Raus aus der Defensive!

… unter dieser Überschrift ist soeben ein längerer Text von mir in der Zeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“ erschienen. Es geht um die Unterscheidung zwischen „gutem“ und „bösem“ Feminismus, über Meta-Debatten und Medien und was nun wichtig wäre, zu tun.

Und bei „Fisch und Fleisch“ erkläre ich heute morgen, was „Mansplaining ist.

6 Gedanken zu „Raus aus der Defensive!

  1. Habe den Text gelesen und merke: Wenn ich nach Gesellschaftskritik suche, die mehr meint als nur Gleichberechtigung, suche ich nicht mehr in feministischen Kreisen, sondern anderswo.

  2. Erst einmal möchte ich dir für deine Geduld danken, mit der du meine Kommentare freischaltest, auch die kritischen, auch die, über die ich wenig nachgedacht habe und die ich nur poste, um die Kommentare abonnieren zu können.

    Deinen Text zum Thema Mansplaining habe ich auch gelesen. Ich erlebe das vor allem, wenn ich erzähle, dass ich Physik studiert habe. Dann versuchen die Männer in meiner Umgebung mir zu zeigen, wie viel sie wissen. Manchmal lasse ich mich sogar beeindrucken, etwa als einer behauptete, der Jupiter bestehe aus Kohlenstoff (immerhin beeindruckte er mich so sehr, dass ich mich noch einmal im Internet vergewisserte, dass es keine neuen Forschungsergebnisse gibt.) Als ich ihm beim nächsten Mal sagte, dass er kompletten Unsinn erzählt hatte und dass der Jupiter aus Wasserstoff besteht, wollte er mir nicht glauben und auch erst mal im Internet nachlesen.

    Was deinen Artikel in den Blättern anbelangt, so habe ich jetzt etwas mehr nachgedacht und kann etwas besser sagen, wo ich Probleme habe, nämlich bei der Unterteilung in angepassten und nicht angepassten Feminismus. Ich habe versucht, eine Bezeichnung zu finden, die nicht sofort wertet – ob man es gut findet, wenn jemand angepasst ist oder nicht, hängt vom Standpunkt ab. Du findest den nicht angepassten besser, die Mainstream-Medien finden normalerweise den angepassten Feminismus besser. Beim Lesen deines Textes habe ich allerdings gemerkt, dass ich mit dieser Kategorisierung Schwierigkeiten habe. Ich bilde mir ein, dass ich, wenn ich mich versuche herauszufinden, welche feministischen Positionen ich teilen kann und welche nicht, nicht danach gehe, ob etwas zu angepasst oder nicht angepasst genug ist. Manche Positionen halte ich tatsächlich für „überspannt“, aber ich lehne sie nicht deswegen ab, weil ich Angst hätte, nicht vom Mainstream akzeptiert zu werden, wenn ich sie nicht ablehne, und unter „überspannt“ verstehe ich auch nicht „zu weitgehend“, sondern einen bestimmten Zustand geistiger und emotionaler Anspannung, den ich auch an mir selbst kenne, der kritischem Denken und Selbstreflexion aber nicht förderlich ist.

    Ich bin zur Zeit auf der Suche nach Positionen, die sich durchaus als antirassistisch und feministisch und gegen Homophobie verstehen, daneben aber auch als antisemitismuskritisch, und die aus einer solchen Position heraus die gängigen vom Poststrukturalismus geprägten Formen der Kritik an Rassismus, Feminismus, Homophobie und leider auch Zionismus kritisieren. Meistens sind das Ansätze, die sich auf die Kritische Theorie beziehen. Ich würde diese jetzt nicht als „angepasst“ bezeichnen, im Gegenteil, sie sind doppelt unangepasst: Sie passen nicht in den Mainstream, und sie passen nicht in den Mainstream von dem, was zur Zeit als links gilt, auch an den Universitäten, wo es manche Vertreter_Innen dieser poststrukturalistischen Theorien (von denen ich nicht weiß, ob sie in Wirklichkeit nicht rechts sind, oder an einem merkwürdigen Punkt, wo sich rechts und links treffen) mittlerweile zu Lehrstühlen gebracht haben. (Insofern kann ich meinen ersten Kommentar nun auch konkretisieren: Ansätze, die sich auf kritische Theorie beziehen, nicht feministische Ansätze, sind zur Zeit das, was mich interessiert, wobei ich nicht weiß, ob sich aus diesem Interesse Ansätze für eine bessere Gesellschaft ergeben werden – ich vermute eher nicht.)

    Weiter unten in deinem Text schreibst du, dass die Grenze zwischen „gutem“ und „bösem“ Feminismus fließend sei. Das Kriterium ist aber wieder Angepasstheit an die Medien. Jemand, die erst Anstoß erregt hat, kann nach einer Weile eine gefragte Interviewpartnerin sein.

    Diskutieren und kritisieren verschiedener Ansätze – gerne. Vielleicht interessiere ich mich einfach zu wenig für Mainstream-Medien.

  3. @susanna14 – Wieso sollte ich deine Kommentare nicht freischalten? Sie sind doch immer ernsthaft, mein Kriterium ist ja nicht, ob jemand mit meinen Thesen einverstanden ist, das wäre ja eine sehr langweilige Diskussion.

    Zum nicht-angepassten Feminismus: Ich habe eigentlich nicht sagen wollen, dass der „besser“ ist, sondern dass er wichtiger ist für gesellschaftliche Transformationsprozesse (wenn man denn welche will). Ich stimme dir völlig zu, dass die Unterscheidung zwischen „angepasst“ und „nicht angepasst“ keine Qualitätsaussage für die vertretenen Inhalte sind bzw. dass das einen Einfuss auf die eigene Meinung dazu haben sollte. Mir ging es eher um eine Analyse der Mechanismen, die in der öffentlichen Debatte dazu wirken und die bedeuten, manche Positionen per se als „indiskutabel“ aus dem Diskurs auszuschließen – also schon an einem Punkt, wo es eben noch gar nicht um eine kritische Auseinandersetzung geht. Von daher finde ich deinen Kommentar als Ergänzung zu meinem Artikel, nicht als Widerspruch. Ich kann das voll und ganz unterschreiben .

  4. Zum Mansplaining:

    Ich weiß zwar, was du damit meinst, und könnte auch Beispiele erzählen. Aber es kam ja doch nicht so ganz rüber, wie man es erkennt und abgrenzt (und wie du selbst in einer Antwort schreibst, inwieweit die Unterscheidung der Arroganzformen überhaupt sinnvoll ist).

    Vielleicht muss man es erlebt haben, um es zu erkennen und – so ungefähr – eingrenzen zu können? Immerhin stimmt es ja, dass es ganz ähnliche Verhaltensweisen auch bei Frauen gibt.

    Strenggläubige Atheistinnen aus der Skeptiker-Szene treten z.B. so auf, da gibt es auch keine Meinungen, sondern es wird oft so getan, als sei alles Relevante komplett bewiesen oder widerlegt oder eben irrelevant. Und für manche Butler-treue Feministin ist alles ein soziales Konstrukt, nur die Thesen der Gender-Studies und der befreundeten Strömungen nicht, die sind dann Wissenschaft und quasi die Wahrheit, die den benötigten ideologischen Halt gibt.

  5. Ein weiterer Versuch differenziert zu verstehen, gut und herzlichen Dank fuer den Ansatz. Ich frag mich erneut wo beim Mansplaining sich deskriptive Betrachtung und Ursache trennen… das Mann(tm) sich gern produzierend, stark, wissender als Frau(tm) produziert mag deskriptiv zu der These fuehren, das es am Mann(tm) sein ursaechlich haengt, oder am Frau(tm)sein des gegenüber. Aber ist es auch ursaechlich? Oder liegt es an eigener Unsicherheit, Dreistigkeit etc des Individuums? Ne Idee?

  6. @Magnus – Kommt drauf an, was du unter „ursächlich“ verstehst. „Ursächlich“ im Sinne, dass die männliche Biologie zwangsläufig dazu führt sicher nicht. „Ursächlich“ in dem Sinn, dass die gesellschaftliche Konstruktion von „Männlichkeit“ ein solches Verhalten vorsieht, durchaus. Ein Mann, der sich auf diese Weise verhält, tut das, um mit einem bestimmten Bild von Männlichkeit konform zu sein und bekräftigt genau dieses Bild dadurch auch wieder. Ich glaube nicht, dass es ausschließlich individuelles (Fehl)-Verhalten ist, was aber natürlich nicht bedeutet, dass Männer sich nicht auch anders verhalten können. Aber es geht nie nur um den Einzelfall, sondern es spielen eben immer gesellschaftliche Vorstellungen von „Männlichkeit“ eine Rolle.

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