Politische Praxis: Regeln ausdenken, ausprobieren, evaluieren

Nachdem ich vorgestern über Parteien und Frauen gebloggt hatte – und in den Kommentaren viel über die Piraten diskutiert wurde – war ich gestern Nachmittag bei einem Arbeitstreffen mit politischen Freundinnen. Wir sprachen auch über die Unterscheidung von Macht und Politik, die ich sehr wichtig finde (ich übersetze zusammen mit Dorothee Markert gerade ein Buch zu dem Thema), die anderen aber standen meinen Thesen skeptisch gegenüber. Sie verwiesen auf die Erfolge, die es in vielen Institutionen, auch bei den etablierten Parteien, durch eine gezielte feministische Machtpolitik gegeben habe. Eine erzählte zum Beispiel von den guten Erfahrungen, die sie bei den Jusos mit quotierten RednerInnenlisten gemacht hat: Männer und Frauen reden immer abwechselnd, und sobald sich zu einem Thema keine Frau mehr meldet, wird darüber auch nicht weiter diskutiert (ich habe nicht gefragt, ob das andersrum auch für Männer gilt). Das Verfahren besticht durch seine Einfachheit und seine Vorteile. Bekanntlich ist es ja ein wesentlicher Punkt, der vielen Frauen an der

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Die Regeln der anderen

In meinem Kopf haben sich in den letzten Tagen zwei Themen vermischt, die sich auf einem kleinen sonnigen Spaziergang heute Nachmittag zu einer Idee verdichteten: die Guttenberg-Geschichte auf der einen Seite, und die diesjährige Fastenaktion der evangelischen Kirche „Sieben Wochen ohne Ausreden“, über die ich noch einen Artikel schreiben muss, auf der anderen Seite. Ich hatte eigentlich geplant, den Artikel zum Thema „Ausreden“ von einer persönlichen Seite her aufzuziehen. Also mich selbst dabei zu beobachten, wo ich irgendwelche Ausreden vorschiebe, in so kleinen Alltagsdingen, und daraus eventuell irgendwelche Erkenntnisse über das Phänomen zu ziehen. Allein: Eine Woche lang beobachtete ich mich, aber mir sind meinerseits keine Ausreden untergekommen. Als ich heute morgen in der Redaktionskonferenz davon berichtete, brachte ich das auf das spontane Resumee „Wahrscheinlich mache ich einfach nichts Böses.“ Woraufhin die übrige Redaktion verständlicherweise in schallendes Gelächter ausbrach. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass solch spontanen Sätze, die ich manchmal unüberlegt sage (was natürlich nur in einer vertrauensvollen

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