Da ich schon mal beim Nachdenken bin über das, was politische Verantwortung bedeutet, hier noch ein anderer Punkt. Ich bekomme öfter mal Mails oder Kommentare, in denen sowas steht wie „Der Feminismus müsste mal das und das tun“. Dabei frage ich mich dann natürlich immer, wer dieser „Der Feminismus“ eigentlich sein soll. Die naheliegende Antwort auf so was ist wohl: Wenn das und das deiner Meinung nach getan werden muss – ja, warum tust du es dann nicht?
In gewisser Weise sind solche Anregungen eine netter formulierte Unterform der beliebten Argumentationsfigur: „Wenn der Feminismus nur dieses oder jenes (nicht) tun würde, dann wäre er besser, dann würde ich mich vielleicht auch Feministin nennen, dann wäre ich nicht mehr dagegen“ usw. Darin spiegelt sich die merkwürdige Haltung wider, Politik in der Logik von Werbung und Verkaufen zu interpretieren. „Wenn der Feminismus so und so (nicht) wäre, dann würde ich ihn vielleicht kaufen, dann könntet Ihr mich als Kund_in gewinnen.“
Und tatsächlich ist das ja nur ein Spiegel davon, wie sich der Raum des Politischen seit längerem tatsächlich präsentiert – das Phänomen lässt sich durchaus auf andere politische Bewegungen übertragen. Parteien oder politische Bewegungen stehen quasi wie auf dem Verkaufsregal, und wer die eingängigsten Versprechen oder auch nur die hübscheren Gesichter und die knalligsten Slogans hat, wird gewählt. Und wer nicht gewählt wird, hat sich wahrscheinlich nicht gut genug „vermarktet“.
Allerdings ist es doch eigentlich so: Wenn ich zum Beispiel der Ansicht bin, dass mit dem Verhältnis der Geschlechter so manches im Argen liegt, dann muss ich halt etwas tun, um die Dinge zu verbessern, also „Feministin werden“ (ob man das dann so nennt oder nicht). Auch wenn mir das, was andere Feministinnen tun, vielleicht nicht vollumfänglich zusagt. Oder eigentlich, gerade wenn mir das, was andere Feministinnen tun, nicht vollumfänglich zusagt.
Jedenfalls kann ich mich nicht drauf herausreden, dass ich mich ja prinzipiell für das Thema engagieren würde, aber es mir der aktuelle Stand des Feminismus leider unmöglich macht. „Wenn Ihr euch so abschreckend verhaltet, dann müsst ihr euch nicht wundern, wenn so viele Leute mit dem Feminismus nichts anfangen können.“ Doch, wir wundern uns. Denn wir haben keinen Joghurt zu verkaufen, wir machen Politik.
Für das eigene politische Handeln (oder Unterlassen) ist jeder und jede selbst verantwortlich. Und wer ungerechte Verhältnisse hinnimmt, ohne sich zu engagieren, soll doch bitte einfach zu dieser Ignoranz stehen – und nicht anderen dafür die Verantwortung zuschieben.

Was meinst du?