Frauen bloggen anders. Anders als wer?

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Bloggen Frauen anders? Das Thema, das derzeit in diversen Blogs diskutiert wird (Carta, Politik.de) usw. – beim Googlen fand ich übrigens, dass das schon seit 2006 oder so immer mal wieder als Thema vorkommt), interessiert mich gewissermaßen aus historischen Gründen. Ich habe nämlich in meiner inzwischen 25-jährigen Laufbahn als Journalistin ebenfalls diverse Artikel zum Thema „Dingsen Frauen anders?“ geschrieben, allerdings liegt das schon eine Weile zurück.

Inzwischen frage ich bei so etwas immer zurück: Anders als wer? Und wenn dann die Antwort kommt: Na, anders als Männer! – winke ich dankend ab. Mag sein, mag nicht sein, interessiert mich nicht.

Und zwar nicht nur aus dem ganz offensichtlichen Grund, dass eine solche Fragestellung schon rein formal die Männer und das, was sie tun, zum Maßstab für weibliches Handeln macht. Sondern weil diese Perspektive eine andere Fragestellung ausschließt und verschleiert, hinter der sich meiner Meinung nach die eigentlich spannenden Themen verbergen: Nämlich die Frage, ob und wo Frauen etwas anderes machen – als andere Frauen!

Dass die Beschäftigung mit der sexuellen Differenz eigentlich nicht die Unterschiede zwischen Frauen und Männern, sondern die Unterschiede zwischen Frauen untereinander in den Fokus rückt, ist dabei zugegeben kein ganz einfacher Gedanke. Ich habe ihn Mitte der 1990er-Jahre von italienischen Feministinnen gehört, konnte aber zunächst einmal nichts damit anfangen.

Damals war ich mitten in meiner Doktorarbeit und hatte mich festgefahren. Mein Thema im Fach „politische Ideengeschichte“ war: Frauen in der Ersten Internationale (der europäische Dachverband der Arbeiter- und Arbeiterinnenbewegung im 19. Jahrhundert). Ich hatte mir vier Frauen ausgesucht und wollte deren politische Ideen untersuchen, und zwar insgeheim mit dem Ziel, zu zeigen, dass Frauen „anders“ Politik machten als die Herren Marx, Engels, Bakunin und Co. Dazu hatte ich auch schon jede Menge Material aus diversen Archiven und Bibliotheken ausgegraben – allein, der Befund war nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nicht nur waren die Frauen an ganz entscheidenden Punkten keineswegs einer Meinung. Es gab keinen „anderen“ weiblcihen Sozialismus. Aber viel schlimmer noch: Die Frauen waren auch irgendwie nicht so „gut“ wie die Männer. Ihre Texte waren weniger eloquent, sie kamen nicht so recht auf den Punkt, ihre Standpunkte ließen sich nicht so gut identifizieren. (Später habe ich das hier mal analysiert).

Natürlich hätte ich mich jetzt auf den Punkt der Diskriminierung zurückziehen können: Sie hatten weniger Zeit, waren mit den Kindern etc. beschäftigt, waren nicht so lange in die Schule gegangen, wurden von der Gesellschaft an allem möglichen gehindert und so fort. Aber das hat mich selbst nicht richtig überzeugt, selbst wenn es natürlich irgendwie auch stimmte. Aber das war so – unprickelnd.

Und dann kam – kurz bevor ich das Ganze schon in die Ecke schmeißen wollte – dieser Gedanke, dass das eigentlich Interessante aus feministischer Perspektive die Unterschiede zwischen Frauen sein sollten. Und damit kriegte ich dann tatsächlich die Kurve. Denn als ich mich erst einmal von der Idee verabschiedet hatte, eine gemeinsame weibliche Position herausdestillieren zu wollen und stattdessen anfing, die von mir gewählten Frauen in ihrer Subjektivität zu sehen, also nicht als Repräsentantinnen ihres Geschlechts, sondern als politisch handelnde Individuen – da konnte ich mit ihren Texten plötzlich etwas anfangen.

Am Ende wurde also die Diss dann doch noch fertig. Die Konflikte, die die verschiedenen feministischen Sozialistinnen untereinander austrugen, waren nicht nur spannend, sie rückten auch die ganze Geschichte der Ersten Internationale in ein neues Bild. Plötzlich kamen Themen zum Vorschein, die in den Debatten der Männer kaum eine Rolle gespielt hatten.

Noch ein anderes Beispiel: Vor einiger Zeit nahm ich an einer Konferenz zum Grundeinkommen teil, wir waren etwa 40 Männer und vielleicht fünf, sechs Frauen. Die Diskussion plätscherte dahin, es ging um Finanzierungsfragen und darum, von wem man sich abgrenzen muss und so weiter. Ich sagte auch mal was, aber meistens langweilte ich mich. Die anderen Frauen sagten auch nur wenig.

In der Pause war ich auf dem Klo, als eine Frau zu mir kam und sagte: Sie fände das, was ich gesagt hatte, völlig falsch, aber sie hätte mich nicht dort in der großen Runde kritisieren wollen, denn wir wären doch eh so wenige Frauen und müssten daher solidarisch sein. Erstmal fand ich das eine nette Geste, aber hinterher wurde mir klar, dass genau das das Problem war: Hätte sie mich in dieser Runde öffentlich kritisiert, hätte das der ganzen Konferenz vielleicht einen anderen Charakter gegeben. Wir hätten die Chance gehabt, über unsere Themen und Konflikte zu reden (und nicht über die, die die Männer wichtig fanden), und wahrscheinlich wäre es für uns weniger langweilig und für die Konferenz insgesamt fruchtbarer gewesen.

Was hat das jetzt alles mit der Frage zu tun, ob Frauen anders bloggen?

Das weiß ich nicht. Denn mir ist noch nicht wirklich klar, wo die Konflikte unter bloggenden Frauen liegen. Das liegt vermutlich auch daran, dass ich außer mir selbst bisher keine andere Frau persönlich kenne, die regelmäßig bloggt (die anderen Bloggerinnen kenne ich nur „aus dem Netz“, es ist noch keine wirkliche Beziehung und politische Auseinandersetzung daraus entstanden).

Mein Hauptkonflikt rund um das Thema „Bloggen Frauen anders“ liegt daher momentan noch an dem Punkt, wo ich die anderen Frauen um mich herum frage: „Warum bloggt ihr eigentlich alle nicht, obwohl ihr doch so kluge Gedanken habt?“ Diesen Konflikt trage ich gerne und herzhaft aus, aber aus nahe liegenden Gründen nicht im Netz 🙂

Möglicherweise ist das bei euch anderen Bloggerinnen, die ihr euch untereinander schon besser kennt, anders? Immerhin gab es ja inzwischen einige Barcamps und Vernetzungstreffen. Und das würde mich interessieren: Über welche Sachen und Themen wart ihr da unterschiedlicher Meinung? Wo sind eure Differenzen im Bezug auf Netzpolitik? Das wäre etwas, worüber ich wirklich gerne mehr erfahren würde. Ich vermute zum Beispiel, dass es die eine oder andere Differenz zwischen mir und Anne Roth im Bezug auf Datenschutz geben könnte. Oder zwischen mir und der Mädchenmannschaft im Bezug auf die Gleichstellung. Oder zwischen mir und Kathrin Ganz im Bezug auf Geschlechterkonstruktionen. Oder zwischen mir und Piratenweib über die Frage der Identitätsaufdeckung. Mit Jana Herwig und würde ich mich übrigens gerne mal streiten, weiß aber noch nicht genau, über was. Und mit Frau Stricktier habe ich neulich sogar schon mal kurz disputert 🙂 Oder, oder, oder. Und, und, und.

Ein kleiner erster Ansatz waren schon die Diskussionen rund um das Thema Frauen und Piraten, an denen sich ja klar viele Frauen mit gegensätzlichen Meinungen beteiligt haben. Leider ist das unter’m Strich nicht sehr fruchtbar verlaufen, was meiner Meinung nach auch daran lag, dass diese Diskussion in einem von Männern dominierten Umfeld stattfand, die die Frauen, die Pro-Piraten argumentierten, ständig zu Kronzeuginnen für ihre eigenen Positionen machten. Ich jedenfalls hatte dadurch das Gefühl, ständig auf zwei parallelen Ebenen zu diskutieren.

Also, wir üben halt noch. Aber ich wette, wenn wir erstmal anfangen, unsere Konflikte im Netz sichtbar zu diskutieren, ergeben sich ganz von selbst spannende Entwicklungen. Ob dabei dann herauskommt, dass Männer möglicherweise „anders“ bloggen, wird sich ja zeigen. Aber quasi nur als Nebenprodukt.


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35 Gedanken zu „Frauen bloggen anders. Anders als wer?

  1. Es ist doch sehr einfach: unterschiedliche Individuen bloggen auch unterschiedlich. Und unterschiedliche Individuen, die sich recht ähntlich sind oder ähnlich denken, werden auch ähnlicher bloggen.

    Würde man es auf Geschlechter ausdehnen wollen, glaube ich schon, dass Frauen doch etwas vielfältiger bloggen im Großen und Ganzen.

  2. Pingback: Bin ich eine Nutte? « … Kaffee bei mir?

  3. Gefällt mir erstmal gut, der Ansatz, und der Einblick. Und dann denke ich mir, was Geschlecht da eigentlich noch für eine Rolle spielt. Oder ob es nicht letztlich um, hmm, Heterogenität innerhalb der heterodoxen Position in einer heteronormativen Rahmung geht. Oder um das Ineinandergreifen geteilter „Minoritäts“erfahrungen (seit ich Christoph Spehrs Alien gelesen habe, muss ich dabei an „triple oppression“ denken) mit der Übernahme der „majoritären“ Homogenitätsdeutung durch die „Minorität“ (in Anführungszeichen, weil es nicht um Zahlenverhältnisse, sondern um Macht geht). Intersektionalität (um noch ein Buzzword ins Spiel zu bringen)?

  4. melde mich mal wieder – lese immer wieder sehr gerne deine gedanken – und finde sie sehr interessant – selbst auf die gefahr hin, dass solche kommentare nur ein „nebenprodukt“ sind 😉

  5. Anlässlich der republica hatte ich meinen Beitrag zum Thema Bloggen „wir“ anders? geschrieben, und finde wenig hinzuzufügen, obwohl ein paar Monate seither ins Land gegangen sind. Hier http://www.denkding.de/?p=1908

    Wenn wir schon Zahlen heranziehen wollen: ich finde, dass die Messmethoden nicht gut gewählt sind. Viel relevanter als zum Beispiel Links (wie sie für die Blogcharts relevant sind) finde ich Feedabos (die soweit ich weiß noch immer nicht exakt ermittelt werden können) oder direkte Leser. Oder den Traffic, der über Twitter oder Facebook kommt.
    Auch die Konstanz der Leserzahlen. Jeden Tag ein paar Hundert sagt mehr über meine Relevanz für mein Publikum aus als einmal im Jahr 5000.

    Vielleicht ließe sich ein anderes Messinstrment wählen und dann sehen wir schnell, ob man dann noch so viele Unterschiede findet.

  6. @Till – das ist interessant, das sagen mir Männer oft, wenn es um dieses Thema geht. ich kann es nicht ekrlären, aber bei mir ist es halt so, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie Geschlecht KEINE Rolle spielen kann. Es spielt in meinem Leben immer eine Rolle, wobei ich es aber ja gerade nicht als Position sondern eher als Tatsache sehe (das Frausein). Vielleicht liegt es daran, dass ein „als Frau“ aufgewachsener Mensch eben zwangsläufig ständig mit der Nase darauf gestoßen wird, dass das Anders-sein das Normale ist (in Form der Botschaft: Du bist nicht normal, oder wenn, nur im übertragenen Sinne, d.h. wenn wir dein Geschlecht jetzt mal übersehen und beiseite lassen). Während Männer (vor allem weiße, heteros), wenn sie nicht speziell darüber nachdenken, leicht in Versuchung geraten können, das Normal-sein für normal zu halten 🙂 – Und so gesehen stimmt es mit triple oppression und Intersektionalität, denn es gibt eben auch Männer, die diese „Anderssein“ Erfahrung machen.
    Jedenfalls: Ich kann nicht anders, als aus deiner Frage: „Was Geschlecht eigentlich noch für eine Rolle spielt“ heraus zu hören: „Wenn du normal sein willst, dann musst du dein Frausein für unwichtig erklären“. Genau das will ich aber nicht. Es ist für mich wesentlich, dass ich eine Frau bin. Ohne mich dadurch auf etwas festlegen zu lassen.
    PS: Christoph Spehrs Aliens ist auch eines meiner Lieblingsbücher :))

  7. @frau stricktier – und das wären aber immer noch alles nur quantitative Messmethoden. Aber: Ein Leser/Leserin, die nach der Lektüre ihre Meinung überdenkt und was neues dazulernt, sind mehr „Relevanz“ oder „Einfluss“ als tausend, die sagen: Genau, hab ich ja auch schon immer gewusst.

  8. Mir ging’s weniger um „Geschlecht unwichtig erklären“ sondern eher um „Geschlecht als Geschlecht alleine für nur bedingt aussagekräftig erklären“, glaube ich. Wenn das eine sinnvolle Unterscheidung ist: relevant ist die Geschlechtszugehörigkeit nicht per se, sondern nur in Relation zu sowohl den gesellschaftlichen, kollektiven, milieuspezifischen … Erwartungen und Normen (auch im Sinne eines: wann wird Geschlechtszugehörigkeit von wem relevant gemacht) als auch in Relation zu anderen „Identitätssplittern“ (weiß, Mittelschicht, AkademikerIn …).

  9. Quantitativ sind sie, aber ich gebe zu bedenken, dass ein Feedabo immerhin bedeutet, dass man sich entschieden hat, diesem Blog eine Weile zu folgen. Das wiederum lässt Rückschlüsse zu auf die Qualität, die das Blog für den einzelnen Abonnenten hat.
    Ob die Qualität daher rührt, neue Einblicke zu bekommen, sich in seiner Haltung bestätigt zu fühlen, sich Beitrag für Beitrag allmählich an ein Thema heranzulesen, oder einer Person näherzukommen ist im ersten Schritt eigentlich egal.

    Ich gehe dabei von mir aus. Stoße ich auf ein Blog das mir gefällt, abonniere ich es. Und lerne. Ist ein Artikel provokant, lese ich die Kommentare und lerne noch mehr.
    Blogs die mir gefallen sind selten monothematisch, aber sehr häufig von Menschen geschrieben, die durch ihre spezielle Sicht auf die Dinge etwas in mir auslösen, das ich nur mit familiar beschreiben kann.

    Warum? Weil mich die Art und Weise anspricht, wie über Dinge geschrieben wird, weil ich gerne bei Anke lese, was wie wieder gekocht hat und bei Frau Elise, wie ihre Spülmaschine abgebrannt ist. Oder bei der vorspeisenplatte mitstaune, wie viele tausend Kilometer am Tag sie schon wieder geschwommen ist und bei HappySchnitzel, wie sie in Berlin ankommt.

    Weil ich nicht andauernd KrawallTexte/Kommentare lesen will über das böse/liebe Google, das böse/tolle Streetview, die bösen/altmodischen/hinterwäldlerischen Holzmedien und das liebe liebe liebe Internet.
    Oder über die böse böse böse Politik, die unwissenden/ungebildeten Politiker. Dieses Betroffenheitsgeschrei „seht her, ICH habe eine Ungerechtigkeit entdeckt, jetzt habt mich bitte alle lieb dafür, dass ICH sie benenne und seht her wie ICH mich einsetze (für euch) und das sogar ins INTERNET reinschreibe.“

    Und siehe da: mein Reader hat sich im Laufe der Zeit enorm verweiblicht.

  10. @Till – ja, das seh ich auch so. Die Relevanz steht auch nicht einfach so fest, sondern wird von den Beteiligten je in einer konkreten Situation quasi „ausgehandelt“.

  11. Vielleicht ist die fehlende Streit/Diskusssionskultur im Netz unter Frauen ähnlich gelagert, wie in der physischen Welt. Selbst im Showkampf – wie z.B. bei Podiumsdiskussionen – fehlt es am Mut zur Unterschiedlichkeit.
    Wobei „United we stand“ auch nicht der schlechteste Ansatz ist, wenn es darum geht, ein gemeinsames Ziel vor Augen zu haben.

    Viele Worte um Dir zuzustimmen, @ Antje.

  12. Hehe – danke für die Einladung zum Streit und v.a. für das Post – hatte das Politik.de -POst gelesen, es hat einen unbefriedigenden Eindruck bei mir hinterlassen, und so ganz konnte ich nicht sagen, wieso (wobei ‚mein Thema‘ eher das am Ende angerissene Frage war: ob und und inwiefern online die Geschlechter eh nicht mehr nach Mann und Frau eingegrenzt werden sondern viel fließender; das ist für mich keine Geschlechterfrage, sondern eine Identitätsfrage, und da gibt es in der Tat vielfältige Positionierungen, bis hin zu einem Punkt, wo man eigentlich nicht mal mehr von Identität reden kann, sondern von Subjektpositionen, die sich mal so, mal anders gestalten).

    Ein Punkt, an dem man, wenn man die frauenspezifischen Unterschiede herausarbeiten könnte, wäre z.B. die Frage, ob jemand mit einem bewusst gewählten Thema bloggt, um den Blog zu positionieren, oder den Blog als die Andockstation im Netz betrachtet, auf der die eigenen Positionen notiert werden (und für die die Kategorie ‚tagebuch‘ m.e. unzutreffend ist).

    Wenn man (gähn) zum xten Mal gefragt wird, was der „inhaltliche Unterschied“ zwischen Blogs und Journalismus ist und in diesem Zusammenhang, was denn so in Blogs drin steht sage ich oft: Es gibt vermutlich annähernd soviele Blogtypen, wie es Menschen gibt, weil jede und jeder den Blog für sich selbst gestaltet – zugegebenermaßen ist das aber doch zu beliebig, und gerade bei den sich positionierenden Blogs kann man vermutlich noch am ehesten Kategorien ausmachen.

    Anders schaut es evtl. aus bei den anderen, sagen wir einfach mal, das Leben reflektierenden Blogs – die sind deswegen spannend, weil man dann u.U. feststellt, dass „Mamablogs“ und „Journalistinnenblogs“ eine Menge gemeinsam haben. Das Leben, die Haltung dazu und zu seinen Ereignissen, gibt die Inhalte vor, i.S. eines Anlasses zum Reflektieren.

    Ich selbst sehe jetzt nicht so die fehlende Streitkultur im Netz „unter Frauen“ (ad meine Vorrednerin) wobei auch da die Frage zu stellen wäre, wieso es eine solche unter Frauen geben sollte, bzw. warum das das einende Kriterium sein sollte.

    Für die Statistik: In meinem Feedreader sind mehr von Männern als von Frauen betriebene Blogs, und bei einer viel zu geringen Strichprobe für repräsentative Aussagen kann man sagen, dass die Männer ihre Blogs häufiger aktualisieren, gemischtgeschlechtliche sind nur wenig darunter, die werden aber häufiger aktualsiert.

    Und das letzte Blogpost von einem Frauenblog, von dem ich gern mehr gelesen hätte, lass‘ ich euch auch hier, was immer ihr daraus macht:

    http://schimaere.wordpress.com/2009/07/01/no-rest-for-the-wicked/

    ich habe einfach keine zeit mehr zum bloggen seit ich arbeite (hah!)

    in aller kürze: die sog. tempelhof-besetzung war eine farce, fusion war über-über-voll, und der transgeniale-csd kam an einem burgeressenden bushido vorbei.

    fotos folgen.

    :: bis dahin ::

    Vom 1. Juli 2009

  13. Aber wo wir schon mal dabei sind, was einem ‚Frauenblogs‘ so bringen: Auf diesem Blog komme ich ja gerne vorbei, weil ich immer wieder was über allerhand Feminismen lerne; qua Erfahrungen im Studium gehöre ich eher zu den Butler-Sozialisierten (ad: https://antjeschrupp.com/2010/03/15/warum-ich-nicht-queer-bin-eine-autobiografische-annaherung/), und Geschlecht als performative Kategorie zu begreifen hat mich im Kopf befreit – wobei ich persönlich der queeren Schule grad in Alltagsfragen nicht immer unmittelbar hilfreiches entnehmen kann. Darum ist für mich die Frage „Was sagt Antje dazu?“ eine äußerst hilfreiche in solchen alltäglichen Dingen. Sorry, falls das klingt wie „What would Jesus do?“, aber Lernen an Rolemodels ist doch schön:)

  14. schön, dass die debatte weiter geht…

    erstmal: carta wolte nur gern darauf verweisen, was politik.de geschrieben hat, damit es mehr menschen mitbekommen. da wird also nicht unbedingt diskutiert 😉

    den kommentar, den vera daraufhin geschrieben hat, fand ich jedoch äußerst lesenswert: http://opalkatze.wordpress.com/2010/08/27/bin-ich-eine-nutte/ , denn sie bringt einen wichtigen punkt. nur wenn man aufmerksamkeit auf sich zieht und „klappert“ wird man wahrgenommen.

    zum unterschied zwischen frauen: auch das bleibt doch wieder auf der ebene, dass jede „gruppe“ für sich diskutiert. ist das nicht zu kurz gegriffen. es sollte ja nicht nur die vernetzung/der diskurs innerhalb der frauen verstärkt werden, sondern auch nach „außen“. (wobei das sicher schon hundert mal mit dem ergebnis diskutiert wurde, dass viele faktoren reinspielen, und man nicht einfach verordnen kann, dass ich frauen öffentlich „klappernd“ äußern, so wie vera beschrieben hat…)

  15. @Jana @Sandra – Ich würde in dem Zusammenhang (also im Bezug auf „Frauen“) gar nicht von „Identität“ oder von „Gruppe“ sprechen, sondern von Beziehungen. Also: Zu wem und zu was setze ich mich in Beziehung (widme ich Aufmerksamkeit, nehme ich Differenzen ernst, wem gebe ich Wichtigkeit). Und entsprechend Politk machen (oder Blog schreiben) nicht als Positionierung verstehen, sondern als Versuch der Vermittlung, mit dem Risiko, sich auszusetzen und sich selbst auch verändern zu lassen. In dem Sinne können natürlich die Dialogpartner auch Männer sein.

  16. Ja, die Identitätsfrage stellte sich mir eh aus einem anderen Blickwinkel, nämlich der, wie Personen im Web als solche adressierbar werden, d.h. aus der BeobachterInnenperspektive gedacht – die Rede von Identitäten gehört dann auch gleich wieder aufgelöst, weil sie ein viel zu kohärentes Gesamtbild unterstellt, als man im einzelnen am einzelnen beobachtbaren Artefakt wohl annehmen darf. Das Blogpost ist nicht die Person. Die Beziehungsnetze zu untersuchen ist da ungleich dankbarer, und Feedreader, btw, großartige Werkzeuge zur Aufrechterhaltung (ich verwende netvibes.com – just saying;-)

  17. Sehr interessant fand ich den Absatz mit dem „Klo“. D. h. erst dort hat dir eine Frau ihre wahre Meinung über deinen Beitrag auf der Veranstaltung gesagt. (Ich kenne solche Situationen auch.) Die sanitären Anlagen sind (in der westlichen Welt) irgendwie als einziges Refugium übriggeblieben, in denen Frauen unter sich sein können. Und sie sind ein privater Raum. Ich meine damit, dass der öffentliche Raum schon immer männlich besetzt war und das Private den Frauen zugeordnet. Wenn also eine Frau in den öffentlichen Raum will/dort agiert, tut sie das sehr oft als „innerer Mann“ und argumentiert auch entsprechend in seiner Denkart und Position.

    Wenn diese Frau dir also ihre Kritik ganz offen in der Veranstaltung gesagt hätte, hätte sie ein wenig von diesem „öffentlich-privat“ (Mann-Frau…) gebrochen, und etwas „Privates“ in das „Öffentliche“ gebracht. Also die Frau sichtbar gemacht, diese Dualismen unterlaufen usw.

    Verstehst du ungefähr was ich damit sagen will…?

  18. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Gekommen, um zu bloggen

  19. P.S.: Und da liegt vielleicht auch das Problem mit den „nicht-oder zuwenig bloggenden Frauen“. Das habe ich nämlich auch schon beobachtet, dass Frauen sich (trotz kluger Gedanken) sehr oft nicht öffentlich äußern wollen. (Wenn ich z. B. erzähle, dass ich einen Blog habe, schauen sie mich oft mit völlig verständnislosen Augen an und erzählen irgendetwas von „das Internet seit kalt und unpersönlich, und außerdem seinen da eh nur Teenager und Pornogucker drin, und das wahre Leben spielt sich eh woanders ab und dann noch der mangelnde Datenschutz, ne, ne das ist nichts für mich…“)

    Vieleicht haben viele nur noch nicht begriffen, dass Frauen durch (u.a.) das Internet jetzt die Möglichkeit habe an der öffentlichen Welt teilzunehmen- und sie somit auch zu ihrem Gunsten zu verändert und auf sie Einfluss zu nehmen.

  20. Pingback: Sammelmappe » Blog Archive » Frauen bloggen anders

  21. @Antje Deswegen „Gruppe“ in Anführungszeichen. Vielleicht bin ich dafür zu jung, zu wenig sensibilisiert bzw. zu idealistisch iSd. Gleichbehandlung oder zu DDR-geprägt, aber ich denke bei Kontakten im Netz bzw. in der alltäglichen Arbeit/Diskussion kaum (vielleicht zu wenig) in männlich-weiblich-Kategorien. Deswegen fand ich die „selbstverständliche Gleichberechtigung“ als Idee so schön, auch wenn es sicher noch einige Zeit und viel Ermutigungsarbeit braucht, bis sich auch nur annähernd so viele Frauen in netzpolitischen Fragen sichtbar engagieren, wie wünschenswert wäre…

    Dazu fand ich den Beitrag sehr wichtig: https://antjeschrupp.com/2010/05/28/es-ist-okay-keine-feministin-zu-sein/ Seitdem propagiere ich hoffentlich nicht mehr, dass in meiner Generation eh schon alles besser und gleichberechtigter ist und man es einfach nur wie selbstverständlich leben muss, damit es selbstverständlich wird 😉

  22. Das

    Genau das will ich aber nicht. Es ist für mich wesentlich, dass ich eine Frau bin. Ohne mich dadurch auf etwas festlegen zu lassen.

    möchte ich ganz unabhängig von sonst evtl. unterschiedlichen Ansichten gern mit unterschreiben.

    Die unterschiedlichen Ansichten unter Frauen empfinde ich sehr oft als spannend und anregend. Aber eben manchmal auch als „unsolidarisch“. Ich würde mir oft mehr Solidarität unter Frauen wünschen, wenn es um sexistische Angriffe geht. Und mehr Differenz, wenn es um inhaltliche Diskussion geht.

    Ich meine damit: Nicht eine einheitliche Meinung vertreten, um einer vorgetäuschten Solidarität willen, sondern Solidarität in speziellen Fällen, die unabhängig von unterschiedlichen Sachmeinungen geäußert wird.
    War das jetzt verständlich?
    Ich hoffe … 🙂

  23. Pingback: »Anders als wer?« – worüber bloggen, again « Ws Blog

  24. @piratenweib – meine These wäre, dass dieser „unsolidarische“ Touch wenn Frauen sich streiten, auch daher kommt, dass wir irgendwo noch im Kopf haben, dass sie sich „eigentlich“ nicht streiten dürfen/sollen. Deshalb kommt es dann schnell in die Schiene, dass man die andere Meinung der anderen als Problem sieht, als „falsch“ usw. Anstatt in dieser Differenz etwas Fruchtbares zu sehen und einen Anstoß zur Auseinandersetzung.
    @Claudia – ja, das mit dem Klo ist mir auch schon oft aufgefallen. Vielleicht brauchen wir hier auch eine Art „Coming out“ 🙂

  25. fand deinen Blog sehr anregend. Besonders auch über den Umgang von uns Frauen miteinander in der „realen“ Welt. Ich denke aggressives (im Sinne von selbst-behauptendes) oder auch nur kritisches Verhalten ist gerade auch in reinen Frauenzusammenhängen oft unerwünscht oder kommt zumindest nicht so gut an. Dazu kommt eine männlich dominierte Außenwelt die nur darauf wartet dass Frauen einmal nicht harmonisch miteinander umgehen oder vielleicht sogar konkurrieren um sofort mit dem „Stutenbissigkeitsvorwurf“ aufzuwarten. Das erstickt einen großen Teil unserer Kraft und verhindert eine Weiterentwicklung von Gedanken und Ideen. Von daher halte ich es für sehr fruchtbar einmal die Aufmerksamkeit auf die Differenz und unterschiedliche Standpunkte untereinender zu lenken. Und sich nicht immer nur an der „Männerfront“ abzuarbeiten.

  26. „meine These wäre, dass dieser „unsolidarische“ Touch wenn Frauen sich streiten, auch daher kommt, dass wir irgendwo noch im Kopf haben, dass sie sich „eigentlich“ nicht streiten dürfen/sollen“

    Vielleicht liegt es auch daran, dass Frauen einen anderen Standpunkt im Schnitt schneller als Angriff nicht auf das Sachthema, sondern auf sich selbst sehen und dies auch bei anderen Frauen vermuten. Ich habe häufig das Gefühl, dass Frauen Argumente (auch außerhalb der Geschlechterdiskussion) persönlicher nehmen als Männer und daher auch anders reagieren.
    Dies könnte auch zu der „Kloszene“ beigetragen haben – das Gegenargument wurde dort als Angriff gegen dich gesehen, nicht als Gegenargument in der Sache.

  27. Hallo Frau Schrupp,
    das ist doch mal herzerfrischend, ihr Beitrag. Mir geht dieses ganze Frauen, wie sagen Sie – „dingsen“ – anders herzlich auf den Keks. Frauen machen etwas so oder so und mögen dies und können das … einfältig, langweilig … und Sie haben Recht: Frauen machen da auch noch mit – und grenzen sich aus.
    Und dann sind es auch noch Frauen, die uns die Männer so großziehen, dass wir Frauen dann lästern, sie seien machistisch.
    Simone de Beauvoir hatte doch Recht: Die Frau ist der Frau schlimmster Feind.
    Würde ich dem ganzen Kladderadatsch Glauben schenken, müsste ich auf der Stelle überprüfen lassen, ob ich tatsächlich weiblichen Geschlechts bin. Den Vater meines Kindes könnte ich glatt mitnehmen: Der hat nämlich einen Schuhtick … 😉
    LG mayarosa

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  33. Die Dame im WC hätte Sie in aller Öffentlichkeit kritisieren sollen. Das hätte der ganzen Veranstaltung wesentlich mehr Schwung und Dynamik gegeben. Die Frauen wären sichtbarer geworden und auch die anderen Frauen hätten sich zu Wort gemeldet. Also für die Zukunft, liebe Leute, keine falsch verstandene Solidarität! Frauen sollen schon solidarisch sein, wenn es z. B. um allgemeine Verbesserungen per Gesetz geht, z. B. Verbesserungen für den Mutterschutz von Unternehmerinnen oder bessere Kinderbetreuung für StudentInnen. Frau muss da halt unterscheiden können.

  34. Um Frauen nicht einseitig auf ihre Mutterrolle festzulegen: Solidarität im Bezug auf Kinderbetreuung und Hausarbeit durch Männer, Frauensolidarität in politischer Arbeit und und und.

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