Autor: Antje Schrupp
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Die Anwältin und ihre Zeugin
Als einer ihrer Kollegen befördert wird (und nicht sie), muss Hannah Maynard, Anklägerin am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, von ihm einen undankbaren Fall übernehmen, der zudem auch noch schlecht vorbereitet ist: die Beweisführung gegen einen serbischen Kriegsverbrecher. Im Prozess stellt sich heraus, dass der Hauptzeuge der Anklage, ein junger Bosnier, gelogen hat. Maynard hängt sich…
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Ich mach mir mein Politikerinnen-Interview selber
In der taz vom 24. August 2009 gab es ein langes Interview mit Manuela Schwesig. Die 35 Jahre alte Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern ist Frank-Walter Steinmeiers Wunschkandidatin für den Posten der Familienministerin einer SPD-Regierung. Ich war von dem Interview, gelinde gesagt, ziemlich enttäuscht. Und deshalb habe ich mir jetzt mein Politikerinnen-Wunschinterview selbst geschrieben. taz: Frau Schwesig, Sie…
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Was beim Sprechenlernen geschieht
Starre Mutterbilder sind Vergangenheit, doch was kann sinnvollerweise mit Mutterschaft gemeint sein? Dieser Frage geht Andrea Günter in ihrem Büchlein nach. Mit der Geburt und dem Durchtrennen der Nabelschnur ist die unmittelbare körperliche Verbundenheit zwischen Mutter und Kind ent-bunden, und es entsteht die Notwendigkeit einer Beziehung, die durch Kommunikation und durch Sprache vermittelt ist. Um…
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Die Politik der Frauen
In den vergangenen Wochen habe ich das neue Buch der italienischen Philosophin Chiara Zamboni gelesen, in dem es um das „Denken in Anwesenheit“ geht. Ihre These ist, dass Denkprozesse anders ablaufen, je nachdem, ob zwei oder mehr Menschen sich persönlich kennen (und körperlich anwesend sind), oder ob es ein einsamer Schreibprozess am Computer ist. Von…
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Anarchistische Vordenker
Zwei neue Bücher über anarchistische Aktivisten am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts sind soeben erschienen: Eine „Ungeschriebene Autobiografie“ des Italieners Errico Malatesta und der zweite Band „Ausgewählte Schriften“ des Deutschen Gustav Landauer. Mich hat die Lektüre vor allem deshalb interessiert, weil ich mich bisher mit dem Einfluss von Frauen auf den frühen…
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Bei mir im Blog wird nichts gestrichen…
… sondern radikal gelöscht und verändert. Ich mache diese Mode, alte Versionen durchzustreichen und die neue dann daneben zu schreiben, nicht mit. Genau das war es nämlich, was mir damals, gleich zu Beginn, am Internet so besonders gut gefiel: dass man dort alles, was man ändern will, auch sofort ändern kann. Und diese Freude lass…
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Nein, die Kinderlosen sind nicht schuld
Erstmals hat das statistische Bundesamt jetzt eine Erhebung gemacht zu der Frage, wie viele Kinder Mütter in Deutschland haben. Das heißt, es wurde nicht wie sonst nur die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau erhoben, sondern auch die Entwicklung innerhalb der Gruppe der Mütter selbst untersucht. Als ich vor drei Jahren mein Buch „Methusalems Mütter“ schrieb, lagen…
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Viel mehr als Gleichberechtigung…
Seit zehn Jahren gibt es im Christel Göttert-Verlag eine Reihe mit kleinen, quadratischen philosophischen Bändchen mit aktuellen Impulsen feministischer Denkerinnen. Soeben sind zwei neue erschienen: „Mutter, Sprache, Autorität“ von Andrea Günter (das bespreche ich später an dieser Stelle auch noch), sowie eines von Ina Praetorius mit dem Titel „Weit über Gleichberechtigung hinaus. Das Wissen der…
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Gezwungen, das Gesetz zu unterschreiben?
In einem taz-Artikel über den Antrittsbesuch der litauischen Präsidentin Dalie Grybauskaite in Schweden geht es um ihre Kritik an dem neuen so genannten „Moralgesetz“ in Litauen. Ein Satz darin hat mich ins Grübeln gebracht. Sie wird zitiert mit den Worten: „Ich bin empört über das Gesetz, es rückt Litauen in ein schlechtes Licht und es…