Debatten vorm Facebook-Grab gerettet, Teil 7

Lindt wirbt mit Geschlechterklischees – Das ist soweit nichts Neues, aber das eigentlich Interessante an der Geschichte ist der Gedankengang dahinter: „Sara Thallner, verantwortlich für die Kommunikation von Lindt, erklärt gegenüber ze.tt, dass die Auswahl „geschlechtsstereotypisch unglücklich“ gewesen sei. Sie sagt, dass der Schokoladenhersteller die Verantwortung für die T-Shirt-Designs nicht abschieben wolle. Das Konzept stamme natürlich von ihnen, sei aber keinesfalls bewusst diskriminierend oder sexistisch gemeint. Dass die neuen Kinder-T-Shirts als geschlechtsstereotyp ausgelegt werden könnten, versteht Thallner. „Dies ist allerdings in keinster Weise sexistisch motiviert, denn Lindt & Sprüngli möchte unter keinen Umständen diskriminierende Botschaften auf den Fanartikeln verbreiten. Die Bezeichnung Mädchen oder Junge dient beim jeweiligen T-Shirt, um die unterschiedlichen Schnitte beziehungsweise Passformen kenntlich zu machen.“ (Link zum Artikel) – Ich versuche noch, diese Galaxien zu erforschen. Seid Ihr immer noch der Meinung, das Wort „dumm“ sollte nicht gebraucht werden, um eine bestimmte Art von – ja was – Gedankenlosigkeit? Scheißegalität? Krasse Verantwortungslosigkeit? zu beschreiben? Ich finde diese Art von Leuten schwieriger zu beurteilen als überzeugte Antifeministen. Etwas in mir neigt dazu, sie schlimmer zu finden, auf gewisse Weise.

Campino hält eine Rede bei der Echo-Verleihung – und daraus entsteht ein Facebook-Meme mit dem Zitat, dass „für ihn persönlich“ eine Grenze bei Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit etc. erreicht ssei. Was soll das heißen? Doch nur, dass man das auch gerne anders sehen kann. Verstehe nicht, was an diesem individualisieren Campino-Statement so toll sein soll. Poste das auf Facebook und eine große Debatte beginnt in den Kommentaren.

Und hier noch zwei Ältere, die mir durchgerutscht waren: 

Apropos Erben: Andere streiten darüber, ob man die Erbschaftssteuer erhöhen oder senken soll. Ich schließe mich stattdessen in diesem Postcast einer alten Forderung der europäischen Arbeiterbewegung an und fordere die gänzliche Abschaffung des Erbrechts! Erben gehört verboten! Leider haben die Marxisten diese so praktische und einfache und unmittelbar einleuchtende Idee kaputt gemacht und stattdessen dieses Geschwurbel mit dem Privateigentum an Produktionsmitteln angefangen. Ihr Argument damals (1870): Die Abschaffung des Erbrechts würde ja erst Wirkung zeigen, wenn die reichen Leute sterben, so lange wolle man nicht warten (Echt jetzt, hab ich nicht erfunden).

Apropos Heimat: Ich finde, den Begriff „Heimat“ zu benutzen, ist nicht per se etwas Schlimmes. Zu meinen, Heimat sei nicht wichtig oder zwangsläufig ein reaktionäres Konzept, ist falsch. Ich glaube, es ist auch ein Wahrnehmungsfehler von Menschen, die das Privileg haben, in ihren Heimatsgefühlen normalerweise nicht irritiert zu werden, also z.B. ohne Migrationserfahrung. Was andere als „Heimat“ bezeichnen (womit sie Differenzbewusstsein zeigen) halten diese Heimatverächter_innen einfach für normal. So ähnlich wie Leute, die meinen, Geflüchtete brauchten kein Handy, weil sie selber ja auch keins brauchen.

5 Gedanken zu „Debatten vorm Facebook-Grab gerettet, Teil 7

  1. Wahrscheinlich gibt es viele Kunden, die gerne geschlechterstereotype Kleidung kaufen wollen und wenige, die geschlechtsneutrale Kleidung kaufen wollen, bzw. solche, die sich dem undoing-Gender verschrieben hat.

    Es kann ja jeder kaufen was er will und produzieren was er will. Wäre die Nachfrage entsprechend, ließe sich sicher ein prima Geschäft machen. Offenbar ist die Resonanz im politischen Raum sehr viel höher, als an den Ladenkassen.

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  2. Also wie jetzt? Sind (junge) Frauen und Mädchen jetzt so hilflose und dumme Hascherl, dass sie sich selbst von noch so plumpen Marketingscheiß in die Kleinmädchenecke drängen lassen und davor beschützt werden müssen? Oder sind sie taffe und selbstbewusste Menschen, die eigenverantwortlich entscheiden können und einfach anziehen, was ihnen persönlich in den Kram passt?

    Meine 15jährige Tochter kommt damit jedenfalls prima klar. Die trägt meist schwarz und macht Kampfsport, zeigt aber trotzdem auch selbstbewusst ihre Weiblichkeit. Mit Schminke, langen Haaren und sexy Unterwäsche.

    Und bevor jemand blöd fragt: Ich kümmere mich selbstverständlich auch regelmäßig um die Wäsche und weiß daher auch, was der Rest der Familie im Kleiderschrank liegen hat.

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  3. @rano64 – Es geht nicht darum, ob Frauen und Mädchen sich gegen so einen Scheiß wehren können, sondern dass wir so einen Scheiß nicht mehr haben wollen, selbst wenn wir uns wehren können. Verstehst du den Unterschied?

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  4. Privateigentum: Wenn man das Eigenheim nicht vererben darf, hört man mit 60 zu renovieren auf. Dann hat der Staat die Bruchbuden am Hals.

    Das Problem bei solchen Utopien ist halt, dass es den Armen nicht automatisch besser geht, wenn man den Wohlhabenden was wegnimmt. Aber vielleicht stört das im feministischen Kontext gar nicht weiter, falls eine dem weiblichen Champignon-Prinzip anhängt, d.h., anderen soll es auch nicht besser gehen als einer selbst.

    (Wem das eher nicht reichen wird: Den armen Wählern des ANC, die sich von einer Enteignung der weißen Farmer viel mehr erhoffen, als ggf. am Ende für sie rausspringen wird.)

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  5. ich möchte auf den Twitter-Beitrag bezug nehmen zum Thema Onanieren/Nicht-onanieren. Da ich kein Twitter habe, hoffe ich es ist ok, wenn ich hier einen Beitrag dazu schreibe „Debatten vor dem Twitter-Grab“ gerettet

    Ich habe auch immer mal „Absitinenz-Phasen“ eingelegt und war in einem Forum aktiv und diese ganzen Artikel gehen völlig am Kern vorbei. Das Hauptproblem ist die schiere MENGE an Pornografie durch das Internet, was Reizüberflutung, Abstumpfung und letztlich Apathie führt.
    Das ist, anders als behauptet, nicht wissenschaftlich untersucht und die Behauptung irgendwelcher Ärzte, dass es keinen Unterschied mache, haben folglich gar keine Grundlage. Die Theorie ist übrigens gar nicht, dass Onanieren/nicht onanieren den Hormonspiegel verändert (auch wenn manche in der Community das glauben), sondern dass massenhafte Pornografie die Rezeption von Hormonen verändert, genauer gesagt von Dopamin und es gibt zunehmend Studien, die diesen Zusammenhang zumindest plausibel erscheinen lassen.

    Auch der Verweis auf Maskulisten ist ziemlich schwach. Einziges Argument ist „ein Sexist war mal gegen das Onanieren, also sind auch alle anderen, die nicht onanieren wollen, Sexisten.“ Tatsächlich geht es im Kern darum, dass v. a. Männer ganz real die Erfahrung machen, dass es ihnen durch den Verzicht psychisch und physisch besser geht. Ich finde es problematisch, diese Erfahrungen nicht als Erfahrung ernst zu nehmen, sondern gleich irgendwie kulturell oder politisch einordnen zu wollen. Politische Beiträge in irgendwelche Richtungen sind im Promille-Bereich auf den Seiten, auf denen ich war. Es gibt vereinzelt Versuche von Red-Pillern, das Anliegen zu kapern, aber diese treffen auf praktisch keinerlei Resonanz und deren Beiträge haben schlechte Bewertungen.

    Ich verstehe nicht, wieso etwas so harmloses, bei dem es nur um Männer, ihre Selbstfürsorge und ihren eigenen Körper geht, gleich wieder in die Maskulisten-Ecke geschoben werden muss. Wenn es mal um Frauen geht, dann meistens in der Hinsicht, dass Mann besser bei ihnen ankomme, weil man sie nicht mehr als Objekt betrachte, wie es Pornografie vermittle. Ein Punkt, der von vielen Feminstinnen geteilt wird und wofür NoFap
    von Maskulisten und MGTOWs scharf kritisiert wird. Ein Aspekt, den alle Ihre Berichte verschweigen. Ich habe insgesamt den Eindruck, dass Sie nicht ein mal selbst auf so einer Seite waren, sondern nur (schlechte) Berichte darüber gelesen haben.

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