Der Mythos von Maria Magdalena

Diese Woche habe ich an einer Podiumsdiskussion teilgenommen, bei der es um drei wichtige Frauen in den monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam ging. Mein Part war es, Maria Magdalena vorzustellen – neben der jüdischen Prophetin Hulda und Aischa, die als Ehefrau Mohammeds eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Islam hatte. Dabei war ich wieder einmal überrascht, wie viele Leute aus dem Publikum Maria Magdalena immer noch wie selbstverständlich mit der „Sünderin“ oder der „Prostituierten“ gleichsetzten. Offenbar sind die entsprechenden Bilder noch immer sehr präsent, obwohl der Vatikan in den 1960er Jahren klar gestellt hat, dass es sich bei der Jüngerin Maria Magdalena und der „Ehebrecherin“, die von Jesus vor der Steinigung bewahrt wird, um zwei verschiedene Frauen handelt. Die Vermischung der beiden Figuren geht auf Papst Gregor zurück, der im 6. Jahrhundert vier biblische Frauen – Maria Magdalena, die Ehebrecherin, die Frau, die Jesus salbte und Maria, die Schwester Marthas – zu einer vermengt hatte. In Wirklichkeit war Maria Magdalena einfach eine Jüngerin Jesu, und zwar

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Filmreif: Paul Verhoevens Jesus-Buch

Wenn ein Hollywood-Prominenter ein Buch über Jesus schreibt, ist erstmal Skepsis angebracht – normalerweise folgt dann ziemlicher Schwulst. Nicht so bei Paul Verhoeven. Der niederländische Filmemacher, der durch Kassenschlager wie Basic Instinct berühmt geworden ist, kennt sich gut aus in der Materie. Er kennt die einschlägigen theologischen Debatten und Theorien und ist seit 1986 Mitglied im Jesus Seminar, einem US-amerikanischen Zusammenschluss kritischer Theologen und Bibelforscherinnen. In seinem gut recherchierten und schön verständlich geschriebenen Buch nimmt er sich einer Frage an, die viele Menschen interessiert, innerhalb der theologischen Wissenschaft aber seit langem als veraltet gilt: Wie war das damals wirklich mit Jesus? Was lässt sich aus den historischen Quellen und Dokumenten herausfiltern, wenn man davon ausgeht, dass nichts Übernatürliches im Spiel ist? Erfrischend ist, wie er mit dem Blick eines Filmemachers an die Frage herangeht, welche dramaturgischen Elemente die Autoren  (von Autorinnen geht Verhoeven nicht aus) der Evangelien, der frühchristlichen Briefe und anderer Texte wohl eingefügt haben. Das Ergebnis ist, wie

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