Muss die Frauenbewegung zum Friseur?

Das Thema Frauenbewegung boomt ja nach wie vor auf allen Kanälen. Auf den vielen Seiten, die zum Beispiel die taz zum Internationalen Frauentag am 8. März dem Thema gewidmet hat, fand ich gleichwohl nicht viel Inspirierendes. Zum Beispiel ärgert es mich, wenn immer wieder behauptet wird, die Frauenbewegung sei tot und hätte – so schreibt es Heide Oestreich in ihrem Leitartikel – nur in den „akademischen Gefilden der Gender-Studies“ überlebt. Also ich mache andere Erfahrungen. Ziemlich problematisch finde ich auch, wenn Forderungen nach mehr Krippenplätzen und besseren Berufschancen neuerdings immer mit den Anforderungen „der Wirtschaft“ und ihrem Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften gerechtfertigt werden. Ist das ein Argument? Und last not least kann ich auch nicht mehr hören, dass die Frauenbewegung ein neues Image braucht – „den Kaftan ausziehen und zum Friseur gehen“ soll sie, meint etwa die Journalistin Susanne Klinger, die auch grade an einem Feminismus-Buch schreibt. Um dies und mehr und was davon zu halten ist wird es auch

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Neues Internetforum für Philosophie und Politik

Zum neuen Jahr haben wir im Internet ein neues Forum für Philosophie und Politik gestartet: „Beziehungsweise weiterdenken“ ist der Titel, http://www.bzw-weiterdenken.de/ die Internetadresse. Wir wollen hier feministische Denkrichtungen und Initiativen ins – gerne auch kontroverse – Gespräch bringen. Eine festgelegte inhaltliche Ausrichtung gibt es nicht, und kann es ja auch nicht geben, wenn freies Denken möglich sein soll. Trotzdem ist die Seite nicht beliebig. Wir organisieren uns über die Beziehung, das heißt, es arbeiten Frauen mit (in der Redaktion sind wir derzeit zu siebt, aber demnächst kommen wahrscheinlich noch drei oder vier dazu), die sich persönlich kennen und schätzen und einander vertrauen. Und auf diese Weise soll der Kreis wachsen, aber nicht uferlos, sondern eben gegründet auf Beziehungen (was ja eine alte Praxis der Frauenbewegung ist). Die Initiative zu dem Projekt ging von Christel Göttert aus (der Verlegerin), mit dabei ist zum Beispiel auch Dorothee Markert (die Autorin). Für die Startausgabe haben wir Autorinnen angefragt, die wir für ihr originelles

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Zwangsheirat und Liebesehen

Ich empfehle wärmstens die Autobiografie von Ayaan Hirsi Ali „Mein Leben, meine Freiheit“ (mehr). Bei der Lektüre ist mir klar geworden, was hierzulande an der Diskussion über Zwangsheirat (im Islam und andersw0) schief läuft: Die muslimischen Frauen, die wie Hirsi Ali gegen diese Praxis protestieren und sich wehren, tun das aus Liebe zur Freiheit. Statt in einer patriarchalen Ehe zu versauern wollen sie hinaus in die Welt: reisen, studieren, Politikerin werden. Ihr Protest trifft aber im Westen auf eine Kultur, die es immer noch, trotz aller Emanzipation, als höchste Lebensaufgabe einer Frau ansieht, den richtigen Mann fürs Leben zu finden. Den einen, der ihr Sinn und Halt und wasweissich geben soll – ein Blick in die nächstbeste Frauenzeitschrift reicht, um diese These zu belegen. Die Vorstellung, zwangsweise mit einem Mann verheiratet zu werden, den sie nicht liebt, erscheint da natürlich nicht nur als Unterdrückung, sondern als Horror, weil er dem weiblichen Wesen diametral entgegen gesetzt, das die Liebe zum (richtigen)

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Selbst Philip K. Dick konnte sich das nicht vorstellen…

Eben las ich die Kurzgeschichte „Gewisse Lebensformen“ des genialen Science-Fiction-Autors Philip K. Dick – und musste wirklich schmunzeln. Diese Geschichte hat er 1953 geschrieben und sie ist in vielerlei Hinsicht visionär: Es gibt darin selbstregulierende Wärmesysteme in Häusern, so eine Art Internet, schlüssellose Türen mit biometrischer Personenerkennung und dergleichen mehr. Die Erde führt Kriege gegen alle möglichen Planeten, das heißt: Das Ganze spielt sehr weit in der Zukunft. Die Erde hat sich total verändert. Nur eine Veränderung konnte sich Dick damals noch überhaupt nicht vorstellen – dass Frauen Soldatinnen sein könnten. Das ist für ihn das Absurdeste überhaupt. Kein Vorwurf an Philip K. Dick. Wahrscheinlich war dieser Gedanke in den Fünfzigern eben genau das, absurd. Aber es zeigt eben doch, wie schnell sich die Realität ändern kann. Wir müssen es nur machen.

Evas Irrtümer

So, jetzt habe ich es gelesen, das Werk, das seit Wochen schon für Stürme im medialen Wasserglas sorgt. Es ist ein bisschen schwierig, ein Buch zu bewerten, über das man schon vor Erscheinen so viel Kritik und Häme gelesen hat. Und in der Tat ist das Pseudo-Skandal-Pamphletchen der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin Eva Herman ziemlich daneben. Eigentlich halte ich es gerne so, dass ich schlechte und nicht lesenswerte Bücher lieber gar nicht rezensiere, denn jede Rezension, auch ein Verriss, lenkt ja doch die Aufmerksamkeit darauf. Aber in diesem Fall mache ich mal eine Ausnahme. Und zwar deshalb, weil mir in dem ganzen Medienrummel ein paar ganz entscheidende Aspekte fehlen. Hier also, kurz gefasst, meine Übersicht über „Evas Irrtümer“: http://www.antjeschrupp.de/rez_herman_das_eva-prinzip.htm

Freiheit und Gerechtigkeit

Zur Zeit gibt es eine merkwürdige Diskussion: Die CDU, heißt, setze auf Freiheit, die SPD hingegen auf Gerechtigkeit. Komische Alternative. Wenn man die Wahl zwischen beidem hat, wird sich doch wohl jeder vernünftige Mensch für die Freiheit entscheiden, oder ? Naja, den meisten scheint das nicht so eindeutig zu sein, wie mir. Sie ist leider ziemlich heruntergekommen, die Freiheit. Kein Wunder, wenn ausgerechnet die Partei, die nichts so sehr fürchtet, wie freie Menschen – also solche, die vom vorgegeben Pfad deutscher Spießbürgerlichkeit (heute: Leitkultur) abweichen – sich als letzte Verfechterin der Freiheit aufführen kann. Von der SPD ist da nichts zu hoffen – wie alle staatstragenden Linken seit Marx opfert sie gerne die Freiheit, um dann durchzusetzen, was sei für gerecht hält. Aber leider ist sie damit nur Sprachrohr von vielen Leuten, die mit ihrer Freiheit eben auch gar nix anzufangen wissen und denen sie auch völlig egal ist. So erklärt sich auch die Sehnsucht zurück nach DDR-Zeiten: Ist ja

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Hausarbeit verschwunden!

Eine neue Studie hat ergeben, dass Frauen heute 5 Stunden pro Woche weniger Hausarbeit machen als noch 1992, Männer hingegen nur 4 Minuten mehr. Fragt sich also: Was ist mit all der Arbeit passiert? Bei etwa 20 Mio erwachsenen Frauen in Deutschland wären in den letzten 14 Jahren schließlich sage und schreibe 100 Mio Hausarbeitsstunden in der Woche einfach verschwunden. Ein Teil davon ist sicher „outgesourct“ worden, an bezahlte Putzfrauen zum Beispiel. Ein anderer Teil wurde vermutlich wegrationalisiert: Mehr Unterhosen als früher landen wohl ungebügelt in der Schublade, und in den Ecken wird nur noch 2x im Jahr geputzt. Andererseits war die überpenibel-adrette Hausfrau mit Kittelschürze auch 1992 schon passé. Wenn der Trend so weitergeht – und dafür spricht vieles, wenn ich mich selbst so anschaue – müssen wir uns vielleicht irgenwann Gedanken um die Qualitätssicherung machen. Oder kommt doch irgendwann das Essen aus der Tube? http://www.taz.de/pt/2006/07/25/a0079.1/text.ges,1

Coca Cola – Zero Gehirn

Coca Cola will jetzt auch die Jungs vom kalorienfreien Trinken überzeugen: „Zero Zucker“ soll das neue Gebräu enthalten (was ja nix neues ist, seit es Cola light gibt). Interessant ist hingegen die Kampagne, die zur Zeit überall plakatiert ist und die geheimsten Wünsche junger Männer ausspricht: Eine Freundin mit Zero „Wir müssen reden“ nämlich. Eine Freundin, die reden will, als Horrorvision? Das lässt ja tief blicken. Mein Eindruck: Zero Gehirn bei den Kampagnenmachern. Den Mädels kann man da nur empfehlen, auf Bionade umzusteigen. Das liegt sowieso im Trend und ist allemal besser, als auf’s reden zu verzichten.

Grundeinkommen ohne Frauen?

Vorgestern (am 14. Juli) gab es in Frankfurt eine gute und interessante Veranstaltung zum Grundeinkommen, u.a. mit Götz Werner und Philip van Parijs. Aber es war leider wieder ein Abend ganz ohne Frauen – nicht nur auf dem Podium, sondern auch bei den Wortmeldungen aus dem Publikum sprachen fast nur Männer. Es ist ein ähnliches Phänomen wie das, was ich im letzten Post über den Männerrat der Religionen geschrieben habe. Irgendwie verstehen diese politisch agilen und durchaus klugen und innovativen Männer nicht, warum sie mit Frauen reden sollten. Ich bin etwas ratlos, wie ihnen das verständlich machen. So hatte ich z.B. am Freitag auch gar keine Lust, mich zu Wort zu melden. Aber dass das Grundeinkommen, obwohl so logisch und einsichtig, politisch fast nicht umsetzbar erscheint, hängt sicher auch damit zusammen, dass viele Frauen dieser Idee leider skeptisch gegenüberstehen, und zwar aus anderen Gründen als Männer, die das Grundeinkommen ablehnen. Aber da niemand mit ihnen redet…Grundeinkommen im TV unter: http://www.grundeinkommen.tv/Mehr

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