Woher kommt die Ignoranz in Bezug auf feministische Ideen?

Feministin sein ist fast immer schön – ich schreibe das nach einem intensiven und ertragreichen Wochenende mit Denkfreundinnen – aber gleichzeitig auch immer wieder frustrierend. Der frustrierende Teil bezieht sich für mich dabei weniger auf so lächerliche Sachen wie rosa Bratwürste oder den mühsamen alltäglichen Kulturwandel oder auf tatsächlich schwierige Prozesse wie die Aushandlung interkultureller Differenzen in Bezug auf die Geschlechterdifferenz. Solche Hindernisse gehören zu einem politischen Aktivismus dazu.

Mein wirklicher Frust (und ich glaube, es geht anderen Feministinnen ähnlich) ist die undurchdringliche Ignoranz der männlichen Kultur – und tatsächlich eben auch vieler Männer aus Fleisch und Blut – in Bezug auf feministische Inhalte.

Manche von uns machen sich immer mal wieder die Mühe, an der einen oder anderen Stelle den Konflikt auszutragen. Eine Freundin zum Beispiel schrieb kürzlich an den Wirtschaftsredakteur einer großen Zeitung und fragte ihn, warum er in seiner Kritik an der Mainstream-Ökonomie eigentlich keine einzige Ökonomin zitiere, sondern nur Texte von Männern. Seine Antwort war so nett wie aufschlussreich: „Ich muss leider bekennen, dass ich die feministisch-ökonomische Literatur nicht genug kenne, um Fundiertes dazu sagen zu können. Ursache ist nicht Geringschätzung, sondern dass ich einfach nicht in allen wichtigen Themen vorne mit dabei sein kann. In Sachen Gleichberechtigung stimmt immerhin auch ohne mein Zutun die Richtung. In den Fragen, für die ich mich besonders engagiere, geht es in die falsche Richtung.“

Das Schema ist ein Altbekanntes: Die meisten Männer glauben, dass es bei feministischer Theorie ausschließlich um „Gleichberechtigung“ gehe, und sie kommen gar nicht auf die Idee, dass sie dort vielleicht Anregungen und Inspiration für alle möglichen anderen Dinge finden könnten, zum Beispiel eben für eine Kritik an der Mainstream-Ökonomie oder was immer es für Themen sind, an denen sie selber gerade arbeiten.

Es sind nicht die mittelmäßigen Krawallmacher, um die es mir dabei geht, die mit billiger „Feminismuskritik“ ein paar schnelle Klicks generieren wollen oder als Ritter gegen einen von ihnen herbeifantasierten Genderwahn das Abendland vor dem Untergang bewahren müssen. Das sind politische Gegner, mit solchen muss man leben.

Es geht mir vielmehr um die eigentlich Wohlwollenden, diejenigen, die in ihrer Selbstwahrnehmung nichts gegen Feminismus an und für sich haben. Und die oft eigentlich auch klug sind, bis auf diesen einen blinden Fleck eben. Ich verstehe nicht, woher der kommt.

Kürzlich war ich zum Beispiel bei einer Veranstaltung mit einem recht bekannten deutschen Intellektuellen, den ich sehr schätze, dessen Texte ich oft sehr gut und inspirierend finde. Und er hielt auch wieder einen klugen Vortrag, bei dem ich viel Neues lernte. Bis dann diese Stelle kam, vor der ich mich schon regelmäßig fürchte (weil sie leider inzwischen fast mit Sicherheit kommt).

In diesem Fall sprach er im Lauf seiner Rede unter anderem über Maria, darüber, wie wichtig diese Figur für die westliche Kultur sei, und regte an, dass man sich mehr mit ihr beschäftigen sollte. Und sagte dann, in einem Nebensatz: Nicht einmal die feministische Theologie würde sich ja so richtig mit Maria beschäftigen, sondern sich stattdessen lieber darauf kaprizieren, die deutsche Sprache zu verhunzen (womit er vermutlich die Bibel in gerechter Sprache meinte). Natürlich erntete er dafür prompt die vorhersehbaren Lacher aus dem linksintellektuellen, sich fortschrittlich findenden Publikum.

Nur ist es halt aber so, dass die feministische Theologie eine bibliotheksfüllende Literatur über Maria hervorgebracht hat. Zu behaupten, feministische Theologinnen würden sich für Maria nicht interessieren, ist so ungefähr das Uninformierteste, was sich über das Thema sagen lässt. Bei jedem anderen Gegenstand könnte sich kein Intellektueller eine so eklatante Offenbarung seiner Unkenntnis leisten, ohne vom Publikum ausgelacht zu werden.

Aber in Bezug auf feministische Theorie ist Ahnungslosigkeit eben kein Makel, sondern scheint im Gegenteil fast schon eine Art kultureller Code zu sein, mit dem sich Zugehörigkeit zu den „ernst zu nehmenden Kreisen“ der Debatte markieren lässt. Distinktionsgewinn durch demonstratives Zelebrieren von Desinteresse. Es ist schick, von Feminismus keine Ahnung zu haben, das kann man quasi wie einen Orden vor sich hertragen.

Hinterher stand ich noch mit einigen anderen feministischen Theologinnen zusammen, und wir stellten fest, dass keine von uns Lust gehabt hatte, dazu überhaupt noch etwas zu sagen. Weder in der anschließenden Diskussion mit dem Vortragenden, noch zu unseren Sitznachbarn, die zu der Szene ihre beifälligen Lacher beigesteuert hatten. Es ist nämlich bereits alles gesagt.

Aber ich kann es nicht verstehen. Warum lesen Männer, die nach Alternativen zur Mainstream-Ökonomie suchen, keine feministische Ökonomiekritik? Warum wissen Männer, die sich für Maria interessieren, nichts über all die feministisch-theologischen Forschungen zu Maria? Das heißt doch nicht, dass sie allem, was sie da lesen würden, zustimmen müssten (was auch ganz unmöglich wäre, weil feministische Theologinnen sich über Maria ja ebenso uneins sind wie feministische Ökonominnen eine Vielzahl unterschiedlicher bis gegensätzlicher Theorien und Ansätze hervorgebracht haben). Sondern sie könnten doch die dort entwickelten Forschungsergebnisse und Diskussionsbeiträge in ihre Überlegungen einbeziehen, sie kritisch diskutieren, meinetwegen auch widerlegen, um dann von dieser Basis aus weiterzudenken? Müsste das denn nicht in ihrem eigenen Interesse sein?

Nein, ich kann es nicht verstehen.

(Ina Praetorius hat auch schon einmal was zu dem Thema geschrieben)

58 Gedanken zu „Woher kommt die Ignoranz in Bezug auf feministische Ideen?

  1. Hallo,
    ich möchte gar nicht groß streiten oder diskutieren, denn im Kern stimme ich ihnen zu. Mir sind nur zwei Dinge aufgefallen, die ich anmerken möchte. Auf mich wirkte ihr Text gerade, als wäre dies ein Problem bei Männern. Vielleicht ist auch nur mein Eindruck falsch und ihnen ist sicherlich klar, dass es ebenso genügend Frauen gibt, die z.B. bei wissenschaftlichen Arbeiten ausschließlich mit der Mainstreamliteratur arbeiten und feministische Arbeiten ignorieren. So erlebe ich es zumindest regelmäßig an der Uni.
    Außerdem verweisen sie auf eine Bibel in gerechter Sprache. Gleichzeitig schreiben sie aber stets von „Feministinnen“ und „Denkfreundinnen“. Ich bin ganz sicherlich kein Experte, was gerechte Sprache angeht, jedoch kenne ich einige Männer, die sich selbst als „Feministen“ betrachten und sich entsprechen engagieren. Da wäre es doch nur schön und gerecht, diese Herren mit einzubeziehen.
    Ich wünsche noch einen schönen Tag.

  2. Ich finde es eher interessant, daß der Redakteur davon ausgeht, daß Ökonomin gleichzusetzen sei mit feministischer Ökonomie? Elinor Ostrom, z.B., war sicher Ökonomin, vielleicht Feministin, aber eher keine feministische Ökonomin.

    Darüber hinaus kann ich da nur für mich selbst sprechen, aber ich habe nach durchaus intensiver Beschäftigung mit den philosophischen Grundlagen des akademischen Feminismus entschieden, daß ich die meisten seiner axiomatischen Annahmen schlicht für unvertretbar halte. Auf der anderen Seite der feministischen Analyse mag es dann zwar zu vielen Einzelaspekten sinnvolle und intuitiv auch korrekte Wahrnehmungen und Äußerungen geben – die sicher Beachtung verdient haben -, aber für umfassendes, strukturelles, theoretisches „Ernstnehmen“ muß man halt die Axiomatik/Glaubenssätze akzeptieren.

  3. also wenn ich mal von mir selbst ausgehe (ich würde mich durchaus zu „denen, die es gut meinen“ dazuzählen)

    – für mich haftet jeder „-istischen“ Wissenschaft der Verdacht an, aus einseitiger Perspektive zu arbeiten und alles unter einem Gesichtspunkt abzuhandeln. Oft lässt dieser sich sogar als ein Schlüsselbegriff ausmachen. Was dem Marxismus der Kapitalismus, ist dem Feminismus das Patriarchat. Das Problem hat beispielsweise die feministische Kriminologie, die einige Erkenntnisse hervorgebracht hat, allerdings alles, was Kriminalität zu tun hat, in Hinblick auf Geschlecht untersucht und dabei soziale, psychische, erzieherische, biografische und biologische Faktoren unter den Tisch fallen lässt.

    – feministische Theologie/Ökonomie/Kriminologie etc. – und dabei handelt es sich zugegebermaßen um ein Vorurteil von mir, was nicht stimmen muss – sind mehr Feminismus als [Fach XY]. Zumindest funktioniert feministische Ökonomie m. M. n. nicht ohne Feminismus, überspitzt ausgedrückt: man muss wohl Feminist sein und feministische Grundannahmen teilen, um einen Zugang dazu zu bekommen. Die bloße Anzahl feministischer Literatur ist da für sich gesehen keine Errungenschaft – auch ganze Bibliotheken hauen jemanden nicht vom Hocker, der die Grundannahmen all dieser Werke nicht teilt.

    – Mein (zugeben oberflächliches) Fazit über feministische Literatur ist, dass bei feministischer Wissenschaft „erstaunlicherweise“ immer das rauskommt, was Feministinnen gelegen kommt. Das Problem ist hierbei das „immer“, denn wenn jemand immer das Ergebnis bekommt, was in sein/ihr Weltbild passt, ist das für mich ein Grund, an der Ergebnisoffenheit zu zweifeln, die zu Wissenschaftlichkeit gehört.

    – Vielleicht arbeitet feministische Literatur an der etablierten Wissenschaft vorbei? Das geht sicher kaum anders, wenn die Wissenschaft als Institution des Patriarchats gesehen wird (was viele halt so sehen), nur wie will frau einen Fuß in die Tür kriegen, wenn sie nicht in laufende Debatten einsteigen? Zumindest für einige geisteswissenschaftliche Fächer kann ich aus Erfahrung sagen: Es gibt ja schon genug nicht-feministische AutorInnen, die krampfhaft nach Widersprüchen und völlig neuartigen Deutungen suchen, um hervorzustechen. Wer soll sich da noch in eine Perspektive vertiefen, die völlig an meinen Kreisen vorbeiläuft.

  4. @jemand: 1. Um welche axiomatischen Grundlagen welches akademischen Feminismus handelt es sich? 2. Die axiomatische Grundlage (annähernd) der gesamten westlichen Philosophie und Wissenschaft war, dass Frauen denk- und wissenschaftsunfähig sind. Teilen Sie diese Auffassung, oder ist deshalb für Sie die (annähernd) gesamte Tradition vor, sagen wir, 1950 irrelevant?

  5. liebe antje – herzlichen dank für deinen anregenden artikel. als feministin, die diesen begriff (besser: haltung) nicht wie viele frauen und männer abfedern oder relativieren will/muss, weiss ich, worüber du schreibst.
    ich bin mit jahrgang 1951 in einer generation mit aktivem feminismus aufgewachsen. die feministinnen haben zur gleichstellung (bzw. besser-stellung) der frauen enorm viel beigetragen. doch leider war es schon immer nicht konform oder hinderlich für eine karriere, feministin zu sein (oder mit feministinnen / über feministisches zu arbeiten). dann gab/gibt es leider auch viele frauen, die sich, um vermeintlich akzeptiert zu sein, die angepasste form verwenden. sie distanzieren sich vom feminismus. sie nennen sich engagiert. ist offensichtlich harmlos(er), auch in der haltung. männer freut’s und den frauen bringt’s nichts.
    leider gibt es im sprachgebrauch auch die anpassung – in deutschland mehr als in der schweiz. wie viele sprechen, schreiben ausschliesslich in der männlichen form. mich schaudert, wenn es von frauen heisst, wenn frauen sagen: ich bin akademiker – sie ist akademiker; ich bin handwerker – sie ist handwerker etc.
    mit lieben grüssen und gutes, unverzagtes arbeiten auf dem feministischen weg, der für eine gesellschaft (männer, frauen, jugendliche) so wichtig ist. barbara

  6. @antje: in meinem einschlägigen Text, auf den du am Schluss verweist, habe ich ja mal ein paar Erklärungsansätze zur Diskussion gestellt. Ich meine nämlich schon, dass es auf verschiedenen Ebenen (symbolische Ordnung, Psychologie, Politik der Frauenbewegung, akademischer Habitus, akademische Organisation…) plausible Erklärungen für diese spezifische Ignoranz gibt. Sie (strukturell) zu erklären, bedeutet zwar nicht, sie zu entschuldigen. Aber vielleicht wird unsere Politik effizienter, wenn wir analytische Ansätze dazu entwickeln, diskutieren und anwenden?

  7. Macht sei dort am wirkungsvollsten, wo sie am wenigsten beobachtbar ist, meinte Steven Lukes am Beginn seines Vorworts zur erweiterten Neuausgabe (2005) seiner Studie Power. A Radical View (1974). Er fragt unter anderem, wie man Nicht-Handeln und dessen Folgen erforscht (S. 110f.). Wieder in den Sinn kam Lukes mir, weil ich durch seinen Text erstmals auf die Idee gebracht wurde, dass es machtvoll sein kann, Themen zu verschweigen. In einem der von dir geschilderten Fälle geht es nun allerdings darum, etwas als nichtexistent zu proklamieren. Wie verhalten sich die Effekte dieser beiden Vorgehensweisen (das absichtsvolle Verschweigen und das proklamatorische Negieren) zueinander, das überlege ich gerade.

  8. @Ina – Ja, ich kopiere deine Punkte einfach mal hier rein (für alle, es ist interessant, bei dem Text drüben auch die Kommentare zu lesen!)

    Erstens: Wissenschaftler sind vielbeschäftigt. Sie haben genug damit zu tun, all das zu verarbeiten, was ihre männlichen Vorgänger und Kollegen zu Papier bringen. Denen nämlich werden sie am nächsten Kongress Rede und Antwort stehen müssen. Den schreibenden Feministinnen hingegen nicht.

    Zweitens: Wie die meisten Menschen (auch wir Feministinnen) bewegen sich Wissenschaftler am liebsten in den Kreisen, die ihnen vertraut sind. Denn dort ist das Risiko, in eingeübten Grundüberzeugungen erschüttert zu werden, am geringsten. Während für Frauen der Zwang, Texte von Männern zu lesen, institutionalisiert ist (welche Frau könnte ein Examen bestehen, ohne Texte von Männern gelesen zu haben?), existieren für Männer solche Zwänge nicht.

    Drittens: Männer sind von den Attacken der revoltierenden Frauen traumatisiert. Sie fürchten sozusagen um ihr Leben, wenn sie eines der Bücher aufschlagen, in denen die zweigeteilte symbolische Ordnung, in der sie sich bequem eingerichtet haben, zunichte gemacht wird.

    Viertens: Männer haben – wie im übrigen häufig auch in dem Bereich, den sie „Liebe“ nennen – kein Interesse an wirklichen Frauen, sondern an „Weiblichkeit“: also an einem patriarchalen Diskursprodukt, oder anders ausgedrückt: an ihrem eigenen Spiegelbild. (Nicht umsonst hat Luce Irigaray ihr erstes Hauptwerk, in dem sie sich ausführlich mit der patriarchalen „Logik des Selben“ auseinandersetzt, „Speculum“ genannt).

    Fünftens: Frauen haben in den Siebziger- und Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts eine separatistische Politik betrieben. Sie wollten endlich unter sich sein und unter Ausschluss der ewig dreinredenden und besserwissenden Männlichkeit über Gott und die Welt nachdenken. Durch diese Politik haben sich Männer daran gewöhnt, dass Frauenwissen sie nichts anzugehen hat.

    Sechstens: Männer haben die seit mehr als zwei Jahrtausenden dominante Ideologie, Frauen seien ein stummer Mutterboden (Materia von Mater=Mutter) und könnten also per Definition nichts Originelles sagen, verinnerlicht. Sie erwarten also von Texten weiblicher Autorinnen per Definition nichts, was sie nicht längst selbst gedacht haben (vgl. Hans Küngs Vorwurf an Dorothee Sölle, sie habe von ihm abgeschrieben). Texte von Frauen zu lesen erscheint ihnen daher grundsätzlich als Zeitverschwendung, denn in ihnen kann ihrer Überzeugung nach kein neuer Gedanke stehen.

    Siebtens: Für Männer ist es ehrenrührig, sich auf weibliche Autorität zu beziehen: Die Kollegen/Brüder könnten auf den Gedanken kommen, man hinge noch an Mamas Rockschoss, sei also nicht „autonom“ genug. Deshalb suchen schreibende Männer immer wieder Gedanken, die sie von Frauen gehört haben, in Männerbüchern und zitieren sie erst, wenn sie dort fündig geworden sind. (Alternative: Direktklau, also gar nicht zitieren oder sonstwie kennzeichnen, sondern Gedanken von Frauen als selbsterfundene ausgeben. Um das eigene Gewissen zu beruhigen, schreibt man in diesem Fall ins Vorwort den üblichen Pauschaldank an Mutter, Ehefrau, Tochter etc.)

    Ich fügte hier nun noch an:

    Achtens: Sie reduzieren Feminismus mit Gleichberechtigung und denken also nicht, dass es dort auch um alle anderen Themen geht

    Neuntens (und das ist meiner Ansicht nach neu im Vergleich zu vor sechs Jahren, als du deinen Text geschrieben hast): Es gehört inzwischen zum kulturellen Code intellektueller Kreise, sich als „Feminismuskritiker“ darzustellen, und diesen Distinktionsgewinn samt Applaus bekommt man schon durch einfache Positionierung, also ohne wirklich die Arbeit einer „Kritik“ zu leisten (wozu man sich ja mit dem Gegenstand immerhin minimalst beschäftigen müsste).

    Im Kommentarstrang zu deinem Artikel bzw. kam noch eine steile These auf:

    Zehntens: Männer können feministische Ideen nicht verstehen, die nur auf den ersten Blick absurd klingt, da ich manchmal wirklich den Eindruck habe, dass das männliche Denken durch seine Konstruktion der Welt in Norm (sie selbst) und das Anderes_Abweichende tatsächlich in gewisser Hinsicht nicht in der Lage ist, Differenz zu denken, und das ist tatsächlich eine Voraussetzung dafür, feministische Ideen verstehen zu können.

    Vielleicht komm ich in den nächsten Tagen mal dazu, diese Punkte, die sicherlich alle eine Rolle spielen, mal zu systematisieren, um dann zu Handlungsmöglichkeiten zu kommen. Vielleicht auch zu Prioritätensetzungen, denn ich vermute, dass die unterschiedlichen Ursachen auch unterschiedliche Optionen eröffnen und manche davon schließen sich vielleicht gegenseitig aus…

  9. Spontan würde ich sagen, es gibt einfach keinen Grund für Männer, sich auf feministische Theorie einzulassen. Warum sollten sie, solange sie relativ unangefochten auf ihren privilegierten Positionen sitzen? Aber das Problem ist natürlich diffiziler: Leider lesen nicht einmal besonders viele Frauen feministische Literatur, siehe die Auflagezahlen entsprechender Bücher auch in Publikumsverlagen. Und – um es noch weiter zu drehen: Nicht einmal viele Feministinnen lesen feministische Literatur. Ich fürchte, in einem allgemein antiintellektuellen Klima ist die Hoffnung auf Aufklärung durch Lektüre vergeblich. Vielleicht ist es ein Fehler, dass wir in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert immer auf das bildungsbürgerlichen Besserungsideal setzen? Erschwerend kommt hinzu, dass Frauen in Deutschland traditionell nicht viel Intellektualität zugetraut wird. Wie viele weibliche public intellectuals kennen wir hierzulande? Neben der vorgeblichen Geschlechterhierarchie beim Denken liegt das Problem meines Erachtens vor allem in der pathologischen Trennung ernsthafter akademischer Reflektion an der Uni und populärer Geistesarbeit außerhalb der Uni. Das sage ich bewusst als apl. Professorin, die zwischen den Welten unterwegs ist.

  10. Ich wurde in einer Debatte auf einem Blog über LGBT Rechte auf diesen Artikel verwiesen, nach der Lektüre des Artikels möchte ich auch hier ein gewisses Maß an Kritik vorbringen, ich werde der Einfachheit halber meine dortige Antwort zitieren.
    Als selbst häufig von „ignoranz bezüglich bestimmten wissenscahftlichen Themen“ betroffener möchte ich hervorheben, dass ich die grundlegende Kritik anerkenne und verstehe. Sich über ein Thema zu äußern, von dem man wenig versteht ist bestenfalls törricht und häufig unhöflich oder anmaßend, trotzdem finde ich ihren Artikel problematisch.

    Das Problem das ich mit diesem Artikel habe ist Folgendes:

    Es ist gut und schön festzustellen, dass viele Männer und wahrscheinlich auch viele Frauen nicht umfassend über bestimmte sich als feministisch verstehende Wissenschaften Bescheid wissen, das ist sicherlich korrekt, ähnlich wie die meisten Leute heutzutage in sehr vielen Unterdisziplinen, Wissenschaftszweigen, etc. kaum Kenntnisse besitzen.
    Die wenigsten lassen sich davon, geschlechterunabhängig, abhalten, ihre Meinung trotzdem kundzutun.
    Erstens wird hier also ein sehr allgemeines Phänomen nur auf Feminismus bezogen diskutiert, ohne diesen allgemeinen Charakter festzustellen.
    Zweitens, meine persönliche Ablehnung feministischer Wissenschaftdisziplinen, zumindest der mit denen ich konfrontiert war, gründet sich, ebenso wie meine weniger hohe Meinung zu bestimmten feministischen politischen Initiativen auf dem was ich über sie weiß, nicht dem was ich als nicht existent annehme.
    Ich störe mich konkret an den belegsarmen Thesen zu konkreten prähistorischen Matriarchien, ich störe mich an den konkreten Verweisen auf wissenschaftlich nicht belegbare Dinge wie die „Rule of Thumb“ (ein populärer wissenschaftlicher Irrtum der häufig verbreitet wird besagt dass dieser Begriff auf ein Gesetz zur Züchtigung von Frauen in der Ehe zurück gehe).

    Viele Leute lehnen bestimmte feministische Theorien aus konkreten Gründen ab, nicht aus der hier allein benannten Ignoranz.

  11. @Shinkaishi – Hm, vielleicht liest du meinen Blogpost nochmal gründlich, dann wirst du merken, dass das, was du schreibst, eigentlich gar nichts mit dem zu tun hat, was ich geschrieben habe. Aber das ist auch eigentlich schon eine langweilige Wiederholung: Man liest irgendwas Feministisches und anstatt auf den Inhalt einzugehen, fängt das freie Assoziieren über das, was man schon immer mal sagen wollte, an.

  12. @Miriam Gebhardt – diese Trennung zwischen „ernsthaft“ und „populär“ spielt mit Sicherheit eine Rolle, und das macht mich am Ende der Aufregung dann auch wieder relaxter, weil diese ganze intellektuell-ernsthafte Blase eigentlich gar nicht so relevant ist wie sie tut, zwar schon relevant für die Verteilung von Geld und Status, aber nicht relevant im Hinblick auf das, was mich mehr interessiert, nämlich dafür, die Welt zu gestalten, möglichst in einem guten Sinn.

  13. (Direkt zum Kommentar von 7:53 Uhr:) Man kann „Neuntens“ auch noch weiter fassen: Auf nahezu jeder Party (jedenfalls außerhalb bestimmter Filterblasen) lässt sich heutzutage leicht ein allgemeiner (und zwar geschlechtsübergreifender) Konsens herstellen, indem man zur allgemeinen Heiterkeit ein wenig den Feminismus lächerlich macht.
    Wie konnte es so weit kommen? Liegt es daran, dass überwiegend besonders schrille und auf Viele abschreckend wirkende Facetten des Feminismus (häufig auch mit anderen Genderthemen verquirlt) in der Medienöffentlichkeit Beachtung fanden und finden? Oder ist es das „Wir haben doch jetzt Gleichberechtigung, was wollen die denn noch“-Ding?
    Ich schreibe das als jemand, der selbst keineswegs davon überzeugt ist, dass es eine spezifisch weibliche Sicht auf (beispielsweise) Ökonomie gibt. Um so interessierter werde ich den weiteren Verlauf der Debatte verfolgen.

  14. Das kann ich nachvollziehen, aber ich wünschte mir dennoch, dass das Verhältnis Theorie/Aktivität ausgewogener würde, sprich, die Aktivistinnen theorieaffiner und die Theoretikerinnen weniger starrsinnig in ihrem Elfenbeinturm. Ich denke oft, vielleicht idealisierend, dass in Frankreich und v.a. in Großbritannien die Kluft geringer ist, was sich nicht zuletzt in der Repräsentation des Themas in der seriösen Presse (Guardian!) niederschlägt.

  15. @Ina Praetorius,

    im Wesentlichen geht es da um mißverstandenden Marxismus und problematische gruppenbezogene Ansprüche in Bezug auf epistemisches Privileg bestimmen situativen „Wissens“. Das bezieht sich vor allem auf Standpunktepistemologie ist aber auch im Postmodernismus verbreitet, weil der ja sonst denklogisch zum Individualismus zurückführt (oder noch weiter, wie bei Butler, deren Rezeption im Feminismus ja auch eher schwierig war deswegen, glaube ich). Standpunktepistemologie führt – akademisch aber vor allem im populären Diskurs – geradezu notwendigerweise zu den abstrusen, vor allem an der US-amerikanischen Soziologie orientieren, Intersektionalistheorie, mit ihrer vom Ansatz her totalitären Diskursstrukturierung. Denkverbote und epistemische Privilegien führen nicht zu mehr Erkenntnis.

    Im übrigen halte ich Frauen für höchst denk- und wissenschaftstauglich. Antje Schrupp schrieb übrigens im vergangenen Jahr mal, daß Gleichberechtigung logisch im „Männersystem“ angelegt ist. Das sehe ich auch so, nur ist es dann eben kein „Männersystem“ mehr.

  16. Der Mensch gehört zu der Klasse der Säugetiere. Bei der Besprechung der Geschlechtsmerkmale von Mann und Frau wird aber das Merkmal der Säugung in keiner Art und Weise erwähnt. Und es fehlt auch der Hinweis diesbezüglich und aus welchem Grund die Säugung nicht erwähnt wird. Hinzu kommt, das bei der Besprechung der Geschlechtsmerkmale auch die Schwangerschaft mit keinem Wort Erwähnung findet und auch hier fehlt der Hinweis darauf, warum nicht. Dumm nur, dass beides allein weibliche Attribute sind, wo es auf der männlichen Seite kein Pendant dafür gibt. Uterus und Menstruation werden zwar erwähnt, aber es fehlt wiederum der Hinweis, dass es auf männlicher Seite kein Pendant dazu gibt. Ich kann das noch auf die Keimzellen (Eizelle und Spermium) und auf die Geschlechtschromosomen (XY) erweitern, wo wiederum der Hinweis fehlt, dass es essentielle Unterschiede zwischen den Keimzellen und den Geschlechtschromosomen gibt. Zu allen oben genannten Punkten werden die essentiellen Attribute der Geschlechterdifferenz einfach totgeschwiegen. Antje soll sich also nicht allzusehr wundern, denn schon die Wissenschaft hat damit begonnen und bis heute durchgehalten. Und ob das mit „blinder Fleck“ zu tituliern ist, ist die Frage.

  17. Welche Erkenntnisse stammen denn aus der feministisch-ökonomischen Wissenschaft, die man im Mainstream nicht findet? Wie viele Bücher der feministischen Theologie gibt es denn über Maria?

  18. @Antje: Ich finde es okay im Zeitalter von Google keine extra Recherche-Anfragen zu beantworten, aber für mich ist das bereits für den Artikel wesentlich – und zwar aus zwei Gründen. Erstens wird bisher bloß behauptet es gäbe „bibliotheksfüllende Literatur über Maria“. Eine Quellenangabe der Art „siehe z.B. Buch X / Review Artikel Y und alle Quellen zur weiterführenden Literatur darin als Einsteig“ würde die Aussage sofort stützen und glaubwürdiger machen. Zweitens wird die feministische Ökonomie hier gewissermaßen nur als leere Hülle ohne Inhalt gepriesen. Wenn sie tatsächlich so bahnbrechend ist, wird dieses oberflächliche Lob ihr aber nicht gerecht. Ein Beispiel würde das Argument hier sofort anschaulicher und für Außenseiter überzeugender machen.

    Darüber hinaus kann es sein, dass meine Frage falsch gestellt ist. Vielleicht geht es in der feministischen Ökonomie z.B. gar nicht darum, neue Erkenntnisse zu gewinnen und man verfolgt eine ganz andere Methodologie. Falls dem so wäre, wäre das gerade auch wieder interessant, denn es könnte die Frage beantworten, warum die feministischen Ideen ignoriert werden. (Weil „mann“ gar nicht versteht, was „die“ wollen.)

  19. Erweiterung meines Kommentars vom 21.Sept.2015 15:41

    Aufgrund der geschlechtlichen Fortpflanzung und der dadurch bedingten Bildung der Geschlechter ist die Reproduktion des Menschen nicht ebenso geschlechtlich geworden. Beide Geschlechter werden stattdessen vom weiblichen Organismus reproduziert.

    Die geschlechtliche Fortpflanzung negiert das Weibliche, welches jedoch die Grundlage beider Geschlechter ist.

  20. Ich hab mal gegoogelt und fand diese Kurzdarstellung

    *** Feministische Ökonomie – Möglichkeiten und Herausforderungen
    http://www1.uni-hamburg.de/QUEERAG/test/Hamburg_MADER.pdf

    Zitat:
    „Feministische Ansätze untersuchen, wie Ökonomie Geschlechter-
    verhältnisse beeinflusst und wie Geschlechterverhältnisse Ökonomie beeinflussen, um Ökonomie so zu konstruieren, dass sie
    tatsächliche Perspektiven und Lebensrealitäten von Frauen und Männern umfasst“

    Allein schon aus dieser Definition leite ich die Vermutung ab: Männer haben eher keinen persönlichen Grund, solche Überlegungen anzustellen, denn sie fühlen sich in ihrer publizistischen und/oder wissenschaftlichen Arbeit „ganz ok“ und wünschen keine gravierende Änderung ihrer „tatsächlichen Lebensrealität“.

  21. @Wilhelm:
    Ich forsche auf dem Gebiet der relativistischen Quantenfeldtheorie. Finden Sie dass dort auch aus „einseitiger Perspektive“ gearbeitet und „alles unter einem Gesichtspunkt“ abgehandelt wird?

  22. @Lars – Das ist eine Frage der Zielgruppe. Ich schreibe meinen Blog ja nicht, um Leute davon zu überzeugen, dass feministische Perspektiven zu kurz kommen. Ich gehe davon aus, dass hier Leute lesen, die sich für das Thema eh schon interessieren. Gerade was feministische Ökonomie betrifft, so schreibe ich hier ja auch oft über entsprechende Themen, zum Beispiel hab ich vor nicht allzu langer Zeit diese Einführung in die feministische Ökonomie empfohlen https://antjeschrupp.com/2014/06/17/lesenswerte-einfuhrung-in-die-feministische-okonomie/ Von daher stimmt das mit der „leeren Hülle ohne Inhalt“ nur für Leute, die diesen einen Blogpost lesen und sonst nichts. Die müssen dann halt damit leben, dass sie quasi in eine laufende Diskussion einsteigen, bei der nicht alles immer wieder bei Adam und Eva anfängt.

  23. Persönliche Motivlagen spielen wohl auch immer eine Rolle: Wenn ein aufstrebender Nachwuchswissenschaftler (m) keine unbefristete Stelle findet, wird gern die „Überfinanzierung“ von Gender Studies ins Feld geführt. So musste ich mir kürzlich von einem promovierten Soziologen anhören: „Der XY ist brillant und kann dir die komplette Ideengeschichte von vorn bis hinten durchdeklinieren. Trotzdem ist er seit seiner Habil arbeitslos. Und auf den Genderlehrstühlen sitzen diese ganzen Nulpen.“ — Argumentation: für „richtige“ Wissenschaft ist kein Geld da, aber die Mädchen kriegen teures Spielzeug. Als ich frage, ob der XY sich der Vollständigkeit halber auch mal mit feministischer Theorie beschäftigt habe, bzw. ob die Gender Studies für die generelle Marginalisierung der Gesellschaftswissenschaften verantwortlich seien, wurde das Gespräch beendet. Die komplette Ideengeschichte hat nunmal bestimmte Grenzen. Strikt nach Geschlecht. Und bei Geld endet sowieso die Freundschaft.

  24. Es ist wirklich immer wieder erstaunlich – und symptomatisch – wie Leute wie bspw. @Lars, in einen Raum poltern (wie es ein Raum ist), kurz was hören oder lesen – und reflexartig Beweise fordern.

    Ohne selbst den blassesten Schimmer von der Materie zu haben: kurz vollkommen unwissend zu sein.

    Was nur ein weiteres Beispiel für das Thema des Blogposts ist (Ignoranz aus Unwissenheit u.a.)

    Und die Beweisforderung – auch noch in einem Blog , in dem es hunderte Beiträge inklusive Verlinkungen zum Thema gibt, sowie eine Bücherliste.

    @Lars sollte selbst mal beweisen, dass es keine Literatur gibt zu bspw. feministischer Ökonomie, bevor er behauptet, hier würden Behauptungen aufgestellt werden.

  25. Ich denke wir kommen der Antwort auf die Frage „Woher kommt die Ignoranz in Bezug auf feministische Ideen?“ näher. Ich denke, es liegt weniger am Inhalt als an der Art der Darstellung. Wenn ich „Männer-Blogs“ und „Männer-Podcasts“ lese und höre, dann sind da Links zu vorherigen Beiträgen, Links zu Statistiken sowie Newsbeiträgen, Buchtips, Veranstaltungshinweise etc. und obwohl natürlich immer eine Haltung der Art „die Welt ist schlecht, die anderen sind blöd“ durchklingt, so wird doch allermeist versucht eine weiterverbreitbare Argumentation aufzubauen, die geeignet ist, die Leser/Zuhörer zu überzeugen und den Konsumentenkreis zu erweitern.

    Wissenschaftler sind auch Menschen und wenn diese sich schon privat von feministischen Positionen (und Blogbeiträgen, über die sie stolpern *hint hint*) nicht erreicht oder gar abgestoßen werden, ist es nur menschlich, diese Positionen auch im Beruf entweder zu ignorieren oder sogar zu marginalisieren versuchen.

    In dem Sinne: Raus aus der Echokammer!

  26. Pingback: Social justice: (k)ein akademischer Diskurs | Context.Sensitive

  27. @Lars – Deine Argumentation hätte eine gewisse Plausibilität, wenn „der Feminismus“ (TM) vorgestern erfunden worden wäre. Aber diese ganzen Sachen machen wir seit vierzig Jahren. Dieser Blogpost reflektiert doch gerade die Erfahrung, dass es eben nichts nützt.

  28. @ Lars: Außerdem fehlen bei Ihnen die Belege, dass auf Männer-Blogs und in Männer-Podcasts tatsächlich so verfahren wird, wie Sie schreiben *hint*hint*

  29. Da fällt mir Susan Faludi „Backlash“ ein, das davon ausgeht, das es ein System ist, genährt aus dem kollektiv Unbewußten, welches zur fortlaufenden Mißachtung des feministischen führt.Und da es unbewußt ist und bleibt, viel Spass weiterhin.

  30. Ich würde den dritten und den fünften Punkt als Ursache in den Vordergrund stellen.Vor allem aber den dritten. Den anders lässt sich dieses fast zwanghafte Nichtbeschäftigen mit feministischen Thesen einfach nicht erklären. Und auch dieser merkwürdige Zwang zu beißender Ironie, lächerlichmachen und offener Aggression den (hoffentlich nur im Internet) viele Männer (und wenige Frauen) an den Tag legen wenn sie mit feministischen Meinungen konfrontiert werden.
    Das letzte feministische Buch das ich gelesen habe war „das deutsche als Männersprache“ von Luise F. Pusch. Ich kann mir schon vorstellen, dass dieses Buch bei vielen Männern die um ihre Privilegien fürchten nackte Wut auslöst. Und deswegen werden sie es nie und nimmer lesen.Und weil sie es nie und nimmer lesen bekommt man immer wieder die gleichen ermüdenden „Argumente“ zu hören warum das Deutsche angeblich keine Männersprache ist.

  31. Frau Schrupp, gibt es auch sowas wie feministische Physik oder Kybernetik, oder gibt es feministische Theorie nur im geisteswissenschaftlichen Bereich? Wenn ja, warum?

  32. @Karl-Eduard – Ja, das gibt es, allerdings kenne ich mich damit nicht gut aus, weil ich selber Geisteswissenschaftlerin bin. Wen das interessiert, könnte anfangen mit Evelyn Fox Keller https://de.wikipedia.org/wiki/Evelyn_Fox_Keller

    Ein zentraler Punkt ist aber schonmal, dass die meisten Feministinnen die Sinnhaftigkeit dieser logischen Trennung in „Naturwissenschaft“ und „Geisteswissenschaft“ bestreiten. Jede Naturwissenschaft ist auch Geisteswissenschaft, und eine Geisteswissenschaft, die sich von natürlichen Prozessen abhebt und in höheren Sphären herumschwebt (wie ein Großteil der männlichen Philosohpie), ist eigentlich bloß Ringelpiez.

  33. Ein gutes Beispiel dafür, wie sich der Sexismus in der Wissenschaft breitgemacht hat:

    Die Theorie der geschlechtlichen Fortpflanzung im Bezug zur biologischen Reproduktion des Menschen basiert schlicht und ergreifend auf die Stimmigkeit des genetischen Reduktionismus, welcher das Genetische faktisch zum einzigen essentiellen Attribut des Lebens erhebt und sich somit bewußt gegen die Zelltheorie stellt, die besagt, dass die Zelle die kleinste Organisationseinheit aller lebenden Organismen ist.

    Das Virus, welches faktisch nur aus seinem genetischen Inhalt besteht, benötigt dennoch eine Wirtszelle. Der genetische Inhalt des Virus wird Erbgut genannt und der virale Befall einer Zelle ist die Fortpflanzung des Virus. Von Befruchtung und Zeugung wird hierbei allerdings nicht geredet.

    Doch das Spermium, welches das genetische Erbe des Mannes in die Eizelle verbringt, verhält sich exakt wie ein Virus bei seiner Wirtszelle, nur das die Eizelle freiwillig die Wirtszelle des Spermiums ist. Aber hier wird von Befruchtung und Zeugung geredet, sodass es das Spermium ist, welches die Eizelle eigenmächtig zur Wirtszelle degradiert.

    Der genetische Reduktionismus ist die wissenschaftliche Sicht eines Herrschers (wer herrscht, wer unterwirft sich) und diese wissenschaftliche Sicht wird herrschaftskonform durchgesetzt.

  34. Die Irrelevanz feministischer Texte für den männlichen Diskurs entsteht vermutlich schon aus der unterschiedlichen Vorstellung der Geschlechter von „Wahrheit“. Vereinfacht gesagt ist etwas für Frauen nur dann „Wahrheit“, wenn es einen persönlichen Bezug für Frauen hat oder sogar Vorteile für Frauen bietet.
    Die männliche Vorstellung von „Wahrheit“, die dem wissenschaftlichen Diskurs zu Grunde liegt, basiert im Gegensatz dazu darauf, sich von jeder subjektiven Perspektive so weit wie möglich zu lösen. Nur was für alle gleichermaßen gilt, ist in diesem Sinne „Wahrheit“.

    Das bedeutet, dass eine „feministische Perspektive auf Ökonomie“ aus Sicht eines männlichen Wahrheitsbegriffs entweder falsch oder irrelevant sein muss, denn sonst wäre es „Ökonomie“ und nicht eine feministische Perspektive auf irgendwas.

    Daraus folgt auch, dass es aus dem männlichen Wahrheitsbegriff heraus irrelevant ist, von wem oder von welchem Geschlecht eine Idee kommt. Hauptsache die Idee/Theorie ist gut und interessant. Mittelbar spielt dann noch eine Rolle, ob der Ersteller einer Theorie oder Idee einen Track-Record guter Ideen/Theorien hat, wodurch die Bereitschaft steigt, auch das neues Werk zu beachten. Umgekehrt wird jemand, dessen Ideen immer das Geschlecht des Erstellers betonen und für sich nicht so sonderlich interessant sind, sich einen Track-Record der Irrelevanz erarbeiten, der dazu führt, dass auch die seltene, gute Idee nicht mehr beachtet wird.

    Da dieser männliche Wahrheitsbegriff einen sehr guten Track-Record hat (unsere Zivilisation basiert darauf) spricht quasi nichts dafür, von diesem Wahrheitsbegriff abzurücken. In diesem Sinne sollten Frauen, die im wissenschaftlichen Diskurs beachtet werden wollen, schlicht aufhören „weibliche/feministische Perspektiven“ auf irgendwas zu erforschen und zu beschreiben, da das nur Ringelpiez ist, sondern stattdessen gute Ideen produzieren, bei denen es egal ist, vom wem sie stammen.

  35. @Ih – schöner Versuch, aber wenn du feministische Texte lesen würdest, dann wüsstest du, dass genau diese universalistische männliche Vorstellung von „Wahrheit“ das ist, was dabei kritisiert wird. Denn wenn man das genauer untersucht – was feministische Theorie tut – dann stellt man fest, dass all das, von dem die Männer behaupten, es sei allgemeingültig „wahr“, eben in den allermeisten Fällen nur wahr ist, wenn man ein Mann ist. Banales, aber einfaches Beispiel: Das „allgemeine Wahlrecht“ hieß auch schon so, als nur Männer wählen konnten.

    Aber es ist schön, dass du diesen Zirkelschluss im männlichen Denken und in seiner Illusion von ihrer eigenen Wahrheit als universal gültliger Wahrheit hier mal so auf den Punkt aufgeschrieben hast, dann kann ich das in Zukunft als Beweis einfach verlinken :))

    PS: Unsere Zivilisation beruht im Übrigen nicht auf dieser männlichen Selbstillusionierung, sondern mindestens genauso darauf, dass die aus diesem Wahrheitsdiskurs ausgeschlossenen „Anderen“ (Frauen, Nicht-Weiße, Sklavinnen und Sklaven) unterdessen ziemlich viel Arbeit geleistet haben.

    PPS: Es gibt im Übrigen auch schon ungefähr Trillionen feministischer Studien, die gezeigt haben, dass auch die Vorstellung, es gäbe „gute Ideen, … bei denen es egal ist, vom wem sie stammen“ eine Illusion ist. Denn dieselben Ideen bekommen regelmäßig mehr Aufmerksamkeit und Zuspruch, wenn die Beurteilenden glauben, sie stamme von einem Mann, als wenn sie glauben, sie stammen von einer Frau. Diese Ungleichheit in der Beurteilung von Ideen aufgrund des (vermuteten) Geschlechts ihrer Urheber geht übrigens nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen aus, von denen ja auch viele das Männliche bewundern und ihm von vornherein mehr Autorität zusprechen als dem Weiblichen.

  36. @Georg

    Nur das dem Virus das Erbmaterial der Wirtszelle schnurzpiepegal ist und einzig und allein die Verbreitung des eigenen Erbmaterials im Vordergrund steht. Bei der Befruchtung wird allerdings das Erbmaterial beider Zellen kombiniert und nicht fest mit dem Tod der Wirtszelle gerechnet. Eine unbefruchtete Eizelle wird ja vom Organismus auch mit der Zeit entsorgt, nur durch die Vereinigung gibt es für die Eizelle eine Aussicht auf weiteres Bestehen.
    Nebenbei: Ich durfte im normalen Biologieunterricht bei der, um ihren Begriff zu verwenden, Geschlechterbesprechung all die Prozesse zu Menstruation und Schwangerschaft lernen und sehe daher nicht, wo hier eine Seite direkt oder indirekt vernachlässigt wird. Kurzer Hinweis genügt und wird dankend empfangen.

    Zum Eintrag:
    Beide Beispiele, also das des Wirtschaftsredakteurs wie auch des Vortragenden, sind wohl von unterschiedlicher Aussagekraft über die Ignoranz feministischer Ideen. Letzteres ist wohl wirklich einfach ein Desinteresse. Für die Frage aus welcher Motivation heraus finden sich ja genügend Ansätze in den Kommentaren.
    Das Erstere ist wohl aber eher ein Problem, das man langfristig lösen muss.
    Zum einen dürfte, wie so oft, z.Z. der Anteil an männlichen Autoren einfach höher sein und damit die Chance, auf eine zitierwürdige Arbeit zu stoßen, die von einem Mann geschrieben wurde, ebenso höher sein. Hierin ein kurzfristig lösbares Problem zu sehen, wäre, wie bereits erwähnt, aber Unterschätzung par excellance.
    Zum anderen wäre wohl mehr über den veröffentlichten Artikel zu wissen, um abschätzen zu können, ob und in wieweit andere Herangehensweisen, vollkommen ohne Bewertung dieser, dem Artikel helfen könnten, seine Aussage zu untermauern. Einfach nur bei Allem nach „Gibt es das auch in feministisch?“ fragen, degradiert den Begriff Feminismus zu einer neuen Art von „Light“- Label.

    Zu den Kommentaren bezüglich der feministischen Ökonomie:
    Nach kurzer Quellensichtung der in den Kommentaren verlinkten Informationen, muss ich zugeben, dass meine Erwartung zwar nicht überflügelt, aber doch übertroffen wurden. So finde ich besonders die Notwendigkeit der Neugestaltung des Arbeitsbegriffs , sowie die Historie der bisherigen Entwicklungen sehr interessant. Besonders das neue sowie alltägliche Bestreben einer guten Work-Life-Balance deckt sich hier für mich in vielen Belangen. Einzig und allein dem Care-Arbeit-Begriff kann ich nicht so viel abgewinnen. Als überspitztes Beispiel sei hier als Care-Arbeit das Zuhören genannt. Zum einen gibt es bereits viele Jobs in denen Zuhören eine Rolle spielt und zum anderen ist es fraglich, wo man dann noch die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit zieht.

    P.S.
    Für mein Studium durfte ich auch die eine oder andere Hausarbeit schreiben, dabei war das Geschlecht der Autoren für mich eher ein blinder Fleck. Hat ein Paper während der Literatursuche erst im Titel und dann noch im Abstrakt überzeugt, kam es bei mir zur näheren Untersuchung auf die Liste. Von dort aus habe ich jene Texte benutzt, die meine Argumentationsweise erweitern oder untermauern konnten.

  37. @Georg:

    Ist es beabsichtigt, dass es klingt, als wollten Sie postulieren, dass eine Befruchtung und eine Vireninfektion quasi gleich zu setzen seien?

    Das ist nun doch eher abstrus. Ich bin beileibe vielen Thesen aus Feminismus und Queer Theory zugetan, aber (um mal eine religiöse Redewendung zu benutzen, obwohl ich Agnostiker bin), so ein wenig kann man die Kirche ja nun doch im Dorf lassen.

    Ich bin auch dafür, in dieser Hinsicht unbequem zu sein. Ich bin sehr dafür, Leuten auf den Fuß zu treten und zu sagen: „Du Idiot, Nein heißt Nein!“ oder „Du Idiot, woher willst du denn wissen, ob ’sie es doch auch wollte‘?“

    Aber muss es denn wirklich sein, dass man eine allzu biologistische Sicht auf die Dinge mit krampfhaft biologischen Alternativerklärungen kontern möchte? Das ist argumentativ nun nicht gerade zuträglich. Wer biologistisch-sexistisch ist, wird sich mit Sicherheit viel eher auf eine Diskussion im Rahmen von „Ja, Person XY ist weiblich. Was genau sagt das denn über die Person aus?“ einlassen, als auf den Versuch, eher wirr anmutende Thesen über die biologische Gleichstellung einer Befruchtung und einer Virusinfektion zu verstehen. Da runzele ja sogar ich die Stirn.

    Dass eine Virusinfektion und eine Befruchtung etwas Unterschiedliches sind, ist nun mal beobachtbar. Da gibt es keinen großen Interpretationsspielraum, wie H auch schon schrieb. Darüber hinaus weiß ich nun wirklich nicht, wo Sie her nehmen, dass die Biologie die Eizelle zur Wirtszelle des Spermiums degradiert. Diese mittelalterliche Sicht wurde ja gerade von den aufgeklärten Naturwissenschaften dekonstruiert – Spermium und Eizelle gehen eine gleichberechtigte Verbindung ein.

    Natürlich seien soziale, kulturelle, persönliche Schlussfolgerungen aus naturwissenschaftlichen Beobachtungen mit Bedacht abzuleiten – „Frauen sind Gebärmaschinen und nur zu diesem Zweck auf der Welt“ ist sicher eine unangemessene. Aber „Eine Frau, deren Eizelle von einem Spermium befruchtet wird, ist von einem patriarchischen Virus infiziert“ mindestens genau so.

  38. @H
    Das Virus und das Spermium benötigen deswegen eine Wirtszelle, weil das Genom keinen genetischen Vorgang selber durchführen kann und es kann sich auch keine Zelle selber herstellen. Denn das Genom ist für sich selbst genommen kein Leben (totes Molekül)

    Die zytoplasmatischen Inhalte der Eizelle stammen nicht von den fortgepflanzten Genomen von Mann und Frau ab. Sie stellt somit eine für die vererbten Genome der geschlechtlichen Fortpflanzung vorgefertigte (Wirts-) Zelle dar.

    PS: Ich habe die Schwangerschaft und die Säugung bei den Geschlechtsmermalen des Menschen in der Googlesuche nicht gefunden. Beispiele: Wikipedia, flexikon.doccheck

  39. @Antje:

    Wie ich sagte ist mir klar, dass der Wahrheitsbegriff differiert. Nur ist der männliche Wahrheitsbegriff das Ergebnis von 3000 Jahren systematischem Nachdenkens darüber. Wahrheit im hier diskutierten Sinne ist das Ergebnis einer Methode der Wahrheitsfindung: kritische Rationalität nämlich. Und aus dieser Methode folgt, dass wenn eine These widerlegt werden kann, es völlig egal ist, ob die Widerlegung von einem Mann, einer Frau oder einem Marsianer stammt. Wenn die Widerlegung möglich ist, dann ist die Theorie überholt. Und wissenschaftlicher Fortschritt bedeutet, die Widerlegung aus jeder denkbaren Perspektive zu versuchen, männlich, weiblich, marsianisch, und wenn nur aus einer Perspektive die Theorie zu widerlegen ist, dann ist sie erledigt.

    Der Universalanspruch dieser männlichen Wahrheit ist also hervorragend dadurch begründet, dass sie um Wahrheit zu sein, jedem Angriff, egal von wem, auch von Feministinnen, widerstehen können muss.

    Und das bedeutet, dass wenn eine Theorie aus weiblicher Perspektive widerlegt werden kann, sie automatisch auch aus männlicher Perspektive widerlegt ist und keine Notwendigkeit besteht, die weibliche Perspektive zu betonen. Wenn aber eine Widerlegung der Betonung weiblicher Perspektive bedarf um als Widerlegung zu taugen, dann handelt es sich um Ringelpiez.

    In dem MINT-Fächern ist das auch ganz klar und offensichtlich, denn da lassen sich Theorien vergleichsweise einfach auf ihren Wert überprüfen: Entweder sie erlauben überprüfbare Vorhersagen, oder sie taugen nichts. Und ob Theorie und Überprüfung von einem Mann oder einer Frau stammen, ist völlig egal, denn die Realität ist ein unerbittlicher und neutraler Schiedsrichter.

    In den Geisteswissenschaften (die meiner Meinung nach für unsere Zivilisation verglichen mit den MINT weniger grundlegend sondern vielleicht ausgestaltend sind) ist das natürlich nicht so klar. Da geht es mangels einfacher Überprüfung von Vorhersagen leider auch um Status, Ansehen, Macht. Aber auch Geisteswissenschaften sind nicht wie das Schreiben von Gesetzen, sondern es geht letztlich nur um Ideen, die im Zweifel jeden einzelnen Leser und Denker neu überzeugen müssen. Und Zweifel kann wiederum jeder wecken, Mann, Frau, Marsianer.

    Meinem Verständnis nach hat der weibliche Wahrheitsbegriff den Vorteil, immer einen sozialen oder persönlichen Bezug zu haben. Weibliche Wahrheit ist immer in sozialen Bedingungen eingebettet, beachtet diese mit. Das kann Vorteile haben.

    Aber was die Erkenntnis der Welt jenseits der sozialen Beziehungen der Wissenschaftlerin angeht, ist der männliche Wahrheitsbegriff haushoch überlegen. Nämlich weil er zweckgerichtet auf die Beherrschung dieser Welt angelegt ist und der Erfolg dabei der relevante Maßstab ist.

  40. Wenn dem immer noch so ist, dann kann ich dahinter nur bewußte Absicht vermuten. Und falls es bewußte Absicht ist, was wohl niemand zugeben wird, oh ha. Ich kann ja schlecht sagen, dass es bewußte Absicht ist, die allerdings nicht bewußt wird. Aber genau dies ist es. Wenn man z.B. eine Absicht hat, die sich aus der Verachtung nährt, dann hat man eine bewußte Absicht ohne Bewußtsein. Also muss man Verachtung schüren, die, so sie gefühlt wird, auch voll berechtigt erscheint. Helfen tut’s allerdings auch nichts…

  41. Ein Aspekt, der zwar bereit erwähnt, aber kaum weitere Beachtung fand (Nutzer Wilhelm am 21. September 2015 um 01:40), spielt meiner Erfahrung nach durchaus eine Rolle: Die Zurückhaltung gegenüber außerdisziplinären Theorien mit universalistischem Anspruch und ihre Ausdifferenzierung in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen.

    Denn die Klage oder Frage könnte aus meiner Sicht auch lauten: „Woher kommt die Ignoranz in Bezug auf christliche Ideen?“ Christliches Denken wird heutzutage vor allem und in der Regel ausschließlich mit theologischen Fragestellungen verknüpft, allenfalls noch mit Fragen der Ethik oder Moral, aber schon die „christliche Philosophie“ muß sich rechtfertigen, von der „christlichen Ökonomie“ oder einer „christlichen Naturwissenschaft“ ganz zu schweigen.

    Ich empfinde, daß der vor allem axiomatische Charakter des Feminismus, ob nun politisch oder auch wissenschaftlich betrieben, ähnlich große Vorbehalte auslöst wie ausdrücklich christlich betriebene Wissenschaft, was – wie die meisten Wissen – ja ähnlich wie bei feministischen Wissenschaften als Selbstwiderspruch eingestuft wird: entweder christlich oder wissenschaftlich, entweder feministisch oder wissenschaftlich.

    So wird die christliche Soziallehre (resp. in meinem persönlichen Fall: die katholische Soziallehre) kaum gesellschaftlich oder außerhalb der Theologie wissenschaftlich relevant rezipiert, nicht nur, vor allem aber auch deshalb, weil viele meinen, man müsse Christ sein, um sich mit der christlichen Soziallehre auseinanderzusetzen oder würde zum Christen,würde man sie weiterdenkend rezipieren.

    Schließlich ist den meisten oder dem Eindruck nach: sehr vielen feministischen Wissenschaften mehr als ein Nahverhältnis zum philosophischen Dekonstruktivismus bzw. poststrukturalistischen Denkmodellen anzumerken. Das und der Feminismus-eigene Ansatz, disziplinäre Fragen (nur) unter dem Aspekt und der Rücksicht des Geschlechter-Verhältnisses zu betrachten, legt hier einige Barrieren für Nicht-Geisteswissenschaften in den Weg der Rezeption. Man muß sich als Rezipient im Zweifel sowohl für Geschlecht als relevante Kategorie als auch dekonstruktivistisches Denken interessieren. Daß feministische Wissenschaften wie auch christliche Wissenschaften eine außerwissenschaftliche politische Dimension haben, tut ein Übriges, daß man eher auf Distanz bleibt.

  42. Das Problem rund um die Maria hast du ja schon aufgelöst: Manche Jungs finden es cool, nichts mit Mädchenkram zu tun zu haben, und verpassen dabei einiges.

    Feministische Ökonomie: Die hat sich teils selbst ins Abseits gestellt, indem sie sich zusammen mit ein paar Maoistinnen dem Aussteigerthema Subistenz verschrieben hat.

  43. @Irene – Die Männerökonomie wird aber ja auch nicht als Gesamte dadurch diskreditiert, dass es darin die ein oder andere radikale Fraktion mit nicht mainstreamkompatiblen Positionen gibt.

  44. mal so gefragt:
    Sie erwähnen die besonderen Aspekte von geistig/seelisch/körperlich Behinderten in Bezug auf Schwangerwerdenkönnen nicht. Warum?
    Was wissen Sie über die Teilhabe am Berufsleben von Behinderten?
    Ich gehe mal davon aus, dass nicht Unwillen der Grund für ihr Nichtäussern bzw. Nicht-/Halbwissen auf diesen Gebiet ist, sondern einfach Konzentration auf ein überschaubares Wissensgebiet. Vielleicht trifft dies ja auch auf andere Menschen zu.

  45. Gute wissenschaftliche Zeitschriften evaluieren wissenschaftliche Beiträge mit double-blind peer-review. Es ist also egal, ob man männlich, weiblich oder etwas anderes ist, behindert oder nicht behindert, schwarz oder weiß, dick oder dünn, aus Harvard oder Bochum kommt – die ReviewerInnen haben nur den Text und entscheiden nur anhand des Textes, ob er veröffentlicht wird.

    Kein ernst zu nehmender männlicher Wissenschaftler würde einen wissenschaftlichen Text beispielsweise in Nature oder Science ignorieren, weil er von einer Frau geschrieben wurde. Auch eine Kritik an der Mainstream-Ökonomie oder eine Arbeit über die biblische Maria kann in einem guten wissenschaftlichen Journal veröffentlicht werden. Hier zählt nur die gute Qualität des Artikels, nicht wer ihn geschrieben hat.

    Double-blind peer review ist somit ein wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung, da sichergestellt werden kann, dass die Studien der Biochemikerin genauso gewürdigt wird wie die des Biochemikers. Es wäre vermessen zu behaupten, dass männliche Wissenschaftler das neu synthetisierte Protein ignorieren, weil es von einer Frau entdeckt wurde.

    Anders sieht es jedoch aus, wenn man die Systemfrage stellt und behauptet, Männer und Frauen betreiben eine vollkommen verschiedene Art von Wissenschaft und es gibt Männerwissen versus Frauenwissen. Hier geht man nicht mehr von einem gleichberechtigten Gleichheitsfeminismus aus, bei dem Männer und Frauen friedlich gemeinsam forschen, sondern von einem Differenzfeminismus, der die gesamte etablierte Wissenschaft als Männerwissen diffamiert.

    Wenn man von einem grundsätzlichen Unterschied zwischen Männerwissen und Frauenwissen ausgeht, ist die Forderung nach Gleichberechtigung nicht mehr selbstverständlich. Man kann sich fragen, welches Wissen besser ist. Vermutlich gibt es hierfür keine objektiven Kriterien, so dass nichts weiter als ein Kampf der Geschlechter übrig bleibt. Warum sollten Männer dann eher für das Frauenwissen kämpfen, das sie sowieso nicht so gut nachvollziehen können wie ihr eigenes Männerwissen?

    Ich gehe davon aus, dass sich das Denken von Männern und Frauen nicht grundsätzlich unterscheidet und die sogenannten Unterschiede zwischen Männern und Frauen größtenteils kulturbedingt sind (Fußball ist in den USA eine Mädchensportart, Purpur war im Mittelalter eine Farbe für adlige Männer, im Iran sind die meisten Informatiker weiblich). Aus diesem Grund ist es mir vollkommen egal, ob wissenschaftliche Bücher oder Zeitschriftenartikel von Männern oder Frauen geschrieben wurden. Dezidiert feministische Biologie, Ökonomie, Theologie etc. ignoriere ich jedoch absichtlich, weil sie einen mir suspekten Differenzfeminismus vertreten und den Krieg der Geschlechter nicht beenden, sondern fördern.

  46. @tobias – ja, genau das ist der dissens. die Ideologie der Gleichheit behauptet! dass Frauen dasselbe wollen wie Männer. Allerdings ist es einfach eine historische Tatsache, dass die Kriterien für wissenschaftlichkeit zum Beispiel von Männern für Männer unter explizitem Ausschluss der Frauen entwickelt wurden. Wir wissen nicht, wie unsere Kultur wäre, wenn Frauen nicht über Jahrtausende hinweg daran gehindert worden wären, sich aktiv mit ihren Wünschen darin einzubringen. Ich behaupte als Differenzfeministin, sie wäre anders. Ich glaube übrigens auch, dass Männer eine andere Kultur entwickelt hätten, wenn sie Frauen als freie Gegenüber akzeptiert hätten. Aber das sind eben alles Spekulationen. Wir wissen es nicht, weil die Geschichte nunmal so war, wie sie war. Alles was ich sage ist, dass wir diesen Ausschluss des weiblichen abegehrens weiter verlängern, wenn der Preis der Frauen für ihre Gleichbereichtugung die assimilierung an die männliche Norm ist.

  47. Nach Karl Popper besteht Wissenschaft im Wesentlich darin, basierend auf bisherigen Beobachtungen Theorien aufzustellen, die möglichst starke, falsifizierbare Vorhersagen machen und Theorien immer nur zugunsten einer besseren Theorie zu verwerfen (also einer, die weniger Annahmen braucht oder Vorhersagen mit stärkerer Übereinstimmung mit dem Experiment macht).

    Ich hab beobachtet, dass diese Popper’sche Methode bisher sehr erfolgreich ist und sage vorher, dass das auch in Zukunft der Fall sein wird. Wenn die Feministen (oder egal wer) eine bessere Wissenschaftliche Methode vorschlagen wollen: immer zu!

    Der bloße Verweis darauf, dass alles auch ganz anders sein könnte, wird in der Wissenschaft aber voraussichtlich kein Gehör finden. Dafür gibt es außerhalb der Wissenschaft andere Publikationsformen & -möglichkeiten.

  48. Liebe Antje,

    Ihr Differenzfeminismus beruht ja vor allem auf der Unterscheidung zwischen Menschen, die schwanger werden können und Menschen, die es nicht können. Dies kann ich nicht bezweifeln. Ich gebe auch zu, dass Menschen die schwanger werden können Wissen aus der ersten Person erlangen können, das ich niemals erlangen kann, nämlich wie es ist, schwanger zu sein und ein Kind zu bekommen. Zusätzlich erwerben Frauen einiges an kontingentem Wissen durch unsere gegenwärtige Gesellschaft, z.B. wie es ist täglich von Alltagssexismus betroffen zu sein, welches ich nicht erwerbe und in einer idealen Gesellschaft auch Frauen nicht erwerben müssten.

    Aus meiner Sicht ist dieser Unterschied aber viel zu schwach, um einen generellen Unterschied im Denken von Mann und Frau begründen zu können. Eine Frau sieht in einem Mikroskop nichts grundsätzlich anderes als ein Mann. Selbst wenn es kleine biologische Unterschiede gäbe, die dazu führen, dass Frauen auf andere Details achten und daher andere Entdeckungen machen, müssten diese Entdeckungen doch wieder für Frau und Mann objektiv gerechtfertigt werden.

    Obwohl die Kriterien für Wissenschaftlichkeit von Männern festgelegt wurden, glaube ich nicht, dass man sie komplett über Bord werden kann und sollte. Eine Wissenschaft, die keine objektive Begründung verlangt, bei der Reproduzierbarkeit von Experimenten keine Rolle spielt (oder Experimente selbst) und die weder Theorien aufstellt noch die Natur erklärt, ist einfach keine Wissenschaft mehr. Wie dieses andere, alternative Ding aussieht und ob es besser wäre, kann man ja gern diskutieren.

    Ich gebe aber gern zu, dass die Geschichte der Wissenschaft vermutlich anders verlaufen wäre, wenn Frauen von Anfang an ohne Unterdrückung mitgearbeitet hätten. Vielleicht wären die Fragen, was ein interessantes wissenschaftliches Problem ist anders und vielleicht wäre die Astronomie in der Antike und Neuzeit nicht eines der wichtigsten Probleme der Wissenschaften gewesen. Hier kann man auch heute ansetzen: Wenn mehr Frauen bei der DFG und beim BMBF bestimmen könnten, würden vielleicht andere Projekte gefördert (und natürlich kann man auch die Drittmittelförderung selbst kritisieren). Hier geht es aber nicht mehr um die Frage, was Wissenschaft ist und welche Begründungskriterien sie hat, sondern um Politik.

    Ihre feministische Care-Ökonomie sehe ich ebenso nicht als alternative wissenschaftliche ökonomische Theorie, die unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem möglichst objektiv erklären und verstehen will. Ich glaube auch nicht, dass sie von der „männlichen Wissenschaft“ unterdrückt wird. Vielmehr verstehe ich sie als politisches Programm, um unsere gegenwärtige Ökonomie zu ändern. Daher sollte sie nicht an der Universität, sondern im Bundestag diskutiert werden. Wobei mir bei der Care-Ökonomie nicht ganz klar ist, warum sie dezidiert feministisch ist. Ist sie feministisch, weil sie vor allem Frauen betrifft? Vermutlich nicht, es würde auch viele Männer betreffen, die Dienstleistungen im Niedriglohnsektor ausführen. Ist sie feministisch, weil sie von Frauen entwickelt wurde? Wäre es dann (aufgrund der Differenz von Mann und Frau) gar nicht möglich, dass Männer sie hätten erfinden können? Wäre sie feministisch, wenn der Grundgedanke von einem Mann gekommen wäre? (Zusatzfrage: Ist man Antifeminist, wenn man das bedingungslose Grundeinkommen für unbezahlbar hält?)

    Um wieder zur Frage nach der Ignoranz feministischer Ideen zurückzukommen: Differenz und Queerfeminismus sind politische Programme, die sehr oft in eine radikal linke, kapitalismuskritische Position einnehmen. Wenn man den Kapitalismus gar nicht so übel findet, kann man von diesen Gruppen leicht als Antifeminist oder gar Frauenfeind bezeichnet werden. Ich möchte kein Frauenfeind sein, aber impliziert das schon, dass ich den Kapitalismus doof finden muss? Männer und Frauen sollten sich doch auch frei für eine konservative oder liberale kapitalismusfreundliche politische Position entscheiden können.

    Schöne Grüße,
    Tobias

  49. Ich kann diesen Blog leider nur sporadisch lesen, muss aber als Physikerin kurz was richtig stellen:
    Keine mir bekannte, hochrangige Zeitschrift in meinem Fach macht einen double-blind Review. Nature bietet diesen zwar seit März 2015 (sic!) an. Allerdings nur für drei Journals der „Familie“ und man muss ihn aber explizit beantragen. In meiner „scientific community“ wird das niemand tun.
    Zu dem angekreideten „axiomatischen Charakter des [wissenschaftlichen] Feminismus“ (@Joachim Losehand) sei angemerkt, dass auch die Mathematik ein axiomatisches System ist (Stichwort „Peano Axiome“). Seid Goedel wissen wir, dass das bedeutet, dass das System entweder unvollständig oder widersprüchlich ist. Church und Turing haben gezeigt, dass es in diesem System unmöglich ist allgemein zu entscheiden, ob eine Aussage universell gültig ist.
    Wohlgemerkt fällt der Begriff „Wahrheit“ nicht. Schon gar nicht in der Mathematik. Er ist im MINT Bereich auch fehl am Platz. Theorien und Modelle der Physik werden zur Beschreibung unserer Welt gebraucht, man sollte sie nicht mit „der Wahrheit“ oder „der Realität“ verwechseln. Vielmehr hilfreich sind der Begriff der „Tatsache“ und der des „Sachverhaltes“ (Wittgenstein, Tractatus logicus).

    @Antje Schrupp: Warum haben Sie und Ihre Kolleginnen so eine Diffamierung von Frauen unwiedersprochen gelassen? Es setzt sich halt sonst doch in den Köpfen der Anwesenden fest, dass das schon so seine Richtigkeit hat, die Arbeit von Frauen gering zu schätzen. (Entschuldigung, dass wirkt jetzt sehr schroff, ist aber so nicht gemeint, ich bin des ständigen Richtigstellens selbst oft müde)
    Mir ist aber grad in einem anderen Kontext aufgefallen, wie wichtig es doch ist: Mir war klar, dass ich den Menschen, der seinen allgemeinen Fremdenhass kundtat nicht überzeugen würde und beinahe hätte ich nichts gesagt – so dumm einfach diese Scheinargumente und wozu, wenn gar nicht der Wille zur Auseinandersetzung vorhanden ist? Ich hab mich aber dann doch eingemischt. Und siehe da: Die bisher unbeteiligt Zuhörenden waren erleichtert und haben sich auf meine Seite geschlagen. Und es hat sehr wohl einen Unterschied gemacht – natürlich nicht für den einen Unverbesserlichen. Ist das nicht auch „affidamento“?

  50. @Antje – Gerne! Man kann das ja auch nicht wissen, wenn man nicht in dem Bereich arbeitet. Es stört mich nur immer sehr, wenn Tatsachen verdreht werden, um sinngemäß zu sagen „Aber im MINT Bereich kann es so etwas gar nicht geben – ist doch alles objektiv“. Zugegeben argumentieren auch viele meiner Kollegen so, weswegen ich auch nicht glaube, dass sich double-blind review auf Antrag durchsetzen wird.

    Für Projektanträge gibt es diesen übrigens erst recht nicht. Die Gutachter_innen bleiben dagegen natürlich anonym. Die EU hatte in einem Rahmenprogramm (das 4. oder 5. glaub ich), mal den double-blind review für Projekte eingeführt. Es wurden dann auch tatsächlich anteilig bezogen auf Einreichungen mehr Projekte von Frauen gefördert. Im darauffolgenden Rahmenprogramm kehrte man zum alten Verfahren zurück.

    @Lars – Popper ist nun wirklich mehr als überholt. Als Lektüre kann ich „Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaften“ von Ian Hacking empfehlen, auch wenn es inzwischen etwas älter ist. Wieviele Veröffentlichungen falsifizieren denn? Es ist längst akzeptiert, dass auch Naturwissenschaftler_innen im Wesentlichen verifizieren wollen. Aus der praktischen Arbeit kenne ich es auch gar nicht anders. Etwas zu publizieren, das einer allgemein akzeptierten These widerspricht kann je nach Status sogar ziemlich karriereschädlich sein. Projektmittel kriege ich so für meine Forschung sicher nicht beantragt. Auch Naturwissenschaftler_innen handeln und beurteilen als soziale Wesen.

  51. @Carola
    Ja, finde ich auch erhellend und aufschlussreich, Deinen Kommentar.
    Als Handwerkerin und Künstlerin bin ich, was den gesamten wissenschaftlichen Bereich betrifft, eine absolute Laiin, was es mir aber auch leichter macht, relativ unvoreingenommen überall reinzustöbern, was so an frei verfügbaren und halbwegs verständlichen Publikationen zu kriegen ist.
    Das erste, was ich im Sektor Naturwissenschaften und dann im Sektor Philosophie gelernt habe, ist der sehr verschiedene Umgang mit den Begriffen Wahrheit und Realität, und wie diese sich immer wieder verändert haben und quasi zeigen, wie fluide unser sogenanntes Wissen und der Umgang damit ist.
    Dass diese Wechselhaftigkeit, dieses „es ist eben nicht alles so wie man es die letzten xx Jahre gedacht hat“ auf viele Menschen, die sich in einer für sie bequemen (oder auch nicht so bequemen) Weltsicht eingenistet haben, ziemlich erschütternd wirken kann, kann ich zwar nachvollziehen, aber ich denke dann ganz oft:
    Warum verflixt noch mal sind die alle so ignorant, warum lesen sie nicht mal was über Wissenschaftsgeschichte, warum lesen sie nichts über die Entstehung von Theorien usw usw usw…
    Daher kann ich Antje`s Genervt-sein sehr gut nachvollziehen, ich denke, das findet man überall, wo Dinge sich verändern und die Aktiven irgendwann mürbe werden, weil man eben immer und immer wieder von vorn anfangen muss.
    Aber ich fürchte, es nützt nix: Man muss weiter an die Türen bollern, man muss Dinge richtig stellen, quasi updaten, und sich einmischen, gegen die Trägheit, gegen die Ignoranz.
    Die wird nämlich nie aufhören.
    Ich finde daher das Beispiel mit dem Einmischen von @Carola toll – es ist immer wichtig! Für die Unentschlossenen, für die, die noch nicht ganz eingenickt sind oder festgefahren.

  52. Die strikte Trennung zwischen Natur,- und Geisteswissenschaften und auch die Wertung/Abwertung dieser Bereiche scheint aber auch kein unangefochtener Status Quo mehr zu sein.
    Ich bin davon überzeugt, dass genau in dieser Trennung, und in der lange damit verbundenen Verknüpfung von stereotypisierenden Zuschreibungen wie männlich/weiblich für das eine bzw. das andere Feld mit dafür verantwortlich war und ist, dass die von @Antje und vielen anderen kritisierte Ignoranz feministischer (und anderer gesellschaftlicher Themen) Theorien so stark ist. Wobei natürlich weibliche (hochrangige) Geisteswissenschaftlerinnen genaus so mit der Lupe gesucht werden müssen wie Naturwissenschaftlerinnen, was natürlich daran liegt, dass Frauen generell erst sehr spät in beiden Feldern offiziell mitspielen durften.
    Ich meine mich zu erinnern, dass in einer Episode vom Resonator-Podcast darüber recht ausführlich gesprochen wurde (nicht über Frauen, aber über die Trennung der wissenschaftlichen Bereiche), dass es durchaus auch innerhalb der Wissenschaftsgemeinden Kritik an dieser Trennung gibt. Man scheint immerhin ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass man auch hier interdisziplinärer arbeiten könnte/sollte/müsste.
    Ich glaub das war diese Folge:
    http://resonator-podcast.de/2014/res025-armin-grunwald-und-die-zukuenfte/

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