Über welchen Kanal hätten Sie’s denn gerne?

Grade fragte das Nuf auf Twitter nach Unter-20-Jährigen, die eine Meinung zu dem LeFloid-Interview mit Merkel hätten (zu dem sie schon was Feines gebloggt hatte) – und dabei fiel mir ein, dass ich ja einen Unter-20-Jährigen kenne, den ich fragen kann (meinen Neffen). Also dachte ich, ich frag ihn mal.

Um mit meinem Neffen zu kommunizieren, gibt es genau eine Möglichkeit: Snapchat. Ich also Frage hin, Antwort zurück, zackzack in drei Minuten erledigt (hat das Interview gesehen, fand es gut, hat Verständnis dafür, dass LeFloid nicht allzu kritisch gefragt hat, weil er ja sicher froh gewesen wäre, ein Interview mit ihr machen zu dürfen). (Update: Lesenswert zu dem Interview auch was Johnny Haeusler schreibt.)

Für mich ist das jetzt der Anlass, mal über was anderes zu bloggen, das mir schon länger im Kopf herum geht: Nämlich die zunehmende Diversifizierung der verfügbaren Kommunikationskanäle und die damit einhergehende Notwendigkeit, für die jeweilige Person, mit der man kommunizieren will, den richtigen Kanal zu wählen.

Snapchat habe ich praktisch nur für Neffe 1, mit Neffe 2 muss ich WhatsApp nehmen. Meine chinesischen Bekannten erreiche ich nur über WeChat. Telefonieren geht natürlich immer, aber so unhöflich bin ich nun nicht, Leute einfach telefonisch zu belästigen, wenn es nicht was ganz Dringendes ist – Anrufen ist doch fast so aufdringlich, wie einfach ohne Voranmeldung an der Tür zu klingeln. Abgesehen natürlich von denen, die sehr gerne telefonieren und auch sehr gerne von mir angerufen werden wollen.

E-Mails sind zunehmend out, es sei denn, man möchte Leute über etwas pro Forma informiert haben ohne wirklich eine Reaktion von ihnen zu wünschen. Es gibt nämlich immer mehr Leute, die ihre E-Mails gar nicht lesen beziehungsweise grundsätzlich nicht darauf reagieren (mein Neffe ist da keine Ausnahme). Erst diese Woche wieder ging es um eine Verabredung, die schon länger feststand. Keine Reaktion auf die nachfragende Mail, ob es dabei denn bleibt, aber instantaneous Antwort via Twitter.

Bei anderen Menschen funktioniert dasselbe über Facebook, und zwar besonders bei Firmen oder Organisationen. Wochenlang hatte ich etwa vergeblich versucht, eine Presse-Akkredition für einen Kongress nächste Woche zu bekommen, aber keine oder nichtssagende Antworten. Als ich die Verantwortlichen über Facebook kontaktierte, ging es plötzlich ratzfatz.

Andererseits sind da immer noch sehr viele, die überhaupt nur via E-Mail erreichbar sind, weil sie Social Media generell verweigern. Und dann gibt es natürlich auch noch die Leute, die gar kein Internet haben und denen man Postkarten schreiben muss.

Ich überlege ernsthaft, ob ich in meiner Adressen-Datenbank noch ein weiteres Feld einfügen muss, nämlich: „erfolgsversprechendster Kommunikationskanal“. Auswendig verliere ich nämlich so langsam die Übersicht.

9 Gedanken zu „Über welchen Kanal hätten Sie’s denn gerne?

  1. Mich ärgert auch ein wenig, wenn FreundInnen von mir ihre Emails nie lesen bzw. so selten in ihr Postfach schauen, dass sie nicht mal ihr Kennwort kennen. Mich ärgern auch Kommunikationskanäle die ausschließlich über Mobiltelefon funktionieren (z.B. WhatsApp) und keine Desktop-Anwendung haben, wo sie synchronisiert laufen. Das unzweckmäßigste was es nämlich in meinen Augen gibt ist am PC zu sitzen und gleichzeitig das Handy zu bedienen zu müssen.
    Aber naja, ich kann im Privatbereich schlecht irgendwem Vorschriften machen, und arrangiere mich immer irgendwie so, dass ich möglichst alle Kanäle gebündelt am Rechner oder aufs Telefon bekomme.

    Wofür ich allerdings überhaupt kein Verständnis habe, sind Firmen oder gar öffentliche Einrichtungen oder generell alle Personen oder Gruppen mit Webauftritt, welche Kontaktmöglichkeiten via Email oder Webformular, Telefon oder oder oder nennen und dann aber eben nicht gewährleisten können, dass sie auch wirklich über alle diese Kanäle erreichbar sind. Das wirkt dann einfach nicht sehr gut organisiert.

    Jedenfalls, für den ‚Privatbereich‘ wäre ein Feld mit „erfolgsversprechender Kommunikationskanal“ wäre wahrscheinlich wirklich von sehr hohem Nutzen, wie ich finde!

  2. ich rufe an, egal welchen Kanal oder was auch immer meine Partnerin/Partner hat…. will die Übersicht behalten …. 🙂

  3. Chats gibts ja schon seit Internetgedenken. Man kanns eigentlich kaum glauben, dass wir uns immer noch selbst Gedanken darüber machen müssen, über welchen Kanal wir das erledigen. Ich will einfach nur kommunizieren, soll sich doch Software drum kümmern, welcher Kanal der beste ist…

  4. Schlimmer noch finde ich, dass „im Gesundheitssektor“ die Institutionen offenbar nur pro Forma einen Mail-Kanal anbieten. Ich habe mit Ärzten und einem Krankenhaus versucht, per Mail zu kommunizieren: keine Antwort! Obwohl sie die Mail-Adresse in ihrem Web-Auftritt angeben!

  5. Die Diversität finde ich einerseits schön und interessant, aber gerade bei gleichartigen Diensten wie Whatsapp, Threema, Telegram eher nervig.
    Bei meinen Nichten und Neffen lerne ich auch immer, was heute so genutzt wird. Ein Neffe hat z.B. kein Facebook mehr, weil in seiner sozialen Gruppe alles nur noch über Whatsapp läuft.
    Kann mir aber auch vorstellen, dass es hier regionale bzw. sozialgruppenbedingte Unterschiede gibt.

  6. Ähm ja, ich muss zugeben, ich gehöre auch zu den Menschen, die ihre Mails nur einmal die Woche abrufen. Und auf Facebook bin ich noch viel seltener. Das meiste mache ich dann schon über Telefon und Whatsapp. Whatsapp hat in meinem Bekanntenkreis auf jeden Fall den Vorteil, dass die Jungen und die Alten das benutzen, so dass man irgendwie alles abdeckt. Trotzdem nutze ich das relativ selten, weil ich diese Spam-Kommunikation nicht mag, gerade bei Facebook hat man soviele Leute, mit denen man kaum was zu tun hat, die ihr halbes Leben irgendwie mitteilen.
    Frage – Antwort – fertig ist dann bei den meisten für mich genug 🙂

  7. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass ein Feld im Adressbuch in den meisten Fällen den idealen Kanal gar nicht repräsentieren kann und es, zumindest für mich, zusätzliche Prioritäten gibt, die mit dem Inhalt zusammenhängen. Gibt es einen Anhang, dann finde ich andere Kanäle umständlich, weil ich die Anhänge später nicht wiederfinde. Geht es um eine kurze Absprache, die kein Dauer hat (komme später/früher; lass uns mal wieder reden;…), ist Twitter/Facebook/Threema/Whatsapp passend. Tauscht man sich über etwas aus, das eine größere Wichtigkeit hat, bevorzuge ich Kanäle, die das wiederspiegeln.

  8. Pingback: Die kaiserliche Woche // KW 29 | Kaiserinnenreich

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s