Die Armseligkeit des Herrn Martenstein (und des ZEITmagazin)

Harald Martenstein verkündet, dass er demnächst auf ZEITmagazin online jeden Tag einen Kommentar beantworten will, und naiv wie ich bin, denke ich spontan, Hey, toll, vielleicht entdecken die Mainstream-Medien ja auch langsam, dass Kommentarfunktionen etwas Tolles sind. Oder jedenfalls sein könnten, wenn man sich als Gastgeberin einer Internetseite ein kleines bisschen darum bemüht.

Ja, nennt mich naiv, allein beim Namen Martenstein hätte ich es natürlich besser wissen müssen. Aber wirklich, für einen Moment erschien es mir denkbar. Ich Träumerin.

Herr Martenstein hält natürlich prinzipiell nichts davon, dass jeder Honk einfach so seine Meinung ins Internet tippen kann. Und die großen Zeitungen haben ja mit ihrem absichtsvoll fehlenden Bewusstsein für Kommentarkultur alles nur Erdenkliche dazu beigetragen, dass man ihre Diskussionsspalten nun wirklich nicht lesen kann.

Aber, klar, man kann sich natürlich einen Spaß draus machen. Und so hofft Martenstein nun „auf wütende, beleidigte oder unsachliche Kommentare“, die er „gerne in gleicher Tonlage zu beantworten bereit“ ist. Er scheint wirklich stolz auf sich zu sein.

Sowas Armseliges.

15 Gedanken zu „Die Armseligkeit des Herrn Martenstein (und des ZEITmagazin)

  1. Mach doch bitte mal wieder etwas Wichtiges!
    Die olle Tussi „Zeit“ ist wie „lesbische Männer“: Wer kennt die noch?
    Und du nimmst das auch noch wichtig.

    Solange, wie der Herr Harald Martenstein beim Fertigen seines Textes verweilt, so viel „Zeit“ muß ich dann noch aufbringen, wenn ich vom Anfang zum Ende NUR lesen möchte.
    So ist das halt mit der Zeit: Kaum einer hat sie noch, sie vertreibt weder sich noch Mensch „die Zeit“ und ist zu dick, zu langathmig und ständig winkend aus dem vorigen Jahrhundert, offenbar alles Schmidt-Schnauze-Überbleibsel, wobei der ja nun inzwischen längst im Heute angekommen ist, nur seine Schreiber ….
    Meist stellen sie heute die Fragen von gestern, statt gestern die von morgen, diese Leute dauern mich, die müssen so mit ihren Texturen beschäftigt sein, daß sie kaum ZEIT zum Inter Nettieren haben, was man dann auch merkt: Alles ist so geschrieben, als ob es für den Urlauber auf der stromlosen Südseeinsel gedacht ist, der gerade mal nicht für längere ZEIT ins Netz kann und viel Zeit hat.
    Und da machst du die Sorgen wegen der armen Seeligkeit des Herrn Harald Martenstein?
    Sein Text ist so pfiffig, damit könnte man direkt auf die ZEIT pfeifen.
    Wie lange er wohl dafür gebraucht haben mag, in seiner von dir gefundenen armen Seeligkeit?

  2. Ein bisschen kann ich ihn verstehen, denn – und das merkt man ja auch in den Blogs – es werden doch häufig Kommentare abgegeben, die wenig auf den Inhalt eingehen sondern mehr oder weniger irgendetwas anderes kritisieren oder beschimpfen oder Sonstiges. Das finde ich auch oft fragwürdig bis ärgerlich, weil dadurch ja dann die eigentliche Diskussion, die derer würdig wäre, total in den Hintergrund gerät…

  3. @EinSchönerWald – aber denkst du denn, das wird besser, wenn man das noch zelebriert, indem man auf demselben Niveau zurückballert?

  4. Nein, da hast du schon recht – das befeuert solch ein Vorgehen natürlich noch, vor allem sein provozierender Aufruf, ruhig kräftig zu stänkern! Ich kann nur seine grundsätzliche Kritik, die hinter dem Artikel steckt, verstehen.

  5. @Antje Schrupp schreibt: 8. Mai 2014 um 13:27
    „@EinSchönerWald – aber denkst du denn, das wird besser, wenn man das noch zelebriert, indem man auf demselben Niveau zurückballert?“ –
    Vielleicht? Zumindest für den Rückballerer der ZEIT, der das nun endlich AUCH mal haben möchte, denn auch die ZEIT ist irgendwann mal dran. Und das muß man dann auch üben, so wie Antje Schrupp und andere das auch (erst) üben mußten, bevor erfolgreich festgestellt werden Konnte, daß „Ballern“ nur kurzzeitig eigenen Frust des Rückballernden abbaut und vom angesprochenen Gemeinten oft schon gar nicht mehr gelesen oder auch nicht ernst genommen wird.
    Und so provozierend ist sein Aufruf nun auch nicht, trotz meiner „pfiffigen“ Erwähnung kommt doch alles eher bieder vom Biederen daher, ich sagte es schon: So pdfiffig, daß man damit auf die ZEIT pfeifen könnte.
    Dennoch:
    Auch das ist für die ZEITmagazin ein lobenswerter Schritt, jedoch: Herausgeber Schmidt macht das – im krassen Gegensatz zu seinem Chefredakteur – seit Jahrzehnten in JEDEM SEINER öffentlichen Auftritte, und jeweils meist mehr als pfiffig …

  6. Siehe zur „Kommentarkultur“ auch den Tagesschau-Artikel
    Rauer Ton in Internetforen: „Kommentare wie Kotzeimer“
    http://www.tagesschau.de/inland/republica144.html

    Ich finde es verständlich, wenn einer mal gerne „zurück koffern“ möchte. Vermutlich war das seine eigene Idee, schön für ihn, dass er sie im Rahmen seines Auftrags umsetzen darf. Ich finde, man soll auch in Großmedien mehr die Personen adressieren und nicht das Medium im Ganzen (wie Michaela es tut).

    Was jetzt NICHT heißt, dass ich Martenstein mag…!!!

    In seinem ersten Kommentar-Kommentar greift er übrigens ein Feminismus-Thema auf – es geht um einen Kommentar zu „Tussykratie“. Und sein Text wirkt eher „sehr bemüht“….

  7. @ClaudiaBerlin schreibt: 9. Mai 2014 um 08:10
    „Ich finde, man soll auch in Großmedien mehr die Personen adressieren und nicht das Medium im Ganzen (wie Michaela es tut).“ –
    Claudia, deine Sicht in Ehren, aber genau das Gegenteil war mein Anliegen.
    Es ging letztlich um die ZEIT, nicht um die Zeit, und wenn doch, so um die des Herrn Martenstein, und der ist – die ZEIT.
    Warum wohl?
    Sieh, ich mach doch beides zugleich:
    Schmidt-Schnauze (das ist der ehemalige Bundeskanzler), als Herausgeber der ZEIT, spreche ich (deutlich wohlwollend) in persona an – auch den Chefredakteur der ZEIT auch (Name eher nicht erforderlich), und den Herrn Martenstein wollte ich nicht zur einen oder anderen Seite verorten, auch wenn auch dir bei ihm bestimmte Fragwürdigkeiten (Tussykratie) „aufgefallen“ sind.
    Herr Martenstein bleibt wohl ein „Kind“ seiner „ZEIT“, da liegt das Problem – und damit mehr beim Chefredakteur und bei der ZEIT als beim Herausgeber, der in seiner Posituion ALLES „herausgeben“ kann, aber Herr Martenstein eben nicht, und dennoch: Er versucht es, in sogar „seiner“ ZEIT….
    Alles wieder klar?

  8. Hahaha, ich muss gerade ein bisschen lachen, wo doch eine unserer Disteln erst neulich einen „verspäteten“ (wie sie glaubte) Kommentar an den Martenstein geschrieben hatte. Das wird sie freuen. Vielleicht doch beobachtungswürdig 😉

  9. Hmm, ich glaube, Martenstein hält abstakt schon viel davon, daß jeder Honk seine Meinung publizieren kann. Nur gibt es halt zwei Ebenen hier: nicht alle Medien sind gleich, und auch nicht alle Kommentare. Das hat mit gesellschaftlicher Heterogeneität zu tun und mit Audience Fragmentation und ihrer häßlichen Schwester, der Filter Bubble. Marteinstein macht hier schon Perspektivwechsel, nur eben einen Perspektivwechsel aus der anderen Perspektive, top-down, ein bißchen ironisch sicher, und arrogant, aber sich der eigenen Schwäche durchaus bewußt. Ist das dann armselig? Kann man sicher fragen, aber es ist irgenwie auch empathielos. Gloating. Und Martenstein ist halt auch ein einfaches Opfer, weil er einer der wenigen Männer ist, die ihre Angst vor der Sprach- und Meinungspolizei zu rationalisieren versuchen, und nicht in billiges Rundumsichschlagen verfallen, auch wenn Du den letzten Punkt vielleicht anders sehen magst, weil es halt sachliche Meinungsverschiedenheiten gibt.

  10. Hey, toll, vielleicht entdecken die Mainstream-Medien ja auch langsam, dass Kommentarfunktionen etwas Tolles sind.

    Ist ja bei der „Zeit“ längst der Fall. Jedenfalls wird dort relativ aufwändig moderiert (also nicht nur in Form von Löschen oder nicht Löschen), und Martenstein wurde mehrfach aufgefordert sich zu beteiligen.

  11. Hallo Antje,

    mir ist da etwas aufgefallen: Dein Blogbeitrag „Die Armseligkeit des Herrn Martenstein “ wird in dieser Woche auf „newstral.com“ gelistet, wie Du ja wahrscheinlich auch weißt. newstral listet jeweils 3 Schlagzeilen aus letztendlich mehreren hundert Zeitungen sowie Schlagzeilen aus Blogs.

    Es gibt da bestimmt 800 bis 1000 Einträge, wahrscheinlich sogar noch mehr.

    DEINE Überschrift „Die Armseligkeit des Herrn Martenstein “ ist die einzige, in der ein Mensch namentlich genannt und ohne jede Begründung hämisch herabgesetzt wird, eine sogenannte Schmähkritik also.

    Ist Dir das auch aufgefallen?

    Lioness

  12. Hallo Antje,
    gemeint ist der Titel

    “Die Armseligkeit des Herrn Martenstein”.

    Es gibt keine vergleichbar herabsetzende Titelzeile über irgendeinen Menschen bei den aufgelisteten hunderten von Überschriften.

    Es gibt Titelzeilen wie:

    „SPD-NdL Klaus Meier weist Vorwürfe von CDU-Fraktionschef zurück“

    Hier wird der Name genannt, aber es gibt keine Verurteilung oder Herabsetzung des Betroffenen. Wer mehr wissen will, liest den Artikel. Wer ihn nicht liest, bekommt keinen herabsetzenden Eindruck des Betroffenen.

    Es gibt auch Titelzeilen wie :

    „Rechnungshof kritisiert Mehdorns Personalpolitik…“

    Hier wird ein Name genannt, der Betreffende wird aber nicht charakterlich verunglimpft, es wird auf eine konkrete Kritik an einem konkreten Punkt hingewiesen.

    Ich habe nur bei Deinem Titel diese schmähende Herabsetzung ohne Begründung gefunden.

    Fällt Dir selbst das eigentlich gar nicht auf?
    Hast Du denn solche Titel öfters?

    Hattest Du auch schon Titel, die Menschen namentlich aber undetailliert positiv darstellen?

    So etwas wie „Das Genie des Matthias Schmidt“ oder so ähnlich?

    Es fiel mir auf und ich habe mir Gedanken darüber gemacht, woran das wohl liegen könnte.

    Lioness

  13. @ die meisten anderen
    Herr Martenstein ist KEIN Opfer: Wer bei der ZEIT schreibt, ist niemals Opfer. Punkt.
    Herr Martenstein ist nicht „armseelig“, das habe ich nicht gelesen, denn solche eine Diskrim inierung wäre auch mir aufgefallen.
    Was ich gelesen habe, ist dies:
    „Die Armseeligkeit des Herrn Martenstein“ –
    es geht also nicht um „den armseeligen Herrn“ sondern um seine (!) Armseeligkeit, was etwas völlig anders zu Verortendes ist und bereits in der Formulierung das erforderliche (und wohl auch gemeinte und mitgelesene) Schmunzeln bereits in sich trägt. Der Rest des Textes unterstreicht die schelmisch fragende Ironie und den Spaß der Autorin daran, da das genau auch das ist, was Herr Martenstein für jeden miterlebbar der geneigten Öffentlichkeit mitteilen wollte, und er das auch tat.
    Gelegentlich würde ich mir bei und für uns alle Verblogten etwas mehr Freude und Spaß im ironisch-Lustigen wünschen und nicht so dicken Bierernst im „Finden“ von nur anscheinend diskriminierenden Sprachlitäten.
    Das ist übrigens der Grund, warum ich mich lieber hier mit blog-Staben als in der ZEITmit deren Buch-Staben beschäftige.

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