Wibke Bruhns und die Veränderung, die sie verpasst

Viele haben sich am Sonntag über Wibke Bruhns in der Jauch-Talkshow geärgert oder waren enttäuscht (zum Beispiel Nele Tabler). Die Journalistin, bekannt als erste Nachrichtensprecherin im westdeutschen Fernsehen, bagatellisierte den alltäglichen Sexismus, über den gegenwärtig ganz Deutschland spricht. Männer seien eben so, so ihre Meinung zu dem Thema, und damit müssten  Frauen, die in gemischten Öffentlichkeiten unterwegs sein wollen, eben zurechtkommen.

Ich fand das eigentlich ganz interessant, weil Wibke Bruhns mit dieser Position gewissermaßen wie “aus der Zeit gefallen” schien, sie war sozusagen die leibhaftige Verkörperung eines “Common Sense”, wie er vor der Frauenbewegung üblich und normal war. Aber gerade dass sie so antiquiert wirkte, zeigt doch, wie sehr sich das Selbstbewusstsein von Frauen und ihr Wille, das nicht mehr hinzunehmen, bis heute weiterentwickelt hat.

Man muss nämlich sehen, dass eine Haltung wie die von Bruhns nicht einfach ein ausgedachter sexistischer Quatsch ist, sondern ideengeschichtlich sehr genau in einen Kontext einzuordnen ist: Nämlich in den der Kämpfe, die Frauen vor der Frauenbewegung, also in den 1950er und 1960er Jahren auszufechten hatten.

Das, wofür wir (TM) uns jetzt im Zusammenhang mit “Aufschrei” einsetzen – nämlich ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es alltäglichen Sexismus gibt, dass er häufig ist, und dass er vielen Frauen mindestens lästig ist oder das Leben schwer macht – dafür hätte man zu der Zeit, als Wibke Bruhns jung war, nicht eintreten brauchen. Es war doch genau das, was damals jungen Frauen vorgehalten wurde, wenn ihre Ambitionen über ein Dasein als “Hausfrau und Mutter” hinausgingen: Dort draußen, so wurde ihnen nämlich warnend vorgehalten, müssten sie ständig damit rechnen, sexualisiert, bedrängt, angemacht zu werden.

Frauen, so wurde damals vielerorts als Horrorszenario an die Wand gemacht, würden gewissermaßen die gesellschaftlichen Männerorte (Parlamente, Redaktionen, Universitäten, you name it) durch ihre bloße Anwesenheit durcheinanderbringen. Deshalb wäre es besser, sie blieben da weg (wie gesagt, “Gleichstellung” war noch kein allgemein akzeptiertes Ziel). Das Vordringen von Frauen in die “Männerwelt” würde nur zu sexuellem Durcheinander führen, zu Gefahren für die Sittlichkeit, die Männer könnten sich nicht mehr konzentrieren, weil sie nur auf Busen starren.

Ich finde es nicht sehr verwunderlich, dass Frauen, die damals trotz solcher Vorbehalte Ambitionen hatten, sich nicht nur berufliche Positionen zu erobern, sondern auch den öffentlichen Raum (die Straße, die Kneipen) diese Gefahren herunterspielten. Dass sie abwiegelten: Alles nicht so schlimm. Kommt doch selten vor, und wenn, können wir uns doch leicht wehren.

Dass die Mehrheit der Frauen das heute nicht so sieht, dass es ein offenbar überwältigendes Bedürfnis gibt, den Alltagssexismus zu thematisieren, offen zu legen, anzuprangern und konkret nach Möglichkeiten zu suchen, dagegen etwas zu unternehmen, und  zwar nicht auf individueller, sondern auf gesellschaftlich-strategischer Ebene, das ist meiner Ansicht nach nur vor dem Hintergrund möglich, dass sich die Rahmenbedingungen eben geändert haben.

Niemand verlangt heute mehr von Frauen, dass sie zurück an den Herd gehen. Dass Frauen prinzipiell das Recht haben, alle Berufe zu ergreifen und sich an öffentlichen Orten zu bewegen, ist in zwischen Common Sense und verbrieftes Gesetz. Und längst sind sie nicht mehr nur vereinzelt unterwegs, sondern es sind viele, in den Kneipen, in den Redaktionen, wo auch immer. Nicht auf der höchsten Führungsebene, aber doch darunter.

Frauen müssen heute also, wenn sie Alltagssexismus offenlegen und daraus eine politische Kampagne machen, nicht mehr befürchten, dass man ihnen entgegenhält: Seht ihr, und weil das so ist, müsst ihr in Zukunft wieder zuhause bleiben. Selbst in den allerschlimmsten Beiträgen und Talkshows der vergangenen Tage war das nicht zu hören.

Das Recht der Frauen, in der Öffentlichkeit, also dort, wo auch viele Männer sind, anwesend zu sein, steht also außer Frage. Und diese Sicherheit war nötig, damit Frauen jetzt offensiv die Verhandlungen darüber eröffnen können, nach welchen Regeln an diesen öffentlichen Orten miteinander umgegangen wird. Dass sie auch von Männern erwarten können, dass diese sich von althergebrachten Männlichkeitsmustern verabschieden.

Frauen wie Wibke Bruhns haben diese Änderung nicht mitgekriegt. Sie glauben offenbar immer noch, dass die Welt nie eine sein wird, in der es ganz normal ist, dass Männer Frauen mit Respekt gegenübertreten. Sie glauben, dass “Männer eben so sind wie sie sind” – und wir Frauen damit einfach leben müssen.

Mich macht das eigentlich nicht wütend, es macht mich eher traurig. So viel hat sich verändert – und trotzdem gibt es noch Frauen, die diese Veränderung einfach verpassen.

Wie Lappalien relevant werden

Sind sexuelle Belästigungen von Frauen, die sich deutlich unterhalb strafrechlich relevanter Grenzen abspielen, eine Lappalie oder ein vollkommen unakzeptabler Zustand? Über diese Frage wird zurzeit in Deutschland diskutiert, nachdem zwei Journalistinnen über ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit ihrer Arbeit berichtet haben, zuerst Annett Meiritz im Spiegel am Beispiel einiger Piraten, dann Laura Himmelreich im Stern über ihre Erlebnisse mit Rainer Brüderle von der FDP.

Seither wird offensichtlich, dass sich die “Relevanzkriterien” zu diesem Thema in der Öffentlichkeit verschoben haben. Am besten auf den Punkt gebracht hat das der hessische FDP-Justizminister Jörg-Uwe Hahn, der mit dem Satz zitiert wird: “Diese Geschichte ist ein Tabubruch. Wer es nötig hat, so etwas als ‘Story’ zu verkaufen, hat sich von seinem Chefredakteur vor den schmutzigen Karren spannen lassen.”

Ja genau, es ist ein Tabubruch, denn bisher gehörte es sich nicht, solche Erlebnisse an die große Glocke zu hängen. Eine Frau, die es in die oberen Ränge des Alpha-Journalismus geschafft hatte, hatte dankbar zu sein, dass die Herren sie mitspielen lassen. Und nicht rumzicken wegen irgendwelcher nebensächlicher Lappalien.

Wie Jörg-Uwe Hahn gingen bis vorgestern wohl viele Männer davon aus, dass solche Begebenheiten unterhalb der Schwelle öffentlicher Erregung bleiben. Wie er waren wohl viele der Ansicht, dass so ein bisschen sexistische Anmache für sich genommen keine Story ist (man muss ja seiner Ansicht nach es noch aus irgendwelchen anderen Gründen “nötig haben”). Auch viele Männer, die sich selbst gegenüber Frauen völlig korrekt verhalten, dachten bis vorgestern: Das ist zwar nicht schön, aber doch keine Nachricht – und suchten deshalb nach “Nebengründen”, die diese Veröffentlichung erklären könnten.

Es braucht aber keine weiteren Gründe, um so eine Story zu veröffentlichen, denn es gibt inzwischen massenweise Frauen und auch Männer, die das durchaus für eine Nachricht halten. Die sexuelle Belästigung keineswegs für eine Lappalie halten, auch dann nicht, wenn sie sich auf “niedrigem Niveau” abspielt. Die nicht wollen, dass solche Leute uns regieren, weil so ein Verhalten nämlich keine Privatsache oder persönliche Macke ist, sondern viel über die Mentalität, die Rollenvorstellungen, die Haltung des Betreffenden aussagt. Für sie als Wählerinnen und Wähler ist es also aus politischen Gründen interessant, solche Berichte zu lesen.

Wie viel sich an Ärger da bereits angesammelt hatte, zeigt sich an der großen Resonanz, die unter dem Hashtag #Aufschrei gerade bei Twitter trendet. Unter diesem Tag tragen Frauen ihre Erlebnisse bezüglich solcher “Lappalien” zusammen und machen damit sichtbar, dass die “Lappalien”-Einschätzung aufgrund der schieren Menge an entsprechenden Vorfällen schlicht falsch ist. Männer beteiligen sich übrigens ebenfalls unter dem Hashtag #Scham. Auch in den klassischen Medien sind zahlreiche Kolleginnen und Kollegen Meiritz und Himmelreich zur Seite gesprungen, weil auch sie die neue Relevanz der ehemaligen “Lappalien” erkannt haben.

Dass dieser Knoten gerade jetzt geplatzt ist, war letztlich Zufall. Zuerst der Artikel gegen die Piraten, bei dem alle Etablierten noch geklatscht haben – immer druff, wir wussten ja, dass die Piraten Sexisten sind. Dieser Artikel war aber nötig, damit der  zweite Artikel erscheinen konnte: Nicht nur bei den Piraten, auch bei der FDP. Und dann gab es kein Halten mehr, weil genau diese Debatte unter der Oberfläche schon lange gebrodelt war. Früher oder später musste sie rauskommen.

Zurück in den Sack kriegt Ihr das jetzt nicht mehr. Weil nämlich diejenigen, die sowas für eine Lappalie halten, nicht mehr die maßgeblichen Meinungsmacher in Deutschland sind. Sondern Relikte aus vergangenen Zeiten.

PS: Das ist übrigens ein gutes Beispiel für politische Veränderungsprozesse, wie ich sie gegen Zizek hier kürzlich stark gemacht habe: Sie erfordern keine revolutionäre Tat, sondern sie werden über längere Zeit von sozialen Bewegungen im mehr oder weniger Unsichtbaren vorbereitet. Geschieht dann ein “Ereignis” kommen sie lediglich ans Licht, sie werden von diesem Ereignis aber nicht ausgelöst.

PPS: Hier auch noch ein Erklärbärin-Videointerview mit Anke Domscheit-Berg zum Thema

Die neue Lust auf Patriarchat

Inszeniertes Patriarchat in der Uhrenwerbung. Danke für den Hinweis an Anke Domscheit-Berg.

Inszeniertes Patriarchat in der Uhrenwerbung. Danke für den Hinweis an Anke Domscheit-Berg.

Seit einiger Zeit hörte ich immer mal wieder hier oder da nebenbei von dieser TV- und Buchserie namens “A Game of Thrones”. Als ich im November dann vor der Frage stand, was ich mir als Urlaubslektüre auf den Reader laden soll, dachte ich: Les ich das doch mal.

Seither denke ich nun über etwas nach, das ich vorläufig mal “Die neue Lust auf Patriarchat” nenne.

Denn obwohl das Buch die rechte Strandlektüre war – liest sich so ratzfatz weg – wurde ich doch immer verwunderter darüber, dass jemand heutzutage, am Anfang des 21. Jahrhunderts, so ein Setting wählt: Tiefstes Patriarchat im Stile des europäischen Mittelalters. Und dass das dann auch noch so ein Publikumserfolg wird.

Ich mag sowas nämlich eigentlich gar nicht lesen, ich bin doch froh, dass diese Zeiten hinter uns liegen. Nicht, dass wir heute im Paradies der weiblichen Freiheit angekommen wären, es gibt ja immer noch vieles zu tun und viele Probleme im Verhältnis der Geschlechter, mit denen wir uns rumplagen müssen. Aber sowas doch eben nicht mehr.

Warum also soll ich mich in meiner Freizeit, wenn ich mich einfach nur mal mit einer actionreichen Story unterhalten will, mental in eine Umwelt begeben, in der Frauen rechtlos sind? In der sexistische Gewalt nicht nur zum Alltag gehört (das tut sie weithin heute auch noch), sondern auch noch allen ganz richtig und wie die natürliche Ordnung der Dinge erscheint?

Ich meine: Wenn wir schon Geschichten erfinden, warum dann nicht lieber Utopien davon entwerfen, wie die Welt anders aussehen könnte? Gerade im Fantasy-Genre eröffnen sich doch Trillionen von Möglichkeiten!

Mit solchen Fragen im Kopf sah ich mich dann in den vergangenen Wochen, zurück aus dem Urlaub, vom Patriarchat geradezu umzingelt. Anke Domscheit-Berg twitterte zum Beispiel eine Serie von Bildern, in der der männliche gewaltsame Gestus Frauen gegenüber zur Werbung für Männeruhren dient. Dann kam die Nachricht, dass Tele 5 allen Ernstes eine Serie namens “Who wants to fuck my girlfriend?” ausstrahlen will. Lucie hat drüben auf kleinerdrei grade noch mehr Beispiele.

Hallo?

Ich denke nicht, dass dieser Trend zur Patriarchats-Inszenierung ein Beweis dafür ist, dass die Verhältnisse immer noch genauso schlimm sind wie damals im Mittelalter. Vielmehr glaube ich, dass wir es hier mit einem Phänomen am Ende des Patriarchats zu tun haben. Denn diese Geschichten und Motive würden so wie sie sind natürlich nicht funktionieren, wenn die Verhältnisse tatsächlich noch so wären, wie sie hier dargestellt werden.

Als “witzig” oder “spannend” kann zu Bildern oder Geschichten verdichteter Sexismus nur vor dem Hintergrund durchgehen, dass er symbolisch bereits ad acta gelegt ist (jedenfalls nach Auffassung derer, die sich sowas mögen). Patriarchale Gesellschaften alten Stils feiern und zeigen Männergewalt selten so offen, denn das würde sie ja entlarven, indem es die Ungerechtigkeit sichtbar macht. Klassisch patriarchale Gesellschaften rechtfertigen ihre Zustände im Allgemeinen mit dem Verweis darauf, dass die weibliche Unterordnung doch der natürliche Zustand der Dinge sei, dass er gerade dem Schutz der Frauen diene und so weiter.

Post-Patriarchale Gesellschaften hingegen können sich sowas gewissermaßen leisten, denn sie verweisen dann darauf, dass doch in Wirklichkeit  Frauen längst gleichgestellt sind. Das, so behaupten sie, sei doch gerade der Witz dabei – mehr Humor, einself!

Dass die weibliche Gleichstellung bisher nur bestimmte privilegierte Gruppen von Frauen umfasst (und solche Motive und Geschichten daher verletzend sind für diejenigen Frauen, die im Alltag hierzulande auch heute noch ganz real geschlagen, vergewaltigt, benachteiligt und so weiter werden) ist das eine.

Das würde schon reichen, um so etwas abzulehnen. Aber auch wenn es stimmen würde, auch wenn die Gleichheit der Frauen tatsächlich bereits erreicht wäre, finde ich solche Motive und Geschichten schädlich. Denn sie halten uns fest in einer Symbolwelt, die die weibliche Freiheit negiert, und verhindern auf diese Weise, dass wir andere Bilder und Alternativen entwickeln und erfinden.

Denn es reicht ja nicht, das Patriarchat zu überwinden, sondern es ist notwendig, dass dann auch etwas anderes da ist, das an dessen Stelle treten kann. Ansonsten entsteht nämlich genau die symbolische Unordnung, die derzeit in Punkto Geschlechterverhältnis herrscht: Wir haben und wollen das Alte nicht mehr, aber was wir denn stattdessen wollen, bleibt unklar und undiskutiert.

In dieses Muster passt übrigens auch Tarantinos neuer Film “Django Unchained”. Auf den ersten Blick könnte man ihn für einen Film über Rassismus und Sklaverei in den USA halten. In Wirklichkeit ist es aber ein Film, der das Setting der Sklaverei nur als Hintergrund benutzt, um die Frage zu diskutieren, unter welchen Umständen Männer andere Männer erschießen können, dürfen oder müssen. Der Film ist eine luprenreine Revisualisierung des Patriarchats, dessen Kern ja eben nicht darin liegt, was Männer und Frauen voneinander halten oder miteinander tun, sondern darin, dass die einzigen Beziehungen, auf die es ankommt, die der Männer untereinander sind.

Die Reinszenierung des Patriarchats bringt es unweigerlich mit sich, dass im Zentrum der Konflikte die der Männer untereinander stehen und Frauen dabei nur die Rolle männlicher Statussymbole spielen: Who want’s to fuck my girlfriend, wer hat die fetteste Uhr.

Es wäre aber natürlich ganz falsch, anzunehmen, dass nur Männer dieser schädlichen Lust am Patriarchat verfallen würden. Häufig sind es genauso Frauen, die diese Geschichten lieben und diese Motive “witzig” finden.

Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass sie sich gerne der Freude darüber hingeben, dass es ihnen heute besser geht als unter den damaligen Verhältnissen. Zum Beispiel waren in den achtziger und neunziger Jahren unter Frauen Bücher sehr populär, die Geschichten erzählten von mutigen Frauen, die sich gegen das Patriarchat auflehnen und ihm ein Schnippchen schlagen. Die Päpstin Johanna zum Beispiel, oder eben alle möglichen Heldinnen, die gegen die Regeln ihrer Zeit Erfolg hatten. Die ganze “Starke-Frauen”-Literatur eben.

Diese Geschichten konnten als Folie dafür dienen, mutige Frauen zu feiern, sich als Vorbilder zu wählen, und das war vielleicht anfangs auch notwendig. Und auch in “Game of Thrones” gibt es ja solche “starken Frauenfiguren”, die ihr Ding machen, obwohl die Verhältnisse so krass patriarchal sind. Mit denen mitzufiebern, sich mit ihnen zu identifizieren, hat durchaus etwas Stärkendes.

Ich meine aber, dass wir inzwischen darüber hinaus sind, dass wir dringend andere Bilderwelten in unsere Köpfe bringen müssen. Ich wünsche mir Geschichten, die eine andere Art von “starken Frauen” featuren: Frauen nämlich, die unter den Bedingungen des Post-Patriarchats ihren Weg gehen, die in dieser Hinsicht phantasiereich sind, Szenarien und Strategien entwerfen.

Denn ja: Wir sind noch nicht im Paradies der weiblichen Freiheit angekommen. Es gibt noch vieles zu tun. Aber dabei kommen wir nicht weiter, wenn wir uns symbolisch ständig in den alten patriarchalen Szenarien bewegen.

Kontext. Wie Wörter zu ihrer Bedeutung kommen.

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Zu der aktuellen Debatte um rassistische Begriffe in Büchern und die Frage, ob man „Klassiker“ verändern kann, soll oder muss, möchte ich nun doch auch noch einen Aspekt beisteuern, der mir in der bisherigen Diskussion fehlt, nämlich die Bedeutung des Kontextes.

Wörter haben keine fixen, absoluten Bedeutungen, sondern was ein Wort bedeutet, ergibt sich überhaupt nur aus dem Kontext, in dem es benutzt wird. Auch das viel diskutierte N-Wort ist für sich genommen nichts anderes als eine Aneinanderreihung von fünf Buchstaben. Würde ein Marsmensch dieses Wort aussprechen, der in keinerlei Beziehung zur Erde stünde, würde es überhaupt keine Bedeutung haben, es wäre sinn-los.

Wenn ich mich entscheide, ein Wort zu gebrauchen oder nicht, dann trage ich so oder so zur Prägung des jeweiligen Wortkontextes bei, wobei ich mich immer in einer Zwischenposition befinde: Einerseits kann ich ein Wort nicht unabhängig von der „Bedeutungswolke“ verwenden, die es im Lauf der menschlichen Geschichte bereits angenommen hat. Gleichzeitig aber trage ich mit der Art und Weise, wie ich ein Wort gebrauche (oder eben nicht) selbst auch wieder dazu bei, diese Bedeutungswolke auf die Zukunft hin zu verändern.

Was mich an der bisherigen Diskussion vor allem stört ist, wenn diese eigene Verantwortung nicht reflektiert wird. Es geht nicht darum, herauszufinden, was ein Wort „wirklich“ bedeutet, denn wir befinden uns hier nicht auf der Ebene wissenschaftlicher Beweise, die durch logische Deduktion oder im Experiment verifiziert oder falsifiziert werden können. Wir befinden uns auf der Ebene einer politischen Auseinandersetzung, in der die Sprecherin ein politisches Urteil fällt, für das sie eben auch die Verantwortung zu tragen hat.

Es ist unausweichlich, dass sich die Bedeutung von Wörtern im Lauf der Zeit verändert, weil sich der Kontext ändert, in dem die Menschen leben, und entsprechend eben auch der Kontext, in dem diese Wörter gebraucht werden. Deshalb ist ein Buch, das über hundert Jahre hinweg sprachlich nicht verändert wird, schlicht und einfach nicht mehr dasselbe Buch.

Ganz banal: Ein Buch enthält Worte, die zu der Zeit, in der es geschrieben wird, völlig geläufig sind –zum Beispiel „Schuhwichse“. Hundert Jahre später benutzt kein Mensch mehr dieses Wort. Damit nimmt die entsprechende Textstelle einen anderen Charakter an. Während die Zeitgenossinnen des Autors einfach drüber hinweglesen, weil „Schuhwichse“ für sie ein völlig normales Alltagswort ist, wird ein Leser hundert Jahre später an dieser Stelle stolpern und unter Umständen erst einmal googeln müssen, was dieses „Schuhwichse“ eigentlich sein soll.

Das heißt: Texte einfach so zu lassen wie sie sind, ist keine Lösung, denn gerade weil sie sich nicht ändern, ändern sie sich in Wirklichkeit sehr. Das ist der große Unterschied zwischen dem geschriebenen und dem gesprochenen Wort: Das geschriebene Wort wird durch die Verschriftlichung von seinem Kontext gelöst (das genau ist ja ihr Zweck), während das gesprochene Wort immer direkt an seinen Kontext gebunden ist, nämlich an den Ort und die Situation, in der sich der Körper der Sprechenden in dem jeweiligen Augenblick befindet.

Für das verschriftlichte Wort gilt also ganz besonders das, was Tomasi di Lampedusa seinerzeit so schön auf den Punkt gebracht hat: „Es muss sich alles ändern, damit es bleibt, wie es ist.“ Und die Frage ist nicht, ob, sondern wie Texte im Lauf der Zeit verändert werden müssen. Denn wenn sie nicht verändert werden, sind sie irgendwann schlicht und ergreifend unbrauchbar und taugen nur noch für Archive oder Museen.

Im Falle von rassistischer oder sexistischer Sprache geht es aber nicht nur um die Bedeutung von einzelnen Wörtern, sondern viel allgemeiner um die Bedeutung von Ideen und ihre symbolische Repräsentationen in der Sprache.

Mit diesem Thema habe ich mich im Zusammenhang mit meiner Doktorarbeit intensiv auseinandergesetzt, bei der es um die politischen Ideen der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert ging. Um zum Beispiel die Meinungen und Ansichten, die damals zur „Rolle der Frau“ geäußert wurden, einordnen zu können, nützt es nichts, sie einfach mit der heutigen Sicht abzugleichen. Es ist nämlich nicht dasselbe, ob jemand im Jahr 1868 gegen das Frauenwahlrecht ist oder im Jahr 2013. Natürlich ist es damals wie heute „frauenfeindlich“, nur Männern das Recht zuzusprechen, in politischen Gremien Entscheidungen zu fällen. Aber es ist eben nicht auf dieselbe Weise frauenfeindlich. Es ist ein Unterschied, ob eine solche Ansicht in einem gesellschaftlichen Kontext vertreten wird, wo das Frauenstimmrecht nur von einer kleinen radikalen Minderheit gefordert wird, oder in einem Kontext, wo es seit langem eine selbstverständliche Realität ist.

Andersrum: Wenn ich bestimmte linke Denker des 19. Jahrhunderts für ihre Position in Punkto „Rolle der Frau“ als Antifeministen kritisiere (zum Beispiel Proudhon), wird häufig zu deren Verteidigung angeführt, damals wäre das doch allgemein übliche Meinung gewesen. Das ist dann genau der Punkt, wo die historisch-ideengeschichtliche Forschung einsetzt und ich genau das nachprüfe: Ist das damals wirklich allgemein verbreitete Meinung gewesen? Wo genau, auf welcher Seite des damaligen Spektrums, hat sich Proudhon zum Beispiel positioniert? In seinem Fall lässt sich klar zeigen, dass seine Äußerungen wie, man müsse eine Frau eher hinter Schloss und Riegel sperren als sie politisch mitreden zu lassen, keineswegs nur für heutige Ohren frauenfeindlich klingt, sondern auch schon für damalige Verhältnisse. Denn die meisten Menschen waren auch damals schon anderer Ansicht.

Genau diese Frage, nämlich wo ein historischer Autor oder eine historische Autorin sich damals im Diskurs verortet hat, ist meiner Ansicht auch das Kriterium, anhand dessen zu entscheiden ist, in welcher Weise seine oder ihr Texte für heute aktualisiert werden müssen. Es wäre zum Beispiel ganz falsch, die frauenfeindlichen Abschnitte in Proudhons Büchern zu glätten oder zu verändern, um den Rest seines Werkes in die heutige Zeit zu „retten“, denn – Antifeministen wie er sind nicht zu „retten“. Im Gegenteil müsste man fragen, inwiefern nicht auch der Rest seiner Ideen dementsprechend heute unbrauchbar geworden ist.

Ähnlich ist es bei der aktuellen Frage, ob rassistische Begriffe aus Kinderbüchern (also Büchern, die nicht von Historikerinnen gelesen werden, sondern von Kindern, Kontext!) zu streichen sind.

Entweder der betreffende Autor war auch in seinem zeitgenössischen Kontext ein Rassist (also verglichen mit dem Spektrum an Meinungen, das damals vertreten wurde) – dann gehören seine Bücher aber auch sowieso nicht in den alltäglichen Gebrauch, sondern ins Archiv oder ins Museum.

Oder aber der betreffende Autor oder die Autorin war im damaligen Kontext eher auf der antirassistischen Seite (ich denke zum Beispiel an die Bücher von Harriet Beecher-Stowe, die eine engagierte Kämpferin gegen die Sklaverei war, deren sprachliche Formulierungen aber zum Teil trotzdem rassistisch sind, vor dem Hintergrund all dessen, was in den seither vergangenen 150 Jahren diskutiert und herausgearbeitet worden ist) – dann wäre es geradezu eine Verfälschung des Originaltextes, solche Formulierungen einfach weiter so stehen zu lassen.

Audre Lorde: Poetik des politischen Denkens

Ein wichtiges Zeitdokument des “Zweite-Welle-Feminismus” gibt es jetzt als Film: Aus Material, das sie in den achtziger Jahren gedreht hat und durch aktuelle Interviews ergänzt, hat Dagmar Schultz eine Dokumentation über Audre Lorde’s “Berliner Jahre” (1984 bis 1992) geschnitten. Ich sage: Anschauen! (Man kann die DVD für 19,99 Euro kaufen, oder auch hier).

Als Audre Lorde damals nach Berlin kam, war sie schon berühmt: als Autorin und Dichterin, als politische Aktivistin, als Lehrerin. Sie ist eine von denen, die das Differenzdenken im Feminismus stark gemacht hat, indem sie die Illusion der “gemeinsamen Fraueninteressen” als ebensolche entlarvte – als Illusion eben.

Der Film legt einen Schwerpunkt auf das Entstehen eines Schwarzen Selbstbewusstseins von Women of Color, das Lorde in Deutschland  maßgeblich angestoßen hat. Wenn sie sagt:

Because I write for black women, does not mean, that I turn away from white women, who can use or who need the things I say. But I write first of all from where I am, and I am not white. It does not mean that my word ist not available and that we do not have things to say. We share our heritage, we share an earth, and we need each other. But we are not each other. We are different. I can know and respect your difference. You must know and respect mine. That is the only way, we can work together.

… dann ist damit genau auf den Punkt gebracht, worum es geht, wenn Politik als Politik der Differenz und als Politik der Beziehungen verstanden wird.

Einen Standpunkt jenseits des Normativen bewusst einzunehmen bedeutet nämlich gerade nicht, dem gemeinsamen Handeln im Bezug auf die Welt eine Absage zu erteilen (was ja ein immer wieder vorgebrachter Vorwurf von Seiten der Privilegierten ist). Sondern es bedeutet das genaue Gegenteil: Durch die Aufmerksamkeit für die Differenzen überhaupt erst mal die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass eine fruchtbare Beziehung und damit gemeinsames Handeln möglich wird.

Dass es dabei nicht um eine, sondern um viele Differenzen geht, wird deutlich, wenn sich Lorde als „black lesbian feminist mother poet warrior“ bezeichnet.

Während die Differenzen rund um Rassifizierung, Heteronormativität, Feministische Selbstverortung und Mutterschaft in der feministischen Debatte inzwischen wenn auch nicht ausdiskutiert, so doch zumindest auf dem Radar sind, haben mich die beiden letzten Punkte beim Anschauen des Films besonders berührt, weil ich sie für nach wie vor unterbelichtet halte: die Poesie und das Kämpferische.

Dass Audre Lorde eben nicht einfach nur eine Schwarze lesbische feministische Aktivistin war, sondern ganz wesentlich eine Dichterin und eine Kämpferin, wird in dem Film sehr viel klarer, als wenn man nur ihre Bücher liest. Die Schlichtheit, mit der sie diffizile und komplexe politische Ideen in kurzen poetischen Sätzen formuliert, fand ich geradezu atemberaubend. Und die Präsenz mit der sie als Person sich in die Sache wirft, ist wahrhaft kämpferisch – ohne im Geringsten das lächerliche männliche Kriegertum (das ja auch gerade in linken, revolutionären Kreisen immer wieder en vogue ist) zu imitieren.

Und sie macht das nicht nur, weil sie es kann und mag, sondern weil sie es für notwendig hält, im politischen Aktivismus eine poetische und kämpferische Haltung einzunehmen: Poesie braucht es, weil es beim Verändern von eingefahrenen und etablierten Strukturen nicht nur um die rationale intellektuelle Ebene geht, sondern um Gefühle, Gewohnheiten, Begehren. Sie müssen eingeübt und verinnerlicht werden – und klare, einfach Sätze, Verse, Redewendungen helfen dabei.

Eine kämpferische Haltung wiederum braucht es, weil eine solche Weltveränderung niemals einfach ist, weil es Widerstände gibt, weil es Kämpfe gibt, aus denen man nicht so einfach ungeschoren herauskommt. Es braucht körperliche Präsenz, das Einstehen für die eigenen Überzeugungen in erster Person, in Fleisch und Blut. Und auch, dass es dafür unabdingbar ist, sich mit anderen zusammenzuschließen, nicht einfach mit “den Frauen”, sondern mit “diesen Frauen, denen ich vertraue und auf die ich mich verlassen kann” – auch diese politische Praxis wird in dem Film sehr anschaulich.

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Warum Filterbubbles toll sind

Über Filterbubbles – also darüber, dass man sich in diesem Internet vor allem mit Leuten verbindet, die ähnliche Ansichten haben wie man selbst – wird ja oft viel Schlechtes gesagt: dass man sich damit in einer eigenen Wirklichkeit einspinnt und andere Meinungen immer mehr ausblendet zum Beispiel.

Dagegen gehalten wird meist, dass die sozialen Netzwerke diesen Effekt gar nicht hätten, weil gerade die “schwachen Kontakte” es besser als offline-Netzwerke ermöglichen, auch mit der Nase auf eher fremdere Themen gestoßen zu werden. Also etwa das abgedrehte Hobby des Arbeitskollegen oder die politischen Aktivitäten der früheren Schulfreundin.

Meine Erfahrung geht eher in die zweite Richtung, also mein Wahrnehmungshorizont für unterschiedliche Meinungen und Themen hat sich mit der Verlagerung meines Medienkonsums ins Internet definitiv ausgeweitet im Vergleich zu der viel rigideren Filterbubble meiner ehemals abonnierten Papierzeitungen und den Gruppen und Netzwerken, mit denen ich in der früheren Offline-Zeit ausschließlich in Kontakt war.

Aber darum soll es jetzt gar nicht gehen, sondern um eine andere These: Nämlich die, dass Filterbubbles unabdingbar nötig sind, um zu den Themen vorzudringen, die mich eigentlich wirklich interessieren – und ich würde sogar so weit gehen, zu sagen: Filterbubbles helfen uns, die wirklich interessanten Fragen zu stellen.

Denn ich stelle doch immer wieder fest, dass die Themen und Kontroversen, die so im medialen Tagesgeschäft hochpoppen, mich nicht soooo ungeheuer interessieren. Dort geht es doch meist um Dinge, wo es mir leicht fällt, Position zu beziehen, wo meine Meinung eigentlich schon fest steht. Im Bezug auf die meisten Alltagsaufreger bin ich doch mit fast allen Leuten, mit denen ich vernetzt bin – egal über welches Medium – im Großen und Ganzen einer Meinung: Wir sind gegen Atomkraft, finden bestimmte Werbung sexistisch, ärgern uns über dieselben antifeministischen Argumente, sind für ein menschlicheres Asylrecht, gegen Nazis, halten dieselben Sachen für rassistisch und so weiter.

Man kann es natürlich für grobe Filterbubblebeschränktheit halten, dass mich die Vielfalt der im Netz vorhandenen Positionen nicht ernsthaft dazu bringt, darüber nachzudenken, ob das generische Maskulinum nicht vielleicht doch ne tolle Sache ist oder sexistische Werbung witzig. Nein, da reicht es mir völlig, mich mit meiner Filterbubble einig zu wissen. Auch dort gibt es zu allen diesen Themen gewisse Nuancen, und das ist mir dann auch schon genug an Diversität. Ich muss – egal in welchem Medium – nicht ernsthaft mit Nazis, Rassistinnen und Sexisten diskutieren, Filterbubble: I like you.

Aber, und das ist der Punkt, an dem es interessant wird: Auch in der Filterbubble kommen ja manchmal Themen auf, wo die Meinungen so richtig krass auseinander gehen. Wo die Homogenität der prinzipiellen Einigkeit plötzlich aufbricht. Das ist der Punkt, an dem es spannend wird.

Gestern abend war so eine Gelegenheit, als ich auf Twitter und Facebook zwei Fragen stellte zu einem Thema, über das ich gerade (für mein zuletzt etwas vernachlässigtes Projekt “Liebe und Freiheit”) nachdenke, nämlich den Zusammenhang zwischen Lieben und Brauchen. Ich schrieb also in die Runde:

Frage für alle, die sich in einer Liebesbeziehung befinden: Würdet Ihr sagen, dass Ihr die/den andere_n “braucht”?

und:

Zweite Frage: Würde es euch in einer Liebesbeziehung gefallen, vom anderen /von der anderen “gebraucht zu werden”?

Grob geschätzt würde ich sagen, dass etwa ein knappes Drittel mit “Klares Ja” antwortete, ein weiteres knappes Drittel mit “Klares Nein” und das letzte gute Drittel mit Differenzierungen unterschiedlichster Art im Sinne von “Kommt drauf an”.

Scheint also ein interessantes Thema mit einer wirklich offenen Fragestellung zu sein. Und der Beweis dafür ist, dass die Auffassungen eben nicht nur gesamtgesellschaftlich auseinander gehen – das tun sie ja zu jedem x-beliebigen Thema – sondern eben gerade innerhalb meiner Filterbubble. Die Bubble ist sozusagen der Seismograph für offene und lohnende Themenstellungen: Wenn sie sich nicht einig ist, heißt das, dass ein Thema noch Gehirnschmalz braucht. Dass ich darüber wirklich nachdenken muss, weil noch nicht klar ist, wie “wir” (TM) dazu stehen.

Inhaltlich werde ich das in nächster Zeit auf dem Liebesblog sicher nochmal diskutieren. Hier ging es mir jetzt darum, mal die These in den Raum zu stellen, dass Filterbubbles etwas Tolles sind, denn ohne sie ist jene Diskursverschiebung nicht möglich, über die Benni und ich in der ersten Folge unseres Podcasts gesprochen haben.

Die Filterbubble erlaubt es mir, meine Aufmerksamkeit nicht ständig von den medialen Säuen auffressen zu lassen, die dauernd irgendwo durchs Mainstreamdorf getrieben werden, sondern einen anderen Fokus zu setzen. Nur in der Filterbubble kann auch unter den Bedingungen des Internet, wo immer Hinz und Kunz gleich hinter dem nächsten Klick hocken, wirklich Neues entstehen, also Gedanken und Einsichten, die aus etwas anderem bestehen als nur aus Wiederholungen und Positionierungen des bereits Gedachten.

Besondere Umstände – Episode 5

Heute morgen haben Benni Bärmann und ich wieder gepodcastet.

Angefangen haben wir mit dem Cliffhanger vom letzten Mal – Facebook oder die Frage: Wie korrumpierbar sind Beziehungen?

Danach haben wir über das Buch von Diotima gesprochen, das ich zusammen mit Dorothee Markert übersetzt habe und das Benni inzwischen gelesen hat: Macht und Politik sind nicht dasselbe. Benni fragt vor allem an, ob in dem Ansatz nicht die Analyse von Strukturen zu kurz kommt? Dann ging es noch um so Sachen wie was “Ende des Patriarchats” heißt, was es mit der “symbolischen Ordnung” auf sich hat, und wie das Ganze in die gegenwärtigen Debatten der Linken oder der Frauenbewegung einzusortieren wäre.

Außerdem stellen wir die derzeit viel diskutierte (hier und hier und hier) Frage, ob 2012 für den Feminismus im Netz ein gutes oder schlechtes Jahr war? (Spoiler: Ich finde, ein gutes).

Und zum Schluss geht es um ein Wort, das Benni eigentlich schon in Episode 3 zur Sprache bringen wollte: Stigmergie. Ein interessantes Konzept zur Organisation von Zusammenarbeit.

Und: Kein Cliffhanger diesmal, eher sogar das Gegenteil!

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