Hallo, Karriereforscher_innen: Wir müssen reden!

© Kurhan – Fotolia.com

Über den Blog der Mädchenmannschaft bin ich auf eine Studie aufmerksam geworden, die – zum gefühlt achthundertsten Mal – untersucht, warum Frauen nicht in gleichem Maße wie Männer in „Führungspositionen“ vertreten sind. Darüber berichtet hat das Hamburger Abendblatt – und über den Bericht beziehungsweise über die Art und Weise, wie darüber berichtet wird, muss ich jetzt mal meckern. (Über solche und ähnliche Sachen rege ich mich öfter auf, das Hamburger Abendblatt ist kein Einzelfall, aber es kriegt’s jetzt nun mal ab).

Los geht es mit der Information, dass „immer mehr Studentinnen“ aus den Hochschulen auf den Arbeitsmarkt „strömen“ – oh jemine, das klingt schon mal bedrohlich. Und:

Man kann Frauen noch nicht einmal vorwerfen, dass sie sich in den Geistes- und Kulturwissenschaften verschanzen.

Schade eigentlich, das wäre doch eine so praktische Erklärung gewesen, die verschanzten Frauen, die man da einfach nicht rauskriegt aus ihren Frauenenklaven. Nein, aber jetzt studieren die auch Wirtschaft und Jura und all die wirklich wichtigen Fächer – Technik allerdings immer noch nicht, weil da drin haben sich ja die Männer verschanzt, haha.

Immerhin, sie sind also nicht selbst an ihrer Benachteiligung schuld, die Frauen (man soll wohl dankbar sein für diesen Freispruch), allerdings lässt uns die ungeklärte Schuldfrage auch ein wenig ratlos zurück, denn schließlich geht es darum, zu erfahren:

Wo bleiben Frauen, wenn es um die echten Jobs in Führungsetagen geht?

– Ups, offensichtlich treiben sie sich in den unechten herum! Aber die zählen nicht, es sind die echten Jobs, um die es geht, also her mit den Gründen:

Befragt, was sie als Managerinnen am Aufstieg hindert, nennen immer noch 24 Prozent Vorurteile gegenüber Frauen. Das lässt alle anderen Hindernisse weit hinter sich: 16 Prozent der Frauen nannten an zweiter Stelle Probleme mit Vorgesetzten und erst auf Platz drei Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Karriere.

Ach, echt? Wer hätte das gedacht: Das Vereinbarkeitsproblem, von dem doch immer so ein Tamtam gemacht wird, ist offenbar gar nicht der Hauptgrund, weshalb Frauen nicht dieselben Karrieren machen wie Männer (wie viele es genau sind, die darüber klagen, erfahren wir leider nicht, denn die Studie selbst ist hinter einem bezahlpflichtigen Link versteckt).

Aber das andere ist ja auch interessant: Nur ein knappes Viertel klagt über Vorurteile beim Karriereaufstieg. Klar, das ist nicht wenig und erklärt manches. Aber es ist eben auch nicht gar so viel, und daher erklärt es das meiste nicht: Schlappe 50 Prozent der Gründe für die weibliche Führungspositionenabstinenz bleiben im Dunkeln. Die Frau, ein Mysterium. Oder doch nicht?

Nicht immer sind es äußere Faktoren, die Frauen vom Aufstieg abhalten. Bei vielen funkt auch das Selbstbild oder das Lebensmodell dazwischen: Hatten zu Beginn ihres Berufslebens immerhin 42 Prozent der Männer ganz selbstverständlich daran gedacht, auch mal eine Führungsposition zu übernehmen, waren es bei den Frauen nur 24 Prozent.

Aha, da kehrt die Schuldfrage also doch durch die Hintertür zurück. Das Selbstbild und das Lebensmodell der Frauen „funkt dazwischen“, das böse. Wie kommen diese Frauen auch dazu, sich einfach Lebensmodelle auszusuchen, bei denen nicht die Führungsposition ein selbstverständlicher Bestandteil ist? Will nicht jeder normale Mensch schon im Kindergarten Vorgesetzter werden? Und es kommt noch schlimmer:

Rückblickend auf fünf Studien resümiert Professorin Sonja Bischoff: Das von Frauen am häufigsten genannte Karrierehindernis sind seit 1986 die Vorurteile gegenüber Frauen als Führungskräfte. Gleichzeitig wollen kaum mehr Frauen als in der Vergangenheit weiter aufsteigen.

Also wirklich. Da richtet man ihnen Gleichstellungsstellen ein, macht Mentoringprogramme ohne Ende, erfindet Girls Days und was nicht noch alles und dann: wollen diese Frauen heutzutage partout nicht weiter und häufiger aufsteigen als vor 25 Jahren. Aber halt. Das kann’s nicht sein. Denn Frauen wollen ja nicht. Das können die gar nicht, wollen. Was immer Frauen zu wollen meinen hat in Wirklichkeit äußere Ursachen.

Vielleicht liegt es daran, dass es zu wenig Vorbilder gibt…

Ja, das wird’s sein. An Frau Merkel gucken wir nämlich absichtlich seit fünf Jahren stur vorbei. Auch sonst sieht man ja praktisch nirgendwo erfolgreiche Frauen. Da hat sich ü-b-e-r-h-a-u-p-t nichts geändert seit 1986. Naja, das ist vielleicht nicht sehr plausibel, aber halt immer noch besser, als der bitteren Wahrheit ins Auge zu blicken, die am Ende des Artikels beiläufig erwähnt wird:

… und wenn es sie gibt, sind sie noch nicht einmal rundum glücklich: 49 Prozent der Führungsfrauen sagen, dass sie mit ihrer Arbeitssituation nur teilweise oder gar nicht zufrieden sind.

Autsch. Das könnte natürlich eine klitzekleine Erklärung sein. Sollte das Problem am Ende daran liegen, dass Frauen inzwischen nicht zu wenige, sondern zu viele Beispiele für Frauen in Führungspositionen kennen? Nur halt: abschreckende?

Aber nein. Da wollen wir mal lieber gar nicht weiter drüber nachdenken. Am Ende müssten wir noch überlegen, wie man diese Führungs-Arbeitsplätze so ummodeln könnte, dass frau sie einnehmen und zufrieden sein kann.

Und das würde nun wirklich zu weit führen. Die Zufriedenheit von Frauen ist ja wohl kein Argument. Frauen sollen sich nützlich machen, das war schon immer so. Die Wirtschaft braucht sie eben. Und diese teure Uniausbildung, die können sie doch nicht einfach so im Mittelfeld verplempern. Also: Ab in die Führungsetagen. Ob es ihnen da gefällt oder nicht. Und bloß nicht rummeckern.

Denn, nicht vergessen: Sie strömen nur so auf den Arbeitsmarkt, die Frauen. Sie sind also potenziell gefährlich. Da wollen wir sie gar nicht erst auf dumme Gedanken kommen lassen. Nicht, dass sich das ausbreitet. Am Ende fällt den Männern auch noch auf, dass sie in ihren Führungsjobs eigentlich gar nicht so zufrieden sind, wie sie immer dachten. Dass ihnen der ganze Drang zum Führertum bloß ansozialisiert worden ist.

Und dann könnten sie sich verbünden, die unzufriedenen Frauen und die unzufriedenen Männer. Und wo kämen wir da hin?


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30 Gedanken zu „Hallo, Karriereforscher_innen: Wir müssen reden!

  1. Zu dem Hamburger Abendblatt Senf fällt mir nur ein:
    Die Rache des Kleinen Mannes sitzt tief tief in dem rudimentären Rest a.k.a. Gehirn.

    Stellt sich mir doch die Frage:
    Wie viele Männer mag es geben, die keine Angst vor uns Frauen haben?

    Lg,
    Lucia

  2. „Am Ende müssten wir noch überlegen, wie man diese Führungs-Arbeitsplätze so ummodeln könnte, dass frau sie einnehmen und zufrieden sein kann.“

    Das klassische Argument des Differenzfeminismus: Frauen sind anders, also muss man dafür sorgen, dass ihr anders sein berücksichtigt wird. Richtig oder?

    Was aber wenn das bei Führungskräften nicht möglich ist ohne es genau so effektiv zu halten? Es ist ja nicht gesagt, dass es immer einen „weiblichen Weg“ geben muss, der die gleichen Ergebnisse bringen muss.

    Um so höher man kommt, um so höher sind in der Regel auch die Wochenarbeitszeiten und der Stress. Dafür eben auch das Gehalt. Es gibt wenige, die bei 200.000 € Gehalt nicht auch zumindest eine 60+ Stunden Woche haben. Und in den High-Perfomance-Bereichen sind mehr Stunden auch nicht ungewöhnlich. Wenn das Projekt in der passenden Phase ist, dann werden eben Überstunden gemacht und irgend ein Projekt ist immer in einer entscheidenden Phase.

    „Gleichzeitig wollen kaum mehr Frauen als in der Vergangenheit weiter aufsteigen.“

    Vielleicht wollen sie genau deswegen nicht. Statuszuwächse sind für Frauen im Schnitt uninteressanter als für Männer, weil sie sie nicht attraktiver machen.

  3. Mich würde auch mal interessieren, wie man die Führungspositionen allgemein (für Frauen und Männer) attraktiver machen kann. Denn auf das was ich davon bisher zu spüren bekommen habe, habe ich wirklich keine Lust.
    In Führungspositionen verbringt man viel Zeit mit Politik und oftmals werden hier ziemlich miese Spielchen getrieben. Gibt es vielleicht einfach noch mehr Frauen, die keine Lust auf diese Politik-Spielchen haben? Sehr sympatisch!

  4. @christian: Das es „richtig oben“ in Unternehmen immer um eine 60 Stunden Woche geht, das ist ein Märchen, das diese Personen vermutlich selber erfunden haben, damit die „unter“ ihnen arbeitenden (Klein-)Führungskräfte dies tatsächlich auch machen. In Wirklichkeit ist so mancher Vorstandsposten eher ein Halbtagsjob.
    Aber es ist doch sehr erfreulich, dass die meisten Frauen noch immer Probleme mit dem kulturellen „Klima“ auf diesen Ebenen haben…

  5. @Marsu

    Das mag bei Aufsichtsratsposten und im öffentlichen Dienst durchaus der Fall sein, aber in anderen Bereichen ist es denke ich nicht so.
    Welche Jobs mit einem Gehalt über 200.000 € haben den keine 60+ Stunden Woche?

  6. @Antje Schrupp:

    „Autsch. Das könnte natürlich eine klitzekleine Erklärung sein. Sollte das Problem am Ende daran liegen, dass Frauen inzwischen nicht zu wenige, sondern zu viele Beispiele für Frauen in Führungspositionen kennen? Nur halt: abschreckende?“

    Volle Zustimmung – warum sind Frauen in Führungsjobs immer nur soviel abschreckender als Männer in Führungsjobs?

    Als Mann findet man wirklich viel mehr positive Vorbilder gleichen Geschlechtes – andererseits frage ich mich gerade, wieso eigentlich Frauen sich nicht einfach Männer oder Männer umgekehrt Frauen zum Vorbild nehmen können sollten. Da gibt es doch keine sinnige Grenze …

  7. Für mich heißt das Problem schlicht: Ja, ich will diese Karriere, wie sie als vorbildlich angepriesen wird, nicht. Mich interessieren Geld und Macht nur sehr begrenzt. Klar, ich möchte gut leben, aber gut leben heißt für mich auch: es muß noch Zeit und Hirnschmalz für das bleiben, was ich gerne tue. Und wo ich nicht meine Berufung zum Beruf machen kann, ist mir ein „Brotjob“, von dem ich anständig leben kann, gut genug. (Überhaupt, ist das Konzept „Brotberuf“ irgendwie aus der Mode gekommen? Das nur nebenbei.)
    Das schließt natürlich „Karriere machen“, vielleicht sogar in einer führenden Position, nicht notwendigerweise aus (obwohl ich den Eindruck habe, daß in Deutschland noch immer, zumindest für höhere Karriereleiterstufen, eine sehr starke Identifikation mit dem Job gefordert wird).
    Solange jedoch der monetäre Aspekt mir ein halbwegs gutes Auskommen ermöglicht, würde ich tausendmal lieber einen Beruf wählen, der meiner Berufung nahekommt oder wo ich den Eindruck habe, daß er Sinn hat, als einen, wo ich zwar Geld scheffele und Einfluß habe, aber am Ende des Tages bedaure, daß ich keine Zeit habe, meine Berufung zu leben.

    Anderes Beispiel: Als ich nach meinem Studium auf Jobsuche war, las ich auch Bewerberbroschüren von einigen großen Konzernen. Was für ein gequirltes Marketingsprech! Ich fragte mich: Was stellen die eigentlich her? In welchen Laden muß ich gehen, um ein Produkt von denen anfassen zu können, und welches Problem löst dieses Produkt? Das konnte ich mir anhand dieser Worthülsen nicht vorstellen und der Aspekt „Sinn“ kam mir daher sehr unerfüllt vor.

    Die Arbeitswelt, wie ich sie jetzt erlebe, ist für mich nicht sonderlich anziehend. Eher ein notwendiges Übel. Wo Überstunden als Zeichen hohen Engagements gelten und der gefeiert wird, der sich aufreibt, ist Karriere nicht sonderlich anziehend für mich. Ich würde mir eine Arbeitswelt wünschen, wo mehr auf das „Was“ als auf das „Wann“ und das „Wie lange“ geachtet wird.

    Diese ganze Fixierung auf Leistung und Arbeit überhaupt kommt mir ziemlich krank vor. Ich kann den Finger noch nicht auf den Systemfehler legen, aber er hat was mit dem ewigen Wachstum als Voraussetzung unseres Wirtschaftssystems zu tun.

    Ist meine Unlust auf Karriere nun irgendwie geschlechtsspezifisch? Ich vermute, daß es nur fester zu gängigen Vorstellungen von Männlichkeit gehört, auf Karriere aus zu sein, während Frauen (noch) freier sind, sich davon zu distanzieren. Ein zweischneidiges Schwert, aber mal wieder eine der Angelegenheiten, wo ich mich frage, ob das, was die hegemoniale Männlichkeit vorsieht und was zum Defaultzustand erklärt wird, immer richtig sein muß.

  8. Ein großartiger Artikel, der mir aus der Seele spricht!

    „Nur“ 24 Prozent Frauen streben also eine Führungsposition an – und das weitgehend unverändert seit anno dunnemal. Wogegen bei den Männern 42 Prozent vom Start weg „führungswillig“ sind – also bereit, sich auf dem Weg nach oben in Konkurrenzkämpfen um die wenigen Prozent (oder sind es nicht eher Promille?) Top-Positionen zu verschleißen.

    Wieviel „Führungspositionen“ braucht es denn eigentlich? Haben wir nicht seit den 90gern stark abgeflachte Hierarchien? Wäre es nicht eher angesagt, dass die Männer zunehmend „andere Lebensmodelle“ entwickeln, anstatt in viel zu großer Zahl „nach oben“ zu streben?

    „Oben“ als Ziel ist komplett inhaltsleer, ebenso wie ein 200.000 Euro+ Gehalt. Einfach nur nach Geld, Macht und Status zu streben, konnte ich (etwa „als Frau“??) noch nie nachvollziehen. Macht ist mir nur dann ein Wert, wenn es um etwas Sinnvolles geht, das einen konkreten Nutzen für die Welt hat. Den Marktanteil des einen Nahrungsmittel-Konzerns gegen den anderen auszuweiten, würde mich z.B. nicht die Bohne reizen – nicht für alles Geld der Welt. Denn meine Lebenszeit kann gar nicht BEZAHLT werden, die schwindet einfach weg von Tag zu Tag!

    Ginge es in diesem Beispiel aber darum, möglichst gesunde und umweltfreundliche Lebensmittel herzustellen, fände ich das durchaus nützlich und wäre dann auch bereit, „nach oben“ zu kommen, wo es mehr Macht gibt, das auch umzusetzen.

    SO sind die Dinge aber nun mal nicht: nach oben kommt nicht, wer etwas GUTES oder RICHTIGES will, sondern wer mit jedem möglichen Mittel in voller Identifikation mit dem Konzern dessen Wachstumsziele unterstützt.

    ALSO müssen da diejenigen „führen“, denen weitgehend egal ist, WAS sie da machen. Und das sind in unserer Gesellschaft mehrheitlich Männer.

    Und es stimmt halt auch immer noch, was Christian (und an anderer Stelle auch Antje) sagt: Frauen werden im Blick der Allgemeinheit durch Status nicht attraktiver – eher im Gegenteil. Wenn sie in Machtpositionen und im dafür erforderlichen Konkurrenzkampf „wie Männer“ agieren, kommen sie als „abschreckende Beispiele“ rüber, bei Männern wie bei Frauen. Wären sie aber nicht so, kämen sie kaum in diese Positionen – bzw. nur in „halb geschützte“ Führungspositionen wie etwa an einer Uni bzw. im öffentlichen Dienst.

    Soll man das bedauern? Man stelle sich eine Gesellschaft vor, in der ab Kindergarten alle um Führungspositionen kämpfen… !

  9. 2 Dinge an diesem ganzen Führungsdiskurs, die mich verwirren:

    – Eine Gesellschaft, in der ab dem Kindergarten alle um Führungspositionen kämpfen ist eine faschistische Gesellschaft. Dennoch gilt es im öffentlichen Diskurs als liberal, die Wirtschaft allein aufgrund des Führerprinzips zu organisieren.

    – Wie schafft es eine reale Gesellschaft, Menschen zu 60-Stunden-Wochen zu motivieren? Wohlgemerkt: Menschen, die finanziell eigentlich schon ausgesorgt haben… Ich denke da schon seit Ewigkeiten drüber nach, aber mir fehlt einfach jegliche Empathie für ein solches Verhalten.

  10. Letztens hat im irgendeiner im TV behauptet, er wünsche sich gerne mehr Frauen in Führungspositionen. Wenn man sie dann heranführe, ticke die biologische Uhr und sie sind schwanger.

    Sei es mal so dahingestellt. Aber: Die Geburtenraten gingen doch in den letzten Jahren zurück. Wo sind denn die Frauen in den Führungspositionen???

  11. Ekelbaron: Volle Zustimmung.

    Ich verstehe meine Aufgabe auch nicht darin, mich ebefalls in dieser Tretmühle auszuquetschen, während ich dabei noch meine Untergebenen quäle und Märkte mit irgendwelchem Schrott überflute. Für mich habe ich eigentlich einen ganz guten Weg gefunden.
    Wenn, dann versuch ich eher, das Ungleichgewicht zu korrigieren, indem ich die mich umgebenden Männer ebenfalls auf die Absurdität ihrer 60h-Wochen hinweise und zumindest _meinem_ klarmache, daß kein Geld und keine Führungsposition ihn so attraktiv machen wie seine entspannte Anwesenheit… Aber die Dressur sitzt tief.

  12. @Antje:

    „Aber Führungspositionen und Kinderkriegen dürfen sich auch nicht gegenseitig ausschließen.“

    Schließen sich auch nicht aus. Rachida Dati zeigt wie es geht.
    Meiner Meinung nach sollte strikt unterschieden werden, ob sich das Kinderkriegen oder das Kinder selbst erziehen und Zeit mit ihnen verbringen wollen, die Karriere behindert.
    Das ist nämlich einer der wesentlichen Unterschiede, wenn es heißt, dass Männer Karriere und „Kinderkriegen“ vereinbaren können.

  13. @Christian: Gutverdienende beschäftigen Kindermädchen und Hauspersonal.

    Die Fakten aus dem Hamburger Abendblatt erlauben wohl kein umfassendes Bild. Ich weiß nicht, ob Frau Bischoff vergessen hat, daß Frauen nach dem Studium sehr häufig heiraten, und fortan als Hausfrau ihr Dasein fristen, d.h. überhaupt nicht auf den Arbeitsmarkt „strömen“, oder ob das Hamburger Abendblatt vergessen hat, uns darüber etwas zu berichten. Dieses Alleinernährermodell, dieses „meine Frau hat es nicht nötig, arbeiten zu gehen“, spielt sicher die bestimmende Rolle. Personaler unterstellen diese Sicht unausgesprochen, und gehen davon aus, daß Frauen keine ernsthafte Karriere anstreben, und übergehen daher Frauen bei Beförderungen.

    Nehmen wir der Einfachheit einmal an, daß in der freien Wirtschaft nur BWL, Jura und Technikwissenschaften für Führungspositionen qualifizieren, also nehmen wir mal an, daß die o.g. 52% der in Frage kommenden Absolventen weiblich sind. Nehmen wir desweiteren an, daß aus den Absolventinnen dieser Fachrichtungen optimistischerweise 30% irgendwann zu Hausfrauen werden, dann sind 43% Frauenquote „gerechtfertigt“. Berücksichtigt man die oben genannten Faktoren, daß Frauen wegen Schwangerschaft ausfallen können, sich aus dem Berufsleben zurückziehen können etc., dann verringert sich diese „gerechtfertigte“ Quote mit Sicherheit noch ziemlich deutlich. Von bewußter Benachteiligung von Frauen in Führungsetagen würde ich daher erst bei Frauenanteilen unter 35% ausgehen.

    Und es gibt noch ein Problem: Den o.g. Zahlen, die von den Managerinnen erfragt wurden, werden nicht mit entsprechenden Zahlen verglichen, die von männlichen Managern erfragt wurden. Denn auch nicht alle Männer steigen auf. Ihnen wird wegen ihres männlichen Geschlechts Vorurteile entgegengebracht, und Männer haben auch Probleme mit Vorgesetzten. Das Aufstiegsproblem Nr. 3 betrifft hingegen praktisch ausschließlich Frauen. So kann es durchaus doch sein, daß Unvereinbarkeit von Familie und Beruf das entscheidende Karrierehindernis darstellt.

  14. Ich weiß nicht, ob Frau Bischoff vergessen hat, daß Frauen nach dem Studium sehr häufig heiraten, und fortan als Hausfrau ihr Dasein fristen, d.h. überhaupt nicht auf den Arbeitsmarkt „strömen“

    Das wurde von Jutta Allmendinger untersucht (nicht allein für Akademikerinnen):
    http://www.vorwaerts.de/artikel/das-dilemma-bleibt
    Studie ggf. selber googeln, ich geh jetzt schlafen 🙂

  15. @Ekelbaron:

    „Wie schafft es eine reale Gesellschaft, Menschen zu 60-Stunden-Wochen zu motivieren? Wohlgemerkt: Menschen, die finanziell eigentlich schon ausgesorgt haben… “

    Wer sich in der Arbeit selbst verwirklicht, also Sinn und Freude in der Arbeit findet, für den ist eine 60-Stunden-Woche kein Problem, sondern normales Leben.

    „Freizeit“ und „Urlaub“ sind Phänomene, die bereits davon ausgehen, dass Arbeit entfremdete Fron ist.

    Ich hab das nie akzeptiert. Und es also auch niemals so erlebt.

  16. Schöner Text. Allerdings bin ich mir bei allen Themen, die sich in Populärmedien (zu denen ich das Abendblatt durchaus zählen würde, zumindest im Ressort „Aus aller Welt“, in dem besagte Studie, glaube ich, besprochen wurde) mit Karriere beschäftigen, nicht ganz sicher, ob hier nicht ein Karrierebegriff verhandelt wird, der dem entspricht, wie sich Klein-Fietje das Berufsleben vorstellt, der allerdings mit der Realität wenig zu tun hat. Themen wie „Führung“ et al. haben doch in der heutigen Wirtschaftswelt immer weniger Gewicht, es geht viel mehr um Abbau von Hierarchien, oder sehe ich das falsch? Ist aber nicht das Problem Ihres Artikels, sondern das Problem der Studie.

    (Und, nebenbei gesagt: dass Ihr Meckeranfall audgerechnet das Hamburger Abendblatt trifft, das geht schon in Ordnung. Die Herren vom Springerverlag müssen das abkönnen, die teilen nämlich selbst auch ganz gerne aus. Und verdient haben sie’s allemal.)

  17. Super Text! Spricht mir echt aus der Seele!

    Auch ich habe mich immer gewundert, wenn (häufig sogar von feministischer Seite) gefordert wurde, es sollten mehr Frauen in Führungspositionenen.
    Ich selbst studiere etwas, mit dem ich später durchaus eine Führungsposition bekommen könnte, möchte allerdings, soltle ich mal Kinder bekommen, die ersten Jahre Zuhause bleiben und meine Kinder aufwachsen sehen.

    Ich möchte mein Leben so verbringen, dass ich glücklich und zufrieden bin und dafür brauche ich kein 200 000 Euro Gehalt! Schade, dass man das häufig nicht wahrnimmt oder wieder die „Sozialisation“ dafür verantwortlich macht…

  18. Hallo Antje,

    ich habe vor zwei Tagen den sehr kritischen Kommentar von Franjo gelesen, warum hast Du ihn rausgelöscht?
    Man muß doch als Frau auch kritische Stimmen aushalten können, oder besser gesagt, man muß doch wissen, wie die Mäner ticken.

    Claudia

  19. M.S.:

    „Ich selbst studiere etwas, mit dem ich später durchaus eine Führungsposition bekommen könnte, möchte allerdings, soltle ich mal Kinder bekommen, die ersten Jahre Zuhause bleiben und meine Kinder aufwachsen sehen.

    Ich möchte mein Leben so verbringen, dass ich glücklich und zufrieden bin und dafür brauche ich kein 200 000 Euro Gehalt! Schade, dass man das häufig nicht wahrnimmt oder wieder die „Sozialisation“ dafür verantwortlich macht…“

    Natürlich brauchst Du so ein Gehalt, wenn Du ein paar Jahre zu Hause bleiben willst, eventuell noch bei mehr als einem Kind und dabei nicht jeden Groschen umdrehen willst – und wenn nicht Du, dann Dein Gatte.

    Es sei denn, Du hast im Lotto gewonnen oder bist Erbin …

  20. @Claudia – Ich habe Moderationsregeln, die sich aber natürlich nicht gegen Kritik als solche richten, sondern gegen unhöflichen Tonfall. Polemik halte ich sehr gut aus, aber die Erfahrung zeigt, dass sie sich negativ auf das allgemeine Diskussionsniveau auswirkt. In den Papierkorb kommen auch Kommentare, in denen Meinungen als Tatsachen ausgeben werden, was eine Unsitte ist, wie ich finde.

    Dies nur hier zu Erklärung, weiter will ich meine Moderation hier nicht zur Diskussion stellen.

  21. Stell dir vor, es ist Patriarchat / Selbstausbeutung für Führungspositionen / Kapitalismus / wasauchimmer – und keine geht hin 🙂

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