Warum eigentlich nicht Imaminnen?

Wann ist eine Religion (oder Weltanschauung oder Kultur) frauenfeindlich? Meiner Ansicht nach ist ein wesentlicher Baustein die Frage, ob Frauen innerhalb dieser Traditionen Autorität zugesprochen bekommen, und zwar auch von Männern. Immer, wo es formale Strukturen gibt, in denen Autoritäten vorgesehen sind – Klerus, Lehrende, Gurus, also Leute, denen „man zuhört“ – müssen daher Frauen gleichermaßen wie Männer zu finden sein. Und zwar, das ist wichtig: Diese weibliche Autorität muss auch von Männern angenommen werden, das heißt, es muss weibliche Lehrerinnen/Autoritätspersonen nicht nur für andere Frauen geben, sondern auch für Männer. Eine Kultur, in der Männer nicht (systematisch, strukturell implementiert und damit auch gewährleistet) dazu angehalten werden, von Frauen zu lernen, ist bei mir gleich mal unten durch. Allerdings ist das nicht immer so leicht zu beurteilen wie zum Beispiel bei säkularen Staaten oder den christlichen Kirchen (die zusammen entstanden sind und damit auch strukturell ähnliche Organisationsformen haben) – da kann man nämlich einfach in den Statuten oder Gesetzen nachlesen,

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Besondere Umstände – Episode Corona 3

Benni, Eva und ich haben wieder einmal gepodcastet, diesmal noch mit einer vierten Mitdiskutantin, nämlich Anne (die Ihr vielleicht schon von unseren bzw-Zoom-Gesprächen kennt). Wie es dazu kam, erzählt sie ganz am Ende, nämlich bei 2:11 :)) Angefangen haben wir diesmal mit Bennis These, dass wir in historischen Zeiten leben (wie weltgeschichtlich historisch er das meint, war mir gar nicht klar gewesen) – ich äußere mich dabei eher skeptisch, was unsere Fähigkeiten anbelangt, von aktueller Gegenwart auf weltgeschichtliche Zusammenhänge zu schließen, ich denke, dass sich das erst rückwirkend zeigen wird. Später sprachen wir dann über die ebenfalls von Benni auf geworfene Frage, ob es Politik ohne „Fake-News“ geben kann. Denn es sind nicht nur die Rechten, die sich die Wahrheit in ihrer politischen Kommunikation zurechtbiegen, sondern auch Linke, die zum Beispiel bei Demo-Teilnahmezahlen schummeln und so weiter. Kann man ohne Propaganda-Maschinerie politisch sein, und wann/wie ist politisches Handeln wirkungsvoll? Das Ganze hinterlegt natürlich von der zunehmenden Dringlichkeit politischer Diskurse angesichts

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Ist Leihmutterschaft mit dem Grundgesetz vereinbar?

In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten – aber es gibt Bestrebungen, das zu ändern. Wie sieht das eigentlich aus einer verfassungsrechtlichen Perspektive aus? Wäre eine Lockerung mit dem Grundgesetz vereinbar? Dazu führte ich ein aufschlussreiches Interview mit der Verfassungsrechtlerin Laura Klein für das Internetforum „beziehungsweise weiterdenken“

„Gegenderte“ Sprache: Es geht nicht um Diskriminierung, sondern um Sichtbarkeit

Nele Pollatschek hat im Tagesspiegel einen Artikel geschrieben mit dem Titel „Gendern macht die Diskriminierung nur noch schlimmer“. Darin weist sie auf den Umstand hin, dass durch sprachliche Verwendung von weiblichen und männlichen Formen (statt des generischen Maskulinums) das Geschlecht von Personen eine größere Bedeutung annimmt, weil man ständig darauf hingewiesen wird, und stellt deshalb die These auf, dass inklusive Sprache die Diskriminierung von Frauen erhöhe und nicht bekämpfe (Ich finde das Wort Gendern falsch, weil auch das generische Maskulinum eine gegenderte Sprache ist). Anatol Stepanowitsch hat aus linguistischer Sicht bereits einige Gegenargumente hier gesammelt. Mir ist aber etwas anderes wichtig. Und zwar die Erinnerung daran, dass Pollatscheks Argumentation nicht neu ist, sondern in den 1990ern innerhalb des Feminismus stark diskutiert wurde, vor allem auch in Auseinandersetzung zwischen Feministinnen aus BRD und DDR, da in der DDR genau jenes „Frauen mitmeinende Maskulinum“ üblich war, das Pollatschek nun in Großbritannien auch wiedergefunden hat. Zu sagen „Ich bin Ingenieur“ war für Frauen

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Musste Hannah Hayes diesen Mann erschießen?

In der siebten Folge der siebten Staffel der Fernsehserie „Blacklist“ (Hannah Hayes, Nr. 125) gibt es ein interessantes ethisches Dilemma, das mit dem Schwangerwerdenkönnen und der vaterrechtlichen Kontrolle von Mutterschaft zusammenhängt. Ich möchte das hier zur Diskussion stellen. Allerdings muss ich dafür die Episode spoilern, sodass alle von euch, die sie noch nicht gesehen haben, aber noch sehen wollen, hier jetzt bitte nicht weiter lesen. In der Folge geht es um eine Reihe mysteriöser Entführungen. Wie sich herausstellt, sind die Opfer allesamt einflussreiche konservative Männer, zum Beispiel republikanische Politiker oder evangelikale Pfarrer. Sie werden für einige Monate entführt und bekommen in dieser Zeit eine Gebärmutter transplantiert, in die ein Embryo eingesetzt wird. Die Entführten werden erst wieder freigelassen wenn bei diesem Herztöne zu hören sind. Ziel ist offensichtlich, die Haltung dieser Männer zum Thema Abtreibungsverbote zu problematisieren, indem sie selbst gezwungen werden, die Erfahrung einer ungewollten, durch Vergewaltigung zustande gekommenen Schwangerschaft zu machen. Die Täterin ist eine Gynäkologin, die selbst

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Sieben Thesen zur Leihmutterschaft feat. Ukraine und Little Fires Everywhere

Aus Anlass der von Leihmüttern geborenen Kinder in der Ukraine, die die ersten Wochen ihres Lebens ohne Eltern verbringen mussten, habe ich etwas für den Blog 10 nach 8 auf Zeit online geschrieben. Dann habe ich die neue Amazon-Prime-Minisserie „Little Fires Everywhere“ geschaut und schon wieder ging es um sowas: Welche „Rechte“ ergeben sich aus dem Gebären? Und wie können Menschen, die selbst nicht gebären können (oder wollen) Eltern werden? (Achtung, kleiner Spoiler im Text…) Die Frage nach der moralischen Legitimität von Leihmutterschaft und danach, wie sich Beziehungen zwischen Erwachsenen und Babies konstituieren, steht heute oben auf der Agenda. Geschlechterdifferenz, rassistische Zuschreibungen, Armut und soziale Ungleichheit gehen hier Hand in Hand, Leihmutterschaft ist ein durch und durch „intersektionales“ Thema. Deshalb ist es auch so unbefriedigend, dass es meistens als „Pro“ und „Contra“ diskutiert wird. Ich jedenfalls kann weder völlig dafür noch völlig dagegen sein. Dass sich die Frage, welche Rolle es für eine Familiengründung spielt, wer mit dem Kind schwanger

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Mit Aliens reden

Im Redaktionsteam des Internet-Forums Beziehungsweise Weiterdenken hatten wir die Idee, ein neues Format auszuprobieren: So eine Art Zoom-Quartett zu Themen, die jeweils eine von uns interessieren. Den Anfang machte Anne Newball Duke (links unten): Sie schlug uns vor, über den Film „Arrival“ von Denis Villeneuve und die dahinter stehende Kurzgeschichte „Story of your Life“ von Ted Chiang zu sprechen. Das machten wir auch. Neben mir (rechts oben) mit dabei waren Jutta Pivecka (links oben) und Maria Coors (rechts unten). Es geht um Sprache, Feminismus, die Verständigung mit Aliens und um die Frage, ob Geschichte immer linear verläuft oder ob man das auch anders sehen kann. Enjoy!

Was ist eine Frau?

JK Rowlings Tweet, in dem sie sich über die Formulierung „menstruierende Personen“ lustig macht, hat wieder einmal zu Diskussionen über die Frage geführt, was denn eigentlich genau eine „Frau“ ist. Es gibt eine recht große Gruppe von Feministinnen, die darauf bestehen, dass nur Menschen mit weiblichen Genitalien/reproduktiven Körpern wirklich Frauen sein können. Auch wenn ich mich schon ab und zu in diese Diskussion eingemischt habe (zum Beispiel hier), so stört mich das Ganze inzwischen doch arg, weil kaum noch Argumente ausgetauscht werden. So wie man es ja auch in Rowlings Tweet sieht – sie bringt keine Argumente dafür, warum sie es albern findet, von menstruierenden Personen zu sprechen, sondern sie setzt auf die billigen Lacher ihrer Anhänger*innen – der gesunde Menschenverstand, höhöhö, weiß doch, was für ein Blödsinn das ist. Auch die Gegenseite argumentiert allerdings nicht immer gerne. Ich selbst werde regelmäßig als „transfeindlich“ kategorisiert, zum Beispiel wenn ich die unkritische Aneignung des Vaterbegriffs durch trans Männer kritisiere. Da zählen

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