Freiheit in Bezogenheit. Eine Auseinandersetzung mit Joachim Gauck und Co.

Joachim Gauck nennt sich – im Vorwort zu seinem gerade veröffentlichten Essay – einen „Liebhaber der Freiheit“. Als Betreiberin eines Blogs, der sich „Aus Liebe zur Freiheit“ nennt, musste ich den natürlich lesen.

Noch mehr Ähnlichkeiten in seiner und meiner Wortwahl zeigten sich dann während der Lektüre. So schreibt Gauck ganz explizit von „Freiheit in Bezogenheit“ – eine Formulierung, die einige politische Denkfreundinnen und ich in einem 2009 erschienenen Buch gewählt haben, dessen Titel lautet: „Sich in Beziehung setzen. Für eine Weltsicht der Freiheit in Bezogenheit“.

Ob Gauck seine Wortwahl von uns hat oder ob es sich hier um eine bloße Koinzidenz handelt, weiß ich nicht (allerdings ist unser Buch in evangelischen Kreisen, zumindest unter Frauen, recht breit rezipiert worden). Aber das ist auch nicht so wichtig, für gute Ideen gibt es ja kein Copyright, und je weiter sie sich verbreiten, umso besser.

Leider aber versteht Gauck den Begriff völlig anders als wir. Sein Aufgreifen des (letztlich schon auf Hannah Arendts Diktum vom „Bezugsgewebe menschlicher Angelegenheiten“ zurückgehenden) Gedankens, dass Freiheit nicht nur Unabhängigkeit bedeutet, sondern erst in Beziehungen zum Ausdruck kommt, verhungert sozusagen auf halber Strecke. Es bleibt auf der Ebene einer Binsenweisheit.

Gauck beschreibt zwei Arten von Freiheit: Die „jugendliche“, revolutionäre Freiheit, die vor allem auf Autonomie und Unabhängigkeit setzt, also „Freiheit von etwas“ ist. Und dann die „erwachsene“, Verantwortung übernehmende Freiheit, die die Welt gestaltet, also „Freiheit zu etwas“ ist. Damit umreißt er im Wesentlichen den Konsens, den die westeuropäische männliche Philosophie seit langem tradiert. Freiheit wird dabei aus der Perspektive des erwachsenen, mündigen, gesunden Mannes gedacht (der heute, in emanzipierten Zeiten, freilich auch eine Frau sein darf).

Freiheit ist dabei ein Objekt des männlichen Begehrens, dem sich verschiedene Männer auf durchaus unterschiedliche Weise nähern: Der Engländer liebt die Freiheit „wie sein rechtmäßiges Weib“, der Franzose „wie seine erwählte Braut“ und der Deutsche „wie seine Großmutter“ – wie es der wortgewaltige Heinrich Heine einmal formuliert hat, der von Gauck wieder herangezogen wird.

Und – Bezogenheitsdenken hin oder her – auch Gauck macht wieder die alten Gegenüberstellungen auf zwischen „freiheitsliebenden“ Bürgern einerseits und „Besitzstandswahrern“, denen ihre materielle Sicherheit wichtiger ist als die Freiheit, andererseits.

Unter „Bezogenheit“ versteht Gauck nämlich nichts anderes, als die Integration von Verantwortung in das autonome Freiheitsstreben. Damit zelebriert er erneut den klassischen patriarchalen Kampf zwischen Vätern und Söhnen: Während letztere sich gegen jeden Zwang und jede Fremdbestimmung wehren, will Gauck die Freiheit (eben unter dem Stichwort „Bezogenheit“) nicht mehr individuell-egoistisch, sondern pragmatisch-realitätsbezogen sehen unter der Formel: „Wenn ich für andere sorge, bin ich erst so richtig frei“.

Dass er sich damit explizit von den Linken distanziert, wurde in den letzten Tagen von verschiedenen Seiten heftig kritisiert, aber natürlich kriegt diese Art der Argumention von linker Seite auch immer wieder neues Futter. Zum Beispiel wenn Denker wie der von vielen unter ihnen quasi als Popstar verehrte Philosoph Slavoj Zizek Sachen schreiben wie: Wer wirklich revolutionär sein will, muss Frau und Kind letztlich erschießen, um nicht mehr erpressbar zu sein.

Für mich und viele politisch denkende Frauen, die ich kenne, ist dieser altbackene Streit zwischen revoluzzenden Söhnen und verantwortungsschweren Vätern schon lange langweilig geworden. Worum es uns geht, das ist die Einsicht in die eigene Bedürftigkeit, die eigene Abhängigkeit. Denn nur wer diesen Standort einnimmt, wird die Fülle der wahren Freiheit entdecken, die das „Bezugsgewebe der menschlichen Angelegenheiten“ bereithält. Und kann sich dann von dem krampfhaften Streben nach Autonomie und Eigenverantwortung verabschieden, das prinzipiell unerreichbar ist, weil es sich lediglich um eine patriarchale Illusion, ein Wolkenkuckucksheim handelt.

Wir haben in unserem Buch vorgeschlagen, Freiheit überhaupt nicht mehr von der Autonomie her zu denken (sei sie nun mit Verantwortung für andere verknüpft oder nicht), sondern im Gegenteil von der eigenen Bedürftigkeit her. Bedürftigkeit und Abhängigkeit sind nämlich nicht menschliche Besonderheiten, die von der „normalen“ Autonomie abweichen und daher mit Freiheit tendenziell in Konflikt stehen. Sondern sie sind im Gegenteil die Voraussetzungen für Freiheit: Frei sein können wir, weil wir von anderen bereits Fürsorge und Zuwendung bekommen haben.

Mehr Männern als Frauen fällt dieser Paradigmenwechsel schwer. Die meisten Befürworter des Grundeinkommens argumentieren zum Beispiel damit, dass Sozialleistungen vom „Stigma der Fürsorge“ befreit werden sollen. Genau das Gegenteil ist notwendig!

Und auch Gauck zeigt nun: Selbst wenn Männer die Formel „Freiheit in Bezogenheit“ aufgreifen, bedeutet das noch lange nicht, dass sie sich von dem alten Autonomiegedanken verabschiedet haben. Irgendwo scheint es eine Barriere zu geben, die es ihnen (und manchen „emanzipierten“ Frauen vermutlich ebenso) schwer macht, die eigene Bedürftigkeit anzuerkennen und sie in ihr Freiheitskonzept integrieren.

Offensichtlich ist es durchaus möglich, „Bezogenheit“ zu sagen und trotzdem weiterhin die Perspektive des großen Zampanos beizubehalten, der für andere etwas tut. Worauf es aber ankäme wäre, zu verstehen (und in die politische Reflektion über Freiheit einzubeziehen), dass andere immer schon etwas für mich getan haben, bevor ich selber frei sein kann. Und dass ich diese Abhängigkeit mein Leben lang nicht loswerde.

Joachim Gauck: Freiheit. Ein Plädoyer. Kösel 2012.

46 Gedanken zu „Freiheit in Bezogenheit. Eine Auseinandersetzung mit Joachim Gauck und Co.

  1. Ob Gauck seine Wortwahl von uns hat oder ob es sich hier um eine bloße Koinzidenz handelt, weiß ich nicht (allerdings ist unser Buch in evangelischen Kreisen, zumindest unter Frauen, recht breit rezipiert worden).

    Evangelische Ghostwriterin oder Lektorin vielleicht?

    Oder er hat es von den Fromm-Fans?
    http://www.erich-fromm.de/biophil/en/images/stories/pdf-Dateien/Birkenbeil_E_J_1987.pdf

    Worauf es aber ankäme wäre, zu verstehen (und in die politische Reflektion über Freiheit einzubeziehen), dass andere immer schon etwas für mich getan haben, bevor ich selber frei sein kann.

    Ich schätze, die Abhängigkeit verdankt ihren schlechten Ruf nicht allein der Tatsache, dass man manchmal bedürftig ist und das egomäßig für mache Zeitgenossen schwierig ist. Sondern dass Abhängigkeit manchmal ausgenutzt wird, z.B. manipulativ, oder um jemand in der Unselbständigkeit zu halten, oder um eine Rechnung nachzureichen („nach allem, was ich für Dich getan habe, kann ich jetzt erwarten, dass…“). Wenn Abhängigkeit mit eine schlechte Erfahrung verbunden ist, hilft es nicht viel, wenn man sie philosophisch-intellektuell umdefiniert.

  2. Frei bist Du also erst, wenn Du von Unabhängigkeit unfrei bist? Ich halte das für eine auf soziale Bezugnehmung verkürzte Freiheitsdialektik – in bester jesuitischer Tradition. Unabhängig von Männlein oder Weiblein ist doch die Entscheidung der Freiheit die der bewussten Willensentscheidung: Ob Du ein Subjekt oder ein Objekt sein willst. Und wenn Du Subjekt bist – ob Du die individuelle oder die solidarische Seite wählst. Aber ohne Wahl-freiheit gibt es diese Freiheit eben nicht.

  3. Hier entscheidet man (vor allem Frau) was was ist.Und was RICHTIG ist :)) Wie soll ich das nur meiner Nachbarin (auf Deutsch) erklären?
    Sascha Lobo hat diesen Beitrag auf fb geteilt. Ich werde das nicht tun.

  4. freiheit von der eigenen bedürftigkeit zu sehen, ist kapitalismus, der vom mangelprinzip getragen wird und mit den erkenntnissen der quantenphysik nicht kompatibel sind, liebe ist der klebstoff zwischen mann und frau auf augenhöhe und bedeutet fülle, so wie der bibelspruch, lebt wie die vögel des himmels, das ganz einfach ausdrückt, deshalb sprechen die frauen, die das martriachat fördern von einer schenkenden kultur, deshalb setzt sich erich fromm für ein grundeinkommen für männer frauen und kinder ein, damit dieser klebstoff liebe nicht an äußere patriarchalische besitzstrukturen gebunden ist. und hier. somit ist nur die frage zu beantworten, was wollen wir mit unserer kultur schaffen, jenseits des zwanges, der durch die besitzverhältnisse ausgelöst werden.

  5. Stark.

    Eins muss man dem Gauck lassen: Seit seiner Nominierung werden einige wichtige inhaltliche Debatten öffentlich geführt. Nur nicht von ihm.

  6. Gezuckt habe ich bei „Die meisten Befürworter des Grundeinkommens argumentieren zum Beispiel damit, dass Sozialleistungen vom „Stigma der Fürsorge“ befreit werden sollen. Genau das Gegenteil ist notwendig!“. — Wow, das ist richtig, Es war mir aber gar nicht so bewusst. Danke für die Augenöffnung!

    (Dass im Text eigentlich „Stigma der Forsorge“ steht, was mein Auge auch beim wiederholten Lesen erst nicht gesehen hat, ist sicher ein Tippfehler.)

  7. @Joachim Graf – Ja, du wiederholst genau das, was ich kritisiere. Imho gibt es keine „subjektive Willensentscheidung“ in dem Sinne, denn alle unsere Entscheidungen sind immer schon Folge von Beeinflussungen. In welche Sackgassen diese Denkweise führt, zeigt ja auch dieser Pseudostreit zwischen Philosophie (Freiheit des Willens!) und der Hirnforschung, der sich genau darum dreht.

  8. Sehr guter Artikel. Die Kritik an dem männlichen Freiheitsdünken als „meine Freiheit“ finde ich schlüssig.
    Trotzdem stutze ich: Dass jeder zum Leben etwas braucht und in vieler Hinsicht bedürftig ist, macht klar, dass Freiheit wohl kaum mehr als ein Residuum sein kann, das berühmte Stück persönliche Freiheit, „ein Zimmer nur für mich“, „eine Zeit für mich allein“.
    Bei aller „Bezogenheit“ des einzelnen ist damit ja noch nichts gesagt über die Freiheit, die Beziehungen selbst zu regeln. Historisch ist das immer eine der wichtigsten Freiheitsforderungen der Frauen gewesen. Freie Partnerwahl, freie Berufswahl, freie Wahl des Wohnsitzes … ab „Freiheit in der persönlichen Lebensgestaltung“ wird es dann schon schwierig?!
    Was genau ist denn jetzt in deinen Augen die Freiheit, die uns allen gut tun würde, nach der wir streben sollten, die wir haben oder nicht haben?

  9. Danke, habe gekichert, weil ichs prima weiterspinnen konnte. Vor allem bei der Vorstellung der großstädtischen „Autonomen“ hier umme Ecke, erstmals mit einer Kuh und dem Ansinnen konfrontiert, sie melken zu sollen.

    Die eigenen Abhängigkeiten zu erkennen ist tatsächlich ein erster Schritt zur Freiheit. Und dann mal sehen, was man daraus macht.

  10. @Fritz – Die Frage mit dem „Beziehungen selber wählen“ ist ein sehr gutes Beispiel. In der Geschichte der Emanzipationskämpfe ging es (zu Recht) immer arg darum, sich von aufgezwungen, unfreien Beziehungen unabhängig zu machen (Beispiel: Ehefrauen von Ehemännern). Begründet wurde das meistens mit Autonomie. Meine Sicht wäre, dass das Lösen von schlechten Beziehungen nur möglich ist, wenn man sich andere, gelingende Beziehungen schafft. Also die Unabhängigkeit von Männern erreichten Frauen, indem sie bewusst Beziehungen zu anderen Frauen knüpften, zum Beispiel in einem Frauenzentrum. Schlechte Beziehungen aufkündigen bedeutet nicht, „sich unabängig machen“, sondern „die Abhängigkeit frei zu gestalten.“ Das heißt, zum Kultivieren einer guten Freiheit gehört es dazu, gute Beziehungen zu pflegen und zu stärken, weil das die Voraussetzung dafür ist, dass man schlechte Beziehungen aufkündigen kann.

  11. „Meine Sicht wäre, dass das Lösen von schlechten Beziehungen nur möglich ist, wenn man sich andere, gelingende Beziehungen schafft. Also die Unabhängigkeit von Männern erreichten Frauen, indem sie bewusst Beziehungen zu anderen Frauen knüpften, zum Beispiel in einem Frauenzentrum.“

    Das ist aber doch nur die rein menschliche Ebene, auf der Du argumentierst – die Art Freiheit kann auch der Insasse von Santa Fu geniessen.

  12. Schon von Rousseau wurde zwischen der natürlichen und der republikanischen Freiheit unterschieden. Macht mal jetzt nicht so einen Wind davon, wer hier der/die Originellere ist. Im Zweifelsfall wurde von Rousseau abgeschrieben. Und das ehrt jeden, der es macht. Basta.

  13. Zum Stigma der Fürsorge: Das BGE wäre ja keine Fürsorge im klassischen Sinn. Mit Fürsorge war ja auch eine gewisse Betreuung oder Gängelung gemeint. Das BGE wird von manchen Sozialarbeitern dafür kritisiert, dass man gewissermaßen den Leuten Geld in die Hand drückt und sie dann sich selbst überlässt.

  14. “Meine Sicht wäre, dass das Lösen von schlechten Beziehungen nur möglich ist, wenn man sich andere, gelingende Beziehungen schafft. Also die Unabhängigkeit von Männern erreichten Frauen, indem sie bewusst Beziehungen zu anderen Frauen knüpften, zum Beispiel in einem Frauenzentrum.”

    Wieso eigentlich „nur“? Viele Wege führen nach Rom. Es gibt auch Menschen, die sich nach einer Trennung erst mal eine Runde verkriechen wollen und anschließend neue Beziehungen knüpfen. Es gibt Leute, die in eine Stadt umziehen, in der sie niemand kennen, und das gab es auch schon vor Facebook. Und es gibt andererseits auch Frauen, die ihre Unzufriedenheit mit dem Partner so leben, dass sie sich unter Freundinnen regelmäßig ausjammern und es damit leichter machen, so weiter zu machen wie bisher. Vor der Einführung der Scheidung war ja auch kaum was anderes möglich.

    Verstehe ich nicht, wieso Philosophie bedeutet, dass es immer nur (D)einen Deinen Weg (derTrennung, der Erkenntnis…) geben soll.

  15. @AntjeSchrupp:

    „Exakt“ sagst Du – es fällt mir schwer, zu verstehen, wieso Du nicht einsehen kannst, dass wahrscheinlich viele Männer und Frauen ( und meinetwegen mehr Männer als Frauen ) Deinen Paradigmenwechsel schlicht nicht werden „vollziehen“ wollen – nicht, dass sie es nicht könnten.

    Für die meisten dürfte ein Freiheitsbegriff, der auf reine Innerlichkeit abstellt, doch ein riesengroßer Rückschritt gegenüber dem sein, was in unserer Gesellschaft möglich ist.

  16. „Also die Unabhängigkeit von Männern erreichten Frauen, indem sie bewusst Beziehungen zu anderen Frauen knüpften, zum Beispiel in einem Frauenzentrum.“

    Übrigens könnte man dazu auch anführen, dass nur, weil (manche) Frauen Beziehungen zu anderen Frauen knüpften, um so von Männern unabhängig(er) zu werden, noch lange nicht Männer von Frauen unabhängig wurden.

  17. @Andreas – Natürlich gibt es viele Männer (du zum Beispiel), die diesen Perspektivenwechsel nicht nachvollziehen wollen (obwohl sie es evtl. könnten). Deshalb grenzen sie sich ja auch explizit gegen feministisches Denken ab, was okay ist. Da stelle ich dann einfach einen Dissens fest und gut.
    Gauck (und um ihn ging es ja in meinem Blogpost) ist aber ein anderer Fall: Denn er will ja explizit NICHT an dem alten Begriff von Freiheit festhalten, sondern überlegt sich neue Wörter, zum Beispiel „Bezogenheit“. Und deshalb kann ich es mir bei ihm (anders als bei dir) nicht so einfach erklären, warum er letztlich doch bei den alten Ideen bleibt und sie nur in neue Wörter kleidet.

  18. Man kann sich für Gauck nur wünschen, dass wenn er mit 95 % der Mehrheit aller Delegierten zum Bundespräsidenten gewählt worden ist, er nach Südafrika reisen darf. Dort sollte man ihm mal die Arbeit der „Wahrheitskomitees kennenlernt, damit er versteht, was es heißt, die Würde der Opfer steht über dem Recht des Schweigens für die Täter, damit denen ja nie ihre Schandtaten vorgehalten werden.
    Nelson Mandela hat einen Vornamen, Gauck heißt nur Gauck, wie es typisch ist für Bürokraten.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheits-_und_Vers%C3%B6hnungskommission

  19. Unter „Bezogenheit“ versteht Gauck nämlich nichts anderes, als die Integration von Verantwortung in das autonome Freiheitsstreben. Damit zelebriert er erneut den klassischen patriarchalen Kampf zwischen Vätern und Söhnen:

    Ich habs ja nicht gelesen, aber so, wie das hier steht, könnte es auch was anderes bedeuten. Wenn alle mehr Verantwortung übernehmen, braucht der Staat es nicht mehr tun. Sagt Rick Santorum übrigens auch so ähnlich.

  20. Und kann sich dann von dem krampfhaften Streben nach Autonomie und Eigenverantwortung verabschieden, das prinzipiell unerreichbar ist, weil es sich lediglich um eine patriarchale Illusion, ein Wolkenkuckucksheim handelt.

    das ist nun aber auch nicht mehr als eine binse. ebenso wie das hier:

    Frei sein können wir, weil wir von anderen bereits Fürsorge und Zuwendung bekommen haben

    dünnes, hübsch verbrämtes blabla. niemand kann tatsächlich völlig frei sein oder autonom. das geht gar nicht. also worüber reden wir hier eigentlich? was für eine freiheit, frei wovon und wofür soll das sein?

    achso, irgendwie ist es auch überflüssig, im EP „emanzipiert“ in anführungszeichen zu setzen und damit einen ironischen unterton zu kommunizieren.

  21. der mond erscheint uns frei, er ist es nicht. der mensch erscheint uns gebunden an die luft die er atmet, ist er frei? es geht um die würde des menschen und das hat etwas mit leben und lebendigkeit zu tun. was ist freiheit? die bindung an leben und lebendigkeit, liebe ich das, ist für mich diese bindung gleich freiheit.

  22. @AntjeSchrupp:

    „…was okay ist“ – na ja, immerhin behauptest Du ja, dass die Abgrenzung von feministischen Gedanken keine gut begründete ist.

    Und stellst, um das zu zeigen, die alten Begriffe in meinen Augen oft auf eine Weise dar, mit der Du es Dir bei weitem zu einfach machst.

    Nimm zum Beispiel nur Deine Darstellung des „Vater-Sohn-Konfliktes“, der in der Tat langweilig wäre, wenn es nur darum ginge, die Freiheit ohne Verantwortung gegen die Freiheit in Verantwortung auszuspielen.

    In der Realität hat der aber meistens eine ganz andere Bedeutung – es geht um das Aufbegehren gegen eine durch die Väter bestimmte Ausrichtung von gesellschaftlichen Normen oder was auch immer, die sich schlicht überlebt hat, nicht mehr angemessen ist, vor neuen Problemen steht, die mit alten Mitteln nicht lösbar ist, keinen Sinn mehr ergibt, sich als verbrecherisch erwiesen hat usw. usf.

    Deine Einschätzung wundert mich umso mehr, als Du selber doch gerade Zeugin der ersten Vater-Tochter und mittlerweile auch Mutter-Töchter-Konflikte wirst – dank des Feminismus natürlich.

  23. @Andreas
    Nun bin ich auch ein Mann und sehe das ähnlich. Der Mutter-Tochter-Konflikt existiert in unserer Gesellschaft genauso wie der Vater Sohn-Konflikt, so wie der Mann-Frau-Konflikt durch die Feminisierung noch dazu gekommen ist. Mich beschäftigte nur, warum sich das so verschärft hat. Denn wieviel Beziehungen von Männern und Frauen existieren denn noch?
    Ich wies auf den Freimaurer Mozart hin der das in seiner Zauberflöte aufgedeckt hat. Er sprach von Papagena und Papageno und er sprach von PA-Mina, also die Mina des Papas, die sich seinen Kriterien unterwirft. Also erst einen „Doktor“ macht um heiraten zu dürfen, nein, um dazuzugehören, sich männlichen Konkurrenzprinzipien unterwirft. Und da wir Wissen, das Sprache und die Analyse auch dazu dient, zu gewinnen, und den Gegner durch bessere Rethorik oder und Argumente verlieren zu lassen, haben Frauen hier „aufgeholt“ was auch hier sichtbar wird. Damit verleugnen sie aber die marteriarchalen Strukturen, die eine KÖNIGIN DER NACHT dokumentieren würde, die im Mittelalter noch als Hexen verbrand wurden. Sie haben die Fähigkeit das SEIN zu verkörpern dem HABEN und WOLLEN geopfert. Welcher Mann interessiert sich für diese Art Frauen? Ja, ganz richtig, die Weicheier, die zu diesen e-MANN-zipierten Frauen ziehen, und sich zu etwas verändern lassen, was ihrer Art überhaupt nicht entspricht. Doch die emanzipierten Frauen sind mit ihnen nicht glücklich, so bleibt ihnen eine Frauenbeziehung oder doch heimlich ein Afrikaner, der dann mehrere beglückt, falls er poligam veranlagt ist.

  24. @axel – Ja, der Mutter-Tochter-Konflikt existiert in der Realität auch, aber ist über Jahrhunderte nicht Gegenstand kulturpolitischer Auseinandersetzungen und Debatten gewesen, da man ihn für unwichtig erachtet hat.

    Was den Rest deines Kommentars betrifft, so als Info für dich und für Andreas – dieses Thema von Mann-Frau-Emanzipation etc.pp. ist nicht Gegenstand meines Blogposts und daher werde ich weitere Kommentare, die sich darauf beziehen, an dieser Stelle nicht freischalten. Das könnt Ihr anderswo diskutieren.

  25. Das ist richtig der Mutter-Tochter-Konflikt wurde nicht öffentlich diskutiert, weil Männer als „Jäger“ gesehen wurden, die für das Äußere zuständig waren, das hat sich geändert, nur dass sich die Position der Frau dadurch nur äußerlich verbessert hat, auf Kosten größerer Innerlichkeit. Deshalb sind ja für die Feministinnen die Matriarchartsforscherinnen wie claudia von werlhof, sie sieht keine Mangel oder Bedürfnisgesellschaft sondern eine kommende schenkende natürliche Gesellschaft…

  26. > claudia von werlhof, sie sieht keine Mangel oder Bedürfnisgesellschaft sondern eine kommende schenkende natürliche Gesellschaft…

    Adel und Realität sind ja traditionell nur eingeschränkt kompatibel.

  27. Aber auch nur weil neuerdings das Kriegen durch Krieg in Verruf gekommen ist. Was übrigens auch ein Hindernis für „schenkende natürliche Gesellschaften“ sein dürfte … die gibt es auch fast nur dort, wo das, was man schenkt, dem Nachbarn weggenommen wurde, mit Hilfe des Beschenkten.

  28. http://www.ab40.de/seiten/archiv_skizzen/06_1/06_1_4a.html
    Nun ja, Voruteile sind auch Urteile, ich weiß jetzt nicht was das Schenken mit dem Adel zu tun hat, gerade der hatte bislang nichts zu verschenken.
    Es geht hier um die Praxis des Schenkens von Geneviève Vaughan und
    es geht um die gesellschaftliche Analyse: „Und nun gibt es in unserem kapitalistischen System, so wie es eben auch Geneviève Vaughan beschrieben hat, gleichfalls viel Schenken – in erster Linie von Müttern und Menschen, die in Ehrenämtern arbeiten. Aber diese Gaben oder Leistungen werden ausgebeutet und ausgenutzt für die umfassende kapitalistische Profitökonomie. Das ist genau die Umkehrung. Mütterarbeit wird ausgebeutet. Genevieve Vaughan geht sogar soweit und sagt, dass diese Menschen gezwungen werden, ihre Arbeit zu schenken. Sie besteht auch darauf, dass diese unendlich verborgene Ökonomie des Schenkens, die vom Patriarchat ausgenutzt wird, endlich einmal ans Licht gebracht wird. Es geht dabei nicht nur um die Arbeit der Mütter, sondern auch um die Arbeit von Frauen und Männern, die in alternativen Bewegungen arbeiten. Was geben sie da nicht alles in die Gesellschaft hinein – auch an geistiger Arbeit.
    Das sind alles Geschenke, ohne die die Gesellschaft längst zusammengebrochen wäre.
    Die Ökonomie in den Matriarchaten basiert im Grunde auf der Zirkulation von Geschenken, die zwar in eine einfache Marktökonomie eingebettet sind, die aber im Grunde keine Bedeutung hat. Da will niemand Profite machen, denn sie ist unkapitalistisch….“
    Somit wird deutlich das diese Sichtweise vom Feminismus allem Anschein nach verdrängt wurde.

  29. Das ist keine Analyse, das ist rebellische Phrasendrescherei. Die Forderung „Lohn für Hausarbeit“ und den Streit darüber gab es schon vor 40 Jahren, da muss ich mir nicht die Ab 40 kaufen oder klauen oder schenken lassen 😉

    Die „ab 40“ hatte übrigens schon mal einen höchst naiven Artikel über kriminelle Schenkkreise im Heft.

  30. BTW – Irene’s Law:

    Wenn spätestens im zehnten Kommentar jemand aufs Grundeinkommen oder auf die Subistenz- und Tauschwirtschaft verweist, sind wir offenbar bei Antje 😀

  31. Nun, Begriffe wie „rebellische Phrasendrescherei“ und „kriminelle Schenkkreise“ sind keine Diskussionsgrundlage, sondern weiter Verurteilungen von etablierten Professorinnen, die Lösungen gesucht haben, die im existierenden Patriarchismus nicht vorgesehen sind. Hier heißt das Spiel : NUR EINER KANN GEWINNEN! und das passiert mit immer größerer Geschwindigkeit. Staaten werden mit Hilfe der Ratingagenturen herabgestuft, der Euro wird lt. Prof. DDr. Wolfgang Berger zerschossen, weil David ROCKEFELLER im Wirtschaftsausschuld der UNO gesagt haben soll, WAS WIR BRAUCHEN IST EINE RICHTIG GROSSE KRISE (bitte sein bild anklicken) http://www.machtgeldsinn.de/#4 und wofür diese Krise? Das kann jeder auf der one dollar note nachlesen: eine NWO; denn wer druckt privat das Geld in Unmengen und verteilt es an alle Mitspieler (Staaten, Unternehmer, Einzelpersonen)? Und will es mit höheren Raten zurückhaben? Alles rebellische Phrasendrescherei? Nein die bittere Erkenntnis von noch nicht gekauften WissenschaftlerInnnen, sollten Feministinnen dazu gehören? Wenn ich die Antworten hier lese, wage ich das zu bezweifeln. Sie unterstützen, die geheimen Patriarchaten, und das schon seit der 68er Bewegung, wahrscheinlich die meisten, ohne es reflektiert zu haben.

  32. @Irene – na, in diesem Fall stand das Grundeinkommen ja schon im ursprünglichen Blogpost. Von dem sich die Diskussion inzwischen allderdings reichlich entfernt hat…

  33. Hier geht es ja um Herrn Gauck,
    und es ist die Frage, ob das Sammeln von Minuspunkten für ihn zu einer Erweiterung oder eine Verengung der Diskussion führt. Man hat ja systematisch die negativen Dinge betont, was in einer Streitgesellschaft, die sehr wohl etwas mit Genderisierung zu tun hat, gefördert wird.

  34. der Euro wird lt. Prof. DDr. Wolfgang Berger zerschossen, weil David ROCKEFELLER im Wirtschaftsausschuld der UNO gesagt haben soll

    Gerüchte sind auch keine Diskussionsgrundlage.

  35. Wäre es nicht besser, anstatt für die Freiheit/ein zu plädieren – in Form, wie auch immer – für dieses abgenutzte Wort, Gleichheit einzusetzen! Nicht Gleichheit von Uniformen, Denken, etc. sondern in Zugänglichkeit an die materiellen und den sonstigen Ressourcen, wie Bildung, die nur den „Betuchten, ausgesuchten Netzwerken“ unserer Gesellschaft zugänglich ist, gemacht werden.
    Natürlich muss für die schon errungene Freiheit, die errungenen Freiheiten jeden Tag eingestanden werden, doch der nächste Schritt ist jetzt, der Zugang zur Bildung, materiellen, wie gesundheitlichen guten Versorgung, u.s.w. für ALLE, ist der nächste.

  36. @Barbara – Ja, Freiheit ist ein abgenutztes Wort, aber durch Gleichheit kann man es nicht ersetzen. Möglicherweise durch Gerechtigkeit. Gleichheit ist meiner Ansicht nach ein falsches Ziel, Gleichheit gibt es nicht, sie ist eine Illusion. Die Unterschiedlichkeit und Ungleichheit der Menschen ist die Realität, mit der wir in der Politik irgendwie einen Umgang finden müssen, und dieser kann nicht sein, dass wir alle gleich behandeln oder so behandeln, als wären sie gleiche (Wie sagte schon dieser frühe Kritiker der Französischen Revolution: Es ist den Menschen in Paris, den Armen wie den Reichen, verboten, unter Brücken zu schlafen).

    Zugang zu Bildung, materiellen Ressourcen, gesundheitliche Versorgung für alle ist ein gutes Vorhaben, das ich hundertprozentig unterstütze, aber die Idee der „Gleichheit“ hilft uns da nicht weiter, jedenfalls nicht, sobald wir in irgend eine Art von konkreter Umsetzung gehen, also mit der faktischen Ungleichheit der Menschen zu tun haben. Luisa Muraro hat mal gesagt, und das fand ich sehr eindrücklich: „Die Probleme dieser Welt werden nicht die lösen, die die besten Ideale der Gleichheit entwerfen, sondern diejenigen, die die besten Wege finden, mit der Ungleichheit umzugehen.“ Ich glaube, das stimmt.

    Aber, wie gesagt, vielleicht ist „Gerechtigkeit“ ein Begriff, auf den wir uns einigen können? Wobei ich Gerechtigkeit als Maßstab für die Beurteilung einer bestimmten Situation verstehen (Wir sollten uns bei allem, was wir tun, fragen: Ist das gerecht? Ist das ungerecht?) – Ich glaube nämlich, über die Anwendung abstrakter Prinzipien kommt man auch nicht zur Gerechtigkeit.

  37. @ Antje, natürlich ist der Begriff „Gleichheit“ ein dehnbarer. Mit dem der Gerechtigkeit habe ich auch so meine Bedenken, da diese ja, je nach Kulturzugehörigkeit anders ausgelegt wird/werden kann. Vielleicht ist, eine humanere Gesellschaft treffender, da wir ja ALLE Menschen mit den Grundbedürfnissen sind, wie: eine Familie/Gemeinschaft, Zuwendung, ein Dach über dem Kopf, keinen „knurrenden“ Magen und Zugang zu sozialem Wissen/Neuerungen u.s.w.
    Möchte mich hiermit nochmals für Ihren hervorragenden BLOG bedanken. Es regt zum Anders-/mitdenken an und macht den Geist freier. Vielen Dank.

  38. @Barbara – Ja, der Begriff „Gerechtigkeit“ ist kulturell abhängig, aber das muss meiner Meinung nach kein Mangel sein. Es wäre schon ein großer Schritt, wenn wir uns innerhalb jeweiliger kultureller Codes (die ja zudem auch veränderbar sind) darauf einigen könnten, möglichst gerecht zu handeln. Gerechtigkeit verstehe ich nicht als universal bestimmbaren Zustand. Eher ist es eine Fähigkeit, ein Maßstab, eine Haltung…

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