Rückschau zum Internationalen Frauentag

Im Jahr 1788 beklagte die Schriftstellerin Olympe de Gouges in einem politischen Essay eine gewisse Haltung, die sie unter den Wissenschaftlern, Handwerkern und Politikern ihrer Zeit beobachtete: Sie würden zunehmend eigennützige Ambitionen verfolgen ohne deren Auswirkungen auf die Gesellschaft allgemein zu berücksichtigen und vor lauter Profitstreben ihren eigenen Platz innerhalb der menschlichen Gemeinschaft nicht mehr verstehen. Kommt uns das irgendwie bekannt vor? De Gouges endete damals ihre Überlegungen mit den Worten: „Wenn ich in dieses Thema noch weiter verfolge, würde ich zu weit gehen und die Feindschaft der Neureichen auf mich ziehen, die, ohne über meine guten Ideen nachzudenken oder meine gute Absichten anzuerkennen mich ohne Mitleid verurteilen würden als eine Frau, die nur Paradoxes anzubieten hat und keine einfachen Lösungen für die Probleme.“ Das kann ich gut nachfühlen. Nach einer feministischen Standortbestimmung gefragt (was jeweils rund um den Internationalen Frauentag am 8. März Konjunktur hat), glaube ich, dass Feministinnen mit gutem Grund keine eindeutigen Lösungen, sondern nur Paradoxien anzbieten

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Persönliche Auseinandersetzungen mit „großen“ Frauen

Im Januar hatte ich euch auf einen Artikel „Sinn und Unsinn historischer Frauenforschung“ hingewiesen, in dem ich die These aufstelle, dass es bei der Beschäftigung mit der Geschichte weniger darum geht, objektive Kriterien von “Größe“ oder „Wichtigkeit“ zu finden, sondern dass die Bedeutung historischer Frauen sich über unser eigenes Begehren erschließt, das sich in eine kritische und differenzierte Auseinandersetzung mit diesen Denkerinnen wagt. Darüber ergab sich unter anderem ein kleiner Mailwechsel mit einem Wikipedia-Autor, und wir stellten fest, dass dort ein ähnliches Prinzip Anwendung findet: Ob eine Person dort einen Eintrag bekommt, hängt ja auch nur davon ab, ob sich jemand findet, dem oder der das wichtig genug ist, um sich die Arbeit zu machen. Er wollte dort einen Artikel über Virginie Barbet einstellen, eine französische Sozialistin, und dafür einen Text von meiner Homepage verwenden. Gerne doch: http://de.wikipedia.org/wiki/Virginie_Barbet. Mein Text über Barbet (der allerdings weitgehend wortgleich ist, jedoch weiterführende Links bietet) steht unter http://www.antjeschrupp.de/barbet.htm Außerdem ist im März im Schwabenverlag

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Kein weiblicher „Messias“ in Sicht

Mit „Messias-Faktor“ hat der Spiegel den gegenwärtigen Höhenflug Barack Obamas im Rennen um die demokratische Präsident/inn/en-Kandidatur treffend umschrieben. Der US-amerikanische Vorwahlkampf ist nämlich für eine feministische Analyse von großer Bedeutung: Die „weiße Frau“ und der“schwarze Mann“ kandidieren für dieselbe Partei, ihre Programme unterscheiden sich praktisch gar nicht voneinander. Aus der drohenden Niederlage Hillary Clintons können wir so einiges über die symbolische Politik der Frauen lernen: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-2-105.htm

Kein weiblicher „Messias“ in Sicht

Mit „Messias-Faktor“ hat der Spiegel den gegenwärtigen Höhenflug Barack Obamas und die drohende Niederlage von Hillary Clinton im Rennen um die demokratische Präsident/inn/en-Kandidatur treffend umschrieben. Jedenfalls können wir daraus einiges über die symbolische Politik der Frauen lernen. Die hat nämlich unter anderem mit dem Problem zu tun, dass es eine weibliche Form von „Messias“ nciht gibt: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-2-105.htm

Paul Verhoeven will Woodhulls Leben weiterhin verfilmen

Regisseur Paul Verhoeven (Basic Instinct) will weiterhin das Leben von Victoria Woodhull verfilmen! In einem Interview mit der Süddeutschen sagt er: „Ich habe das in den USA versucht mit einem Projekt, an dem ich parallel zu „Black Book“ arbeitete, einem Film über Victoria Woodhull, die in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts in New York lebte. Sie war Prostituierte, dann Feministin – und Präsidentschaftskandidatin. Zudem war sie in den größten Sexskandal jener Zeit verwickelt. Die Einzige, die daran Interesse hatte, war Nicole Kidman. Ich werde dieses Projekt weiterverfolgen, auch wenn die Bush-Administration die USA noch puritanischer gemacht hat . . . Vielleicht muss ich auf einen neuen Präsidenten warten, um den Film machen zu können.“ – Na, der nächste Präsident (oder die nächste Präsidentin) kommt ja nun bald. Drücken wir dem Projekt die Daumen…Zum Artikel: http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/372/113259/3/ PS: Am Montag, 4. Februar, war in der Süddeutschen Zeitung ein großer Artikel über Victoria Woodhull. Leider steht er nicht im Netz, aber vielleicht

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Priester und Feministinnen – Artikel von Luisa Muraro

Das Thema Religion und Spiritualität, das Verhältnis von Feministinnen zur Kirche und damit verwandte Fragen haben uns im Forum http://www.bzw-weiterdenken/ in den vergangenen Wochen und Monaten beschäftigt. Da war es ein schöner Zufall (oder war es gar kein Zufall?) dass sich die Dezember-Ausgabe der Zeitung „Via Dogana“ des Mailänder Frauenbuchladens mit dem Thema „Priester und Feministinnen“ beschäftigte. Wir haben daraus den gleichnamigen Artikel von Luisa Muraro ins Deutsche übersetzt, um die Diskussion fortzuführen: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-3-102.htmZur Erinnerung: Die Dokumentation unserer vorausgegangenen Diskussion auf der Redaktionsmailingliste findet Ihr hier: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-8-88.htm

Ausländer sind gesetzestreuer als Deutsche

Zu diesem Thema sagt Frank Robertz, Wiss. Leiter des Instituts für Gewaltpfävention und angewandte Kriminologie in Berlin: „Man sollte sich Folgendes vergegenwärtigen: 30 Prozent der Ausländerkriminalität entsteht durch Touristen oder Durchreisende, weitere 17,5 Prozent sind Verstöße gegen Ausländer- und Asylverfahrensgesetze, die Deutsche gar nicht begehen können. Die Bundeszentrale für politische Bildung weist sogar darauf hin, dass nach Abzug aller statistisch bedingten Unschärfen jene Ausländer, die ständig in Deutschland leben, gesetzestreuer sind als Deutsche in gleicher sozialer Position. Hinzu kommt, dass Gewalt auch ein Phänomen von jungen Männern mit niedrigem Bildungsstand aus benachteiligten Schichten ist. Genau diese Bevölkerungsgruppe findet sich in den ausländischen Bevölkerungsanteilen Deutschlands häufiger. Zudem besteht nachweislich eine höhere Strafanzeigenbereitschaft gegen ausländische Bürger. Es ist also logisch, dass in den Gewaltstatistiken auch viele Ausländer vorkommen, was aber nicht zwingend direkt mit dem jeweiligen Migrationshintergrud zu tun hat“ (Interview in brandeins, Januar 2008).

Brauchen wir „große Frauen“? zum 100. Geburtstag von Simone de Beauvoir

Am 9. Januar ist der 100. Geburtstag von Simone de Beauvoir. Sicher eine der wichtigsten Vordenkerinnen des Feminismus, aber vor allem war sie Philosophin (Mitbegründerin des Existenzialismus) und Schriftstellerin. Ihr freies Leben – ohne Heirat, ohne Kinder, Wohnen im Hotel, verschiedene Liebhaber – hat eine ganze Frauengeneration begeistert. Die Frage ist aber, wie eine weibliche Geschichtsschreibung, eine weibliche Erinnerungskultur aussehen könnte. Brauchen wir „große“ Frauen, so wie die männliche Geschichtsschreibung ihre „großen Männer“ feiert? Sind Frauen in der bisherigen Historie einfach nur „vergessen“ oder gar „unsichtbar gemacht“ worden, oder stellt ihre Abwesenheit aus den traditionellen Geschichtsbüchern vielleicht einen Ausgangspunkt für ein ganz neues Verständnis von Geschichte dar? Über den Sinn und Unsinn historischer Frauenforschung habe ich kürzlich einen Artikel geschrieben: http://www.antjeschrupp.de/grosse_Frauen_artikel.htm Was beim feministischen Erinnern meiner Meinung nach vor allem wichtig ist, ist dass wir die Frauen früherer Zeiten nicht zu „Repräsentantinnen“ ihres Geschlechtes erklären. Genau dieses Schicksal erfuhr nämlich Simone de Beauvoir: Nachdem sie „Das andere Geschlecht“ geschrieben hatte,

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Sexualität und Freiheit

Sexualpolitik ist ein in letzter Zeit ziemlich vernachlässigtes Thema, wie ich finde. Zwar wird in akademischen Kreisen viel darüber geschrieben, dass es eigentlich gar keine Geschlechter gibt, aber in der Realität gibt es sie eben doch. Auf diesem Weg kommen wir nicht wirklich weiter. Außerdem ist dieser Diskurs reichlich westlich-aufgeklärt dominiert. In dem Zusammenhang hat Angelika Hassani einen schönen Artikel darüber, dass „queer“ auch einer der vielen schönen Namen Gottes im Islam ist: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-8-92.htm Und es gibt zwei neue Bücher, die daran erinnern, dass freiheitliche Sexualpolitik eine Geschichte hat. Sie zu lesen ist interessant, aber auch ein bisschen traurig, weil es uns daran erinnert, dass die Geschichte nicht immer hin zu mehr Freiheit verläuft, sondern manches Mal auch rückwärts: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-7-97.htm