Scheinlösung Monogamie

 

Skulptur von Gustav Vigeland in Oslo.

 

Wenn Liebe, Sex und Beziehungen eine logische Angelegenheit wären, dann wäre dieses Buch die Bedienungsanleitung dafür: Mit bestechender Stringenz nimmt Oliver Schott die verbreitete Vorstellung auseinander, dass Exklusivität im Bezug auf Liebesbeziehungen zwischen Zweien eine normale, natürliche, irgendwie sinnvolle Vereinbarung sei. Ergo: Monogamie ist Quatsch.

Ganz neu sind die vorgebrachten Argumente nicht. Hätte ich mit 25 ein Buch geschrieben, hätte wahrscheinlich etwas sehr Ähnliches darin gestanden. Mein erster Freund und ich philosophierten, dass die ideale Beziehung eigentlich die „17-er-Beziehung“ wäre – und nicht nur theoretisch. Sicher, wir waren nicht Mainstream damals, aber auch nicht so außergewöhnlich, wie es heute im Rückblick scheint – das war ja noch vor Aids und vor der „geistig-moralischen Wende“ unter Kanzler Kohl. Die monogame Eingleisigkeit der Diskussionen über „Beziehungen“ ist seither wieder enorm angestiegen, und insofern ist das Buch ein schöner Weckruf, der nostalgische Erinnerungen an frühere, freiere, ungezwungenere Zeiten weckt.

Nur kurz einige der Argumente: Das Konzept der Monogamie, schreibt Schott, sei schon deshalb problematisch, weil in ihm der Sex eine extrem dominante Bedeutung bekommt. Denn „Sex mit anderen“ ist ja die wesentliche Grenzziehung zum „Fremdgehen“, daher muss ständig die Frage gestellt werden, was genau Sex ist. Ist es schon das Umarmen, das Händchen halten oder erst die Penetration? Oder irgendwas dazwischen? Was genau?

Monogamie erfordert ohnehin ständig Definitionen: Was macht eine Beziehung aus? Wo ist die Grenze, die nicht überschritten werden darf? Warum darf ich mit anderen Leuten Kaffee trinken und tiefschürfende Gespräche führen, aber nicht mal ne Runde kuscheln? Wo genau verläuft die Grenze zwischen „Freundschaft“ und „Liebe“? Mit anderen Worten: Monogamie verhindert, dass Beziehungen in ihrer jeweiligen Einzigartigkeit gesehen werden, sie müssen in feste Raster gepresst werden.

Interessant fand ich auch Schotts Kritik an bestimmten Spielarten der „Polyamorie“ – einer neueren Bewegung, die für die Möglichkeit eintritt, Liebesbeziehungen zwischen mehreren zu führen. Schott kritisiert nun, dass auch „Poly-Beziehungen“ meist als exklusiv angelegt sind – nur dass hier eben nicht zwei, sondern mehrere Leute in einer Beziehung sind. Zudem neigten zumindest einige „Polys“ zu einer biologistischen Herleitung ihrer Lebensform, wenn sie meinen, dass manche Menschen eben „mono“ und andere „poly“ veranlagt seien. Demgegenüber beharrt Schott darauf, dass Beziehungsformen kulturelle Aushandlungen sind und nicht in irgendeiner Weise angeboren.

Das nur einige der Argumente, das kleine Büchlein ist auf jeden Fall empfehlenswertwert (und man hat es dank seines keinen Formats auch schnell durchgelesen).

Doch trotz der bestechenden Logik glaube ich, dass offene Beziehungen, jedenfalls bei uns und in absehbarer Zeit, ein Nischendasein fristen werden. Und zwar deshalb, weil die Menschen heute nicht mehr – wie in den früheren Zeiten, von denen Schott sich abgrenzt – vor allem unter sexuellen Tabus leiden. Es ist ja im Prinzip alles erlaubt, und ich denke nicht, dass sozialer Druck heute noch im gleichen Maß wie früher der Grund dafür ist, warum wir nicht längst beziehungsmäßig alle viel freier leben.

Ich denke, das Hauptproblem vieler Menschen heute ist ihre unbefriedigte Sehnsucht nach Verbindlichkeit in ihren Lebensbezügen. Sie wünschen sich mehr Verlässlichkeit im Bezug auf die Frage „Wohin gehöre ich? Auf wen kann ich mich bedingungslos verlassen?“ – und finden darauf keine befriedigenden Antworten.

Hier legt auch Schott den Finger auf die Wunde: Mit dem Abschied von der wirklich exklusiven, also lebenslangen Monogamie (damals, als Scheidungen verboten oder zumindest sehr selten waren) und ihrer Ablösung durch die serielle Monogamie (wir haben viele, wechselnde Lebenspartner_innen, aber eben hintereinander und nicht gleichzeitig) war das alte Konzept der „Familie“ praktisch schon abgeschafft. Seither gilt: Eine Ehe, eine monogame Beziehung, schützt mich nicht vor Einsamkeit, denn sie kann jederzeit vorbei sein, wenn die Neigungen meines Partners oder meiner Partnerin sich anderweitig orientieren.

Ich vermute, das fast schon verzweifelte und durchaus irrationale Festhalten am Konzept der Monogamie liegt auch daran, dass man sich davon genau diese Sicherheit erhofft, selbst wenn die auf sehr wackeligen Beinen steht. Wahrscheinlich hat Schott durchaus recht, wenn er argumentiert, dass offene Beziehungen letztlich nicht weniger, sondern sogar mehr Stabilität bieten, weil nicht jede neue Verliebtheit zwangsläufig dazu führt, dass die alte Beziehung beendet werden muss.

Aber: Das reicht nicht. Das Unbehagen an der Einsamkeit, die Furcht, jede „Familie“, jedes Beziehungsgefüge einfach so wieder verlieren zu können, wenn die anderen gerade keine Lust mehr haben, ist zu groß. Und eine Philosophie der offenen Beziehung gibt auf die Sehnsucht nach Verbindlichkeit keine Antwort – sie macht lediglich das, was uns fehlt, offensichtlicher. Wie aber zu verbindlichen Beziehungen finden, wenn wir die alten Verhältnisse der Unfreiheit, des Zwangs, den die exklusive Monogamie bedeutet hat, nicht mehr zurück haben wollen? Woraus gewinnen wir die Zuverlässigkeit und Kontinuität in unseren Beziehungen und retten gleichzeitig unsere Freiheit?

Das ist eben die offene Frage und die, wie ich finde, eigentliche Herausforderung heute. Kann man Freundschaften verbindlicher machen? Wie sieht es etwa beim finanziellen und materiellen Füreinander Sorgen aus? Die bisherigen Debatten über Lebensformen hatten da nicht viel zu bieten, wie man selbstkritisch eingestehen muss. Die Anerkennung der Homosexualität zum Beispiel, die früher mal zumindest auch als Alternativmodell zur heterosexuellen Zweierkiste diskutiert wurde, ist inzwischen ganz auf die rechtliche Gleichstellung eingedampft worden: Das alte Modell der Ehe soll nun eben auch für zwei Menschen des gleichen Geschlechts gelten. Und auch die Kommune- oder WG-Idee hat kaum noch Wegweisendes zu bieten. Dass es hier um mehr gehen könnte als darum, Räumlichkeiten zu teilen – etwa um gemeinsames Wirtschaften oder gemeinsame langfristige Lebensplanung – wird nur selten ernsthaft erprobt.

Hier liegt aus meiner Sicht das eigentliche Manko libertärer Gesellschaftskonzepte: Welche Formen von Selbstverpflichtungen und Versprechen wollen wir einander geben – und wem? Woraus entstehen Verbindlichkeiten, auf die man sich auch „in schlechten Zeiten“ verlassen kann? Wie schaffen wir Zugehörigkeiten, die nicht auf bloßen Neigungen beruhen und somit jederzeit einseitig wieder gekündigt werden können? Momentan sieht es so aus, als stellten wir die individuelle Freiheit über alles. Und doch wünschen sich die meisten Menschen verbindliche, tragende Beziehungen – und projizieren sie mangels Alternative auf die monogame Liebesbeziehung.

Meine Prognose ist, dass das auch so bleiben wird, solange wir nicht unser Konzept von „Freiheit ist Unabhängigkeit“ überdenken. Und solange wir nicht unsere Sehnsucht nach Zugehörigkeit ernst nehmen und darauf praktikable Antworten finden – Antworten, die sich im Leben bewähren müssen und die man nicht abstrakt logisch herleiten kann. Erst dann werden vielleicht mehr Menschen bereit sein, sich auch von der Scheinlösung Monogamie zu verabschieden.

Oliver Schott: Lob der offenen Beziehung. Über Liebe, Sex, Vernunft und Glück, Bertz + Fischer, Berlin 2010, 103 Seiten, 7,90 Euro.

Vielleicht auch interessant in dem Zusammenhang: Mein Artikel „Mehr Körperkontakt“


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65 Gedanken zu „Scheinlösung Monogamie

  1. (Sexuelle) Monogamie gibts doch auch viel weniger, als man uns suggerieren möchte. Sonst würde ja nicht so viele Beziehungen (Vordergründig) aufgrund des heimlichen „Seitensprungs“ zuende gehen. Denn man darf ja annehmen, das der „springende Partner“ freiwillig ins andere Bettle gesprungen ist. Also hapert es hier doch nur daran, das die Auflösung des Alleinanspruches auf dem Gebiet der Sexualität meist höchst einseitig und unabgesprochen vorgenommen wird.

    Sehr spannend finde ich Deine Fokussierung auf die eigentlichen Elemente wie Verlässlichkeit, Selbstverpflichtungen etc..

    Du schreibst: „Wohin gehöre ich? Auf wen kann ich mich bedingungslos verlassen?“

    Ich würde noch dazu setzen: auf was will ich mich bedingungslos verlassen (Selbsterkenntnis und Selbstehrlichkeit sind wichtige Werkzeuge…) )und in einer Beziehung: auf was wollen WIR uns bedingungslos verlassen. Einvernehmlich, von beiden selbstbestimmt und offen.

  2. Ich denke auch, dass die Sehnsucht nach etwas Verbindlichem zusammen mit der Angst vor Einsamkeit die treibende Kraft ist, die – je nachdem wie groß diese beiden Faktoren jeweils sind – den Grad des Strebens nach einer „festen“ beziehung und den Grad der Eifersucht bestimmen. Ich lerne schon seit einer Weile, wie wenig fest „fest“ ist, aber ich lerne im Moment auch, wie wenig ich Konventionen brauche, wenn mich jemand ehrlich davon überzeugt, dass ich nicht Einsam sein werde, egal wie „offen“ die Beziehung ist, die wir haben.

  3. Das ist wieder so ein Beitrag à la „Antje Schrupp faßt in anderthalb Seiten zusammen, was ich seit Jahren rumdenke und nicht auf einen Nenner gebracht kriege“. Danke! Nicht, daß es dadurch einfacher würde. Aber wenigsten klarer.

  4. Sehr schöner Artikel, Antje, interessante Gedanken, die sehr gut auch meine Gefühlslage ausdrücken =)

  5. Da fehlt noch ein wesentlicher Begriff: Besitzdenken. Dieses Jemanden-in-die-eigene-Schublade-Stecken-Wollen hängt doch damit zusammen, daß heutzutage es fast nichts mehr gibt, das nicht unter der allgemeinen Privatisierung und Kommerzialisierung leidet. Eben auch unsere Liebesbeziehungen nicht. Überall hat sich längst die besitzenwollende Eifersucht in die Hirne gefressen.
    Da rauszukommen geht wohl nur, wenn man als Gruppe einen Weg findet, sich aus der kapitalistischen Wüste in irgendeine kommunistische (und was die Beziehunhen angeht: anarchische) Oase zu flüchten. Deshalb stört mich, daß du Kommune und WG im selben Satz abtust. Kommunen sind Versuche, zusammen zu arbeiten, zusammen zu leben, zu lieben und eine Zukunft zu entwicken. Na, eben 17er- Beziehungen mit gemeinsamer Kasse. Bzw. idealerweise ohne Kasse (aber das geht wohl kaum inmitten des gewinnsüchtigen Umfelds).

    Kennst du eigentlich „Planet der Habenichtse“? Da wird u.a. auch geschildert, wie in einer egalitären Gesellschaft mit diesen Dingen umgegangen werden wird. Nämlich bestimmt auch nicht ohne Reibereien. Sonst wärs ja langweilig.

  6. Moment, ist dein Argument, dass offene Beziehungen deshalb ein Nischendasein fristen werden, weil die Leute nicht mehr unter sexuellen Tabus leiden? Erstens, sind Tabus nicht die einzigen sexuellen Zwänge, denen wir uns als Gesellschaft so unterwerfen und zweitens wäre das jetzt für mich gerade ein Grund anzunehmen, dass demnächst alle selbst herausfinden, dass Monogamie Quatsch ist.

    Die Monogamie kann das von dir genannte „Hauptproblem der Menschen heutzutage“ nicht befriedigend lösen, und zwar deshalb weil sich Sicherheit und Verbindlichkeit nicht durch Verbote und Beschränkungen erzwingen lassen. Selbst wenn man sich diese Verbote freiwillig auferlegt und trotzdem zusammenbleibt, schützt das nicht vor Einsamkeit in der Beziehung. Es gibt da keine Sicherheit, weder in geschlossenen, noch in offenen Beziehungen. Die Befreiung, die Öffnung liegt darin, das zu akzeptieren.

    Ich glaube nicht, dass die Philosophie der offenen Beziehung keine Antwort auf die Sehnsucht nach Verbindlichkeit weiß. Sie gibt sich nur nicht der Illusion hin, dass Verbindlichkeit a) durch Zwang erreicht werden kann und b) ewig immergleiche Gültigkeit besitzt. Sie muß, im Gegenteil, immer wieder verhandelt werden. Beziehungen zwischen Menschen sind immer dynamisch, was nicht heißt, dass offen das Gegenteil von fest wäre – auch das wird im Buch ja betont. Eine offene Beziehung muß eben nicht unverbindlicher, nicht weniger fest sein, als eine geschlossene!

    Hab dazu übrigens auch gebloggt: http://abgedichtet.org/?p=244

  7. @Volkmar – Ja, Besitzdenken spielt bestimmt auch eine Rolle. Und klar, Kommunen versuchen andere Wege, und daher sind sie nicht mit WGs in einen Topf zu werfen, aber so richtig gut funktioniert das eben selten. Meinen zumindest die Autorinnen des Kommunefrauenbuches, kennst du das? https://antjeschrupp.com/2010/04/10/%E2%80%9Edas-leben-hier-ist-wie-himmel-und-holle%E2%80%9C/
    Klar, Planet der Habenichtse kenn ich. Und, ja, ist schön geschildert, ist halt aber ein Buch :)) und (noch) nicht das wirkliche Leben. Ich wollte ja auch gar nicht mehr sagen, als dass es gut ist, solche Experimente fortzuführen, aber vielleicht dabei nicht nur sich auf den Aspekt „individuelle Freiheit“ zu konzentrieren, sondern auch auf den Aspekt „Verbindlichkeit“…

    @lev – Wir können ja mal Wetten abschließen, ob die Menschen demnächst alle herausfinden, dass Monogamie Quatsch ist. Ich frage mich halt, wieso sie es in den letzten 30 Jahren noch nicht herausgefunden haben, obwohl die Argumente schon so lange bekannt und die Rahmenbedingungen im Prinzip auch gegeben sind :)) – Dein Kommentar bringt mich auf die Idee, dass es vielleicht daran liegen könnte, dass wir das Verhandeln alle nicht so gut können. Es ist ja nicht nur in privaten Beziehungen, sondern noch mehr in anderen Bereichen des Lebens, dass alles immer mehr auf allgemeingültige Regeln und Kriterien abgestellt wird, also auf die Illusion, konkrete Situationen und Konflikte könnten sich unter Berufung auf einen externen Schiedsrichter oder eine allgemeine Norm lösen lassen.

  8. wow. danke für den artikel! einige fragen habe ich mir (ohne lösung) auch schon gestellt, andere regen mich grad an, in mich hineinzuspüren, was ich als wichtig erachte.
    was mir noch einfällt zur monogamie: ich empfinde es oft so, auch bei mir selbst, dass da einfach das bedürfnis ist, für jemand ganz besonders zu sein. und wie so oft, ziehen wir nicht in betracht, dieser jemand zu sein. das soll bitteschön jemand von außen für uns erledigen. und wie erleichternd ist das, wenn wir jemand gefunden haben, der uns erträgt, wie wir sind. uns selbst lieben, das trauen wir uns doch in aller konsequenz oft gar nicht. wie viel einfacher ist es, sich auf einen menschen einzuschießen, der unsere bedürfnisse befriedigen soll, als selbst achtsam genug mit uns zu sein und darum mutig zu mehr und ganz vielfältig gestalteten liebesbeziehungen fähig zu sein?
    ich verdamme monogamie nicht, wenn sie anerkennt, dass liebe/sexualität ganz unterschiedliche gesichter haben kann und es neben dieser 2er-beziehung im leben des paares, das da verbindlichkeit miteinander eingeht, auch noch andere menschen gibt, mit denen zuneigung ihre ganz eigene entfaltung finden darf.
    ich rechne das jedem menschen hoch an, der bereit ist, verbindlich zu sein, für andere einzustehen. manche zahlen die verbindlichkeit ihrer partner mit verzicht auf persönliches glück. aber vielleicht nicht mal immer, weil sie angst vor einsamkeit haben oder eine scheinsicherheit dringend benötigen. vielleicht auch deshalb, weil sie die verbindlichkeit, die sie selbst zu geben bereit sind, höher gewichten als persönliche entfaltung.
    wie viel liebe wird gelebt, ohne dass wir sie als solche benennen oder etikettieren? wo sex anfängt und ob ich mit dem kaffee trinken gehen darf oder mit der händchen halten oder nicht, das ist zwar von normen geprägt, aber in der praxis doch immer individuelle verhandlungsbasis. ich bin mir auch unschlüssig, ob in einer wie auch immer gearteten beziehung immer verhandelt werden muss, wie die anderen beziehungen, die die partner/freunde haben, gestaltet werden dürfen. meine wünsche und bedürfnisse können völlig von dem abweichen, was ich dann real leben will und sich minütlich ändern. vielleicht kann eine mit ihrer persönlichen geschichte leichter ertragen, wenn sie nicht sicher weiß, ob ihre partnerin eine andere küsst. in jeder beziehung sind sich doch immer menschen gegenüber, die an völlig unterschiedlichen lebensthemen knacken oder wenn an den gleichen, dann auf höchst eigene weise. ich glaube nicht, dass immerzu konsens erreicht werden kann. nicht mal darüber, dass man sich in wünschen und bedürfnissen uneins ist. überhaupt: wie kann ich denn vorher wissen, dass es mich wirklich verletzt, wenn meine partnerin z.b. mit einem mann kuschelt, der in sie verliebt ist? das sind nur meine annahmen.
    meine freiheit ist, ihr die freiheit zu lassen, die erfahrungen zu machen, die sie machen möchte und darauf zu vertrauen, dass sie mir nicht böswillig schmerz zufügt. meine freiheit ist auch, verletzt werden und verletzen zu riskieren. meine freiheit ist, mir menschen für beziehungen zu suchen, die wissen, was sie wieso brauchen. vielleicht bin ich gerne mit einer befreundet, die mit mir einen alten mangel ausgleichen will, wenn sie sich dessen bewusst ist. vielleicht ist ihr wunsch ja gar nicht, mich auszusaugen und in meiner freiheit zu beschneiden, sondern mit mir und in meiner verbindlichkeit zu erleben, wie ihr mangel gestillt wird und wie sie ihn selbst stillen kann. es gibt so viele gründe für menschen, miteinander in beziehung zu treten und es geht so schnell, ihre vielschichtigkeit zu verkennen. auf deinen text bezogen geht es mir so: nicht die angst vor einsamkeit und darum das festhalten an monogamen strukturen ist schlimm. schlimm finde ich im grunde nur, wenn menschen das, was sie tun oder lassen, nicht hinterfragen. jeder hat dunkle flecken und kann unachtsam handeln. vielleicht ist nur wichtig, dass ich mich nicht dahinter verstecke. dass ich es mir aus respekt für die menschen, mit denen ich beziehungen habe, zur aufgabe mache, mir meine dunklen flecken bewusst zu machen. dann muss ich niemanden benutzen, sondern kann offen fragen, ob er/sie bereit ist, meine bedürfnisse zu erfüllen. und je achtsamer und liebevoller ich mit mir selbst umgehe, desto mehr verbindlichkeit bin ich wohl auch zu geben bereit. denn dann kann ich viel freier geben. sollte sich herausstellen, dass mein gegenüber mir seine verbindlichkeit wieder entzieht, gibt es immer noch jemand, auf den ich mich 100% verlassen kann: mich.

  9. @poetin – danke für den langen Kommentar, vor allem aber für diesen Satz: „manche zahlen die verbindlichkeit ihrer partner mit verzicht auf persönliches glück. aber vielleicht nicht mal immer, weil sie angst vor einsamkeit haben oder eine scheinsicherheit dringend benötigen. vielleicht auch deshalb, weil sie die verbindlichkeit, die sie selbst zu geben bereit sind, höher gewichten als persönliche entfaltung.“ Das scheint mir jedenfalls eine wichtige Spur zu sein: Dass der Grund für die Verbindlichkeit, die man selbst geben möchte, nicht der egoistische Eigennutzen sein kann, sondern etwas anderes, etwas, das mir ein wirkliches Bedürfnis ist, auch ohne (oder jedenfalls: unabhängig vom) Nutzen. Da hätten wir dann ein feines Paradox…

  10. @antje – verbindlichkeit, die ich gebe, erzeugt auch in mir ein gefühl von sicherheit und beständigkeit. da hätten wir schon mal einen nutzen. ganz altruistisch ist das sicher nicht. was mir allerdings ein tiefes (und vielleicht unergründliches) bedürfnis sein kann: den anderen wirklich zu lieben, wie sie/er ist. mit allem. das ist harter tobak und das kann ich nur erbringen, wenn ich eben auch bereit bin, diesem menschen meine verbindlichkeit zu schenken.

  11. Das klingt alles sehr vernünftig. Das leuchtet mir ein. So würde ich meinen Kindern raten. Aber etwas stimmt nicht daran: Die Liebe ist nicht vernünftig. Sie ist nicht sicher und keiner kann wissen, ob sie beständig ist. Immer aber ist das Gefühl exklusiv. Man kann es nicht beliebig zuteilen oder austeilen und nicht darüber verhandeln. Es nützt keine Strichliste über Vor-und Nachteile. Kein Argumente helfen, wenn du jemanden liebst, der dir nicht taugt. Du kannst dich trennen. Aber nicht aufhören zu lieben.

    Gegen die Gefahr der Liebe kann man sich nur schützen, indem man nicht liebt. Wenn man liebt, gibt es keine Versicherungen. Und Monogamie oder Polyamorie oder was immer sind dann keine Fragen der Moral. Dass die Liebe überlagert ist von Eigentumskonzepten und gesellschaftlichen Reproduktionsmodellen, ist wahr. Wer wollte das bestreiten. Von denen kann und muss man sich befreien (soweit jeweils möglich). Von der Liebe selbst, glaube ich, kann man sich nicht „emanzipieren“. Die bleibt „lebensgefährlich“, egal ob hetero- oder homosexuell, in tradioneller Zweier-Beziehung oder Kommune gelebt.

  12. Hm, Rauskucker, Du schreibst:

    „Überall hat sich längst die besitzenwollende Eifersucht in die Hirne gefressen.“

    Da würde ich aber eine Lanze für den Besitz und die Eifersucht brechen wollen. Ich finde eher, das Gefühl „Eifersucht“ könnte wieder etwas entabuisiert werden. (Hatte ich auch erst in meinem ersten Kommentar geschrieben, dann aber wieder gelöscht ;-))

    Das „besitzen wollen“ und die daraus auch resultierende Eifersucht (die also und eigentlich nur eine sehr intensive Verlustangst in einem unangenehmen Gewand ist) sind Gefühle, die sich nicht so einfach weg theoretisieren lassen.

    Nachdem ich mir diese Gefühle erst einmal selbst zugestanden habe und mit mir geklärt hatte, in wie weit ich sie meine Art der Beziehung bestimmen lassen möchte, konnte ich das das erste mal „aussen“ auf meine Verpackung drauf schreiben und entsprechend offen in meine Beziehung einbringen.

    Dies bedeutet in der Tat, das ich (wir, also meine Partnerin und ich) uns monogame Felder absprechen. (Wobei es eine Menge nonverbale Absprachen sind.) – Sex gehört allerdings nicht zu diesen Feldern, da leben wir offen. Aber liebgewonnene persönliche Beziehungsrituale. Oder Dinge, die wir als Paar zusammen erleben wollen, weil sie uns beide auch einzeln ausmachen. Die auch mit anderen gehen, die wir aber zusammen erleben wollen in unserem gemeinsamen Leben. (bei uns ja sogar „Ehe“)

    Besitzlust und Eifersucht zugeben. Einfach mal annehmen. Nicht dämonisieren. Und dann damit umgehen lernen (auch erst mal mit einer „Innenlösung“ für sich selbst). Ich persönlich finde, das macht uns stärker und Beziehungen ehrlicher, als sie als Teufelswerk weg zu drängen.

  13. Eifersucht zu verdrängen nutzt eh nichts. Das Verdrängte kommt als Dämon zurück und mit dem ist wesentlich schwerer umzugehen als mit der Erkenntnis, dass Eifersucht auch eine gesunde Seite hat, nämlich als Gradmesser dessen, was man zulassen kann ohne sich zu verbiegen.

  14. Antje, ich glaube, Wetten müssen wir darüber nicht abschließen. Ich glaube auch, dass die offene Beziehung vorerst noch ein Nischendasein führen wird. Nur der Grund, den du dafür vermutet hattest, leuchtete mir nicht ein. Deine zweite Vermutung, dass es an mangelnder Verhandlungsfähigkeit liegt, leuchtet mir viel eher ein. Das ist ja auch ein Punkt, den Oli im Buch kritisiert, dass das monogame Zusammenleben selten verhandelt wird. Es wird in einer Partnerschaft selten darüber gesprochen, was genau Treue bedeutet, wo Grenzen liegen und warum. Es wird selten bewußt entschieden, ja ich möchte monogam leben – nein, es wird vorausgesetzt, dass alle Beteiligten das wollen und auch genau wissen, was es bedeutet. Gerade letzteres ist aber meistens nicht der Fall. So vieles in zwischenmenschlichen Beziehungen geht schief, weil die Beteiligten nicht sachlich miteinander kommunizieren.

    Ich glaube, dass eigentlich weder eine offene, noch eine monogame Beziehung ohne sachliche Kommunikation zu bewerkstelligen ist. Deswegen gehen auch so viele Beziehungen schief, egal ob sie monogam oder offen angelegt waren. Diese Gedanken, die sich Oli in seinem buch macht, müßte sich eigentlich jeder Mensch machen, der in einer Beziehung zu einem anderen Menschen leben möchte. Aber das passiert nicht. Deshalb entscheiden sich so wenige Leute bewußt für ein Beziehungsmodell, sondern nehmen das, was sie durch ihre soziale Prägung kennen, worüber sie nicht mit sich selbst und dem Partner verhandeln müssen.

  15. Hallo Lev,

    ich habe die Erfahrung gemacht, das die „emotionaler geprägte Kommunikation“ (nicht selten von der weiblichen Beziehungsseite kommend) im Zweifelsfalle von der „sachlich geprägten Kommunikation“ (nicht selten von der männlichen Seite kommend) vernichtend zugeworfen wird. Deswegen würde ich sagen: Kommunikation! Sachlich und emotional gemischt, wie die Menschen in der Beziehung eben sind und sich vollwertig akzeptieren und auf einander zugehen und die anderen Wichtigkeiten zugestehen.

    Denn nicht selten fühlen sich eher emotional reagierende Menschen von den sachlicheren ausgehebelt und unglücklich überrannt.

  16. @Chräcker: Eifersucht ist kein Gefühl, sondern ein Gefühlskomplex. Ein Aspekt, der mir dabei immer wieder auffält, ist mangelndes Selbstbewußtsein bei der eifersüchtigen Person. Das Gefühl, eine neue Bekanntschaft könnte für den Partner so viel interessanter sein, dass er das Interesse für den „gewohnten“ Partner verliert. Da kommt dann auch Verlustangst, da kommt dann Wut, das Gefühl, ausgenutzt worden zu sein, etc. pp. Dieser Gefühlskomplex läßt sich nicht wegdiskutieren, wenn er auftaucht. Aber Gefühle lassen sich durch Reflexion erziehen. Wenn wir bspw. als Kinder den Loli nicht bekommen haben, haben wir vor Wut geweint. Das würde uns als Erwachsener nicht mehr passieren, entweder weil wir uns die Blöße des Weinens nicht geben wollen oder aber, weil wir erkannt haben, dass man nicht wütend sein muß, nur weil man mal etwas nicht bekommen kann. In dieser Form kann man auch als erwachsener Mensch über seine Gefühle reflektieren und seine Reaktionen daraufhin abstimmen. Das hat nichts mit Zwang zur Unnatürlichkeit, sondern mit aktiver Persönlichkeitsbildung, mit kultureller Zivilisation zu tun. Wenn mir mein Intellekt verrät, dass es viele, viele Nachteile hat, meiner Eifersucht entsprechend affektiv zu handeln, dann bin ich vielleicht immer noch eifersüchtig, aber ich beginne, mich und meine Gefühle zu meinem Vorteil zu kontrollieren. Ich glaube fest daran, dass man in der Form an sich selbst arbeiten kann, dass man das Gefühl der Eifersucht auch irgendwann verliert. Aber das ist natürlich immer ein Prozess, der aktive Arbeit an sich selbst erfordert. Es hilft, dann einen Partner zu haben, mit dem man auch über solche Gefühle und die Gefühlserziehung sachlich sprechen kann.

  17. @Chräcker: Die emotionale weibliche und die sachliche männliche Beziehungsseite – bitte was!? Ich weiß gar nicht, was ich auf solch heteronormative Geschlechterklischees antworten soll. Ja, es gibt Menschen, die sind sehr emotionale Typen, was wiederum nicht bedeutet, dass sie nicht sachlich diskutieren können. Natürlich gehört zu einer guten (d.h. gelungenen, zielführenden) Kommunikation m.E. auch immer, die eigene Rede auf die Verständnisfähigkeit des Gegenübers abzustimmen. Völlig klar, das gilt in meinem Universum aber geschlechterunabhängig, zumal Kommunikation auch in Beziehungskonstellationen nötig ist, in denen es nicht „die männliche“ und „die weibliche“ Beziehungsseite gibt.

  18. @Chräcker @LeV – ich hab Eifersucht schon immer ein unlogisches Gefühl gefunden, denn entweder sie ist berechtigt (der Partner/die Partnerin findet jemand anderes besser und will mich verlassen) – dann nützt es mir auch nichts, wenn ich eifersüchtig bin. Oder sie ist unberechtigt, weil keine „Gefahr“ in dieser Hinsicht besteht – dann brauch ich auch nicht eifersüchtig sein. Ein anderer ganz eigennütziger Grund für mich, nicht eifersüchtig zu sein oder mich wenigstens nicht entsprechend zu verhalten, war auch schon früh die Erfahrung, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der Partner/die Partnerin mit mir ehrlich über das, was ihn/sie bewegt, spricht, viel größer ist, wenn meinerseits keine Eifersuchtsszenen zu erwarten sind. Oder anders gesagt: Wer eifersüchtig ist, wird höchstwahrscheinlich eher angelogen. Und angelogen werden finde ich, ehrlich gesagt, noch schlimmer, als verlassen zu werden.

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  20. @Chräcker – zum Zweiten: Das mit sachlicher-emotionaler Kommunikation: Dass die sachlicheren die emotionaler reagierenden Menschen „unglücklich überrennen“ stimmt nur, wenn Sachlichkeit instrumentalisiert wird, um den/die andere in eine untergeordnete Position zu bringen und die eigentlichen Konflikte bzw. Probleme zu umschiffen. Was imho in dieser Klischeesituation Mann=sachlich Frau=emotional häufig der Fall ist. Wenn sachliche Argumentation aber „liebevoll“ passiert, ist das nicht so, meiner Erfahrung nach.

  21. Oh ja, LeV, das denke ich schon auch, das man bei einem Eifersuchtsgefühl (auch) an/in sich arbeiten kann. Das Gefühl als „Warnsystem“ nehmen um dann, selbstreflektierend, etwas bei sich und für sich zu ändern. Dazu muß man es aber auch mal zulassen und zugeben. Erst dann funktioniert dieses Meldesystem „Eifersucht“. Es wird aber gerne tabuisiert als „böse“ und zu unterdrückendes. Das hielte ich dann für einen falschen Angang.

    Nur nebenbei: ich sprach von meinen(!) Erfahrungen, da war die emotionalere Kommunikation zumeist auf der weiblichen Seite. Habe aber sicher keine statistisch nennenswerte Anzahl von Beziehungen gehabt und habe keine Angst vor Klischees.😉

    Dazu, Antje, kann ich Deinem diesbezüglichem Zukommentar nur zustimmen: habe nur, auch anfangs bei mir selbst, die leidige Erfahrung gemacht, das die „sachlicher argumentierenden“ meist der Lust am überrennen zu sehr erlegen sind.

  22. „Momentan sieht es so aus, als stellten wir die individuelle Freiheit über alles. Und doch wünschen sich die meisten Menschen verbindliche, tragende Beziehungen – und projizieren sie mangels Alternative auf die monogame Liebesbeziehung.“

    Frage mich gerade, wie denn eine Alternative aussehen könnte, bei der der Wunsch nach Verbindlichkeit und Tragfähigkeit erfüllt wird und nicht projiziert werden muss – was, bitte schön, soll eine x-beliebig gedachte Beziehung zwischen zwei Menschen denn gegenüber der „monogamen Ehe-/Liebesbeziehung“ auszeichnen, dass die auf einmal Dinge zu leisten vermag, die eben diese andere Form nicht leisten kann?

    Die Frage stellen heisst doch schon, zu verneinen, dass es verbindliche Beziehungen zwischen Menchen überhaupt geben kann. Weswegen ich mich dann auch wieder frage, ob man die Frage ohne Bezugnahme auf einzelne Menschen überhaupt stellen kann – ich bezweifele, dass man das kann.

    Die Tatsache, dass viele Menschen heutzutage die Unverbindlichkeit ihres Lebensstils solchen Formen wie „Ehe“ sei sie nun monogam oder nicht, vorziehen, scheint mir dann doch etwas eher zufälliges zu sein – keineswegs einen Trend markierend noch überhaupt nur für die überwiegende Mehrzahl der Menschen zutreffend. Ich betrachte z.B. eine ganze Reihe meiner „Beziehungen“ als verbindlich … und zwar völlig unabhängig davon, was der andere da denkt.

    Und ich bezweifele auch, dass Unverbindlichkeit mit einem mehr an Freiheit und Möglichkeiten einhergeht. Das Gegenteil ist wahr. Der Gedanke ist zwar alt, aber dass sich erst in der Beschränkung die Freiheit zeigt, bleibt halt wahr.

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  24. > Der Gedanke ist zwar alt, aber dass sich erst in der Beschränkung die Freiheit zeigt, bleibt halt wahr.

    … oder eine Ausrede.

  25. Also an der ganzen Diskussion verstehe ich einen zentralen Punkt nicht: Es geht um die „Scheinlösung Monogamie“, aber was ist denn nun eigentlich das Problem?

    Da hat also jemand festgestellt, dass monogame Beziehungen nicht immer funktionieren und nicht jeder damit glücklich wird. Aber dasselbe gilt doch auch für alle anderen Beziehungsformen/Lebensentwürfe/etc.
    Man muss eben immer noch selbst herausfinden, wie man persönlich am besten mit dem Leben zurecht kommt, auch wenn es dabei Fehlschläge, Niederlagen, Frustration geben kann. Es könnte ja genau so gut auch Erfolg, Glück und Freude geben. Das weiß man aber immer erst hinterher.

    Wenigstens haben wir heute die Möglichkeiten, einen eigenen Weg zu finden, anstatt uns irgendetwas als die einzig wahre Erfüllung aufdrängen zu lassen.

  26. Schöner Artikel… allerdings solltest du dann nicht die (versteckt) homoerotischen Verbindungen vergessen, die Männer nur unter sich in der Arbeitswelt knüpfen und die verantwortlich für die frauenundurchlässigen Netzwerke sind.

    http://samstagisteingutertag.wordpress.com/2009/04/21/denkerin-der-homosozialitat-eve-kosofsky-sedgwick-gestorben/

    Denn du differenzierst immer noch zu wenig zwischen Frauen und Männern, zwischen weiblicher und männlicher Sichtweise und Sexualität.
    Man muss versuchen herauszufinden, was jeweils für Männer und für Frauen der Sinn der monogamen Beziehung genau sein könnte. Frauen sind finanziell viel schlechter dran und deswegen noch viel abhängiger von festen Bezugspunkten, emotional sind sie vielleicht viel weniger von Männer abhängig als Männer von Frauen.
    Und es wäre interessant eben auch mal einen genauen Blick auf diese latent bis offensichtlich „schwulen“ Männer-Netzwerke (vor allem in der Wirtschaft und im Kulturbereich) zu werfen, denn da hat Sexualität auch etwas mit Hierarchien bilden zu tun und die Frau wird hier eben total ausgeschlossen.

  27. „> Der Gedanke ist zwar alt, aber dass sich erst in der Beschränkung die Freiheit zeigt, bleibt halt wahr.

    … oder eine Ausrede.“

    Egal wie – jedenfalls ist es nicht nachvollziehbar, die Welt der „Möglichkeiten und Freiheiten“ gegen „Verbindlichkeit“ auszuspielen – da diese selbst eine Freiheit oder besser Freiwilligkeit ist, die mir neue Möglichkeiten eröffnen kann; Möglichkeiten, die jemand, der nie verbindlich wird, eben nicht hat.

  28. @Jens:

    Für mich ja eben auch … ich schrieb ja, Verbindlichkeit und Freiheit gehören für mich zusammen; ich seh‘ den Gegensatz eher zu dem Glauben, alles haben zu können und dem Bedürfnis, alles haben zu müssen.

  29. Monogamie hat für mich immer zwei Seiten, die der Theorie und die der Praxis.
    Theoretisch, wenn ich das Konzept Monogamie kritisch hinterfrage, habe ich schon immer ihren künstlichen, gemachten Charakter angeprangert: Menschengemachtes Konzept, gesellschaftliche Konvention, usw, usf.
    In der Praxis der Beziehung ist diese theoretische, progressive Sichtweise auf das Zusammenleben dann aber immer sehr schnell ausgetauscht worden. Hier waren die ganz alltägliche Eifersucht, die Verlustängste und das „Bitte berühre niemanden nur MICH MICH MICH“ die Regel.
    Es hat lange gedauert, bis ich Theorie und Praxis stärker zusammenführen konnte. Auch nach 9 Jahren Beziehung sind sie längst nicht deckungsgleich, aber man gestattet sich und dem anderen zumindest theoretisch schon mehr Freiräume zur eigenen Entfaltung:)

    Ist es psychologisch nicht auch so, dass Monogamie durchaus für das Individuum Sinn machen kann?!
    Die Aussage: „Monogamie ist Quatsch!“ ist mir zu totalistisch.

  30. „Monogamie ist Quatsch.“

    Mh. Und die Leute, für die es funktioniert, sind dann nicht ganz normal? Die Aussage schmeckt mir nicht. Es ist doch okay, wenn Menschen eine offene Beziehung führen wollen, warum auch nicht; aber es ist doch nicht minder okay, wenn Menschen das nicht wollen. Verstehe nicht so ganz, worauf Du hinaus willst.

  31. @Christian – naja gut. Aus dem Kontext wird ja wohl klar, dass es bedeutet: „Monogamie als verbindliche und unhinterfragte Norm für Beziehungen ist Quatsch“. Dass sie – wie alle möglichen anderen Beziehungsformen auch – im konkreten Fall auch funktionieren kann, versteht sich ja von selbst.

  32. Pingback: Sammelmappe » Blog Archive » Beziehungsfragen

  33. monogamie als beziehungskonzept (emotional, mikrosozial, erotisch) ist ganz sicher keine „scheinlösung“. so apodiktisch ist der titelgebende satz quatsch.

    wenn es einfach nur um monogamie als verbindliche soziale norm gehen würde, ist der durchaus anregende blogpost (und das weitaus suspektere buch) eh überflüssig: wo sollte diese norm heute noch als auf traditionell-repressiv „selbstverwirklichung“ behindernde art gelten? oder wird die rechtsform der ehelichen 2erbeziehung gleichgesetzt mit monogamie als gelebter & gewählter lebensform? es gibt leute, die mit monogamie nicht glücklich werden, zweifellos. die sollen nach ihrer facon glücklich werden.

    aber daraus folgt in keiner weise die hier ständig suggerierte widerlegtheit & altväterlichkeit der monogamen
    lebensform. hier wird mir überhaupt viel zu schnell zwischen den ebenen hin- und hergesprungen, anscheinend um die entscheidende leerstelle zu kaschieren: die von innen heraus ernsthaft rekonstruierte monogamie als emotionale & (ja:) sittliche entscheidung, die weiß gott sehr oft mehr ist als das verzweifelte aneinanderfestklammern von seelischen krüppeln, kommt hier als seriös zugelassene erfahrung & position gar nicht vor.

  34. Noch ein ganz anderer Punkt dabei: Bei allen anderen Sachen (Arbeit, Projekte, das ganz Mitmachweb etc) sollen/wollen wir mit anderen kooperieren, gemeinsam mehr schaffen als einzeln etc – aber den wichtigsten und anstrengendsten Teil unseres Lebens sollen wir in der Kleinfamilie alleine verbringen? Sehr merkwürdiges Konzept.

    Allerdings glaube ich, dass wir einen anderen Begriff als „offene Beziehung“ für diese anderen, gemeinschaftlichen Konzepte brauchen. „offen“ impliziert ja schon unverbindlich – und oftmals ist das doch dann ein Modell, bei dem einer dieser „Offenheit“ nur zustimmt, um den anderen nicht komplett „zu verlieren“. Kommunikation/Verhandeln/Verbindlichkeit gibt es ja dann eben oft nicht.

  35. @Martin – Ja, dass Monogamie heute schon längst nicht mehr so funktioniert, wie ursprünglich gedacht, ist ja gerade der Punkt (und darauf bezieht sich das „Scheinlösung“). Die Frage mit der Monogamie als „sittliche Entscheidung“ ist interessant, darüber wäre nachzudenken. Die Hauptkritik von Schott zielt aber darauf (und da meine ich, hat er recht), dass Monogamie als Lebenskonzept oft meist eben keine bewusste Entscheidung ist, sondern irgendwie unterschwellig als „normal“ und „alternativlos“ gilt, also gerade nicht durchdacht, sondern einfach nachgeplappert wird. Oder anders gesagt: Leute, die sich bewusst für Monogamie entscheiden, brauchen die Monogamie als Norm ja nicht.

  36. Nuja, ich weiß noch immer nicht, welchen Sinn man aus dem Artikel ziehen soll. Die meisten Leute wollen nach wie vor in einer Partnerschaft leben, und die meisten Ehen sind lebenslang geplant. Dass es (meistens?) nicht klappt, sei dahingestellt.

    Aber Leute, die das Konzept „Ehe“ bzw. „Monogamie“ ablehnen, werden doch nicht dazu gezwungen.

    Als philosophischer Gedankengang durchaus interessant, aber mit welchen praktischen Folgen?

  37. @Antje Schrupp:

    Die Frage, ob man sich bewußt für Monogamie entschieden hat oder nicht, spielt aber doch in der Realität überhaupt keine Rolle – umgekeht, man kann sich ja auch für eine offene Beziehung entschieden haben; wenn diese Lebensform dann dem Partner trotz aller Überlegungen nicht schmeckt, was durchaus vorkommen soll – soll ich dann sagen, Pech gehabt, hättste Dir vorher mal besser überlegen sollen?

    Oder ist das dann eine nicht durchdachte Entscheidung, einfach nur vermeintlichen Meinungsmachern nachgeplappert? Ich meine, wenn „offene Beziehung“ als irgendwie unterschwellig moderner, besser gilt, besteht ja durchaus auch diese Gefahr – kein wesentlicher Unterschied zur Monogamie, finde ich.

  38. „Ich denke, das Hauptproblem vieler Menschen heute ist ihre unbefriedigte Sehnsucht nach Verbindlichkeit in ihren Lebensbezügen.
    […]
    Wahrscheinlich hat Schott durchaus recht, wenn er argumentiert, dass offene Beziehungen letztlich nicht weniger, sondern sogar mehr Stabilität bieten, weil nicht jede neue Verliebtheit zwangsläufig dazu führt, dass die alte Beziehung beendet werden muss.“

    Wieviel Leuten gegenüber kann man den „verbindlich“ sein, frage ich mich da gerade auch? Zwei? Drei? Fünf? Zehn?
    Mich hat es schon überfordert, gegenüber einer Frau „verbindlich“ zu sein, nach deren Vorstellung😉 …

    Also, im Islam ist das Problem für Männer so gelöst, dass dort Polygamie formell erlaubt ist – nur können sich die allermeisten Männer die gar nicht leisten. Praktisch ist Polygamie nur den Männern erlaubt, die gleichzeitig ihre Verbindlichkeiten gegenüber allen Ehegattinen und deren Kindern erfüllen, also das Recht auf sozialen Status, finanzielle Ausstattung befriedigen können.

  39. Und was ist mit „serieller Monogamie“? Daß es bei erhöhter Lebenserwartung nicht wirklich funktionieren kann, „Liebe bis zum Tod“ (wobei immer noch zu definieren ist, was „Liebe“ hier in diesem Kontext eigentlich sein soll!)) zu erreichen, beweisen unsere Statistiken (~7 Jahre Ehe im Durchschnitt in Deutschland). Wenn man dann überlegt, WARUM die Menschen sich zusammentun (früher: Arbeitsteilung bei Nahrungsbeschaffung, und Schaffung von Sicherheit bei der Erziehung, sind aber alles Dinge, die auch in einer Gruppe gehen, und die heute nicht mehr mit soclhen Gefahren verbunden sind, wie früher), und berücksichtigt, daß die meisten der Gründe davon heute nicht mehr in der Form existieren, ist auch klar, daß „Monogamie“ mit nur einem Menschen von Anfang bis Ende nicht funktionieren kann. Was aber, liebe Antje, spricht gegen „serielle Monogamie“? Der Wunsch, mit dem Menschen, den man liebt, alles teilen zu wollen, zieht zwingend nach sich, daß es da keine(n) Dritten, Vierten etc. mehr geben kann. Denn sonst müßte die Teilung kleiner, und auch zeitaufwändiger werden. Ja, der Wunsch, der Welt seine Liebe mitzuteilen, ist dann allumfassend. Das ist aber eine andere Liebe als die Liebe zu einem oder mehreren Individuen…

  40. @Matthias – Was du schreibst, würde stimmen, wenn „serielle Monogamie“ so wäre, dass man sich nach dem Tod des einen einen anderen wählt. Was wir mit „serieller Monogamie“ meinen ist aber, dass man aus welchen Gründen auch immer eine Beziehung jederzeit beenden kann. Damit ist die Sicherheit und Verlässlichkeit weg, die die exklusive MOnogamie bedeutete. Oliver Schott hat darüber ein ganzes Kapitel in seinem Buch.

  41. @Christian – naja, wenn etwas, obwohl es die Beteiligten so planen, meistens oder jedenfalls sehr, sehr oft nicht klappt, sollte man schon das Konzept einmal kritisch überarbeiten, finde ich. Ansonsten zu den praktischen Folgen: Mein Artikel sollte ja gerade nicht einfach nur ein theoretisches Plädoyer für offene Beziehungen sein (wie Schotts Buch), sondern gerade eine praktische Anregung: Mehr darüber nachdenken, wodurch in Beziehungen Verbindlichkeit und Verlässlichkeit entsteht, wenn es nicht mehr die Norm der Monogamie ist oder sein soll oder sein kann (und mein Punkt ist: Die MOnogamie als Norm funktioniert, siehe hohe Trennungsraten, faktisch schon nicht mehr, ich fordere nicht deren Abschaffung, sondern ich konstatiere sie)…

  42. Pingback: Monogamie, Polyamorie, offene Beziehung?

  43. Aber wenn die Monogamie in Beziehungen Verbindlichkeit entstehen läßt, dann doch nicht in dem Sinne, dass sie sozusagen die Quelle der Verbindlichkeit ist – sondern indem sie so etwas wie ein Pfand ist, mit dem die Ernsthaftigkeit der Beziehung symbolisiert wird.

    Auch bei offenen Beziehungen ist es doch nicht so, dass man zwanzig oder dreissig Leuten gegenüber „verbindlich“ ist, was doch schon praktisch unmöglich ist, sondern eher so, dass eben eine Beziehung ausgezeichnet ist, eine Beziehung etwas herstellt, was eben mit den anderen nicht geteilt wird. Das ist dann vielleicht nicht körperliche Nähe, sondern etwas anderes … aber in den paar „offenen“ Beziehungen von Bekannten, die ich kenne und die tatsächlich nicht noch schlechter funktionieren als monogame ( die gehen ja nun auch genauso häufig auseinander ), gibt es eben so ein „Pfand“.

  44. http://www.amazon.de/Lob-offenen-Beziehung-Liebe-Vernunft/dp/3865057047

    http://www.buch.de/shop/buecher/mehrvonartikel/lob_der_offenen_beziehung_sexual_politics_band_1/oliver_schott/ISBN3-86505-704-7/ID21266829.html?jumpId=3921919

    Nach Deiner Antwort schliesse ich, daß Oliver Schott „Monogamie“ wirklich als eine einmalige lebenslange Sache betrachtet. Ist das aber im Begriff so vorgegeben? Mein alter Duden sagt dazu: „Griechisch: Zusammenleben mit nur einem Geschlechtspartner, Einehe. Gegensatz: Polygamie“ Wikipedia schränkt es dann auf „lebenslang“ ein, OK…

    Auf gesellschaftlicher Ebene zeigt uns doch gerade auch die Sarrazin Debatte, welche Ängste und Verscheibungen der Ängste wir mitmachen (von äußeren Gefahren hin zu „inneren Gefahren“). Interessant in dem Zusammenhang zu lesen ist:

    http://www.zeit.de/2010/37/L-S-Han

  45. @Matthias – Schott meint, dass die „serielle“ Monogamie schon gar nicht mehr das beinhaltet, was die „exklusive“ Monogamie ursprünglich mal beinhaltet hat. Im Tierreich etwa bedeutet Monogamie, dass man nur mit einem Partner Kinder hat. Das mit den Kindern und den Generationenbeziehungen ist nämlich auch noch mal ein ganz anderes Fass, das man da auf machen kann, was ich einem älteren Blogpost unter dem Titel „Die Rückkehr der Vielehe“ schonmal gemacht habe: https://antjeschrupp.com/2009/04/06/die-ruckkehr-der-vielehe-warum-wir-langst-nicht-mehr-monogam-sind-%e2%80%93-und-warum-das-auch-nicht-schlimm-ist/

  46. Kann es sein, dass bei der Forderung nach Polygamie eine klassische Kompensationsstrategie dahintersteckt: Die eigene Beziehungsunfähigkeit und Enttäuschung über bisher nicht gefundenes Lebensglück wird schwupps uminterpretiert in Ablehnung der Monogamie (unser Gehirn kann das sehr gut). Rationale Bewältigung einer kognitiven Dissonanz kann man auch dazu sagen (wenn man möchte). Bin mir ziemlich sicher, dass es sich so verhält.
    Denn wenn das alles so klar ist, warum muss man dann Bücher drüberschreiben oder in Kommentaren zu selbigen jedem seine Ablehnung der Monogamie kundtun? Dieses Mitteilungsbedürfnis der Polygamie-Befürworter, ihr Missionierungsdrang, das ständige Reden über ihre Idealvorstellung von Sexualität, die Abwertung der Monogamie als „irrational“ oder „altmodisch“, das alles weist ja auf ein sehr unbefreites und gar nicht lockeres Verhältnis zur eigenen Sexualität und zu Sexualität im allgemeinen hin.
    Also: So schrecklich unentspannt (und damit auch lächerlich) kommen mir eigentlich am meisten die Polygamisten vor.

  47. hallo Antje Schrupp,

    habe mir nicht alles durchgelsen.
    Aber ich finde allgemeine Lösungen oder „Lösungen“die für alle Menschen sprechen sollen nicht der Richtige Weg sind!
    Denn jeder Mensch empfindet auch verschieden.
    Und in dem Moment wo ich eine allgemeine Wegrichtung angebe spreche ich Menschen was ab und anderen was zu!
    Du kannst doch nicht für andere sprechen nur weil DU und einige viele oder wenige so empfinden oder?
    Ausserdem existiert noch keine wircklich Frauliche Kultur,so das man noch nicht von einer fraulichen monogamie oder fraulichen poligamie usw oder wird anders heißen und sein sprechen kann.
    Aber selbst da würden sich dich die Beziehungen sehr unterscheiden voneinander.
    Es ist ein zeiemlich oft zu beobachtendes menschliches Verhalten z.B.ich mag Tomaten aber die andere mag Äpfel.
    Dann muss eine die andere überzeugen auch Tomaten zu mögen?
    Und Machtstrukturen sind in allen Beziehungsformen wieder zu finden.
    Also ich mag meine Freundin und niemand anderen auf diese Art und Weise.
    Aber wer anders leben will soll doch.

  48. @all hier

    Meistens sind die feministinnen die Frauen die Männer noch mehr unterstützen als Frauen.
    Nicht alle aber das habe ich oftmals schon beobachtet.
    Vielleicht ist Feminismus nur ein Hilfswort in dieser zwangsweise übernommen Kultur.

  49. @all hier

    Also ich bin zwar ein hässliches vögelchen muss mir keine gedanken machen!! aber so allgemein gesehen wenn ich so einige Meinungen und Verhaltensweisen sehe dann denke ich mir hmm…die wircken voll unangenehm weil sie für Allein richtig gehalten werden.
    Gerade bei dem Thema Sexualität gibt es immer wieder die Disskussionen so ist es besser oder so.
    Aber es scheint ein menschliches Verhalten zu sein wobei Sexualität auch mit Machtverhältnissen und Kultur viel zu tun hat!

  50. Solange die Forderung nach „Monogamie“ auf einer Ko-Abhängigkeit beider Partner beruht, wird sie nur die darunter liegenden Probleme zu verdecken versuchen.
    Wenn zwei Menschen eigenständig, autark, emotional unabhängig und freiwillig miteinander leben, werden sie sich auch treu sein wollen – ganz automatisch.

    LG

  51. Der Begriff 17-er-Beziehung sagt mir leider nichts, online konnte ich auch keine Def. finden. Bitte um Erklärung.

  52. @Lisa – Das ist auch kein feststehender Begriff, aber ich habe mich daran erinnert, dass ich das mit Freund_innen früher so diskutiert habe: Zweierbeziehung ist, da waren wir uns einig, spießig und blöd. Dreierbeziehung ist problematisch, weil dann leicht eine_r von den anderen beiden ausgeschlossen wird. Viererbeziehung ist problematisch, weil die Gefahr groß ist, dass sie sich in zwei Paare aufteilen. Fünferbeziehung ist problematisch, weil dann leicht eine_r zum fünften Rad am Wagen wird. Und so weiter. Erst die 17-er Beziehung, so witzelten wir dann, ist ideal.

  53. Ich kann Edward Heisner nur zustimmen. Gleiches Gefühl ereilt mich, wenn ich das lese. Ich glaube an die Monogamie mit all ihren Herausforderungen, denn alle Schätze dieser Welt sind nicht umsonst.

  54. Hallo,
    Ich fand den Artikel und auch die sachlichen Kommentare sehr interessant und stoßen zum Nachdenken an. Ich betrachte weder den Artikel noch die Kommentare als absolut, sondern als Sichtweite einer Person (danke an alle die so offen sind). Schade finde ich, dass einige gleich schreien und meckern, nur weil jemand seine Meinung gesagt hat😦
    Sehr interessant fand ich die These (ich weis gerade nicht mehr von wem) das Beziehungen unterschiedliche Formen haben können und dadurch mit verschiedenen Menschen gleichzeitig funktionieren. Also z.B 2er Beziehung, da neben eine platonische Freundschaft mit dem anderen Geschlecht (ich schreib in der hetero Form, gilt aber auch für die Homo Form) und vielleicht noch 1-2 beste Freunde. Man sollte lediglich mit dem Partner der 2er Beziehung klären, was erlaubt ist und was nicht. Hier kommt die bereits Erwähnte Kommunikation ins spiel, reden. Sowohl sachlich als auch emotional.
    Ich werd das so auf jeden Fall versuchen und hoffe mein Weg zu finden.

    PS. Oben genanntes spiegelt meine Meinung wieder und keine allgemein gültige Formel für alle. Bitte beim kritisieren beachten.

  55. Leider wird hier begrifflich oder thematisch etwas durch einander geworfen, das ursprünglich, eigentlich, vielfach, genau besehen gar nicht unbedingt zusammen gehört.
    Michael Verhoeven allerdings sagte kürzlich in einem längeren Interview mit ihm und seiner Frau Senta Berger: „Viele Freunde von uns sind mit dem Begriff `Treue´eher `philosophisch´ umgegangen – anders als wir. Aber die sind heute längst alle geschieden …“
    Ich finde, daneben, dass hier Begriffe ungenau verwendet werden, ist das Unbefriedigende bei dieser Behandlung des Themas, dass irgendwie sehr von der „Jetzt-Zeit“ und ihren Lebenszusammenhängen und -erfahrungen, ihrer Lebenszeit ausgegangen wird, und diese ist wesentlich bestimmt von einer als prüde in Erinnerung gebliebenen Adenauer-Ära und dann dem Kampf dagegen, mit u.a. der „Sexuellen Liberalisierung“, dem Feminismus usw.
    Es erscheint in solchen Rückblicken irgendwie immer so als hätte es „Befreiung“ erst „in unserer Zeit“ gegeben, und „Treue“/“Untreue“ seien erst „heute“ ein Thema.
    Hier wird aber die „bürgerliche“ Gesellschaft Europas, und dann noch der kleine Ausschnitt der Nachkriegszeit, als Schau- oder Kampfplatz genommen, was bereits zu einer Verengung der Sichtweise führen muß.
    In einer erweiterten Skala jedoch erscheinen all diese Themen in anderem Licht; der „Kampf“ des „Individuums“ gegen „Unterdrückung“ und Erschwernis der „Entfaltung der Persönlichkeit“, welcher der (spät-)“bürgerlichen“ Gesellschaft so zentral erscheinen will, bekommt andere Zusammenhänge.

    Eigentlich geht es aber nicht (nur) um „Monogamie“, sondern um den Begriff der „Romantischen Liebe“: das heißt, dass zwei „Seelenverwandte“ sich finden sollen bzw. dürfen, und das mußte erst erkämpft werden gegen frühere vor-bürgerliche und dann bürgerliche Vorstellungen von „Zwangsehen“ („standesgemäßen“ Ehen, usw.).
    Die Bedeutung oder Überhöhung der Sexualität hat damit erstmal gar nichts zu tun; die „Monogamie“ ergibt sich bei der „Romantischen Liebe“ eher aus dem Anspruch, „sich“ bzw. den/die „Richtige/n“ gefunden zu haben, und dann auch daran festzuhalten.
    Das „Abweichen“ zu „Anderen“ wird dann als Verletzung des vermeintlich gefundenen „richtigen“ Selbst empfunden, das in Frage gestellt wird.

    Hier entsteht also eher die Frage, ob denn ein in „ehefähigem“, „fruchtbaren“ Alter befindlicher Mensch sich überhaupt schon abschließend „gefunden“ haben kann, oder nicht sich – „natürlich“ – weiter verändern muß, wobei es auch nicht ausgeschlossen sein kann, dass man herausfindet, der/die „Richtige“ könne doch nicht der/die „Einzige“ oder der/die „Richtige“ sein.
    Dies alles wird nun noch weiter überlagert oder verschärft von den Ansprüchen, die an das spät-kapitalistische Individuum bestehen, das allen Anforderungen der „Freien“ Wirtschaft genügen, sich „selbst erschaffen“ und erhalten und dabei noch „gelingende Beziehungen“ aufbauen und erhalten soll.
    Dabei zu scheitern, wird als „Scheitern“ des „Individuums“ im „Lebenskampf“ wahrgenommen; und diese Angst vor dem Scheitern führt dann andererdseits auch viele dazu, die „Ansprüche“ von vornherein zurückzuschrauben … obwohl man eigentlich „mehr“ möchte, d.h. eben die Sehnsucht nicht abstellen kann.
    So wirkt denn auch dieser Beitrag von Antje Schrupp bei aller Differenziertheit eher technisch, „vernünftig“, „pragmatisch“ – wie es halt von einem Individuum verlangt wird, das „sein Leben bewältigen“ soll.
    Bereits die „romantische Liebe“ aber ist eher ein Abklatsch der eigentlichen, gewaltigen, unstillbaren menschlichen Sehnsucht … und diese „Pragmatik“ nun ein Abklatsch der „Romantischen Liebe“.

    Die ursprüngliche Sehnsucht aber ist eine, die den Anspruch hat, dass man durch alle Wandlungen, in allem Leid, in aller Unzulänglichkeit, in jeglicher Veränderung, jeder Verirrung getragen wird, geliebt wird, Hilfe erhält, unterstützt wird, und eine, die weiss, dass nur dieses Festhalten an der ursprünglichen gewaltigen Sehnsucht auch einem selbst den Ur-Grund gibt, den „Sinn“, die Kraft, überhaupt durchzuhalten und Anderen Kraft zu geben.
    Mit „Sex“ hat all das aber überhaupt NICHTS zu tun; Sexualität ist in diesem Zusammenhang nur *ein* Ausdruck der eigentlich *alle* Menschen umfassenden Verbundenheit.
    Genau genommen widerspricht eigentlich der Anspruch der „Romantischen Liebe“ der Monogamie: denn die „Romantische Liebe“ soll ja gerade für „starke“, „entwickelte“ Persönlichkeiten sein – und diese Stärke und Entwicklung steht gemäß dem „romantischen Ideal“ jedem zu, nicht nur dem/der „Richtigen“.
    Im Laufe dieser persönlichen Entwicklung aber will man lt. „Romantischem Ideal“ aber auf Die/Den treffen, der einen im tiefsten Inneren versteht, und eben die Ansprüche der Sehnsucht – wie auch immer menschlich unzulänglich – bis an das Ende tragen soll.
    Aber das ist ja schon religiös, und der „moderne“, sich „selbst erschaffende“ Mensch ist – bekanntlich – darüber hinweg.
    Nur die eigentliche, ursprüngliche Sehnsucht bleibt, sie läßt sich nicht abstellen, nicht ruhig stellen.
    Sie sagt etwas anderes – aber der „moderne“ Mensch hat es ruhig gestellt, was die Sehnsucht sagt, und was jede/r als zutiefst richtig empfindet, und worauf eigentlich auch nur die „Menschenrechte“ sich berufen können.
    Indem der „moderne“ Mensch gelernt hat, sich seiner Sehnsucht zu schämen, und tausend „Vernunft“-Gründe an deren Stelle setzt, hat er es auch verlernt, an die *Gesellschaft* die Ansprüche zu stellen, welche der ursprünglichen Sehnsucht und deren Verwirklichung – wie auch immer menschlich unzulänglich – gemäß wären.
    Und so rinnt ihm das unter den Fingern weg, wofür in Klassik und dann Romantik einmal die Menschen aufgestanden sind.

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  58. Monogamie ist ein Produkt unserer angepassten,materiellen nach Sicherheit strebenden Gesellschaft.
    Monogamie ist Ausdruck unserer inneren Leere, die Selbstvergessenheit in Sexualität sucht und die Sexualität überbetont.
    Monogamie rührt von unserem engstirnigen, kleinlichen und oberflächlichen Geist.
    Monogamie trennt und spaltet, ist lebensfeindlich.

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  60. Sind Menschen nun genetisch bedingt monogam oder doch eher polygam veranlagt? Sind wir gar von Natur aus untreu? Fraglich ist, ob man immer alles einfach auf die Natur schieben kann. Leben wir immer noch in der Steinzeit, so dass fremdgehende Männer eben einfach „nicht anders“ können, weil das Fremdgehen in den Genen liegt? Sind wir nicht eher dem Steinzeitalter entwachsen unterliegen jedoch einer „evolutionsbiologischen Prägung“? Dies würde bedeuten, das Frauen vor der Menopause eher einem Seitensprung zugeneigt sind, einfach weil sie in der Zeit fruchtbarer sind und bei Männern wiederum ab 40 die Bereitschaft zum Fremdgehen sprunghaft ansteigt. Die Frage ist, ob die biologischen Theorien überhaupt so eindeutig sind. Immerhin schreiben wir das Jahr 2014 und müssen uns nicht willenlos unserem Trieb unterwerfen, sondern können treu sein, wenn wir es wollen, oder?
    Das Thema wird als Expertenrat auf nachfolgender Seite sehr interessant von verschiedenen Seiten beleuchtet: http://www.seitensprung-fibel.de

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