Was häusliche Gewalt und Virusepidemien gemeinsam haben

Gerade geht die Meldung herum, dass bedingt durch die Kontaktsperren wegen der Coronavirus-Epidemie offenbar die Gewalt gegen Kinder stark zugenommen hat. Die Überschrift „Nebenwirkungen des Lockdown“ zeigt übrigens sehr gut den symbolischen Fehler: Dass Kinder geschlagen werden, ist keine Nebenwirkung des Lockdown. Sondern es ist eine Nebenwirkung gewaltförmiger Sozialbeziehungen, die durch den Lockdown nur ausgelöst wurden. Kein Kind bekommt Blutergüsse, weil es einen Lockdown gibt. Kinder bekommen Blutergüsse, weil sie geschlagen werden. Und diese zivilisatorische Bankrotterklärung namens „patriarchale Kleinfamilie“ genießt auch noch den besonderen Schutz der Grundgesetzes. Auch darüber wünsche ich mir für nach Corona mal eine stärkere gesellschaftliche Debatte. Es gibt übrigens interessante Parallelen zwischen Gewaltprävention und Infektionsschutz: In beiden Fällen ist ein System, das darauf angelegt ist, bloß Opfer und Risikogruppen zu „schützen“, nicht akzeptabel. Sondern wir brauchen eine Lösung, die an die Wurzel des Problems geht. Weg mit dem Virus. Weg mit Gewalt gegen Schwächere. Beides muss im Keim erstickt werden, es genügt nicht, es auf einem

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Manifest: Perspektive Care-Gesellschaft

Das Thema Care ist momentan ja vielen Menschen ins Bewusstsein geschwappt, und das ist gut so. Entsprechend viele Texte/Manifeste etc… dazu gibt es, viele davon unterstütze ich auch als Erstunterzeichnerin. Aber dieses hier aus der Schweiz finde ich besonders gut und möchte es euch daher auch ganz besonders ans Herz legen; Plädoyer für eine Erneuerung des Gesellschaftsvertrags – lokal und global. Möge es – hm- viral gehen!

Warum?

Wir sind derzeit bei R<0,7, d.h. die Ausbreitung des Virus verlangsamt sich. Noch drei Wochen Lockdown, und wir wären vielleicht bei 0,3. Damit wären wir bald in einem Bereich, wo wir wieder einzelne Infektionsherde identifizieren, Ketten unterbrechen, Tracken usw. könnten: Wir bräuchten keinen Lockdown mehr, weil der Virus eingedämmt wäre. Wir wären viel besser aufgestellt als im Februar, als uns das überrannt hat, keine Daten da waren, keine Tracking App in Aussicht. Die Wirtschaft könnte wirklich wieder „hochfahren“ und nicht nur ein bisschen und mit Vorbehalt. Aber aus irgendeinem Grund scheinen das viele Leute in Deutschland nicht zu wollen. Sondern die meisten haben sich irgendwie fatalistisch mit „Virus ist halt da“ arrangiert, d.h. sie stellen sich auf Monate bis Jahre Lockdown-Pingpong ein (zwischen Anziehen und Lockern von Maßnahmen, je nach Anschlag im Gesundheitssystem), dauerhafte Kontakteinschränkungen, Tausenden weiterer Toten, und das alles in einer vagen Aussicht, dass es irgendwann einen Impfstoff gibt (für HIV gibt es übrigens immer noch keinen). Ich

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Frage an meine anarchistischen Kontakte:

Ich denke gerade darüber nach, wie in einer herrschaftsfreien Gesellschaft notwendige Verhaltensänderungen – wie etwa bei einer Virus-Epidemie – in kurzer Zeit umgesetzt werden können. Die Problemlage ist ja folgende: Um eine Epidemie zu bekämpfen, ist es notwendig, sehr schnell zu handeln, denn jeder Tag Verzögerung vergrößert das Problem exponenziell. Herrschaftsfreie Entscheidungsprozesse brauchen jedoch – anders als machtpolitische oder gewaltförmige – Zeit, und manchmal kommen gar keine zustande, weil es keine Einigung gibt. Nun ist es aber bei einer Epidemie so, dass das schädliche Verhalten einer einzigen Person hunderte oder tausende andere gefährden kann. Die „normale“ anarchistische Option, nämlich sich im Fall von unterschiedlichen Auffassungen einfach zu trennen oder zwei verschiedene Projekte zu machen, die sich gegenseitig in Ruhe lassen, oder eben geduldig weiter zu diskutieren, bis man sich geeinigt hat – das alles geht nicht. Allerdings sehen wir zurzeit, dass die herrschaftsförmige Art, das zu organisieren – Regierungsentscheidungen von oben und Polizei, die das umsetzt – auch nur kurzfristig

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Warum war Hannah Arendt keine Feministin?

Im Radio RBB gab es vorgestern eine Sendung zu der Frage, warum Hannah Arendt keine Feministin war, hier könnt Ihr die hören. Darin sind auch einige O-Töne von mir, das Transkript des kompletten Interviews gibt es auch, ich stelle es hier in den Blog. In einem Vortrag zu Hannah Arendt sagten Sie, dass Sie überrascht bzw. enttäuscht seien, dass Hannah Arendt keine Feministin war. Warum haben Sie das von Ihr erwartet? Wahrscheinlich dachte ich, dass alle klugen Frauen Feministinnen sein müssten. Wie war Arendts Verhältnis zum Feminismus? Aus den wenigen Äußerungen, die es von ihr überhaupt zu dem Thema gibt, lässt sich schließen, dass sie nicht gerade ein großer Fan der Frauenemanzipationsbewegung war. Zum Beispiel sagt sie in dem berühmten Interview mit Günter Gaus im ZDF, dass sie der Meinung ist, dass es einer Frau nicht steht, wenn sie Befehle erteilt. Das fand ich beim ersten Mal Hören schockierend – wir haben uns ja inzwischen völlig daran gewöhnt, dass Frauen

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Gab es in der Steinzeit schon Frauen und Männer?

Heute sah ich diese interessante Arte-Dokumentation mit dem etwas merkwürdigen Titel „Geschlechterkonflikt – Frauenbilder der Geschichte“: Sehr empfehlenswert, schaut sie euch dieser Tage an, sie ist nur noch bis zum 5. April in der Mediathek verfügbar! Es geht dabei um neue archäologische Erkenntnisse über die Geschlechterverhältnisse in der Steinzeit und im Neolithikum. Im 19. Jahrhundert haben ja bekanntlich bürgerliche männliche Forscher aus Europa mehr oder weniger alle Funde aus früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden (Höhlenmalereien, Grabbeigaben, Figurinen und so weiter) durch die Brille ihrer eigenen normativen Geschlechterordnung interpretiert. Ein Skelett mit Waffe im Grab musste männlich sein, weil Frauen tragen ja keine Waffen. Feministische Kritikerinnen haben schon seit den 1970er Jahren diesen unwissenschaftlichen Blick kritisiert, und inzwischen lässt auch wissenschaftlich beweisen, dass die Wahrheit ganz anders aussah: Die Person in dem prächtigen Wikingergrab war eine Frau, viele Höhlenmalereien stammen von Frauen und so weiter. Generell scheint in der Steinzeit „Geschlechteregalität“ geherrscht zu haben: Frauen und Männer haben dasselbe gegessen, wurden in

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Männer sprechen über Feminismus und das ist okay

Per Zufall bin ich jetzt erst auf eine (schon etwas ältere) Folge des Podcasts „Deconstructing Comics“ gestoßen, in der zwei Dudes unsere „Kleine Geschichte des Feminismus“ besprechen, die ja in zwischen u.a. auch auf englisch übersetzt wurde. Hört es euch an, es ist eigentlich sehr lustig (los geht es so ab Minute 5). Am Schluss diskutieren die beiden darüber, dass sie es ein bisschen weird fänden, so als zwei Männer und ohne eine Frau dabei einen Comic über Feminismus zu besprechen. Das wiederum fand ich nun ein merkwürdig, denn genau das ist doch super: Wenn Männer sich mit Feminismus beschäftigen, wenn sie ihre eigene Rolle dabei reflektieren, Neues lernen und so weiter. Es ist dafür überhaupt nicht notwendig, dass Frauen oder Feministinnen dabei sind. Deshalb hier nochmal ausdrücklich: Nein, liebe Männer, es ist überhaupt kein Problem, wenn Ihr euch ohne Beteiligung von Frauen mit feministischen Themen auseinandersetzt. Bitte macht das, macht das sogar oft, lest feministische Bücher was das Zeug

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