Kino, Essenzialismus, Altwerden, Tod: noch ein Podcast

Und weil es so schön war, haben Eva, Benni und ich diese Woche gleich nochmal gepodcastet – voilà Episode 28!

Wenn Ihr nicht die ganzen zweieinhalb Stunden hören wollt, empfehlen wir, mit dem letzten Thema anzufangen, nämlich Tod und Sterben und die Frage, ob es sinnvoll und oder (nicht) realistisch ist, den Tod überwinden zu wollen. Und über den (nicht vorhandenen?) Sinn des Leidens – das war unserer Ansicht nach der spannendste Teil des Gesprächs. Beginnt ab ca 1:43.

Ansonsten sprachen wir über

* die aktuellen Filme Valerian und Wonderwoman und (die Krise von) Blockbustern generell (0:2:25)

* den laut Eva doch vorhandenen Essenzialismus in Antjes Differenzfeminismus, zum soundsovielten Mal und wieder ohne Einigung (0:29:05) (Anlass war dieser Text)

* Alter und Altwerden (1:15:30)

Viel Spaß beim zuhören!

 

G20, Gewalt, Wahlen, Sekten – neue Podcast-Folge ist online

In der neuen Folge unseres Podcasts „Besondere Umstände“ sprachen Eva, Benni und ich heute über:

* G20 und die anschließende „Gewaltdiskussion“, die aber gar keine Diskussion über Gewalt war, sondern ganz andere Dinge behandelte. Und über das Gewaltmonopol des Staates und das Tabu, es in Frage zu stellen.
* Die Frage, ob man tatsächlich im September eine der „Big Ugly Five“-Parteien wählen soll, wie ich hier im Blog vor einiger Zeit schrieb, oder doch eher gar nicht wählen, wie Benni meinte.
* Den Zusammenhang von Sektenhaftigkeit und Anti-Mainstream und die Frage, warum erfolgreiche dezentrale nonkonformistische Gruppen so oft patriarchal sind (unter besonderer Berücksichtigung der Amish).

Die Ehe für alle gibt es bislang nur für Männer 

Hört mal auf, die Ehe für alle zu feiern, denn es die Ehe gibt es bisher anscheinend immer noch nur für heterosexuelle Paare und für homosexuelle Männerpaare. Jedenfalls ist das, was ich heute Morgen in meiner Timeline lese. (Falls es nicht stimmen sollte, betrachtet das Ganze hierfür erledigt. Ich bin zur Zeit in den USA und unterwegs und daher nicht in der Lage, es jetzt ausführlich gegen zu checken. Falls es aber stimmen sollte, macht bitte einen großen Skandal daraus!)

Wie ich gerade lese,  (Absatz Stiefkindadoption) sind lesbische Paare offenbar auch mit dem neuen Gesetz immer noch nicht rechtlich gleichgestellt. Denn bei Kindern, die in eine Ehe hinein geboren werden, gilt immer noch nicht automatisch die Ehefrau der Mutter als Elternteil, sondern muss das Kind weiterhin aufwändig und mühsam und teuer adoptieren. 

Bei heterosexuellen Paaren ist das anders, der Ehemann einer Mutter ist automatisch als Vater akzeptiert, auch wenn er aufgrund von längerer Abwesenheit zum Beispiel unmöglich der biologische Vater sein kann. 

Dies ist natürlich ein substantieller und sehr wichtiger Punkt bezüglich einer angeblichen rechtlichen Gleichstellung – zumindest für Menschen, die schwanger werden können. Menschen, die nicht schwanger werden können, sind davon natürlich nicht betroffen und denen kann es entsprechend auch egal sein. 
Ist es offenbar auch. Sonst würden sie jetzt ja nicht feiern.

Daher gilt weiterhin: letz talk about Schwangerwerdenkönnen

Update 11.7: jetzt ist das Thema auch in der Taz 

Zahlen zum Genderdingens

So, da gab es also wieder Zahlen zum Genderdingens und aus diesem Anlass schreibt jemand in der Zeit:

„Nach der Geschlechterrolle befragt, die sie am ehesten beschreibt, gaben darin 3,3 Prozent der deutschen Bevölkerung an, entweder ein anderes Geschlecht zu haben als bei ihrer Geburt zugewiesen oder sich schlicht nicht als weiblich oder männlich zu definieren. Das heißt: Knapp 2,5 Millionen Deutsche haben keine Lust, sich von fremden Erwartungen oder ihren Geschlechtsteilen in ein gesellschaftlich erwünschtes Leben pressen zu lassen.“

Daher hier an dieser Stelle mal fürs Protokoll: Auch Cis-Personen haben in der Regel „keine Lust, sich von fremden Erwartungen oder ihren Geschlechtsteilen in ein gesellschaftlich erwünschtes Leben pressen zu lassen“.

Habe ich schon gesagt, wie sehr ich die Dümmlichkeit so vieler Texte aus dem deutschen Lifestylefeuilleton zu feministischen Themen hasse?

(Im Zeit-Magazin muss dazu noch ein schlimmerer Text erschienen sein, wenn Hengameh recht hat. Zum Glück hinter einer Paywall, sodass ich ihn nicht lesen muss).

Kann man diesen Text teilen oder ist er zu pastoral?

Liebe Leser_innen, kirchliche und nicht-kirchliche, jetzt spreche ich euch beide zusammen mal an, denn ich habe eine Frage.

Wie Ihr (vielleicht) wisst, schreibe ich manchmal für piqd Empfehlungen. Deshalb lese ich Texte immer auch mit einem Auge daraufhin, ob sie empfehlenswert sind. Die Kriterien sind nicht überraschend: Ist der Text gut geschrieben, hat er originelle/neue/wichtige Informationen und Gedanken, kann ich es verantworten, die darin vertretene Position weiterzuverbreiten?

Beim Lesen diesen Textes hier (von einer 36-Jährigen, die darüber nachdenkt, ob sie Kinder will oder nicht) aber merkte ich, dass sich noch ein weiteres Kriterium in meinen Kopf schob, nämlich: Ist er nicht zu pastoral? Kann man das diesem Internet, in dem doch alle atheistisch sind, zumuten?

Die erste Irritation bemerkte ich, als ich las, dass die Autorin des Textes Pfarrerin ist. Spontan schoss mir durch den Kopf: „Oje, dann kann ich den nicht teilen.“ Aber ich bin ja nicht doof und machte mir klar, dass Pfarrerinsein im Internet genauso okay ist wie Lehrerinsein oder Bäckerin sein. Die Leute sind ja nicht engstirnig.

Und diese Pfarrerin hier predigt auch gar nicht, sondern sie bloggt ganz normal wie alle anderen auch. Trotzdem hatte ich irgendwie den Eindruck, der Text ist nicht ganz „normal“, sondern schwebt so ein bisschen in diesem pastoralen Duktus, der Kirchensprache vom „normalen“ Sprechen unterscheidet.

Vielleicht bin ich aber da auch als Insiderin bereits viel zu empfindlich … Deshalb möchte ich euch fragen: Würdet Ihr diesen Text bei piqd (oder sonst in einem säkularen Rahmen) empfehlen bzw. empfohlen bekommen wollen?