Kleine, interessante Youtube-Erfahrung

Vor einigen Wochen habe ich angefangen, meine Lektüre-Gedanken zu neuen Büchern auf Youtube zu posten – irgendwie ist mir momentan mehr nach Video- als nach Textbeiträgen. Beim Youtuben halte ich es ebenso wie ich es hier schon 2011 über das Bloggen schrieb – ich mache das nicht für euch, sondern für mich. Deshalb verfolge ich die Reichweite normalerweise nicht, aber bei Youtube wird das ja ständig prominent unter jedem Video eingeblendet. Ich fing also im November an mit Jacinta Nandis tollem Buch „Die schlechteste Hausfrau der Welt“ und hatte seither ein bis zwei weitere Videos pro Woche. Da ich meinen Youtube-Kanal bisher faktisch gar nicht bespielt hatte, wunderte ich mich ein bisschen, dass das Video gleich über 300 Aufrufe hatte, aber dache nicht weiter darüber nach. Die folgenden Videos hatten nicht ganz so viel, aber die meisten lagen konstant zwischen um die 200 und 300 Aufrufen. Bis es irgendwann einbrach auf nur noch 80. Beim ersten Video, das so wenig

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Warum Corona tödlicher ist als Ebola

Als vor einem Jahr die ersten Berichte über ein neues Virus bekannt wurden, war ich früher als andere in Alarmstimmung. Spätestens seit dem Ausbruch bei einer Karnevalsfeier in Gangelt war ich zudem auf der eher skeptischen Seite, was die Schwere des Verlaufs der Pandemie in Deutschland angeht. Aber dass wir ein Jahr später nur hierzulande 50.000 Tote zu beklagen haben würden, damit hätte ich nicht gerechnet. Wie vermutlich die meisten habe auch ich damals vielmehr aufgeatmet, als klar wurde, dass Corona im Fall einer Infektion sehr viel weniger tödlich ist als Mers (mit einer Sterblichkeitsrate von um die 25 bis 50 Prozent) oder gar Ebola (50 bis 90 Prozent). Corona hingegen hat eine Sterblichkeitsrate von grade mal rund 0,5 Prozent, also insgesamt nicht so furchterregend, oder? Ich dachte das damals: „Corona ist viel weniger tödlich als andere Viren, da haben wir nochmal Glück gehabt.“ Inzwischen ist mir aber klar geworden, dass genau das das Problem an Corona ist. Gerade wegen

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Für eine neue Corona-Strategie: Zero Covid!

Die gegenwärtige Strategie Europas im Umgang mit Corona ist krass gescheitert. Seit einem Jahr fast liegt das Kultur- und Sozialleben brach, seit drei Monaten haben wir einen Labber-Lockdown, der allerdings bestimmte Wirtschaftsbereiche ausnimmt. Während alle sich beschränken, können Arbeitgeber weiter nach Gutdünken ihre Arbeiter:innen und Angestellten der Infektionsgefahr aussetzten. Gleichzeitig haben wir in Europa Abertausende von Toten JEDEN TAG! Und es ist kein Ende in Sicht – denn bis wir durchgeimpft sind, ist es Herbst. Die unkontrollierte Virus-Zirkulation begünstigt Mutationen, mit unabsehbaren Folgen. Und bei Abermillionen Infizierten riskieren wir ungewisse Long-Covid-Krankheitsfolgen in einem erheblichen Teil der Bevölkerung. Wir brauchen deshalb eine neue Strategie. Sofort. Und sie muss Zero Covid heißen. Dieser Virus kann nicht unter Kontrolle gehalten werden. Man muss ihn auf Null bringen, oder er breitet sich aus.Und natürlich muss so eine Zero Covid-Strategie solidarisch sein, und international. Und, nein: Das ist nicht unmöglich. Auch jetzt nicht. Ja, einfacher wäre es gewesen, das vorigen Mai oder vorigen Oktober zu

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Corona-Elternurlaub und soziale Gerechtigkeit

Apropos staatliche Unterstützung für Eltern im Lockdown. Anita Fünffinger hat für die Tagesschau aufgeschrieben, warum die derzeitige Regelung noch keine #carerevolution ist. (Vielleicht ist es auch sowieso ein Rohrkrepierer) Was ich dazu aber noch sagen will und generell problematisch finde – auch an dem weitergehenden Vorschlag der SPD, Eltern vollbezahlten „Urlaub“ für die Betreuung ihrer Kinder zu geben: Wie schon beim Elterngeld werden hier Einkommensunterschiede noch einmal staatlich verdoppelt. (Beim Elterngeld habe ich das damals auch kritisiert). Ich verstehe natürlich, dass es darum geht, eingeplantes Monatseinkommen, das wegen Kinderbetreuung wegfällt, auszugleichen. Das ist aber genau die (falsche) Logik all unserer Sozialgesetzgebung: Die Höhe der sozialen Absicherung hängt davon ab, wie reich man vor dem Notfall war. Aber ist nicht die Betreuung aller Kinder in Geld gleich viel „wert“, egal wie viel die betreuende Person im Erwerbsleben „verdient“? Ist es mehr wert, Rechtsanwaltskinder zu betreuen als Verkäuferinnenkinder? Ist es gerecht, wenn der Staat Reichen viel und Armen wenig gibt? Die ganze

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Bei Triage gibt es keine moralisch richtige Entscheidung

Angesichts der Tatsache, dass es inzwischen in einigen Krankenhäusern nicht mehr genug Intensivbetten gibt, um alle Menschen, die eines brauchen, zu behandeln, bin ich gestern zufällig auf diesen Text hier gestoßen. Er behandelt die ethische Frage, ob man ein verfügbares Bett eher einem 85-Jährigen oder einer 30-Jährigen Mutter geben soll. Der Autor des Artikels plädiert vehement dafür, dass man hier keine Prioritäten setzen darf, da jedes Leben gleich viel Wert sei (interessant zu lesen auch die verschiedenen Versionen von Triage, also Auswahl, er plädiert, ob es einen Unterschied macht, wann man die Wahl beziehungsweise Entscheidung trifft). Solche ethischen Dilemmata hatten wir im Philosophiestudium immer als Aufgaben, und ich fand sie damals schon gagagaga und habe mich meistens auch geweigert bei diesen Spielchen mitzumachen. Wir hatten einen überzeugten Utilitaristen als Professor, er hätte vermutlich die entgegengesetzte Position des Autors oben vertreten, nämlich die junge Mutter zu retten. Ich finde beides problematisch, denn: Es gibt in solchen Situationen keine richtigen Entscheidungen mehr,

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Luisa Muraro: Die Gegenwart denken

„Pensare il Presente“ (Die Gegenwart denken) war am 21. September das Thema eines „Marathons der Philosohpie“ in Italien, der von der Fondazione De Sanctis in Zusammenarbeit mit dem „Centro per il libro e la lettura“ veranstaltet worden ist. Den Beitrag von Luisa Muraro, Mitgründerin des Mailänder Frauenbuchladens und der Philosophinnengruppe Diotima habe ich mit deutschen Untertiteln versehen. Es geht um die Bedeutung der Frauenbewegung, des Feminismus und was wir erreicht haben.

Was man vom Nikolaus über Sexarbeit lernen kann

Bald ist wieder Nikolaus, und dass die Bräuche, die sich um den früheren Bischof von Myra ranken, was mit Geschenkebringen zu tun haben, wissen wohl auch die meisten. Weniger bekannt ist aber, woher der Brauch kommt. Die Geschichte ist aber interessant – und auch, was man daraus lernen könnte. Die Geschichte geht nämlich so, dass drei arme Frauen und ihr Vater in Geldnöten waren und sie daher überlegten (ob sie selbst das überlegen oder nur ihr Vater ist nicht so klar) gegen Geld mit Männern Sex zu haben, zumindest so lange, bis sie genug Geld für eine Mitgift zusammenhätten, damit sie dann heiraten können. Aber das müssen sie dann doch nicht, weil der Nikolaus ihnen an drei Abenden hintereinander jeder einen großen Goldklumpen durchs Fenster wirft. Die Geschichte kann man auf verschiedene Weise erzählen. Ich erzähle sie gerne so, dass der Nikolaus offenbar besser wusste als viele Anti-Prostitutions-Kämpfer*innen heute, wie man die Ausbeutung von Frauen durch unfreiwillige Sexarbeit abschafft: Man

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Warum eigentlich nicht Imaminnen?

Wann ist eine Religion (oder Weltanschauung oder Kultur) frauenfeindlich? Meiner Ansicht nach ist ein wesentlicher Baustein die Frage, ob Frauen innerhalb dieser Traditionen Autorität zugesprochen bekommen, und zwar auch von Männern. Immer, wo es formale Strukturen gibt, in denen Autoritäten vorgesehen sind – Klerus, Lehrende, Gurus, also Leute, denen „man zuhört“ – müssen daher Frauen gleichermaßen wie Männer zu finden sein. Und zwar, das ist wichtig: Diese weibliche Autorität muss auch von Männern angenommen werden, das heißt, es muss weibliche Lehrerinnen/Autoritätspersonen nicht nur für andere Frauen geben, sondern auch für Männer. Eine Kultur, in der Männer nicht (systematisch, strukturell implementiert und damit auch gewährleistet) dazu angehalten werden, von Frauen zu lernen, ist bei mir gleich mal unten durch. Allerdings ist das nicht immer so leicht zu beurteilen wie zum Beispiel bei säkularen Staaten oder den christlichen Kirchen (die zusammen entstanden sind und damit auch strukturell ähnliche Organisationsformen haben) – da kann man nämlich einfach in den Statuten oder Gesetzen nachlesen,

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Besondere Umstände – Episode Corona 3

Benni, Eva und ich haben wieder einmal gepodcastet, diesmal noch mit einer vierten Mitdiskutantin, nämlich Anne (die Ihr vielleicht schon von unseren bzw-Zoom-Gesprächen kennt). Wie es dazu kam, erzählt sie ganz am Ende, nämlich bei 2:11 :)) Angefangen haben wir diesmal mit Bennis These, dass wir in historischen Zeiten leben (wie weltgeschichtlich historisch er das meint, war mir gar nicht klar gewesen) – ich äußere mich dabei eher skeptisch, was unsere Fähigkeiten anbelangt, von aktueller Gegenwart auf weltgeschichtliche Zusammenhänge zu schließen, ich denke, dass sich das erst rückwirkend zeigen wird. Später sprachen wir dann über die ebenfalls von Benni auf geworfene Frage, ob es Politik ohne „Fake-News“ geben kann. Denn es sind nicht nur die Rechten, die sich die Wahrheit in ihrer politischen Kommunikation zurechtbiegen, sondern auch Linke, die zum Beispiel bei Demo-Teilnahmezahlen schummeln und so weiter. Kann man ohne Propaganda-Maschinerie politisch sein, und wann/wie ist politisches Handeln wirkungsvoll? Das Ganze hinterlegt natürlich von der zunehmenden Dringlichkeit politischer Diskurse angesichts

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