Sexualität und Freiheit

Sexualpolitik ist ein in letzter Zeit ziemlich vernachlässigtes Thema, wie ich finde. Zwar wird in akademischen Kreisen viel darüber geschrieben, dass es eigentlich gar keine Geschlechter gibt, aber in der Realität gibt es sie eben doch. Auf diesem Weg kommen wir nicht wirklich weiter. Außerdem ist dieser Diskurs reichlich westlich-aufgeklärt dominiert. In dem Zusammenhang hat Angelika Hassani einen schönen Artikel darüber, dass „queer“ auch einer der vielen schönen Namen Gottes im Islam ist: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-8-92.htm Und es gibt zwei neue Bücher, die daran erinnern, dass freiheitliche Sexualpolitik eine Geschichte hat. Sie zu lesen ist interessant, aber auch ein bisschen traurig, weil es uns daran erinnert, dass die Geschichte nicht immer hin zu mehr Freiheit verläuft, sondern manches Mal auch rückwärts: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-7-97.htm

Sex Wars – der neue Roman von Marge Piercy

Marge Piercy hat in ihrem neuen Roman „Sex Wars“ (leider bisher nur auf Englisch) das Leben der Victoria Woodhull fulminant erzählt und verwoben mit der Geschichte der amerikanischen Frauenbewegung (und ihrer Protagonistin Elizabeth Cady-Stanton), dem fanatischen Anti-Sex-Warrior Anthony Comstock und einer (fiktiven) jüdischen Einwanderin, die sich tapfer durch das New York des 19. Jahrhundert schlägt. Ein echter Lesetipp!

„Sex Wars“ – neuer Roman von Marge Piercy

Die amerikanische Science-Fiction-Autorin Marge Piercy, die sich eigentlich mit der fernen Zukunft beschäftigt, entdeckt in ihrem neuen Buch „Sex Wars“ die Vergangenheit als Gefilde „unbekannter Welten“. Und tatsächlich sieht es so aus, als sei der „Krieg der Geschlechter“ (oder auch der um die Sexualität – im Englischen ist das ja schön zweideutig) mindestens so spannend wie der „Krieg der Sterne“, auf den der Titel anspielt. Eine entscheidende Rolle spielt in der Geschichte Victoria Woodhull – sie ist neben der Frauenrechtlerin Elizabeth Cady-Stanton und dem puritanischen Kämpfer gegen sexuelle Freiheit, Anthony Comstock, eine der drei Hauptfiguren, die die Rahmenhandlung zu der Geschichte einer russisch-jüdischen Einwanderin im New York des 19. Jahrhunderts abgeben. Ich habe bisher erst ein paar Kapitel geschafft – aber die lasen sich sehr viel versprechend! In diesem März bin auch ich viel in Sachen Victoria unterwegs. Zum Beispiel noch am Mittwoch, 21. März, um 20 Uhr in Steyr/Österreich, im Kulturzentrum, Färbergasse 5. Für alle, die nachlesen wollen, gibt

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Zwangsheirat und Liebesehen

Ich empfehle wärmstens die Autobiografie von Ayaan Hirsi Ali „Mein Leben, meine Freiheit“ (mehr). Bei der Lektüre ist mir klar geworden, was hierzulande an der Diskussion über Zwangsheirat (im Islam und andersw0) schief läuft: Die muslimischen Frauen, die wie Hirsi Ali gegen diese Praxis protestieren und sich wehren, tun das aus Liebe zur Freiheit. Statt in einer patriarchalen Ehe zu versauern wollen sie hinaus in die Welt: reisen, studieren, Politikerin werden. Ihr Protest trifft aber im Westen auf eine Kultur, die es immer noch, trotz aller Emanzipation, als höchste Lebensaufgabe einer Frau ansieht, den richtigen Mann fürs Leben zu finden. Den einen, der ihr Sinn und Halt und wasweissich geben soll – ein Blick in die nächstbeste Frauenzeitschrift reicht, um diese These zu belegen. Die Vorstellung, zwangsweise mit einem Mann verheiratet zu werden, den sie nicht liebt, erscheint da natürlich nicht nur als Unterdrückung, sondern als Horror, weil er dem weiblichen Wesen diametral entgegen gesetzt, das die Liebe zum (richtigen)

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Selbst Philip K. Dick konnte sich das nicht vorstellen…

Eben las ich die Kurzgeschichte „Gewisse Lebensformen“ des genialen Science-Fiction-Autors Philip K. Dick – und musste wirklich schmunzeln. Diese Geschichte hat er 1953 geschrieben und sie ist in vielerlei Hinsicht visionär: Es gibt darin selbstregulierende Wärmesysteme in Häusern, so eine Art Internet, schlüssellose Türen mit biometrischer Personenerkennung und dergleichen mehr. Die Erde führt Kriege gegen alle möglichen Planeten, das heißt: Das Ganze spielt sehr weit in der Zukunft. Die Erde hat sich total verändert. Nur eine Veränderung konnte sich Dick damals noch überhaupt nicht vorstellen – dass Frauen Soldatinnen sein könnten. Das ist für ihn das Absurdeste überhaupt. Kein Vorwurf an Philip K. Dick. Wahrscheinlich war dieser Gedanke in den Fünfzigern eben genau das, absurd. Aber es zeigt eben doch, wie schnell sich die Realität ändern kann. Wir müssen es nur machen.

Neue Buchtipps

Zwei soeben erschienene Bücher möchte ich euch empfehlen: Frisch aus der Druckerpresse kommt das neue Büchlein von Dorothee Markert: Fülle und Freiheit in der „Welt der Gabe“. Ihre These ist, dass der Wunsch, anderen zu geben, ein menschliches Grundbedürfnis ist, und sie plädiert dafür, dass wir die „Kultur der Gabe“ ebenso wichtig nehmen, wie die „Kultur des Tausches“ und dabei vor allem beide Ebenen nicht miteinander vermischen, sie aber auch nicht gegeneinander ausspielen. Es handelt sich um eines der kleinen quadratischen Büchlein zur Philosophie aus dem Christel-Göttert-Verlag und kostet nur 5 Euro.Ebenfalls empfehlen möchte ich das Buch von Georg Magirius: „Vom Reichtum des einfachen Lebens. Auf den Spuren Jesu Alternativen entdecken“ (Grünewald-Verlag). Entgegen des Titels ist es keineswegs ein weiteres Plädoyer für Asketentum, sondern ein Vorschlag, neu über den Sinn des Ganzen nachzudenken und Reichtum zu entdecken, wo man ihn erstmal nicht vermutet.Ausführliche Rezensionen dazu findet Ihr demnächst auf meiner Homepage.