Was in „Methusalems Mütter“ fehlt

Bei den Vorbereitungen für anstehende Vorträge über das Älterwerden habe ich ein Zitat von Carolyn Heilbrun wieder gefunden, auf das ich vor einigen Jahren schon einmal gestoßen war, das ich aber in meinem Buch „Methusalems Mütter“ dummerweise gar nicht aufgeführt habe (diese blöde Vergesslichkeit!). Deshalb möchte ich es wenigstens auf diesem Weg noch verbreiten: „Für die meisten Frauen bedeutet das Alter, meist mit Hilfe anderer Frauen, die Ankunft jener Freiheit, die die Männer schon immer hatten, die Frauen dagegen nie, und zwar vor allem die Freiheit, nicht länger die Bedürfnisse der anderen erfüllen zu müssen und nicht länger das Frausein repräsentieren zu müssen. Ich glaube nicht, dass der Tod die Chance haben sollte, uns zu erwischen, wie wir es uns auf unseren Sofas bequem gemacht haben. Wir müssen vielmehr die Sicherheit und die Vorteile, die wir aufgrund unserer Position erreicht haben, nutzen, um Risiken einzugehen, um Krach zu schlagen, um mutig zu sein, um unbequem zu werden. Die alte Frau

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G8 in Heiligendamm

Massenweise Razzien. Ein 12 Kilometer langer Zaun. 16.000 Polizisten. Kostenpunkt: Hundert Millionen Euro Steuergelder. Heiligendamm ist eine Festung. Mir kam grade eine ketzerische Idee: Wie wär’s wenn kein einziger Demonstrant, keine einzige Demonstrantin dort auftauchte? Wenn wir die Bilder verweigern, an denen sie sich in den Redaktionen und zuhause aufgeilen? Wenn wir sagen: Macht euren Scheiß alleine, bei euch ist eh Hopfen und Malz verloren? Mir fällt ein Abschnitt aus dem schönen SciFi-Roman Winterplanet von Ursula K. Le Guin ein: Gegen etwas opponieren, bedeutet, es zu erhalten. Man sagt hier: „Alle Wege führen nach Mishnory“. Doch wenn man Mishnory den Rücken kehrt und es verlässt, ist man ganz eindeutig immer noch auf dem Weg nach Mishnory. Gegen Vulgarität opponieren bedeutet unvermeidlich, selbst vulgär zu sein. Nein, man muss woanders hingehen; man muss sich ein anderes Ziel setzen. Dann beschreitet man einen anderen Weg.“ Lassen wir sie doch mit ihren Ritualen allein. Gehen wir anderswo hin.

Wie wir in Zukunft arbeiten

In der aktuellen Ausgabe von http://www.brandeins.de/ gibt es einen interessanten Artikel über den Trend, Arbeitszeiten nicht mehr zu kontrollieren, sondern es den Angestellten selbst zu überlassen, wann und wo sie arbeiten (mit Mail und Handy kann man das ja von überall aus). „Große Freiheit“ ist der Artikel überschrieben, und natürlich bedeutet es einen Gewinn an Freiheit, wenn ich nicht mehr jeden Tag acht Stunden am Schreibtisch sitzen muss, sondern arbeiten kann, wo und wann ich will. Natürlich muss die Arbeit geschafft werden – Ausreden, warum man was nicht geschafft hat, gelten nicht!Wenn das so kommt (und der Trend dazu ist ja auch hierzulande längst unübersehbar) dann bedeutet das aber eine grundsätzliche Veränderung des Arbeitslebens. Im Prinzip ist es die Einführung der Akkordarbeit im Angestelltenleben. Nur die fittesten werden dann überleben, also die, die ihre Arbeit in relativ kurzer Zeit schaffen. Die Langsameren werden rausgekickt, oder sie müssen eben länger arbeiten, bis sie umfallen. Das heißt, es ist auch ein Programm

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So ein Feminismus reicht nicht!

Gerade habe ich das neue Buch von Silvana Koch-Mehrin gelesen: „Schwestern. Streitschrift für einen neuen Feminismus“. Gut gemeint, aber viel zu kurz gesprungen! Denn Feminismus ist für mich viel mehr, als es den Frauen zu ermöglichen, sich mit voller Kraft in den Dienste der globalisierten Wirtschaft zu stellen. Meine Rezension von Koch-Mehrins Buch findet Ihr unter http://www.antjeschrupp.de/rez_koch-mehrin_schwestern.htm. Auch ein neues Manuskript zum Thema Feminismus steht jetzt online – ein Vortrag zum 10. Jubiläum der Gleichstellungsstelle im Landkreis München: http://www.antjeschrupp.de/gleichstellung_lk_muenchen.htm. Zu all dem gibt es übrigens in nächster Zeit Gelegenheit zum direkten Austausch:– am Dienstag, 24. April, in Unna zum Thema „Frauen zurück an den Herd? Zukunft des Feminismus“ (19.30 Uhr, Kaminraum an der Paul-Gerhardt-Kirche in Unna-Königsborn, Fliederstr. 16),– am Mittwoch, 25. April, in München zum Thema „Was ist weiblich?“ (20 Uhr, Frauenstudien e.V., Baumstraße 8 Rückgebäude)– am Dienstag, 15. Mai, in Villingen zum Thema „Lila Pause? Von wegen! Perspektiven einer Politik für Geschlechtergerechtigkeit“ (19 Uhr, Heinrich Böll-Stiftung, Café im Franziskanermuseum,

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Frauen in Pflegeberufen: Über 90 Prozent

Nach einer aktuellen Statistik (Statistisches Bundesamt Wiesbaden, 3. April 2007) sind in allen pflegenden Berufen Frauen deutlich in der Überzahl. Von den 4,3 Millionen Beschäftigten in Gesundheitsberufen waren 3,1 Millionen Frauen (das sind 72,3 Prozent) – und das, obwohl hier sogar noch die Ärzte und Ärztinnen mitgerechnet sind, die zu 60 Prozent Männer sind. Die meisten Berufe hatten einen Frauenanteil von deutlich über 80 Prozent, etwa 87,7 Prozent in der ambulanten Pflege.

Der Koran feministisch übersetzt

Die US-amerikanische Muslimin Laleh Bakhtiar hat den Koran aus dem Arabischen ins Englische neu übersetzt. Dabei hat sie versucht, patriarchale und frauenfeindliche Interpretationen und Übersetzungstraditionen zu verändern und in einem feministischen Sinne zu übersetztn – ähnlich wie das Bibelprojekt „Bibel in gerechter Sprache„. Zum Beispiel hat sie das berüchtigte Verb „Schlagen“ (in dem Vers, der Männern erlaubt, ihre Frauen zu schlagen) mit „fortgehen“ übersetzt, ähnlich wie es auch schon das Kölner Zentrum für islamische Frauenforschung vorgeschlagen hat. In Deutschland ist die Übersetzung noch nicht verfügbar, aber dich denke, wir dürfen gespannt sein.

Traumatisierungen zwischen Frauen und Männern

Eine spannende Debatte über die Frage, inwiefern der Separatismus bei Teilen der Frauenbewegung und die zuweilen pauschale Kritik an „den Männern“ zu Traumatisierungen im Verhältnis der Geschlechter geführt hat, die mit eine Ursache sein könnten für die ablehnende Haltung vieler gegenüber dem Feminismus, hat Dorothee Markert im Forum „beziehungsweise weiterdenken“ angestoßen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr da mal reinschaut und vielleicht mitdiskutiert – in Form von Leserinnenbriefen, Kommentaren etc. Den Artikel von Dorothee Markert „Traumatisierungen zwischen Frauen und Männern“ findet Ihr unter http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-10-59.htm. Einen Beitrag von mir, der sich auf das Thema bezieht, heißt „Gute Erfahrungen sichtbar machen“ und steht hier: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-2-61.htm

Sex Wars – der neue Roman von Marge Piercy

Marge Piercy hat in ihrem neuen Roman „Sex Wars“ (leider bisher nur auf Englisch) das Leben der Victoria Woodhull fulminant erzählt und verwoben mit der Geschichte der amerikanischen Frauenbewegung (und ihrer Protagonistin Elizabeth Cady-Stanton), dem fanatischen Anti-Sex-Warrior Anthony Comstock und einer (fiktiven) jüdischen Einwanderin, die sich tapfer durch das New York des 19. Jahrhundert schlägt. Ein echter Lesetipp!