Wie ich neulich mal ein Troll war

Nachdem ich diesen Tweet gestern abend in einem Anfall spontanen Ärgers rausgeschickt hatte, musste ich an den Shitstorm-Vortrag von Sascha Lobo bei der Republica denken. Darin stellt er am Ende die These auf, dass wir alle etwas von einem Troll in uns haben, und dass die Übergänge zwischen berechtigter Kritik und trolligem Diskussionsstil fließend sind.

Ich hatte dem spontan widersprochen und gesagt (ebenfalls in einem Tweet): „gerade @saschalobo gehört. Ich finde nicht, dass wir alle ein bisschen Troll sind. Die Unterscheidung ist schwierig, aber nicht fließend.“

Und dann schreibe ich kaum drei Tage später selbst einen Tweet, der ganz klar trollig ist. Denn man kann ja meinen Vorwurf an den Zeit-Kolumnisten Harald Martenstein, er habe „einen an der Raddel“, nicht wirklich als Diskussionsangebot verstehen. Es ist genau die Art von Ton, die mir in Kommentaren selber immer so aufstößt, weil hier inhaltliche Differenzen als persönliche Angriffe formuliert werden.

Also muss ich wohl zugeben: Auch ich habe etwas von einem Troll in mir. Beim Nachdenken über mich selber, die Trolle und die Diskussionskultur im Internet hat sich dann folgende These herauskristallisiert, die ich gerne zur Diskussion stellen möchte: Ja, es ist richtig – wir alle laufen Gefahr, in einer Diskussion trollig zu werden. Aber gleichwohl ist die Unterscheidung, die Grenze, die akzeptables und unakzeptables Diskussionsverhalten voneinander trennt, nicht fließend, sondern klar und scharf. Sie ist nur schwer zu ziehen.

Um es am Beispiel meines eigenen Troll-Tweets deutlich zu machen: Der Anlass für meinen Ärger war real, und auch die Schärfe der Reaktion war, das würde ich auch jetzt noch sagen, angemessen. Unter der Überschrift „Gender-Politik und Voodoo laufen auf das Gleiche hinaus“ wirft Martenstein feministischen Forscherinnen vor, sie wären unwissenschaftlich, weil sie biologisch bedingte Unterschiede zwischen Frauen und Männern leugneten, und er fordert, dass „Gender-Professorinnen“ daher nicht aus dem Wissenschaftsetat finanziert werden sollen.

Offensichtlich hat Martenstein selbst nichts gegen einen polemischen Diskussionsstil einzuwenden (weshalb ich den Tweet dann auch nicht gelöscht habe). Aber seine Aburteilung von Gender-Politik war es gar nicht, die mich so aufregte. Ich habe ja sogar selbst zwei, drei skeptische Einwände gegen das Konzept Gender Studies. Was mich aufbrachte, war vielmehr der überhebliche und besserwisserische Gestus, der sich durch seine Kolumne zieht, und der ein verbreitetes Phänomen vor allem bei männlichen Diskutanten ist, nicht nur, aber auch im Internet. (Das war in diesem Blog schonmal Thema)

Dieser Habitus wird meiner Ansicht nach in Martensteins Selbstseinschätzung, er sei „als ZEITmagazin- Kolumnist von Amts wegen zum Nonkonformismus verpflichtet“, sehr gut sichtbar: Es ist ja letztlich das Eingeständnis, dass es ihm nicht wirklich allein um das Thema geht, sondern eher darum, den Gestus der „Political Incorrectness“ hochzuhalten. Warum ich das für Unfug halte, für ein Relikt aus alten patriarchalen Weltbild-Zeiten, ist ein anderes Thema und würde an dieser Stelle zu weit führen. Es reicht zu wissen, dass hier bei mir ein wunder Punkt berührt ist, offensichtlich, denn schließlich ließ ich meine gute Erziehung fahren und pöbelte zurück.

Worum es in diesem Post gehen soll ist, dass diese Grenzüberschreitung meiner Ansicht nach nicht graduell ist. Hätte ich geschrieben, dass solche Leute „von gestern sind“, dass sie „der Welt schaden“, dass sie „selbstverliebt sind“ oder irgend etwas in der Art, dann wäre diese Grenze nicht überschritten worden. Die von mir Kritisierten hätten so nämlich nach wie vor die Möglichkeit gehabt, den Diskurs weiter zu führen – und etwa plausibel zu machen, warum sie nicht von gestern sind, warum ihr Beitrag doch wichtig für die Welt ist. Aber jemand, der „einen an der Raddel hat“, ist aus dem Diskurs qua Definition draußen.

Im Prinzip habe ich bei meinem Tweet das verwechselt, was ich in einem anderen Post mal als den Unterschied zwischen einem öffentlichen Diskurs und Stammtischgerede charakterisiert hatte. Zu sagen, jemand hätte „einen an der Raddel“, geht in Ordnung, solange das im privaten, nicht-öffentlichen Bereich geschieht. Ich hätte das sagen können, wenn ich einer Freundin abends beim Bier von dieser unsäglichen Kolumne erzählt hätte, und dann hätten wir noch ein bisschen über diese zurückgebliebenen alten Männer gelästert. Aber das wäre unter uns geblieben. Ich hätte es nicht öffentlich via Twitter sagen dürfen. Nicht so.

Ich denke, dass es der „Netzkultur“, wenn man so will, gut tun würde, wenn wir üben würden, diese Grenze zwischen dem, was geht, und dem, was nicht geht, zu ziehen. Nicht als moralische Keule nach dem Motto „das gehört sich nicht“, sondern ganz sachlich: Wenn wir das nicht tun, bringen wir keine guten inhaltlichen Debatten zustande.

Ich glaube nicht, dass dabei Definitionen weiter helfen. Dazu sind die Ähnlichkeiten zwischen angemessener, scharfer Auseinandersetzung und Herumtrollen zu groß. Jede Definition, die wir finden würden, wäre vermutlich schwammig, und jedes Mal würde es Ausnahmen geben. Wir können zum Beispiel nicht die alten, engen Regeln des traditionellen Journalismus übernehmen. Dessen Etikette wäre natürlich etwas, woran man sich festhalten kann, aber sie ist der Dynamik des Internetdiskurses nicht angemessen. Es geht hier persönlicher vor, privater, die strenge Separation zwischen Öffentlichkeit und Privatheit trägt ja gerade nicht mehr.

Der Prozess der Vermischung von Öffentlichem und Privatem, der im Feminismus ja schon lange diskutiert wird und der nicht nur im Internet stattfindet, erfordert neue Kompetenzen und Maßstäbe. Es ist sozusagen die Aufgabe, vor der wir nach dem Ende des Patriarchats stehen, nachdem also die alten, klaren Dualismen von früher brüchig und nutzlos geworden sind und meistens nicht mehr funktionieren. Wir sind momentan noch dabei, das auszuloten und mit dieser neuen Situation zu experimentieren. Wie gesagt, ich glaube nicht, dass wir dabei klare Regeln ausarbeiten sollten, die an die Stelle der alten treten (auch zu patriarchalen Zeiten wurden die Regeln ja immer mal wieder geändert, aber das Grundmuster ist trotzdem gleich geblieben).

Eher brauchen wir so etwas wie eine situative Kompetenz: Ich muss nicht definieren können, was ein Troll-Beitrag ist, sondern es reicht, einen zu erkennen, wenn er mir begegnet. Vor allem dann, wenn ich ihn selber in die Tasten gehauen habe.

28 Gedanken zu „Wie ich neulich mal ein Troll war

  1. Ich finde es gibt auch Fälle berechtigten Trollens. Manchmal ist ein beherztes „verpiss Dich“ einfach angebracht. Ob das jetzt in dem Fall angebracht war, kann ich nicht beurteilen. Dazu müsst ichs ja lesen, aber ich les ja nix von Leuten, die „einen an der Raddel haben“.

    Man sollte mal das Augenmerk auf die sozialen Funktionen richten, die die Trolle haben. Es gibt bestimmt jede Menge. Wenn sie weg wären, würden wir sie vermissen.

  2. Einerseits kann ich Dir gut zustimmen: Wenn anderen die intellektuelle Satisfaktionsfähigkeit abgesprochen wird, ist dem Diskurs der Boden entzogen. (Ich habe gerade Martha Nussbaums »From disgust to humanity« gelesen; dort wird das nochmal radikaler durchdiskutiert am Beispiel von »abweichendem« sexuellen Verhalten, das als »widerlich« konnotiert wird und so nicht nur Argumente, sondern auch die Leute, die sie vertreten, von vornherein delegitimiert werden.)

    Aber andererseits möchte ich doch Bennis Position des legitimen »verpiß Dich!« starkmachen: Emotionen im Diskurs sind immer gefährlich, weil sie die Vernunft auszuschalten drohen. Aber eine Reduzierung von Kommunikation auf eine rein messerscharf-logische Auseinandersetzung ist auch eine Illusion. Ich denke da an Hannah Arendt (bißchen viel Namedropping in einem kleinen Kommentar …), wie sie Ideologie beschreibt: Ein streng logisch aufgebautes Gedankengebäude, das keinen Platz für abweichendes Verhalten, für Neuanfänge läßt. Emotionen (und das Ernstnehmen von Emotionen) können das aufbrechen. Und solche Äußerungen generell als unzulässiges Getrolle abzutun halte ich auch für verkürzend: Diese kleinen Wutanfälle zeigen eben auch, wo wunde Punkte liegen. (Ums auf die Spitze zu treiben: Warum trollen Maskulisten aufs Unflätigste? Sind das einfach nur merkbefreite Idioten – oder verweist das vielleicht doch auf eine ernstzunehmende Verletzung, auf ein Begehren, auf eine Sprachunfähigkeit zu einem bestimmten Thema, über das man wieder ins Gespräch kommen könnte?)

    Eine kluge Frau (genug Namedropping) hat dazu mal das geschrieben:

    Wenn mir die Tränen kommen, dann ist das ein sicheres Zeichen dafür, daß ich gerade wieder einmal darauf gestoßen bin: Auf Ungerechtigkeit, auf die Ignoranz der Mächtigen. Seit ich mich meiner Tränen nicht mehr schäme, sondern sie als Ausdruck meiner Widerständigkeit interpretiere, kann ich sehr gut mit ihnen leben. Dankbar bin ich auch, daß mein Zorn sich nicht kontrollieren läßt: Ist er doch nur deshalb untrüglich. Er ist mir ein Wegweiser, ein Indikator für Situationen, in denen Argumente nichts mehr nutzen, in denen ich mich der Auseinandersetzung durch Verweigerung entziehen muß.

    Natürlich: Twitter ist eine Gratwanderung, weil es eine sehr öffentliche Privatheit (oder umgekehrt) ist. Aber wir sind immer noch Menschen mit Zärtlichkeit und Wut und keine rationalen Argumentationsmaschinen im sauber gebohnerten habermasschen Diskursraum.

  3. @Felix: Auch wenn Du mich verteidigst, kann ich Dir nicht recht geben. Trollerei ist ja nicht einfach nur Emotionalität. Es geht um persönliche Angriffe und vor allem um kontraproduktive Kommunikation (ein Aspekt, der hier bisher fehlte). Wenn ich weine oder meinen Zorn äußere ist das noch kein „verpiss Dich“.

  4. Die Frage, ob Trolle eine nützliche Funktion haben können, ist interessant, die war mir vorher gar nicht gekommen. Ich war selbstverständlich davon ausgegangen, dass nicht. Aber sind manchmal „trollige“ Äußerungen eventuell doch okay? Einige Mutmaßungen gab es ja schon: von @gondlir: Wenn sie die Ausnahme sind bei einer Person und nicht allzu häufig vorkommen. @Nele_Tabler schrieb bei Twitter „Manchmal tun solche tweets halt gut“. Da ist auch was dran: Ich kann meinem Ärger Luft machen, und ich habe meinen Ärger öffentlich dokumentiert, das ist unter Umständen nicht unwichtig. Auch den Hinweis von @Felix, dass sich darin ein Begehren äußern kann, für das (noch) keine andere Formulierung gefunden worden ist. Das mit dem „Verpiss dich“, @benni, überzeugt mich hingegen noch nicht so ganz, denn das bedeutet ja letztlich, dass man die Beziehung beenden will. Eine Beziehung bricht man aber am besten ab, indem man gar nicht reagiert. Mir ist nicht klar, welchen Mehrwert es haben könnte, das noch mit einem „Verpiss dich“ zu benennen (denn negatives Sich-in-Beziehung-setzen ist auch eines). Ich bin gespannt, ob du auf deine Frage nach dem Nutzen und dem Sinn von Trolls, Antworten bekommst….

  5. Ich glaube, daß man das Phänomen „Trolle“ hier tatsächlich nicht zu sehr mit anderen Kommunikations(störungs)strategien zusammenwerfen darf. Wie @Felix das so wunderbar argumentiert hat, ist die Kommunikation von Gefühlen – manchmal auch in absoluter, nicht unmittelbar diskursfördender Art – ein wichtiges Instrument nicht nur der persönlichen Reinigung, sondern sicher auch der Ermöglichung weiteren Gesprächs: Manchmal muß man, glaube ich, mal auf den Tisch kloppen und bestimmte Sachen auch lauthals klarstellen, bevor es weitergehen kann.

    Vor allem aber möchte ich doch maskulistische Blog-Kommentare von Trollereien etwas spezifischer geschieden wissen. In meiner Wahrnehmung geht es den maskulistischen Kommentator_innen in feministischen Blogs nicht ums Rumtrollen (das IMHO per se unpolitisch und nicht wirklich konkret zielgerichtet ist, außer auf die Störung von Kommunikation und das Verbrennen von Zeit hin), sondern darum, Störung, Unterbrechung, Zeitverbrennung als politische Strategie zu verwenden, um die eigene politische Position und all ihre Nebenschauplätze möglichst breit und ohne Rücksicht auf andere in die Welt zu pusten. Bisher habe ich noch keine echten Trolle erlebt, die sich zugleich der politischen Argumentationsstrukturen bedienen, die ich von Maskulist_innen kenne; die Störungen im Chat auf der re:publica waren ja eher billigste sexistische Standardware, also tatsächlich klassisches Trollmaterial.

    Ach, und @Felix:

    „wir sind immer noch Menschen mit Zärtlichkeit und Wut und keine rationalen Argumentationsmaschinen im sauber gebohnerten habermasschen Diskursraum.“

    Danke. Das tackere ich mir an die Wand neben meinen Schreibtisch.

  6. (Vergessen: Zu Martenstein wollte ich auch noch was sagen. Daß der für mich nämlich längst nicht mehr satisfaktionsfähig ist. Aber das führe ich jetzt nicht weiter aus, sonst rege ich mich auf.)

  7. Je länger ich drüber nachdenke, komme ich zu dem Schluß, dass Dein Tweet gar keine Trollerei war sondern ein Flame. Das sind zwei unterschiedliche Sachen. Trollerei kann in Flames münden, muss aber nicht. Trollerei ist, so wie Saschalobo das definiert hat und er ist da sehr nah am Sprachgebrauch, Wirkungskommunikation. Das ist Dein Tweet ja gar nicht. Da regt sich ja von Deinen Followern niemand wirklich auf. Trolls trollen je nach Publikum ja ganz unterschiedlich. Egal was, hauptsache es wirkt.

  8. Ähemmm…. Flames kannte ich bisher noch nicht. Hört sich aber gut an 🙂 – Ich finde aber dennoch, dass der Tweet nicht okay war und dass es sich lohnt, darüber nachzudenken, warum nicht. Ich hatte zwischendurch auch die Idee, dass es okay gewesen wäre, wenn ich Martensteins Namen nicht dazu geschrieben hätte. Also das nicht personenbezogen, sondern quasi verallgemeinernd gesagt hätte.

  9. Leuten die auf Schwache oder weniger Priviligierte herunterschauen und sich dann über ihre politische Unkorrektheit freuen kann ich nur sagen: das ist in etwa so rebellisch wie ein Wurstbrot zu essen. Radikaler Vorschlag: Mit statt über Menschen reden und sie dann auch noch wie Menschen behandeln. Auch wenn es deutlich schwieriger ist, als vom großen Schreibtisch auf die Welt herabzuschauen.

    Ansonsten: Klar haben wir alle was vom Troll in uns und manchmal kommt es auch rausgekrochen. Aber der Unterschied ist, ob wir uns das zum Hobby machen oder als Anlass nehmen, darüber nachzudenken.

  10. Für mich gehört zum Trollen der Aspekt der Wiederholung. Einmal etwas daneben kommentieren, weil jemand ausrastet, warum auch immer ist für mich kein Trollen. Der trollige Aspekt besteht in der dauerhaften Störung, Beleidigung, Ablenkung, Aufmerksamkeit auf sich ziehend usw.

  11. Ich glaube die subjektive Dimension des ganzen kommt hier zu kurz.
    Du hast sie zwar berührt, aber ich denke, das muß noch stärker betont werden.

    Ich bin übrigens ein ganz schlimmer Troll. Ich inseriere regelmäßig auf feministischen Blogs, obwohl ich außerordentlich kritisch eingestellt bin und den Feminismus für eine Ideologie wie jede andere halte.

    Das Problem ist, daß meine Beiträge häufig sehr entlarvend sind und auch gelöscht werden.

    Obwohl ich kein explizites Trollverhalten an den Tag lege, sondern sachlich und verbindlich argumentiere.
    Ich denke, das viele Geraune von „Trollerei“ in feministischen Blogs ist zum großen Teil eine Projektion des eigenen Trollseins, nämlich der ideologisch motivierten Zensur von kritischen Beiträgen.

    Dies geschieht leider sehr häufig. Ich denke Feministinnen haben ein Problem damit, daß man ihre Ideologeme sehr leicht widerlegen und infrage stellen kann.

    Meiner Meinung nach sollte dies auch einmal thematisiert werden. Warum so viel ideologische Zensur auf feministischen Blogs stattfindet.

    Noch etwas zu der subjektiven Dimension: Mich würde es zum Beispiel überhaupt nicht stören, wenn mir jemand sagt, ich hätte was an der Raddel. Ich finde das sogar lustig und konstruktiv. So macht das ganze doch viel mehr Spaß.

    Es geht also auch um persönliche Empfindlichkeiten.

    Jetzt muß ich leider noch was Kritisches sagen. Ich glaube, Feministinnen und Gender-Gläubige sind hier deshalb so empfindlich, weil es sich bei ihren Anschauungen meiner Meinung nach um Heilslehren handelt.

    Feministinnen und Gender-Theoretiker sind also geistig-emotional nicht in der Lage, diese Heilslehren konsequent zu falsifizieren oder möglicherweise sogar zu verwerfen. Es geht also um die grundsätzliche Fähigkeit, sich vollkommen von feministischen oder genderaffinen Anschauungen zu distanzieren, wenn es dafür tatsächlich gute Gründe geben sollte.

  12. Diesen Kommentar habe ich mal als Anschauungsmaterial stehen lassen … 🙂 – der Ideologievorwurf ist vielleicht auch ein Merkmal des Trolltums.

  13. Nach den letzten Kommentaren möchte ich noch zwei Dinge ergänzen:

    – Dein Tweet ist wohl wirklich eher ein „flame“ als „trollig“, also möglicherweise geeignet, einen „flame war“ zu entfachen. Oder – um ein neudeutsches Wort zu verwenden, welches ich vor kurzem entdeckt habe – es handelt sich um einen „rant“. (Daß ich das gegen den Trend kleinschreibe, hat vor allem den Grund, daß niemand danach wie ich in deutschen Wörterbüchern suchen sollte.) http://en.wikipedia.org/wiki/Rant

    – Da Du dankenswerterweise Kommentar No. 12 hast stehenlassen, ist mir noch ein wesentliches Merkmal eingefallen: Trolle sind immer davon überzeugt, Recht zu haben…

  14. Martenstein ist hier der Troll, nicht Sie. Sie haben sich über einen Troll geärgert. Sie haben Martenstein den Gefallen erwiesen, sich über ihn zu ärgern. „Das sind gesellschaftlich unerwünschte Wahrheiten“, heißt es jetzt. „q.e.d.“ meint Martenstein dazu. Das ist die moderne Art, Beweise für unausgesprochene krude Theorien zu führen. Ein ähnliches Verfahren wenden auch die Kopftuchhasser an.

    Der Gender-Begriff ist ein Problem, weil kein Mensch glaubt, daß ihre anatomischen Besonderheiten wie die Geschlechtsmerkmale und der Hormonhaushalt ihnen anerzogen wurden. Das ist ja auch einfach widersinnig. Unglücklicherweise wird diese ganze Gender-Theorie mit der Frauenbewegung assoziiert, so daß bestimmte Leute die Errungenschaften der Frauenbewegung in Gefahr sehen, und sich ärgern, wenn jemand gegen „Gender Studies“ stänkert.

    Sehe ich das richtig?

  15. Hallo Frau Schrupp,

    ich hätte es schön gefunden, wenn Sie auf meinen Beitrag eingegangen wären. Er war durchaus ernst gemeint.

    Ein Ideologievorwurf kann doch auch gerechtfertigt sein. Es lassen sich zahlreiche Ideologeme im Feminismus nachweisen. Der Witz ist, daß Sie mit dem, was Sie sagen, Ideologievorwürfe prinzipiell delegitimieren. Sich also selbst tatsächlich auf ideologischem Terrain bewegen.

    Zum Thema Zensur kann ich nur sagen, daß dies wirklich geschieht. Daß sachliche Kommentare gelöscht werden. Ich könnte hier viele Beispiele nennen und auch dokumentieren.

    Ich habe mal die Verlogenheit bezüglich der 23%-Lohndifferenz-Propaganda auf der Mädchenmannschaft entlarvt. Das hat denen nicht gefallen. Der Beitrag wurde gelöscht und ich wurde gesperrt. Ich könnte den Beitrag hier noch mal veröffentlichen, wenn Sie Interesse haben.

  16. @James – diese Diskussion führt jetzt von dem Thema weg. Aber da ich den Eindruck habe, es interessiert dich möglicherwiese tatsächlich, hier einige Henweise: Es sind vor allem die Wörter die du benutzt. Zu sagen, es sei „Zensur“, wenn in privaten Blogs Kommentare gelöscht werden, ist falsch, weil ich in meinem eigenen Blog nicht verpflichtet bin, mit allen Leuten eine Beziehung einzugehen. Zensur wäre, wenn ich dafür sorgen würde, dass du deine Meinung auch nicht in DEINEN Blog reinschreiben darfst. Ähnlich bei Equal Pay: Man kann da unterschiedlicher Meinung sein, aber wenn du der Gegenseite „Verlogenheit“ und „Propaganda“ vorwirfst, musst du dich nicht wundern, wenn sie keine Lust auf eine Auseinandersetzung mit dir hat. Etc. Nur, damit du eine Spur findest. Bitte dies jetzt hier in diesem Thread nicht weiter diskutieren, weil es da um ein anderes Thema geht (das ist evtl. auch ein Merkmal von Trolls: vom Thema ablenken?). Wenn du an einer weiteren Auseinandersetzung dazu interessiert bist, poste das Thema doch in deinem Blog und ich werde dann dort kommentieren und mitdiskutieren.

  17. Antje,

    „Der Anlass für meinen Ärger war real, und auch die Schärfe der Reaktion war, das würde ich auch jetzt noch sagen, angemessen.“

    „Ideologievorwurf“

    Erinnerst Du Dich an unsere Diskussion zum Thema „besserwisserische Männer“ und meine Thesen zum Thema Erwartung von axiomatischer Zustimmung *VOR* einer Diskussion? Das ist genau der Punkt, um den es hier geht, und um den es offenbar auch Martenstein geht. Daher: Religion… und ja, da wo Genderforschung auf Basis einer problematischen axiomatischen Grundlage und auf Basis von problematischen Annahmen über die Natur des Menschen ausgeht, *kann* diese sehr wohl unwissenschaftlich sein. Das *war* in weiten Teilen der Disziplin bis vor gar nicht langer Zeit sicher so, und das ist immer da der Fall wo irgendeine soziologische Genderforscherin „Biologismus“ schreit, so als ob man die Bedeutung des Konzeptes Gender in Frage stellen würde, weil Männer im Durchschnitt mehr Testostoeron haben *und* das auf die eine oder andere Weise sozial mediiert *verhaltenswirksam* ist. Da hat der Harald nicht unrecht.

    Und ich glaube, das ist auch, was Trollen bei Leuten ausmacht, die sonst nicht zum bloßen Rumkrakelen neigen: Bloßes Anrennen gegen Argumente, im Wissen um ihre zumindest partielle Berechtigung – es geht eher darum, eine wahrgenommene Diskurstruktur durch „Lärm“ zu verteidigen oder zu stürzen, als durch Argumente von ihrer potentiell problematischen Konstruktion zu überzeugen. Der Punkt ist halt die Frage nach dem Sinn des Trollens: Es *kann* Sinn machen, laut zu werden, plakativ und unsachlich, um eine Sache voranzubringen. Feministinnen sollten das durchaus noch wissen. Laut werden ist vor allem dann eine Option, wenn angemessenere Diskussionsmethoden aufgrund der wahrgenommenen Struktur einer Diskussion keinen Erfolg versprechen. In gewisser Weise ist GreenPeace ist eine Organisation von Trollen.

  18. Was war denn an meinem letzten Kommentar nicht in Ordnung?
    Könntest Du mir das mitteilen?

  19. Wie ich in meinem letzten Kommentar schon schrieb: Diese Auseinandersetzung betrifft nicht das Thema meines Blogposts. Ich diskutiere sie gerne an anderer Stelle mit dir (etwa in deinem eigenen Blog), aber nicht hier, weil – wie gesagt: Es geht hier um ein anderes Thema.

  20. Dann äußere Dich doch zu den Äußerungen, die sich auf das Thema beziehen. Ich empfinde das als Vorwand. Ich habe mich lediglich am Rande zum Thema der 23%-Lohnlüge geäußert und dies auch eingeräumt. Warum gehst Du denn nicht auf das ein, was sich auf’s Thema bezieht?

    Es ist für mich etwas befremdlich, wie Du meinen Beitrag einzig auf die Lohndifferenzpropaganda reduzieren kannst.

    Ich habe geschrieben, warum ich den Begriff Zensur für angebracht halte.
    Und warum man Begriffe wie Propaganda und Verlogenheit durchaus für gewisse Sachverhalte verwenden kann.

    Dir reichen offensichtlich zwei Sätze, in denen ich mich kurz und nur nebenbei zum Thema Lohndifferenz äußere, um meinen gesamten Beitrag zu löschen.
    Ich habe mich auch nur deshalb zur Lohndifferenz geäußert, weil mir dies nötig erschien als Antwort auf Deine Kritik. Es gibt also durchaus einen Anlaß.

    Auch meine Nachfrage scheint Dich nicht zum Nachdenken angeregt zu haben.

    Um noch mal auf’s Thema zurückzukommen: Du hast ja das Trollsein angesprochen. Ich empfinde tatsächlich das Verhalten auf feministischen Blogs als „projizierte Trollerei“. Wobei ich diesen Begriff „Troll“ nicht mag. Es ist doch peinlich, wenn man Kritiker so diffamieren muß.

    Es wird immer wieder deutlich, daß bestimmte Meinungen und Äußerungen nicht erwünscht sind. Dann wird man als „Troll“ diffamiert. Verhält sich aber selbst gewalttätig, indem man Beiträge löscht. Deshalb spreche ich von „projizierter Trollerei“.

  21. Mein lieber James Tiberius, vielleicht gibt es ja auch für Dich noch Hoffnung, und Du wirst eines Tages – wie Andere vor Dir – lernen, das Wort „Kritik“ angemessen zu verwenden. Inhaltlich handelt es sich bei dem, was Du meinst, sicherlich um eine Infragestellung, also Kritik im weiteren Sinne. Nur die Form läßt darauf schließen, daß es einem solchen Troll weniger darum geht, eine abweichende Meinung zu äußern, um zum Nachdenken anzuregen.
    Vielmehr liegt ihm daran, zu „beweisen“, daß er Recht hat, und somit die Anderen falsch liegen müssen. Die Penetranz, mit der Trolle dieses Ziel verfolgen, macht jedoch eine echte Diskussion leider unmöglich. Denn das geht nicht mit Leuten, die davon überzeugt sind, die „Wahrheit“ auf ihrer Seite zu haben. Denk mal darüber nach…

  22. Pingback: Es reicht | _n1Ls_

  23. Pingback: Warum es hier keine Netiquette gibt « Aus Liebe zur Freiheit

  24. Ach, dieser Beitrag ist 4 Jahre alt, aber ich möchte trotzdem noch kurz etwas anmerken.

    Ich bin wie Sascha Lobo der Meinung das es keine klare Trennlinie zwischen Kritik und Getrolle gibt. Um tatsächlich herauszufinden wie was gemeint ist bzw. was die Absicht war, müsste man die Gesinnung des jeweiligen Beitragsschreibers kontrollieren und das ist wohl kaum möglich noch wünschenswert.

  25. @BasementBoi: Leute, die trollen, mögen ihre eigenen Kommentare (sehr). Je länger und je öfter, desto besser. Es ist möglich, die Gedanken zu analysieren. Kostet jedoch viel Zeit. Ich persönlich finde es wünschenswert und deshalb mache ich das manchmal. „Gesinnung kontrollieren“ – wer sollte denn so was wollen – außer einem Geheimdienst vielleicht…

  26. @BasementBoi: Sascha Lobo sagt, Trollerei sei Wirkkommunikation, schreibt Benni Bärmann. Aha. Gleich mal nachgeschaut…Auf eine Seite eines Kommunikationsinstitutes gekommen. Hier 5 Regeln für Wirkkommunikation gefunden. U.a.:
    „In einer Kommunikationssituation gibt es praktisch keine rein informative Aussage. Jede Äußerung enthält immer auch eine Beziehungsaussage, die den Aspekt bestimmt, wie der Empfänger den Sachinhalt interpretieren könnte. Die Konsequenz daraus ist: Der Beziehungsaspekt bestimmt den Inhaltsaspekt, weil die Art der Beziehung zwischen zwei Kommunikationspartnern das gegenseitige Verständnis wesentlich beeinflusst und damit von grundlegender Bedeutung ist.“ Wenn man das zuallererst bei sich selbst und der eigenen Kommunikation ansetzt, könnte Kommunikation konstruktiver sein, wenn man wollte. Und wenn man meint, der/die andere hätte einen falsch verstanden, dann erst mal bei sich selbst gucken, ob man (wirklich) verstanden hat, z.B. sich selbst.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s