles ganz anders werden kann.
    Um mich herum waren und sind traditionelle Familien, gleichgeschlechtliche Paare, Singles…alles mögliche.
    Ich bin mit dem Wissen groß geworden, dass ich als Frau (rein theoretisch jedenfalls) so gut wie alles machen kann was ich will, und mir war auch immer bewusst, dass ich das einer langen Reihe von Menschen zu verdanken habe, die sich dafür eingesetzt haben und es immer noch tun.
    Und recht schnell habe ich auch gesehen, dass zu einer Frauenbewegung auch immer Männer gehören, die die Impulse aufgreifen und mit tragen – genauso muss es aber auch umgekehrt laufen.
    Die Häme und Gehässigkeit zum Beispiel, die vielen „neuen Vätern“ teilweise von Frauen entgegenschlägt, das Witzeln über die Erkenntnis mancher Männer, die begreifen (und darüber reden!), wie hart und anstrengend das Aufziehen von Kindern tatsächlich ist – und die damit auch indirekt die Leistungen der Frauen anerkennen – das ist zwar wenig hilfreich (auch wenn es sicher verständlich ist), aber genauso Teil der Realität wie alles, was an positiver Resonanz kommt.

    Tatsächlich ist es ja wirklich so, da gebe ich ja auch Antje vollkommen recht, dass wir immer noch ganz tief im alten Bild drin stecken. Und viele vergessen heute, wie hart der Weg war, dass es noch bis vor kurzem von männlicher Erlaubnis abhängig war, ob ich als Frau überhaupt einen Beruf ausüben darf oder nicht.
    Und ich streite auch nicht ab, dass wir immer noch ganz viele Dinge durch die „männliche Brille“ sehen, weil eben immer noch überwiegend Männer an wichtigen Schalthebeln sitzen.
    So verstehe ich es auch, wenn Antje schreibt, dass es im Grunde keine „weibliche Kultur“ gibt, weil einfach keine sichtbar ist, weil alles, was wir lesen, hören, erleben, durch männliche Dominanz gesteuert und gelenkt ist.
    Vielleicht war es aber auch anders gemeint? So fände ich es jedenfalls vorstellbar.
    So könnte man auch die „weibliche Kultur“ im Bereich Care als in Wahrheit von männlicher Macht gesteuert betrachten, und sie eben gerade deshalb nicht weiblich nennen. Sie erscheint nur als weiblich.
    Ob Männer die Care-Revolution grundsätzlich oder gar absichtlich ignorieren – keine Ahnung. Ich habe davon auch lange nix mitgekriegt und lese mich gerade ein 😉

  40. @UtePlass:

    Nun, mich irritieren nun umgekehrt Sprüche wie:

    “Die Männer, die jetzt plötzlich – angeregt vom Beispiel der Frauen – entdecken, dass Arbeit nicht alles ist und Kümmern um Beziehungen sinnvoll etc..”

    Als ob Männer etwas blöd wären und erstmal durch die netten Frauen auf den tollen Wert von Beziehungen gestossen werden müssten.

    So eine Darstellung taugt zwar vielleicht als Klospruch im feministischen Seminar, hat aber mit der Realität der Geschlechterverhältnisse herzlich wenig zu tun, wie eigentlich auch jedem klar ist, der so einen Satz wie den von Frau Schrupp mal etwas sacken lässt.

    Auch hier glaubt Frau Schrupp „rational“ zu urteilen:

    “Diese Grundstruktur, dass Männer nur etwas akzeptieren können, wenn es “ihr eigenes” ist und sie es als universelle Wahrheit verstehen können”,

    rationalisiert aber leider nur ihre Vorurteile gegen Männer.

    Sowas hier

    „Ich behaupte mal, dass unser heutiges Wirtschaftssystem, welches ‘diese weibliche Kultur’ mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung u. Kompetenz’ ausgeschlossen hat, heute ganz anders aussehen würde, wenn es sich daran orientiert hätte .“

    ist unter anderem auch deswegen so leicht behauptet, weil es Vulgärfeminismus ist.

    Zusammenfassend – ich finde hier auch einiges sehr irritierend und absolut nicht erlernenswert ….

  41. PS. Mein erstes Posting soll möglichst andere mit meiner Irritation anstecken, auch wenn mir klar ist, dass das bei Gläubigen schwierig ist ;-).

  42. @Andreas – so, diesen Kommentar habe ich jetzt nochmal freigeschaltet, weil er eine Antwort auf Utes Frage sein soll. Aber ich ärgere mich jetzt schon lange genug über deinen arroganten Ton, dass ich ab sofort deine Kommentare prinzipiell nicht mehr lesen und deshalb auch nicht mehr freischalten werde. Du hattest ja auch schon einige Male angekündigt, hier nicht mehr mitdiskutieren zu wollen, es dir aber doch immer wieder anders überlegt und manchmal fand ich deine Einwände durchaus interessant, aber der Tonfall ätzt mich einfach an, und ich als Moderatorin muss ja schließlich alle deine Kommentare erstmal lesen, bevor ich sie dann freischalte oder nicht. Dazu habe ich keine Lust mehr. Da du ja ganz offenbar mehr daran interessiert bist, mich zu provozieren als daran, wirklich mitzudiskutieren, werde ich also deine Kommentare, falls du noch welche schreiben solltest, ab sofort ungelesen löschen.

  43. @Sternenguckerin – „Die Häme und Gehässigkeit zum Beispiel, die vielen “neuen Vätern” teilweise von Frauen entgegenschlägt, das Witzeln über die Erkenntnis mancher Männer, die begreifen (und darüber reden!), wie hart und anstrengend das Aufziehen von Kindern tatsächlich ist – und die damit auch indirekt die Leistungen der Frauen anerkennen – das ist zwar wenig hilfreich (auch wenn es sicher verständlich ist), aber genauso Teil der Realität wie alles, was an positiver Resonanz kommt.“
    Ganz wichtig, was Du hier schreibst. Erlebe sehr viel Positives in Bezug auf „neue Väter“. Mein ältester Sohn
    meinte neulich, dass, seitdem er Vater ist, er mit sehr viel mehr Ängsten konfrontiert sei als zu seiner kinderlosen Zeit. Z.B. Ängste, die aufkommen, wenn ein Kind krank ist, wenn es auf dem Klettergerüst hoch hinaus will, mit dem Fahrrädchen los saust… oder eben weil wirtschaftliche Existenzängste sich immer wieder breitmachen, da er als ‚Freiberufler‘ kein berechenbares regelmäßiges Einkommen hat und er manches Mal bibbert, ob es für die nächste Miete reicht. Obwohl meine Schwiegertochter als Erzieherin ein regelmäßiges Einkommen hat bleibt es für die sog. Patchwork-Familie (mit vier Kindern) ein ziemlicher Balanceakt. Jedenfalls kann ich feststellen, dass in dem Maße, wie Männer die „traditionelle weibliche Sorgearbeit“ mit tätigen, ihr Bewusstsein sich mit dieser mit wandelt. Kann ich jedenfalls von meinen Söhnen und Schwiegersöhnen behaupten.:-)

  44. @Antje:
    Ich würde tatsächlich nicht davon ausgehen, dass nur durch die Frauen und ihre Verweigerung, das alte Spiel zu den bestehenden Regeln mitzumachen, die Männer angefangen haben, ihre Arbeits-Strukturen zu hinterfragen oder den Wunsch nach mehr Familienpartizipation/Kindererziehung entdeckt haben.
    Sicher haben die Frauen wirklich wichtige Impulse gesetzt, von denen langfristig hoffentlich viele Menschen profitieren können.
    Aber das Thema war auch bei Männern schon vorher da, nur haben die Medien es nicht so unterhaltsam gefunden, über Windel-Papi`s oder Spielplatzkleinkrieg unter Vätern und Müttern zu berichten 😉
    Auch Männer sind zu Hauf an den bestehenden Strukturen gescheitert und suchen nach Alternativen, und zwar nicht erst seit das medial und auch auf politischer Ebene diskutiert wird.

    Was ich tatsächlich noch nie gehört habe:
    Dass Frauen angeblich nichts Originelles in die Politik einbringen könnten. Wer sagt denn sowas?
    Und auch nicht, dass es eine Grundstruktur gibt, nach der, wie Du schreibst, „Männer nur etwas akzeptieren können, wenn es “ihr eigenes” ist und sie es als universelle Wahrheit verstehen können“.
    Ich kann mir schon vorstellen, dass es Männer gibt, die durchaus so „ticken“ und sich für den Nabel der Welt halten, an dem alles gemessen werden muss – aber daraus dann tatsächlich einen „Grundsatz“ zu machen, der schon fast nach Naturgesetz klingt – ich weiss nicht.
    Auch dass es nur Ideen (von Frauen) in die „männliche Politik“ schaffen, die geschlechtsunabhängig sind – großes Fragezeichen. Denn das setzt ja wieder voraus, dass man weibliche von männlichen Ideen trennen könnte. Kann man das denn?

  45. @Sternenguckerin “……. dass nur durch die Frauen und ihre Verweigerung, das alte Spiel zu den bestehenden Regeln mitzumachen, die Männer angefangen haben, ihre Arbeits-Strukturen zu hinterfragen oder den Wunsch nach mehr Familienpartizipation/Kindererziehung entdeckt haben.” – Natürlich gab es auch vor der Frauenbewegung schon Männer, die sich innerfamiliär mit sorgend engagiert haben. Mein Vater und sein Vater gehörte zu diesen. Ihr Einsatz geschah sicherlich nicht in einer Art von emanzipativem Bewußtsein, sondern war der Not ihrer Familien geschuldet. Trotzdem ging es bei Arbeitskämpfen nie um die Haus- und Familienarbeit. Diese kam erst durch die Frauenbewegung auf die Agenda und durch die aktuelle Krise der Care-Arbeit erfahren die wissenschaftlichen Arbeiten von feministischen Ökonominnen heute besondere Aufmerksamkeit. (Leseempfehlung: „Care statt Crash“)

  46. Ich finde es schon etwas merkwürdig, das Merkel der Inbegriff der Weiblichkeit sein soll. Wie schon erwähnt, führt sie den Kohlschen Politkstil weiter. Dass einige das Taktieren und Ausschalten von innerparteilichen Gegnern (was einige sicherlich abwertend meindend als »weiblich« bezeichnen) hat meines Erachtens gar nichts mit Geschlecht zu tun. Es ist gut, dass Frauen stärker in der Regierung repräsentiert werden, aber ich glaube nicht, dass damit eine »neue Weiblichkeit« in die Politik Einzug erhält. Ich wüsste nicht, was weibliche Top-Politikerinnen von ihren männlichen Kollegen unterscheidet. Und in gewisser Weise finde ich das auch gut so: je weniger wichtig Merkels Kleid, das sie bei den Wagner-Festspielen trägt, ist, und je mehr Politiker unabhängig von ihrem Geschlecht beurteilt werden, desto besser.

    In vielen Kommentaren wird umrissen, was denn ein »weibliche Politikstil« sein soll, und dass dieser besser sein soll, weil er anders ist. Ich finde, da mischt sich Unzufriedenheit mit dem jetzigen politischen Klima mit der Feststellung, dass Politik von Männern dominiert ist, aber Frauen schrittweise immer stärker beteiligt werden. Ich sehe bis jetzt keinen Anhaltspunkt, wieso es einen »weiblichen Politikstil« überhaupt gibt, und wenn ja, wieso er besser sein soll. (Ich glaube schon, dass für Frauen relevante Standpunkte stärker berücksichtigt werden, aber das ist eine Inhalts- und keine Stilfrage.)

  47. Merkel hebt sich zumindest von den sonst üblichen Polit-Gockeln durch ihre erfrischende Uneitelkeit ab. Ihre Politik dient den Unternehmen und den Gutverdienern, den Banken und Versicherungen. Allerdings ist es der Hohn der Geschichte, dass konservative Frauen wie von der Leyen und Merkel vom feministischen Kampf bsw. auch einer Alice Schwarzer profitieren.

  48. @Max
    Es dürfte nicht darum gehen, mehr Frauen in führende (maßgebende, einflussreiche) Positionen zu bringen, sondern mehr Weiblichkeit. Das ist ein Unterschied, weil man geschlechtsunabhängig unter letzterem Punkt eine kulturell entstandene und gepflegte Ansammlung von Eigenschaften wie „harmonisch“ oder „weniger aggressiv“ versteht. Und du hast recht, wenn Frau Merkel als Frau einen männlichen Kurs fährt, hilft uns keine Quote der Welt.

    Es geht also darum, sogenannten weibl. Eigenschaften in von Männlichkeit dominierten Bereichen Gültigkeit zuzusprechen. Oder generell mehr Bedeutung zuzusprechen.

    Beispiel aus der eigenen Erfahrung: In einem Meeting der Führungsebene wurde besprochen, wie man mit einem nahe gelegenen Konkurrenten umgehen sollte. Die männliche Fraktion war fast komplett auf die Vernichtung des Feindes aus. Preiskampf, etc. die ganze Palette, nach alter Schule. Die einzige Frau war für eine Absprache mit dieser Firma.. für eine friedliche Zusammenarbeit, die auf einer Aufteilung des Einzugsbereichs und des Produktangebots beruhen sollte… Eine andere Denkweise, die abgelehnt wurde. Aber nicht, weil sie nicht machbar gewesen wäre 🙂

  49. U.a. Zitat aus einem Vortrag aus dem Jahre 2007 v. Antje : „Was ist weiblich““

    „In der Tat glaube ich, dass diese Konstruktion eines männlichen Subjekts das Hauptproblem darstellt – und nicht, dass man Phantasiekonstrukte von einem weiblichen Wesen macht. Das Problem ist, dass der Mann nicht für das Männliche steht, sondern für das Allgemeine – das Weibliche hingegen nicht.“
    hier weiterlesen:
    http://www.antjeschrupp.de/was-ist-weiblich1

    siehe auch:
    “ Was ist weiblich? (ein weiterer Vortrag)“
    http://www.antjeschrupp.de/was-ist-weiblich

  50. @Max – Da Angela Merkel eine Frau ist, ist ihr Politikstil fuer mich per se weiblich, da ich Weiblichkeit eben nicht essenzialistisch verstehe, sondern konkret.

    @alle – Mir faellt ein Missverstaendnis bzw. eine Unterstellung auf: Wenn ich schreibe, dass weibliche Politik „anders“ ist oder sein sollte, dann sage ich damit nicht, dass sie besser ist. Ich hoffe es, dass sie besser ist, ich weiss es aber nicht. Dafuer dass Frauen anders Politik machen gibt es hundertmillionen Belege, angefangen bei ihrem geringeren Interesse an Aemtern z.B. Ob das besser ist, muss sich erstmal herausstellen, und unsere Aufgabe waere es unter anderem, dazu beizutragen. Meine „Wette“ ist, dass man das „Anderssein“ der weiblichen Politik zu einem Hebel fuer eine generell „bessere“ Politik aller machen koennte.

  51. @Antje zur Wette: warum bindest Du das „Andere“ an das konkrete Subjekt? Das verstehe ich nicht. Ich würde es an die konkret anders gestaltete Beziehung binden. An die Logik der Interaktion gewissermassen (dass diese historisch gesehen in der Mehrzahl konkret weiblich ist, geschenkt); aber diese Bindung ans Subjekt (die konkrete Frau) löst nie die konkreten Verwirrungen auf (warum ist Thatcher schlimmer als ihre ganze männliche Ministerriege? Warum ist Angela Merkel alles andere als eine „weibliche Politik“ machende Frau? usw.)

    Zur Frage oben noch: Solange diese Subjektnominierung vorherrscht, kommt man nicht aus den Dualismen raus, glaube ich. Solange musst Du immer erklären, dass Du das ja „eigentlich anders meinst“. Aber es ist müssig immer zu erklären, dass man „weiblich“ ganz anders meint als alle andern. Und es ist verwirrend zu sagen, dass „weiblich“ bezogen auf’s Subjekt „konkret“ ist und bezogen auf den Inhalt/ die Essenz der Debatte (weibliche Politik) abstrakt.
    Viele Grüße
    Silke

    PS. und deswegen fühle ich mich auch in der Commons-Debatte wohler. Ich kann mich da wirklich auf die Interaktion konzentrieren.

  52. @Antje
    Wenn ich Deinen Gedanken zu Ende folge und Frau Merkel genau dasselbe macht wie Herr Kohl, dann wäre das im einen Fall weiblich und im anderen männlich? Wenn das Attribut »weiblich« bzw. »männlich« für den Politikstil eines Politikers nur vom Geschlecht abhängen würde, dann wäre es doch vollkommen überflüssig.

    @Randbedingung
    Richtig, das sind ja zwei paar Schuhe. Einen Politikstil als weiblich zu bezeichnen halte ich für recht schwierig, weil man dazu ein Ideal für Männlichkeit und Weiblichkeit im Kopf haben muss. Ich finde es wichtiger (und interessanter) über Themen zu sprechen. Ein aktuelles Beispiel ist die Frage, welche Akzente unsere neue Verteidigungsministerin beim Thema Frauen in der Bundeswehr setzt? Sorgt sie für die weitere Öffnung von neuen Rollen im Heer für Soldatinnen? Das wäre ein Thema, bei dem man weibliche Politik in Aktion sehen könnte. Wie sie das umsetzt, ob sie das harmonisch macht oder nicht, ist mir jedenfalls relativ egal.

  53. @Ute – wieso? Ich bin nur momentan unterwegs und komme nicht immer zum Freischalten.

    @japanjedi – Ja, genauso meine ich es, meiner Beobachtung nach machen Merkel und Kohl aber nicht dasselbe. Waere es so, dass Maenner und Frauen empirisch exakt auf dieselbe Weise Politik machen wuerden, waere ich die erste, die sagt, wir koennen auf die Kategorie Geschlecht verzichten. So ist es aber nicht, vielmehr weisen Frauen und Maenner empirisch (also in der Tendenz, Einzelfaelle koennen immer eine Ausnahme sein) erhebliche Unterschiedliche in ihrem Verhaeltnis zur Politik auf. Deshalb – und das ist es, worauf ich hinaus will – ist es wichtig, dass wir diese Zeichen der Differenz lesen und verstehen und daraus eine politische Debatte formen.

    Das heisst, um einen Politikstil als weiblich oder maennlich zu bezeichnen, braucht man eben KEIN Ideal von Weiblichkeit und Maennlichkeit, sondern man muss sich nur anschauen, was Frauen und Maenner machen.

  54. @Antje:
    „Dafuer dass Frauen anders Politik machen gibt es hundertmillionen Belege, angefangen bei ihrem geringeren Interesse an Aemtern“

    Hm. Ist das so? Oder erscheint es nur so, je nach dem wonach man schaut und in welchem Umfeld man sich bewegt? Mir persönlich wäre das ein bisschen zu stark verallgemeinernd, aber ich habe auch keine persönlichen Erfahrungen aus dem politischen Bereich. Da würde mir ein paar der „hundermillionen Belege“ vielleicht helfen?

    Dass es generell nicht um besser oder schlechter in Sachen „Frauen vs. Männer“ gehen kann, finde ich ja auch total logisch. „Gute oder schlechte“ Politik halte ich auch für schwer bennenbar, da sich Menschen in ihren Bedürfnissen so sehr unterscheiden (jedenfalls wenn die Grundbedürfnisse befriedigt sind).
    Ich habe nur einfach ein Problem, tatsächliche Wesens-Unterschiede, die sich dann z.B. in einem spezifischen Politikstil zeigen könnten, zwischen Männern und Frauen zu erkennen. Aber das sagte ich ja schon 😉
    Bei Angela Merkel habe ich z.B. den Eindruck, dass sie sehr bewusst den Mode-Faktor (über den bei Frauen in höheren Positionen, jedenfalls dann wenn sie nicht im Kunst oder Modesektor arbeiten, wo sie ein bisschen mehr „Narrenfreiheit“ haben) an ihrer Person ausklammert.
    Schön nüchtern und neutral. Eben nicht in dem Maße „weiblich“ dass sie das als Angriffsfläche oder überhaupt als Thema bieten könnte.

    @Randbedingung:
    Deinem Beispiel mit dem Meeting und der unterschiedlichen Herangehensweise (und der Ablehnung der Idee, die aus der weiblichen Ecke kam) würde ich noch eine Anmerkung hinter her schicken, die aus Gesprächen mit Männern stammen, die ähnliches schildern:
    Einer arbeitet in der Bank im mittleren Management.
    Da läuft es genau so ab wie von Dir beschrieben.
    Aber: Eben nicht alle Männer meinen was sie da im Meeting sagen, sondern sie sagen es, weil es von ihnen erwartet wird.
    Sie möchten auch viel öfter kooperativer, diplomatischer sein und nicht immer alles platt machen und alte Feindbilder aufrecht erhalten.
    Aber sie haben oft noch keine Möglichkeit gefunden oder trauen sich schlicht nicht, das in der Gruppe offen zu sagen. Es hängt zu viel dran, „Mann“ könnte dann als „Weichei“ gelten und nicht durchsetzungsfähig genug = Job in Gefahr = Klappe halten.
    Also auch wieder kein grundsätzlich Männern immanentes Gebaren (da es bei Frauen genauso stattfindet nur evtl. mit anderer Thematik, je nach Kontext) sondern etwas, was sich durch unendliche Wiederholungen als „männlich“ in unseren Köpfen fest gesetzt hat.

  55. @Silke – Ja, das ist der Punkt, an dem wir unterschiedlicher Meinung sind. Mich stoert an der Commonsdebatte genau dieser Anschein von Geschlechtsneutralitaet und konkret das Ausblenden von Geschlechterdifferenz bzw. ihr Nichtbeachten, nicht bei dir, aber bei fast allen maennlichen Vertretern der Commons-Debatte.
    Allerdings stimmt es, es ist muehsam, immer erklaeren zu muessen, dass ich „weiblich“ anders verstehe als der Mainstream, aber da ich der Meinung bin, dass das Falschverstehen der Geschlechterdifferenz eines der Grundprobleme unserer gesamten Kultur sind, bleibt mir nichts anderes uebrig. Es deutet einfach zu viel darauf hin, dass genau diese Ignoranz emanzipatorische Projekte behindert und ihr Potenzial beschneidet, siehe Grundeinkommensdebatte (in der ich mehr drin bin als in der Commonsdebatte, aber wo diese Blindheit vieler maennlicher Protagonisten tatsaechlich ein wesentliches Hindernis ist, manchmal bin ich selbst kurz davor, wegen denen meine Unterstuetzung fuer das Projekt hinzuwerfen. Grudneinkommen ohne Reflektion der Geschlechterdifferenz ist naemlich schlimmer als gar kein Grundeinkommen).
    Und: Gerade weil ich nicht essenzialistisch denke, MUSS ich diese Analyse an das konkrete Subjekt Frau binden, denn eine von konkreten Frauen und ihrem Tun unabhaengige Weiblichkeit gibt es imho nicht.

  56. @Antje:
    „Waere es so, dass Maenner und Frauen empirisch exakt auf dieselbe Weise Politik machen wuerden, waere ich die erste, die sagt, wir koennen auf die Kategorie Geschlecht verzichten. So ist es aber nicht, vielmehr weisen Frauen und Maenner empirisch (also in der Tendenz, Einzelfaelle koennen immer eine Ausnahme sein) erhebliche Unterschiedliche in ihrem Verhaeltnis zur Politik auf.“
    Also das ist mir wirklich ein Anliegen, Dich in diesem Punkt richtig zu verstehen.
    Gibt es denn Empirie zu dem Thema? Würde ich wirklich gerne mal reinschauen, wenn Du also vielleicht etwas zum Lesen empfehlen kannst: Das wäre toll!
    Mein persönlicher Eindruck ist wirklich ein ganz anderer, aber wie gesagt, ich kann es nicht „von innen“ sehen geschweige denn valide beurteilen, sondern bin auf Berichte und Erfahrungen anderer Menschen angewiesen.
    Soweit ich das bisher mitgeschnitten habe, gibt es eben „nur“ Tendenzen, die aber bei genauerem Hinsehen nicht „weiblichem Verhalten“ (falls es das gibt), sondern dem momentan noch praktizierten gesellschaftlichen Konstrukt geschuldet sind, welches weibliches und männliches Verhalten als Unterschied kennt und ganz oben dran stehen hat.

  57. @Sternenguckerin – ich weiß nicht, inwiefern es Studien dazu gibt, aber ich finde das so offensichtlich, wie wenn man eine Studie fordern würde, um zu beweisen, dass Regen nass macht. Alle Parteien haben Probleme, Kandidatinnen zu finden, aber keine, Kandidaten zu finden. Ich werde zum Beispiel oft zu Veranstaltungen eingeladen mit titeln wie „wie motivieren wir mehr Frauen für die Kommunalpolitik“. Oder denk doch mal an die Wahl der Grünen für die Spitze im Bundestagswahlkampf – neben den vier aussichtsreichen Kandidat-innen stellten sich weitere sieben Männer auf, aber keine einzige Frau. Das waren jetzt zwei der Milliarden Beispiele, aber egal mit wem du im Bereich von Parteipolitik sprichst, du wirst kaum jemanden finden, der/die sagt, Frauen und männer hätten da die gleichen Vorlieben, Praktiken, Wünsche, Verhaltensweisen.

    Was hingegen gesagt wird ist, dass das den Frauen anerzogen wäre oder an den Strukturen liegt etc. Ich hingegen behaupte, es liegt auch an den Entscheidungen, die Frauen treffen. Deshalb ist diese Differenz nicht durch „Maßnahmen“ (wie etwa Quote) aus der Welt zu schaffen, sondern muss als politischer Konflikt bearbeitet werden.

  58. @lesbomat – Nein, kein Hohn der Geschichte, sondern folgerichtig im Sinne der ‘Gleichstellungspolitik’ !!!

  59. @Antje – „Was hingegen gesagt wird ist, dass das den Frauen anerzogen wäre oder an den Strukturen liegt etc. Ich hingegen behaupte, es liegt auch an den Entscheidungen, die Frauen treffen.“

    Meinst du damit, dass die Gründe, warum Frauen sich für diese oder jene Aufgabe/Tätigkeit entscheiden
    bzw. nicht entscheiden, verschieden sind von den Motiven d. Männer, die sich für bzw. gegen die gleichen Aufgaben/Tätigkeiten entscheiden?

  60. @Ute – die Frage verstehe ich nicht – wenn die Entscheidungen unterschiedlich sind, dann sind doch höchstwahrscheinlich auch die Gründe unterschiedlich, oder?

  61. @Antje: Ausblender von Geschlechterdifferenz in der Commonsdebatte: stimmt – aber ist m.E. kein strukturelles Problem – denn wenn die These von Stefan Meretz stimmt (die der strukturellen Inklusion), dann entwickeln sich in einem commonsprozess die tools und fertigkeiten, eben GEschlechterdifferenz in den Blick zu nehmen. Viel problematischer ist es da mit der Nachhaltigkeitsdebatte/ dem gesellschaftlichen Naturverhältnisse – das ist für einige Commoners derart „böhmische Dörfer“, dass es mich manchmal zur Verzweiflung bringt.

    Ich verstehe ja, was Du sagst: Ich sehe nur nicht, warum wir es „weibliche Politik“ nennen müssen. Ich glaube, wir brauchen dafür einen anderen Begriff.

  62. Ja – daher wäre es ja aufschlussreich zu wissen, von welchen Motiven Frauen u. Männer sich leiten lassen,
    wenn sie für/gegen eine bestimmte Aufgabe/Funktion votieren. Z.B. bezogen auf das Beispiel welches Du anführst, wo es um die Wahl der Grünen für die Spitze im Bundestagswahlkampf geht.
    Mit dieser sichtbar gemachten Differenz könnte dann Politik gemacht werden anstatt lediglich
    dafür zu werben, dass Frauen (und Männer) in die vorhandenen Funktionsmuster reinwachsen sollen.

  63. “Ein aktuelles Beispiel ist die Frage, welche Akzente unsere neue Verteidigungsministerin beim Thema Frauen in der Bundeswehr setzt?” @japanjedi

    Das Akzente setzen reicht mir nicht. Ministerien/Institutionen/Bürokratien dieser Art gilt es abzuschaffen und
    nicht mit Wohlfühlfaktoren und Kompetenzbeweisen anzureichern um das bestehende Grauen auf Hochglanz zu bringen.

    Die Frage, die sich Frauen (wie Männer) stellen sollten, wäre doch auch die, in welcher Weise sie als “willige Systemvollstrecker_innen”
    unerträgliche Zustände mit stabilisieren anstatt zu verändern?
    Positives Beispiel hierzu: https://www.openpetition.de/petition/blog/sofortige-ruecknahme-aller-sanktionen-gegen-die-arbeitsvermittlerin-inge-hannemann

  64. @Antje
    Für mich gestaltet sich das offenbar weniger offensichtlich 😉
    „Alle Parteien haben Probleme, Kandidatinnen zu finden, aber keine, Kandidaten zu finden.“
    Ja.
    Aber das sagt mir doch nicht deshalb automatisch, dass Frauen keine Lust haben oder aus „weiblicher Perspektive“ kein Interesse haben. Kann einer von vielen Faktoren sein, klar.
    Dazu gibt es nun wirklich mittlerweile zu viele Frauen in wichtigen Ämtern, die das widerlegen können.
    Ob sie in der jeweiligen Position glücklich sind oder nicht, ob sie dort klassische Muster bedienen oder innovativ sind…da ist wieder ganz viel Vielfalt möglich.

    @Ute – Deine Frage an Antje:
    „Meinst du damit, dass die Gründe, warum Frauen sich für diese oder jene Aufgabe/Tätigkeit entscheiden
    bzw. nicht entscheiden, verschieden sind von den Motiven d. Männer, die sich für bzw. gegen die gleichen Aufgaben/Tätigkeiten entscheiden?“

    Antje´s Antwort darauf:
    „wenn die Entscheidungen unterschiedlich sind, dann sind doch höchstwahrscheinlich auch die Gründe unterschiedlich, oder?“

    Mein Versuch, die Frage an @Antje nochmal zu stellen:
    Gibt es Deiner Ansicht nach neben den mannigfaltigen (und durch sozialen Druck, Erwartungen, Erziehung…beeinflussten) verschiedenen persönlichen Gründen, die einen Menschen dazu bringen, Koch oder Köchin, Lehrer/in, Musiker/in, Soldat/in, Physiker/in oder Politiker/in zu werden, tatsächlich „weibliche“ oder „männliche“ Faktoren oder Eigenschaften, die diese Entscheidungen steuern?
    Irgendwie lese ich das bei Dir immer so, vielleicht missverstehe ich es aber auch.
    Natürlich wird z.B. eine Frau eine andere Dirigentin sein als ein Mann ein Dirigent ist.
    Aber eben nicht *nur* weil sie eine Frau ist, sondern weil sie überhaupt ein eigener individueller Mensch ist.
    Genauso wie männliche Dirigenten sich voneinander unterscheiden. Oder weibliche Politikerinnen sich voneinander unterscheiden. Sehr, sehr unterscheiden sogar.
    Und je mehr Frauen wir in der Politik sehen, um so mehr Unterschiede zwischen den einzelnen Frauen werden auftauchen, aber auch Gemeinsamkeiten.
    Auch Gemeinsamkeiten zu Männern.
    So sehe ich es eigentlich in jedem Bereich.
    Das soll ein Beispiel *gegen* die Befürchtungen der Gleichmacherei, oder der (abwertend konnotierten) „Geschlechtsneutralität“ sein (die es auch nicht gibt, und wenn dann auch nur als Kostrukt).
    Denn natürlich spielt es eine Rolle in meinem Leben, ob ich eine Frau oder ein Mann bin (richtig tricky wird es ja erst, wenn man da nicht so sicher ist, wie geht man damit um?).
    Es ist nicht egal, aber es ist einfach merkwürdig, dass an dieser Unterscheidung so vieles fest genagelt wird, da immer mehr Felder auftauchen, in denen alle mitmachen können, solange man sie nur lässt.
    Erwähnte ich schon, dass mir der Dekonstruktivismus irgendwie immer besser gefällt? 😉

  65. @Antje
    Deinem Gedankensprung vom konkreten Merkel-Kohl-Beispiel ins empirische kann ich nicht folgen: Ich habe aber zwei konkrete Personen genannt (Merkel und Kohl) und nicht für alle Politikerinnen und Politiker allgemein gültige Behauptungen aufgestellt. In der Textstelle, auf die Du Dich beziehst, habe ich nichts zum empirischen Unterschied der Politikstile von Männern und Frauen geschrieben, sondern bin immer konkret beim Beispiel geblieben.

    Selbst wenn man behaupten würde, dass sich der Politikstil von Merkel und Kohl komplett unterscheiden, finde ich es sinnfrei den einen Politikstil automatisch als »weiblich« und den anderen als »männlich« abzustempeln. Wenn ein männlicher und eine weibliche Politikerin genau dasselbe machen, dann ist der dahinterstehende Politikstil ja nicht gleichzeitig männlich und weiblich. Im Endeffekt beziehst Du Dich ja doch auf etwas empirisches.

    @Sternenguckerin
    »Soweit ich das bisher mitgeschnitten habe, gibt es eben “nur” Tendenzen, die aber bei genauerem Hinsehen nicht “weiblichem Verhalten” (falls es das gibt), sondern dem momentan noch praktizierten gesellschaftlichen Konstrukt geschuldet sind, welches weibliches und männliches Verhalten als Unterschied kennt und ganz oben dran stehen hat.«
    Ein weiterer Punkt ist, dass Politik je nach Gusto ein großes Schachspiel oder eine Seifenoper ist, wo man immer Entscheidungen interpretieren kann. Beispielsweise finden einige Leute, dass Merkels Ausschalten von Merz (Stichwort Doppelspitze) »typisch Frau« war, weil sie Merkels Verhalten als hinterhältig und taktierend gesehen haben. Solche Kommentare gab es nicht als Schröder aus der SPD-Doppelspitze geschasst worden ist. Ich finde es grundsätzlich interessant, dass bei mir die negativen Assoziationen zu »typisch männlich« als auch »typisch weiblich« zu Erst hochkommen.

    @Ute Plass
    Ich kann Dir nicht ganz folgen: sprichst Du von der Abschaffung des Verteidigungsministeriums oder von etwas ganz anderem? Ich wollte keine Pazifismusdebatte lostreten, ich habe das Beispiel nur genannt, weil wir nun die erste Verteidigungsministerin haben und es eine komplette Gleichberechtigung in der Bundeswehr noch nicht gibt. Von der Leyen kann viel verändern, sofern sie das will.

  66. @Sternenguckerin – Ich meine, die @mannigfaltigen (und durch sozialen Druck, Erwartungen, Erziehung…beeinflussten) verschiedenen persönlichen Gründen, die einen Menschen dazu bringen, Koch oder Köchin, Lehrer/in, Musiker/in, Soldat/in, Physiker/in oder Politiker/in zu werden“ sind schon weiblich oder maennlich, je nachdem ob der betreffende Mensch eine Frau oder ein Mann ist. Es ist, nochmal, nicht notwendig, die Essenz diese „Weiblichkeit“ und „Maennlichkeit“ zu definieren, es reicht, wenn wir in den Faellen, wo sie auftritt – also zum Beispiel wenn in einem bestimmten Kontext klare Unterschiede zwischen den konkret beteiligten Frauen udn Maennern auftreten, diese Unterschiede wahrnehmen, wichtignehmen, diskutieren, daraus einen Konflikt eroeffnen. Und nicht gleich fragen (wie es bisher ueblich war), was die Frauen „falsch“ machen, wie man sie dazu bringt, dasselbe zu machen wie die Maenner usw. Dass verschiedene Frauen unterschiedliche Sachen machen, ist ja gerade der Witz dabei, denn gerade weil Frauen alles andere als homogen und einheitlich sind, sind die Punkte, an denen es doch eine grosse Ueberenistimmung gibt, umso bedeutsamer. Und KEINE Frau tut irgendetwas, nur weil sei eine Frau ist, dahinter stehen immer individuelle Entscheidungen. Auch die maennliche Kultur lebt ja von den Unterschieden und Streitigkeiten der verschiedenen Maenner miteinander. Die Themen, die Maenner wichtig nehmen (und dann darueber streiten) sind aber tendenziell andere als die Themen, die Frauen wichtig nehmen (und darueber streiten).

  67. @japanjedi – „Ich kann Dir nicht ganz folgen: sprichst Du von der Abschaffung des Verteidigungsministeriums oder von etwas ganz anderem?“
    Ja, davon spreche ich. Als ich anfing mich in der Frauenbewegung zu engagieren träumte ich zusammen mit anderen Frauen und Männern von einer Zeit, in der ein solches Ministerium abgeschafft würde. Nach dem Motto: Wenn erst mal Frau ans Ruder kommt dann….. (hahaha)!
    Meine naiv erscheinende Hoffnung mag ich zwar noch immer nicht aufgeben, doch setze ich diese nicht
    mehr in eine einzelne Frau (oder einzelnen Mann), nur weil diese in entsprechenden (Macht)Positionen sitzen und weil ich immer mehr kapiere, dass Macht und Politik nicht dasselbe sind.
    Es sind ja genau diese hierarchisch strukturierten (Macht) Positionen, die Veränderungen nicht wollen und zulassen, und so setze ich mein Vertrauen weiter in einen gesamtgesellschaftlichen Prozess der Veränderung, was heißt, dass jede Frau und jeder Mann aufgerufen ist, daran mitzuwirken. Ob Frau v. d. Leyen einen solchen Prozess mit fördern und voran treiben mag, da habe ich meine Zweifel.

  68. @Antje:
    „Und KEINE Frau tut irgendetwas, nur weil sei eine Frau ist, dahinter stehen immer individuelle Entscheidungen. Auch die maennliche Kultur lebt ja von den Unterschieden und Streitigkeiten der verschiedenen Maenner miteinander. Die Themen, die Maenner wichtig nehmen (und dann darueber streiten) sind aber tendenziell andere als die Themen, die Frauen wichtig nehmen (und darueber streiten).“

    Erster Satz: Ja! *dolles Kopfnicken :-)*
    Aber die Themen, die „tendenziell“ anders sein sollen bei Männern oder Frauen – da bleibt bei mir weiter ein Fragezeichen.
    Erstmal jedenfalls 🙂

  69. Ich kann Dir nicht ganz folgen: sprichst Du von der Abschaffung des Verteidigungsministeriums oder von etwas ganz anderem? Ich wollte keine Pazifismusdebatte lostreten, ich habe das Beispiel nur genannt, weil wir nun die erste Verteidigungsministerin haben und es eine komplette Gleichberechtigung in der Bundeswehr noch nicht gibt. Von der Leyen kann viel verändern, sofern sie das will.

    … und schnell genug ist. Böse Zungen behaupten ja, dass Merkel das Verteidigungsministerium gelegentlich als Schleudersitz für Rivalen verwendet.

  70. Ich finde schon, dass es weibliche Politik gibt oder mehr geben sollte oder einen weiblichen Politikstil. Vielleicht kann man sich der Sache nähern, wenn man sich den männlichen oder zur Zeit vorherrschenden Politikstil anschaut, so ist dieser, meiner Meinung nach, vom höher, weiter, schneller, von Konkurrenz und Wettbewerb geprägt, wie wir das heute überwiegend in Parteien, Unternehmen und Politikbetrieb wahrnehmen. Die Frauen, die sich heute „oben“ etabliert haben konnten das (nur), in dem sie die speziellen männlichen Attribute noch besser angewendet haben, als die Männer oder sich die Männer mit den Frauen schmücken wollten. Hat nicht Helmut Kohl seinerzeit von Angela Merkel als “ das Mädchen“gesprochen. Das sie in letztlich kaltgestellt hat, ist Ironie der Geschichte.
    Mir fällt jetzt nicht Besseres ein, als einen spezifisch weiblichen Politikstil so zu bezeichnen, dass er das oben Beschriebene eben nicht vorherrschend umsetzt, sondern zu einer gewissen Entschleunigung führt und zu mehr Fürsorglichkeit

  71. @Ute – haha, ja, die Frauen sind der wahre Messias! Das Problem, das ich mit solchen Analysen habe, ist nicht, dass ich sie nicht für zutreffend halten würde, da ist vieles dran. Sondern dass ich der Meinung bin, es ist nicht die Aufgabe der Frauen, die Welt zu retten. Das ist ein alter patriarchaler Anspruch, der jetzt in quasi emanzipierter Variante daherkommt. Ich bin für weibliche Freiheit, und das bedeutet, dass Frauen die Welt nach ihren Wünschen und Vorstellungen gestalten. Ihr Job ist es nicht, den Karren der Männer aus dem Dreck zu ziehen (wenn sie es trotzdem machen, gerne, aber als Anspruch und Versprechen will ich das eigentlich nicht haben).

  72. „Das Problem, das ich mit solchen Analysen habe, ist nicht, dass ich sie nicht für zutreffend halten würde, da ist vieles dran. “

    das hieße dann aber doch, dass quasi alles besser würde, wenn Frauen endlich mehr Macht, Einfluss usw. hätten?

    Leider wird ohne Problematisierung vorausgesetzt, dass die Welt der Rettung bedarf. Ist das überhaupt richtig? Und was ist damit gemeint? Die Ausführungen lesen sich eher so, dass Frauen das Unternehmen retten können. Was sein mag, aber den echten Problemen der Welt wohl kaum weiterhilft.
    Wenn man das Argument „es geht Frauen mehr um die Sache und weniger um sich selbst“ auf die Politik überträgt, könnte man daraus sogar schließen, dass ihnen die Interessen des „Unternehmens“ Deutschland besonders am Herzen liegen und denen das Wohl des Landes als Ganzes wichtig ist. Wie würde man eine solche Haltung von Patriotismus abgrenzen?

  73. @Ute Plass
    Ich finde es etwas naiv zu glauben, dass eine emanzipierte Frau zwangsweise eine Pazifistin ist. (Nur als Nebenbemerkung: ich bin Kriegsdienstverweigerer aus Überzeugung gewesen.) Ich glaube auch, dass wir etwas vom eigentlichen Thema abkommen, ich wollte nur den besonderen Gestaltungsspielraum, den Frau von der Leyen in ihrem Ministerium hat, ins Gespräch bringen.

    @Antje Schrupp
    Wieso glaubst Du, dass Frauen nicht die Verantwortung haben, den Karren aus dem Dreck zu ziehen? Sie stellen die Hälfte der Weltbevölkerung und wenn Sie am politischen Entscheidungsprozess teilhaben wollen, dann haben sie auch die Verantwortung sich die Hände schmutzig zu machen. Vielleicht würden Frauen den Karren genauso häufig in den Dreck bugsieren, wenn sie den Karren genauso oft fahren würden, wie Männer?

  74. @japanjedi – ich möchte auch weiter naiv bleiben im Sinne von Hoffnung auf eine friedvolle Welt . Emanzipation gehört für mich dazu, weil das für mich auch heißt ‚frei werden von Herrschaft und Unterdrückung‘ . Ich bezeichne mich nicht als Pazifistin (ist mir zu abstrakt). Entscheidend finde ich die ganz konkreten Lebensverhältnisse und aus diesen heraus verstehe ich mich als Kriegsgegnerin und plädiere für Abrüstung und gewaltfreie Konfliktlösungen. So finde ich auch nicht, dass wir vom ‚eigentlichen Thema‘ abkommen.
    Sehe es auch wie @Antje, dass es nicht Aufgabe von Frauen ist, ‚die Welt‘ zu retten, somit auch keine
    Unternehmen, deren wichtigstes Ziel Profitmaximierung um jeden Preis ist. Das wird auf dieser
    ‚Frauen-retten-die-Welt-Seite‘ leider nicht problematisiert, wie @ Wilhelm Will Helm zu Recht anmerkt.
    Dass Frau als eine Art von Humanressource entdeckt wurde und klug für das Wohl von Unternehmen/Institutionen agieren kann, sagt ja nichts darüber aus ob dieser Einsatz von Frauen dem Wohle aller dient. Und daher würde quasi nicht alles automatisch besser, wenn Frauen endlich mehr Macht, Einfluss usw. hätten. Entscheidend dürfte doch sein, wie mit Macht und Einfluss umgegangen wird und dass Frauen, wie Männer erst gar nicht einsteigen in Institutionen/Unternehmen, die ihnen für den freien Umgang
    mit Macht und Einfluss gar keinen Spielraum lassen und, im Gegenteil, ihr Tun letztlich nur der Stärkung
    der Macht-Institution dient.

  75. @Antje- Das mit dem alten patriarchalen Anspruch verstehe ich nicht? Mir ging es lediglich darum, dass es zu Veränderungen kommt, wenn Frauen gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Angelegenheiten teilnehmen. Ob die Veränderungen“besser“ sind, kann man nicht sagen, aber es käme auf jeden Fall zu Veränderungen. Du schreibst ja auch, dass Frauen die Hälfte der Weltbevölkerung stellen und sie demzufolge auch im gleichem Maße beteiligt werden müssen? Weltrettung ist ein gigantisches Wort!

  76. Ich denke, dass Antjes Frage: „Was wäre eine “weibliche” Veränderung der Parteipolitik und der repräsentativen Demokratie, die ihr als solche gelten lassen würdet?“ mit diesem „Care-Macht-Mehr“-Manifest eine von vielen Antworten sein kann: http://care-macht-mehr.com/ 🙂

  77. @Ute Plass
    »Sehe es auch wie @Antje, dass es nicht Aufgabe von Frauen ist, ‘die Welt’ zu retten …«
    Vielleicht liegt es auch mit an dieser Einstellung, dass Frauen in der Politik unterrepräsentiert sind. Außerdem ist nicht alles, was in der Politik gemacht wird, Weltrettung. (Ich weiß auch nicht, wieso das Profitmaximierung von Unternehmen automatisch mit einschließen muss.) Ich finde, dass man Verantwortung Übernehmen und Partizipation nicht voneinander trennen kann. Du hast zwar recht, dass mit der Partizipation von Frauen an der Politik nicht magisch alles besser wird, aber Politik wird meiner Meinung nach gerechter (da Verantwortung gerecht aufgeteilt wird).

  78. Liebe Antje Schrupp,
    ich hab etwas überlegt, ob ich jetzt noch hier kommentieren soll. Die Debatte scheint ja zu Ende und ich will eigentlich noch mal ganz an den Anfang zurück. Aber die Fragestellung regt mich doch sehr auf. Um es vorher klar zu stellen: Ich bewundere diese Seite, alles, was ich gelesen habe sehr. Deswegen bin ich noch mal doppelt aufgeregt, weil ich die Haltung zu Merkel wirklich unfassbar finde. Auch aus feministischer Perspektive. Ja, mensch kann sich drauf einigen, dass Frau Merkel nicht so rumbölkt, wie Sigmar Gabriel. Aber ansonsten finde ich ihren Stil furchtbar. Es gibt, finde ich, in der Deutschen Politik beispielsweise das geschlechterübergreifende Phänomen, des „nicht-mehr wirklich etwas sagens“, hinhaltens, drumrumredens. Darin ist Frau Merkel Weltmeisterin. Ich finde das unglaublich schädlich für die Demokratie. Ein wirklich gutes Beispiel dafür ist ihre Antwort in der ARD-Wahlarena (09.09) Fernsehduell zur Frage des Adoptionsrecht für Homosexuelle gewesen. Sie hatte keine Argumente und wandte sich nur so und wiederholte „ich fühle mich nicht wohl damit.“ Alles, was Angela Merkel zur NSA-Affaire gesagt hat, war inhaltsleer. Es gab so Sätze wie: „Die Bundesregierung befürwortet natürlich den Schutz der Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger.“ Ganz schlimm. Und das ist nur der formale Stil. Viel schlimmer ist der Inhalt ihrer Politik. Betreuungsgeld sag ich nur. Da nützt es doch nichts, wenn das nicht im patriarchalen Habitus vorgetragen wird. Europäische Austeritätspolitik (in Griechenland hat die Selbstmordrate dramatisch zugenommen, ich finde, Angela Merkel hat das mit verursacht), Sozialabbau, Angela Merkel macht eine Politik, in der viele immer ärmer, in der Freiräume weniger werden. Beispiel Universitäten: Immer weniger Studierende engagieren sich politisch. Ich meine, das hat auch was mit der aktuellen Politik zu tun.
    Was könnte eine bessere Politik sein? Mir fällt es da schwer in „konstruktiven“ Dualismen zu denken – Aber das kann an mir liegen. Ein aktuelles Phänomen scheint mir zu sein, dass es immer mehr um Machterhaltung, Machtbeziehungen, Verwaltung, Werbung, Verkaufen geht und immer weniger um inhaltliche Auseinandersetzung. Der Stil hat sich hier verändert, Ursula von der Leyen macht das formal anders als Herbert Wehner, aber es bleibt dasselbe, bzw. ich habe das Gefühl, dass es schlimmer wird. Gute, „weibliche“ Politik? Ich würde sagen: mehr Inhalt, Meritokratie, Basisdemokratie und „Gewaltfreie Kommunikation“.

  79. @onkelmaike – Hm, ja, aber gerade bei der Frage des Adoptionsrechts war die Antwort „Ich fühle mich nicht wohl damit“ doch nicht inhaltsleer, sondern entspricht doch vermutlich der Wahrheit. Es ist doch nun nicht so, dass Merkel die einzige ist, die sich damit schwer tut, die Akzeptanz von Homosexualität ist eine relativ junge Angelegenheit und noch lange nicht in der gesamten Bevölkerung so. Bemerkenswert ist doch, dass die nicht mit Auf-den-Tisch-hauen ihre Meinung dazu vertritt und ankündigt, bis aufs Messer gegen das Adoptionsrecht zu kämpfen, sondern sich sozusagen in ihr Schicksal fügt, dass die Entwicklung nunmal zur rechtlichen Gleichstellung homosexueller Paare geht und sie hat offensichtlich auch nicht vor, das aufzuhalten. Obwohl sie selber sich „damit nicht wohlfühlt“. Damit bringt sie gleichzeitig die konservativen Teile der Bevölkerung, die in ihrer Partei, der CDU (und wahrscheinlich auch in der SPD) das genauso „fühlen“ auf einen Kurs der Akzpetanz. Ebenso mit dem Betreuungsgeld – das ist doch absehbar, in welche Richtung sich die Familienpolitik entwickelt. Und Merkel stemmt sich nicht wirklich dagegen, sie nimmt aber die Konservativen irgendwie mit. Jetzt hat sie eine Koalitition gebildet mit einer SPD-Familienministerin und es ist absehbar, dass die Tage des Betreuungsgeldes gezhählt sind.
    Etwas anderes ist das mit der Austeritätspolitik, das ist wirklich schlimm.

  80. Ich finde ja auch „auf den Tisch hauen“ überhaupt nicht gut. Aber aussitzen, bzw. drumherum reden ist das nicht letztlich gleichermaßen ein „aggressiver Akt“? Es wird die Auseinandersetzung, die Anerkennung bestehender Argumente und Anliegen verweigert. Bezüglich des Adoptionsrechtes interpretiere ich „Ich fühle mich nicht wohl“ ganz anders. Angela Merkel ist ja hochintelligent. Ich glaube, dass sie persönlich überhaupt kein Problem mit Homosexuellen hat, sie kapiert sicherlich auch die rechtliche Argumentation dazu. Sie fühlt sich nur unwohl damit, das vor den reaktionären Teilen ihrer Partei zuzugeben. Eine gute feministische Haltung wäre es, die pro und contra-Argumente klar darzustellen und dann zu sagen: Ich bin pro oder eben contra. Noch viel schlimmer ist das in der NSA-Geschichte, sie sagt: nichts. Ich finde, das ist auch der Sprache Gewalt antun, übrigens. Ich finde das wirklich ein Form von Gewalt, unterlassener Hilfeleistung, wenn frau so will, dazu nicht mal klar Stellung zu nehmen. Da gäbe es wieder zwei Möglichkeiten: Entweder: Wir können/wollen leider nichts dagegen machen, bzw. wir machen das selber und finden es ganz gut – Oder auch, ja, das sind eklatante Grundrechtsverletzungen und wir tun was.

    Das ist doch die Grundvoraussetzung von Demokratie und Republik – Herausarbeiten, wo die verschiedenen Positionen liegen.

  81. @onkelmaike – Also verstehe ich richtig, dass du von Angela Merkel erwartest, dass sie sich aktiv für die Akzeptanz von Homosexualität in ihrer Partei einsetzt? Wieso glaubst du überhaupt, dass ausgerechnet sie „eigentlich“ eine andere Ansicht dazu hat als die in der CDU gängige? Glaubst du, dass sie Bundeskanzlerin wäre, wenn sie ständig klar zu allem, was sie persönlich richtig findet, steht und eindeutig Position bezieht, auch wenn sie genau weiß, dass sie es sich dadurch mit den Mehrheiten in der CDU-Basis verscherzt?

  82. Ich vermute, dass Angela Merkel oder eine andere Person nicht Bundeskanzlerin wäre, wenn sie dazu, was sie „persönlich“ richtig findet stünde (Persönlich richtig finde ich an der Stelle aber unpassend – Ich wünsche mir, und das finde ich nicht abwegig, dass sie zu ihrer politischen Haltung steht)..
    Ich finde aber, vielleicht ist da unser beider Unterschied in der politischen Haltung, dass solch eine Kanzlerschaft, keinen großen politischen Nutzen hat. Ich bin da ganz weit weg davon, das politisch positiv, gar eine „feministische Republik“ zu sehen. Ich will das Fass gar nicht aufmachen, aber es nützt doch nichts, wenn eine Frau Verteidigungsministerin ist, wenn dadurch ein furchtbarer Krieg fortgeführt wird (anderes Thema). Vielleicht hast Du (duzen ist okay, ne?) ja auch zum Datenschutz eine andere Meinung. Aber ich finde, dass da gerade ein dramatischer, paradigmatischer Abkehr/Unterschreitung von Grundrechtsstandards stattfindet. Angela Merkel sagt nichts dazu. Naja, das habe ich im letzten Post ja schon gesagt.

  83. @onkelmaike
    Deinen zwei Beiträgen kann ich mich nur anschließen. Ich verzweifle daran, dass Merkels Politikstil, den Du sehr treffend beschreibst, auch gleichzeitig das Geheimnis ihres Erfolgs ist. (Obwohl ich das »weibliche« im letzten Satz Deines ersten Posts einfach streichen würde, das hat für mich nichts mit Geschlecht zu tun.) Manchmal finde ich auf den Tisch hauen angebracht (Stichwort NSA-Affäre) und weniger aggressiv als ewiges Lavieren und sich nicht festlegen wollen.

    @Antje
    Du hast zwar einerseits recht, dass Merkel in ihren bisherigen zwei Amtszeiten die Union näher an den Bundesdurchschnitt rangeführt hat (z. B. die Aussetzung der Wehrpflicht und eine Normalisierung im Umgang mit Homosexuellen), auf dieser Metaebene hat Merkel tatsächlich Verdienste vorzuweisen, weil sie gewisse Türen für immer verschlossen hat.

    Aber wenn man zu konkreten politischen Themen zurückkehrt, finde ich alle Kritikpunkte, die onkelmaike vorgebracht hat, vollkommen legitim. Es reicht nicht aus bloß etwas zu fühlen, man muss sich mit einem Thema sachlich auseinander setzen. Ich finde auch nicht, dass Merkels »nicht auf den Tisch hauen tun« eher ein »nicht auf den Tisch hauen können« ist, weil sie selten bei wichtigen Themen offen eine Meinung vertritt. Stattdessen schaut sie gebannt auf das Fähnchen im Wind. Sie verwaltet Deutschland, gestaltet aber nichts.

    Die Austeritätspolitik ist eine Folge dieser Einstellung: statt Europa entsprechend aktiv umzugestalten wird von Gipfel zu Gipfel gedacht und agiert, man sträubt sich gegen Unausweichliches bis es nicht länger geht und sagt dann nur »wir waren zwar dagegen, aber wir können da nichts mehr machen«.

  84. Ich würde die Frage gar nicht stellen. Da liegt wohl auch die Fundamentalschwäche in meiner Argumentation. Meine Kritik ist halt sehr fundamental. Ich würde sagen, die ganze CDU ist das Problem und die SPD würde ich mit dazu nehmen. Kristina Schröder ist auf ihre Weise furchtbar – Aber wer hat sie ins Amt berufen? Ursula von der Leyen, da bin ich sehr ambivalent. Ich habe noch überlegt, was denn eine feministische Republik wäre? Für mich eine Republik in der Entscheidungen und Kommunikation so funktioniert, dass materielle und ideelle Freiräume zum Abbau von Ausschlüssen und Ausgrenzungen geschaffen werden. Materielle Freiräume heißt, dass die Menschen überhaupt an Bildung kommen, die davon ausgeschlossen sind, und diejenigen, die sie haben,sich so sicher in ihrer Existenz fühlen, dass sie sich auch was zu fordern trauen auf der Grundlage ihres Wissens. Ideelle Freiräume heißt, dass wir kontroverse Diskussionen führen, auch Paradoxien und Unlösbarkeiten zulassen, auf jeden Fall erstmal die Dinge benennen und uns Neues zu denken trauen. Frau Merkels Politik zielt vom Inhalt her darauf ab, materielle Freiräume immer kleiner zu machen (Prekarisierung), ihr Kommunikationsstil der Nichtbenennung der Dinge ist auch auf der ideellen Ebene ein schlechtes Vorbild. Genau wie der aggressive, dem anderen aktiv offensiv das Wort verbietende führt ihre Strategie genauso dazu, dass die Dinge nicht besprochen werden können, ich mit meinem Anliegen nicht gehört werde.

  85. @onkelmaike
    Kurzer Kommentar zu unserer Verteidigungsministerin: vielleicht sagt uns dass bloß, dass man und frau nicht den Fehler machen sollten und bestimmte Positionen zu stark an ein Geschlecht zu koppeln. Nur weil eine Frau Verteidigungs- oder Außenministerin wird (Hillary Clinton), wird die Welt nicht unbedingt friedlicher.

    @Antje Schrupp
    Ja, definitiv, aber das hat meiner Meinung nach nichts mit ihrem Geschlecht zu tun. Wie gesagt, ich finde, sie hat sich einen Teil ihres Politikstil von Helmut Kohl abgeguckt. Im Unterschied zu Merkel hat beispielsweise Frau von der Leyen zum Ausdruck gebracht, dass sie vom Betreuungsgeld nichts hält und nur widerwillig an der Umsetzung mitarbeitet. Die beste Ministerin der letzten Regierung war, finde ich, Frau Leuthäuser-Schnarrenberger. Ihre Haltung habe ich wegen ihrer Biographie (Stichwort großer Lauschangriff) als glaubhaft empfunden und sie sowohl öffentlich als auch hinter verschlossenen Türen für das einsteht, an das sie glaubt.

  86. Liebe Antje Schrupp,
    auch ich schleiche schon ewig um diesen Beitrag. onkelmaikes Sichtweise teile ich. Angela Merkel gestaltet nicht, sie verwaltet, sie verwaltet auch ihre Macht. Und letzteres scheint sie sehr geschickt zu tun.
    Sie scheint andere Frauen gerne in Ämter zu bringen, aus welchen Gründen auch immer. Der Verdienst der Merkel-Kanzlerschaft ist, dass Frauen als Spitzenpolitikerinnen selbstverständlich geworden sind. Ich halte dies für einen großen Schritt.

    Hier schrieb jemand, es würde nicht darum gehen, überhaupt mehr Frauen in die Politik zu bringen, sondern um mehr weibliche Politik. Ich glaube nicht an „weibliche Politik“, aber ich finde Teilhabe am politischen Geschehen ist ein Grundrecht. Mein Arbeitsumfeld liegt im ländlichen Bayern, ich arbeite mit vielen kommunalen Gremien und sehe größere Unterschiede in Politikstil und Inhalten innerhalb der Gruppe Männer oder der Gruppe Frauen als zwischen Männern und Frauen.

    In CSU-Kreisen fällt mir auf, wie Frauen, die als Status-niedrig eingeschätzt werden, auch Status-niedrig agieren, aber dennoch großen Einfluss gewinnen. Um Ämter zu gewinnen, ist es wichtig, Beziehungen zu pflegen, fachliche Kompetenz ist nicht gefragt. Eine Freundin meint beobachtet zu haben, dass in der CSU vor allem Frauen gefördert werden, die fotogen sind. Meines Erachtens reagieren die konservativen Parteien darauf, dass Frauen zu einem selbstverständlichen Teil der medialen Darstellung einer Partei geworden sind. Interessant wäre, welche Impulse dann von den Frauen tatsächlich ausgehen. Dennoch gibt es erstmals gute Chancen für Frauen, auf gute Ämter, auf Einfluss. Und ja, es gibt genug Frauen, die wollen.

    Vielleicht ist es diese Diskrepanz von Macht und Haltung, die an Angela Merkel irritiert, die sie schwer fassbar macht, aber auch Projektionsfläche bietet, Merkel wäre bescheiden, sachlich etc.
    Ob sie schlimmer als andere Unionsfrauen ist? Keine Ahnung. Ihr Machtspiel erinnert mich eher an Kadermikado kommunistischer Regime.

    Wenn die Idee ist, Politik soll sachorientiert, transparent sein, sich in der Auseinandersetzung, im Diskurs entwickeln, sollten wir es auch so passend wie möglich formulieren. Eine Sehnsucht nach einer solchen Politik gibt es über alle Geschlechter hinweg.

  87. @onkielmaike – Ja, da haben wir dann aber ganz verschiedene Fragestellungen. Was in einer idealen Welt eine feministische Republik wäre, wäre eher Thema für einen Science Fiction. Mein Interesse an Merkel bzw. den aktiven Politikerinnen in den heutige Parteien und Strukturen ist, was einzelne Frauen, die sich in diesen Strukturen erfolgreich betätigen wollen, tun können angesichts der Verhältnisse und Gegebenheiten, die sie nunmal dort vorfinden. Und diesbezüglich halte ich Merkel für ein Vorbild. Von daher bin ich mir sehr sicher, dass Merkel z.B. kontroverse Diskussionen führt, nur eben nicht medienwirksam in der Presse.

  88. @Antje
    Den Einwand der verschiedenen Fragestellungen kann ich nicht so ganz von der Hand weisen und habe ein bisschen schlechtes Gewissen wegen „Thema verfehlt“ Andererseits gibt es für mich eine Verbindung zwischen den Fragen. Du siehst Merkel als Vorbild, nicht wegen ihrer Inhalte, sondern wegen ihrer Methode, ihrer Machttechnik, wenn ich es richtig verstanden habe. Mir scheint das ein „leerer“ Erfolg zu sein, wenn dann zwar viele (auch noch die, die dann von Merkel gelernt haben) Frauen an der Macht sind, die dann aber keine Frauenpolitik mehr machen. Wobei ich auch gar nicht von Frauenpolitik sprechen würde, sondern eher intersektional denken. Das werden vorrangig Damen der Mittelschicht sein, die deren Interessen vertreten und andere ausgrenzen. (Vielleicht hab ich ein schlichtes Weltbild). Was diese Frauen anbelangt, bin ich übrigens recht optimistisch, und gehe sehr davon aus, dass die niemand mehr aufhalten kann. (Mein Bezugspunkt im Denken ist immer der universitäre Bereich, weil ich da momentan beruflich tätig bin. Ich glaube, dass in 10-15 Jahren sich die Professorinnenquoten erheblich verbessert haben werden – auch wenn sich jetzt noch erbitterter Widerstand regt) und übertrage dies einfach auf die Politik.
    Kurz möchte ich noch was sagen zu Deiner Anmerkung, meine Überlegungen wäre dann eher was für Science Fiction. Ich sehe den Punkt und würde da gerne auch mein Denken noch etwas überwinden. Andererseits sehe ich meine Forderungen, die ich aber konkreter skizzieren müsste und mit Deiner Fragestellung, wie Frauen sich in real existierenden Strukturen erfolgreich betätigen können, zusammenbringen müsste, nicht als Science Fiction, sondern als Notwendigkeit an. Vielleicht bin ich zu pessimistisch, aber ich denke wir brauchen in der Politik, inhaltlich und formell einen Paradigmenwechsel, sonst sehe ich ziemlich schwarz für alle emanzipativen Prozesse. Ein Beispiel: Wir haben einen zunehmenden Ausschluss unterprivilegierter Menschen an der demokratischen Partizipation, weil diese Menschen überproportional nicht mehr wählen gehen, weil sie überhaupt keine Hoffnung haben, dass die Politik überhaupt noch was mit ihnen zu tun hat. Oder eben NSA, da wird das für die Demokratie essentielle Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung einfach faktisch abgeschafft und fast niemand wehrt sich dagegen. Da kann es mich nicht richtig trösten, wenn dass alles unter einem Kabinett mit fünfzig Prozent Frauen (könnte das nicht schon nach der nächsten Bundestagswahl erreicht werden, im Falle von Rot-Rot-Grün?) passiert.

  89. @Spielwiese
    Danke, dass Du uns einen interessanten Einblick in die Lokalpolitik gewährst. Ich würde Dir gerne zwei Fragen stellen:

    Erste Frage: Du schreibt, dass viele Deiner Kolleginnen unter dem männlichen Radar fliegen. Machen sie das bewusst oder kommen so nur Frauen hoch, die einfach von der Persönlichkeit her so gestrickt sind? (Angela Merkel flog ja auch lange Zeit unter dem Radar ihrer männlichen Parteikollegen.)

    Zweite Frage: Meist ist es so, dass Politiker höhere Ämter nicht wegen ihrer fachlichen Qualifikation bekommen, sondern weil sie eben eine gewisse Machtstufe erreicht haben. Sind die Frauen, mit denen Du in der politischen Tätigkeit zu tun hast, im Schnitt besser *fachlich* qualifiziert als ihre männlichen Kollegen?

  90. @japanjedi
    oh, da habe ich mich unklar ausgedrückt! Ich bin keine Kommunalpolitikerin und war auch noch nie auf einem CSU-Kränzchen mit Kandidatinnen-Kür. Ich berate Kommunen und leite Projekte zur Entwicklung von Städten, Dörfern und Regionen. In dieser Rolle bereite ich Entscheidungen der diversen Gremien vor, zum Beispiel.

    zu 1: ja, ich denke, Merkel wurde nicht ernst genommen und galt als ungefährlich. Ob es Teil der Persönlichkeit ist, einen Willen zur Macht, das Knüpfen von Beziehungen und Durchsetzungskraft zu verbergen, wenn so die Ziele leichter erreicht werden können? Es war unter den gegebenen Umständen geschickt, nicht? Die Frage ist eher, ob harmlose oder harmlos wirkende Frauen in allen Parteien ausgewählt werden, oder in Parteien, in denen Kandidaten von einem Männerbündnis gemacht werden? So tritt Frau von der Leyen sehr viel konfrontativer auf, auch wie ein Gegengewicht zu Merkel.

    zu 2: kein Politiker erhält ein Amt aufgrund einer fachlichen Qualifikation. Einen Politiker qualifiziert, zumindest im kommunalen Bereich, Mehrheiten beschaffen zu können, Zusammenhänge rasch zu erkennen, Strömungen wahrzunehmen, tragfähige Entscheidungen zu treffen. Für die eigene Partei: Wahlen zu gewinnen und Macht zu sichern. Fachlich arbeitet der Verwaltungsapparat, mit externen Experten. Politikerinnen und Politiker, die diesen Apparat verstehen und bedienen können, sind da im Vorteil.
    Die meisten Sitzungen eines Stadtrates oder Kreistages sind öffentlich. Ich empfehle, eine Sitzung zu besuchen, in der ein Gegenstand des eigenen Fachbereiches behandelt wird, um sich ein Urteil zu bilden, wie qualifiziert einzelne Beiträge sind.

  91. @Spielwiese
    Danke für Deine Antwort auf meine Fragen. Ich habe Dich tatsächlich falsch verstanden und dachte, Du wärest aktiv in der Kommunalpolitik tätig.

  92. @Spielwiese:
    „Wenn die Idee ist, Politik soll sachorientiert, transparent sein, sich in der Auseinandersetzung, im Diskurs entwickeln, sollten wir es auch so passend wie möglich formulieren. Eine Sehnsucht nach einer solchen Politik gibt es über alle Geschlechter hinweg.“

    Sehr schön zusammengefasst, das finde ich toll!

  93. Das Private ist politisch!
    Jede Frau macht in ihrem Leben Erfahrungen mit Männern und Frauen.
    und daraus läßt sich, wie aus einem Spiegel lesen welche Politik daraus
    entsteht.
    ein Beispiel: ich liebe meine Mutter. Doch die gesellschaftliche und politische
    Sozialisation wollte, daß die Tochter einen, der Familie fremden Mann
    heiratet. Das ist absurd, aber alltäglich normal.
    Weibliche Politik wäre für mich deshalb: Die Mutter-Tochter-Beziehung zu
    stärken, ökumenisch unabhängig eines vermeintlichen „Ernährers“ zu machen.
    Mehr Freiheit für die Frauen mit Ihren Kindern so zu leben, wie Sie es wollen.

  94. Zitiere aus einem Gespräch (18.07.2013) mit dem Kulturwissenschaftler Harald Welzer:

    <>

    „Sie ist auf jeden Fall [kursiv]die [normal] Politikerin dieser Zeit. An ihr ist der geistige Zustand dieser Gesellschaft, das verbreitete Alltagsbewusstsein relativ gut ablesbar. Der Kreisverkehr wird als Sachzwang akzeptiert, das ist doch Merkels Hauptbotschaft. Deshalb wird sie die Wahl auch gewinnen, ob elegant oder mühevoll, das sei dahingestellt. Dass sie so viel Anklang findet, das kann aber auch nicht überraschen. Denn wer kann sich schon vorstellen, wie eine grundsätzlich andere Politik aussehen könnte, die aus diesem Kreisverkehr hinaus und in eine vielversprechende Zukunft zu führen vermag? Und unterstellen wir, die Menschen würden diese neue Politik kennen, dann hätten sie Angst, dass sie auf diesen neuen Wegen das, was sie besitzen, verlieren, wenigstens einen Teil davon. Merkel wird am ehesten zugetraut, dass sie die heutigen Besitztümer zu schützen vermag.“

  95. Genau das ist es, was ich kritisiere und fürchte: Frau funktioniert im vorherrschenden System sehr fleißig und reibungslos!
    „Als eine der ersten Maßnahmen plant von der Leyen den Ausbau der Kinderbetreuung in den Kasernen. „Wir brauchen ein flexibles System der Kinderbetreuung rund um die Bundeswehr», so die Ministerin. «Wir sollten gerade für die Betreuung in Randzeiten sehr viel stärker mit Tagesmüttern arbeiten. Denn das ist eine besonders flexible Form der Kinderbetreuung und wir haben den großen Vorteil, dass es in vielen Kasernen den Platz dafür gibt.“
    http://www.fr-online.de/politik/verteidigungsministerin-bundeswehr-truppe-soll-familienfreundlicher-werden,1472596,25859304.html

    Vielleicht täusche ich mich aber auch und Frau v. d. Leyens Anliegen ist es, die Kinderbetreuung rund um die Bundeswehr in ganz besonderem Maße zu (H)Orten gewaltfreier Konfliktlösung auszubauen, im Sinne von „Frieden schaffen ohne Waffen“. 🙂

  96. Liebe Frau Schrupp, ich finde den Differenzfeminismus großartig! Zwar hab ich auch hin und wieder Probleme damit, das nicht auf Stereotype zu beziehen, aber ich sehe keinen Ausschluss von „etwas als frau sagen“ und fachlichkeit, denn das würde ja mit vorraussetzen, dass männer ihre person aus sachfragen heraushalten, was nicht stimmen kann, da sie auch als person die dinge sehen. und als frau bringe ich andere erfahrungen mit als männer, die auf meine entscheidungen einfluss haben. dabei muss mir das nicht immer bewusst sein, eine entscheidung kann mir als die neutralste der welt vorkommen. männern geht es nicht anders, aber ihr eindruck von neutralität wurde zum standard erhoben, und deshalb die scheu weibliches denken als „legitimen“ zugang zu einer sache zu betrachten. Natürlich gibt es viele überschneidungen zwischen männern und frauen, aber auch abweichungen und da nicht ganz klar ist, was was ist und da es die positionen mann und frau gibt (die, auch wenn andere anerkannt werden, ja nicht unbedingt abgeschafft werden sollen), den innerhalb der positionen vorkommenden Denkprozessen mal das label der Position zu geben nicht falsch.(dabei kann „frau“ selbst eine menge an unterschiedlichen psoitionen beinhalten). Vielleicht habe ich den Differenzfeminismus auch falsch verstanden?

  97. *Freu*! Habe heute eine Filmreihe zu Frauen, die filme machen besucht. Eine Zuhörerin meinte, dass „Frau“ immer eine Fremdbestimmung ist. ich glaube diese Ansicht ist auch weit verbreitet, was vielleicht auch ein hinderungsgrund ist, nach weiblichem denken zu fragen.

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