Mord und Totschlag – kleine Kommentar-Revue

Bei „Fisch und Fleisch“ drüben habe ich heute morgen unter der Überschrift: „Verlassene Männer sind häufig brutal. Das muss endlich ernst genommen werden“ über den Amokfahrer von Graz gebloggt. Leider war mir dabei in der ersten Fassung ein Fehler unterlaufen: Nicht 162 Frauen sind im Jahr 2013 in Deutschland mutmaßlich von ihren (Ex)Partnern getötet worden, sondern „nur“ 138. Den Fehler hatte ich aus einer wissenschaftlichen Hausarbeit übernommen, dort war die Statistik falsch interpretiert worden. Wen’s interessiert: Hier ist der Link zur Quelle beim BKA. Aber eigentlich komme ich deshalb hier noch einmal auf das Thema zurück, weil die Kommentare unter dem Blogpost so treffend sind, dass ich sie für die Ewigkeit retten möchte: Gleich am Anfang schon der Klassiker: NICHT ALLE MÄNNER! Ich habe dazu gelesen, dass rund 99,5 Prozent der verlassenen Männer in Deutschland NOCH nicht versucht haben, ihre ehemaligen Frauen und Freundinnen umzubringen. Nun stellt sich die Frage, aus welchen beiden Zahlen, ihren 162 (tragisch) getöteten Frauen oder

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Die Armseligkeit des Herrn Martenstein (und des ZEITmagazin)

Harald Martenstein verkündet, dass er demnächst auf ZEITmagazin online jeden Tag einen Kommentar beantworten will, und naiv wie ich bin, denke ich spontan, Hey, toll, vielleicht entdecken die Mainstream-Medien ja auch langsam, dass Kommentarfunktionen etwas Tolles sind. Oder jedenfalls sein könnten, wenn man sich als Gastgeberin einer Internetseite ein kleines bisschen darum bemüht. Ja, nennt mich naiv, allein beim Namen Martenstein hätte ich es natürlich besser wissen müssen. Aber wirklich, für einen Moment erschien es mir denkbar. Ich Träumerin. Herr Martenstein hält natürlich prinzipiell nichts davon, dass jeder Honk einfach so seine Meinung ins Internet tippen kann. Und die großen Zeitungen haben ja mit ihrem absichtsvoll fehlenden Bewusstsein für Kommentarkultur alles nur Erdenkliche dazu beigetragen, dass man ihre Diskussionsspalten nun wirklich nicht lesen kann. Aber, klar, man kann sich natürlich einen Spaß draus machen. Und so hofft Martenstein nun „auf wütende, beleidigte oder unsachliche Kommentare“, die er „gerne in gleicher Tonlage zu beantworten bereit“ ist. Er scheint wirklich stolz auf sich zu sein. Sowas Armseliges.

Trolle und ihre Absichten

Gestern habe ich drüben in meinem Gottblog christliche Fundamentalisten mit Trollen verglichen, weil auch sie eine sinnvolle Diskussion unmöglich machen. In der Kommentardiskussion wurde als Einwand gegen diesen Vergleich vorgebracht, dass religiöse Fundamentalisten meist keine böse Absicht haben, sondern ehrlich überzeugt sind, „im Namen des Herrn“ unterwegs zu sein. Die böse Absicht jedoch sei das wesentliche Charakteristikum von Trollen. Trollen ginge es nicht um die Sache, sondern sie würden Diskussion absichtlich stören bzw. hätten unlautere Motive wie Spaß am Stören, Suche nach Aufmerksamkeit, den Wunsch, Schaden anzurichten. Mit dieser Definition von Trolltum bin ich nicht einverstanden. Natürlich will ich nicht bestreiten, dass es sicher auch Trolle gibt, die einfach Spaß daran haben, andere zu ärgern. Aber ich glaube, wenn wir das Phänomen in erster Linie unter diesem Gesichtspunkt betrachten, geht das am Kern der Sache vorbei. Denn für den Effekt, den ein Troll für den Diskussionsverlauf hat, ist es ganz egal, in welcher Absicht er das macht. Aus meiner eigenen Erfahrung in diesem Blog kann

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Warum es hier keine Netiquette gibt

Das in diesem Tweet von Anne Roth (vermutlich aus Anlass dieses Blogposts) ironisch konstatierte „Naturgesetz“ ist leider wohl eine traurige Wahrheit. Auch an dieser Stelle waren die besserwisserischen Männerkommentare in feministischen Blogs ja schon häufiger Thema, ebenso wie das Phänomen der Trolle. Aber es lässt sich was dagegen unternehmen. Dass es sich für feministische Blogs empfiehlt, eine relativ strikte Kommentarmoderation zu haben, hat sich inzwischen herauskristallisiert. Und zwar ist das nicht wichtig, um sich unliebsame Kommentare vom Leib zu halten oder sie gar zu „zensieren“, wie dann ein schnell geäußerter Vorwurf oft lautet. Sondern es ist wichtig, um den Raum der Diskussion frei zu halten für die wirklich interessanten Debatten und attraktiv für diejenigen, die gerne konstruktiv mitdiskutieren wollen, aber keine Lust auf langweilige oder sich im Ton vergreifende Diskussionsstile haben. Bei manchen Punkten ist es leicht, sich dafür zu entscheiden, einen Kommentar gleich in den Papierkorb zu leiten: Wenn er sich im Ton vergreift, wenn er nicht zum Thema

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Die Sache mit den besserwisserischen Männerkommentaren in feministischen Blogs

Immer wieder stellt sich in feministischen Blogs die Frage, wie Frau mit den Kommentaren von Männern umgehen soll, die zwar nicht komplett beleidigend oder maskulinistisch sind (die können ohne weiteres gelöscht werden), aber doch in einem belehrenden und besserwisserischen Jargon daherkommen, der ein großes Unbehagen auslöst, bei mir jedenfalls. Das kommt gar nicht so selten vor. Einerseits tragen diese Kommentare nur sehr wenig zur inhaltlichen Diskussion bei. Andererseits steckt dahinter möglicherweise tatsächlich eine ernsthafte Absicht, mit feministischen Ideen ins Gespräch zu kommen, die sich nur unbeholfen ausdrückt. Oder die zumindest einen Konflikt eröffnet, der es Wert wäre, ausgetragen zu werden. Im Internetforum http://www.bzw-weiterdenken.de hat sich diese Frage kürzlich auch gestellt, und Dorothee Markert, eine der Redakteurinnen, hat darauf eine so brillante Antwort verfasst, dass ich sie – mit ihrem Einverständnis – auch in meinem Blog verbreiten möchte. Denn ich glaube, das Problem stellt sich nicht nur bei mir, und ihre Analyse kann auch für andere Blogbetreiberinnen erhellend sein. (Den Artikel von

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