Verschiedene Vorstellungen von politischer Praxis

Ich möchte euch auf einen neuen Text im Internet hinweisen – es ist die Übersetzung eines Textes der italienischen Diotima-Philosophin Chiara Zamboni ins Deutsche. Darin zeigt Zamboni an Beispielen, was in der italienischen Frauenbewegung unter einer Praxis verstanden wird. Sie kontrastiert dies mit dem Praxisverständnis angloamerikanischer feministischer Denkerinnen, die stark durch Foucault beeinflusst wurden. http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-3-55.htm

„Sex Wars“ – neuer Roman von Marge Piercy

Die amerikanische Science-Fiction-Autorin Marge Piercy, die sich eigentlich mit der fernen Zukunft beschäftigt, entdeckt in ihrem neuen Buch „Sex Wars“ die Vergangenheit als Gefilde „unbekannter Welten“. Und tatsächlich sieht es so aus, als sei der „Krieg der Geschlechter“ (oder auch der um die Sexualität – im Englischen ist das ja schön zweideutig) mindestens so spannend wie der „Krieg der Sterne“, auf den der Titel anspielt. Eine entscheidende Rolle spielt in der Geschichte Victoria Woodhull – sie ist neben der Frauenrechtlerin Elizabeth Cady-Stanton und dem puritanischen Kämpfer gegen sexuelle Freiheit, Anthony Comstock, eine der drei Hauptfiguren, die die Rahmenhandlung zu der Geschichte einer russisch-jüdischen Einwanderin im New York des 19. Jahrhunderts abgeben. Ich habe bisher erst ein paar Kapitel geschafft – aber die lasen sich sehr viel versprechend! In diesem März bin auch ich viel in Sachen Victoria unterwegs. Zum Beispiel noch am Mittwoch, 21. März, um 20 Uhr in Steyr/Österreich, im Kulturzentrum, Färbergasse 5. Für alle, die nachlesen wollen, gibt

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Muss die Frauenbewegung zum Friseur?

Das Thema Frauenbewegung boomt ja nach wie vor auf allen Kanälen. Auf den vielen Seiten, die zum Beispiel die taz zum Internationalen Frauentag am 8. März dem Thema gewidmet hat, fand ich gleichwohl nicht viel Inspirierendes. Zum Beispiel ärgert es mich, wenn immer wieder behauptet wird, die Frauenbewegung sei tot und hätte – so schreibt es Heide Oestreich in ihrem Leitartikel – nur in den „akademischen Gefilden der Gender-Studies“ überlebt. Also ich mache andere Erfahrungen. Ziemlich problematisch finde ich auch, wenn Forderungen nach mehr Krippenplätzen und besseren Berufschancen neuerdings immer mit den Anforderungen „der Wirtschaft“ und ihrem Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften gerechtfertigt werden. Ist das ein Argument? Und last not least kann ich auch nicht mehr hören, dass die Frauenbewegung ein neues Image braucht – „den Kaftan ausziehen und zum Friseur gehen“ soll sie, meint etwa die Journalistin Susanne Klinger, die auch grade an einem Feminismus-Buch schreibt. Um dies und mehr und was davon zu halten ist wird es auch

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Neues Internetforum für Philosophie und Politik

Zum neuen Jahr haben wir im Internet ein neues Forum für Philosophie und Politik gestartet: „Beziehungsweise weiterdenken“ ist der Titel, http://www.bzw-weiterdenken.de/ die Internetadresse. Wir wollen hier feministische Denkrichtungen und Initiativen ins – gerne auch kontroverse – Gespräch bringen. Eine festgelegte inhaltliche Ausrichtung gibt es nicht, und kann es ja auch nicht geben, wenn freies Denken möglich sein soll. Trotzdem ist die Seite nicht beliebig. Wir organisieren uns über die Beziehung, das heißt, es arbeiten Frauen mit (in der Redaktion sind wir derzeit zu siebt, aber demnächst kommen wahrscheinlich noch drei oder vier dazu), die sich persönlich kennen und schätzen und einander vertrauen. Und auf diese Weise soll der Kreis wachsen, aber nicht uferlos, sondern eben gegründet auf Beziehungen (was ja eine alte Praxis der Frauenbewegung ist). Die Initiative zu dem Projekt ging von Christel Göttert aus (der Verlegerin), mit dabei ist zum Beispiel auch Dorothee Markert (die Autorin). Für die Startausgabe haben wir Autorinnen angefragt, die wir für ihr originelles

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Zwangsheirat und Liebesehen

Ich empfehle wärmstens die Autobiografie von Ayaan Hirsi Ali „Mein Leben, meine Freiheit“ (mehr). Bei der Lektüre ist mir klar geworden, was hierzulande an der Diskussion über Zwangsheirat (im Islam und andersw0) schief läuft: Die muslimischen Frauen, die wie Hirsi Ali gegen diese Praxis protestieren und sich wehren, tun das aus Liebe zur Freiheit. Statt in einer patriarchalen Ehe zu versauern wollen sie hinaus in die Welt: reisen, studieren, Politikerin werden. Ihr Protest trifft aber im Westen auf eine Kultur, die es immer noch, trotz aller Emanzipation, als höchste Lebensaufgabe einer Frau ansieht, den richtigen Mann fürs Leben zu finden. Den einen, der ihr Sinn und Halt und wasweissich geben soll – ein Blick in die nächstbeste Frauenzeitschrift reicht, um diese These zu belegen. Die Vorstellung, zwangsweise mit einem Mann verheiratet zu werden, den sie nicht liebt, erscheint da natürlich nicht nur als Unterdrückung, sondern als Horror, weil er dem weiblichen Wesen diametral entgegen gesetzt, das die Liebe zum (richtigen)

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Selbst Philip K. Dick konnte sich das nicht vorstellen…

Eben las ich die Kurzgeschichte „Gewisse Lebensformen“ des genialen Science-Fiction-Autors Philip K. Dick – und musste wirklich schmunzeln. Diese Geschichte hat er 1953 geschrieben und sie ist in vielerlei Hinsicht visionär: Es gibt darin selbstregulierende Wärmesysteme in Häusern, so eine Art Internet, schlüssellose Türen mit biometrischer Personenerkennung und dergleichen mehr. Die Erde führt Kriege gegen alle möglichen Planeten, das heißt: Das Ganze spielt sehr weit in der Zukunft. Die Erde hat sich total verändert. Nur eine Veränderung konnte sich Dick damals noch überhaupt nicht vorstellen – dass Frauen Soldatinnen sein könnten. Das ist für ihn das Absurdeste überhaupt. Kein Vorwurf an Philip K. Dick. Wahrscheinlich war dieser Gedanke in den Fünfzigern eben genau das, absurd. Aber es zeigt eben doch, wie schnell sich die Realität ändern kann. Wir müssen es nur machen.

Evas Irrtümer

So, jetzt habe ich es gelesen, das Werk, das seit Wochen schon für Stürme im medialen Wasserglas sorgt. Es ist ein bisschen schwierig, ein Buch zu bewerten, über das man schon vor Erscheinen so viel Kritik und Häme gelesen hat. Und in der Tat ist das Pseudo-Skandal-Pamphletchen der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin Eva Herman ziemlich daneben. Eigentlich halte ich es gerne so, dass ich schlechte und nicht lesenswerte Bücher lieber gar nicht rezensiere, denn jede Rezension, auch ein Verriss, lenkt ja doch die Aufmerksamkeit darauf. Aber in diesem Fall mache ich mal eine Ausnahme. Und zwar deshalb, weil mir in dem ganzen Medienrummel ein paar ganz entscheidende Aspekte fehlen. Hier also, kurz gefasst, meine Übersicht über „Evas Irrtümer“: http://www.antjeschrupp.de/rez_herman_das_eva-prinzip.htm

Freiheit und Gerechtigkeit

Zur Zeit gibt es eine merkwürdige Diskussion: Die CDU, heißt, setze auf Freiheit, die SPD hingegen auf Gerechtigkeit. Komische Alternative. Wenn man die Wahl zwischen beidem hat, wird sich doch wohl jeder vernünftige Mensch für die Freiheit entscheiden, oder ? Naja, den meisten scheint das nicht so eindeutig zu sein, wie mir. Sie ist leider ziemlich heruntergekommen, die Freiheit. Kein Wunder, wenn ausgerechnet die Partei, die nichts so sehr fürchtet, wie freie Menschen – also solche, die vom vorgegeben Pfad deutscher Spießbürgerlichkeit (heute: Leitkultur) abweichen – sich als letzte Verfechterin der Freiheit aufführen kann. Von der SPD ist da nichts zu hoffen – wie alle staatstragenden Linken seit Marx opfert sie gerne die Freiheit, um dann durchzusetzen, was sei für gerecht hält. Aber leider ist sie damit nur Sprachrohr von vielen Leuten, die mit ihrer Freiheit eben auch gar nix anzufangen wissen und denen sie auch völlig egal ist. So erklärt sich auch die Sehnsucht zurück nach DDR-Zeiten: Ist ja

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