Die Ideologien der so genannten „Lebensschützer_innen“

kulturkampf

Eike Sanders, Kirsten Achtelik, Ulli Jentsch: Kulturkampf und Gewissen. Medizinethische Strategien der „Lebensschutz“-Bewegung. Verbrecher Verlag 2018, 159 Seiten, 15 Euro.

Keine schöne, aber sehr informative Lektüre ist dieses Buch, das die ideologischen, organisatorischen und weltanschaulichen Hintergründe der so genannten „Lebensschützer_innen“ aufdröselt, die derzeit in Deutschland, aber auch international versuchen, die von der Frauenbewegung erkämpften Möglichkeiten der reproduktiven Selbstbestimmunge wieder zurückzudrehen.

Interessant fand ich dabei vor allem, wie geschickt die Argumentationen versuchen, freiheitliche Debatten und Aspekte aufzunehmen und in ihrem Sinn zu drehen: Die Kritik an behindertenfeindlichen „Optimierungsversuchen“ in der modernen Reproduktionsmedizin und andererseits Ansätze zur Betonung der Selbstbestimmung von Frauen. Kern des Arguments ist die Behauptung, dass Abtreibung in aller Regel gegen den Willen der Schwangeren vorgenommen wird, weil entweder die Gesellschaft die Geburt von Kindern mit Behinderungen vermeiden will oder aber die Familie oder der Ehemann/Partner der Frau keine Kinder will.

Ich finde das Thema sehr wichtig, und es besorgt mich ein bisschen, dass die Aufregung und der feministische Aktivismus nach der Verurteilung der Gießener Ärztin Kristina Hänel nach § 219a wieder verebbt ist. Unsäglich in dem Zusammenhang ist natürlich der Rückzieher der SPD von der gemeinsamen Gesetzesinitiative zur Abschaffung dieses Paragrafen. Aber sie scheint damit ja durchzukommen, weil auch der gesellschaftliche Drive bei dem Thema nicht da ist.

Es sieht daher leider so aus, als bekämen die Rechten für ihrem Anti-Abtreibungs-Aktivismus kaum Gegenwind aus der „gesellschaftlichen Mitte“. Vielleicht hat es mit Demografie zu tun (viele Feministinnen sind aus dem gebärfähigen Alter raus), vielleicht mit individualisierter Selbstüberschätzung (viele jüngere Frauen denken, sie haben das im Griff, ihnen passiert das nicht, oder wenn wissen sie sich zu helfen). Es hat vielleicht auch damit zu tun, dass dieses Thema noch mehr als andere sich nach reinem „Frauenkram“ anhört.

In gewisser Weise ist es schlau von den Rechten und „Lebensschützern“, dieses Thema gerade jetzt wieder aufzumachen, wo die Frauenbewegung gerade zu einer Art Plattform gegen Rechtspopulismus und Nationalismus wird. In Ländern wie Polen oder Irland ist es ja noch schlimmer, aber dort ist wirklich eine Bevölkerungsmehrheit gegen Abtreibung. Gerade deshalb wäre es aus meiner Sicht einfach wichtig, dass wir in Deutschland hier gegen den § 219a angehen – denn es gibt eine gesellschaftliche Mehrheit für dessen Abschaffung, da bin ich mir ziemlich sicher. Wir schaffen es bloß nicht, diese Mehrheiten auch parlamentarisch relevant zu organisieren. Was für ein Trauerspiel!

Im Übrigen ist natürlich auch wichtig, wie wir unseren Einsatz begründen. Ich persönlich halte ja nichts von Banalisierungsversuchen nach dem Motto: „Sind doch nur Zellhaufen, ist nichts weiter dabei bei so einer Abtreibung“. Nicht einmal unbedingt deshalb, weil ich dieser Aussage nicht zustimmen würde. Sondern weil sie den Fokus des Streits auf ein falsches Thema lenkt.

Beim Streit um reproduktive Rechte geht es nicht um eine wissenschaftliche oder philosophische Auseinandersetzung darum, welche ethische Position man in Bezug auf befruchtete Eizellen oder Föten einnimmt. Es geht um die Frage, welche ethische Position man zum Selbstbestimmungsrecht von Frauen* über ihren Körper einnimmt.

Eine befruchtete Eizelle ist – mindestens in den ersten Monaten der Schwangerschaft – untrennbar vom Körper der schwangeren Person. Selbst wenn man eine ethisch radikale Haltung einnimmt und glaubt, die Tötung eines Fötus sei moralisch verwerflich, bedeutet das nicht unbedingt, dass man auch für ein gesetzliches Verbot ist – eigentlich ganz im Gegenteil, wie ich hier für evangelisch.de mal argumentiert habe. Eine solche radikale ethische Position durchzusetzen kann man nicht dem Staat überlassen. Das muss die Schwangere selber entscheiden.

Die Ansicht, man müsste die ethische Entscheidung über eine Abtreibung von der schwangeren Person auf Staat und Polizei übertragen, beinhaltet letztlich keine Aussage über das Lebensrecht von Föten, sondern eine darüber, welche ethische Kompetenz wir als Gesellschaft Schwangeren, und das heißt in diesem Kontext Frauen, zugestehen.

Hier würde ich den Spieß also umdrehen und sagen: Es ist unethisch, wenn sich der Staat anmaßt, diese Form von ethischen Entscheidungen per Gesetz zu regeln. Es ist dem Thema nicht angemessen. Die Einzelfälle sind so unterschiedlich und oft auch komplex, dass niemand anderes als die betroffene Person in der Lage ist, das wirklich moralisch einschätzen und beurteilen zu können. Die Aufgabe der Gesellschaft besteht darin, sie dabei zu unterstützen und ihr, egal wie die Entscheidung ausfällt, die Umsetzung zu ermöglichen.

Denn die grundlegende feministische moralische Maxime, die hier im Spiel ist, lautet – nach einer Formulierung von Luisa Muraro: Man kann eine Frau nicht dazu zwingen, Mutter zu werden. 

(Hier könnten wir jetzt noch drüber diskutieren, ob man denn durch das Gebären unweigerlich Mutter wird, aber das führte vielleicht zu weit. Ich meine: Ja. Und ich meine, dass die Herabwertung und Banalisierung des Gebärens in Teilen der feministischen Theorie tatsächlich auch dazu beigetragen haben, dass das Thema Abtreibung – ebenso wie das der Leihmutterschaft – sich so entwickelt hat: Nach dem Motto: Ist doch nicht so wichtig, dieses bisschen Schwangersein und Gebären, ist doch nach neun Monaten vorbei und alle die was anderes behaupten sind biologistisch.)

Whatever, und um zum Buch zurück zu kommen: Diese Art der Diskussion würde auch viele angebliche „Lebensschutz-Argumente“ entkräften. Denn ja: Natürlich müssen wir als Gesellschaft uns auch viel mehr anstrengen, um Frauen zu unterstützen, wenn sie die Schwangerschaft zu Ende führen und ein Kind gebären, sei es gegen den Rat der Mediziner_innen, die eine wahrscheinliche Behinderung prognostiziert haben, gegen den Protest von Familien oder Vätern, die keine Kinder haben wollen, gegen die Widrigkeiten eines Arbeitsmarktes, der Mütter nicht haben will, gegen eine Wirtschaftslogik, nach der Kinderhaben sich „nicht rechnet“ und Mütter systematisch verarmt werden.

Denn das feministische Motto lautet nicht: Abtreiben ist kein Problem. Das feministische Motto lautet: „Ob Kinder oder keine entscheiden wir alleine.“

PS: Für diejenigen von euch, die italienisch können, hier noch ein ausführliches Interview mit Luisa Muraro zum Thema Abtreibung und Feminismus

PPS: Muraro sagt: Abtreibung ist kein Recht, sondern manchmal einfach eine Notwendigkeit. Das Thema, um das es bei all dem geht, ist die unselige Verquickung von Staat/Gesetz und Autonomie des (weiblichen) Körpers. Ob Abtreibung, Reproduktionsmedizin, „Leihmutterschaft“, Prostitution/Sexarbeit usw. – das sind Themen, in denen die ethische Entscheidung bei den betreffenden Frauen/Personen selbst liegen muss. Polizei und Justiz haben sich darauf zu beschränken, zu verhindern, dass andere Personen/Männer hier übergriffig werden und die Frauen/betreffenden Personen unter Druck setzen, zwingen, ausbeuten, ob in die eine oder in die andere Richtung. Feminismus stößt momentan überall an die Grenzen dessen, was Staat/Polizei/Gesetz regeln kann (auch bei #metoo und Co.). Das hängt alles miteinander zusammen.  Unser Thema müsste sein, die „Legalisierung“ dieser Bereiche zu bekämpfen (was bedeutet: Sie nicht gesetzlich zu regeln, auch nicht als Verbote).

 

Debatten vorm Facebook-Grab gerettet, Teil 7

Lindt wirbt mit Geschlechterklischees – Das ist soweit nichts Neues, aber das eigentlich Interessante an der Geschichte ist der Gedankengang dahinter: „Sara Thallner, verantwortlich für die Kommunikation von Lindt, erklärt gegenüber ze.tt, dass die Auswahl „geschlechtsstereotypisch unglücklich“ gewesen sei. Sie sagt, dass der Schokoladenhersteller die Verantwortung für die T-Shirt-Designs nicht abschieben wolle. Das Konzept stamme natürlich von ihnen, sei aber keinesfalls bewusst diskriminierend oder sexistisch gemeint. Dass die neuen Kinder-T-Shirts als geschlechtsstereotyp ausgelegt werden könnten, versteht Thallner. „Dies ist allerdings in keinster Weise sexistisch motiviert, denn Lindt & Sprüngli möchte unter keinen Umständen diskriminierende Botschaften auf den Fanartikeln verbreiten. Die Bezeichnung Mädchen oder Junge dient beim jeweiligen T-Shirt, um die unterschiedlichen Schnitte beziehungsweise Passformen kenntlich zu machen.“ (Link zum Artikel) – Ich versuche noch, diese Galaxien zu erforschen. Seid Ihr immer noch der Meinung, das Wort „dumm“ sollte nicht gebraucht werden, um eine bestimmte Art von – ja was – Gedankenlosigkeit? Scheißegalität? Krasse Verantwortungslosigkeit? zu beschreiben? Ich finde diese Art von Leuten schwieriger zu beurteilen als überzeugte Antifeministen. Etwas in mir neigt dazu, sie schlimmer zu finden, auf gewisse Weise.

Campino hält eine Rede bei der Echo-Verleihung – und daraus entsteht ein Facebook-Meme mit dem Zitat, dass „für ihn persönlich“ eine Grenze bei Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit etc. erreicht ssei. Was soll das heißen? Doch nur, dass man das auch gerne anders sehen kann. Verstehe nicht, was an diesem individualisieren Campino-Statement so toll sein soll. Poste das auf Facebook und eine große Debatte beginnt in den Kommentaren.

Und hier noch zwei Ältere, die mir durchgerutscht waren: 

Apropos Erben: Andere streiten darüber, ob man die Erbschaftssteuer erhöhen oder senken soll. Ich schließe mich stattdessen in diesem Postcast einer alten Forderung der europäischen Arbeiterbewegung an und fordere die gänzliche Abschaffung des Erbrechts! Erben gehört verboten! Leider haben die Marxisten diese so praktische und einfache und unmittelbar einleuchtende Idee kaputt gemacht und stattdessen das Heil von allem in der Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln gesucht. Ihr Argument damals (1870): Die Abschaffung des Erbrechts würde ja erst Wirkung zeigen, wenn die reichen Leute sterben, so lange wolle man nicht warten (Echt jetzt, hab ich nicht erfunden).

Apropos Heimat: Ich finde, den Begriff „Heimat“ zu benutzen, ist nicht per se etwas Schlimmes. Zu meinen, Heimat sei nicht wichtig oder zwangsläufig ein reaktionäres Konzept, ist falsch. Ich glaube, es ist auch ein Wahrnehmungsfehler von Menschen, die das Privileg haben, in ihren Heimatsgefühlen normalerweise nicht irritiert zu werden, also z.B. ohne Migrationserfahrung. Was andere als „Heimat“ bezeichnen (womit sie Differenzbewusstsein zeigen) halten diese Heimatverächter_innen einfach für normal. So ähnlich wie Leute, die meinen, Geflüchtete brauchten kein Handy, weil sie selber ja auch keins brauchen.

„Das Hauptproblem besteht natürlich darin, dass erfolgreiche Revolutionen so selten sind“

revolutionsbuecher

Gelesen: Den kürzlich erst veröffentlichten Text „Die Freiheit, frei zu sein“ von Hannah Arendt, der wohl um 1966 oder 1967 entstand. Sie schreibt darin über Revolutionen und die Frage, was und wer sie warum macht. Dabei wählt sie auffällig oft – eigentlich dauernd – die Formulierung: „Die Männer der Revolution“.

Die Französische Revolution, schreibt Arendt, scheiterte, weil die „Männer der Revolution“ mit der Idee von der Gleichheit aller Menschen sehr viel mehr eingeläutet hatten als nur, wie sie dachten, einen Wandel der Regierungsform. Die Frauen mit ihrem Marsch auf Versaille (le peuple) hätten vielmehr sichtbar gemacht, dass Freiheit nur möglich ist, wenn Menschen auch die Freiheit haben, frei zu sein. Oders anders: Es reicht nicht, keine Furcht (vor denen da oben) zu haben, man braucht auch was zum Essen. Damit hoben die Frauen, le peuple, die Idee der Revolution auf ein neues Level: auf das der sozialen Verhältnisse.

Die Französische Revolution ist an der Größe dieser Aufgabe gescheitert, aber die Idee war in der Welt. Deshalb, schreibt Arendt, wurde die Französische Revolution trotz ihres Scheiterns zur Blaupause für weitere Revolutionen. Die Amerikanische Revolution hingegen blieb eine lokale Angelegenheit, obwohl sie erfolgreich war und in einer stabilen Demokratie mündete. Aber sie stellte die soziale Frage nicht.

Warum nicht? Arendts Antwort ist interessant: Während die revolutionäre „Gleichheit“ sich in Europa auf alle Menschen bezog, was die bittere Not der Armen zum demokratischen Skandal machte (der Ausschluss der Frauen aus dem Konzept setzte sich erst im Lauf des 19. Jahrhunderts durch), existierte in Amerika die Institution der Sklaverei. Der Bereich des Elends menschlicher Ausbeutung war also ausgelagert auf die Versklavten, die qua Rassismus nicht als Gleiche galten – weshalb ihr Elend dem gelingenden Abschluss der Revolution der (weißen) Männer nicht im Weg stand.

Ich finde das interessant angesichts der gegenwärtigen Debatten über die schwindende Autorität der „weißen Männer“ auf der Bühne des Politischen und der zunehmenden Autorität, die den Worten und der Präsenz von Frauen und Schwarzen und anderen Anderen zugesprochen wird (nicht von allen natürlich, nicht überall im Mainstream, aber doch von uns*). Es lohnt sich, Arendts Revolutionsanalyse vor diesem Hintergrund zu lesen.

Gescheitert ist bekanntlich auch die Russische Revolution. Bini Adamczak, deren anderes Revolutionsbuch ich hier schon empfohlen habe, denkt in ihrem Spin-Off „Der schönste Tag im Leben des Alexander Berkman“ darüber nach, wie sie hätte gelingen können. Das ist interessant zu lesen, kenntnisreich und überzeugend argumentiert. Aber man muss sich schon für die Russische Revolution interessieren, sonst ist es eher eine historische Erzählung. Ich jedenfalls dachte beim Lesen oft so: Hätte hätte Fahrradkette. Geschichte wiederholt sich ja nicht, und heute sind die Verhältnisse doch sehr anders.

Inwiefern man von vergangenen Revolutionen etwas lernen kann? Ein drittes Buch in dem Kontext habe ich gelesen: Eine kleine Biografie sowie Texte von Amparo Poch y Gascon, einer spanischen Ärztin, die eine von drei Gründerinnen der Mujeres Libres war, einer autonomen anarchistischen Frauenorganisation im spanischen Bürgerkrieg. Aber auch hier gelang es mir nicht wirklich, von einer generellen Inspiration und Bewunderung für weiblichen Mut und Entschlossenheit abgesehen etwas „ins Heute“ zu holen. Lesenswert ist das Buch natürlich, denn das Projekt, unsere Imagination der Vergangenheit mit der Erinnerung an Frauen und Aktivistinnen zu füllen, ist ja noch lange nicht abgeschlossen. Einer der dokumentierten Texte ist auch ein fieser Rant gegen den (bürgerlichen) Feminismus, falls euch das neugierig macht.

„Das Hauptproblem besteht natürlich darin, dass erfolgreiche Revolutionen so selten sind“, schreibt Arendt (S. 9). Ja genau. Von den gescheiterten kann man leider nur bedingt etwas lernen, weil Ursachen immer komplex und Umstände schlecht übertragbar sind. Und ohnehin sind Revolutionen keine punktuellen Ereignisse, sondern längerfristige Entwicklungen.

Hannah Arendt. Die Freiheit, frei zu sein. dtv 2018, 61 Seiten, Nachwort von Thomas Meyer, 8 Euro.

Bini Adamczak: Der schönste Tag im Leben des Alexander Berkman. Vom möglichen Gelingen der Russischen Revolution. Edition Assemblage 2017, 146 Seiten, 12,80 Euro.

Martin Baxmeyer: Amparo Poch y Gascón. Biographie und Erzählungen aus der spanischen Revolution. Verlag Graswurzelrevlution 2018, 152 Seiten,  13,90 Euro.

 

Frausein ist nicht binär oder: Wir sind hoffentlich alle Enbies!

In letzter Zeit lese oder höre ich öfter, dass Personen sich bezüglich ihrer Geschlechtsidentität als „jenseits der binären Geschlechterordnung“ (als „Nonbinär“ oder kürzer „Enbies“ für „NB“) bezeichnen.

Das ist natürlich eine prima Sache, der ich applaudiere. Aber was ich nicht akzeptiere ist, wenn der Eindruck erweckt wird, dass sie deshalb keine Frauen mehr wären. Ich meine: Es ist natürlich möglich, dass eine Person, die „nichtbinär“ ist, ein anderes Geschlecht hat als das weibliche, sie kann ja auch männlich oder eichhörnchen oder frostschnee sein oder auch nichts oder auch alles davon. Aber genauso gut ist es möglich, dass sie eine Frau ist.

Denn das eine – ob man binär ist oder nicht – hat mit dem anderen – ob man eine Frau ist oder nicht – nichts zu tun. 

Freies Frausein bewegt sich selbstverständlich außerhalb binärer Geschlechterkonstruktionen. Sogar weiter außerhalb als das allermeiste, was ich bisher von queerfeministischer Theorie gehört habe.

Viele Queerfeminist_innen vertreten zum Beispiel ein Bild von Geschlechterdifferenz, wonach Weiblich und Männlich die äußeren Enden eines Kontinuums bilden, in dessen Dazwischen es alle möglichen Abstufungen und Kombinationen gibt. Das ist aber ziemlich kurz gesprungen: Wenn es zwischen Schwarz und Weiß noch alle möglichen Grautöne gibt, dann ist das natürlich nicht so binär wie zwei klar definierte getrennte Kästchen und dazwischen nichts. Aber bei den Grautönen haben wir eben noch nichts Buntes: Das Weibliche kann nichts anderes sein als mehr oder weniger Männlich. Die Vorstellung von Geschlechtsidentitäten als Kontinuum mit Zwischentönen bewegt sich immer noch vollkommen innerhalb der binären Logik. (Darüber habe ich hier schonmal gebloggt).

Der Feminismus hingegen (jedenfalls ein großer Teil davon) beschäftigt sich mit dem freien Sinn der weiblichen Differenz. Also mit der Frage, welche Bedeutung Frausein hat und haben soll für uns, die Frauen, vollkommen unabhängig davon, was Mannsein ist oder nicht ist.

Aus der Binarität kommen wir nur raus, wenn Frausein nicht länger über das Mannsein definiert wird. Wenn wir verstehen, dass Frauen weder das Gegenteil, noch das Komplimentäre der Männer sind, und auch nicht deren Gleiche oder das andere Ende einer imaginären Kontinuums-Schnur.

Frauen sind Frauen, basta. Sie sind mit Männern (und anderen Geschlechtern) nur insofern verbunden, als sie alle derselben Spezies „Mensch“ angehören. Aber aus dem Mannsein lässt sich rein nichts über das Frausein ablesen. Wenn du etwas über Männer weißt, weißt du noch nichts über Frauen. Die Geschlechterdifferenz ist nicht binär. Es ist eine nicht-binäre Differenz, also eine Differenz, die sich nicht in der Logik von Hell versus Dunkel oder Kalt versus Warm bewegt, sondern eher so wie „Birnen versus Automotoren“. Es sind beides Dinge, aber man kann von Birnen nichts über Automotoren lernen und von Automotoren nichts über Birnen.

Nur in einer patriarchalen Logik wird das, was Frauen tun, „binarisiert“. In patriarchaler Ideologie wird weibliche Subjektivität nicht betrachtet (und dann applaudiert oder kritisiert oder was auch immer), sondern unweigerlich auf die Männer bezogen, und zum Beispiel gefragt, ob es anders oder genauso ist. Das ist aber komplett egal, denn:

Was Frauen tun, das ist nicht auf Männer bezogen, sondern auf die Welt.

Feministische Kämpfe bestehen unter anderem darin, Frauen in dieser ihrer eigenständigen Subjektivität wahrzunehmen. Genau das wird durch einen „binarisierten“ Blick auf weibliches Handen verhindert. Zum Beispiel wird auf wirklich jede einzelne Aussage über Frauen, die ich mache, geantwortet: „Aber die Männer machen es doch genauso“ oder „willst du damit sagen, Frauen wären anders als Männer“? Es ist einer Kultur mit patriarchal beschränktem Vorstellungsvermögen sehr schwer, nicht-binär über Weiblichkeit zu sprechen.

Aber genau das, eine nicht-binäre Weiblichkeit zu stärken, tut der Feminismus seit hunderten von Jahren. Denn es hängt unsere Freiheit, die Freiheit der Frauen, davon ab, ob das gelingt: Uns als eigenständige Subjekte zu denken, die NICHT automatisch auf Männer bezogen sind.

Und deshalb finde ich es ärgerlich, wenn manche Queerfeminist_innen „Nicht-Binarität“ mit „Nicht-Weiblichkeit“ gleichsetzen. Denn dadurch verstärken sie im Gegenzug eben die Verknüpfung von Weiblichkeit und Binarität und machen sich damit letztlich zu Kompliz_innen einer patriarchalen Ideologie. Sie stellen sich der Freiheit der Frauen in den Weg, indem sie Freisein dem Frausein entgegen stellen. Denn ohne „Nicht-Binarität“ kann es keine weibliche Freiheit geben.

Deshalb muss es immer wieder betont werden:

Frausein ist nicht binär. Binär ist das Frausein nur in einer patriarchalen Logik, gegen die freie Frauen seit langem ankämpfen und über die wir wir (manche, viele von uns) auch schon lange hinaus sind.

Sprache: Es geht nicht um das „Mitgemeintsein“ von Frauen

Ich versuche schon seit einiger Zeit, zu verstehen, wieso diese Kultur sich so vehement gegen eine Veränderung von Sprache, die Frauen sichtbar macht, wehrt. Wieso dieses Thema ihnen so wichtig ist, dass eine Sparkasse lieber einen kleinkarierten Rechtsstreit führt, als einfach ein paar Formulare zu verändern. Warum so vielen Leuten so viel daran liegt, auch amtlich gerichtlich bestätigt zu haben, dass NIEMAND SIE ZWINGEN KANN, WEIBLICHE FORMEN ZU VERWENDEN.

Ich bewundere Frauen wie Marlies Krämer, die sich die langen Märsche durch Institutionen antun, um was zu verändern, und sie bewirken damit ja auch wirklich was. Aber ich frage mich inzwischen, ob es wirklich darum geht, ob „Frauen mitgemeint“ sind. So haben feministische Kritikerinnen der „Männersprache“ ja lange und bis heute argumentiert: Das generische Maskulinum (also dass eine männliche Form verwendet wird für Menschen insgesamt, darunter auch Frauen) würde Frauen unsichtbar machen, Frauen fühlten sich eben nicht angesprochen und nicht gemeint.

Das ist zweifellos zutreffend und hat historische Gründe, vor allem natürlich den, dass bis zur Emanzipation Frauen eben tatsächlich auch nicht mitgemeint waren, wie Dorothee Markert kürzlich nochmal klargestellt hat. Aber wenn es nur das wäre, dass man sich dagegen sträubt, Frauen auch tatsächlich und explizit mitzumeinen, dann ließe sich diese völlig überzogene Abwehr gegen inklusive Sprache nicht erklären, glaube ich. Denn anders als im 19. Jahrhundert WILL man Frauen heute ja mitmeinen. Die Sparkasse Sulzbach zum Beispiel hat ja sicher nichts gegen weibliche Kundinnen, umwirbt sie vielleicht sogar. Warum also dieser absurde Aufwand, nur um sie nicht auch mit einer weiblichen sprachlichen Form ansprechen zu müssen?

In einem langen und viel kommentierten FAZ-Artikel hat der pensionierte Linguistik-Professor Peter Eisenberg uns kürzlich nochmal herrklärt, „dass das grammatische Geschlecht mit dem biologischen Geschlecht nichts zu tun hat“. In seinem Text stieß ich auf einen Satz, der mich auf die Idee brachte, dass das Problem vielleicht ganz woanders liegen könnte als beim „Mitmeinen“ von Frauen. Eisenberg schreibt:

Schon seit Beginn der feministischen Linguistik in den achtziger Jahren hat man mit der Sexusneutralität der generischen Maskulina gehadert: „Lehrer“, „Denker“, „Dealer“ seien keineswegs geschlechtsneutral, vielmehr dienten sie der Bezeichnung von Personen männlichen Geschlechts. Das Maskulinum wurde regelrecht sexualisiert.

Das ist es: Was Leute wie Eisenberg und Co. ärgert ist nicht die Sichtbarmachung des Weiblichen, sondern die Sichtbarmachung des Männlichen als Sexus.

Das Problem am generischen Maskulinum ist nämlich in der Tat nicht, dass es Frauen nicht sichtbar machen und nicht benennen würde. Denn tatsächlich ist es nach diesem herkömmlichen Sprachverständnis ja möglich, Frauen sichtbar zu machen und zu benennen: Man muss an die Wörter nur ein „-in“ dranhängen. Was hingegen bei Verwendung eines generischen Maskulinums NICHT möglich ist, das ist die Sichtbarmachung von Männern als spezifische Gruppe. Weil Bezeichnungen für Männer einfach identisch sind mit Bezeichnungen für Menschen.

Mit dem Feminismus ist aber genau dieses sprachliche Bedürfnis in die Welt gekommen. Wir bestreiten den Anspruch von Männern und Männlichkeit, das Allgemeine zu respräsentieren, und uns den Status des Partikularen zuzuweisen. Männer sind nur ein Teil der Menschheit, und zwar ein spezifischer Teil, der nicht den Anspruch erheben kann, für uns zu sprechen.

Das ist aber eine Erkenntnis, die viele Männer überhaupt nicht hören wollen, und die sie zuweilen auch gar nicht verstehen. Ich glaube tatsächlich, dass ihnen, gerade aufgrund der Struktur unserer Sprache, hierfür die Übung fehlt. Während Frauen aufgrund des generischen Maskulinums von klein auf üben (müssen), zu unterscheiden, ob sie gemeint sind oder nicht, werden Männer daran gewöhnt, dass sie immer gemeint sind, dass es prinzipiell immer um sie geht, es sei denn, es ist ausdrücklich von Frauen die Rede. Das sind dann diese „Frauenthemen“, die sie nichts angehen und nicht betreffen.

Im Zusammenhang mit der Debatte um die Nationalhymne, wo der Vorschlag im Raum steht, das Wort „brüderlich“ zu ersetzen, habe ich irgendwo einen Kommentar gelesen, den ich leider nicht mehr finde, wo jemand sogar bestritt, dass das Wort „brüderlich“ männlich sei, mit dem Argument, Frauen könnten ja auch „brüderlich“ miteinander umgehen. Ich glaube, das ist nicht mal böse gemeint, sondern ein wirklich lange kulturell eingeübtes Männlichkeitsverständnis: der Universalismus ist da quasi schon im Konzept mit eingebaut, etwas anderes ist undenkbar.

Genau das wird aber mit dem Verweis auf die „Maskulinität“ des generischen Maskuliniums offengelegt. Und eben diese Offenlegung, diese „Sexualisierung des Maskulinums“, um mit Eisenberg zu sprechen, muss um jeden Preis verhindert werden, weil sie eben genau nicht „Sprachkosmetik“ ist, sondern an die Grundpfeiler unserer Kultur geht.

An diese Grundpfeiler will der Feminismus aber ran, und um das besprechen zu können, brauchen wir eben zwei unterschiedliche Wörter: Eins für Menschen, und eins für Männer. Und diese zwei unterschiedlichen Wörter gibt eine Sprache, die generisches Maskulinum verwendet, einfach nicht her.

Ich glaube, von Luise Pusch, die ja Pionierin in diesen Dingen ist, stammt bereits der  Vorschlag, neben der weiblichen Endung „-in“ zusätzlich eine männliche Endung, zum Beispiel „-ich“ einzuführen und die neutrale Variante konsequenterweise zum Neutrum zu machen: Das Lehrer, die Lehrerin, der Lehrerich.

Der Charme dabei wäre, dass die Diskussionen dann tatsächlich einmal sich um Männlichkeit drehen würden, die nämlich das eigentliche Problem darstellt (nicht nur bei diesem Thema, sondern meistens), anstatt dass immer über Weiblichkeit diskutiert wird, die ja sprachlich gesehen überhaupt nicht problematisch ist.

Es würde auch das Unbehagen aufgreifen, das ja auch viele Frauen schon immer gegen die „geschlechtergerechte“ Sprache haben, weil es ja tatsächlich stimmt, dass auf diese Weise beim Sprechen ständig Geschlechtlichkeit adressiert wird, auch dann, wenn sie im Kontext des Gesagten überhaupt keine Rolle spielt.

 

 

Frauen, Dudes und andere Geschlechter

Kürzlich hatte ich einen kurzen Austausch mit einer Person, nennen wir sie hier X, die ich zunächst aufgrund ihres Ausehens und ihres Namens für eine Frau hielt. Ich hatte einen Vortrag von ihr gehört, wir hatten uns danach kurz unterhalten, ich hatte ein paar kritische Anmerkungen dazu. Ein paar Wochen später schrieb sie mir eine Mail, die sich auf dieses Gespräch bezog, ich antwortete ihr. Dabei übersah ich, dass sie im „Kleingedruckten“ (in der Signatur) darauf hinwies, dass sie sich außerhalb der binären Geschlechterordnung verortet. Deshalb benutzte ich versehentlich die weibliche Anrede „Liebe X“. Sie antwortete und wies mich auf den Fehler hin. Ich entschuldigte mich.

So weit, so banal. Bis ich allerdings bemerkte, dass ich zusammen mit der Infomation, dass X keine Frau ist, auch das Interesse an dem politischen Austausch mit X verloren hatte. Xs Ansichten zu dem betreffenden Thema, die ich nicht teile, hatten mich interessiert, weil ich glaubte, eine Frau würde diese Ansichten vertreten, und das hatte mich motiviert, mich damit auseinanderzusetzen. Hingegen wüsste ich nicht, warum ich mich mit anderen Geschlechtern über dieses Thema austauschen soll, das mich (als Thema selbst) nämlich gar nicht besonders interessiert.

Ich habe versucht, diese Intuition, dieses spontane Gefühl von Desinteresse, das ich spürte, nachdem ich realisiert hatte, dass X keine Frau ist, genauer zu verstehen. Es scheint mir wichtig zu sein, weil es mein Verhältnis zu nicht-weiblichen Genders betrifft und damit die Frage nach feministischen Koalitionen oder Allies, und weil es vielleicht einen differenzierteren Blick auf das Verhältnis von Frauenbewegung und Männern ermöglicht, was ja auch ein Dauerbrennerthema ist.

Der derzeitige Stand meiner Überlegungen ist folgender: Für mein politisches Denken sind drei Geschlechter von Bedeutung – Frauen, Dudes und Sonstige.  Frauen sind mir wichtig, Dudes sind politische Gegner, bei den Sonstigen kommt es drauf an. ‬

Frauen – also alle Menschen, die sich als Frauen verstehen – sind meine ersten und wichtigsten Gegenüber in Bezug auf mein politisches Anliegen, nämlich die weibliche Freiheit zu vergrößern. Ohne Frauen gibt es auch keine freien Frauen, und Vorbilder und Verbündete darin, eine freie Frau zu sein, können nur andere Frauen sein. Weil, als ich das Thema gestern kurz in den sozialen Netzwerken postete, sofort die Frage aufkam, ob das auch für so reizende Exemplare wie Birgit Kelle und Erika Steinbach gilt: Selbstverständlich. Ja, das sind auch Frauen, und was sie tun, ist wichtig für meinen politischen Kampf. Denn sie gestalten aktiv die Bedeutung von „Frausein“ mit. Es ist wichtig, was sie tun, ich kann es nicht ignorieren oder mir egal sein lassen. Ich muss mich damit auseinander setzen. Auch diese Frauen stehen für das weibliche Begehren, das nämlich nicht immer lieb und gut ist, sondern (unter Umständen, die es eben zu analyieren gilt), auch destruktiv und gefährlich sein kann.

Dudes (oder, weil manchen wegen Big Lebowski der Begriff hier nicht gefiel, kann man auch Bros oder Typen sagen) – das sind Männer, die die herrschende hierarchische Geschlechterordnung nicht in Frage stellen, sondern entweder ignorieren, dass die veränderungsbedürftig ist („Postgender!“) oder gar aktiv auf ihren Privilegien beharren beziehungsweise der Ansicht sind, dass sie ihnen zustehen. Insofern sind sie politische Gegner, weil sie aktiv dazu beitragen, die Freiheit von Frauen zu beschneiden, oder zumindest ihrer Vergrößerung im Weg stehen. Mit Dudes muss mich natürlich auseinandersetzen, sie sind ein Teil der Welt und sie haben ja oft auch Macht. Vielleicht ist es möglich, sie zum Nachdenken zu bringen oder gar davon zu überzeugen, dass die Freiheit der Frauen doch was zählt. Aber abgesehen von solchen strategischen Überlegungen interessiert mich nicht, was sie tun. Dudes können auch völlig harmlos sein, viel harmloser als „böse“ Frauen.

Sonstige – das sind alle anderen Geschlechter, also vor allem feministische Männer oder nicht-weibliche Queers. Also X zum Beispiel. Bei ihnen kommt es darauf an, ob sie etwas zu sagen haben, das auf meine Fragen und mein Begehren, die weibliche Freiheit zu vergrößern, antwortet. Feministische Männer zum Beispiel können mir so manche Aspekte einer männlichen Kultur erklären, zu denen ich keinen Zugang habe. Nicht-weibliche Queers haben mehr Erfahrungen mit nonkonformistischen Gender-Performances und den Konflikten, die sich daraus ergeben. Es gibt hier also viele potenzielle Möglichkeiten, sich füreinander zu interessieren. Aber das ist nicht notwendigerweise so. Wenn diese „Sonstigen“ Themen verfolgen oder Positionen vertreten, die mich nicht interessieren oder die ich sogar falsch und gefährlich finde, dann sind sie mir genauso unwichtig wie die Dudes.

Mich interessiert eure Meinung dazu. Wie gesagt, das sind eher neue Überlegungen und vielleicht noch nicht ausgegoren.

Update:

Weil es offenbar Missverständnisse gab diesbezüglich: Was ich hier schreibe, bezieht sich auf feministisches Engagement, also politischen Aktivismus mit dem Ziel, Geschlechterverhältnisse herrschaftsfrei zu gestalten und die weibliche Freiheit zu vergrößern. Es bezieht sich nicht auf alles Mögliche im Leben. Wenn ich jemanden zum Squash spielen suche oder zum Chinesisch Lernen oder zum Geburtstagfeiern, dann spielen Geschlechterdifferenzen dabei normalerweise keine Rolle für mich.

Aber dieses Missverständnis ist auch wieder interessant, weil es zeigt, wie eng vermischt Politik und Soziales oft gedacht wird. Oder ist das nur in Bezug auf feministische Politik so? Aber da wäre nun wieder ein anderes Thema.

Update 2: 

Interessante Debatten zu diesem Thema auch in diesem Thread bei Facebook.

 

Jetzt ist die Gelegenheit: § 219a abschaffen!

 

Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung hat eine schöne Anleitung geschrieben, wie man sich konkret daran beteiligen kann, dass der § 219 abgeschafft wird. Zur Erinnerung: Das ist der Paragraph, nach dem derzeit auf Betreiben von Rechtspopulisten und Evangelikalen Ärzt_innen angezeigt werden, weil sie auf ihrer Internetseite über Schwangerschaftsabbrüche informieren.

Hier steht, was du machen kannst

Hier ist noch ein interessantes Feature zu dem Ganzen im Deutschlandfunk