Eine wunderschöne Rede

Diese Rede ist schon von allen geteilt worden, aber noch nicht von mir!

(Und auf Facebook hab ich auch das Video, kriege es aber irgendwie nicht hier rüber)

Es ist wunderschön, dass heute auch solche Reden gehalten werden! Noch schöner wäre freilich, wenn kluge Frauen wie Carolin Emcke keine Reden mehr halten müssten, in denen sie das Offensichtliche sagen.

Wenn sie Reden halten könnten, die nicht an „die anderen“ gerichtet sind, sondern mit denen sie uns – dich und mich – zum Nachdenken, Umdenken, Hinterfragen bringen könnten.

Erst dann wäre es wirklich auch „unsere“ Welt: Wenn wir bei solchen Reden nicht entweder nur begeistert nicken oder nur verärgert facepalmen müssten. Sondern wenn uns dabei Sachen durch den Kopf gingen wie „So habe ich das noch nie gesehen“, „da muss ich mal drüber nachdenken“ oder „ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie da recht hat“.

(Das wäre jedenfalls so ungefähr meine Vorstellung vom Paradies).

Update: Im Anschluss stellte sich mir noch eine Idee im Kopf ein: These (noch unausgegoren): Man kann von einer anderen Person nur entweder angesprochen oder repräsentiert werden, beides zusammen geht nicht. Oder?

4 Gedanken zu „Eine wunderschöne Rede

  1. Ich freue mich ungemein, dass Carolin Emcke diesen Preis bekommen hat. Das Besondere an ihr scheint mir ihre Nahbarkeit.
    Zum „Nachdenken, Umdenken, Hinterfragen“ wird uns sicher ihr neues Buch „Gegen dem Hass“ bringen, das ich mir gestern gleich auf der Buchmesse gekauft habe.

  2. Zu diesem Buch gibt es, wie ich finde, eine sehr kluge Rezension von Adam Soboczynski (http://www.zeit.de/2016/44/carolin-emcke-friedenspreis-des-deutschen-buchhandels). Darin kritisiert Soboczynski, dass Emcke bei aller Begeisterung für die Vielfalt in ihrer Analyse die soziale Frage weitgehend ausblendet. Von daher kennt auch ihre Bereitschaft zur Empathie, zur Einfühlung in die (sozial) Fremden offenbar Grenzen. Das wiederum dürfte nicht zuletzt ihrer eigenen Gehobene-Mittelstands-Herkunft geschuldet sein, mit Studium in London und Harvard und einem Patenonkel Alfred Herrhausen. Natürlich betrifft diese Blickverengung nicht Emcke allein, aber mir hat Soboczynskis Kritik nochmal deutlich gemacht, dass wir bei Vielfalt – gerade auch in den Redaktionen – nicht nur Geschlecht, sexuelle Orientierung, mit oder ohne Migrationshintergrund etc. im Blick haben müssen, sondern eben auch soziale Herkunft.

  3. @Karin – Ich find die Rezension etwas oberlehrerhaft. Carolin Emcke hat sich – so wie ich sie verstanden habe – auch nicht nur von den Pegidas AfDs usw. abgegrenzt, sondern mehr noch von den Martenstein, Fleischhauers usw. Das hätte sie noch etwas genauer betonen können, aber die saßen ja auch da im Publikum. Es ist einfacht nicht wahr, dass das sich für aufgeklärt haltende deutsche Feuilleton Emckes Thesen alles so selbstverständlich teilt.

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