Lesbischer Iranerin droht Abschiebung

Diese Nachricht habe ich eben von einer Freundin bekommen. Ein Berliner Gericht hat die Abschiebung einer 31jährigen lesbischen Iranerin beschlossen, obwohl diese von einem iranischen Gericht in Abwesenheit aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zum Tode verurteilt worden ist. Das deutsche Gericht beruft sich bei ihrer Entscheidung auf ein Gespräch mit Beamten des deutschen Außenministeriums mit der im Iran lebenden Mutter der Betroffenen, die aus Angst abgestritten hat, dass ihre Tochter lesbisch sei. Mit der Ignoranz gegenüber dem von den Anwälten nachgewiesenen Todesurteil macht sich die deutsche Gerichtsbarkeit der Beihilfe zum Mord schuldig. Das Strafrecht der Islamischen Republik Iran ist eindeutig. Nach § 110 steht auf homosexuelle Handlungen die Todesstrafe. Auf explizit lesbische Handlungen 100 Peitschenhiebe. Nach der vierten Verurteilung ebenfalls die Todesstrafe. Die Tötungsart steht im Ermessen des religiösen Richters. Bei Jasmin wurde der Tod durch Steinigungbeschlossen. Unter Präsident Ahmadinejad hat der Tugendterror drastisch zugenommen. Im Mai hatte die iranische Sittenpolizei in Teheran über 1000 Männer festgenommen, die im Verdacht des

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Ich will nicht die schönsten Sachen haben, sondern schöne!

Im Sommer war ich Wandern, unter anderem in Norditalien, und in unserer Ferienwohnung gab es einen Wanderführer mit dem Titel „Die 30 schönsten Wanderungen im Piemont“. Nun halte ich ja schön länger immer mal wieder Vorträge zum Thema Konkurrenz und war also gleich skeptisch: Vielleicht eignet sich der Piemont ja gar nicht zum Wandern und selbst die schönste Route führt nur über staubigen Dreck? Weil es hier überhaupt keine wirklich schönen Wanderstrecken gibt? Zum Glück war es so nicht. Aber trotzdem muss ich das mal klarstellen: Ich will nicht die schönsten Sachen haben, sondern schöne! Um solche und weitere Gedanken zum Thema Konkurrenz, speziell auch Konkurrenz unter Frauen, geht es am Dienstag, 18. September, bei einem Vortrag bei der „Initiative Frauen, Leben und Arbeit in Mittelhessen“ e.V., Altes Schloss, Brandplatz 2 (Netanya-Saal), 19 Uhr – vielleicht sieht man sich! Einen älteren Vortrag zum Thema könnt Ihr hier nachlesen: http://www.antjeschrupp.de/konkurrenz.htm.

Die sexuelle Differenz im Nebel

Ist euch auch schon aufgefallen, dass der „Krieg der Geschlechter“ inzwischen auf eine ziemlich schädliche Weise in der Welt herumwabert? Ich hab da mal das Bedürfnis, im Namen des Feminismus zu protestieren! Über die Frage, wie die Beziehungen zwischen Frauen und Männern gestaltet werden können, diskutieren wir auch seit einiger Zeit im Internetforum http://www.bzw-weiterdenken.de/. Und in der aktuellen Ausgabe der Zeitung „Via Dogana“ des Mailänder Frauenbuchladens hat Traudel Sattler die Anregungen von Dorothee Markert aufgegriffen und kritisch weitergedacht. Was mich wiederum zu einem Artikel angeregt hat, in dem ich argumentiere, dass es bei all dem nicht um eine Frage von Schuld und Moral geht, sondern dass ein bewusst geführter „interkultureller Dialog“ der Geschlechter vielmehr eine Notwendigkeit ist, wenn die Rede von der weiblichen Differenz heute einen Sinn haben soll. Den Artikel mit der Überschrift „Die sexuelle Differenz im Nebel“ findet Ihr hier: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-2-81.htm

Der schwierige Umgang mit dem Bösen – und mögliche Wege des Guten

Dem Bösen etwas entgegen zu setzen, ist schwierig. Denn die Gefahr ist groß – das zeigt die Geschichte wie auch die gegenwärtige Politik – im Widerstand oder beim Kampf gegen das Böse selbst zu problematischen Mitteln zu greifen. Feministische Philosophinnen haben vorgeschlagen, das Böse nicht zu bekriegen, sondern ihm auf andere Weise zu begegnen: Verfluchen, Klagen, Beten, Weggehen sind einige Möglichkeiten. Was heißt das konkret im Hinblick auf den Alltag und auf ethische Anliegen? Und welche Möglichkeiten gibt es, das das Gute zu tun – wenn sich das Gute nicht negativ vom Bösen herleiten lässt? Zu diesem Thema gibt es am Mittwoch, 22. August, um 19 Uhr eine Diskussion im Evangelischen Frauenbegegnungszentrum in Frankfurt am Main (Saalgasse 15). Grundlage ist ein Vortrag, den ich vor einiger Zeit schon einmal gehalten habe, und den Ihr hier nachlesen könnt: http://www.antjeschrupp.de/das_boese.htm. Interessant dazu ist auch Hannah Arendts Abhandlung „Über das Böse“, die ich für die FR rezensiert habe: http://www.antjeschrupp.de/rez_arendt_das_boese.htm

Einige Fragen zu Schwarzers Antwort

Ja, was ist das für ein Gefühl, wenn der Feminismus so richtig „mitten in der Gesellschaft“ angekommen ist? So sehr, dass er dich an jeder Straßenecke vom Plakat herunter anlächelt: Da, eine von uns, in einer Reihe mit Ghandi und Galileo und Martin Luther King? Die eine, die so mutig gewesen ist, die Wahrheit zu sagen, während wir alle – ja, was eigentlich in den letzten dreißig Jahren gemacht haben? Kompromisse mit der Männergesellschaft? Nun, die Frage nach der Aufrichtigkeit des eigenen Handelns muss jede mit sich selbst und mit ihren Freundinnen ausmachen. Ich finde, die aktuelle Werbekampagne von Alice Schwarzer für die Bildzeitung sollte kein Anlass für moralische Tugendappelle sein, sondern für eine politische Analyse: Noch nie war es so augenfällig, im wahrsten Sinne des Wortes, dass der Gleichheitsfeminismus die Assimilation der Frauen an eine historisch männliche Kultur nicht nur zum Ziel hat, sondern dieses Ziel auch weitgehend erreicht hat. Und was kommt jetzt? „Die Antwort“ hat Alice Schwarzer

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Die 17er-Beziehung

Neulich las ich in der bunten Presse eine Notiz, über die ich schmunzeln musste: Ein Mann aus Saudi-Arabien hielt um die Hand einer Frau an, einer Lehrerin – die jedoch wollte nur unter der Bedingung in die Ehe einwilligen, dass er gleichzeitig auch ihre beiden liebsten Kolleginnen und Freundinnen heiratet. Ich weiß natürlich nicht, ob das stimmt oder nur eine Ente war, aber die Idee erinnerte mich irgendwie an die Zeiten in meiner eigenen Jugend, als wir die 17-er-Beziehung propagierten. Wo sind sie eigentlich hin, die Zeiten, in denen wir noch in Frage stellten, dass das zweisame, monogame Paar die einzig mögliche verlässliche Beziehungsform ist? Müssen uns hier nun schon die Saudi-Arabierinnen auf die Sprünge helfen?

Paris Hilton und der Zustand der Heldinnen

Fast kein Tag vergeht, wo mir nicht beim Aufpoppen der aol-Startseite die neuesten Neuigkeiten von Paris Hilton ins Auge springen. Und ich bin etwas ratlos. Früher haben wir doch mal Heldinnen verehrt, weil sie stark waren, weil sie sich was getraut haben, das wir uns niemals getraut hätten, weil sie sich ins Getümmel stürzten, wo wir uns lieber im Bett verkrochen hätten. Die für ihre Ideale sogar bereit waren, in den Knast zu gehen, wenn’s sein musste. Und jetzt diese Faszination und diese Anteilnahme für eine Frau, deren geballte Ladung Dummheit und Wehleidigkeit jedenfalls mein Vorstellungsvermögen übersteigt. Sind das die Heldinnen von heute? Warum nur?

„Elternzeit“ ist „Mütterzeit“

Eine Super-Jubelmeldung war dass heute: Seit Einführung des „Elterngeldes“ hat sich die Zahl der Väter, die „Elternzeit“ nehmen, verdoppelt, meldet das Statistische Bundesamt – von 3,5 auf sagenhafte 7 Prozent! Und von diesen wunderbaren 7 Prozent nimmt die Hälfte nur die zwei „Vätermonate“ in Anspruch. Ich finde, wir sollten aus diesen Zahlen nun endlich die Konsequenz ziehen, und das „Elterngeld“ als das benennen, was es ist: „Müttergeld“. Denn der geschlechtsneutralisierende Neusprech verschleiert die Realität mehr, als er sie erhellt.