Vergrößert die Professionalisierung von Care das Gender Pay Gap?

Vielleicht habt ihr auch den Artikel kürzlich in der FAZ gelesen, der unter dem etwas reißerischen Titel „Die Mär von den ungerechten Frauenlöhnen“ noch mal das Thema Gender Pay Gap aufmacht. Die Beschreibung des Dilemmas in dem Artikel ist richtig, nur der Einstiegduktus polemisch, denn natürlich geht es bei der Kritik am Gender Pay Gap nicht nur um die direkte ungleiche Bezahlung bei vergleichbarer Arbeit (die es allerdings auch immer noch gibt), sondern um die Verteilung von Arbeit und Einkommen zwischen Frauen und Männern generell. Oder: Wenn Frauen weniger verdienen, weil die Einkommen in „Frauenberufen“ niedriger sind als in „Männerberufen“, dann ist das ja auch ein „Gap“. Oder wenn sehr viel mehr Frauen als Männer wegen Kindern in Teilzeit gehen. Unter’m Strich heißt das nämlich: Frauen haben weniger Geld als Männer in einer Kultur, in der sich alles ums Geldhaben dreht. That is the point. Kleiner Einschub: Es fällt mir häufig auf, dass feministische Strukturanalysen (wie etwa der Hinweis auf den Gender Pay Gap) verstanden

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Grundeinkommen und Sorgearbeit, Update.

Wer nach meinem neulichen Rant zum Thema „untaugliche Argumente für ein Grundeinkommen“ noch bezweifelt hat, dass Teile der Grundeinkommensbewegung tatsächlich meinen, die Sorgearbeit würde dann ja umso besser in Zukunft von den Frauen gemacht werden können, und die dürften sich dann sogar darüber freuen, weil sie ja das Grundeinkommen hätten, braucht nur mal diese Sendung des Bayrischen Rundfunks anschauen. Darin wird Götz Werner mit der Ansicht zitiert, das Grundeinkommen sei eine Bezahlung für Frauen, die Sorgearbeit leisten (letzter Satz vor dem letzten Zitat). Danke, dass ich das  nun schriftlich habe – bisher hatte ich das ja von ihm nur mündlich gehört und es war immer mal wieder bezweifelt worden, dass er das tatsächlich so sieht. Um es nochmal klar zu machen: Der Punkt ist hier nicht bloß die stereotype Geschlechtsrollenverteilung. Auch wenn die Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern gleich verteilt wäre (was sie natürlich nicht ist), wäre das Argument grundfalsch. Denn es gäbe immer noch die Ungleichverteilung zwischen denen, die Sorgearbeit leisten,

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Auch unter Linken ist die Bedürftigkeit der Menschen ein Tabuthema

Er hält sich hartnäckig, der Mythos von der Eigenverantwortlichkeit. Nicht nur neoliberale Leistunsträger-Ideologie, sondern auch die linke Kritik an sozialer Ungleichheit setzt immer noch  auf den autonomen Selbstversorger-Mann/Mensch als Modell für das, was wir uns unter gelungenem Menschsein vorzustellen haben. „Menschen müssen von ihrer Arbeit leben können“ heißt es zum Beispiel in einer kirchlichen Stellungnahme oder, wie in einem taz-Kommentar: „Die Entstigmatisierung von Hartz IV als normale Sozialleistung und nicht als Fürsorge ist der einzig positive Aspekt des Bürgergeld-Vorschlags der FDP.“ Aber diese Gegenüberstellung von „Fürsorge“ und „normale Sozialleistung“ ist Unsinn. Eher andersrum wird ein Schuh draus: Nur wenn wir Bedürftigkeit und Fürsorge als „normalen“ menschlichen Zustand begreifen, werden wir auch das Rechts- und Sozialsystem so einrichten, dass niemand dabei auf der Strecke bleibt. Kein Mensch kann von seiner Arbeit leben. Auch nicht die Starken und die Leistungsträger. Das angeblich so unabhängige und für sich selbst sorgende „Ich“ der männlichen Philosophie haben Feministinnen schon lange problematisiert und hinterfragt. Dabei gab es verschiedene Ausgangspunkte: Etwa die Kritik daran,

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