Haiti: Good women, bad men

Foto: artpost/Fotolia.com

In Haiti, so berichten verschiedene Medien, unter anderem tagesschau.de, sollen an den neuen Verteilstellen Lebensmittel nur noch an Frauen ausgegeben werden. Der Grund ist, dass es wohl zu „Drängeleien“ gekommen sei (man muss annehmen: von Männern), sodass die Schwächeren bei der Verteilung meist leer ausgingen.

Immer wenn ich solche Nachrichten lese, bin ich gleichzeitig erleichtert und verärgert. Erleichtert, weil es wahrscheinlich tatsächlich so ist, dass es bei der Verteilung von Lebensnotwendigem gerechter zugeht, wenn man dies den Frauen anvertraut, und sich nicht das Recht des Stärkeren ungebrochen durchsetzt. Das ist ja nichts wirklich Neues. In der Entwicklungshilfe hat man schon vor Jahren damit begonnen, stärker auf die Frauen zu setzen, sowohl was die Zusammenarbeit in lokalen Projekten betrifft, als auch zum Beispiel bei den Mikrokrediten. Und eine etwas abgewandelte Version davon ist ja auch die mit der Finanzkrise begonnene Debatte, ob mehr Frauen in verantwortlichen Positionen dem Desaster vielleicht abhelfen würden.

Verärgert bin ich, weil sich an dem Schema so niemals etwas ändert, wonach man sich immer auf die Frauen verlässt, wenn es darum geht, „das Gemeinwohl“ im Auge zu behalten und die herkömmlichen Regeln und Normen nicht mehr greifen. Ich stelle mir vor, dass der Druck, der nun auf den Haitianerinnen lastet, enorm sein muss: Sie müssen eine schier unlösbare Aufgabe schultern und dabei wahrscheinlich mit einer gehörigen Aggressivität von seiten der Männer zurecht kommen, die von der Lebensmittelverteilung ausgeschlossen sind.

Wie alle anderen, werden auch die Frauen vermutlich wollen, dass erst einmal ihre Kinder, ihre unmittelbaren Angehörigen und sie selbst das Lebensnotwendige bekommen. Gleichzeitig wissen sie, dass mit der „Bevorzugung“, die ihnen nun zuteil wird, auch die Erwartung an sie geknüpft ist, es „besser“ zu machen: Good women, bad men.

Doch das ist es nicht, was der feministische Einsatz für mehr weibliche Freiheit meint. Sicher: Die Forderung nach „mehr Frauen in verantwortlichen Positionen“ ist kein bloßer Lobbyismus, der Frauen den Zugang zu männlichen Privilegien ebnen soll. Es ist aber auch nicht das Versprechen einer besseren Welt, die die Frauen aus dem Hut zaubern würden, wenn man sie nur ließe.

Fakt ist: Wir wissen nicht, wie die Welt wäre, wenn sie von Frauen nach ihren Maßstäben eingerichtet wäre. Wir wissen nur, dass sie anders wäre, als die Welt, die wir jetzt haben. Und natürlich gibt es klare Hinweise darauf, dass manche Probleme, die aus der männlichen Kultur mit ihrem inhärenten Konkurrenzdenken, Egoismus und Autonomismus resultieren, dort nicht auftreten würden – das Vertrauen, das die Vereinten Nationen jetzt in die Haitianerinnen setzen, und zwar vermutlich zu Recht, ist einer davon.

Aber möglicherweise gäbe es in einer „weiblichen“ Kultur dann ganz andere Schwierigkeiten, die wir heute nur erahnen können, weil diese Kultur bislang überhaupt nicht flächendeckend wirksam werden konnte.

Jedenfalls liegt meine Hoffnung auf mehr weibliche Einflussnahme nicht darin, dass Frauen die Welt retten, dass sie den Kapitalismus sozialverträglich machen, die korrupte Politik wieder auf einen rechten Pfad führen und die Ungerechtigkeiten ausgleichen, die allgemein beklagt werden. Ich jedenfalls habe keine Lust darauf, irgend etwas „besser“ zu machen als die Männer. Ich möchte es so machen, wie ich es will.

22 Gedanken zu „Haiti: Good women, bad men

  1. Liebe @isquierda – ich kann deinen Ärger verstehen, aber ich bin nicht deiner Meinung. Es sind nicht einfach „die Männer“, die das Leid in der Welt verursachen, sondern „bestimmte“ Männer, nicht alle.

  2. An dem Leid in Haiti würde ich nicht einmal bestimmte Männer verantwortlich machen. In einem demokratisch geführten Land, dem es wirtschaftlich besser geht, wird das Leid nach einer Erdbebenkatastrofe vielleicht schneller gelindert. Aber für das Erdbeben selbst, kann man nicht einmal bestimmten Männern die Schuld in die Schuhe schieben.

    Und dass es vor allem Männer waren, die Leid in die Welt gebracht haben, liegt einfach daran, dass Frauen bis jetzt nicht so oft die Chance dazu hatten, Leid in die Welt zu bringen. Es waren ja auch Männer, die viel gutes geschaffen haben. Die ganze Ingenieurkunst, auf der unsere ganze Kultur beruht ist Werk von hauptsächlich Männern. Nicht dass die Frauen das nicht auch könnten, bis jetzt durften sie leider nur so selten zeigen, was sie können.

    Mich wundert offengestanden, Antje, dass du Isquierda überhaupt Verständnis entgegenbringst. Ich kann ihren Ärger nämlich nicht verstehen.

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  4. Wir Frauen sind ja soooo viel besser. Und Egoismus, Kunkurrenz etc das kennen wir Frauen alles nicht, alles männliche Eigenschaften. Komisch das ich andere Frauen kenne als du.

    Ich bewundere dich dafür, das du es schaffst nicht eine Sekunde darüber nachzudenken was du davon halten würdest wenn es Frauen wären welchen aufgrund ihres Geschlechtes die Nahrung verweigert würde, und die man zwangsweise in männliche Abhängigkeiten bringt. Zum Beispiel mit der Begründung das sie die Nahrung nicht vor Diebstahl verteidigen können.

    In Deutschland fordert man Gesetze um Frauen von Vorurteilen zu befreien die sie daran hindern in Führungspositionen aufzusteigen, wenn es aber darum geht den Frauen Vorteile zu verschaffen, nämlich die Macht über die Lebensmittel, dann ist es wieder Recht das die Frau die weiche, sanftmütige, gerechtere ist.

  5. Nur mal so., Sandra W. – hast du meinen Post überhaupt gelesen oder einfach mal so losgeschrieben? So scheint mir das nämlich.

    @Johannes – Du hast natürlich recht, dass die Männer nicht schuld sind am Erdbeben, aber die UN werden ja Gründe haben, dass sie Lebensmittel jetzt nur an Frauen ausgeben. Also scheint es ja wohl so zu sein, dass sich viele Männer bei der Lebensmittelverteilung nicht besonders mit Ruhm bekleckert haben. Also die Schuld daran kann man „bestimmten Männern“ schon zuweisen.

  6. Ich habe deinen Beitrag gelesen Antje, und ich kritisiere immer noch das es für dich scheinbar kein Problem zu sein scheint zu lesen das Männern aufgrund ihres Geschlechts die Nahrung verweigert wird. Die Begründung das ein paar Männer bei der Nahrungsmittelausgabe für Ärger gesorgt haben reicht dir um sämtlichen Männern *allein* aufgrund der Eigenschaft Mann zu sein nichts zu essen gegeben wird und man sie zwingt bei fremden Frauen um Nahrung zu betteln.

    Anstatt dich aber mit dieser Frage kritisch zu beschäftigen, konstruierst du hier eine Benachteiligung der Frauen aufgrund der Erwartungen die in sie gesetzt werden es besser zu machen. Glaub mir, das juckt die Frauen dort gerade sowas von überhaupt, die freuen sich nur das *sie* ihre Nahrung sicher haben. Ich möchte wetten eine solche Art von Benachteiligung oder wie man es auch immer nennt hast du (zu Recht) noch niemals für weiße Männer konstruiert, in die vielfach die Erwartung und die Verantwortung gesetzt wird Firmen und die Gesellschaft besser zu führen als dies Frauen täten. Die armen armen Männer 😉

    Du misst hier eindeutig mit zweierlei Mass, ich möchte dich nocheinmal bitten dir vorzustellen den Frauen würde die Nahrung verweigert mit der Begründung das Männer besser in der Lage sind die Nahrung vor Diebstahl und Raub zu schützen und zusätzlich noch der Begründung das sie bald besonders viel Kraft benötigen um nach verschütteten zu suchen, die Trümmer zu beseitigen, und die Häuser wieder aufzubauen. Könnte man augenscheinlich alles als Begründung nehmen, wird weit überwiegend von Männern erledigt und dient indirekt auch dem Wohl der Frauen, genauso wie man es jetzt mit Männern macht, nur umgekehrt. Fändest du das dann auch akzeptabel? Bitte sei ehrlich.

  7. Liebe Sandra, Ich weiß nicht, ob man mit so einer theoretischen Analyse an die Situation in Haiti herangehen kann. Ich nehme doch mal an, dass diese Maßnahme der UN aufgrund von pragmatischen Überlegungen vor Ort getroffen wurde. Ich glaube nicht, dass sie sich die Entscheidung leicht gemacht haben, und ich will mir nicht anmaßen, das, was da in dieser Situation jetzt angemessen ist, besser beurteilen zu können, als die Leute, die dort in dieser schwierigen Situation sind. Ich meine: Welchen Sinn hätte eine solche Maßnahme, wenn sie von Seiten der UN nicht mit der Erwartung verknüpft wäre, dass die Frauen die empfangenen Lebensmittel tatsächlich „gerechter“ verteilen? Und ich nehme doch auch an, dass das evaluiert wird, also dass auch überprüft wird, ob es wirklich funktioniert.

  8. Genau das ist es was mich so schockiert Antje. Diese weltweite Gleichgültigkeit mit der diese Entscheidung seitens der UN und einzelner Organisationen hingenommen wird, zumal sie in diesem Kontext einer akuten lebensbedrohlichen Notsituation einzigartig ist. Frei nach der Devise „Es wird schon alles seine Richtigkeit haben“ was da entschieden wurde. Genaugenommen stellt es eine indirekte Rückkehr zum Prinzip Frauen und Kinder zuerst dar.

    Die Frage ob nicht nur du, sondern vor allem die Gesellschaft als ganzes genauso unkritisch diese Entscheidung respektieren würde wenn Frauen pauschal keine Nahrung mehr bekämen, mit den beiden Begründungen die ich genannt habe, *oder* aber der Annahme ein paar Frauen hätten Männer an den Ausgabestellen zurückgedrängt und es wären die Männer denen man das „gerechtere Wesen“ attestiert, steht dabei immer noch im Raum. Würdest du ?

  9. hey,

    ich hab jetzt immer nur flüchtig über die berichterstattung gelesen, was die essensausgabe betrifft.
    aber so wie es bisher rüberkommt schürt das doch nur heteronormativität im sinne von 2 geschlechtlichkeit und vor allem im sinne von: mann – frau- kind
    was ist mit unverheirateten männern? wo kommen in der überlegung homosexuelle drin vor?
    das sind fragen die mir aufkommen…denn die frauen werden das essen, wie ihre männer, an ihre eigene familie/nangehörigen verteilen.

    ansonsten wieder schönes beispiel für postkolon. – weiße/r muss erst mal kommen und ordnung schaffen. sonst geht das ja nicht.
    so ist zumindest immer die berichterstattung und das was ich dazu erfahre.

  10. @Sanda W. Eine Frage an dich und eine Antwort von mir: Glaubst du wirklich, dass wegen dieses UN-Verfahrens jetzt in Haiti Männer nichts mehr zu essen kriegen, aber Frauen schon? Und die Antwort auf deine letzte Frage: Die ist wiederum rein theoretisch, ja, und auf dieser theoretischen Ebene kann ich dir antworten: Ja, wenn es tatsächlich so wäre, dass Männer durch Jahrhunderte hinweg bewiesen hätten, dass sie vergleichsweise selbstloser als Frauen sich um die Belange der Allgemeinheit kümmern, dann würde ich ihnen gegenüber genauso argumentieren. In der Realität ist es halt nicht so.

    @mimu. Natürlich, du hast recht: Dieses Verfahren der UN zementiert die Heteronormativität. Ich hab es nicht mit diesen Worten ausgedrückt, aber zumindest einen Aspekt davon habe ich in meinem Post thematisieren wollen.

  11. @Antje

    Zu deiner Frage: Ja ich bin der festen Überzeugung das es Männer gibt die dort zurzeit *aufgrund ihres Geschlechts* keine oder weniger Nahrung erhalten als sie benötigen, während die Nahrungsmittelversorgung der Frauen und derjenigen Männer die noch eine Frau haben sichergestellt ist, da diese sich ersteinmal selber mit dem was sie brauchen versorgen bevor sie etwas abgeben. Das ist natürlich und in beiden Geschlechtern konditioniert, Blut ist dicker als Wasser und auch Frauen achten in erster Linie auf ihre eigene Familie sowie auf sich selber, die Allgemeinheit kommt im Regelfall an dritter Stelle.

  12. Liebe Frau Schrupp, dafür hätte ich aber auch gerne von der UN eine Garantie, einen Beleg, einen Beweis, dass Frauen die Lebensmittel „gerecht“ verteilen. Ich nehme nicht an das wurde evaluiert. Es wäre natürlich auch interessant wie man das Beweisen könnte, dass Frauen selbstlos und gerecht sind oder sich um die Belange der Allgemeinheit kümmern. Hier stochert man wohl eher im Nebel rum. Aber man kann behaupten, dass sich die UN sicherlich einiges dabei *gedacht* hat.

    Der Wurm steckt auch schon in der Formulierung. Es heißt nicht Frauen würden *gerecht* verteilen, sondern eigentlich nur *gerechter*, was alles mögliche bedeuten kann. Für einen guten Rettungsplan verlässt man sich dabei dann doch ein bischen auf zuviel Spekulation. Die gleichen Spekulationen auf die man sich in der Entwicklungshilfe verlässt ebenso wie in der Diskussion über Frauen in verantwortlichen Positionen. Wir vergessen dabei auch nicht, dass Sie konstatieren, nicht alles besser machen zu wollen sondern einfach nur so wie Sie es wollen. Trotzdem wüsste ich gerne woher Sie den Fakt beziehen in einer weiblichen Kultur würden keine Probleme mit inhärentem Konkurrenzdenken, Egoismus und Autonomismus auftreten.

    Ich denke gerade diese wilden Spekulationen hat es den Haitianerinnen eingebrockt, dass die ganze Last und Verantwortung jetzt auf ihnen lastet. Genau so wie es die Heteronormativität zementiert hat. Vielleicht sollte der Feminismus mit seinen Spekulationen in Zukunft etwas vorsichtiger sein.

  13. Du schreibst:
    „Verärgert bin ich, weil sich an dem Schema so niemals etwas ändert, wonach man sich immer auf die Frauen verlässt, wenn es darum geht, “das Gemeinwohl” im Auge zu behalten…“
    —————
    Könntest du das bitte etwas näher ausführen? Ich fürchte, ich habe da etwas mißverstanden und möchte niemandem Unrecht tun.

    Gruß
    Chrsitian

  14. @Goofos – Deine Anmerkungen richten sich ja weniger an mich als an die UN. Da wären sie dann vielleicht auch besser adressiert. Ich habe ja schon in den vorigen Posts geschrieben, dass ich mir über den Sinn und Unsinn dieser Entscheidung kein Urteil anmaße, weil ich nicht vor Ort bin und daher die Situation letztlich nicht einschätzen kann. Mein Post hat sich ja auch ambivalent mit dieser Entscheidung auseinandergesetzt. Von daher verstehe ich deine Angriffe gegen „den Feminismus“ nicht (den es ja in dieser Eindeutigkeit auch gar nicht gibt), jedenfalls würde ich ihn nicht unbedingt in der UN für Zuhause erklären. Auch meiner Sicht ist das Verfahren aus genannten Gründen problematisch

    @Christian – dass man von den Frauen erwartet, gewissermaßen diejenigen Probleme zu lösen, die sich aus einer bestimmten, männlich dominierten Art,die Welt zu organisieren, ergeben, ist ein alter Hut. (Etwas verkürzt nach dem Motto: Die Männer ziehen hinaus in die Welt und erobern sie, die Frauen pflegen zuhause die Verwundeten und die Zukurzgekommenen). Diese dualistische Aufteilung halte ich für problematisch, weil beide Klischees sich auf diese Weise stabilisieren. Ich finde, auch die Frauen sollen „in die Welt ziehen“, aber so, dass trotzdem noch jemand sich um die Verwundeten und Hilfsbedürftigen kümmert. Beide Seiten, „das Ganze“, muss sich verändern und das tut es nicht, wenn man diese Rollenaufteilung immer wieder anwendet.

  15. Du bist also der Meinung, die Männer verursachen die Probleme und die Frauen ziehen die Karre aus dem Dreck. Verstehe ich das richtig so?

  16. Nein, dieser Meinung bin nicht ich, sondern das ist die Geschlechtsrollenzuweisung, die die männlich dominierte Philosophie sehr lange Zeit Frauen und Männern zugeschrieben hat. Hegel zum Beispiel charakterisiert so (in seiner Rechtsphilosophie) die bürgerliche Gesellschaft, wobei er natürlich nicht sagt, dass Männer Probleme verursachen, sondern er sagt, dass es die Aufgabe/das Wesen von Männern ist, dass sie draußen in der Öffentlichkeit in der Konkurrenz mit anderen Männern in einen Wettbewerb treten sollen, während es die Aufgabe/das Wesen von Frauen sei, dass sie innerhalb der Familie selbstlos und uneigennützig sich um die alltäglichen Bedürfnisse von Kindern z.B. zu kümmern haben.
    Diese Geschlechtsrollenklischees, die sich so oder ähnlich bei den meisten bürgerlichen Denkern seit dem 18. Jahrhundert und bis in die 1960er Jahre hinein finden, waren natürlich in der Realität niemals eins zu eins umgesetzt, aber sie haben doch unsere Vorstellungen von männlich und weiblich sehr geprägt und sich so auf das Verhalten von realen Frauen und Männern ausgewirkt. Und sie bilden auch einen Maßstab, an dem reale Frauen und Männer gemessen werden.
    Ich bin der Meinung, diese Interpretation von realen Frauen und Männern ist schlecht und muss geändert werden. Aber das geht m.E. nicht über eine „theoretisch-abstrakte“ Gleichheitsbehauptung, sondern nur so, dass es einer jeweils konkreten, realen Situation angemessen ist. Denn diese alte, patriarchale Ordnung war zwar falsch, hat aber in mancherlei Hinsicht tatsächlich funktioniert bzw. hat Dinge geregelt. Wenn wir nicht mehr wollen, dass es so funktioniert, müssen wir neben der Kritik am Klischee gleichzeitig überlegen, wie es denn anders funktionieren kann.

  17. Ich finde deine Ausführungen ziemlich abstrakt. Daher pardon, falls ich an deinem Beitrag womöglich „vorbeischreibe“. Ich bin eher ein Typ für das Konkrete, das liegt möglicherweise am Patriarchat 🙂

    Nun ja gut, daß Frauen nicht die zarten Wesen sind, für die Hegel sie hielt, ist mittlerweile erwiesen.
    Allerdings werden die Männer in Haiti ja nicht von der Lebensmittelversorgung ausgegrenzt (Es sind übrigens Männer, die ihresgleichen zu erklären haben, daß sie fortan selbst zusehen müssen, wie sie ans Essen kommen), weil man die Frauen in irgendwelche Rollen drängen möchte, sondern weil man sie für gerechter hält, nachdem einige Männer sich daneben benommen hatten. Daß sie sich davon unter Druck fühlen, kann ich nachvollziehen. Aber tröste dich, es ist auch nicht angenehm, wegen seines Geschlechtes als böse zu gelten.

    Nun, was kann man gegen das Klischee der schwächlichen Frau unternehmen? Was hälst du von diesem Vorschlag: Fangt an, euch anders zu verhalten: Raus in die Welt, mesdames, dort ist es schön, das macht voll Spaß. Nehmt in Haiti die Hacke und grabt ebenfalls Verschüttete aus, nehmt das Gewehr, eskortiert die Hilfstransporte und laßt euch von Banditen abknallen. Packt die Reissäcke an, baut die Häuser auf, dann habt ihr das Leben in der Öffenltlichkeit, das du einforderst. (Warum gibt es auf Baustsellen eigentlich keine Frauenquote?) Schießt Plünderer tot, zeigt der Welt, daß ihr das mindestens so gut könnt wie die Männer. Auf zum fröhlichen Welterobern. Zeigt uns Männern, was ihr alles könnt.

  18. Frauen als Sozialschmiere, nee… Erst werden sie vergessen und dann sollen sie alles wuppen, da kann frau ja nur zusammenbrechen

  19. Dieser ewige Streit wird m.E. zu sehr durch unsere kulturrelle Brille bewertet. Ich kann die Situation vor Ort in Haiti nicht beurteilen, habe aber auf vielen Reisen in abgelegene Bergdörfer Asiens IMMER eine ähnliche Erfahrung gemacht:
    In Dörfern, wo Frauen eine starke Rolle innehatten und als Dorfvorstände fungierten, wurden Entscheidungen, Ernteverteilungen, Anbaupläne immer unter dem Aspekt getroffen, ob möglichst alle und auch noch die nächsten Generationen, die Kinder und Enkel der Dorfgemeinschaft davon profitieren.
    Vielleicht liegt das den Frauen tatsächlich eher, weil sie ja die Kinder bekommen, und wenn sie mit andern Frauen eng zusammenleben, sich nicht nur für die eigenen verantwortlich fühlen.
    Ob das nun genetisch bedingt oder sozial anerzogen ist, kann sich jeder selbst überlegen.
    Und die Männer in diesen Gemeinschaften sind keineswegs minderprivilegiert, wie oft unterstellt wird.
    Tut mir leid, wenn ich damit ein Klischee bediene, ein eventuelles Vorurteil verfestige.
    Ich betone: ich erwähne nur, was ich dort beobachtet habe. Sonst nichts.
    Insofern hat mich diese UN Entscheidung nicht überrascht.
    Ursula

  20. Hallo Fr. Schrupp

    sollen an den neuen Verteilstellen Lebensmittel nur noch an Frauen ausgegeben werden.

    Hört sich so an als würden Lebensmittel nur noch an Frauen verteilt (zumindest an den Ausgabestellen, nicht in weiterer Folge).

    dass es bei der Verteilung von Lebensnotwendigem gerechter zugeht, wenn man dies den Frauen anvertraut,

    Auch das scheint mir mißverständlich formuliert, zumindest wenn ich die tagesschau-Quelle lese, dort steht nämlich, daß „für Frauen gesonderte Lebensmittelausgaben eingerichtet“ wurden.

    Kurzum: Es wurden _zusätzlich_ zu den bisherigen Ausgabestellen nun auch solche nur für Frauen eingerichtet. Mithin wird _an_ die Frauen verteilt, nicht _durch_ die Frauen, so versteh ich das zumindest.

    Und nach alldem scheint mir die banale Schlußfolgerung: Frauen versuchen sich nicht weniger und rücksichtsvoller vorzudrängeln, die Männer sind ihnen einfach nur körperlich überlegen (im Schnitt zumindest), wodurch Frauen zwangsläufig häufiger leer ausgehen.

    Jan (ein Mann der sich wieder mal auf den Schlips getreten fühlt 😉

  21. Jan hat im letzten Beitrag beschrieben, wie es funktioniert. Wobei ergänzt werden muss, dass sich an den Ausgabestellen für Frauen auch sehr unschöne Szenen abspielen, die an Brutalität und Egoismus der der anderen Ausgabestellen in nichts nachstehen. Die Dichotomie „Mann böse – Frau gut“ geht auch hier wieder nicht auf.

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