Was nun?

Hillary Clinton ist nicht Präsidentin von Amerika geworden, und was bedeutet das nun für unser Projekt (ich vereinnahme euch jetzt mal ganz dreist), als freie Frauen in der Welt mitzuwirken und sie unseren Vorstellungen vom guten Leben gemäß zu gestalten? Barbara Streidl hat aufgeschrieben, warum Hillary Clinton auch „als Frau gescheitert ist“ (und nicht nur als „geschlechtsneutrale“ Politikerin). Und das stimmt meiner Meinung nach. Nicht nur, weil die Angriffe gegen sie offensichtlich sexistisch waren. Sondern meiner Ansicht nach ist sie auch mit ihrem Weg gescheitert, bei dem sie die Symbolfigur des Emanzipationsfeminismus der „zweiten Frauenbewegung“ war, nämlich durch Integration und Anpassung an den von Männern erfundenen und eingeübten Weisen des Politikmachens Einfluss zu bekommen. Annarosa Buttarelli von den italienischen Diotima Philosophinnen hat ihren kurzen Kommentar in der Huffington Post (leider nur italienisch) „Hillary, eine Frau ohne Volk“ betitelt. Sie schreibt, die Parteien stünden heute vor der Alternative: entweder die Frauen oder das Volk. Tatsächlich hatte ich, nachdem ich von Trumps Sieg gehört

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It’s Kontext, stupid!

Demokratie wird nicht durch bestimmte Formalien (Parlamentarismus, Meinungsfreiheit, Wahlrecht) garantiert, sondern benötigt ein kulturelles Fundament, das auf zivilisatorischen Einstellungen und Haltungen basiert wie Respekt vor anderen Meinungen, Empathie, Interesse an Differenzen, Aufgeschlossenheit. Wenn all das nicht vorhanden ist, werden rein formale Verfahrensweisen über kurz oder lang ebenfalls vor die Hunde gehen. Aus diesem Grund ist die vergiftete Diskussionskultur in Deutschland meiner Ansicht nach die größte Gefahr für die Demokratie (ich bin mir nicht sicher, ob es in anderen Ländern auch so schlimm ist, ich habe manchmal den Eindruck nicht, eine vergleichende Untersuchung dazu würde mich interessieren, falls es die gibt)… Zwei Bausteine der Vergiftung von Diskursen sind schon häufig diskutiert worden, und zwar eine generelle Gehässigkeit und Böswilligkeit, wie sie zum Beispiel der klassische Troll zeigt, sowie eine fehlende Bereitschaft, dem, was jemand anderes sagt, überhaupt ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit zu schenken (worüber ich kürzlich gebloggt habe). Nun ist mir ein dritter Baustein aufgefallen, und zwar die fehlende Bereitschaft oder Fähigkeit zur Kontextualisierung

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Die fehlende Aufmerksamkeit vor der Meinung

Gerade stolperte ich über einen Tweet von mspro, der auf einen Blogpost aufmerksam macht, in dem Facebook-Kommentare zu dem Buch  “Hier ist alles Banane – Erich Honeckers geheime Tagebücher 1994-2015” dokumentiert sind. Im Ton der Entrüstung stellen da Leute fest, dass es sich dabei ja wohl um eine Fälschung handeln muss. Soweit so Banane, und nach einem ersten Impuls – ist lustig, muss ich teilen – habe ich dann gezögert, weil es immer etwas blöd ist, sich über die vermeintliche Ungebildetheit und Dummheit anderer Leute lustig zu machen. Aber ich glaube, es handelt sich hier nicht (im Wesentlichen) um eine Frage von Bildung. Sondern was hier deutlich wird, ist der fehlende Wille, irgend einem Thema oder einer Sache auch nur ein Minimalbisschen Aufmerksamkeit zu widmen, bevor man die eigene Meinung dazu öffentlich äußert. Es ist nämlich keine Frage der Bildung, zu erkennen, dass dieses Buch selbstverständlich nicht originale Honecker-Tagebücher enthält. Wer auch immer nur fünf Sekunden darüber nachdenkt, muss drauf kommen. Aber warum

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Arendt, Eigentum, Austerity – neue Episode von „Besondere Umstände“

Benni und ich haben heute morgen wieder gepodcastet.  Endlich haben wir dabei mal Hannah Arendts Vita Activa abgehandelt, dann über Eigentum und Besitz gesprochen, über #merkelstreichelt und über den IAFFE-Kongress feministischer Ökonominnen in Berlin und Austeritätspolitik. Eingestiegen sind wir aber mit einer Idee, die uns kürzlich kam: Dass es eigentlich schön wäre, wenn es die Podcasts auch als Buch geben würde. Vielleicht hilft uns jemand beim transkribieren? Über die Idee reden wir ganz am Anfang – sozusagen „Crowd-doing“ statt „Crowd-funding“ :)) Hier gehts zum Podcast

In the moment of crisis, all things become possible

Diesmal ein typischer Tagebuch-Eintrag, um meine spontanen Eindrücke von der IAFFE-Konferenz in Berlin festzuhalten (IAFFE = International Association for Feminist Economics). Es sind ungefähr 370 Ökonominnen (darunter auch einige Männer) dort, von überall auf der Welt. Ich werde meine verschiedenen Erkenntnisse nach und nach hier verbloggen. Nur zur Sicherheit: Es sind keine Berichte von den Veranstaltungen, ich schreib bloß hier auf, was mir persönlich wichtig erschien oder zu denken gab. Zum Eröffnungspanel über „Gender Equality in Europa“ kam ich etwas zu spät, ich hörte aber noch den Beitrag von Sylvia Walby (UNESCO Chair of Gender Research), die sagte, dass der Finanzmarkt dringend (wieder) mehr politisch reguliert werden müsse. „Finance“ sei die Ursache der Krise, die sich dann auf die Realwirtschaft, die Steuerpolitik und zuletzt auf die Demokratie selber ausgebreitet hat. Sie forderte uns auf, uns stärker mit Finanzpolitik zu beschäftigen. Die käme zwar immer „geschlechtsneutral“ daher (geht ja nur um Zahlen), sei aber in Wahrheit zutiefst „gegendered“. Finanzkrisen seien nicht

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Verantwortlichkeiten II

Da ich schon mal beim Nachdenken bin über das, was politische Verantwortung bedeutet, hier noch ein anderer Punkt. Ich bekomme öfter mal Mails oder Kommentare, in denen sowas steht wie „Der Feminismus müsste mal das und das tun“. Dabei frage ich mich dann natürlich immer, wer dieser „Der Feminismus“ eigentlich sein soll. Die naheliegende Antwort auf so was ist wohl: Wenn das und das deiner Meinung nach getan werden muss – ja, warum tust du es dann nicht? In gewisser Weise sind solche Anregungen eine netter formulierte Unterform der beliebten Argumentationsfigur: „Wenn der Feminismus nur dieses oder jenes (nicht) tun würde, dann wäre er besser, dann würde ich mich vielleicht auch Feministin nennen, dann wäre ich nicht mehr dagegen“ usw. Darin spiegelt sich die merkwürdige Haltung wider, Politik in der Logik von Werbung und Verkaufen zu interpretieren. „Wenn der Feminismus so und so (nicht) wäre, dann würde ich ihn vielleicht kaufen, dann könntet Ihr mich als Kund_in gewinnen.“ Und tatsächlich

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Verantwortlichkeiten

Ich möchte euch ein schönes Portrait über die feministische Theologin Amina Wadud empfehlen, die muslimische Frauen auffordert, der patriarchalen Interpretation des Islam deutlicher zu widersprechen. „We let patriarchy to take over“ kritisiert sie, das heißt, sie richtet sich mit ihrem Appell nicht an „die anderen“ (die Männer, das Patriarchat, die Typen vom Islamischen Staat) sondern an „uns“ – in diesem Fall die muslimischen Frauen – und fordert sie auf, Verantwortung für die Art und Weise zu übernehmen, wie sich der Islam derzeit entwickelt. Ich poste das hier auch deshalb, weil mich einige Reaktionen auf meinen Blogpost zum Thema Rape Culture doch verwundert haben. Dort schrieb ich unter Bezug auf die Arbeiten von Mithu M. Sanyal, Frauen seien „mit der Art und Weise, wie sie Geschlecht ‚performen‘ auch selbst aktive Mitwirkende an dem, was heute unter dem Oberbegriff Rape Culture, also Vergewaltigungskultur zusammengefasst wird.“ Das wurde kritisiert mit dem Argument, damit würde ich Vergewaltigungsopfern eine Mitschuld zuweisen, also letztlich Victim Blaming betreiben. Es ist meines Erachtens ein echtes Problem

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Was das alles kostet. Was das alles einbringt.

Gerade ist ein bisschen Aufregung in meiner Ecke des Internets, weil irgend so ein Ökonom ausgerechnet haben will, dass die Migration in Deutschland mehr kostet als sie einbringt. Während doch erst kürzlich ein paar andere Ökonomen ausgerechnet haben, dass die Migration für Deutschland ein richtiger Reibach ist. Mir gehen solche Rechnungen auf die Nerven. Was ist das denn für eine Kultur, die gesellschaftliche Phänomene danach beurteilt, was unterm Strich dabei rumkommt? Ich finde es falsch, politische Vorschläge mit Profit-Argumenten zu begründen. Nicht nur weil der Schuss, wie in diesem Fall, gerne mal nach hinten losgeht, weil ich, wenn ich meine politische Haltung damit begründe, dass sie unterm Strich was einbringt, in Erklärungsnot komme, sobald mir jemand vorrechnen kann, dass sie mich was kostet. Migration ist ja nicht das einzige Thema, bei dem solche Kalkulationen aufgestellt werden. Auch bei ökologischen Fragen wird gerne vorgerechnet, was das volkswirtschaftlich kostet, so einen Regenwald abzuholzen oder die Folgen eines Atomkraftwerkunfalls zu bezahlen. Im Feminismus sind solche Argumente auch sehr beliebt: Unternehmen mit mehr Frauen

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Soll_darf man mit Fanatikern reden?

Nach einem halben Jahr Pause haben Benni und ich es heute endlich mal wieder geschafft, zu podcasten. Eine gute Stunde lang diskutierten wir über die Frage, ob man mit Fanatikern wie PEGIDA oder Islamisten reden_diskutieren soll_darf oder nicht. # Bitte hier entlang zur Episode 15 von „Besondere Umstände“.