Intimrasuren und Schönheits-OPs an der Vulva

Gerade las ich von einem WDR-Bericht über einen (angeblichen?) Trend unter jungen Frauen zu Schönheits-Operationen an der Vulva. Ein Hauptproblem für sie scheint es zu sein, dass die inneren Schamlippen bei erwachsenen Frauen häufig länger sind als die äußeren. Während Vulva-OPs wohl noch eher selten sind, entnehme ich dem Beitrag (und das trifft sich mit meiner eigenen Anschauung aus den Umkleidekabinen des Fitness-Studios), dass Intimrasuren unter jüngeren Frauen heute bereits völlig normal sind, und Behaarung im Genitalbereich als eklig und unhygienisch gilt.

Das Thema Schönheit interessiert mich schon länger (siehe z.B. hier), und zwar weil Schönheit die Wechselwirkung zwischen Selbst- und Fremdbild betrifft, mit dem Sich-selbst-einordnen in gesellschaftliche Strukturen und insofern etwas mit Beziehungen zu tun hat.

Man könnte ja nun kulturpessimistisch daherkommen und Schönheits-OPs an der Vulva einfach als (evtl. etwas übersteigerten) Ausdruck zunehmender gesellschaftlicher Normierung von Frauenkörpern begreifen. Gewissermaßen als auf die Spitze getriebene Fortentwicklung von Dünnseins-Normen und Bein- und Achsel-Rasuren.

Mir persönlich gehen Schönheits-Normen für Frauenkörper (oder besser: Akzeptabilitätsdefinitionen, die man erfüllen muss, um sich in der Öffentlichkeit zeigen zu können) schon immer auf die Nerven, vor allem, weil sie so viel Arbeit machen. Ich halte mich aber so weit wie nötig daran, weil ich ja auch irgendwie einsehe, dass man sich kämmen und ordentlich anziehen sollte, bevor man auf die Straße geht. Und weil das, was als „normal“ gilt, sich immer verändert und Ausdruck allgemeiner Trends ist, habe ich es seit längerem aufgegeben, mich darüber allzu sehr aufzuregen und halte mich der Einfachheit halber an die Norm. Soweit es eben sein muss.

Allerdings finde ich, dass es zwischen Beinhaar-Rasuren und Intimrasuren (oder gar Vulva-OPs) einen gewichtigen Unterschied gibt: Meine nackten Beine sehen im Sommer alle Menschen, denen ich in der Öffentlichkeit begegne. Ich kann es also in gewisser Weise akzeptieren, dass ich mich hier anpasse und ein bisschen Aufwand für mein äußeres Erscheinungsbild betreibe. Meine Vulva sehen im Allgemeinen aber nur sehr wenige Leute. Und für die wenigen erscheint mir der Aufwand doch unverhältnismäßig hoch. Versteht ihr, was ich meine?

Das, wovon ich vorhin schrieb – die Wechselwirkung zwischen Selbstbild und äußerem Bild, die Beziehung der Einzelnen zur Gesellschaft – ist nicht das, worum es bei Intimrasuren und Vulva-OPs geht. Hier geht es um die Beziehungen zwischen einer Frau und ihren (potenziellen) Sexpartnern und -partnerinnen. Also um den privaten, intimen Bereich. Eine Frau, die sich nicht die Vulva rasiert, geht nicht die Gefahr einer öffentlichen Stigmatisierung ein, weil ungefähr 99.9 Prozent aller Menschen, die sie trifft, ja gar nicht wissen, ob sie rasiert ist oder nicht.

Nicht mit gesellschaftlicher Akzeptanz haben wir es hier also zu tun, sondern mit intimbeziehungsmäßiger Akzeptanz. Ich finde das einen sehr wichtigen Unterschied.

Charlotte Roche hat in ihrem neuen Buch Schoßgebete ja sehr anschaulich beschrieben, welchen Aufwand es bedeutet, Intimrasur  zu betreiben. Aber auch für sie gehört das inzwischen zum guten Ton (und, der Gleichberechtigung sei es geschuldet, betreibt der emanzipierte Mann von heute das offenbar auch – Frage in die Runde: Ist das so?). Im Prinzip sagt sie, dass Frauen, die nicht bereit sind, sich hier was von Pornos abzuschauen, sowieso selbst schuld sind, wenn sie keinen guten Sex haben und von ihren Männern verlassen werden.

In der Tat ist die Hauptmotivation ihrer Hauptfigur Elizabeth die Angst, von ihrem Mann (der fast schon, neben der Therapeutin, als ihr Erlöser geschildert wird), verlassen zu werden. Ich weiß nicht, aber ich stehe auf dem Standpunkt: Ein Mann, der mich verlassen will, ist eh nicht der Richtige für mich. Soll er dann doch.

Es ist ja wohl nicht so, dass Männer, die mit mir zusammen sind, mir damit einen Gefallen tun. Mindestens genauso sehr tue ich ihnen einen Gefallen. Ich halte nichts von dem Konzept, dass man sich über Gebühr anstrengen muss, um für den Beziehungspartner (die Beziehungspartnerin) attraktiv zu sein. Ich halte eher was von dem Konzept, dass sich diejenigen Leute beziehungsmäßig zusammentun sollten, die sich ohnehin gegenseitig gefallen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich verstehe nicht so ganz, was hier vor sich geht, in Frauen-, Männer-, Sex- und Beziehungsfragen.

Früher, vor der Frauenbewegung und der Emanzipation, hatten Frauen immerhin einen handfesten Grund, Angst davor zu haben, von ihren Männern verlassen zu werden. Das bedeutete für sie nämlich, dass sie kein Geld mehr hatten, gesellschaftlich geächtet wurden, dass sie ihre Kinder verloren, sofern welche da waren. Heute ist das alles nicht mehr so. Woher also die verzweifelte Angst, verlassen zu werden?

Gleiches gilt für den Druck der anderen Frauen. Schon immer war es der Vergleich mit den anderen Frauen, der eine Frau dem Druck aussetzte, sich innerhalb gesellschaftlicher Frauennormen zu bewegen. Die anderen Hausfrauen kontrollierten die Sauberkeit der Fenster, die Konkurrentinnen auf dem Ehemarkt die äußerliche Attraktivität, und heute kontollieren die anderen Frauen in der  Umkleidekabine (oder Autorinnen wie Roche) den Enthaarungsgrad der Vulva. Das ist nichts Neues.

Aber auch dieser Druck müsste doch eigentlich abgenommen haben, da es doch die „eine“ normale Frauenrolle längst nicht mehr gibt und ich heute unter einer Vielfalt aus Frauenszenen auswählen kann. Warum also funktionieren diese Normierungen nach wie vor?

I simply don’t get it.

Auch zum Thema: Postfeministische Maskerade

 

 

 

 

Und hier noch ein aktueller Artikel aus der SZ

 


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60 Gedanken zu „Intimrasuren und Schönheits-OPs an der Vulva

  1. Das ist eine sehr gute Frage! Und ich möchte auch nicht behaupten, dass ich darauf wirklich eine Antwort habe… aber ich fürchte, die Wechselwirkung zwischen sozial verordneten Normierungen und sozialer Ächtung bei Nichterfüllung ebendieser Normen ist insofern ein sehr mächtiger Selbstläufer, als die rein soziale Ächtung auch ohne materielle Konsequenzen schlimm genug ist. Soll heißen: Auch wenn ich mir prinzipiell, sowohl rein rechtlich als auch praktisch, mein Geld selbst verdienen kann, meine Kinder alleine großziehen kann und mich auch ohne Partner gut unterhalten und ‚zufriedenstellen‘ kann – solange die Leute um mich herum Partnerlosigkeit mit sozialem Misserfolg gleichsetzen und mich entsprechend beurteilen, bemitleiden oder gar insgeheim verachten (und man überdies im größtenteils verpaarten Freundeskreis der bunte Hund ist, der nicht so recht reinpasst – und womöglich als ‚boyfriend/girlfriend stealer‘ gefürchtet und gemieden wird?), ist das allein schmerzhaft genug, um den Druck aufrechtzuerhalten. Und weil man nicht als die einzige Dumme dastehen will – oder sich die entsprechenden Mechanismen gar nicht bewusst macht – trägt man selbst eifrig dazu bei, dass diese Normen aufrecht erhalten werden.

  2. @poetin – Ja, das könnte sein, aber meiner Erfahrung nach funktioniert es so gerade überhaupt nicht. Meiner Erfahrung nach bekommen nicht diejenigen am leichtesten Partner und führen die glücklichsten und stabilsten Beziehungen, die diese Normerfüllungskonkurrenz mitmachen, sondern die, die da drüber stehen und machen, was sie wollen. Die souverän genug sind, denn die sind ja auch interessanter und vielleicht auch klüger in der Auswahl.

  3. zu deiner frage bzgl männern und körperhaar äh pflege:
    in meinem tendentiell akademischen 40+ umfeld beschränkt sich die aufmerksamkeit, die dem körperhaar dargebracht wird, größtenteils auf kopf- und gesichtsbehaarung, vereinzelt kürzen oder rasieren sich leute die achselbehaarung.
    mein job im krankenhaus läßt mich aber ausgesprochen viele menschen unterschiedlichsten alters sehen. bei den unter 25jährigen gibts nur wenige männer, die sich *nicht* brust- und rückenhaar meist vollständig entfernen und die schambehaarung stutzen oder rasieren die meisten soweit, daß die stattgehabte pubertät gerade noch zweifelsfrei belegt ist.

    daß ein haariger rücken für mich irgendwas mit entzücken zu tun hat, kann ich nicht behaupten, aber was das alles zu bedeuten hat, weiß ich auch nicht.

  4. Ich weiß noch, dass ich mir als junges Mädchen auch unnötig Gedanken über mein Aussehen gemacht habe. Ich wünschte, damals hätte mir jemand gesagt: Schönheit liegt in den Augen, wenn du glücklich bist und jemanden magst, dann strahlen deine Augen, und das sehen die Menschen, und dann bist du schön. Das ist auch, ehrlich gesagt, meine Erfahrung mit Männern. Manchmal denke ich, was ihre Liebespartnerinnen betrifft, sind Männer viel weniger kritisch, als wenn sie, etwa, eine Mitarbeiterin mit Kundenkontakt suchen.

    Mit Aussehen und dem Erfüllen bestimmter Normen wurde auch immer soziale Abgrenzung vorgenommen. Nicht einfach: die ist draußen, die ist drinnen, sondern: die gehört zu unserer Schicht – jene nicht. Die Anforderungen an ein Dienstmädchen waren geringer als die an ihre Dienstherrin, und so unterschied sich die Herrin eben von der Magd. (Schließlich hatte die Magd ja auch weniger Zeit und Geld, um sich zu kümmern.) Heute sind die Grenzen weniger scharf, aber ich glaube, dass es diese Abgrenzungseffekte immer noch gibt, genauso wie das Bemühen, in eine Schicht zu gehören, in die man nicht wirklich gehört.

    Aber das hat natürlich alles nichts mit enthaarten Vulvas zu tun. Vielleicht hat sich hier der Kontrollzwang verselbständigt, und die Mädchen kontrollieren sich gegenseitig, ob sie sich ihm unterwerfen, und merken nicht, dass sie sich ihm gemeinsam entziehen könnten.

    Ach ja, mein Haarstatus: Ich habe so viele Haare, dass sie unter einem Bikini hervorgucken würden. Meine Konsequenz als junge Frau: FKK-Strand. Da sah ich deutlich anständiger aus, fand ich. (Zur Zeit gehe ich nicht schwimmen; ich habe entschieden dass radfahren mir mehr Spaß macht.)

  5. Hallo Antje!
    hier meine Gedanken zum Thema:
    ich glaube jeder Mensch lernt schon als kleines Kind sich entweder zu unterwerfen und zu lernen was von ihm erwartet wird oder es wird sich auflehnen. Die Unterwerfung speist sich aus Angst und Selbstverachtung und erzeugt Wut und Rage. Die Auflehnung wird von Anmaßung, Lust und Stolz angetrieben und erzeugt Furcht und Angst. Das Ganze ist genetisch bestimmt und ist Geschlechts unabhängig (über die Verteilung mache ich mir gerade Gedanken bzw. sammele ich Fakten). Meiner Beobachtung nach gibt es häufig Pärchen wo der eine sich unterwirft und regelmässig von innernen uns äusseren Wutatacken geplagt wird und der andere zwar bestimmt aber doch alle Möglichen Strategien entwickelt hat um mit seiner latenten Furch fertig zu werden.
    Frauen und Männer die sich unterwerfen fühlen sich den jeweiligen Trend noch mehr verpflichtet.
    Hatte mal die Idee eine Gruppe “ Rettet die Schamhaare“ bei facebook zu gründen, aber wie du ja selber schon geschrieben hast, ist sovieles ja überflüssig. Das rasier und epiliergedöns nervt mich auch.
    Als das Thema Intimoperation jetzt sogar in meinem Freundeskreis Einzug gehalten hat, blieb mir einfach die Spucke weg.
    lg Grüße Annekatrin

  6. Oh, Antje, das ist so ein Thema!! Nichts gegen das Rasieren insgesamt. Gepflegtes Stutzen, ja. Aber die Radikalität, die Körperbewußte heute an den Tag legen und die mehr und mehr als Norm definiert wird, ist mir persönlich auch too much. Für mich ist das inzwischen tatsächlich ein Grund, den FKK-Stand zu meiden. Obwohl ich dort früher gerne hinging. Aber mir ist das alles jetzt zu viel, bzw. zu wenig. Warum erwachsene Frauen im Genitalbereich Mädchen sein wollen und Männer aalglatt, das ist mir ein Rätsel. Ich finde es insgesamt fragwürdig und darüber hinaus alles andere als ästhetisch. Am Badesee möchte ich unter diesen Vorgaben weder sehen, noch gesehen werden.

  7. P.S.: Nachdem ich nun gerade noch den Frau-TV-Artikel gelesen habe, fällt mir ein, wie empört ich vor ein paar Wochen war, als ich in der Aufklärungsrubrik der Zeitschrift „Bravo“ vollends enthaarte Teenager auf ganzseitigem Format sah.

  8. Hallo Antje,

    These: mediale Schönheitsideale hinsichtlich des Intimbereichs wirken stärker als Ideale bezüglich Gewicht/Gesicht/Kleidung, weil es weniger Vergleichsmöglichkeiten im wirklichen Leben gibt und weniger offen darüber gesprochen wird.

    Sehe ich als junger Mensch, dass nicht alle um mich herum schlank und schön sind, muss ich mich selbst nicht hässlich fühlen, selbst wenn ich nicht Idealmaße und Gesichtszüge habe. Wenn ich aber meine Genitalien nur mit einer idealisierten medialen Auswahl vergleichen kann und weichen meine von denen des Ideals ab, könnte mich das verunsichern und dazu führen, dass ich mich verändern möchte.

    Diese Verunsicherung könnte auch dazu führen, dass die, die dem Ideal nicht entsprechen, intime Vergleichssituationen (FKK, Sauna, Umkleide) zunehmend vermeiden und so den Eindruck, dass das Ideal vorherrscht, noch verstärken.

  9. Das früher, vor der Emanzipation, wo Frauen Angst haben mussten, betrifft ja wohl nur eine sehr schmale Zeit und eine sehr schmale Klasse – in der überwiegenden Zeit und der überwiegenden Klasse waren Frauen schon immer wirtschaftlich weitestgehend autonom, geschweige denn dass irgendeiner ihrer Gatten auf den Gedanken gekommen wäre, ihr die Kinder streitig zu machen.

    Was junge Männer angeht, glaube ich, dass die wenig Wahl haben, da es für ihre vollrasierten Bettgenossen eher unangenehm sein dürfte, die etwas drahtige Wolle zwischen den Beinen zu spüren – mal abgesehen davon, dass viele Frauen ja auch mittlerweile „Oh Gott oh Gott“ rufen, wenn ein Mann sich nicht rasiert. Bei den Ü40 ist das glücklicherweise noch nicht so.

    Ich denke auch, gerade bei jüngeren Menschen muss man nicht unbedingt nach äusserem Druck als Veranlassung für ein Verhalten suchen – erstens sind die eh noch viel variabler. Und zweitens besitzen gerade junge Menschen einen ziemlichen Drang, so sein zu wollen, wie andere – wobei es völlig indeterministisch ist, wer gerade der andere ist, Hauptsache, es ist nicht so wie die Alten.

    Jedenfalls wette ich, dass wir irgendwann eine Wiedergeburt der Schambehaarung erleben werden.

  10. „Jedenfalls wette ich, dass wir irgendwann eine Wiedergeburt der Schambehaarung erleben werden.“

    PS. Sicher begleitet mit den passenden soziologischen Analysen a la „welche widrigen Umstände nur zwingen die Leute, ihre Schamhaare wachsen zu lassen“ …

  11. Liebe Antje,
    ich glaube, da müssen wir doch kurz trennen zwischen einem Modetrend, und Charlotte Roches Protagonistin. Elisabeth ist eine Frau, die seit allerfrühester Kindheit immer wieder erleben musste, dass ihr Umfeld sich durch Trennungen veränderte. 5 mal, genaugenommen, wenn ich es richtig mitgezählt habe. 5 zerbrochene Familien, 5 Neuanfänge. (Das Trauma mit den verunglückten Brüdern lassen wir mal beiseite). Das reicht mehr als genug um massive Identitätsprobleme zu entwickeln und vor allem schwieriges Bindungsverhalten, zumal sowohl Charlotte als ihr Alter Ego über einigermaßen Intelligenz verfügen, was nur auf den ersten Blick widersprüchlich ist. Intelligenz geht oft einher mit Phantasie, und die setzt Elisabeth reichlich ein um allerhand worst case Szenarien zu entwerfen, von denen „Mann verlässt mich“ nur eines ist.
    Dass sie bereit ist alles zu tun, um diese Bindung nicht zu verlieren, liegt doch auf der Hand. Kinder geschiedener Eltern denken häufig, die Trennung hätte nicht stattgefunden, wenn sie sich mehr angestrengt hätten, das lässt sich leider auch im Erwachsenenleben nur schlecht rational wegmachen aus dem Kopf.
    Charlotte Roche weiß das. Sie überzeichnet die Protagonistin gnadenlos, um die Mechanik zu zeigen. Denken wir uns die Brüdersache weg, drehen wir die Puffsache eine Stufe zurück, dann landen wir in einer völlig normalen Beziehung, die jeden Tag justiert werden muss unter der Maßgabe, wieviel bin ich bereit zu geben, auf ihn/sie zuzugehen, wieviel mag ich diskutieren, wie frei bin ich denn innerhalb meines Gebundenseins?
    Sex als Währung? Undenkbar?

    Vulva OPs sind in meinen Augen ähnlich deppert wie Brust OPs, Lippenaufspritzen oder sonst grauslichen Eingriffe. Aber Rasur? Hat doch auch deutliche Vorteile.

  12. @Andreas – Wie kommst du darauf, dass Frauen überall weitgehend wirtschaftlich autonom waren? Und Anspruch auf ihre Kinder hatten? DIe Gesetzeslage in allen Patriarchaten sieht und sah jedenfalls anders aus.

  13. @Andreas – Wie kommst du darauf, dass Frauen überall weitgehend wirtschaftlich autonom waren? Und Anspruch auf ihre Kinder hatten? DIe Gesetzeslage in allen Patriarchaten sieht und sah jedenfalls anders aus.

  14. Ich sehe einen grossen Unterschied zwischen Intimrasur und Operationen. Das erstere hat unter anderem praktische Gründe. Nach meinem Eindruck ist Oralsex heute beliebter als früher, und die meisten Menschen empfinden Haare im Mund nun mal als unangenehm. Ich rasiere mich obwohl mein Partner lieber „mit“ hätte, da ich so sensibler bin. Habe es noch nie als einen grossen Aufwand empfunden, dauert doch höchstens ein paar Minuten alle paar Tage..?

    Ich sehe es auch so, wenn jemand wegen einer solchen Kleinigkeit verlassen wird war’s sowieso nichts. Ich könnte es allerdings absolut nachvollziehen wenn der Partner dann Cunnillingus verweigert.

    „Ich halte eher was von dem Konzept, dass sich diejenigen Leute beziehungsmäßig zusammentun sollten, die sich ohnehin gegenseitig gefallen“.

    Wie du selbst gesagt hast, sieht man den Intimbereich nicht öffentlich. Für diejenigen welche Haare als „Dealbreaker“ sehen kommt die Überraschung vielleicht erst, wenn sich die Beziehung schon gefestigt hat.

    Zur Frage: Viele jüngere Männer rasieren sich.

  15. vor einiger zeit habe ich eine ähnlich frage aufgeworfen verbunden mit der fragestellung, warum reife frauen es sich auferlegen, mit der scham eines vorpubertären mädchens rumzulaufen.
    http://tagwerk.wordpress.com/2011/06/15/intimfrisuren/

    es scheint eine modeerscheinung zu sein (und da schließe ich mich deiner frage an: wer sieht diese „schönheit“?). andere argumentieren mit besserem oralsex.

    mir wäre es ebenfalls zu „mühsam“. gleichfalls wird man nicht jede mode verstehen.

  16. Interessanter Text, der Fragen stellt, die ich mir auch seit längerem stelle. Antworten habe ich (noch) nicht, nur zwei (einhalb) Thesen:

    1. Es gibt eine Pornographisierung der Intimsphäre, was heißt, die Partner:Innen betrachten sich wechselseitig als Waren, deren „Preis und Ausstattung“ stimmen soll. Das v e r s t i m m t mich.
    2. Im Zusammenhang mit dieser Pornographisierung steht das Verlangen nach „reinen“ Körpern,die klinisch und hygienisch einwandfrei sein sollen. Auch hier geht es wenn nicht faktisch, so doch symbolisch um die allfällige Verfügbarkeit und Austauschbarkeit.

    – die halbe These, die folgt:

    Alle Erotisierung braucht Aufladung durch Tabus, die zu brechen sind. Die behaarte Scham stellt nun (wo viele Tabus nicht mehr aufrecht zu erhalten sind), ein solches neues Tabu dar. Es zu brechen – vielleicht nur ein wenig – verspricht Lust. Man erinnere sich daran, welche ungeheure Anziehung die Achselhaare der Französinnnen auf die amerikanischen Hippies hatten.

  17. Hallo Antje,

    meiner Meinung nach gibt es hier im wesentlichen eine Ursache und einen unterstützenden Wertewandel:

    Die Ursache für die genannten Erscheinungen (Rasuren, OPs, etc.) ist der (weltweite) Trend zu einem jugendlichen Erscheinungsbild. Wahrgenommen wird dies meist an den extremen und neuen Effekten: hier also Vulva-OPs. Aber im Grunde durchzieht es unsere Gesellschaft schon seit Jahrzehnten. Betrachte Selbstverständlichkeiten wie den Kajalstrich, der die Augen größer und daher das Gesicht kindlicher erscheinen lässt oder den verweifelten Kampf gegen die Falten im Gesicht. Auch Männer sind da einbezogen: die Gesichtsrasur, für die überwiegende Mehrheit eine tägliche Selbstverständlichkeit, ist faktisch die Entfernung des öffentlich sichtbaren sekundären Geschlechtsmerkmals beim postpubertären Mann.

    Der Wertewandel, nämlich die Anerkennung des Individuums, ist Basis unseres demokratischen Gesellschaftssystems. Der mündige Bürger kann auch über seinen Körper frei bestimmen. Von der Frisur, über das Arschgeweih zur Schönheits-OP. Dass dieses Selbstbestimmungsrecht zunehmend auch Minderjährigen zusteht ist unabwendbar. Es gibt nämlich keine objektive Grenze, sondern nur eine juristische (bei uns die Vollendung von 18 Lebensjahren). Sobald das Kind also erkannt hat (im Sinne von Erkenntis/Selbsterkenntnis) dass ihm diese Möglichkeiten offenstehen hat es das Paradies(?) der Unmündigkeit verlassen und wird zum Jugendlichen.

    Nun stellt sich die Frage, was die Ursache der Ursache ist und ich tippe hier ganz primitiv auf biologische Faktoren: Also unsere arterhaltende Neigung zum gesunden und unverbrauchten Umfeld (Ich möchte das hier gar nicht rein auf die Partnerwahl engziehen, denn so oft wechseln wir alle unsere Partner ja gar nicht).

    Beschleunigt wird die Auswirkung durch den technologischen Fortschritt.
    Erstens in der Machbarkeit: Schöhnheits-OPs sind kein großes Risiko mehr, viele Eingriffe (Fett-Plastik, dauerhafte Enthaarung) können ambulant durchgeführt werden, etc.
    Und zweites in der Erfahrbarkeit:
    Letztendlich haben bzw. hätten wir nur ein Korrektiv: Die Kommunikation. Diese wird aber dominiert von Massenmedien. Ein regelmäßiger, individueller, kritischer Diskurs über dieses Thema findet nicht statt.
    Stattdessen bedienen einerseits die Massenmedien unser Bedürfnis nach Jugendlichkeit. Und sie gehen sogar einen Schritt weiter: Sie befördern mit Schminke und Retusche den Trend. Selbst der/die kritischste ModeratorIn würde niemals ungeschminkt erscheinen. Kein Foto wird unmanipuliert veröffentlicht.
    Andererseits geht der Fortschritt ja auch weiter: auch dem Individuum außerhalb der Massenmedien sind die Mittel zur Manipulation zugänglich. Drastischer als die wenigen Vulva-OPs wirken die tausendfachen, automatischen Retuschen in Digitalkameras und Fotoautomaten. Kinderleicht im wahrsten Sinne des Wortes.
    Jeder kann heute sein (Selbst-)bild schönen oder die künftige Selbstgestaltung virtuell planen.

    Falls das jetzt noch jemand liest: Ich finde das übrigens gar nicht so schlecht, wie es vielleicht den Anschein haben mag. Die Frage wo das hinführen wird, lässt meiner Meinung nach nur einen einzigen Schluss zu: zum Cyborg, dem technologisch optimierten Menschen. Ich hoffe, mit diesem Schlusssatz habe ich jetzt meine Ausführung nicht diskreditiert. Vielen Dank jedenfalls für die Gelegenheit meine Gedanken zu dem Thema mal zu sortieren.

  18. Nach den ganzen Kommentaren fällt es mir schwer, eine verhältnismäßig gemäßigte Äußerung zu hinterlassen, aber ich will es versuchen. Für mich sind Schamhaarrasuren ein Mix aus evolutionären, emanzipatorischen und auch aktuell-trendbestimmten Gründen.

    1. Zum evolutionären: Der Mensch hat die Besonderheit, dass ihm bewusst ist, dass er „ist“. Er ist sich also über sich im Klaren, über seine Vergangenheit und seine Zukunft, sowie auch seine Gegenwart und alles in allem versteht er sich somit als etwas Eigenständiges im Ganzen. Um aber nicht in sich gefangen zu bleiben, sucht er den Anschluss an andere Menschen. Das macht uns also zum Gruppen- oder Herdentier oder zu dem, was wir entfernt unter „sozial“ verstehen. Wo sich Gruppen bilden, halten bald auch Regeln Einzug. In diesem Fall können wir wohl von gesellschaftlichen Konventionen sprechen. Über viele Jahre bedeckten wir „unsere Scham“, sie interessierte lediglich für die Fortpflanzung. Ein paar verirrter KünstlerInnen bildeten sie ab und in Einzelfällen war sie auch Gegenstand diverser Riten oder leidenschaftlicher Prozesse. Irgendwann hielt in die (gesellschaftlich/kirchlich vorgegebene) Ehe die Leidenschaft Einzug. Wo vorher vorwiegend aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen geheiratet wurde (was in Einzelfällen die Leidenschaft und eine sich entwickelnde Liebe nicht ausschloss), zog nun die Intimität ins eheliche Schlafzimmer ein. Der Körper wurde also Bestandteil eines Trends, der die Gesellschaft dazu brachte, Leidenschaft und Sexualität auch in der Ehe zu erlauben und zu vollziehen. Mittlerweile ist das Gang und Gäbe. Irgendwann kam dann die sexuelle Revolution (die aufgrund ihres jungen Alters eigentlich mehr unter „Trend“ als unter „evolutionär“ fallen dürfte). Plötzlich gibt es Genitalien an jeder Ecke… Eine Entwicklung die womöglich nicht ganz unbeteiligt am Thema ist.

    2. Emanzipatorisches: Der eigene Körper als Sexualobjekt ist mittlerweile kein Gespenst mehr. Er wird gereinigt, mit Zöpfen, Schmuck, Make-Up, Metall und Plastik oder Tattoowierungen verziert und somit für den Markt aufgehübscht. Früher noch Aufgabe der Frau, wie es einige Handbücher z.B. aus den 50ern noch vorschrieben, heute schon geschlechterunabhängig. Das Problem: Fremdbestätigung hat meiner Meinung nach noch enorm Vorrang vor wirklich selbstbestimmter Modifikation. Die Emanzipation scheint hier also noch nicht ganz ausgeprägt und die Veränderungen und Zurschaustellungen des eigenen Körpers dienen der Akzeptanz und Bewunderung und eher weniger der ganz eigenen und selbst empfundenen und nicht von positiven Rückkopplungen anderer abhängigen Freude.

    3. Der Trend: Heute wird sich eben rasiert. Früher trug man Röcke und Hosen und Hüte und Mäntel. Noch weiter zurück im Zeitstrahl waren horizontal präsentere Körper Mode, die mit „Rubens“ nur einen der vielen, vielen VerehrerInnen fanden. Morgen können Intimrasuren, gar -frisuren, schon wieder der Vergangenheit angehören und unsere Kinder oder deren Kinder freuen sich an Dingen, die wir wohl sowieso nicht verstehen werden. Aber: Wenn ich hier in den Kommentaren lese, dass man sich empört, weil plötzlich ganzkörperenthaarte Jugendliche in Magazinen auftauchen, dann möchte ich nur mit dem Kopf schütteln. Was haben denn die Generationen unserer Eltern für Kleider und Frisuren getragen? Wie hab ich noch gelacht, als die Großeltern die Schlagerplatte auflegten und zu Schnittchen und Sekt feierten? Es ist eben Mode, Trend, Style, … was auch immer. Was definitiv verurteilenswert ist – was allerdings zu einer Art Kapitalismuskritik führt – ist die Rolle der Medien, Modegurus, Konzerne, etc.pp., die ein Idealbild formen, sei es Frau oder Mann, das makellos, haarlos von mir aus, schlank und rank daher kommt und auf den verschiedenen Kanälen, von jungen Menschen konsumiert werden und sich in ihnen als eine Zielmarke festsetzen. Ergo:

    Die Frage, die sich mir stellt hat mit Einzelfällen zu tun. Nichts ist unemanzipatorisch, frauen- oder männerfeindlich oder hat etwas mit verirrter Sexualität oder einem komischen Modeverständnis zu tun, solange es die Personen aus sich heraus machen.

    Um die Frage der Bloginhaberin zu beantworten: Ich als Mann rasiere mich auch. Unterhalb der Gürtellinie und auch unter den Achseln. Ich finde das für mich persönlich hygienischer und wenn ich in meinem Büro sitze und meinen unrasierten Kollegen mit seinen triefenden Achseln sehe und mir unter den Arm schaue, dann erkenne ich deutliche Unterschiede und fühle mich damit besser. Meine Partnerin macht es ebenso. Wir haben es nie voneinander verlangt, wobei es für mich schon ausschlaggebend ist, ob ich intim werden würde oder eben nicht. Ich hatte auch schon eine Partnerin, die damit nicht klar kam. Da es aber meine Entscheidung ist und mich mich damit wohler fühle, kann ich mir zumindest nicht vorwerfen, es für andere zu tun und mich damit selbst hinter´s Licht zu führen.

    Die haarlose Scham eines vorpubertären Knaben erlege ich mir jedenfalls nicht auf, auch wenn einige Kommentare hier anderer Meinung sein mögen. Ich genieße nur die Vorteile ohne mich in einer Art Zwangskontext zu befinden.

  19. Also ich rasiere mich – und ich finde es schade, wenn Frauen, die sich rasieren, von einigen Leuten ( und oft genug Frauen, die sich feministisch nennen – was ich auch tue) pauschal erstmal unterstellt wird, dass sie aussehen wollen wie Kinder. Der einzige Grund, dass ich es tue, ist, dass es sich besser anfühlt – für mich! Einfach mal ausprobieren und den Unterschied fühlen – und dann können wir gerne weiterreden 😉

  20. Seit wann werden die Frauen im Playboy mit nacktem Unterleib abgebildet und dabei die inneren Schamlippen wegretuschiert? Und seit wann geht das eigentlich ganz einfach – seit Photoshop?

  21. Danke an alle für die vielen Beiträge. Ich habe viel gelernt. Vorläufige Erkenntnis: Das Rasieren ist wohl eher eine Frage von Vorlieben und Gewohnheiten, und ja, vielleicht ist es auch ein Anzeichen dafür, dass die Geschlechtsorganie „enttabuisiert“ wurden, und dass sie heute – anders als früher – ein „ganz normaler“ Körperteil geworden sind, der entsprechend eben auch gestylt und kosmetisch „dargestellt“ wird.
    Eine Anregung, die drüben bei Google+ in den Kommentaren noch genannt wurde, und die ich bedenkenswert finde, ist die Beobachtung, dass durch das Rasieren die Vulva besser „vergleichbar“ gemacht wird, was ja auch eine Voraussetzung dafür ist, dass sich hier eine Norm bzw. eine Vorstellung von Schönheit entwickeln kann. Bei unrasierten Vulven kann man zum Beispiel nicht sehen, ob die inneren Schamlippen länger sind als die äußeren. Insofern ist also nicht das Rasieren als solches das Problem, sondern wenn aus dem, was dadurch sichtbar wird, ein Druck entsteht, dass das dann auch auf eine bestimmte Weise aussehen soll. Die Frage wäre also, wie (und ob) sich das vermeiden ließe…

  22. Ich wollte noch was hinzufügen, auch wenn die Diskussion schon so gut wie abgeschlossen ist :). Habe mich zwecks meines Soziologiestudiums mit der Zivilisationstheorie von Nobert Elias beschäftigt, die auch von Feministinnen angewandt wurde (Liebsch, Klein, Treibel). Darin geht es um die Internalisierung von Zwängen: also das, was uns zuerst von außen aufgedrückt werden muss, wird verinnerlicht und wir entwickeln sogar ein Schamgefühl dafür. Ein Beispiel wäre, das Rülpsen zu unterdrücken. Dieser Prozess dauert nach Elias etwa drei Generationen, bis so ein Zwang verinnerlicht ist und wird aber immer wieder in jedem Individuum neu vollzogen, eben durch die Erziehung in der Kindheit.
    Lange Rede, kurzer Sinn. Feministinnen haben eine ähnliche Internalisierung eben auch bei Frauen im Verhältnis zu ihren Körpern entdeckt. Während Elias den Sport bei Männern betrachtete und androzentrisch davon ausging, dass Sport immer den Menschen dazu dient, auf eine ,,zivilisierte“ Form Triebe auszuleben, heißt es in ,,Zivilisierung des weiblichen Ich“(1997), dass Sport für Frauen immer etwas anderes war, nämlich Körpermanagement. Umso mehr offene Haut Frauen zeigen durften, umso trainierter musste ihr Körper sein, umso hygienischer, reiner, disziplinierter, vollkommener mussten sie wirken. Die Soziologinnen gehen davon aus, dass Frauensport zwar alte Zwänge wie die Kleiderordnung aufgehoben hat, dafür aber neue Zwänge für Frauen geschaffen hat. Ich denke, das betrifft jede Körperlichkeit, eben auch die Sexualität und den Umgang mit Intimpartnern. Wir Frauen haben das Glück, unsere Sexualität immer freier erfahren zu dürfen, in meinem Alter sagt auch keiner mehr Schlampe zu mir, wenn ich schnell wechselnde Partner habe. Aber das bedeutet meistens auch: neue Zwänge, und hier v.a. den Zwang zur Disziplinierung, zum ,,Beackern“ der Schamhaare, was ja leidlich eine Mühsal ist. Es ist möglich, dass sich dieser Prozess letztenendes gesamtgesellschaftlich durchsetzt und dass es den nachfolgenden Generationen große Überwindung kosten wird, es nicht zu tun.

  23. Ich denke die Schundliteratur von Roche hier mit einzubeziehen ist absolut fehl am platz. Ich habe zwar das neueste literarische Verbrechen nicht gelesen, weil mir das erste Stück Klopapier schon gerecht hat, aber die Autorin versucht nur so abartig wie möglich zu sein um sich die Aufmerksamkeit der Leser zu sichern.
    (tut mir leid für die harten Worte, aber bei dieser Person gerate ich in Rage)

    Zur Intimrasur, kann ich zb nur sagen das ich es für meine Verhältnisse rasiert als weitaus angenehmer empfinde als behaart. Im Bad, im Spiegel und beim Sex. Dabei bestehe ich auch bei den Männern darauf das sie sich rasieren, weil die Haare aus meiner Sicht unhygienisch sind. Letztendlich ist es aber jedem seine Sache welche „Frisur“ er sich im Intimbereich verpasst. Ich finde es zb nicht zu viel Aufwand 1-2mal in der Woche den Rasierer zur Hand zu nehmen und es geht auch wirklich ruck zuck ohne Schnitte und Schmerzen.

  24. Meine Gyn behauptet, dass Intimrasur nachteilig ist, weil dabei kleine Entzündungen in der Haut entstehen, in denen dann auch irgendwelche Keime leben, die dann woandershin wandern – wenn ich mich richtig erinnere.

  25. Das Video ist sehr spannend – und deine Frage auch.
    Ich bin mit der Unterscheidung zwischen »gesellschaftlicher Akzeptanz« und »intimbeziehungmässiger Akzeptanz« in Bezug auf Intimrasuren nicht ganz einverstanden: Die Sichtbarkeit ist ja nicht die einzige Möglichkeit, wie ein Intimbereich in die gesellschaftliche Sphäre gelangen kann. Ich denke, der Intimbereich von jungen Frauen wird durch das Reden über von Normen Abweichendes gesellschaftlich gemacht. Insofern funktioniert auch im intimen Bereich Konformität wie im nicht-intimen.
    ***
    Ich schreibe gerade einen Sopranos-Aufsatz. Intim sind für die Soprano-Männer Krankheiten (Juniors Krebs, Tonys Psychoanalyse) sowie sexuelle Vorlieben, die nicht der Norm entsprechen (Junior befriedigt seine Freundin oral), während Frauen eigentlich keine Intimsphäre haben. In S03E06 sagt Silvio beispielsweise zu einer Stripperin: »your shaved twat belongs to me«, die gleiche Stripperin wird in dieser Folge von einem Mafioso brutal getötet.
    — Ich denke, dass Jugendliche heute eine ähnliche Verschiebung der Intimsphäre erleben: Der Körper kennt kaum intime Zonen mehr, während gewisse psychische Probleme tabuisiert und intimisiert werden.

  26. Ich denke, im Grunde ist hier schon alles gesagt.

    Man sollte auch noch bedenken, dass es sich hier um OPERATIONEN mit NARKOSE handelt. Das ist nicht das Gleiche wie eben mal zum Friseur zu gehen. Man muss sich auch der Gefahren bewusst sein. Welches Risiko geht Frau hier freiweillig ein, um jetzt auch noch ihr Geschlechtsteil einer Mode zu unterwerfen?

    Dann gibt es Menschen, die dafür kämpfen, dass es keine Beschneidung mehr bei Frauen gibt. Man sollte mal die betroffenen Frauen fragen, was sie von freiwilligen Schamlippen-OPs halten…

  27. Ich fand die Politisierung solcher Themen – ehrlich gesagt – immer sehr fragwürdig, da sie immer in einer bestimmten Weise politisiert wurden und werden. Hinter allem was mit Schönheitsidealen zu tun hat, wird – v.a. von Alternativen und FeministInnen – ein Unterdrückungszusammenhang vermutet. Weiter gehen die konservativen und kulturpessimistischen Strömungen, die dann auch noch meinen, das sei früher alles anders/besser gewesen. Das war es nicht! Frauen und Männer haben zu unterschiedlichen Zeiten und in ganz verschiedenen Breiten Schönheitsidealen gefolgt. Die Frauen die im Alten Rom blonde Perücken trugen und sich viel „unnatürlicher“ wie heute schminkten, könnte man dann vielleicht irgendwie mit dem patriarchalen imperialistischen Sklavenhalterstaat erklären, welcher Rom nach der Zeitenwende war, aber auch Männer rieben sich die Beine mit Steinen ab, rupften sich Brusthaare raus und entzogen sich der Sonne/sonnten sich (je nach dem). Bei den Wikingern schminkten sich die jungen Männer, um erfolgreicher bei den Frauen zu sein. Moden gab’s immer…
    Spätestens hier wird mir meistens die „Naturalisierung der Verhältnisse“ vorgeworfen, dabei hab ich die bunten Werbungstänze bei den Tieren ja noch gar nicht erwähnt 🙂

    Also m.E. gibt es sozialen Druck, wie bei jeder Mode, der bei dem Bart der Männer oder den Beinen der Frauen stärker ist, als beim Intimbereich. Beim Intimbereich geht es häufig darum, dem Partner zu gefallen. Bei vielen 20ern rasieren sich übrigens die Jungs heute schon mehr wie die Mädels – Bart, Achseln, Brust, Rücken und Intimbereich.

    Brust-OPs, Vulva-OPs, Arschbleeching sind zwar Mist, aber m.E. wollten die Menschen immerschon schöner sein, attraktiver sein, jünger sein usw. und heute macht die medizinische Technik es möglich. Dass die Schönheitsideale kulturell bedingt sind, ist dabei für die soziale Realität irrelevant.

  28. Zur Frage in die Runde: Klar rassiere ich mich untenherum auch und ich erwarte das selbstverständlich auch von meiner Freundin, sie aber auch von mir.

    Es IST einfach hygienischer, grade im Sommer.

    Normalerweise rassiere ich mir die Achelhaare nicht aber im Sommer schon, weil man schneller sauberer wird und sich dort viel Dreck und Schweiss ansammelt…zwischen den Beinen allerdings auch.

    Müffelt sonst einfach viel schneller.

  29. Bei den Intim-OPs geht es möglicherweise nicht nur um ein Schönheitsideal wie bei der Brustgröße, dem Gewicht, der Muskulatur oder der Körperbehaarung, sondern darum, dass weibliche Schamlippen in ihrer natürlichen Form zunehmend als unnormal empfunden werden.

    Wenn es stimmt, dass dabei auch der Jugendschutz eine Rolle spielt (und das Männermagazin nur mit weggepixelten inneren Schamlippen frei verkäuflich ist und das Foto einer nackten Frau mit natürlichen Schamlippen unter Pornografie fiele), dann würde ich das in erster Linie unter „dumm gelaufen“ einordnen.

  30. @Sebastian: Ironischerweise ist zumindest bei Frauen Schambehaarung tatsächlich hygienischer als keine. Denn, wie Du bereits schreibst, die Haare sammeln Dreck und Keime. Ohne Schambehaarung wandern der Dreck und die Keime gleich in den Körper.

  31. Pingback: Mein Schamhaar & Ich « anarchie & lihbe

  32. Ich merke vor allem, wie sich Standards verändert haben. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, von einem Mann zu erwarten, dass er seine Schamhaare abrasiert. Ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, dass es hygienischer ist – gegen echte Geschlechtskrankheiten ist eine Intimrasur doch komplett nutzlos. Es geht doch nur ums Gefühl.

    Ich bin mit der Vorstellung aufgewachsen, dass Haare bei erwachsenen Menschen normal sind. Wenn ich mir jetzt im entsprechenden Artikel bei Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Schamhaarentfernung die Bilder von rasierten Männern und Frauen ansehe, finde ich sie nicht schön, sondern befremdlich. Das untere Bild einer Frau mit Haaren lässt mich denken: Ja, das ist eine richtige, schöne Frau. (Ja, ich gestehe, auch eine Normierung.) Ein schönes klares dunkles Dreieck, das neugierig macht, aber nicht enthüllt.

    Es handelt sich wahrscheinlich einfach um (Seh-)Gewohnheiten. Was man kennt, wird als normal und „richtig“ empfunden. Für mich heißt das noch: Haare.

    Das zweite, das mir einfällt: Ein Ideal der Siebziger und Achtziger ist verlorengegangen: „Natürlichkeit“. Ich schreibe dies bewusst in Anführungszeichen, da immer definiert werden muss, was als „natürlich“ gilt. Vielleicht ist es auch eine positive Entwicklung, dass Künstlichkeit jetzt eine höhere Akzeptanz erfährt.

  33. Für mich ist eine komplett rasierter Mann oder eine komplett rasierte Frau immer ein merkwürdiger Anblick. ich finde es nicht schön, kenne das Argument der Hygiene aus meinem Praktikum in einem Verein, der Prostituierte betreut – insofern hat das für mich auch einen Beigeschmack. Die Rasur hatte früher (Ägypten) vor allem hygienische und damit gesundheitliche Gründe. Wenn das heute als Grund herangezogen wird, finde ich das völlig übertrieben und würde mir mal grundsätzlich Gedanken zur Körperpflege machen (denn mit einfacher Körperpflege müffelt auch nichts, es müffelt erst rasiert, weil der Schweiß nicht mehr abtrocknen kann und dadurch Bakterien ihr Werk vollziehen können, wodurch es müffelt, außer mann/frau nimmt Chemie, was für Haut schlecht ist).

    Silja

    PS: Als meine Freundin von ihrem Freund aufgefordert (!) wurde, sich zu rasieren, hielt sie ihn für padophil, hat jetzt einen, der mit Haaren leben kann und will…

  34. *stirnklatsch*

    Jetzt merk ich erst, warum die Rasur hygienischer sein soll: Es geht um FILZLÄUSE! Warum sagt das denn niemand direkt?

    Wer Angst vor Läusen hat, müsste sich eigentlich auch den Kopf rasieren…

  35. Hallo Antje,

    hab mir gerade das Video angeschaut, das Du auf Google+ gestellt hast und habe jetzt seeeehr gemischte Gefühle. Auf der einen Seite fand ich es einfach grotesk, dass diese Frauen sich unters Messer legen, um anderen (meist Männern) zu gefallen und sie zufrieden zu stellen, während sie gleichzeitig in Kauf nehmen, möglicherweise die Sensibilität ihres primären Sexualorgans einzuschränken, d.h. auf die eigene Befriedigung evtl. zu verzichten, für die Befriedigung eines/r anderen. Das klingt mir doch zu sehr nach alten patriarchalischen Mustern.
    Auf der anderen Seite kann man das vielleicht auch einfach nicht nachvollziehen, wie bei anderen Schönheits-OPs auch, wenn man nicht selbst in der Situation ist, in der man seinen Körper eben so sehr verabscheut, dass es das alltägliche Leben ungemein einschränkt. Die Gründe dafür müssen natürlich untersucht werden, das ist klar. Auf jeden Fall macht es mich traurig.

    Verlassen werden ist aber eben immer noch ein großes Problem vieler Frauen, wenn auch nicht unbedingt aus finanziellen Gründen. Es herrscht ja eine regelrechte Panikmache bei Frauen um die 30: „Wenn’s jetzt nicht klappt, werde ich vielleicht nie Kinder haben, denn die biologische Uhr tickt und beim nächsten ist es vielleicht schon zu spät.“ Daher immer noch dieses Bedürfnis vieler Frauen (ab einem bestimmten Alter), es den Männern so recht wie möglich zu machen.

    Zu den rasierten Männern: wo gibt’s die den bitte? Ich kenne die nicht. Muss man da in bestimmten Kreisen unterwegs sein, z.B. Sportstudenten:-) ?

  36. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was du meinst und weshalb du glaubst, nur mit rasierten Beinen raus zu können.
    Ich finde das bestehenden Schönheitsnormen gegenüber ziehmlich unkritisch und sehe keinen besonders großen Unterschied zwischen Bein- und Intimrasur. Beides dient dazu, Normen zu erfüllen.
    Ich fühle mich mit unrasierten Beinen und oft im Rock keineswegs gesellschaftlich ausgeschlossen, klar gibt es mal nen seltsamen Blick, allerdings halte ich es für positiv, wenn sich der mehrheitsgesellschaftliche Blick an Dingen stößt.

  37. Ich würde noch gerne den Punkt anbringen. Dabei geht es mir nicht um die Frage inwieweit es „normal“ oder „trendy“ ist sich die Vulva zu rasieren.

    Mir geht es draum dass die Rasur nicht nur eine Vorliebe sein muss sondern auch teilweise schwer anwendbar ist – und das wird bei der Diskussion ob man sich von Schönheitsidealen leiten lässt völlig ignoriert: mit dunklem/dichtem Schamhaar hat man nach spätestens einem Tag harte Stoppeln die überhaupt gar nicht angenehm sind, (erst recht nicht bei oralsex) Später wachsen die Haare dann ein, es juckt und sieht richtig *scheiße* aus. Selbst wenn man Lust hätte sich mal zu rasieren ist das kaum umsetzbar.

    Das heißt man/frau, die gerne die Wahl hätten kommen ohne härtere Methoden (lasern/wachsen/etc.!!) gar nicht aus. Ich frag mich was mit diesen Leuten ist, die ähnliche Probleme beim Rasieren haben (und ich kann mir nicht vorstellen, dass das wenige sind) und sich entscheiden möchten, ob sie sich rasieren wollen oder nicht. Von außen wird ihnen dann suggeriert es sei ja nicht nur „normal“ sich zu rasieren sondern auch noch „total einfach“. Das finde ich bedenkenswürdig, weil man damit praktisch den Kampf mit seinem eigenen Körper aufnimmt und ihn nicht akzeptiert wie er ist.

  38. @ lo-hä: Funktioniert wunderbar mit einem guten Elektrorasierer, ohne Kratzen beim Nachwachsen 😉

  39. In den USA musste ich mehrere verblüffende Erkenntnisse sammeln zum Thema „Intimbehaarung“ (oder eben nicht):

    1. Ein befreundeter Mediziner wusste überhaupt nicht, dass Frauen von Natur aus Haare unter den Achseln haben.
    2. Da alles, aber auch alles überall rasiert ist, gilt es schon wieder als „kinky“, irgendwo ein paar Haare zu haben. Insofern erhöht das Nicht- oder Nichtganzenthaaren sogar die Attraktivität bei manchen Männern.
    3. “For the first time in human history, the images’ power and allure have supplanted that of real naked women. Today, real naked women are just bad porn.” (Naomi Wolf)


    >>> oversexed und angezogen.

  40. Warum wird eigentlich ständig von erwachsenen Menschen, die sonst durchaus in der Lage sind mit Texten halbwegs kompetent umzugehen, der absurde Schluss gezogen das Charlotte Roche mit ihrer neuen Romanfigur identisch ist?
    Also, bitteschön. Nicht Charlotte Roche behauptet das Frauen die sich nicht den Itimbereich rasieren selbstverschuldet schlechten Sex haben, sondern eine Figur, in einem Buch, dass Charlotte Roche geschrieben hat. Danke.

    By the way, kann ich mich auch daran erinnern das Roche mal vor ewigen Zeiten in einem Interview einen ganz anderen Standpunkt zu weiblicher Rasur im allgemeinen vertreten hat, als ihr hier via Holzhammer-interpretation zugeschrieben wird.

  41. @icke – Hast du den Roman gelesen? Die Figur ist diesmal schon SEHR eng an die eigene Biografie angelehnt (in Feuchtgebiete war das anders). Und was die Sache mit „ohne Sex keine Beziehung“ betrifft, so hat Roche diese These auch mehrfach bei ihrer Promo-Tour für das neue Buch vertreten.

  42. ich arbeite in der feministischen mädchenarbeit und beschäftige mich seit einigen jahren mit der zunehmenden pornofizierung, v.a. im hinblick auf die auswirkungen auf die körperwahrnehmung von jungen mädchen.
    meine erfahrung aus der arbeit ist, dass junge mädchen so überflutet werden von den vielen bildern (wie etwa in der bereits erwähnten BRAVO oder in sendungen wie „germany’s next topmodel“), dass rasierte vulven für sie völliger standard sind und sie gar nicht auf die idee kommen, dass es ja auch anders, sprich mit schamhaaren, möglich wäre. ich habe neulich mit einer gruppe 13-jähriger mädchen gearbeitet und die waren sich alle darin einig, dass schamhaare völlig unhygienisch und eklig sind. sobald das erste haar gewachsen ist, wurde es von ihnen wegrasiert. mich beunruhigt das schon, weil völlig normale dinge wie eben haare (das müssen wir uns einfach mal bewusst machen, es sind doch einfach nur um HAARE!!) als etwas völlig abnormales betrachtet werden. und irgendwie hat es ja auch eine funktion, dass wir schamhaare haben, oder?
    natürlich ist eine intim-rasur etwas völlig anderes als eine op, aber die sache ist nun mal die: sind die haare erst ab, entdeckt man plötzlich „problemzonen“, die man vorhin gar nicht wahrgenommen hat. und plötzlich wird uns eingeredet, eine vulva müsste so und so ausschaun und die inneren schamlippen dürften auf keinen fall länger als die äußeren sein, was ja einfach völlig fern jeder realität ist. das problem ist nur: die frauen glauben das leicht, weil die retouchierten bilder, die sie überall sehen, natürlich auch nur solche vulven zeigen, vulven von ganz normalen frauen kriegen sie ja so detailliert nicht so oft vor die nase.
    und mit „schamlippen-korrekturen“ ist es ja auch nicht getan, der phantasie und den wünschen sind da ja keine grenzen gesetzt: venushügel-aufspritzen oder absaugen, jungfernhäutchen wieder herstellen, g-punkt unterspritzen oder klitoris näher zur vagina-öffnung verlegen – alles möglich, aber für wen machen frauen das? für sich oder dient das ganze nicht letztendlich doch wieder männerbedürfnissen?
    und überhaupt – warum bekämpfen wir genitalverstümmelung und schaun gleichzeitig zu, wie frauen hier sogar noch geld für ops (natürlich mit narkose, mir ist schon klar, dass da noch ein unterschied besteht) bezahlen?

  43. Sogenannte Klassefrauen

    Sind sie nicht pfuiteuflisch anzuschauen?
    Plötzlich färben sich die Klassefrauen,
    weil es Mode ist, die Nägel rot!
    Wenn es Mode wird, sie abzukauen,
    tun sie’s auch. Und freuen sich halbtot.

    Wenn es Mode wird, die Brust zu färben,
    oder falls man die nicht hat, den Bauch….
    Wenn es Mode wird, als Kind zu sterben,
    oder sich die Hände gelb zu gerben,
    bis sie Handschuh ähneln, tun sie’s auch.

    Wenn es Mode wird, sich schwarzzuschmieren…
    Wenn verrückte Gänse in Paris
    sich die Haut wie Chinakrepp plissieren….
    Wenn es Mode wird, auf allen Vieren
    durch die Stadt zu kriechen, machen sie’s.

    Wenn es gälte, Volapük zu lernen
    und die Nasenlöcher zuzunähn
    und die Schädeldecke zu entfernen
    und das Bein zu heben an Laternen
    morgen könnten wir’s bei ihnen sehen.

    Denn sie fliegen wie mit Engelsflügel
    immer auf den ersten besten Mist.
    Selbst das Schienbein würden sie sich bügeln!
    Und sie sind auf keine Art zu zügeln,
    wenn sie hören, daß was Mode ist.

    Wenn’s doch Mode würde zu verblöden!
    Denn in dieser Hinsicht sind sie groß.
    Wenn’s doch Mode würde, diesen Kröten
    jede Öffnung einzeln zuzulöten!
    Denn dann wären wir sie endlich los.

    Erich Kästner

    Inzwischen hätte Kästner sicherlich auch ein Gedicht auf die Männer geschrieben, obwohl die Frauen auch heute immer noch die Vorreiter sind, um es den Männern recht machen wollen.

  44. die frauen glauben das leicht, weil die retouchierten bilder, die sie überall sehen, natürlich auch nur solche vulven zeigen, vulven von ganz normalen frauen kriegen sie ja so detailliert nicht so oft vor die nase.

    @ela ich lese zwar die BRAVO nicht, aber frage mich doch, wo genau sehen mädchen / frauen rasierten vulven?? ich sehe weder rasierte noch unrasierte. bei GNTM wurden auch keine gezeigt. nackte und rasierte geschlechtsorgane sieht man meiner erfahrung nach nur in pornos. ansonsten fällt die abbildung von geschlechtsorganen unter den jugendschutz und wäre sicher auch in der BRAVO nicht unproblematisch. es kommt hinzu, dass unrasierte beine ggf. öffentlich sichtbar sind. aber eine unrasierte vulva …?

    und warum glauben die frauen das eigentlich? es ist doch eine binse, dass bilder in zeitschriften retuschiert sind. wie leichtgläubig und billig manipuliernar sind diese leute? hat ihnen niemand einen kritischen umgang beigebracht? und haben sie gar kein selbstwertgefühl vermittelt bekommen? die eltern dieser kinder, genau gesagt die mütter, sind aufgewachsen im zeitalter der emanzipation. hat das keine spuren hinterlassen?
    jeder bürgermeister eines noch so kleinen kaffs befleißigt sich heute, „bürgerinnen und bürger“ zu sagen, um einer progressiven gesinnung ausdruck zu verleihen. aber die kinder dieser aufgeklärten und mündigen bürgerinnen und bürger haben nichts besseres zu tun, als sich wie lemminge in den mainstream zu stürzen?
    diese bemühungen haben natürlich nur einen zweck: sich dem männlichen blick zu unterwerfen. ist das das einzige ziel der frauen heute? wo haben sie das her? wer hat ihnen das vermittelt? das sind doch zutiefst spießige, antiemanzipatorische, antiaufklärerische gedanken, die da hindurch schimmern. und warum wehren sie sich nicht gegen diese hirnwäsche – wenigstens die erwachsenen, sondern erklären es sogar für ihre freiwillige selbstbestimmte wahl?

  45. Liebe Antje,
    TERRE DES FEMMES hat sich schon vor zwei Jahren mit „der Thematik plastische Operationen im Genitalbereich in [ihrer] AG Genitalverstümmelung auseinandergesetzt“ und die „Designer Vagina“ zu der FGM Definition der WHO in Beziehung gesetzt. Im März 2009 erschien ein Text zum Thema im Deutschen Ärzteblatt:
    http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=63783
    Wenn Du „Designer Vagina“ googelst, bekommst Du eine Fülle an Informationen, zumeist Warnungen, meinem Eindruck nach. Ich stehe auch nach zwei Jahren noch perplex vor dem Thema, aber es ist alles hier gesagt. Kästner bringt es auf den Punkt.
    Schöne Grüße
    Katrin

  46. Horst Sabine:

    @ela ich lese zwar die BRAVO nicht, aber frage mich doch, wo genau sehen mädchen / frauen rasierten vulven?? ich sehe weder rasierte noch unrasierte. bei GNTM wurden auch keine gezeigt. nackte und rasierte geschlechtsorgane sieht man meiner erfahrung nach nur in pornos. ansonsten fällt die abbildung von geschlechtsorganen unter den jugendschutz

    … offenbar gilt das nicht, wenn die Schamlippen schamhaft weggepixelt sind. Und die Männermagazine mit derart manipulierten Frauenkörpern liegen in jedem Supermarkt offen rum.

  47. @ Horst_Sabine: natürlich sehn mädchen nicht ständig nur vulven um sich herum:-). aber ich hab den eindruck, wenn sie welche sehn, sind die zu 90% rasiert. schau mal in die bravo rein, da gabs schon seit langem kein mädchen mehr, das nicht rasiert war. und die mädels schaun fern, da sehn sie sendungen über das letzte playboy-shooting. und sehr, sehr viele mädchen kennen pornos von seiten wie youporn und da ist das natürlich standard. es ist leider so.

    interessant an der ganzen sachen mit dem „schönheits-kult“ um die vulva find ich ja auch, dass mädchen und frauen oft gar keinen wirklichen bezug zu ihrer vulva haben. oft können sie ja nicht einmal die einzelnen teile benennen oder eine vulva zeichnen, die halbwegs dem original nahe kommt. also, ich find’s schon merkwürdig, wenn frauen sich rasieren und an ops denken, ohne ein, ich sage jetzt einmal, liebevolles verhältnis zu ihrer vulva zu haben.

  48. @ela, ich hab eben mal auf bravo.de geschaut. da sieht man allenfalls eine raiserte bikinizone. im freeTV sieht man definitiv keine nackten VULVEN. das fällt unter den jugendschutz und ist verboten. selbst die sexwerbung nach 24 uhr zeigt nur unkenntlich gemachte geschlechtsorgane. die mädchen können solche bilder also nur über pornos konsumieren. pornografische inhalte mit expliziten abbildungen dürfen ausschließlich im payTV und vom sog. telemediendiensten angeboten werden, die mittels verschlüsselung vor unbefugtem zugriff gesichert werden können. auch in supermärkten dürfen pornohefte kindern und jugendlichen nicht zugänglich gemacht werden.

    allerdings propagiert die BRAVO intimrasuren, indem sie anleitungen bringt und sie überhaupt thematisiert.

    worauf ich hinaus will, ist die aussage „retuschierte Bilder, die sie überall sehen“. überall sehen sie die nicht, sondern über explizite kanäle für pornografie. aber auf youporn et al. sind die bilder nicht retuschiert.

    sie sehen auch nicht, ob andere mädchen rasiert sind, außer vll. in der umkleide. aber auch dort zeigen sich 13-jährige mädchen normalerweise nicht ihre intimzonen. und in die sauna gehen sie sicher nicht alle.

    fakt ist also, dass es (im gegensatz zur beinrasur) keine „kontrollmöglichkeit“ für intimrasur gibt, aber ohne kontrolle ist ein wie auch immer gearteter zwang nicht durchzusetzen. es muss andere gründe als „bilder überall“ geben. der „gesellschaftliche druck“ muss andere natur sein. nur welcher?

  49. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Slutwalk Münster, Intimes und Mode – die Blogschau

  50. Ich habe letzte Woche von Richard David Precht eine interessante Aussage gehört. Er meinte, die Spiritualität und Liebe zu und von Gott habe sich gewandelt zu einer Suche nach bedingungsloser Liebe zum und vom Partner.
    Das Bedingungslose klingt jetzt zu dem Beitrag hier wiedersprüchlich, aber ich denke schon, daß sehr viele Menschen nach Halt im Aussen suchen und dann stellt sich das Wechselspiel ein, sich an Normen zu halten, also Bedingungen zu erfüllen, in der Hoffnung, sich dadurch Akzeptanz und angenommen sein zu erarbeiten. Ist halt eine Leistungsgesellschaft und es sind keine Göttinnen und Götter, diese Menschen 😉

  51. Pingback: Brasilianer « Ich will hier weg, aber wohin?

  52. Pingback: Antje Schrupp über Schamhaardepilation und anderes « haut ant haar

  53. Ich habe mich noch nie an irgendwelche Zwänge gehalten, sondern entscheide das immer nur für mich ob mir was gefällt oder nicht. Man benötigt dafür einfach nur ein starkes Selbstbewußtsein und eventuell auch dickes „Fell“. Ich selber bin unten behaart, meine Partnerin auch. Dann paßt es auch ohne ständige Intimrasur. Zur Vulva kann ich wenig sagen, aber teilweise soll es zu Problemen beim gehen kommen, wenn die Lappen zu lang sind. Dann sollte man über eine Op nachdenken.

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