Ich bin für ein (nicht-Ehegatten)-Splitting 2.0

LUX_1302_TITEL_130712_01-471x591Die Rosa Luxemburg Stiftung hat gerade unter dem Titel „Luxemburg 2“ eine Zeitschrift – eher ein Buch – veröffentlicht, in dem auch ein Artikel von mir ist, nämlich ein Plädoyer für ein „Ehegattensplitting 2.0“. Er baut eine These aus, die ich schon in einem früheren Blogpost formuliert hatte, nämlich dass das Problem am Ehegattensplitting nicht das „Splitting“, sondern das „Ehegatten“ ist, also nicht die Tatsache, dass es Steuererleichterungen für Lebensgemeinschaften und Kollektive gibt, sondern die Tatsache, dass diese Erleichterungen auf „Ehegatten“ (neuerdings auch homosexuelle) beschränkt sind.

Leider ist der Artikel nicht online verfügbar, aber die ganze Zeitschrift (das Buch) könnte ihr für 10 Euro bestellen, und es enthält auch noch viele andere Texte, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema neue Arbeitsformen, Care und Fürsorge, Feminismus und so weiter beschäftigen.

Zu meinem Artikel gibt es eine Erwiderung von von Katrin Mohr, die ein „Splitting 2.0“ ablehnt, weil es ihrer Ansicht nach die Abhängigkeit dennoch zementiert, halt nicht mehr nur die Abhängigkeit von Ehefrauen von ihren Ehemännern, sondern dann eben die Abhängigkeit von der WG oder eben sonstigen Lebensgemeinschaft.

Das ist lesenswert, und mich interessiert, wie Ihr das seht. Allerdings bemerke ich an mir selbst in letzter Zeit ein paar Ermüdungserscheinungen in Bezug auf einen Teil des „linken“ Diskurses, der, so scheint mir, nicht über die Idee hinauskommt, dass die Lösung für alles immer über Erwerbsarbeit laufen muss. Ich singe dann neuerdings immer ganz laut Bernadette La Hengsts Lied zur Senkung der Arbeitsmoral, und dabei vor allem die Zeile „Denn dies ist kein Arbeiterlied“!

Und ich verweise gerne auf die tolle Rede von Clara Zetkin, die schon 1889 bemerkt hat, dass der Wechsel der Frauen von unbezahlter Hausarbeit zu bezahlter Erwerbsarbeit nicht per se ein Zugewinn an Freiheit ist, sondern dass sie damit letztlich „nur den Herren gewechselt“ haben, nämlich die Abhängigkeit vom Ehemann (oder: im Konzept Splitting 2.0, die Abhängigkeit von anderen Partner_innen oder Kollektiven) gegen die Abhängigkeit vom „Kapitalisten“, bzw. eben vom Arbeitsmarkt eingetauscht.

In unserem ABC des guten Lebens ist „Abhängigkeit“ nicht zufällig der erste Begriff, nicht nur alfabetisch, sondern auch systematisch. Unabhängigkeit gibt es in menschlichen Gesellschaften nicht, wir sind immer auf andere angewiesen. Kein Mensch ist autonom. Und worum es geht, das ist nicht, die Abhängigkeit angeblich abzuschaffen, was eine Illusion ist, sondern die Abhängigkeit so zu gestalten, dass sie möglichst hierarchiefrei ist und möglichst viel Freiheit ermöglicht.

Und dann kommt es eben ganz auf den Kontext beziehungsweise die Ausgestaltung an. Die Abhängigkeit vom Arbeitsmarkt ist nicht per se besser als die Abhängigkeit von Beziehungsnetzen – wobei dasselbe natürlich auch andersrum gilt.

29 Gedanken zu „Ich bin für ein (nicht-Ehegatten)-Splitting 2.0

  1. Ich weiß nicht, was so fiskalisch benachteiligenswert daran ist, alleine zu sein. Das ist eh schon teuer genug, und es sollte sowohl eine Wahlmöglichkeit sein, als auch als notwendiges Übel okay sein.

  2. @r4gni – Es geht nicht darum, Alleinlebende zu benachteiligen, sondern darum, die absolute Notwendigkeit zur Erwerbsarbeit zu vermindern oder zu „durchlöchern“. Splitting-Logik bedeutet ja für die beteiligten Kollektive nicht nur, dass sie Steuern erlassen bekommen, sondern auch, dass sie füreinander finanziell einstehen, also z.B. bekommt jemand, der Splittingvorteile in Anspruch nimmt (also mit jemand „versplittingt“ ist, der_die Geld verdient) auch kein Hartz IV.

  3. Momentan haben wir es nicht allein mit dem Splitting zu tun, sondern mit einer Kombination aus Splitting, geringfügiger Beschäftigung und kostenloser Mitversicherung von Hausfrauen / -männern. Das führt dazu, dass es sich für Hausfrauen scheinbar nicht lohnt, eine normal versicherungspflichtige Tätigkeit anzunehmen – der Unterschied zwischen 450-Euro-Job und regulärer Halbtagsstelle erscheint zu gering. Nach der Scheidung sieht es ganz anders aus, und den Sozialversicherungen fehlen Beiträge.

    Die Politik drängt Frauen hier auf die traditionelle Schiene, wogegen das Unterhaltsrecht nach der Scheidung mehr oder weniger von berufstätigen Frauen ausgeht. Was man sich da gedacht hat, weiß ich auch nicht.

    Und worum es geht, das ist nicht, die Abhängigkeit angeblich abzuschaffen, was eine Illusion ist, sondern die Abhängigkeit so zu gestalten, dass sie möglichst hierarchiefrei ist und möglichst viel Freiheit ermöglicht.

    Schreib doch einen Eheratgeber 😀

  4. @Irene – Den Sozialversicherungen fehlen Beiträge nicht in erster Linie, weil sehr gering Verdienenden nicht auch noch ein Teil davon abgezogen wird, sondern weil sehr gut Verdienenden die Beiträge „gedeckelt“ werden, sie also viel weniger bezahlen, als eigentlich gerecht wäre. Und weil Sozialbeiträge zum Teil für sachfremde Dinge ausgegeben werden, die eigentlich aus Steuern bezahlt werden müssten (Vorruhestand, Rentenauszahlungen für ehemalige DDR-Arbeitskräfte), und weil ganze Berufsstände (Beamt_innen) überhaupt nichts einzahlen.

  5. die idee, das rechtliche konstrukt „lebenspartnerschaft“ weiter zu öffnen und zu entromantisieren, gefällt mir. aber davon unabhängig ist eigentlich die frage, ob damit auch das splitting mehr menschen in mehr konstellationen zugute kommen sollte, oder ob es nicht eher abgeschafft gehört. denn der nachteil am splitting ist ja nicht nur, dass es die klassischen erwerbskonstellationen zementiert (weil der splittingvorteil sich erst bei einverdienstehen richtig niederschlägt), sondern auch, dass höhere einkommensgruppen davon viel stärker profitieren als paare mit niedrigem einkommen. hat ihr plädoyer für ein verbreitertes splitting 2.0. darauf eine antwort? sonst scheint mir individualbesteuerung (ggf. gekoppelt mit gezielten transfers für pflege- und erziehungsarbeit etc.) fairer zu sein. es ist nur politisch schwer durchzusetzen.

  6. …das ist idT. auch ein bleibendes (noch) Thema. ‚Habe. -wiederhole mich jetzt, aber das muessen wir solan ge es nicht besser wird?!- also: bei einer Lebens/Wohn/Ehe-Gemeinschaft- ein gemeinsames Haushalt-Konto einrichten.(tun ja auch schon einige?) worauf auch das Wohngeld gezahlt und bei Versicherungs-/Mietforderung das Wohnungsamt berechtigt werden sollte, die Miete (Wohngeld) und (Versicherungen) ein zuziehen/-halten und dem Vermieter/Forderer zu ueberweisen. -dies, um im Notfall niemanden auf die Strasse setzen zu muessen und dem Vermieter/Rechthabende- das Einkommen/seine Arbeit zu ermoeglichen.
    Eine Frage steht offen, wie viel ein jeder aufs gemeinsame Konte einzahlen sollte -(einzahlen laesst?)- zB.: einen festen Betrag; einen festgelegten Prozentsatz des eigenen Verdienstes, oder…?

  7. @henningninneh – Ja, dass das Splitting soziale Unterschiede verstärkt, weil höhere Einkommen mehr profitieren, stimmt (und schreibe ich auch in dem Artikel). Mein Argument ist, dass diese soziale Schere beim „Alle arbeiten Vollzeit“-Modell noch stärker ist, weil Reiche sich in der Tendenz mit Reichen und Arme mit Armen verpartnern. In Zahlen: Zwischen 1998 und 2008 hat die Ungleichheit der von Paaren insgesamt erzielten Einkommen um 18 Prozent zugenommen, die Einkünfte der einzelnen in Paar-Haushalten lebenden Personen jedoch nur um 6 Prozent. Das heißt: Je weniger Hausfrauen es gibt, desto mehr geht die Einkommensschere, wenn man nicht Individuen, sondern Familien betrachtet, auseinander.

  8. @Boehme Elisju – Ja. Ich habe gerade einen Artikel gelesen über Kommune-Ökonomie, und da gibt es schon den Trend, dass „Erwerbstätige“ manchmal als „wertvoller“ gelten, weil sie Geld in die Kasse bringen, im Vergleich zu denen, die Hausarbeiten übernehmen. Im Splitting-Modell ist ein Teil des Erwerbseinkommens nicht „belohnung“ für die Erwerbsarbeit, sondern Ausgleich für die Hausarbeit. Das heißt, das Splittingmodell ist eine – freilich auch problematische – Weise, Haus- und Fürsorgearbeit ökonomisch und volkswirtschaftlich abzubilden. Das Individual-Vollzeitmodell nimmt Haus- und Fürsorgearbeit völlig aus der volkswirtschaftlichen Rechnung raus und erklärt es zur „Privatsache“ oder zwingt dazu, diese Arbeit in betriebswirtschaftlicher Logik zu Erwerbsarbeit umzuwandeln. Was ich problematisch finde. Und ob das Dasein einer Hausfrau soviel schlimmer ist als einer 24-h-Pflegekraft in fremden Haushalten ist eben dann noch die Frage.

  9. Antje, ist das nicht schon eine discriminierende Aussage?: Ich war in jungen Jahren froh, wie ich nicht mehr „ärbeiten musste“ sodann aber fuer die Familie da sein, sie versorgen, begleiten konnte!
    Als diie Kinder zur Schule gingen, begann ich auch wieder ausser Haus zu arbeiten.
    Ja, der Volkswirtschaftliche-Aspekt ist wahrlich eine andere Sache?! sowie auch eine gute Unterlinge- Regelung,
    Scheidungen verhindern hilft.
    Erst muessen eben die persoenlichen Lebensformen geregelt werden, meine ich.
    Herslichst, Elisju

  10. Wenn mensch sein Geld / Einkommen mit meheren Leuten teilt, wie z.B. in einer Gemeinsamen Ökonomie, wie ich es lebe, stellt sich schon die Frage, warum alle einzeln besteuert werden sollen, wo sie doch füreinander einstehen. Ach so, gemeinsame Ökonomie heißt bei uns alle Einnahmen in einen Topf und davon gemeinsam Leben. Deshalb finde ich die Idee von Antje gut, auch bei Konstellationen, in denen sich mehr als 2 Erwachsene verbindlich um Kinder kümmern, wäre das denkbar. Durch ein gemeinsames wirtschaften mit mehreren gibt es eine direkte Umverteilung von ungerechter Einkommensverteilung ohne eine 1:1 Abhängigkeit wie bei Paaren. Wenn sich die Gruppe dann auch darauf einigt, dass die unbezahlten Arbeiten genauso einen wichtigen Beitrag zum gemeinsamen Lebensstandart darstellen und diese Arbeiten auch mehr Menschen verteilt sind, um so besser. Dann bleibt eben auch noch Zeit über, sich z.B. politisch zu engagieren – auch mit kleinen Kindern oder wenig persönlichem Einkommen. Ich halte gar nichts davon, dass alle Erwachsenen mindestens 40 Stunden+ arbeiten sollen / müssen um sich einenhalbwegs solide Lebensbasis leisten zu können. Die Idee, dass Erwerbsarbeitseinkommen die Leistung der Erwerbsarbeit abbildet ist doch sowieso eine Mittelschichtslüge. Als ob Menschen in der Pflege angemessen entlohnt würden oder Ingeneure… Erst ohne wirtschaftliche Not kann ich mir Nachdenken und politisches Engagement leisten.

  11. Ja, dass das Splitting soziale Unterschiede verstärkt, weil höhere Einkommen mehr profitieren, stimmt (und schreibe ich auch in dem Artikel). Mein Argument ist, dass diese soziale Schere beim “Alle arbeiten Vollzeit”-Modell noch stärker ist, weil Reiche sich in der Tendenz mit Reichen und Arme mit Armen verpartnern. In Zahlen: Zwischen 1998 und 2008 hat die Ungleichheit der von Paaren insgesamt erzielten Einkommen um 18 Prozent zugenommen

    Wie misst man eine Zunahme der Ungleichheit in Prozent? Was waren da die Ausgangszahlen?

    Und waren darunter nicht auch viele Paare, bei denen nur der Mann verdient, dessen Einkommen stark gestiegen ist (Vorstandsgehälter und Boni)?

    Im Splitting-Modell ist ein Teil des Erwerbseinkommens nicht “belohnung” für die Erwerbsarbeit, sondern Ausgleich für die Hausarbeit.

    Welche bei gut Verdienenden von der schwarz beschäftigten Putzfrau übernommen wird.

  12. Und ob das Dasein einer Hausfrau soviel schlimmer ist als einer 24-h-Pflegekraft in fremden Haushalten ist eben dann noch die Frage.

    Ich behaupte mal, dass diese Arbeitsverhältnisse nicht legal sind, damit ist auch der Vergleich unseriös.

  13. @henningninneh
    Ich wäre für ein Splitting, bei dem sich der Split an der Anzahl der abhängigen Personen richtet (z. B. Kinder oder aber auch ältere Verwandte, die gepflegt werden). Natürlich sollte das auf Bedarfsgemeinschaften außerhalb der Ehe, egal ob gleich- oder gemischtgeschlechtlich, ausgeweitet werden (z. B. Patchworkfamilien).

    Wie bereits gesagt lohnt sich Splitting erst, wenn nur ein Ehepartner arbeitet. Das sind übrigens nicht nur Frauen, sondern häufig auch Ruheständler dabei (mein Vater ist bereits im Ruhestand, aber meine Mutter arbeitet noch, für die lohnt sich das Ehegattensplitting wieder).

  14. Hat dies auf Was Tante Gertrud wohl bloggen würde rebloggt und kommentierte:

    Tante Gertruds Anmerkung :

    Splitting liest sich komisch und „Senkung der Arbeitsmoral“ klingt gefährlich. aber wenn man Enkel nach dem Abi heiraten will, obwohl er noch gar keine Frau kennt, mit der er zusammenleben möchte, finde ich das auch bedenklich. Früher hatte man Mann die Erziehungsberechtigung. Heute könnte ich selbst über mein Konto entscheiden. Die Dinge verändern sich und vielleicht würde ich auch solche Wörter benutzen, wenn ich sie verstehen würde.
    „Wir singen zur Senkung der Arbeitsmoral“ ist ein Ohrwurm mit einem lustigen Haken.

  15. @irene – hier ist der link zu der von mir zitierten Studie: http://www.iwkoeln.de/de/infodienste/iwd/archiv/beitrag/27423?relatedarticles.p=3

    Und, naja, zur Illegalität der Pflegesituationen: sie sind in einer Grauzone, es wird nicht dagegen vorgegangen, obwohl teilweise illegal, weil es für viele Familien gar keine Alternative gibt. D.h. Unsere Gesellschaft geht stillschweigend davon aus, dass es diese pflegeverhältnisse gibt, von daher kann man diesen Vergleich durchaus ziehen.

  16. Pflege mit 24-Stunden-Schicht, das machen viele von vornherein zeitlich begrenzt, sodass die Kompromisse erträglich scheinen. Es sind viele Frauen aus dem Ausland, die ledig sind oder deren Partner in Osteuropa sitzt und die das Ehegattensplitting folglich nicht betrifft. Wer EU-Freizügigkeit genießt und längerfristig in der Pflege arbeiten will, könnte auch in reguläre Jobs in Altenheimen und bei Pflegediensten wechseln, da gibt es ja genug offene Stellen.

    (Wenn man alles mit allem vergleicht, könnte man auch argumentieren, dass der Job im Privathaushalt mit 24-Stunden-Bereitschaft immer noch besser ist als ein Job im Uranabbau im Niger. Es ist halt kein starkes Argument, dass irgendwas anderes noch schlechter ist, denn da findet sich immer irgendwas.)

  17. Dass es die Hausfrauen eh schön haben und was diese Feministinnen überhaupt wollen mit ihrer Gleichberechtigung, das war übrigens vor rund 10 Jahren eine Titelgeschichte im Focus.

  18. Ich hab mir jetzt den verlinkten Artikel angeschaut.

    Mir bleibt die Argumentation zu schwammig. Wenn einerseits die Topverdienste in die Höhe schießen und andererseits der Niedriglohnsektor ausgeweitet wird (das dürfte viel zu dieser Schere beigetragen haben), dann ist das Splitting oder die Hausfrauenehe nicht das richtige Instrument, das zu kompensieren.

  19. @irene – ja, vielleicht – sicher – ist Splitting nicht der direkte Weg ins Paradies, aber dass durch die individuelle Vollerwerbslogik die Familieneinkünfte noch deutlich mehr auseinanderdriften als die Individualeinkünfte sowieso ist ein Problem, das man durchaus diskutieren und ernst nehmen sollte, Imho.

  20. Das Splitting ist kein Weg ins Paradies sondern ein Weg in die Hölle für Frauen, deren Platz als Pflegende und Erzieherinnen damit zementiert wird. Ähnliches gilt für das bedingungslose Grundeinkommen. Wir müssen nicht alle Managerinnen werden wollen, aber die Alternative dazu ist nicht die Abhängigkeit vom Haupternäherer alimentiert durch den Staat. Wir sollten uns schon selbst ernähren können und uns für bessere Arbeitsbedingungen im Pflege- und Erziehungsbereich einsetzen. Und nicht dafür diskriminierende Steuermechanismen zu verteidigen, weil sie Haushalten einen kleinen finanziellen Spielraum verschaffen.

  21. Das Auseinanderdriften der Löhne ist sowieso vor allem in globalisierungsfähigen Berufen ( also in vielen ) zu bemerken – die „Welt“ belohnt halt Leute, die dafür sorgen, dass wir endlich ärmer werden und andere einen halbwegs vernünftigen Lebensstandard bekommen, vernünftigerweise.

    Sobald der westliche Überfluss zugunsten einer halbwegs gerechten Einkommensverteilung abgebaut sein wird, wird der Einkommensspread von ganz alleine auf ein kontrollierbares Mass einschrumpfen, schon alleine, weil unter gleichen sozialen Voraussetzungen Staaten nicht mehr um Kapital konkurrieren brauchen.

  22. @Andreas – verstehe nicht, was dein Kommentar mit dem hier diskutierten Thema zu tun hat?

    @Anke Hassel – zur Idee eines leistungsunabhängigen Grundeinkommen gibt es eine anhaltende Für/Wider-Debatte (siehe Antjes Blog-Themen).
    Dass ein bGE “ ein Weg in die Hölle für Frauen“ sein soll ist ein Argument, welches ich bisher so noch nicht gehört habe.
    Ich sehe eher, dass, wer mit dem BGE gemeinsam wirtschaften möchte, eigentlich automatisch einen Vorteil davon hat.
    Dass hier „diskriminierende Steuermechanismen“ verteidigt werden, kann ich nicht erkennen.

  23. Ich stimme Frau schrupp voll und ganz zu, was die erwerbsarbeit betrifft. Es gibt doch an dieser, so wie sie bei uns organisiert ist, genug zu kritisieren, wieso soll sie dann ausgerechnet für die Frauen die Lösung aller Probleme sein? Zumal beruflicher erfolg dann auch oft damit verbunden ist, dass man sich wieder männlichen Verhaltensstandards anpassen muss. Und allein durch die Vollzeit-Berufstätigkeit der frauen wird ja offensichtlich das Problem nicht gelöst, dass die Hausarbeit und Kindererziehung trotzdem überwiegend von ihnen geleistet wird. Insofern wäre es bei einer Splitting-Lösung evtl auch sinnvoll, Modelle stärker zu fördern, in denen mehrere Erwachsene sich sowohl erwerbs-als auch Haushaltsarbeit teilen.
    Eine komplette Abwertung der Haushaltsarbeit/ kindererziehung finde ich persönlich genauso wenig nützlich wie deren Glorifizierung.

  24. Pingback: Wie ist das mit der Abhängigkeit und der Arbeit? Viele Fragen, wenig Antworten | fuckermothers

  25. Ich finde ein Splitting gerecht. Eigentlich ist es doch einleuchtend, dass eine Einzelperson mit einem Einkommen von 50.000 €/Jahr in der Lage ist mehr Steuern zu bezahlen als eine Familie (oder andere Gemeinschaft) die zu viert davon lebt. Eine identische Besteuerung finde ich hier ungerecht. Man kann nicht das Einkommen von Menschen, die finanzielle für einander einstehen (z.B. auch bei Arbeitslosigkeit oder Krankheit) steuerlich getrennt betrachten. Im Falle von Sozialleistungen (Hartz IV, Wohngeld) wird auch immer das Haushaltseinkommen in Bezug auf die im Haushalt lebenden Personen betrachtet

    Die Aussage, dass sich eine Erwerbsarbeit aufgrund des Splittings für den weniger verdienenden „nicht lohne“ ist einfach nicht richtig (oder ein Luxusproblem gut verdienender). Es gibt genug Familien, wo die Erwerbstätigkeit beider Partner notwendig ist, um den Lebensunterhalt zu decken, der keinesfalls durch ein Einkommen + Splittingvorteil gedeckt wäre. Sozialversicherungspflichtiges Arbeiten „lohnt“ sich schon aufgrund des Erwerbs von Rentenansprüchen.
    Ich sehe ein, dass sehr gut verdienende mehr vom Splitting profitieren, aber man könnte sich ja auch vorstellen, das Splitting nur bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze greift, die sich nach der Personenzahl im Haushalt richtet und alles was darüber hinaus geht ohne Splitting versteuert wird.

  26. So sehr ich auch die kritische Betrachtung der Erwerbsarbeit begrüße, ich fürchte ein Splitting für alle würde kaum das riesige Problem der sozialen Vereinsamung lösen.
    Das Splitting in der Ehe geht ja davon aus, dass die Ehe eine auf Dauer angelegte Versorgungsgemeinschaft ist, und somit als solche auch als Erwerbsgemeinschaft besteuert werden soll. Schon eine nichteheliche Patchworkfamilie erfüllt in aller Regel diese Voraussetzungen nicht. Es wird ja Unterhalt bezahlt oder eingenommen, der schon steuermindernd war und Stifvater oder Stifmutter sind vom Unterhalt der nichtleiblichen Kinder ausgenommen. Das BVerG hat ja gerade aus diesem Grund dem Gesetzgeber gezwungen den Progressionsnachteil der in der Ehe entsteht, auszugleichen.

    Es mag ja verführerisch sein, alle jene Verantwortung füreinander übernehmen und durch Pflege nicht, oder nur gemindert am der Erwerbsarbeit teilnehmen können, ein Splitting zuzugestehen, aber wie kann man Nichtgleichwertiges – eine Gemeinschaft die sich zwar solidarisch hilft aber in den meisten Fällen nicht auf Dauer oder nur begrenzt ist (also nicht alles Vermögen der Gemeinschaft zur Verfügung stellt) mit der Ehe als unbegrenzten Versorgungs/Erwerbsgemeinschaft mit verpflichteten Unterhalt gleichstellen.
    Aber dies ist nicht mein Hauptkritikpunkt. Die Ehe würde als ideelles Konstrukt auch ein Splitting für alle überstehen – wahrscheinlich würde sie sogar moralisch aufgewertet, denn niemand könnte mehr behaupten dass wegen scheinbarer Privilegien geheiratet wird.

    Warum ich eher gegen das Splitting für alle bin, ist dass es
    a) mit aller größter Wahrscheinichkeit zu einem Verwaltungsmoster würde
    b) alle windige Steueroptimierer auf den Plan rufen würde
    c) durch steuerliche Anreize kaum subsidarisches Handel erzeugt werden kann, insbesondere da diese im unteren Einkommensbereich kaum wirken können
    d) tatsächlich ein billiges Mittel wäre i. d. Regel meist Frauen ohne rechtliche Absicherung pflegen zu lassen – ( es gäbe keinen Vermögensausgleich und keinen Ausgleich von Rentenansprüchen)

    Der eigentliche Webfehler, der sich in die Konstruktion Patchwork, uneheliche Eltern -> Ehe eingeschlichen hat – ist die erzwungene Bedarfsgemeinschaft im Sozialbezug.
    Die Bedarfsgemeinschaft mit ihren übergestülpten Unterhaltsansprüchen machen es Menschen die im sozialen Aus (ob es nun Alleinerziehende oder Arbeitslose sind) gelandet sind, schwer bis unmöglich neue Beziehungen einzugehen.

    Heute gilt – wer nicht erwerbstätig ist oder kein Geld hat – sollte keine Kinder haben
    – sollte keine Beziehung haben
    wer pflegt und nicht Managerin werden will – ist selbst schuld

    Clara Zetkin hat ja mit dem letzen Satz ihrer Rede den Finger genau in die Wunde gelegt.

    „Die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein.“

  27. Das Herumreiten auf dem Ehegattensplitting ist auch eines der Dinge die ich nicht verstehe. Faktisch kann doch jeder das Splitting auch ohne Ehe nachbauen, indem er seinem Partner ein Gehalt zahlt (z.B. für Haushaltsarbeit), so daß beide auf demselben Gehaltsniveau ankommen. Hier liegt also lediglich eine bürokratische Vereinfacherung für Ehepartner vor. Ich vermute viele „normale“ Beziehungen erreichen einfach nicht den Grad des Committments, daß einer von beiden einen Teil seines Einkommens an den anderen abgeben will.
    Desweiteren sehe ich auch nicht ganz inwiefern das Splitting den geringverdienenderen Partner benachteiligt. Versteuert wird doch das Gesamteinkommen, d.h. egal wer einen Euro mehr verdient, er wird gleich besteuert. D.h. ob der Geringverdienendere beschliesst 100€ mehr zu verdienen oder der Mehrverdienendere macht keinen Unterschied.
    Eine Abschaffung des Ehegattensplittings würde doch dazu führen daß das Ehepaar noch mehr Steuern zahlen muss, d.h. es würde sich für den Geringverdienenderen noch weniger lohnen zu arbeiten (und auch für den Mehrverdienenderen).
    Wieder mal ein klassischer Fall von „Gut gemeint und genau das Gegenteil erreicht“?

    Anscheinend werden aber viele Leute durch die Lohnsteuerklassen verwirrt, die soweit ich erkennen kann eigentlich komplett irrelevant sind (bis auf die paar Zinsen die man auf eingesparte Vorauszahlungen erhalten kann). Erst letztens sprach ich wieder mit einer Mutter die überzeugt war aufgrund ihrer ungünstigen Lohnsteuerklasse würde Arbeiten sich nicht lohnen.

  28. Pingback: Staatsfeminismus und Care Revolution | Aus Liebe zur Freiheit

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